Vermüllte Städte: Warum Hessens Kommunen jetzt härter durchgreifen T
Vermüllte Städte: Warum Hessens Kommunen jetzt härter durchgreifen
Ob Zigarettenkippen, alte Sofas oder Staubsauger, die illegalen Müllberge wachsen. Alles, was praktisch draußen ist, interessiert mich nicht mehr. Wenn man mal das Handydisplay vor der Nase wegnimmt, und auf den Boden schaut, dann sieht man, was man hier hinterlassen hat. Die Kosten steigen, die Umwelt leidet und Kommunen suchen nach Lösungen.
Natürlich auch, drastisch dagegen vorzugehen, durch Bußgelder, durch Sonderkontrollen. Max will wissen: Welche Kosten verursachen Hessens Müllberge und wie gehen Städte und Gemeinden dagegen vor? Frühmorgens in Wiesbaden. Frank Fischer von den Entsorgungsbetrieben der Landeshauptstadt ist auf Sperrmülltour.
Viermal im Jahr kann jeder hier seinen Sperrmüll kostenfrei anmelden und abholen lassen. Doch das reicht offenbar nicht. Kaum eine Tour vergeht ohne nicht angemeldete Funde. Man stellt seinen Sperrmüll raus, macht ein Schild dran zu verschenken und denkt damit ist man dann auch unabhängig vom Termin einfach schon gut dran.
Meistens ist aber das, was da zu verschenken ist, nicht wert, dass es verschenkt wird. Möchte keiner das Geschenk wird daraus ebenfalls eine illegale Müllablagerung. Die Folgen tragen die Städte. Die kosten wir alle. Die Kosten belaufen sich auf 30 bis 50 Euro pro Station, die wir anfahren. Im Jahr sind es ungefähr 14.
000 gemeldete illegale Ablagerungen. 14.000 Einsätze allein in Wiesbaden nur für illegal abgestellten Müll. Jeder einzelne kostet Personal, Fahrzeuge und Zeit. Besonders problematisch: Immer mehr Bürger verlassen sich darauf, dass die Stadtreinigung kommt, sobald sie ihren Müll herausstellen. Wir hatten mal so ein Modell-Revier, wo wir in einer Straße regelmäßig gekommen sind.
Und dann war es halt so: Die Fahrer sind hochgefahren, haben den Sperrmüll auf der einen Seite eingeladen, sind wieder runtergekommen und dann war schon wieder auf der Seite, wo sie gerade geladen haben neuer Sperrmüll. Solche Stellen gibt es im Wiesbadener Rheingau Viertel zahlreiche. Hier räumte das Sperrmüllfahrzeug am Donnerstag auf.
Kurz darauf füllte sich der Platz erneut. Am Samstag dieses Bild. Am Sonntag kam noch ein ausrangierter Weihnachtsbaum hinzu, bevor der nicht angemeldete Müll am Montag erneut abgeholt wurde. Doch kurz darauf begann das Ganze von vorn. Ich wohne jetzt seit circa sieben Jahren hier. Das keiner Hemmungen hat, egal was raus zu stellen.
Es fängt bei Matratzen an, über Türen, über Staubsauger, Elektromüll. Es ist mehr als traurig. Im Vergleich zu den 90er Jahren ist es schon schmutziger geworden. Das muss man eindeutig so festhalten. Ein Problem nicht nur für die Landeshauptstadt. Illegaler Müll kostet eine Menge Geld. 20.000 € in Groß-Gerau, 55.000 € in Bensheim, 35.
000 in Marburg, 250.000 in Wiesbaden 100.000 € in Hanau, Kassel 105.000 € und in Lauterbach 3500. Auch in Hanau kämpfen die Entsorgungs- betriebe gegen illegal entsorgten Müll. Dabei gibt es auch hier keinen Grund. Auf diesen Wertstoffhof können Hanauer nahezu alles bringen. Sperrmüll wird ebenfalls kostenlos zu Hause abgeholt.
Doch das reicht nicht, sagt Stadträtin Isabelle Hemsley. Allein personaltechnisch könnten wir hier noch mal einen kompletten Trupp anstellen, der wirklich und nicht nur einen, sondern mehrere, die den ganzen Tag nur 24/7 rumfahren und Müll einsammeln. Und da müssen wir uns als Gesellschaft, jeder Einzelne von uns schon die Frage stellen: Wo soll das denn…
Wo soll das denn hingehen? Und wie können wir der gesamten Thematik Herr werden? Weil das ist halt nicht damit getan, dass wir mehr Personal einstellen, weil wir bräuchten es gar nicht, wenn sich die Menschen einfach mal an die Grundregeln halten würden. Riesige Sauberkeitskampagnen helfen ebenso wenig wie höhere Strafen für Zigarettenkippen oder Kaugummis fallen 120 € an, Hundekot 400 bis 600 €.
Illegal entsorgter Sperrmüll kostet ab 1.000 € Strafe. Doch nicht nur Sperrmüll bereitet Probleme. Fast Food Verpackungen, Einwegbecher oder Zigarettenkippen, das sogenannte Littering nimmt ebenfalls zu. In Heusenstamm wollen sie das ändern. Einmal im Monat ziehen die “Naturengel” durch die Stadt. Ausgerüstet mit Müllgreifern und blauen Säcken sammeln sie Abfälle ein, die andere achtlos zurückgelassen haben.
Initiatorin Julia Weitzel weiß allerdings, das eigentliche Problem lösen sie damit nicht. Dieses Müllsammeln ist der Tropfen auf dem heißen Stein. Wir werden ja nie erreichen, dass der Müll weg ist dadurch. Wir sind eher so ein bisschen das schlechte Gewissen, wo der Schuh drückt, immer mal wieder pieksen.
Wir sind halt einfach da. Ein großes Problem: Einwegverpackungen. Ihre Forderung: Stärkere finanzielle Anreize gegen diese Wegwerfprodukte. Das nervt mich. Diese Durstlöscher oder so was. Ein Kaffeebecher sowieso und ich würde auch auf Zigarettenkippen Pfand nehmen. Hab ich sogar schon mal geschrieben ans Umweltministerium.
Aber da kam natürlich so eine Antwort, nicht nicht machbar. Doch einige Städte und Gemeinden haben die Einwegverpackungen bereits im Visier. Diskutiert wird die Verpackungssteuer. Damit würden 0,50 € für Einwegbecher oder Pappteller fällig, 0,20 € für Einwegbesteck. Doch Gastronomen wie Predrag Prodanovic sehen die Pläne kritisch.
0,50 € bei einem Essen ist natürlich wieder fast 10 % von dem Essenswert. Das ist einfach zu hoch. Er betreibt Restaurants in Darmstadt, Griesheim, Frankfurt und Mörfelden-Walldorf. Da die Verpackung- Steuer auf kommunaler Ebene geregelt wird, könnte es ein Flickenteppich werden. Individuell immer jemanden haben, der dann individuell das im Standort dann auch so pflegt, wie das gefordert wird.
Weil es keine allgemeine Lösung gibt. Unser Fazit: Einfache Lösungen gibt es nicht. Klar ist jedoch illegale Müllablagerungen und achtlos weggeworfener Abfall kosten Hessens Städte jedes Jahr hunderttausende Euro. Geld, das an anderer Stelle fehlt.
