Wahre Verbrechen I Die Spur führte zum Friedhof I True Crime Dokumentation T
Wahre Verbrechen I Die Spur führte zum Friedhof I True Crime Dokumentation

Es ist ein Monster, aber halt im Schafpelz. Er sieht aus wie der absolute Durchschnittsbürger, den man tausendfach in der Fußgängerzone begegnet. Für mich ist jemand, der auf diese perfide Art und Weise tötet, da ist er her über Leben und Tod. Er hat die Macht über das Leben und den Tod seines Sexualpartners zu entscheiden.
Mörder sagt einem selten, dass ä dass er gerade jemand umgebracht hat eine Stunde vorher. Als Andreas Voges, Leiter der vierten Mordkommission Berlin an einem Maiorgen 2012 zu einem Einsatz aufbricht, ahnt er noch nicht, was in den nächsten Wochen auf ihn zukommen wird. Allerdings schon zu Beginn ist es kein Routineeinsatz.
Die Informationen, die wir damals bekommen haben, waren, dass eben in einem Dark Room äh eine tote männliche Person liegt, das ja eigentlich eine junger Mann oder relativ junger Mann war und das irgendwie überhaupt gar nicht klar war, wie er zu Tode gekommen ist. Interessant war ja eben auch der Tatort ein Dark Room äh ein Lokal, wo sich homosexuelle Männer zum Sex treffen und das ist ja auch eine Örtlichkeit, die jetzt ja auch nicht regelmäßig äh von dem Autonormal Menschen aufgesucht wird.
Da tauchen einfach Fragen auf, äh warum stirbt jemand in so einer Situation? Der Einsatzort, von dem in diesem Moment noch nicht klar ist, ob es auch ein Tatort ist, ist das Lokal Große Freiheit 114 in Berliner Szene Bezirk Friedrichshein. Ja, und hier war das damals hier genau an der Adresse.
Der Laden heißt noch genauso. Die große Freit muss man sich so vorstellen. ist ein ganz normaler Gastraum, der ganz normal auch ausgeleuchtet ist, wie man so eine Kneipe kennt eben im Prinzip. Und der Darkum ist dann weiter im hinteren Teil des Raums normalerweise absolut abgedunkelt, deshalb auch der Name Dark Room. Kommissar Fogs erinnert sich noch genau, wie er damals am 5.
Mai 2012 das Lokal große Freiheit zum ersten Mal betritt. Und so hat es eben damals ausgesehen. Durch die Tür war wirklich der kleine Eingang in das dahinter befindliche Lokal. Wir wechseln jetzt in den Bar und Tresenbereich. Äh so wie es sich damals dargestellt hatte. Natürlich war schon aufgeräumt, weil Nicki M ist ja erst gefunden worden, als der Barmann am Aufräumen war.
Insofern war schon eine gewisse Ordnung wieder vorhanden. Hier näheren wir uns jetzt langsam den Darkroom. Das ist der hintere Bereich. Jetzt natürlich nicht darkmäßig, sondern aufgeleuchtet, damit wir eben am Ort unserer Tatortarbeit verrichten konnten. Jetzt sieht man hier im Darkroom Bereich, der sich im rechten Bereich findet, hier noch mal den Zugang zur Toilette.
Im hinteren Bereich kann man schon die Umrisse von Nicki M erkennen, so wie er damals vorgefunden wurde. Na, die Gäste sind nach und nach aus dem Lokal verschwunden und es hat sich auch niemand im hinteren Bereich zunächst aufgehalten. Klar, ist auch alles dunkel und insofern ist Nicki M erst aufgefunden worden in der Situation eben, als man sauber gemacht hatte.
Der Tote Nicki M ist Stammgast in der großen Freiheit und deshalb schnell identifiziert. Er ist 37 Jahre alt, als er stirbt. Aber handelt es sich hier überhaupt um ein Verbrechen? Am Anfang ganz schwer zu sagen. Also, ob sich da ob es sich um Verbrechen handelte oder nicht. Es hätte ja natürlich auch eine Intoxikation sein können mit irgendwas Bewusstseinsbeeinflussendem oder ähnliches.
Es war natürlich auch ein Gerichtsmediziner mit draußen auch da. äh war jetzt erstmal h äh erstmal das Problem, weil eben keine offenkundigen Verletzungen da waren. Also alles hätte sein können, nichts muss. So eben im Prinzip und den weiteren Aufluss erhofft man sich dann eben bei solchen Sachen von der Obduktion. Die Leiche von Nicki M wird obuziert, aber auch die Sektion liefert keine gute Erklärung für seinen plötzlichen Tod.
Trotzdem Kommissar Foges hat kein gutes Gefühl bei der Sache. Natürlich hat man ein Bauchgefühl, entwickelt man das über all die Jahre, die ich das mache. Äh, aber es war schon irgendwie das, was nicht passt. Das war schon so ein bisschen vielleicht so 60, 40 äh wenn man das so ein bisschen in Prozenten ausdrücken könnte, dass irgendwas hier nicht gepasst hat.
Aber dass sich daraus ein Serienmörder entwickelt, das hat man weiß man am Anfang nicht. Eine verdächtige Spur führt zum Berliner Ostbahnhof, denn von Nicki M fehlt nicht nur das Handy, auch seine Geldbörse mit seinen Kreditkarten ist unauffindbar. Hier hatten wir eine erste bedeutsame Spur festgestellt und zwar ist hier die Karte aus dem Darkroom von Nicki M, dem Opfer erstmalig versucht worden einzusetzen und zwar bei dem Versuch eine Fahrkarte nach Sabrücken zu erwerben und das direkt nach dem Tod von Nicki M.
Allerdings die Kreditkarte des Toten ist nicht gedeckt. Der Kauf der Fahrkarte nach Sabrücken misslinkt deshalb. Was Kommissar Fog an diesem Morgen nicht weiß, während er versucht sich ein Bild von den Ereignissen zu machen, kämpft nicht weit entfernt, gerade ein anderer junger Mann um sein Leben. Seine Geschichte beginnt auf der Berliner Partymeile Warschauerstraße.
Er wartete dort morgens um 6 Uhr auf die S-Bahn, um nach einer Feier nach Hause zu fahren. Es ist Miroslav. Er lebt heute in Rio de Janero in Brasilien. So in der Wartezeit war es dann so, dass mich da quasi der Täter angesprochen hat, was hat man in der Nacht gemacht, wo war man unterwegs und so weiter. Normal ins Gespräch gekommen und dann meinte er muss dann in die gleiche Richtung, also ist dann mit mir in die gleiche Bahn gestiegen.
Der freundliche Fremde wirkt völlig harmlos. Bei der gemeinsamen Bahnfahrt bietet er Miroslav einen Likör, einen sogenannten kleinen Feigling an. nicht so bei gedacht. Ja, habe gesagt, ja, warum denn nicht? Äh, hab das Ding genommen, zwischen die Zähne geklemmt und runter gekippt und dann war das einfach nur noch so ein Moment im Kopf, wie es wie eine Explosion quasi.
Und das war wirklich, das hat man nur hier oben gespürt. Ja, das war jetzt nicht, dass es irgendwie nach starkem Schnaps gebrannt hätte, äh wie man das ja ab und zu mal hat. Äh, aber im Kopf das Gefühl, das das vergisst man nicht mehr. Daß der freundliche Fremde gerade im Begriff ist, ihn zu vergiften, das ahnt Miroslav in dem Moment nicht.
Er ahnt nichts von der tödlichen Gefahr, in der er schwebt, aber äh es gab ja keinen Grund, warum sollte da jetzt jemand vergiften wollen? Und ähm ehrlich gesagt war das nie ein Gedanke, weil man man hat solche Geschichten auch nie wirklich gehört. Also äh das das hätte jetzt in dem Moment irgendwie keinen Sinn gemacht.
Also um 6 Uhr morgens stelle ich mir nicht vor, dass da einer ans Wahngleist geht, irgendjemand fremdes anspricht mit dem Ziel, okay, ich versuche ihm jetzt irgendwie ein Getränk unterzujubeln, um dann irgendwie eine halbe Stunde später, wenn er ausgenockt ist, an seine Kreditkarte zu kommen.
Also der Gedanke war mir so weit fern, das war einfach äh nicht vorhanden. Ja, Bilder einer Überwachungskamera zeigen Miroslav gemeinsam mit dem unbekannten Täter. Ja, das Interessante ist, Miroslav We kann sich daran überhaupt gar nicht erinnern, wie er mit ihm dort im Ostbahnhof die Strecke geht. Der letzte Moment, an den ich mich so aktiv erinnere, war dann so das Gefühl, dass so ein unheimliches flaues Gefühl im Magen hatte.
Ähm, wie wenn man sich jetzt gleich übergeben will. Wir haben hier ein weiteres Video auch wieder vom Ostbahnhof. Leider nicht in der besten Qualität, aber hier sieht man ganz deutlich, wie sie von einem der Bahnsteige kommen, sich unterhalten, quasi wie eigentlich gute Freunde miteinander umgehen durch den Bahnhof schlendern.
Aber das Interessante ist, wenn man Miroslav danach fragt oder als wir ihn gefragt haben, er konnte sich an nichts erinnern. Und ich muss sagen, ich ich war dann auf Hilfe angewiesen. Also er hat dann irgendwann auch gesagt, ja, hey, ich kenne mich gut aus. Ich weiß, von wo jetzt hier ein Bus in der Nähe nach Wedding geht.
Ich bringe dich dahin. Und dann hat er noch irgendwie so auf meinen Rücken geklopft und meinte: “Hey, geht’s dir jetzt nicht gut?” Ja, zurückblickend kann man überhen. Ja. Ähm ja, du weißt, glaube ich, auch warum. Ja, Miroslav geht es sehr schnell, immer schlechter. Der scheinbar fürsorgliche Täter bringt ihn zur Bushaltestelle.
Dort bricht Miroslav zusammen. Bist du schon fast zu Hause. Alles kriegen kurz darauf verliert er das Bewusstsein, fällt ins Koma. Sein Herz steht still. Das wird schon, Kungel. So wie ich das gehört habe, dann später sah das so aus. Ja, also war ein Herz und Atemstillstand und äh ja, die Rettungssanitäter musste mich ins Leben zurückholen.
Ja, na ja, es war ja eigentlich schon vorbei. Also, wenn der Anruf nicht gewesen wäre, wä es halt einfach nur nur eine Leiche mehr. Ja, es ist eine junge Frau namens Denise, die ihn zufällig entdeckt, als er gerade ins Koma fällt. Sie ruft sofort einen Krankenwagen und rettet Miroslav so das Leben in Berlin und es ähm er hat kein Puls und liegt hier.
Und dann noch mal der Danke an dieser Stelle an Denise für den Anruf, weil ohne diesen Lebensretteren Anruf äh wäre das auch noch vorbei gewesen schon in dem Moment. Im Krankenhaus kämpfen die Ärzte um sein Leben und gewinnen. Am nächsten Tag kommt Miroslav wieder zu sich. Paar Stunden später kam dann auch der Arzt und meinte dann ja auch: “Hey, was wie sieht’s aus? Was hast du letzte Nacht genommen?” Und ich habe ih ja eigentlich erzählt: “Hey, eigentlich hatte ich ja nur Alkohol getrunken und dann war so seine seine Nachfrage: “Aha
und woher kommt das Liquid easy? Wie kommt das in ihr Blut?” Liquid Ecstasy, auch Kot Tropfen genannt. Die Substanz nockt Menschen erst aus und führt in höherer Dosierung zum Tod. Hatte sie der freundliche Fremde in den kleinen Feigling gemixt, um Miroslav Geld und Kreditkarte zu rauben? Tatsächlich Geld und Kreditkarte sind verschwunden und habe dann aber, glaube ich, an dem Sonntag auch schon gesehen äh in meiner Online Kreditkartenabrechnung, dass da irgendwas passiert ist.
Da war irgendwas mit der Deutschen Bahn, zwei Abwuchungen, ganz komisch. Am Berliner Ostbahnhof war eine Fahrkarte nach Sabrücken gekauft worden. Genau wie mit der Kreditkarte des Toten aus dem Dark Room eine Stunde zuvor. Davon weiß Miroslav nichts, aber er erstattet Anzeige bei der Polizei. Na ja, als ich das gehört habe bzw.
Weise die Anzeige gelesen habe. Da schrillen natürlich Alarmglocken. Und so ungefähr eine Stunde oder zwei Stunden später hat Telefon schon geklingelt von der Kriminalpolizei da und die haben gesagt: “Hey, wir würden gerne bei Ihnen vorbeikommen, wir würden gerne die Sachen abholen, die sie in der Nacht getragen haben und äh ja, wir bräuchten auch noch mal eine Aussage von Ihnen bezüglich der Freitagnacht.
” Ja, über den Hinweis, dass Miroslav KO Tropfen im Blut hatte, das war natürlich für uns extrem wichtig, weil ich konnte diesen Hinweis dann auch an den Obdozenten von Nicki M geben und tatsächlich konnte der Wirkstoff nachgewiesen werden und zwar im toxischen Bereich, also oder im letalen Bereich und somit hatten wir dann endlich eine Todesursache.
wussten, wie Nicki M zu Tode gekommen ist, nämlich durch Kot Tropfen. Mit Hilfe von Miroslav sichern die Ermittler um Kommissar Foges weitere Videoaufnahmen vom Täter am Berliner Ostbahnhof, wie er hier entgegenkommt und wir in hoffen, dass er den Kopf hebt. Also er verlässt jetzt ja gleich den Bereich der Kamera und ja, das sind eben so Ermittlerwünsche, die man an diesem Punkt hat und sagt, komm, bitte heb den Kopf, damit wir eine Möglichkeit haben, dich zu identifizieren, andere Möglichkeit haben, aber leider ist es zu diesem Zeitpunkt nicht passiert, was
natürlich dann die Ermittlungen ja sehr stark erschwerten. Ja, wer ist der Mann, der den Kopf nicht heben will? Trotz öffentlicher Fahndung, niemand erkennt den Täter. Rund zwei Wochen nach dem Dark Room Mort meldet sich dann eine ältere Dame bei Kommissar Fog. Eigentlich sagte sie mir gleich, dass äh sie eigentlich zu den Sachen oder zu dieser Geschichte mit dem Darkum eigentlich gar nichts sagen könnte, aber sie war irgendwie so in der Trauerbewältigung und gab den Hinweis, dass sie auch ein Enkelsohn hatte.
Dieser Enkelsohn Ende April dann 2012 verstorben ist. Ja, auch hier hatten wir eine Situation, ein junger Mann Anfang Mitte 30 verstürbt im häuslichen Umfeld, ohne dass jetzt erstmal eine greifbare Todesursache da ist und dass ja äh dass ihr sie wollte sicherstellen, dass wir als Polizei wissen, dass ihr Enkelsohn homosexuell war und so nebenbei erzählte sie mir, dass da ja auch Gegenstände aus seiner Wohnung fehlen.
Die Leiche von Alexander M. liegt noch in der Gerichtsmedizin. Sofort lässt Kommissar Fog sie obuzieren. Es stellt sich heraus, auch Alexander M wurde mit KO Tropfen umgebracht. Vog hat einen ungeheuren Verdacht. Haben wir hier jemand ein Serientäter, den wir ganz schnell festnehmen müssen, um eben weitere Taten dergleichen Art zu verhindern? Der Mann verabreicht Alexander M.
die Kot Tropfen in dessen Wohnung, bringt ihn dann noch ins Bett und deckt ihn zu. Anschließend stielt er ihm eine Jacke. Eine Jacke, die er später auf dem Überwachungsvideo trägt. Damit ist klar, es handelt sich um denselben Täter. Die Ermittler kommen ihm auf die Spur, als sie die Telefonverbindungen des Toten Alexander M untersuchen.
Und da war einer der letzten Kontakte eben Dirk P. Dirk P. hatte sich mit Alexander M. per Telefon verabredet. Am Abend seines Todes hatten sich die beiden bei Alexander M. zu Hause getroffen. Jetzt schlagen die Ermittler zu und bereits im Rahmen der Abholung, als er die ersten Kontaktaufnahmen waren auf der Fahrt hier ins Gebäude, hatte er schon eingeräumt, dass er der letzte Kontakt von Alexander M war bei ihm in der Wohnung war und dass ich da irgendwas abgespielt hatte.
Die Ermittler suchen gemeinsam mit Dirk P dessen Wohnung auf und werden fündig. Dieses Bild hat sich uns ergeben, als wir die Wohnung von Dirkp durchsuchten. Und hier vorne sieht man ganz deutlich unten, wie für uns platziert eine Flasche kleiner Feigling. Er hat sich überhaupt keine Mühe gemacht dieses diese Flasche zu verstecken.
Wir mussten einfach den Eindruck gewonnen oder gewinnen, dass diese Flasche auch für uns bestimmt war, dass er vielleicht auch wollte, dass er überführt wird und es gab noch mehr Opfer. Wir konnten feststellen, dass es dann tatsächlich noch einen weiteren Toten gegeben hatte, dass es eben auch da wieder die gleichen Eckdaten männlich, homosexuell, mittleren Alters aufgefunden, unerklärlich mit unerklärlicher Todesursache im häuslichen Bereich.
Auch da war klar, dass es wiederum ein Toter den Dirk P zu verantworten hat. Der P führt die Polizisten an die Orte seiner Taten. Der 37-jährige Lehramtsstudent erklärt auch, wie er vorgegangen ist. Doch warum er getötet hat, erklärt er nicht. Psychiatrische Gutachter kommen zu dem Schluss: Es ging dir P um Macht, Her sein, Überleben und Tod.
das Vergnügen seinen Opfern beim Sterben zuzusehen. Wenn man diese ganzen Sachen übereinander bringt, also da sehe ich schon, dass man da einen ja psychopathischen Menschen hat, äh wahrscheinlich mit keiner Empathie für seine Mitmenschen, der glücklicherweise, so muss man sagen, dann durch uns gestoppt werden konnte. Dirk P.
langen Gefängnisstrafe verurteilt. Kurz darauf nimmt er sich in der Haft, das Leben. Ich schloss die Tür auf und dann fiel mir meine Mutter entgegen, völlig aufgelöst. Die Christiane ist tot. Die Christiane ist tot. Die Christiane ist tot. Und daraufhin hat er erzählt, dass äh das ein bisschen gefuchst hat und er sie zur Rede stellen wollte und dann hat er mich ganz ernst angeguckt und hat gesagt, dann ist es passiert.
Alle waren so der Ansicht, ähm der Prozess befindet sich auf der Zielgeraden und dann gibt’s eine Verurteilung und dann äh am Ende des Tages war klar, irgendwas ist da passiert in diesem Gericht. Das war ein Schlag ins Gesicht wäre falsch. Das war einfach freier Fall. Das war das war so so kurz vom Ziel einfach freier Fall, wo man denkt, das kann ja jetzt wohl nicht wahr sein.
Aschaffenburg, Dezember 1979, das Zuhause von Familie Junker. Vater Waldefried arbeitet als Rangierer bei der Bundesbahn. Das Ehepaar lebt hier mit seinen drei Kindern. Christiane ist die älteste. Im Januar wird sie 16. Wir waren ja nur eineinhalb Jahre auseinander und wir haben zusammen gespielt.
Wir sind zusammen groß geworden. Ähm ja, wir waren sehr eng. Wir waren äh sie war meine sie war meine große Schwester und sie war auch ein bisschen die taffere. Also sie hat es einfach gut äh gut gemanaged. So, sie war die größere Schwester als vier, fünfjährige im Pombianum. Wir haben oft als Kind dort auch gespielt.
Meine Mutter liebte den Garten, deshalb sind wir oft dort gewesen. Ich glaube sogar am Frühstückstempel. Karneval selbstgeschneidete Kostüm, meine Mutter des selbstgeschnitten. Meine Schwester als Anche von Holland und ich als Brezelberger. Komm, gemeinsam Kommunionen. Damals hat man das gemacht. Das sind, wenn Kinder nah aneinander geboren war wurden, hat man die gemeinsam zur Kommun geschickt.
Letzter Urlaub in Kalper, Spanien 1978, Sommer 78 erster und einziger Urlaub ohne Christian 1980. Ich glaube, in dem Viertel, in dem wir groß geworden äh sind, gab es kaum einen Jungen, der irgendwie Christiane nicht kannte und nicht gut fand und nett fand. Also meine Schwester war hübsch, aber sie war nicht nur hübsch, sie war auch einfach, ich glaube, die netteste, der netteste Mensch, den man sich vorstellen kann.
Christiane ist auf dem Weg zur Frau, macht erste Bekanntschaften mit gleichaltrigen. Es wird geknutscht, mehr nicht. Der Vater will seine Tochter beschützen. Er verbietet ihr einen Freund zu haben. Immer wieder kommt es deshalb zum Streit. Noch fügt sich Christiane. Hier haben wir gewohnt früher. Hier bin ich groß geworden.
Das war die elterliche Wohnung. Und später sind wir, meine Schwester dann hier rüber gezogen. Ah, das war das Bad. Das war glaube ich das Küchenfenster und hier hat meine Schwester das Zimmer gelegen. Mein Zimmer war auf der anderen Seite Richtung Straße. Ah, hier die letzten zwei Jahre ihres Lebens verbracht. Mels haben alle ihre Geheimnisse und sie waren eineinhalb Jahre älter.
Das macht auch schon viel aus abon 14. Glaube sie hatte schon einige Flirts von Sinn oder irgendwie Dinge erlebt und gemacht von denen sie mir nicht hier im Detail berichtet hat. Sonntags ist Tanzkurs. Manchmal wird Christiana anschließend von einem Verehrer nach Hause gebracht. Unter der Woche macht sie eine Ausbildung zur Bürgehilfin in einer Steuerkanzlei.
Auch am 18. Dezember 1979 ist sie dort. Ich ging zur Schule. Es war ein Dienstag, ganz normaler Schultag. Ich war morgens nicht zu Hause, kam mittags erst heim, habe mich dann zu Hause hingesetzt und hab Fernsehen geguckt. Gegen 17:15 Uhr kommt Christiane von der Arbeit. Eine halbe Stunde später verlässt sie die Wohnung aber noch mal.
Dienstags und donnerstags ist Stehenokurs in der Kolpingschule. Der Weg führt sie über den Dämmer Steg, der die Bahngleise überbrückt. Normalerweise geht sie die Strecke mit einer Freundin, doch die hat heute abgesagt. Der Kurs dauert bis 19:30 Uhr. Als Christiane um 20 Uhr noch nicht wieder zu Hause ist, wird ihre Mutter nervös.
Die erste Erinnerung war die, das äh ziemlich wild an meiner Tür geklingelt hat. Wir hatten ja die Wohnung gegenüber und meine Mutter stand draußen, hat geklingelt, geklingelt, geklingelt. Ich habe eine Tür aufgemacht. Hast du Christiane gesehen? Ist die Christiane zu Hause? Ich sag nein. Ja, wo ist sie denn? Wo ist sie denn? Die muss schon längst da sein.
Musste schon längst zu Hause sein. Meine Mutter war dann schon ja in großer Aufregung, hat dann rumtelefoniert. Das habe ich noch mitgekriegt. Freundin angerufen. Ist die Kastane bei dir? Es war eben nicht der Fall. Dann kam mein Vater schon nach Hause. Dann haben sie die Polizei schon angerufen, ziemlich früh und äh und sind dann wirklich auch mal raus und sind den Weg abgelaufen und ich blind zu Hause glebt.
Man rechnet doch nicht damit, dass die Schwester gerade ermordet worden ist. In dieser Nacht wird die Temperatur in der Schaffenburg von 9 auf 2° fallen. Gegen 22 Uhr setzt leichter Regen ein. In der Stadt ist zu diesem Zeitpunkt noch eine Zivilstreife der Polizei Aschaffenburg unterwegs. Der Vater hatte telefonisch die Tochter auf bemisst gemeldet.
Die Alzentrale hat uns dann zur Adresse von der Familie Junger beordert. Und ich kann mich noch äh erinnern äh, dass wir ich meine das war der Vater und die Mutter. in Flor angetroffen haben in der Wohnung und äh diese Mistanzeige entgegengen genommen haben. Die Beamten informieren die Zentrale. Das war auch äh ja Standard, dass man dann erstmal eine Funkverhandlung absetzt mit Personenbeschreibung nach der vermissten Person auch über die Einsatzzentrale.
Ja. Und äh das ist eigentlich das, was man nach der Vermistanzeige Aufnahme macht. hören. Wie nach jedem Einsatz wird Hart später noch einen Aktenvermerk anfertigen. Er beginnt folgendermaßen. Der Vater der vermissten, Herr Waldefried Junker teilte der Einsatzzentrale gegen 20:15 Uhr telefonisch mit, dass seine Tochter Christiana bisher nicht nach Hause gekehrt sei.
Drei Tage später ergänzen Polizeibeamte der Einsatzzentrale, dass der Anruf des Vaters zwischen 20:47 Uhr und 20:49 Uhr eingegangen sei. Also rund eine halbe Stunde später als im Vermerk angegeben. Ein Detail, das noch eine wichtige Rolle spielen wird. Ja, irgendwann bin ich ins Bett gegangen. Ja, Schultag am nächsten Tag.
Äh ja, ich also ich habe mir die Welt irgendwie auch zurecht geredet. Ich dachte, ne, sie hat jetzt bei einer Freundin über Nacht oder sie bleibt bei einer Freundin und morgen früh ist sie dann wieder da und so irgendwie. Man rechnet wie gesagt nicht damit. dass deine Schwester gerade Opfer geworden ist eines Gewaltverbrechens.
Also redest du dir irgendwie auch die Welt schön, ne? Man versucht sich selbst zu beruhigen. 19. Dezember 1979, 12 Uhr mittags. Der Parkwächter Wilhelm Adler macht seinen ersten Rundgang durch den Aschaffenburger Schlossgarten. Am sogenannten Frühstückstempel findet er auf dem Boden verstreut eine Jeans, eine Strumpfhose, eine Unterhose, ein paar Schuhe und eine Kordtasche.
Adler faltet die Kleidungsstücke ordentlich zusammen und legt sie unter einem Baum ab. Von der Fundstelle aus führt eine Schleifspur zum Geländer. Auf dem Boden liegt ein silberner Armreif. Als Adler über das Geländer schaut, erkennt er hinter dem ehemaligen Vereinshaus des Ruderclubs Erchaffenburg einen leblosen Körper.
Adler ruft die Polizei. Schnell ist klar, es handelt sich um die vermisste Christiane Junker. Ich bin ja nach Hause gekommen nach Schulschloss und äh und schloss die Tür auf und dann fiel mir meine Mutter entgegen, völlig aufgelöst. Die Christiane ist tot. Die Christiane ist tot. Die Christiane ist tot. Fünf Tage vor Weihnachten wird eine Sonderkommission aufgestellt.
Wie ein Lauffe verbreitet sich in der Stadt die Nachricht von dem toten Mädchen aus dem Schlossgarten. Die Bevölkerung war natürlich geschockt, das ist ganz klar. Da hat jeder drüber gesprochen. Ich meine, so ein Fall jeder hat natürlich gedacht, mein Gott, meine Tochter und meine Kinder. Das ist klar. Das war Stadtgespräch in der Schaffenburg und Umgebung.
Da äh da sind wir auch ständig drauf angesprochen worden. Die Leute haben angerufen bei uns und jeder hat natürlich auch damit gerechnet, dass die Polizei irgendwann den Täter finden wird. Die Zugänge zum Schlossgarten werden im Winter um 5 Uhr abends verschlossen. Die Ermittler vermuten, dass der Täter mit dem Opfer über ein Schlupfloch neben diesem Tor in den Schlossgarten gekommen sein muss.
Offensichtlich kennt er sich hier aus. Peter Herrock gehört als junger Kriminalbeamter zur Sonderkommission. Er verschafft sich vor Ort einen Überblick über den Tathergang. Die Kleidungsstücke des Opfers wurden hier hinten in der Ecke gefunden. Da war damals eine Bank gewesen und hier war eine Schleifspur festzustellen, die hier reinführte.
Akribisch wird die Spurenlage in einer Tatortskizze festgehalten. Die Schleifspur spricht dafür, dass christiane Junker bereits bewusstlos ist, als der Täter sie hinter ein Gebüsch schleift. An dieser Mauer entkleidet der Täter sein Opfer und versucht sich an Christiane zu vergehen. Anschließend schleift er sie wieder aus der Dickung.
Es muss so gewesen sein, dass er rückwärts gegangen ist und äh die Gedöte da schon bewusstlos oder tot war und dann mit den Füßen hier raus bis zum Geländer gezogen hat. Die Schleifspuren im Kies führen zu einem Eisengeländer. Dahinter geht es 14 m in die Tiefe. Die Spurenlage ist eindeutig. Dann haben wir genau feststellen können, dass hier an dieser Stelle die Ding aufgehört, die Schleif aufgehört hatte und der Täter das Opfer nach unten geworfen hat.
In der Nacht muss der Täter zur Leiche zurückgekehrt sein. Er schleift den Körper ca. 6 m weit in den Schatten des ehemaligen Ruderclubvereinshauses. Anschließend schlägt er mit einem Kantholz mehrmals auf den Kopf des leblosen Mädchens ein. Dann lässt er es auf dem Körper liegen. Das kann man sich überhaupt nicht vorstellen.
Wie bringt er das fertig, so ein Mädchen dann daunter zu werfen? Und wir haben ja es viel später erfahren, dass er dann der Täter dann noch mal gekommen ist zu der Toten oder der schwerverletzten und hat sie unten liegen sehen und hat sie es dann mit äh einem Brett noch mal hat er sie noch mal am Kopf geschlagen und dann war sie endgültig tot. Furchtbar.
Warum wollte der Täter sicher sein, dass Christiane Junker wirklich tot ist? Weil sie ihn kennt. Noch am selben Tag findet auf dem Waldfriedhof die Obduktion statt. Christiane Junker wurde erwirkt. Die Verletzungen durch den Sturz und das Kantholz sind ihr nach ihrem Tod zugefügt worden. Spuren einer Vergewaltigung entdecken die Gerichtsmediziner nicht.
Allerdings der Täter hat eine Bisspur an der Brust des Mädchens hinterlassen. Die Erwartungshaltung war vom ersten Tag angroßen, nicht nur in der Familie, sondern auch in der Bevölkerung. Es war ein enormer Erfolgsdruck bei der Polizei da. Und dann muss man aufpassen, dass man da jetzt nicht den Fehler begeht und sich irgendwo einseitig einschießt und alles andere aus den Augen lässt.
Man muss also in allen Richtungen ermitteln und äh dann eben auch Ergebnis präsentieren zu können. Mit Hochdruck bemühen sich die Ermittler die letzten Stunden im Leben von Christiani Junker zu rekonstruieren. Der Stenokurs endet um 19:30 Uhr. Eine Kursteilnehmerin wird von ihrem Vater mit dem Auto abgeholt.
Die beiden sehen Christiane im Vorbeifahren. Sie ist allein. Gegen 19:35 Uhr befindet sie sich in Höhe der Drogerie Fuchs Richtung Dämmersteeg. Bis nach Hause sind es von hier aus zu Fuß noch ca. 12 Minuten. Es ist das letzte Mal, dass Christiane Junker lebend gesehen wird. Der Schlossgarten liegt in entgegengesetzter Richtung. Bis zum Tatort sind es ca.
5 Minuten. Die Ermittler sind sicher. Unter Zwang oder mit einem Fremden wäre Christiane Junker nicht in den Schlossgarten gegangen. Wir haben uns dann natürlich Gedanken gemacht, wie kommt das Opfer an den späteren Tatort? Weil äh unfreiwillig kann man in der 16-jährige dort nicht reinbringen.
Das heißt also, dass sie womöglich den Täter gekannt haben könnte und mit ihm aus welchen Gründen auch immer in diesen Park gegangen ist. Freitag, den 21. Dezember meldet sich um 12:37 Uhr ein Hinweisgeber per Telefon bei der Polizei. Der Mann bittet um Vertraulichkeit. Er weist auf einen Jungen hin, der im selben Haus wie die getötete Christiane Junker wohnt und sie auch gut gekannt hat. Konrad R.
17 Jahre alt, Polizeibekannt wegen zahlreicher Eigentumsdelikte. Für den Diebstahl eines Mopeds wurde er zu sech Monaten Haft verurteilt. Die Bewährung läuft noch. Den Schlossgarten kennt Konrad R wie seine Westentasche. Schließlich ist er in der Nähe aufgewachsen. In den ersten Tagen hatten wir keinen direkten Tatdacht.
Es fiel natürlich auf auch an ein Jugendlicher, der im gleichen Haus wie das Opfer wohnte. Den hat man sie schon mal unter Augen genommen. Er wurde dann auch vernommen. In seiner Vernehmung verwickelt sich Konrad R. in erhebliche Widersprüche. Ein Alibi für den fraglichen Tatzeitraum hat er nicht. Bei der Polizei meldet sich jetzt die 14 Jahre alte Carmen F.
Die Ex-Freundin von Konrad R. Ihre Aussage lässt die Ermittler aufhorchen. Ken F. War am 28. Oktober 1979 mit Konrad R in den Schlosspark gegangen, um Zärtlichkeiten auszutauschen. Keine 200 m entfernt vom Tatort, kaum zwei Monate vor dem Mord an Christiane Junker. Doch kamen F. W keinen Sex mit Konrad R. Der verliert daraufhin die Nerven und beginnt das Mädchen zu würgen.
Mit letzter Kraft kann sie sich losreißen und fliehen. Dadurch war ist er schon auch in den Fokus, sag mal geraden hin zu einem Tatverdacht, aber äh es hat sich dann etwa einem Monat später war es ein Aktenvermerk war dann da davon eine Polizeistreife äh die diesen ja Anführungszeichen Tatverdächen, an diesem Abend, an dem Tatabend äh ganz woanders um die Zeit gesehen. haben will.
An dem Abend, an dem Christiane Junker getötet wird, befinden sich die Polizeibeamten, die später ihre besorgten Eltern aufsuchen werden, zuvor bereits auf Streife. Das war eigentlich, soweit ich mich erinnere etwas unruhige Nacht. Wir hatten mehrere Aufträge oder Einsätze, der Kollege Blanc und ich, und äh unter anderem auch in der Nähe von Umpassgasse oder in der Nähe von der Herstallgasse in irgendeiner Straße dort war irgendein Sachverhalt zu klären.
Da waren wir auch im Auftrag der Einsatzzentrale dort und auf der Fahrt zu dem Einsatzort oder auch zurück habe ich diesen Herrn in der Umbachgassel zu Fuß gesehen. Da konnte ich mich ganz genau dran erinnern, weil ich vorher mit ihm einen massiven Widerstand hatte. Ich kannte ihn also persönlich. Stefan Hart verfaßt einen Aktenvermerk über die Begegnung mit Konrad R.
Der Aktenvermerk trägt das Datum vom 11. Januar 1980. Er schildert, dass er Konrad R. am Tattag zwischen 19:37 Uhr und 19:45 Uhr in der Ombachsgasse gesehen hat. Die Ombawachsgasse befindet sich ca. 1 km oder 15g Minuten entfernt vom Tatort im Schlossgarten. Trotz zahlreicher Indizien scheidet Konradre aufgrund dieser zeitlichen Zusammenhänge als Tatverdächtiger aus.
Und die Ermittler verfolgen bereits andere erfolgsversprechende Spuren. Die Polizei hat ja, soweit ich weiß, 1500 Zeugen befragt und äh also ich glaube, die haben alles gemacht, was sie tun konnten. Für die Familie von Christiane Junker ist die Ungewissheit eine zusätzliche Belastung und wir hatten halt damals auch keine Betreuung.
Heute wird man psychologisch sofort betreut. gab’s da uns damals bei uns nicht und wir hätten eigentlich jemanden gebraucht. Also im Nachhinein meine Mutter definitiv, mein Vater definitiv, der hat nicht mehr geschlafen. Musste trotzdem weiß ich 14 Tage später wieder zur Nachtschicht. ist ein Unging eigentlich heute aus heutiger Sicht gefährlichen Job auf der Bahnkleise unausgeschlafen.
Ähm heute wirst du ein halbes Jahr freigestellt oder keine Ahnung versetzt, aber es war damals hat man das nicht gemacht. Am 30. September 1980, 9 Monate nach dem Tod seiner Tochter stirbt Waldfried Junker an den Folgen eines Arbeitsunfalls. Hätte eigentlich schon viel früher passieren können.
Mich wundert, das ist doch ein dreiviertel Jahr später, also es ist noch so lange gedauert, bis was passiert und ja, dann ist es auch passiert. Eine Unachtsamkeit einmal nicht aufgepasst. verregnet Abend auf der Bahngleise. Hörst das Geräusch nicht vom Wagen rollen? Die rollen ja so ein Berg runter. Die geben nicht viel Geräusch ab.
Auch die Ermittlungen zum Mord an Christiane Junker werden eingestellt. Keine der zahlreichen Spuren führt am Ende zum Erfolg. Man hatte momentan nichts mehr zu ermitteln. Es ging nichts mehr. Man musste es vorherläufig mal abgeben, aber das heißt nicht, dass wir jetzt nicht mehr tätig geworden sind.
Es ist nicht so, dass das dann jemanden kalt gelassen hätte. Gerade alle Kolleginnen und Kollegen, die waren in diesem Fall besonders aktiv und äh haben gesagt, den müssen wir ermitteln. 2009 wird Markus Schlemmer Leiter der Kripo Aschaffenburg. Der Polizeibeamte hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Ich wollte mich schon immer für Gerechtigkeit einsetzen.
Schon als äh junger Bub in der Schule äh war mir immer Fanis und Gerechtigkeit das Wichtigste. Ich habe also meine eigenen Bedürfnisse auch immer auch mal zurückgestellt, um anderen zu helfen. Die Aufklärungsquote von Kapitalverbrechen liegt inzwischen bei 100%. Nur 17 Fälle aus den vergangenen 50 Jahren konnten nicht aufgeklärt werden.
Markus Schlemmer nimmt sich vor genau diese Altfälle. nochmals aufzurollen. Äh, der Gedanke ist mir hier kommen, als ich 2009 die Kriminalpolizei übernommen habe. Es waren, glaube ich, ein oder zwei Jahre später äh wo ich eine Liste bekommen habe mit den offenen Fällen und den offenen Spuren und dann habe ich mir gefragt, wer kümmert sich eigentlich um die Fälle, weil da standen Sachbearbeiter drin, die waren schon zum Teil im Ruhestand.
Klar, die Fälle haben dann bei einem anderen Sachbearbeiter gestanden, aber so richtig aktiv äh hat man sich da nicht drum kümmern können aufgrund des Tagesgeschäftes. 2015 überträgt Schlemmer die Ermittlungen der Altfälle an zwei seiner besten Leute. Kriminalhauptkommissar Jörg Albert und der erste Kriminalhauptkommissar Thomas Bütner.
Zwei Jahre später können die beiden Ermittler den ersten der fraglichen Fälle bereits aufklären. Auch der Fall Christiane Junker wird jetzt noch mal aufgerollt. Albert und Bütner benötigen hierfür Verstärkung. Dann habe ich einen Anruf vom Kollegen Albert erhalten, der damals ja auch noch im Fachkommissariat eins zugegen war und der hat mich angerufen, hat gesagt: “Hey, Rosi, ich habe einen geallen Fall.
ähm wird jetzt bald eine Ermittlungskommission geben. Wie sieht’s denn aus? Hast du wieder Bock? Rosita Leotta hat ein ungewöhnliches Hobby. Trial. Geschicklichkeitsprüfungen mit dem Motorrad in schwerem Gelände. Mit Erfolg: Leotta ist zweifache Mannschaftsweltmeisterin und mehrfache deutsche Meisterin. Ich kannte sie vorher schon.
Ähm ich ich habe sie mehrfach schon getroffen gehabt. Äh sie hatte ja durchaus ähm ja außergewöhnliches Hobby. Das macht sie so ein Stück weit auch aus. Äh deshalb auch dieser Sport, den sie ja, das ist ja nicht ganz ungefährlich und ist mit doch mit dem gewissen Risiko verbunden. Sie ist einmal verunglückt und hat Verletzung gehabt.
Ähm, aber das charakterisiert sie so ein bisschen. Mit derselben Energie arbeitet sich Leotta jetzt in den Fall Christiane Junker ein. Die Akte umfasst mehr als 3000 Seiten. Guck mal. Also, sie hat den den Fall Christiane Junker ja sofort angenommen, hat sich ähm intensiv in die Akte eingelesen und hat ähm sich Tag und Nacht damit beschäftigt.
Manchmal muss auch ein Stück weit bremsen, dass er ähm ja dann nicht überzieht. Beinahe 40 Jahre liegt der Fall mittlerweile zurück. Hunderten Spuren wurde nachgegangen. Er gilt als ausermittelt. Kann Leotta in den vergilbten Papieren da noch etwas Neues finden? Ich habe auch mal die Akte mit nach Hause genommen, habe daheim noch mal geblättert oder es war ja auch oftmals die Situation, dass man daheim keine Ahnung am Essenstisch sitzt und irgendein Gedanke aufkommt und man dann wieder blättert oder sich den Gedanken aufschreibt. Oh, da muss ich dran
denken. Also das schon, also ich war da schon sehr tief drin. Also man hätte mich nachts um 3 Uhr wecken können und ich hätte alles gewusst zu dem Fall. Leotta geht unkonventionell vor. Sie liest die Akte von hinten nach vorne, um möglichst unvoreingenommen an den Fall herangehen zu können.
So kommt sie erst ganz am Ende zu Conrad R, der allerersten Spur von 1979. Ich habe die Akte von hinten gelesen. Es haben sich ein paar Personen herauskristallisiert, die ganz interessant waren und am Ende ähm bin ich an der Spur 1 angelangt, weiß ich noch wie heute. Ich saß mit meinem Kollegen mit dem Robert Böckham in unserem Gemeinschaftsraum und wenn wirmer zusammen miteinander gearbeitet haben.
Er hatte eigentlich einen anderen Fall zugeteilt bekommen, aber wir waren eigentlich regelmäßig bis 17, 18 Uhr im Dienst. So auch an dem Tag, er saß am PC, hat da ein bisschen was bei seinem Fall gemacht und ich habe in der Akte geblättert und bin bei Spur 1 angekommen und da ist es mir wie gesagt wie Schuppen von den Augen gefallen, als ich das gelesen habe.
Ich sag dr es nicht, das ist er und das kann kein anderer gewesen sein. Neben zahlreichen weiteren Indizien ist es insbesondere die Aussage der damals 14 Jahre alten Ex-Freundin von Konrad R. die Liotta ins Auge fällt. So, die sind einvernehmlich in den Schlossgarten gegangen. Ähm haben sich da bewusst versteckt, einsperren lassen.
Schlossgarten wurde damals gegen 17 Uhr vom Schlosswerter versperrt und dann hat man einvernehmlich Zärtlichkeiten ausgetauscht und ähm der Tatverdächtige von diesem Fall ähm wollte dann eben auch den Geschlechtsverkehr vollziehen. Mädchen hatte allerdings ihre Periode zu dem Zeitpunkt und wollte das dann auch nicht.
Und dann kam es zu einem plötzlichen Angriff gegen den Hals. Ähm er hat dann ähm nachdem er losgelassen hat, wohl auch gesagt, ähm oh mein Gott, was habe ich getan? Für Leotta kann das kein Zufall sein. Der Übergriff auf Ken Fand am 28. Oktober 1979 statt. keine zwei Monate vor dem Mord an Christiane Junker. Und wenn man sich da die Vernehmung durchgelesen hat, da hat’s einen geschüttelt und da war dann schon der Gedanke da, da gibt’s keinen zweiten, der genau in diesem Modus überrandi am gleichen Tatort noch mal das gleiche macht.
Alles spricht gegen ihn, wenn er kein Alibi hätte. Es gab nur ein Problem. Wir hatten einen Aktenvermerk, wo wir sagen, da kommen wir nicht dran vorbei. Ähm, da ging es um Aktenvermerk von einem Kollegen. Ähm, also es wurde angegeben, dass er wohl gegen 19:37 Uhr ähm also zur relevanten Zeit äh im Rahmen des Polizeiansatzes gesehen wurde.
Christiani Junker wird um 19:35 Uhr zum letzten Mal gesehen. Wenn die Zeitangabe des Kollegen zutrifft, kann Konrad R. nicht der Täter sein. Im späteren Verlauf ist es mir dann eigentlich auch erst aufgefallen, dass der Kollege ähm, der den Aktenvermerk ähm verfasst hat, auch im Rahmen der vermissten Anzeige durch die Familie Junger tätig war.
Das war mir eingangs noch gar nicht so bewusst gewesen, aber Fakt war, dass es ähm zeitliche Diskrepanzen gab, alleine schon beginnend. vom Absetzen des Notrufs durch den Vater von der Christiane. Der Anruf von Waldfried Junker war rund eine halbe Stunde später eingegangen als vermerkt. Das könnte bedeuten, auch die Zeitangabe zur Sichtung von Konrad R.
in der Innenstadt ist falsch. Ich habe wahrscheinlich mit dem Kollegen von der Sondagkommission oder mit dem Grip Kollegen über den Fall gesprochen und ich habe dann eigentlich ganz paulisch, den habe ich in der Nacht abends in der Umbachgasse zu Fuß gesehen. Sagt er ja das hoch interessant schreibst ein Aktenverm dazu.
nur konnte ich konnte ich die Uhrzeit, wann ich ihn genau gesehen habe, nicht mehr minuziös rekonstruieren und es war das hängt mir bis heute nach. Ich habe dann sozusagen den später angeschuldigten in Alibi geliefert, weil ich in meinem Aktenvermeld geschrieben habe, dass ich zu der und der Zeit in der Umwassgasse gesehen habe.
Die Erschaffenburger Ermittler nehmen Kontakt zur OFA auf. der operativen Fallanalyse Bayern im Polizeipräsidium München. Kriminalhauptkommissar Dirk Schinke ist einer der erfahrensten Profiler im ganzen Land. 25 Jahre ist er schon dabei. Wir haben die Analyse gemacht, haben das Ergebnis dann mit denen gemeinsam diskutieren, haben überlegt, wie machen wir weiter und es ist ja oft so, das ist aber auch erfahrungswert, dass man auf die Hoffnung da reinsetzen muss, dass der Name bereits in der Akte steht. Wir haben in hales auch die
Erfahrung gemacht, dass dem tatsächlich so ist. Schinke erarbeitet zunächst ein Raster, das auf alle Männer aus der Akte Junker angewendet werden soll. in der Akte sind. Ich glaub, da waren über 700 namentlich genannte Männer in irgendeiner Form. Und wir sind ja dann dazu hingegangen, dass wir gesagt haben, wir arbeiten alle Personen in einer Gegenüberstellung auf und anhand ein Erweiterung, die von Interesse oder die von vom vom Profil her von unserer Vorstellung her dem Täter am nächsten seine Persönlichkeit
im nächsten kommen auf. und zwar in einer auch für ein Gericht objektiv nachvollziehbares Muster einer Methodik. Zehn Männer bleiben übrig. Schinke befasst sich nun auf Basis einer gründlichen Fallanalyse eingehender mit dem Profil genau dieser Männer. Dabei findet er in den Akten von Konrad R. einen wesentlichen Hinweis.
Das stärkste hendienst war zwei, das war eben die Vorgeschichte im Park, der Bezug der Nachbarsjunge im richtigen Alter und eben die Hinweise darauf, dass er wohl auch schon bei den Nachbarn eingebrochen wurde und wohl dabei erwischt wurde, wie wir da bei der in der Nachbarschaft oder bei der Nachbarin Damunterwäsche gestohlen hat, was für uns im klassischen Indizes auf sexuelle abuchte Fantasie und damit war eigentlich das Bild vom vom von der Täterpersönlichkeit aus dem aus dem Fall heraus eins zu eins gegeben.
Konrad Er befindet sich jetzt endgültig wieder im Fadenkreuz der Ermittler. Der mittlerweile 56 Jahre alte Frührent lebt im Großraum Erchaffenburg. Auf seinem Facebookpil teilt er ein Kinderfoto von sich. aufgenommen, ausgerechnet im Schlossgarten. Mir war schon relativ schnell klar, als sich ähm ja die Indizienkette so ergeben hat, dass wir nicht weiterkommen ohne einen Sachbeweis.
Also aufgrund äh im reinen Indizienprozess wird’s wahrscheinlich zu keiner Verurteilung kommen. Deswegen hat man sich dann schon überlegt, welcher Sachbeweis wäre möglich? Möglicher Sachbeweis wäre gewesen, etweige Abklebungen, die im Rahmen der Obduktion gemacht wurden, die uns aber leider nicht mal vorhanden waren, die unter Umständen zum DNA-Treffer hätten führen können.
Und dann war da eben nur noch ähm der Brustbiss ähm der sich da als eventuelles Beweismittel äh zur Überführung da ähm hervorgetan hat. Ja, eine renommierte Expertin, die 74 Jahre alte Zahnforensikerin Dr. Gabriele Lindemeier vom Institut für Rechtsmedizin München soll jetzt ein Gutachten erstellen. Das Foto von der Bissspur auf der Leiche soll mit dem Gebiss von Konrad R.
abgeglichen werden. Auf richterlichem Beschluss wird ein Gebissabdruck angefertigt. Da ihm im Oberkiefer bereits alle relevanten Zähne fehlen, bleibt für den Abgleich nur der Unterkiefer. Auf Familie Junker wird jetzt informiert. Wir gingen zu dritt hin, meine Mutter, meine Schwester und ich. Und dann haben sie uns eröffnet, dass sie den Fall neu aufgerollt haben und dass sie einen dringenden Tatverdächtigen haben oder haben uns auch den Namen genannt.
Kurz nach dem Mord an Christiani Junker ziehen die Eltern in einen anderen Stadtteil. Niemand hat jemals erfahren, daß Konrad Ehre der erste Tatverdichtige war. Natürlich kannte ich. Der ging bei uns ein und aus und also er kam ja auch später erst dazu. Ist er später erst hinzugezogen. Weiß nicht, da war ich vielleicht 12 11 12 schätzungsweis.
Da kam der erst ein zog er erst ein und äh wir haben uns eigentlich gut verstanden. Irgendwie mochte ich ihn auch sogar, weil er irgendwie ein bisschen stärker war, bisschen ja ein Selbstbewusstsein, dann ist er losgezogen und und da bin ich auch mal mitgegangen zu oft die Pirsch und haben wir im Wald Baumhäuser gezimmert und so Sachen haben wir gemacht.
Da war ich vielleicht 13. Es kam nicht so oft vor, aber es kam vor. Robert Junker ist überzeugt davon, dass der Täter längst hinter Gittern sitzen könnte. Er wirft der Polizei bei den Ermittlungen handwerkliche Fehler vor. Auch dieses Mal macht er sich keine Hoffnungen. Also, ich war erstmal skeptisch. Ich war skeptisch.
Klar, sie haben erzählt, es gibt ein Foto von einem Bissabdruck und dieses Foto wird jetzt untersucht und sie hätten die beste Chorif dafür, eine Zahnmedizinerin und das Ergebnis steh stünde noch aus, aber es ist höchstwahrscheinlich kommt es zu einer Anklage. So, das war so das, was sie uns erzählt haben damals.
Die waren die waren sehr optimistisch, ich weiß nicht. Am 5. April 2019 legt die Zahnforensikerin Dr. Lindemyer ihr Gutachten vor. Sie hat im Gebiss von Konrad. L in der rechten unteren Hälfte eine deutliche Anomalie ausgemacht. Unter anderem weist sie daraufhin, dass sich zwischen den Zähnen 43 und 45 eine Lücke befindet, die mit bloßem Auge zu erkennen ist.
Außerdem weisen diese beiden Zähne eine Fehlstellung auf. Die Anomalie habe bereits 1979 zum Tatzeitpunkt bestanden. Der Zahn 44 habe von Geburt an gefehlt. Solindemeier. Die Gutachterin will dieselbe Zahnfehlstellung auf dem Foto von der Bisspur erkennen. Der Zahnbogen lässt sich laut Lindemier mühelos in Übereinstimmung bringen.
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