Jeffrey Epstein: Die gesamte Wahrheit T – Part 5
Dementsprechend ist sich Edwards sicher, dass der Prozess ziemlich geradlinig ablaufen wird und Epstein für sehr lange Zeit hinter Gittern landen wird. Auch wenn die mangelnde Kommunikation zwischen Courtney als Betroffene und den Ermittlungsbehörden sehr merkwürdig ist. Endgültig wird die Hoffnung auf eine saubere Aufklärung allerdings durch den Deal zerstört, den Epstein mit der Staatsanwaltschaft eingeht.
Denn ein Prozess, wie Epstein ihn nach all diesen Anschuldigungen von Courtney Wild und anderen Mädchen und jungen Frauen verdient hätte, gibt es eben gar nicht. Und warum das so ist, die Einzelheiten des Deals erfahren die Betroffenen nicht. Sie bekommen schlichtweg keine Information zu ihrem eigenen Fall. Eben weil Brad Edwards in diesem Deal hinter verschlossenen Türen einen Bruch des CVRA sieht, reicht er einen Eilantrag ein, um den Deal zu verhindern.
Aber wie ihr wisst, hat er damit keinen Erfolg. Edwards ist über diesen Deal zwischen Jeffrey Epstein und der Staatsanwaltschaft über Alexander Acosta mehr als wütend. So wütend, dass er drastische Schritte ergreift. Er entscheidet sich, sowohl gegen Jeffrey Epstein selbst als auch gegen die Regierung vorzugehen, die Details zum Deal überhaupt einsehen zu dürfen.
Allerdings zieht sich dieser Vorgang über Monate, denn sowohl Epstein als auch die Regierung legen Einspruch ein. Die Vereinbarung über den Verzicht auf Strafverfolgung wird erst veröffentlicht, als Epsteins lasche Freiheitsstrafe schon vorbei ist. Das heißt, erst als Epstein wieder in Freiheit ist, können also die Betroffenen, ihre Anwälte und die Öffentlichkeit erstmals Details zu dem Deal einsehen, den Epstein mit der Staatsanwaltschaft geschlossen hat.
Die mehr als 50 Seiten umfassende Anklageschrift, die 2007 eigentlich schon fertig war, um Epstein vollumfänglich anzuklagen, wird Brad Edwards als Anwalt der Betroffenen sogar erst im Februar 2026 vollständig einsehen können. Bis zum heutigen Tage sind Bradley Edwards und verschiedene Betroffene damit beschäftigt, den Fall Epstein juristisch neu aufzurollen.
Das Jeffrey Epstein diese Hartnäckigkeit vom Anwalt seiner Opfer nicht gefällt, ist klar. 2009 verklagte Brad Edwards sogar persönlich. Epstein machte sich nämlich zu Nutze, dass ein ehemaliger Kanzleipartner von Edwards sich zuvor strafbar gemacht hat. Dieser Partner wurde zu einer Freiheitsstrafe von satten 50 Jahren verurteilt, weil er ein sogenanntes Ponzi-Schema betrieben hat.
Also per Definition ein Betrug, bei dem hohe Gewinne versprochen werden, die tatsächlich nicht durch Geschäfte, sondern durch Einzahlung neuer Anleger finanziert werden. Epstein wirft Brad Edwards nun in einer Klage vor, er habe seinem ehemaligen Partner bei genau diesem Ponzi-Schema geholfen. Edwards habe über Epsteins Missbrauchspraktiken gelogen und durch Klagen gegen Epstein mehr Geld in die Kanzlei und damit in das Ponzi-Schema zu holen.
Schwere Vorwürfe also, die Epstein seinerseits gegen den Anwalt seiner Opfer erhebt. Und dabei bleibt es nicht. Laut Edwards werden sowohl er als auch seine Frau zu dieser Zeit von Epsteins Leuten observiert. Edwards wiederum erhebt daraufhin Klage gegen Epstein wegen böswilliger Strafverfolgung.
Denn er bestreitet jemals irgendetwas mit dem Ponzi-Schema seines Kollegen zu tun gehabt zu haben und schon gar nicht habe den Fall Epstein irgendwie dafür benutzen wollen. Das Ganze zieht sich über Jahre, denn Edwards soll eigenen Angaben fortlaufend nachgestellt werden. Doch er lässt sich nicht unterkriegen, ebenso wenig wie die Betroffenen.
Selbst die Ermittler haben Epstein schon kurz nach seiner Haftentlassung schon wieder auf dem Radar. Dieses Mal sind es allerdings Mitglieder der Drug Enforcement Administration. 2010 ermittelt die DEA gegen Epstein und weitere Personen wegen unrechtmäßigen Überweisungen, die mit illegalen Drogen und oder Prostitutionsgeschäften in Verbindung stehen, wie es in den Unterlagen heißt.
Im Zuge dieser Ermittlungen werden unter anderem die Privat- und Firmenfinanzen von Epstein, aber auch Daten von Privatflügen und Auslandsreisen überprüft. Die Ermittler konzentrieren sich dabei insbesondere auf New York und Epsteins Privatinsel. Allerdings ziehen sich die Ermittlungen in dieser Hinsicht über Jahre und viele der Papiere dazu liegen auch heute nur stark geschwärzt vor.
Offenbar wird Epstein im Zusammenhang mit diesen Ermittlungen über Jahre beobachtet. Zumindest liegen Informationen vor, dass seine Banken die Bundesbehörden zwischen 2013 und 2015 mindestens siebenmal auf potenziell verdächtige Transaktionen von Epstein aufmerksam gemacht haben. Insgesamt geht es dabei rund um 5,7 Millionen Dollar.
Ich weiß, dass das alles sehr vage klingt und das ist es aktuell leider auch noch. Das Ergebnis der Ermittlung ist nach heutigem Stand unklar. Sicher ist allerdings, dass in diesem Zuge keine Anklage gegen Epstein, Maxwell oder sonst jemandem aus dem Umfeld der beiden erhoben wurde. Währenddessen ist auch der Verstoß gegen den CVRA noch immer nicht ausgehandelt.
Knapp drei Jahre nach dem Deal im Frühjahr 2010 reichen zwei Betroffene eine Anfrage beim Bundesgericht an. Sie werfen der Regierung vor, ihre Rechte verletzt zu haben, indem sie sie nicht über den Deal mit Epstein informiert und diesen geheim gehalten haben. Unter anderem wollen sie, dass der Vergleich für ungültig erklärt wird, in der Hoffnung, Epstein ins Gefängnis zu bringen.
Sie werfen den Bundesstaatsanwälten vor, sie mit falschen Benachrichtigungsschreiben getäuscht zu haben. So berichten mehrere junge Frauen, sie hätten von den Behörden schriftliche Bestätigungen erhalten, dass die Ermittlungen gegen Epstein noch laufen würden. Erst später kommt heraus, dass zu dieser Zeit aber schon der Deal zugunsten Epsteins verhandelt wurde.
Die US-Staatsanwaltschaft ist aber der Meinung, sie sei nicht verpflichtet gewesen, die Opfer vor dem Abschluss einer Vereinbarung über den Verzicht auf Strafverfolgung mit Epstein zu benachrichtigen. Im September desselben Jahres weist der US-Bezirksrichter diese Behauptung jedoch zurück.
Das ist zwar ein erster Hoffnungsschimmer, allein dieser ganze Vorgang wird sich allerdings ab hier noch sieben weitere Jahre hinziehen. Epstein selbst versucht unterdessen, sein Image aufzupolieren. Nicht nur, was seine PR betrifft, sondern auch in Bezug auf die Justiz. Nach seiner Verurteilung und Freilassung muss er sich als Sexualstraftäter registrieren lassen.
Da gibt es allerdings verschiedene Abstufungen, die quasi den Gefährdegrad widerspiegeln. Epstein versucht laut Miami Herald 2011 seine Einstufung herunterzusetzen. Allerdings klappt das nicht. Er wird in New York als Sexualstraftäter der höchsten und gefährlichsten Stufe registriert. Sein Status der Stufe 3 bedeutet laut den Richtlinien des Bundesstaates, dass ein hohes Risiko einer erneuten Straftat besteht und eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit vorliegt.
Auch das ist ein Teilerfolg. Dieser Teilerfolg fällt mit einem weiteren Schlüsselmoment im Fall Epstein zusammen. In den ersten Folgen dieser Serie haben wir darüber gesprochen, wie nah die Justiz und die Medien schon in den späten 90ern, spätestens ab Mitte der 2000ern, Epsteins Verbrechen waren. Aber wir haben auch darüber gesprochen, wie Epstein versucht hat, all das unter den Teppich zu kehren.
Durchaus mit Erfolg. Zwar wurde er verurteilt, war 13 Monate in Haft und musste sich als Sexualstraftäter registrieren lassen. All das wurde aber abgefedert. Mutmaßlich durch die Einschüchterung von Betroffenen, ein zwielichtigen Justizdeal, außergerichtliche Geldzahlungen an Geschädigte und durch den Versuch, die Berichterstattung über seine Machenschaften zu zensieren.
Wie in Folge 3 angesprochen, haben mehrere Betroffene Geld angenommen und im Gegenzug ihre juristischen Schritte beigelegt. Was für viele auf den ersten Blick vielleicht unnachvollziehbar scheint, ist sehr plausibel, wenn man sich in die Lage der Betroffenen versucht hineinzuversetzen. Sie haben hautnah miterlebt, wie nahezu alle Aussagen zu keinen juristischen Konsequenzen geführt haben.
Mehr noch, sie haben gesehen, wie Betroffene danach noch systematisch diskreditiert wurden. All das trifft auf den Umstand, dass Epstein ja gezielt nach Opfern gesucht hat, die aus sozial benachteiligten Strukturen stammen. Gerichtliche Verfahren kosten nicht nur viel Kraft, sondern auch Geld. Anwälte müssen bezahlt werden.
Für Befragungen, Aussagen und weiteres geht Zeit drauf, in der man nicht arbeiten kann. Das zu stemmen, wenn finanzielle Ressourcen und Stabilität im Leben knapp sind, ist eh schon schwierig. Und im Fall Epstein legt man sich nicht nur mit einem Mann an, der trotz einschlägiger Beweise schon mehr als einmal glimpflich davongekommen ist, sondern auch mit einem Mann, der im Vergleich zu den Opfern unermessliche Ressourcen und Connections hat.
Für viele Betroffene sind außergerichtliche Einigungen deshalb ein unbefriedigender, aber logischer Schritt. Dass Epstein überhaupt bereit war, Geld zu zahlen, um weitere juristische Schritte zu unterbinden, ist wenigstens in gewisser Weise so etwas wie ein Schuldeingeständnis. Zumal viele der Betroffenen das Geld mehr als gut gebrauchen konnten und so wenigstens in gewisser Weise einen Abschluss finden konnten.
Zu den Frauen, die so eine außergerichtliche Zahlung von Epstein akzeptieren, gehört auch Virginia Giuffre. 2009 erhält sie von Epstein 500.000 US-Dollar. Im Gegenzug wird eine Klage, die sie zuvor gegen Epstein eingereicht hat, zu fallen gelassen. Damals kennt man den Namen von Virginia Giuffre noch nicht.
Das wird auch für zwei weitere Jahre so bleiben, bis sie sich entscheidet, doch an die Öffentlichkeit zu gehen. Denn sie wird Anfang 2010 Mutter einer Tochter und dieses Ereignis ist für sie ein Wendepunkt. Sie möchte über das sprechen, was ihr zugestoßen ist, weil sie nicht akzeptieren möchte, dass Täter geschützt werden können.
Etwa zur selben Zeit versucht eine britische Boulevardjournalistin, die damals noch anonyme Frau ausfindig zu machen, Epstein 2009 eine halbe Million Abfindung kassiert hat. Sie und Virginia kommen miteinander in Kontakt. Anfang 2011 kommt es zu einem ersten persönlichen Gespräch. Als Britin interessiert sich die Journalistin vor allem für einen konkreten Vorwurf von Virginia, nämlich dass sie dazu gezwungen worden sei, mit dem damaligen Prinz Andrew zu schlafen.
Am 27. Februar 2011 wird ein erster Artikel zu Virginias Vorwürfen gegen Andrew in der Mail on Sunday veröffentlicht. Darin wird sie als die anonyme Klägerin aus 2009 enthüllt und zeigt sich ganz bewusst der Öffentlichkeit, womit sie den vielen Betroffenen erstmals ein Gesicht gibt. Es geht auch erstmals das Foto um die Welt, das euch im Kontext mit dem Fall sicherlich allen schon einmal begegnet ist.
Es zeigt ein Foto von der damals 17 Jahre alten Virginia und Prinz Andrew. Aufgenommen wurde das Foto laut Virginia von Jeffrey Epstein selbst. Auch Ghislaine Maxwell ist auf dem Bild zu sehen. Später wird Virginia Giuffre oft vorgeworfen, dass sie für ihr Interview und das Foto auf der Zeitung 160.000 Dollar erhalten hat. In ihrer 2025 posthum erschienenen Biografie stellt sie klar, dass sie dies für einen normalen Vorgang gehalten habe.
Ab diesem Zeitpunkt hat sie für kein weiteres Interview Geld genommen. In jedem Fall sind Virginias schwerwiegende Vorwürfe nicht nur gegen Prinz Andrew, sondern auch und vor allem gegen Jeffrey Epstein ab Februar 2011 in der Welt. Auch wenn sich der Artikel auf die britische Connection konzentriert, wird darin thematisiert, dass Virginia angibt, von Epstein an mehrere wohlhabende und einflussreiche Männer weitergegeben worden zu sein.
Sie berichtet auch von ihrer Rekrutierung durch Ghislaine Maxwell. Damit bringt sie nicht nur Epstein, sondern auch seine Partnerin mit diesen Verbrechen in Verbindung. Als die Geschichte von Virginia Giuffre 2011 erstmals um die Welt geht, äußert sich Epstein selbst nicht zu den Vorwürfen.
Ghislaine Maxwell hingegen gibt im März 2011 durch eine Sprecherin eine Erklärung ab. Sie bestreitet jegliche Anschuldigung. Dennoch rückt der Epstein-Komplex infolge der Berichterstattung abermals in den Fokus der Ermittler. Ebenfalls im März 2011 wird Virginia Giuffre in ihrer neuen Heimat in Australien auf dem US-Konsulat durch FBI-Beamte befragt.
Und auch wenn diese Befragung erstmal noch keine Früchte trägt, ich glaube, all das zeigt gut, wie früh die Maschinerie in Gang gesetzt wurde, die dafür gesorgt hat, dass wir heute überhaupt all dieses Wissen über Epstein und seine Verbrechen haben. Weder möchte Virginia Giuffre Jeffrey Epstein einfach so davonkommen lassen.
Auch der Anwalt Brad Edwards ist entschlossen, ihm das Handwerk zu legen. Durch ihre Hartnäckigkeit sind immer mehr Journalisten an dem Fall interessiert, die berichten möchten. Und Betroffene sehen, dass sie nicht allein sind. Es gibt Personen wie Virginia oder Brad Edwards, die mutigen Schrittes vorangehen und damit den Weg frei machen für immer mehr Frauen, die sich trauen, ihre Geschichte noch einmal zu erzählen.
Nach eigenen Angaben aus 2026 wird Brad Edwards im Laufe der nächsten Jahre mit mehr als 200 Frauen zusammenarbeiten, die angeben, von Jeffrey Epstein missbraucht worden zu sein. Virginia Giuffre und Brad Edwards kommen dabei auch selbst in Kontakt miteinander. Im Dezember 2014 gründet Virginia mit Hilfe von Edwards und seiner Kollegin Brittany Henderson die Organisation Victims Refuse Silence.
Diese Organisation soll Betroffenen von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung helfen. Und auch an der juristischen Front geht es weiter. Brad Edwards versucht es weiterhin mit einem Verfahren wegen des Verstoßes gegen den CVRA. Am 30. Dezember 2014 wird eine neue Klageschrift eingereicht. Dieses Mal wird darin auch Ghislaine Maxwell namentlich genannt.
Virginia schildert, dass Maxwell sie Epstein unter dem Vorwand vorgestellt habe, dass sie als Masseurin für ihn arbeiten sollte. In Wahrheit habe sie aber die Absicht gehabt, sie darauf vorzubereiten, sexuelle Gefälligkeiten zu erbringen. Weiterhin schildert Virginia, dass Maxwell weitere minderjährige Mädchen zu demselben Zweck angeworben habe.
Und auch die Vorwürfe bezüglich der Vermittlung an andere Männer bleiben bestehen. Unter anderem habe Epstein sie als Minderjährige zu intimen Handlungen mit Prinz Andrew und dem Anwalt Alan Dershowitz gezwungen. Sowohl Dershowitz als auch Prinz Andrew bestreiten ihre Behauptung. Am 7.
April verfügt der Bundesrichter Kenneth Marr, dass sich Virginia Giuffre der CVRA-Klage nicht anschließen kann. Das würde den bestehenden Rechtsgegenstand nur duplizieren. Außerdem verfügt der Richter, dass ihre eidesstattliche Erklärung aus dem Verfahren gestrichen wird. Und damit auch ihre Vorwürfe, Epstein habe sie zum Verkehr mit Prinz Andrew und Anwalt Alan Dershowitz gezwungen, als sie minderjährig war.
Nach Auffassung von Alan Dershowitz ist er damit rehabilitiert. Es ist allerdings eine notizwert, dass dem Richter Kenneth Marr nicht darum geht, ob die Behauptungen von Virginia Giuffre nun wahr oder falsch sind. Genauer schreibt er dazu: “Die faktischen Details darüber, mit wem und wo die Klägerin sexuelle Handlung vollzogen hat, sind für diesen zentralen Anspruch irrelevant und unzulässig.
” Auch wenn Virginia Giuffre nicht in die Klage aufgenommen wird, kann sie bei einem möglichen Verfahren trotzdem als Zeugin einberufen werden. Wie wir heute wissen, wurden Maxwell und Epstein ursprünglich aber doch sehr nervös, als vorübergehend in Aussicht stand, dass Virginia Giuffre in das Verfahren mit aufgenommen werden könnte.
Am 12. Januar 2015 schickte Epstein eine Mail an Maxwell, in der er schrieb, sie könnte eine Belohnung für jeden aus Virginias erweitertem Umfeld aussetzen, der bereit ist, dabei zu helfen, ihre Behauptung als falsch nachzuweisen. Epstein versucht hier also wieder seinen Reichtum einzusetzen, um sich Vorwürfe vom Leib zu halten, bzw.
eine Klägerin zu diskreditieren. Virginia Giuffre wird später zudem schildern, dass ihr in diesem Zeitraum nachgestellt wurde. Mehrfach wurde möglicherweise während ihrer Abwesenheit in ihr Haus eingebrochen. Ghislaine Maxwell selbst meldete sich am 2. Januar 2015 über ihre Pressesprecherin persönlich zu Wort. In ihrem Statement hieß es von Maxwell, die Vorwürfe von Virginia Giuffre seien nicht neu und bereits widerlegt worden.
Demnach seien die Anschuldigungen von Virginia laut Maxwell offensichtliche Lügen. Doch indem sie Virginia Giuffre als Lügnerin darstellt, stellt sich Maxwell selbst juristisch ein Bein. Denn für Virginias Anwälte ist das eine Möglichkeit, Maxwell wegen Verleumdung anzuklagen. Und in einem möglichen Verleumdungsverfahren könnte Virginia dann auch den Missbrauch durch Maxwell und Epstein vor Gericht offenlegen.
Denn um nachzuweisen, dass Maxwell Virginia verleumdet hat, müssen die Einzelheiten zu der Sache ja benannt und nachgewiesen werden. Deshalb wird im September 2015 eine Klage gegen Ghislaine Maxwell eingereicht. Maxwell wird darin vorgeworfen, Virginia diskreditiert zu haben, um Virginias Bemühungen, die Verbrechen durch sie, Epstein und andere mächtige Personen aufzudecken, in Schach zu halten.
Zudem werden im selben Jahr mehrere Zivilklagen eingereicht, die behaupten, dass Epstein und Maxwell einen internationalen Sexhandelsring betrieben hätten. Rückblickend wird es ein bisschen so, als sei das hier der Point of No Return für Epstein und Maxwell. Denn ab jetzt wird keine der beiden mehr eine ruhige Zeit haben, sondern zur Verantwortung gezogen.
Im Verleumdungsprozess wird ab 2016 nicht nur Virginia befragt, sondern auch viele Personen aus ihrem Umfeld. Dazu gehört auch ihr Ex-Freund, mit dem sie zusammen war, als sie noch mit Epstein und Maxwell unterwegs war. Obwohl die Beziehung der beiden nicht gut geendet ist und sie lange keinen Kontakt mehr hatten, ist er zu einer Aussage bereit.
Darin bestätigt er, Virginia sei im relevanten Zeitraum immer wieder etwa zwei Wochen pro Monat mit Epstein und Maxwell unterwegs gewesen. Er bestätigt weiterhin, dass Virginia ihm damals erzählt hat, dass sie zu intimen Handlungen gezwungen wurde, nicht nur durch Epstein und Maxwell, sondern auch durch Freunde von den beiden. Unter anderem auch Prinz Andrew.
Er berichtet auch von einem Versuch von Virginia, sich von Epstein und Maxwell loszusagen. Ein anderer wichtiger Zeuge ist ein Koch, der bei einem mit Epstein befreundeten Paar gearbeitet hat. Er gibt an, Epstein und Maxwell hätten bei einer Verabredung mal ein erst 15 Jahre altes schwedisches Mädchen mitgebracht, das einen verängstigten Eindruck gemacht hat.
Später habe das Mädchen dem Koch unter Tränen erzählt, es sei zusammen mit Maxwell und einer anderen weiblichen Person auf Epsteins Insel gewesen, wo Maxwell ihr ihren Pass weggenommen habe. Die Erwachsenen hätten sie dort zu intimen Handlungen drängen wollen. Dieses Muster mit dem Wegnehmen des Passes ist etwas, das zuvor Virginia in ihren Behauptungen geschildert hat.
Auch Ghislaine Maxwell selbst wird im April 2016 zu den Vorwürfen gegen sie unter Eid befragt. Allerdings nutzt sie ihre Zeit und bemüht sich, jede einzelne Frage auseinanderzunehmen und mit Gegenfragen zu antworten. Die Befragung zieht sich inklusive Pausen über 10 Stunden hin, in denen Maxwell die Vorwürfe gegen sie leugnet.
Sie wird auch gefragt, weshalb sie überhaupt noch Kontakt mit Epstein hielt, nachdem er 2008 für schuldig erklärt worden war. Daraufhin erklärt Ghislaine Maxwell, sie sei eine sehr loyale Person und Jeffrey war sehr gut zu mir, als mein Vater starb. Ich glaube, man muss in der Not anderen ein guter Freund sein und ich fand, dass es sehr rücksichtsvoll und nett von mir war, das zu tun.
Die Vorwürfe von Virginia Giuffre weist sie kategorisch von sich. Unter anderem fällt aber die Äußerung, ich habe mich zu keinem einzigen Zeitpunkt, zu keiner einzigen Gelegenheit und in keiner Weise an irgendetwas mit Virginia und Jeffrey beteiligt. Und nur damit das klar ist, sie ist eine absolute Lügnerin.
An anderer Stelle beteuert Maxwell, ich habe noch nie gesehen, wie Jeffrey Geschlechtsverkehr mit jemandem hatte, wirklich noch nie. Ich habe bei Jeffrey nie irgendwelche unangemessenen Handlungen gegenüber Minderjährigen beobachtet. Sie habe nur gelegentlich volljährige Masseurinnen engagiert, wenn auch nicht auf konventionelle Wege, sondern indem sie diese in Spas gescoutet hätte.
Im Laufe der Befragung wird Maxwell wohl so wütend, dass sie auf den Tisch vor ihr schlägt. Einem Dokument zufolge stößt sie sogar den Computer eines Gerichtsreporters vom Tisch. Später entschuldigt sie sich mit den Worten, I hope you forgive me sincerely. Allerdings gibt es aus dem September 2016 ein Zeitprotokoll von einer Befragung von Jeffrey Epstein.
Sofern sich das aus den wenigen Artikeln dazu herauslesen lässt, war diese Befragung Teil des Verfahrens von Virginia Giuffre gegen Ghislaine Maxwell. Allerdings könnt ihr euch bestimmt schon vorstellen, was Epstein zu sagen hat, so gut wie gar nichts. Anders als Maxwell beschränkt er sich auf knappe Worte.
Die meisten Fragen lautet seine Antwort, Fünftes. Gemeint ist das Fünfte Amendment der US-Konstitution. Das ist der Verfassungszusatz, der Menschen davor schützt, sich selbst zu belasten. Interessant ist, dass Epstein anders als Maxwell einige Sachen eben nicht kategorisch abstreitet, sondern sich auf das Fünfte Amendment beruft.
Auf die Frage, ob es für seine ehemalige Freundin Ghislaine Maxwell üblich war, minderjährige Mädchen zu ihm zu bringen, damit er sie sexuell missbrauchen konnte, sagt er z.B. Fünftes. Auch auf die Frage, ob Maxwell eine der Hauptzuständigen dafür war, ihr minderjährige Mädchen zuzuführen, antwortet er Fünftes.
Die gleiche Antwort gibt es auch auf die Frage, ob Maxwell eine der Frauen, die sie für die Massagen rekrutiert hat, im Mar-a-Lago Resort von Donald Trump im West Palm Beach angeworben hätte. Virginia Giuffre hatte zuvor mehrfach geschildert, genau dort von Ghislaine Maxwell angesprochen worden zu sein, als sie dort arbeitete.
Später versuchen Maxwells Anwälte eine Einstellung des Falles zu erwirken. Laut ihnen habe Virginia mit ihrer Klage keine richtige Streitfrage gestellt, über die man noch verhandeln müsse. Dieser Antrag wird jedoch vom zuständigen Richter abgelehnt. Eigentlich soll im Mai 2017 ein richtiger Prozess in dem Fall starten.
Doch dazu kommt es nicht. Stattdessen lassen sich beide Parteien auf einen Vergleich ein, infolgedessen das Verfahren in beiderseitigem Einverständnis eingestellt wird. Virginia schildert später, warum sie sich damit zufrieden gegeben hat. Es ging aufgrund juristischer Feinheiten die ganze Zeit nicht um einen möglichen Strafprozess gegen Ghislaine Maxwell, sondern um ein Zivilverfahren.
Das heißt, auch wenn Maxwell hier in einem hypothetischen Prozess für schuldig befunden worden wäre, sie hätte keine Haftstrafe bekommen, sondern eine Geldstrafe. Mit dem Geld, das Virginia durch ihren Deal mit der Gegenseite bekommt, kann sie früher zu ihren drei Kindern nach Hause zurückkehren und das Verfahren, das sich über anderthalb Jahre gezogen hat, hinter sich lassen.
Sie begründet, dass sie das Geld nicht zuletzt auch wegen ihrer Kinder angenommen hat. Infolge ihrer Traumata und ihrer Veröffentlichung der Vorwürfe war es für Virginia auf dem regulären Arbeitsmarkt verständlicherweise schwierig. Mit dem Geld aus dem Vergleich hat sie abermals eine Absicherung, nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre drei jungen Kinder.
Und Virginia Giuffre ist auch längst nicht mehr die Einzige, die Epstein und Maxwell an der vordersten Front konfrontiert. Im Februar 2016 setzt sich Anwalt Brad Edwards mit seinem Kollegen Jay Stanley Pottinger und der Bundesstaatsanwältin Amanda Kramer zusammen. Sie hat sich auf Menschenhandel Edwards und Potzinger legen ihr nahe, eine Untersuchung zu den Vorwürfen einzuleiten, dass Epstein Mädchen sexuell missbraucht hat.
Schon bei diesem Treffen bringen die Anwälte auch den Namen Jean-Luc Brunel ins Spiel. Mehr zur Connection zwischen dem französischen Modelscout und Jeffrey Epstein könnt ihr in Folge 1 dieser Serie hören. Laut einer Notiz, die sich Amanda Kramer in diesem Meeting macht, signalisiert Brunel damals tatsächlich die Bereitschaft, mit den Behörden zu kooperieren.
Dementsprechend nimmt die Staatsanwaltschaft Kontakt zu Brunels Anwälten auf. Diese teilen jedoch mit, dass ihr Mandant nicht zu einem Treffen bereit wäre. Hier ist also mal wieder eine Sackgasse. Und davon gibt es im Zusammenhang mit dem Versuch von Edwards und Potzinger gleich noch einen. Die beiden erzählen Kramer nämlich auch, dass einige der FBI-Beamten aus den Ermittlungen der 2000er sehr unzufrieden damit seien, wie die Ermittlungen gegen Epstein ausgegangen sind.
Das benutzen Edwards und Potzinger als Argument dafür, neue Verfahren einzuleiten. Kramer versucht daraufhin beim FBI in Florida nachzuforschen. Sie erhält allerdings keine Rückmeldung. Laut einem Artikel der New York Times versucht sie allerdings auch nicht weiter nachzuhaken. Weder Amanda Kramer noch ihre Vorgesetzten in der Staatsanwaltschaft unternehmen weitere Ermittlungsschritte.
In der Zwischenzeit passiert aber noch etwas ganz anderes. Etwas, was damals in aller Munde ist, heute aber unter einem Berg anderer Vorwürfe oft in Vergessenheit gerät. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir über Donald Trump reden müssen. Vorab: Im Zusammenhang mit den Machenschaften von Jeffrey Epstein gibt es kein Urteil gegen Trump.
Es kam nie zu einem juristischen Verfahren. Dennoch wäre diese Folge nicht vollständig, wenn wir nicht über eine Klage aus dem Jahr 2016 sprechen würden. Im April 2016 wird eine Klage von einer Frau eingereicht, die in den Medien heute als Katie Johnson bekannt ist. Auch wenn euch der Name vielleicht erstmal nichts sagt, von ihren Vorwürfen habt ihr sicherlich etwas mitbekommen.
Denn die Anschuldigungen von Katie Johnson belasten nicht nur Jeffrey Epstein, sondern auch Donald Trump. Dass dem heutigen US-Präsidenten schon mehrfach missbräuchliches Verhalten vorgeworfen wurde, ist ja bekannt. Allerdings war keine der Frauen, die Vorwürfe gegen ihn erhoben haben, zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Taten minderjährig.
Bis auf eine. Und das ist Katie Johnson. Die Klage wird eingereicht, kurz bevor Trump offiziell zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner ernannt wird. Es ist auch die zum Zeitpunkt dieser Aufnahme einzige bekannte Klage, die sich gleichzeitig gegen Donald Trump und Jeffrey Epstein richtet. Katie schildert das Ganze sei 1994 in Epsteins New Yorker Menschen passiert, als sie selbst 13 Jahre alt war.
Ihr Alter sei sowohl Epstein als auch Trump bewusst gewesen. Sie sei mit Epstein in Kontakt gekommen, weil er ihr eine Modelkarriere versprochen habe. Dass er diese Masche in den 90ern durchaus benutzt hat, haben wir ja schon in Folge 1 gehört. Katie Johnson schildert jedenfalls, Epstein habe sie statt zu Modelcastings auf Sexpartys mitgenommen, wo sie unter anderem eben auf Donald Trump getroffen sei.
Das Ganze habe sich mehrfach zwischen Juni und September 1994 abgespielt. In der Klageschrift schildert Katie Johnson sowohl, wie sie zu Handlungen an Trump gezwungen worden sei, als auch, dass sie dazu gebracht wurde, vor ihm Handlungen an einem 12 Jahre alten Mädchen durchzuführen. Mit dem zukünftigen US-Präsidenten habe es vier übergriffige Zusammentreffen gegeben.
Sie berichtet nicht nur von den Zimmer, sondern auch körperlicher Gewalt durch Schläge. Ihre Vorwürfe in Bezug auf Epstein decken sich mit dem, was wir schon als Muster aus den Fällen der 2000er kennen. Eine Massage, die sich zu einem noch graphischeren Übergriff entwickelt. Von Seiten Epsteins schildert sie drei Übergriffe dieser Art. Beide Männer hätten ihr gesagt, sollte sie jemals über das Geschehene reden, seien sowohl Katie Johnson selbst als auch ihre Familie in größter Gefahr.
Katie Johnson fordert in ihrer Klage eine Schadensersatzzahlung von 100 Millionen US-Dollar. Laut der Anklageschrift gäbe es eine Mitarbeiterin von Epstein, die Katie Johnsons Bericht stützen könnte und auch vor Gericht als Zeugin aussagen würde. Diese Zeugin wird in den Papieren anonymisiert Tiffany Doe genannt.
Tiffany gibt damals eine eidesstattliche Erklärung ab, in der sie äußert, dass das, was Katie Johnson behauptet, ihres Wissens nach die Wahrheit ist. Tiffany habe laut den Unterlagen 1990 begonnen, für Epstein zu arbeiten, als sie 22 Jahre alt war. Sie habe mehrere Partys für ihn organisiert und vor allem dafür gesorgt, dass attraktive junge Frauen eingeladen werden.
Tiffany schildert, sie habe die damals 13-jährige Katie Johnson 1994 kennengelernt. Das Mädchen habe erzählt, dass sie mit dem Traum von einer Modelkarriere nach New York gekommen sei. Tiffany habe ihr daraufhin angeboten, dass sie sie zu Partys mitnehmen würde. Sie würde für ihre Anwesenheit dort bezahlt werden und könnte außerdem Kontakte mit Leuten knüpfen, die ihr bei ihrer Karriere helfen würden.
Es liegt eine schriftliche eidesstattliche Erklärung von Tiffany vor, in der sie sagt, sie habe mit eigenen Augen gesehen, wie Trump und Epstein Katie auf einer dieser Partys missbraucht hätten. Beiden sei zudem ihre Minderjährigkeit bewusst gewesen. Tiffany schildert weiter, sie habe im Jahr 2000 aufgehört, für Epstein zu arbeiten und sei danach damit bedroht worden, dass man sie und ihre Familie umbringen würde, sollte sie sich jemals zu dem äußern, was sie während ihrer Tätigkeit für Epstein gesehen hat.
Tiffanys eidesstattliche Erklärung schließt mit den Worten: “Ich versichere unter Strafe des Meineids, dass diese Angaben der Wahrheit entsprechen, obwohl mir voll und ganz bewusst ist, dass mein Leben und das meiner Familie nun in großer Gefahr sind.” Die ursprüngliche Klage von Katie Johnson wird ziemlich zügig wegen eines Verfahrensfehlers abgewiesen.
Johnson reicht kurz darauf jedoch noch zwei weitere Klagen in New York ein. Damals in Zeiten des Wahlkampfs wird das Thema natürlich besonders intensiv besprochen. Vielleicht erinnert ihr euch auch noch an die Berichterstattung von damals. Der Tagesspiegel zitiert Trumps damaligen Anwalt zu den Vorwürfen von Katie Johnson wie folgt: “Das ist kategorisch falsch.
Es ist völlig unseriös. Es ist unbegründet. Es ist unverantwortlich. Ich werde nicht einmal auf die Begründetheit eingehen, weil das der Sache eine Glaubwürdigkeit verleihen würde, die sie nicht verdient.” Epstein selbst leitet die Anfrage eines Reuters-Reporters nach einer Stellungnahme zu Katie Johnsons Klage im April 2016 an mehrere Personen weiter, unter anderem an seinen Anwalt Alan Dershowitz und auch an die ehemalige Rechtsberaterin des Weißen Hauses Katherine Rimler.
Er informiert auch einen Berater der Trump-Kampagne und schreibt dazu: “Verrückt, aber ich dachte, ihr solltet das wissen.” An den Journalisten Michael Wolff schickt Epstein eine Nachricht mit den Worten: “Jetzt geht’s los.” Unter anderem wurde Katie Johnson von einem Anwalt namens Evan Goldman vertreten. Er sagt, seine Mandantin sei eingeschüchtert worden und habe sogar ihr Telefon gehackt.
Deshalb habe sie sich in letzter Minute gegen die Pressekonferenz entschieden. Er verteidigt auch, dass die Adressen, die für die Klage in Kalifornien angegeben war, offensichtlich fake war. Denn an der Adresse, unter der Katie Johnson angeblich gemeldet sein sollte, befand sich nicht mal ein Wohnhaus, sondern ein Parkplatz.
Auch unter der angegebenen Telefonnummer konnte man niemanden erreichen. SMS gehen zwar durch, Anrufe aber nicht. Deshalb konnten auch keine Schreiben von den Gerichten an Katie Johnson zugestellt werden. Anwalt Evan Goldman sagt, dies sei ein taktischer Schritt gewesen, um seine Mandantin zu schützen.
Er räumt allerdings auch ein, dass er selbst nie persönlich mit Katie Johnson gesprochen hat. Sämtlicher Kontakt sei über Dritte abgelaufen. So wirkt es auch für einen Journalisten, der damals zu dem Fall recherchierte und versucht, Katie Johnson zu erreichen. Er scheint zwar SMS-Kontakt mit ihr zu haben, in die Telefonleitung bekommt er jedoch nur eine männliche Stimme, die angibt, mit Katie Johnson zu arbeiten.
Nähere Infos will die Person aber nicht herausgeben. Für den November 2016 ist eine Pressekonferenz geplant. Katie Johnson soll dort gemeinsam mit einer weiteren Anwältin von ihr, Lisa Bloom, öffentlich auftreten und ein Statement abgeben. Lisa Bloom hat weitere Opfer von Epstein vertreten.
Später war sie auch in den Fällen von Harvey Weinstein und P. Diddy aktiv. Sie ist auf dem Gebiet also in jedem Fall renommiert. Die Pressekonferenz soll nur sechs Tage vor den Präsidentschaftswahlen stattfinden und stößt auf so großes Interesse, dass sogar die Website von Lisa Blooms Kanzlei zusammenbricht. Allerdings findet diese Pressekonferenz nicht statt, bzw. ohne Katie Johnson.
Stattdessen tritt ihre Anwältin Lisa Bloom allein vor die Kameras. Sie erklärt: “Katie Johnson hat heute zahlreiche Drohungen erhalten, ebenso wie andere Trump-Anklägerinnen, die ich zuvor vertreten habe. Sie hat beschlossen, dass sie zu viel Angst hat, sich zu zeigen. Sie war den ganzen Tag hier und bereit, es zu tun, aber leider hat sie schreckliche Angst.
Wir müssen einen neuen Termin vereinbaren. Ich entschuldige mich bei allen, die gekommen sind. Ich habe nichts weiter hinzuzufügen.” Allerdings wird nie ein neuer Termin vereinbart. Kurz darauf werden die Klagen von Katie Johnson gegen Epstein und Trump zurückgezogen. Nach der geplanten Pressekonferenz verschwindet Katie Johnson aus der Öffentlichkeit.
Ihre wahre Identität und ob Katie Johnson ihr echter Name ist, ist bis heute unbekannt. Vor allem nach dem plötzlichen Abtauchen wird in der Presse oft spekuliert, ob es Katie Johnson und dementsprechend auch ihre Vorwürfe denn überhaupt gegeben hat. In der Presse wird damals vielfach davon ausgegangen, dass diese Anschuldigung von einem exzentrischen Anti-Trump-Aktivisten stammt, der dafür bekannt ist, abwegige Behauptungen über Prominente aufzustellen.
Konkret vermutet man dahinter eine Person namens Norm Lubow. Die Recherchen zu dieser Theorie stammen vor allem von der britischen Zeitung Guardian. Und der Guardian ist als wichtigste britische Zeitung im linken Spektrum jetzt eigentlich keine Tageszeitung, die grundsätzlich darauf aus sein dürfte, jegliche Anschuldigung gegen eine Person wie Trump kategorisch abzuschmettern.
Gerade zum Thema Epstein hat der Guardian auch schon zu Zeiten der Vorwürfe gegen Epstein in den 2000ern immer wieder kritisch berichtet. Dieser Norm Luber gibt später gegenüber dem Online-Portal Snopes auch zu, an der Klage von Johnson mitgewirkt zu haben und vor allem daran, dass diese publik wurde. Dem Snopes-Artikel wird geschlussfolgert, Lubos Bezeichnung widerlegt nicht, dass Johnson eine reale Person ist.
Doch sie zeigt, dass die Behauptung von jemandem aggressiv vorangetrieben und unterstützt wurden, der in der Vergangenheit bereits mehrfach Personen dazu benutzt hat, um fiktive, skandalträchtige Geschichten zu erfinden. Und das ist eine Tatsache, die sowohl er als auch die Anwälte der Klägerin herunterzuspielen oder zu verschleiern versucht haben.
Allerdings ist Evan Goldman neben Lisa Bloom nicht der einzige Anwalt, den Katie Johnson ursprünglich beauftragt hatte. Auch ein Verteidiger namens Cheney Mason hat für Johnson gearbeitet. Und anders als Goldman gibt er an, Katie Johnson tatsächlich getroffen und kennengelernt zu haben.
Aus einem Interview aus dem Oktober 2024 wisse er allerdings weder, weshalb Johnson ihre Klage zurückgezogen habe, noch, ob sie heute überhaupt noch am Leben sei. Allerdings, so Cheney Mason, habe er persönlich nicht den geringsten Zweifel daran, dass Katie Johnsons Version der Geschehnisse die Wahrheit sei. Er habe nicht nur selbst mit ihr gesprochen, sondern auch mit Hilfe von mehreren Privatdetektiven an der Überprüfung ihrer Schilderung gearbeitet.
Es kursiert auf YouTube auch ein Video, das eine gefilmte Aussage von Katie Johnson aus dem November 2016 zeigen soll. Ich kann euch nicht verifizieren, ob dieses Video authentisch ist oder nicht. Das Erzählte deckt sich aber im Wesentlichen mit der ursprünglichen Klage von Katie Johnson und geht noch darüber hinaus.
Zwei Tage nach Trumps erfolgreicher Wahl leitet Epstein einen Artikel der Daily Mail an mehrere Freunde und Bekannte weiter, in dem es über die Rücknahme der Katie Johnson-Klage vor dem Bundesgericht in New York geht. 2026, als die US-Behörden im Zusammenhang mit dem Fall einige Dokumente veröffentlichen, ist darunter auch ein Dokument, dass die erste Meldung über die Missbrauchsanschuldigung von Katie Johnson dokumentiert.
Es ist im Wesentlichen ein FBI-Protokoll zu der ersten Kontaktaufnahme von einem ihrer Anwälte. In einem Artikel der Zeit heißt es, Redakteure hätten das Dokument am 31. Januar aus der offiziellen Datenbank heruntergeladen. Laut dem Artikel sei das Dokument jedoch wenige Tage später aus der Datenbank verschwunden.
Auf Anfrage der Zeitung hat das Justizministerium der USA behauptet, nichts gelöscht zu haben. Am 26. Februar war das Dokument wieder verfügbar. Eventuell ging es hier also einfach darum, gegebenenfalls einfach nachträglich noch persönliche Daten aus der Anklageschrift zu schwärzen. Oder, wie es im Zeit-Artikel heißt, es geht bei diesem Fall um die Frage, ob das Justizministerium im Umgang mit den Epstein-Akten nur schlampig gearbeitet hat, oder ob die Trump-Regierung absichtlich Material zurückhält, das den Präsidenten zumindest politisch doch
noch gefährlich werden könnte. Im März 2026 kommt das Thema Katie Johnson noch einmal auf. In den sozialen Medien gehen Postings rum, in denen es heißt, Katie Johnson habe es wirklich gegeben und gegen sie sei ermittelt worden. Sie habe eine ältere Person finanziell ausgenutzt. Allerdings ist das Ganze nur ein Social-Media-Gerücht, das sich auf keine handfesten Informationen stützt.
Alles um die Katie Johnson-Anklage ist bis heute ziemlich rätselhaft. Und ich kann euch hier keine neuen Erkenntnisse liefern. Aber da die Klage im Zusammenhang mit Epstein eingereicht wurde und nun als Teil der Epstein-Falls wieder diskutiert wird, gehört sie in dieses Video. Es ist auch möglich, dass sich die Vorfälle, wie Tiffany und Katie sie geschildert haben, so nie zugetragen haben.
Es ist in diesem Fall bekanntermaßen nie zu einer Anklage gekommen. Was bleibt, sind die Akten und vor allem die Aussagen, nicht nur von Katie, sondern auch von Tiffany. Als Trump zum Präsidenten gewählt wird, redet kaum noch jemand über die Anschuldigungen gegen ihn und Epstein aus dem April 2016. Stattdessen ist die Regierung, die er aufstellt, in aller Munde.
Im Februar 2017 holt sich Trump ausgerechnet eine Person in sein Kabinett, die wir aus dieser Videoreihe schon gut kennen. Den ehemaligen Bundesstaatsanwalt von Miami, Alexander Acosta. Er war in den 2000ern maßgeblich an dem Aushandeln des Deals zwischen Jeffrey Epstein und der Staatsanwaltschaft beteiligt. Nun wird er US-Arbeitsminister. Dabei ist es nicht so, dass die Sache mit Epstein vergessen ist.
Er muss sich bei seiner Anhörung sogar zu Fragen zum Deal mit Epstein äußern. Offenbar gibt er für die notwendigen Instanzen befriedigende Antworten, denn Alexander Acosta wird für das Amt des Secretary of Labor bestätigt. Für Epstein selbst wird das Netz langsam enger, denn eine weitere Frau reicht eine Zivilklage gegen Jeffrey Epstein, Ghislaine Maxwell und drei mutmaßliche Assistenten ein, Sarah Ransome.
Sie hatten in Jahren zuvor in der Presse von den Anschuldigungen durch Virginia Giuffre gelesen und sich auch auf der Facebook-Seite ihrer Organisation erkundigt. Sarah findet ihre eigenen Erfahrungen in dem, was Virginia Giuffre erzählt hat, in Zeilen wieder. Deshalb entscheidet sie sich, rechtliche Schritte einzuleiten.
In der Klage schildert Sarah, Epstein habe sie zwischen 2006 und 2007, als sie Anfang 20 war, zu intimen Handlungen gezwungen. Also zu dem Zeitpunkt, als gegen Epstein in Palm Beach schon ermittelt wurde und er begonnen hat, den Deal mit der Staatsanwaltschaft auszuhandeln. Ursprünglich habe Epstein sie für angebliche Massagen engagieren wollen.
Im Gegenzug habe er ihr versprochen, eine Karriere als Modedesignerin zu starten. Ghislaine Maxwell habe ihr gezeigt, wie sie Epstein massieren soll. Schon während der ersten Massage sei aber ein Übergriff von Seiten Epstein daraus geworden. Das habe sich zwischen 2006 und 2007 dutzende Male so abgespielt, sowohl in Epsteins Haus in New York als auch auf seiner Privatinsel.
Sie sei nicht nur wegen den Drogen und der Karriereversprechen geblieben. Sarah gibt auch an, sie habe kostenlos bei Epstein wohnen dürfen, habe ein Handy und einen Chauffeurservice bekommen. Sarah gibt an, sie habe einmal versucht von Epsteins Insel zu fliehen. Allerdings habe ein von Epstein zusammengestellter Suchtrupp sie schnell ausfindig gemacht und zurück zum Haupthaus gebracht.
Im Januar 2007 sei sie zu einer Reise nach Südafrika geschickt worden, um dort junge Models zu rekrutieren, die mit zurück in die USA zu Epstein kommen sollten. Das habe Sarah jedoch verweigert. Im Mai 2007 habe sie die USA und damit auch Epstein und Maxwell endgültig verlassen und sei nicht mehr zurückgekehrt.
Zudem sagt sie in dieser Klage, Epstein habe sie dazu angewiesen, mit Personen aus seinem Umfeld intim zu werden, unter anderem mit seinem Anwalt Alan Dershowitz. Weiterhin gibt Sarah an, Epstein und Maxwell hätten ihr mit körperlicher Gewalt oder der Zerstörung ihrer Karriere gedroht, falls sie seinen sexuellen Forderungen seiner Villa in New York und auf seiner privaten Karibikinsel nicht nachkommen würde.
Ähnlich wie Virginia Giuffre vor ihr schildert auch sie, dass Epstein und Maxwell ihr ihren Reisepass abgenommen hätten. Zuvor hatte auch Virginia Giuffre schon behauptet, Epstein habe sie gezwungen, mit Alan Dershowitz intim zu werden, während sie noch minderjährig war. Genau wie die Anschuldigung von Virginia weist Dershowitz auch die Vorwürfe von Sarah Ransom zurück.
Auch wenn in den Dokumenten davon die Rede ist, dass Epstein sie angewiesen hat, mit Dershowitz intim zu werden. Ob das wirklich passiert ist, wird nicht deutlich. Dershowitz allerdings findet sehr deutliche Worte. Er würde Sarah Ransom nicht einmal kennen und habe ihren Namen noch nie zuvor gehört. Dershowitz behauptet, die Anschuldigung von Sarah Ransom seien wohl von ihrem Anwalt David Boies erfunden worden, als Akt persönlicher Rache gegen Dershowitz.
Oder, wie Dershowitz sagt, ich bin das Opfer. David Boies und diese Frauen sind die Täter. Ghislaine Maxwell weist die Vorwürfe zurück und beantragt die Abweisung der Anklage. Jeffrey Epstein allerdings lässt sich abermals auf eine außergerichtliche Einigung ein. Die Details dazu sind bislang nicht bekannt. 2017 ist auch das Jahr von Me Too.
Das ist eine für diesen Fall sehr wichtige Sache. Nicht, weil die Bewegung direkt etwas mit Jeffrey Epstein zu tun hätte, sondern weil das noch nicht ausgereifte, aber immerhin wachsende Verständnis, das aus der Me Too Zeit hervorgeht, dabei hilft, die Weichen für das zu stellen, was sich im Juli 2019 mit einer Verhaftung von Jeffrey Epstein zuspitzen wird.
Aber auch Epstein selbst bekommt mit, dass sich der Umgang mit Vorwürfen sexualisierter Gewalt verändert. Er ruft sogar bei dem Opferanwalt Brett Edwards an und beschwert sich darüber, dass Edwards ihn durch seine Arbeit ja sogar noch schlimmer darstellen würde als Weinstein, gegen den damals quasi laufend neue Vorwürfe aufkommen.
Eine Mandantin von Edwards berichtet ihm kurz darauf sogar von einem Zwischenfall, der sowohl Weinstein als auch Epstein betrifft. Sie sei mit Epstein in Paris gewesen, wo er ihr mitgeteilt habe, dass sie einen Freund von ihm massieren solle. Dieser Freund sei Weinstein gewesen. Weinstein sei während der Massage übergriffig gewesen und habe der jungen Frau eine 20 Dollar Note hingehalten.
Die junge Frau sagt, sie sei daraufhin aus dem Raum gerannt und habe Epstein Bescheid gesagt. Epstein habe Weinstein dann auch tatsächlich aus dem Haus geschmissen. Edwards wiederum konfrontiert Epstein später mit dieser Geschichte. Epstein räumt das ein, stellt sich aber selbst als den Guten dar. Diese Geschichte sei doch ein Beweis dafür, dass er gar nicht so schlimm sei wie Weinstein.
Schließlich habe er die junge Frau ja in der Situation vor Weinstein beschützt. Dass die Frau ohne Epstein gar nicht erst in der Situation gewesen wäre, kam ihm da wohl nicht in den Sinn. Vielleicht ist euch gerade schon die Absurdität aufgefallen, dass Epstein den Anwalt seiner eigenen Opfer anruft, um bei ihm seinem Ärger Luft zu machen.
Oder das Intro, in dem ich euch erzählt habe, dass die beiden sich auf einen Kaffee getroffen haben. Aber das ist in diesem Zeitraum laut Edwards tatsächlich so passiert. Und das, obwohl oder gerade weil sich Epstein und Edwards damals noch immer selbst in Rechtsstreitigkeiten befinden. Ihr erinnert euch, erst hatte Epstein den Anwalt seiner Opfer verklagt, er dann wieder Epstein.
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