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Jeffrey Epstein: Die gesamte Wahrheit  T – Part 8

Er hat auch Fragen von anderen Nutzern geantwortet und dabei medizinische Fachausdrücke verwendet. Z.B. hat er noch erklärt, wie Epstein intubiert worden sei und wie man ihm Flüssigkeit zugefügt habe, um zu versuchen, ihn wiederzubeleben. Unterlagen zu der Ermittlung gegen den zweiten User sind ebenfalls in den Files enthalten.

 Zusammen mit einer Anordnung zur Vorlage von Bankunterlagen von einem Mann mit einem Namen, der mit dem Namen von einem Mitarbeiter des MCC übereinstimmt. Dabei sind auch Anordnungen zur Vorlage von Telefonaufzeichnungen zu einem Nutzer mit einer Rechnungsadresse in Swain, New York. Der Name ist allerdings geschwärzt. Es ist unklar, ob der Bankkunde die Person mit der Adresse in Swain ist und auch, ob einer von den beiden der zweite User ist.

 Der Ort Swain liegt zwar, wie das MCC, im Bundesstaat New York, ist aber eine mehr als fünfstündige Autofahrt vom Gefängnis entfernt. Ebenso ist unklar, ob es sich bei beiden Fortschen-Nutzern vielleicht auch um dieselbe Person handeln könnte. Epstein wurde von dem New York City Fire Department ins Krankenhaus gebracht. Schon wenige Tage nach dem Fortschen-Zwischenfall hat die Feuerwehr angekündigt, interne Untersuchung einleiten zu wollen.

 Also wahrscheinlich, um zu schauen, ob sich der Maulwurf unter ihnen befindet. Herausgekommen ist dabei offenbar aber bis heute nichts. Stattdessen ist dieses Kapitel vielleicht eines der kuriosesten Rätsel in diesem Fall. Einen Tag nach dem Tod von Jeffrey Epstein am 11. August 2019 wird die Autopsie durchgeführt.

Im Auftrag von Epsteins Anwälten wird die Autopsie beaufsichtigt vom Rechtsmediziner Dr. Michael Baden. Wir kommen nachher noch mal auf ihn zu sprechen. Die Autopsie dauert insgesamt 4 Stunden. Am Ende kommt die Pathologin Dr. Sampson zu dem Schluss, dass Epstein freiwillig gestorben ist.

 Ein Fremdverschulden schließt sie in ihrem Bericht aus. Es heißt, Epstein habe sich mit einem Bettlaken in seiner Zelle hängt und sich dabei mehrere Knochenbrüche im Halsbereich zugezogen. Damit hatte er den ersten Freitod im MCC seit 21 Jahren begangen. Epstein hatte in seiner Zelle ein kleines Fenster, durch das er in den Bereich schauen konnte, wo die Wärter saßen.

 Theoretisch ist es also möglich, dass er geschaut hat, ob die Luft rein ist und dann die Gelegenheit ergriffen hat, einen zweiten Versuch zu unternehmen, sein Leben zu beenden. Dieses Mal mit Erfolg. Allerdings wird das Ergebnis der Autopsie nicht direkt am 12. August öffentlich mitgeteilt, sondern erst am 16. August. Epsteins überlebender Bruder Mark und der von ihm beauftragte Gerichtsmediziner Dr.

 Baden sind mit diesem Autopsieergebnis jedoch überhaupt nicht zufrieden. Und sie scheuen sich auch nicht damit, mit ihrem Unmut an die Öffentlichkeit zu gehen. Während seit der Fortsetzung Postings also eh schon die Gerüchteküche brodelt, heizt der Gerichtsmediziner im Auftrag von Epsteins Hinterbliebenen das Ganze noch weiter an.

Für die beiden ist die Möglichkeit, dass Epstein im MCC einem Mord zum Opfer gefallen sein könnte, noch nicht vom Tisch. Dr. Baden kritisiert den angefertigten Autopsiebericht scharf. So wird in dem Bericht unter anderem die Stoffschlinge skizziert, mit der Epstein sich das Leben genommen haben soll. Dr. Baden ist aber der Meinung, dass die abgebildete Schlinge gar nicht mit den Wunden an Epsteins Hals übereinstimmen kann.

Weiterhin merkt Baden an, es habe zwar durchaus eine Strangulationsspur gegeben, diese habe sich aber in der Mitte von Epsteins Hals befunden und nicht unterhalb des Kieferknochens, wie es bei dem Erhängten zu erwarten sei. Zudem hält Baden für fragwürdig, weshalb Epstein sich eine Schlinge aus einem Bettlaken geknüpft haben soll, denn wie Fotos aus der Zelle zeigen, befinden sich in dem Raum Geräte und Schnüre, die ebenfalls eine Option gewesen wären.

Genauso wie die Kabel einer Maschine, die er wegen seiner Schlafapnoe haben durfte. Über so etwas zu spekulieren ist ziemlich makaber. Es sei hier aber trotzdem kurz eingeworfen. Schon bei seinem ersten Versuch Ende Juli benutzte Epstein ja aber durchaus ein Stück Stoff und Fotos aus seiner Zelle zeigen, dass zum Zeitpunkt seines Todes viele Laken in seiner Zelle waren.

Offensichtlich wurde am Morgen zwar sein Mitgefangener aus der Zelle geholt, dessen Bettwäsche aber da gelassen. Mit Stoff hat Epstein Ende Juli mutmaßlich schon mal einen Versuch gestartet. Auch wenn Dr. Baden dagegen hält, muss es nicht ausgeschlossen sein, dass er einen Versuch auf so eine Weise eben wieder durchgeführt hat.

Als besonders verdächtig beschreibt Dr. Baden, dass Epstein mehrere Knochenbrüche in der Halsregion gehabt hat. Unter anderem war sein Zungenbein gebrochen. Das Zungenbein ist ein kleiner U-förmiger Knochen oberhalb des Kehlkopfes, also direkt in der Mitte des Halses. Laut Dr. Baden sei diese Verletzung bei Erhängen kaum üblich, sehr wohl aber, wenn man stranguliert wird, durch ein Werkzeug oder durch eine andere Person.

Diese Äußerung von Baden werden schnell auch in den Medien aufgenommen und kaum hinterfragt. So entsteht schon wenige Tage nach dem Tod von Jeffrey Epstein die Annahme, sein Tod könnte genauso gut ein Fremdverschulden gewesen sein. Schon in den vorherigen Folgen haben wir immer wieder gehört, wie Epstein die Presse durchaus im Griff hatte.

 Man könnte spekulieren, ob das Postum auch für seine Hinterbliebenen gilt. Wie gesagt, zusammen mit der Fort Chans Sache ist die Mordtheorie Wasser auf den Mühlen von allen, die Zweifel an der offiziellen Version haben. Diese Zweifel sind ja auch durchaus nicht unberechtigt, wie wir später noch sehen werden. Dr.

 Baden kritisiert dazu noch den Umstand, dass keine Fotos vom toten Epstein in seiner Zelle gemacht wurden. Er wurde stattdessen ja direkt in den Erste-Hilfe-Raum des Gefängnisses gebracht. Baden ist der Meinung, das habe keinen Sinn gemacht. In In Autopsiebericht heißt es, Epstein zum Zeitpunkt seines Auffindens seit schätzungsweise zwei Stunden tot gewesen, auch wenn nebenbei bemerkt nie ein offizieller Todeszeitpunkt festgelegt wurde.

 Die Schätzung mit den zwei Stunden ist eher weniger als eine verlässliche Zeitangabe zu sehen, sondern vielmehr als Hinweis darauf, dass Epstein einfach definitiv schon tot war, als er aufgefunden wurde und es keine Chance mehr gegeben hat, irgendetwas für ihn zu tun. Laut Dr. Baden hätte das der Wachmann Michael Thomas bemerken müssen.

Dementsprechend sei es nicht verständlich, dass die Zelle nicht direkt als Tatort behandelt und entsprechend alles fotografiert und protokolliert wurde. Das Protokoll der Gefängnisbehörde der USA schreibt tatsächlich vor, dass ein Ort innerhalb eines Gefängnisses, an dem ein Selbstmord stattgefunden hat, mit dem gleichen Schutzniveau wie jeder Tatort, an dem ein Todesfall eingetreten ist, behandelt werden muss.

 Und das war hier nicht der Fall. Aber in einem 2020 veröffentlichten Interview mit CBS betont Dr. Baden auch, dass er sich kein finales Urteil bilden möchte, ob hier nun ein Freitod oder ein Mord vorliegt. Das könne er erst tun, wenn sämtliche Indizien und Beweise zugänglich seien. Und die liegen damals selbst Dr.

 Baden noch nicht vor, weil noch einiges unter Verschluss gehalten wird. Zudem wird in dem Artikel von CBS darauf hingewiesen, dass Dr. Baden im Laufe seiner Karriere mehrere kontroverse Urteile gefällt hat. Und nicht zuletzt wird er ja für seine Aussagen in diesem Fall auch von einem Angehörigen von Epstein beauftragt und bezahlt. Dr.

 Baden beteuert aber, ihm gehe es einzig und allein darum, die Todesumstände von Jeffrey Epstein objektiv aufzuklären. Die Kritik von Dr. Baden schlägt so hohe Wellen, dass sich auch die Medizinerin geäußert hat, die die Autopsie von Epstein geleitet hat. Dr. Sampson bekräftigt noch einmal öffentlich, sie stehe fest hinter ihrer festgestellten Todesursache, Freitod durch Erhängen.

Zudem ist die Sache mit dem Zungenbein nicht ganz so felsenfest, wie es bei Dr. Baden klingt. Er sieht den Bruch von Epsteins Zungenbein hier als deutlichstes Indiz dafür, dass die Todesursache Erhängen sehr unwahrscheinlich ist. Laut ihm würde der Bruch des Zungenbeins eher dafür sprechen, dass jemand Jeffrey Epstein diese Gewalt zugefügt, ihn also ermordet habe.

Es ist allerdings so, dass es durchaus passieren kann, dass das Zungenbein beim Erhängen nachgibt. Man muss bedenken, Epstein war zum Zeitpunkt seines Todes 66 Jahre alt. Der Mediziner Sanjay Gupta etwa merkt an, dass das Zungenbein mit dem Alter immer weicher wird und gleichzeitig weniger flexibel.

 Infolge dessen ist die Möglichkeit eines Zungenbeinbruchs bei einem Mann in Epsteins Alter durchaus gegeben, auch beim Erhängen. Ebenso wie sein Kollege Gerald Rods gibt Gupta auch an, dass es, anders als von Dr. Baden behauptet, durchaus üblich ist, dass bei dieser Todesart mehrere der kleinen Knochen im Hals brechen. Zumal Epstein ja, soweit wir das wissen, eher behelfsmäßig vorgegangen ist, in Ermangelung einer besseren Formulierung.

Während nun die ganze USA diskutiert, ob Epstein sich nun wirklich das Leben genommen hat oder nicht, gibt es da jetzt zwei Leute, die bei der Beantwortung der Frage durchaus helfen könnten. Immerhin hatten die beiden Wärter Tova Noel und Michael Thomas in dem Zeitraum, in dem Epstein gestorben ist, Dienst.

 Dass die zwei irgendetwas mitbekommen haben könnten, würden der ersten Aufregung aber offenbar versäumt. Noch bevor überhaupt der Leichnam zur Autopsie freigegeben wurde, konnten Tova Noel und Michael Thomas nach dem Fund von Epsteins Leiche am 10. August nämlich erstmal ganz normal nach Hause gehen.

 Weder Noel noch Thomas wurden an diesem Morgen befragt. Dementsprechend liegen von den beiden Personen, die zum Zeitpunkt seines Todes quasi die Aufsicht über Epstein hatten, keine Aussagen vom Todestag des Bankers vor. Und das, obwohl Tova Noel wohl die letzte Person war, die Epstein gesehen hat und Michael Thomas derjenige war, der ihn am Morgen aufgefunden hat.

Erst am 12. August, am Tag nach der Autopsie, möchte das FBI die beiden befragen. Allerdings haben sowohl Noel als auch Thomas inzwischen mit ihren Anwälten gesprochen. Diese haben den beiden Gefängnismitarbeitern geraten, eine Aussage zu verweigern. Und genau das tun die beiden auch. Sowohl Tova Noel als auch Michael Thomas werden von von Job im Gefängnis suspendiert.

 Auch der Gefängnisleiter wird versetzt. Und ab hier müssen wir uns in einen weiteren Themenbereich voller Ungereimtheiten stürzen. Hat Jeffrey Epstein sich wirklich selbst umgebracht oder weisen all die mysteriösen Umstände auf etwas anderes hin? Das werden wir erst nächste Woche genauer beleuchten.

 Aber mich würde interessieren, was ihr gerade in diesem Moment dazu sagen würdet, bevor ihr all die Informationen bekommt. Denn bevor ich recherchiert hatte, war meine Meinung noch etwas einseitiger. Schreibt mir das also gerne mal in die Kommentare. So unterstützt ihr auch gleichzeitig den Kanal, denn jegliche Interaktion erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Video Leuten vorgeschlagen wird, die Insolito noch nicht abonniert haben.

 Und solltet ihr mich noch weiter unterstützen wollen, abonniert mich gerne bei Patreon. Da bekommt ihr die Videos 24 Stunden früher, ohne Zensur und ohne Werbung. Ansonsten gibt es nicht mehr viel zu sagen. Ich wünsche euch einen guten Morgen, Mittag oder Abend oder je nachdem, wann ihr das Video seht und hoffe, dass wir uns im nächsten Video wiedersehen.

Bis dahin. Ciao, Leute. Could you please give us your name? Jeffrey Epstein. Jeffrey Epstein. Jeffrey Epstein. Es ist immer noch August 2019. Epstein ist tot. Er soll sich in seiner Zelle umgebracht haben. Allerdings gibt es einige mysteriöse Umstände. Z.B. gibt es zwei Gerichtsmediziner mit zwei unterschiedlichen Meinungen, Kameras, die nicht funktioniert haben und Wärter, die ihrem Job nicht nachgegangen sind.

Heute sprechen wir über weitere Merkwürdigkeiten und darüber, ob Jeffrey Epstein eventuell umgebracht und oder ausgetauscht wurde. Während es Jeffrey Epsteins Zeit Lebens und auch nach seinem Tod oft gelungen ist, Anklagen zu entgehen, geht es in dem Fall seiner letzten beiden Aufsichtspersonen ziemlich schnell.

Am 19. November 2019 erheben Staatsanwälte in New York Anklage gegen die MCC Wachbeamten Michael Thomas und Tova Noel. Es geht um die Fälschung der Gefängnisunterlagen. Ihr erinnert euch, die angeblichen Zählungsbögen wurden ja einfach so fertig gemacht, ohne dass tatsächlich durchgezählt wurde. Deshalb werden Tova Noel fünf Fälle der Unterlagenfälschung und Michael Thomas drei Fälle vorgeworfen.

 Er hat seine Schicht erst später angefangen. Zudem wartet auf beide eine Anklage wegen Verschwörung zur Unterlagenfälschung. Bei einer Verurteilung können beide bis zu fünf Jahre ins Gefängnis kommen. Bei einer ersten Anhörung plädieren beide auf nicht schuldig. Das hat auf dem Papier erstmal nicht viel mit dem Tod von Epstein an sich zu tun.

 Trotzdem wird von der Öffentlichkeit erwartet, dass es im Zuge des Verfahrens bestimmt neue Aussagen zur Nacht vom 9. auf den 10. August 2019 geben wird. Denn immerhin muss auch Thema werden, dass und warum die beiden acht Stunden lang nicht nach Jeffrey Epstein gesehen haben, obwohl sie das ja alle 30 Minuten hätten tun müssen.

Offene Fragen gibt es zur Genüge und bei einigen könnten Noel und Thomas vielleicht helfen, die Antworten zu finden. In 2021 genehmigt ein Richter eine Vereinbarung über den Aufschub der Strafverfolgung für Noel und Thomas. So können die beiden eine Verurteilung und eine Strafe vermeiden, sofern sie bestimmte Auflagen erfüllen.

Diese Auflagen sehen vor, dass beide 100 Sozialstunden ableisten, sich sechs Monate lang von einem Bewährungshelfer überwachen lassen und dem Justizministerium für eine damals noch immer laufende Untersuchung zum Tod von Epstein zur Verfügung stehen. Zu einem klassischen Prozess mit Aussagen und dem ganzen drum und dran kommt es also gar nicht.

Wie später bekannt wird, werden sowohl Zower Knoll als auch Michael Thomas dann 2021 tatsächlich in diesem Zusammenhang befragt. Und zwar durch eine unabhängige Behörde innerhalb des Justizministeriums, durch das Office of Inspector General. Für uns im deutschsprachigen Raum ist diese ganze Struktur etwas verwirrend, aber ganz grob, im Department of Justice, dem US-Justizministerium, gibt es eine Art Unterbehörde, dieses Office of the Inspector General, kurz OIG.

 Die Aufgabe vom OIG ist es im Wesentlichen, Vorwürfe kriminellen Verhaltens oder administrativer Verfehlung durch Mitarbeiter vom Justizministerium selbst zu untersuchen. Zower Knoll und Michael Thomas sind zwar keine Mitarbeiter vom Justizministerium selbst, als Gefängniswärter haben sie aber für das Federal Bureau of Prisons gearbeitet, oder auf Deutsch, für die Gefängnisbehörde.

 Ihr könnt euch das als eine zentrale Verwaltungsstelle für alle Bundesgefängnisse in den ganzen USA vorstellen. Mehr als 30.000 Mitarbeiter sind damit beauftragt, im Namen des Bureau of Prisons etwa 158.000 Gefängnisinsassen zu beaufsichtigen. Jährlich fließen in diese Behörde, laut Medienberichten, etwa 8 Milliarden US-Dollar. Und auch das ist eine Art Unterbehörde des US-Justizministeriums.

Und so passiert es eben, dass hier das Office of Inspector General die Vorgänge in einer weiteren Behörde des Justizministeriums, nämlich der Gefängnisbehörde, untersucht. Ob es in den USA üblich ist, dass auch bei Gefängnismitarbeitern das OIG ermittelt und nicht etwa die Staatsanwaltschaft, kann ich euch nicht sagen.

Es gibt da nämlich durchaus einen wichtigen Unterschied. Als Zower Knoll und Michael Thomas im Rahmen der internen Ermittlung mit dem OIG sprechen, sind das durchaus offizielle Befragungen. Das OIG selbst hat aber gar keine Strafverfolgungsbefugnisse, anders als zum Beispiel eben die Staatsanwaltschaft natürlich.

 Eigentlich sind die Befragungen ausführlich, zumindest auf dem Papier. Tova Noel wird über sechs Stunden hinweg befragt, Michael Thomas vier Stunden lang. Aber anstelle von neuen Ergebnissen gibt es bei diesen Untersuchungen nur viele neue Ungereimtheiten. In ihrer Befragung durch das OIG sagt Tova Noel, sie habe niemanden gesehen, der Epsteins Trakt betreten oder verlassen habe.

Gleichzeitig gibt sie aber auch zu, gar nicht richtig darauf geachtet zu haben. So habe sie etwa nicht auf die Kameras geschaut, die in Echtzeit liefen oder hätten laufen sollen. Dementsprechend habe sie selbst erst später erfahren, dass keine der Kameras mit Ausnahme einer einzigen tatsächlich funktionierte.

Außerdem taucht im Protokoll der Befragung erstmals ein neuer Aspekt auf. Auf den Zählbögen, die Noel und ihre Kollegen ausgefüllt bzw. gefälscht haben, gibt es wohl eine Diskrepanz. Zwischen 22:00 Uhr und 03:00 Uhr morgens ist die Zahl der angeblich gezählten Gefangenen offenbar von 73 auf 72 gesunken. Das ist natürlich ein ziemlich unglücklicher Fehler, wenn innerhalb der Nacht tatsächlich ein Insasse verstirbt, die Wärter das aber eigentlich gar nicht wissen können, weil sie nicht nach ihm gesehen haben.

Noel sagt, sie habe sich bei dieser Diskrepanz wahrscheinlich einfach geirrt, also ihre Bögen schlecht gefälscht. In den Befragungen durch das OIG geht es vor allem um interne Details aus der Gefängnisverwaltung, wie etwa den Personalmangel, übermäßige Überstunden und geduldetes Fehlverhalten innerhalb der Belegschaft.

All diese Faktoren benennt das Justizministerium später als Grundlage dafür, dass Epstein sich überhaupt selbst das Leben nehmen konnte. Tova Noel wird eingehend dazu befragt, was sie nach Vorschrift hätte tun sollen und was sie tatsächlich davon erledigt habe. Sie beantwortet die meisten Fragen mit: “Weiß ich nicht.

” Trotzdem bestätigt ihr Befragungsprotokoll noch mal, dass Vorschriften im MCC wohl mitunter systematisch umgangen wurden. So berichtet Tova Noel unter anderem, sie sei dazu gezwungen worden, ein Dokument zu unterzeichnen, in dem sie bestätigt, sie sei für die Betreuung des Special Housing Unit im Gefängnis ausgebildet worden, der Trakt, in dem Epstein saß.

Tatsächlich habe Noel diese Ausbildung aber nie erhalten. Das sei nur eine der vielen Verstöße gegen die Ordnung gewesen, die von Seiten der Gefängnisverwaltung selbst begangen worden sein, wie Noel erklärt. Vor ihrer Doppelschicht am 9. und 10. August habe sie außerdem noch nie überhaupt in der Special Housing Unit gearbeitet.

 Ihr Kollege Michael Thomas habe ihr nach seiner Ankunft um Mitternacht noch mal gesagt, die vorgeschriebenen Zählrunden seien gar nicht nötig. Also habe sie sich als unerfahrene Mitarbeiterin auf diese Aussage verlassen. Das passt ja auch dazu, dass Michael Thomas sie gegenüber des Superweis direkt in Schutz genommen hat und gesagt hat, dass die versäumten Kontrollen nicht ihre Schuld seien.

Tover Noel behauptet gegenüber dem OIG, es habe sie niemand darüber informiert, dass sie überhaupt alle 30 Minuten nach Epstein schauen sollte. Auch wenn bei der Befragung solche Formalitäten im Vordergrund stehen, geht es wenigstens teilweise auch um den Freitod von Epstein. Denn offenbar stolpern die Personen, die Tover Noel befragen, über einige widersprüchliche Angaben zu der Sache.

Einer der Beamten sagt zu ihr: “Genau das möchte ich wissen. Was haben Sie gesehen? Was konnten Sie sehen? Alles, denn langsam bin ich verwirrt von dem, was Sie hier erzählen. Ich dachte, Sie hätten nie in die Zelle reingeschaut. Sie hätten nie etwas gesehen.” Noel schildert die Situation daraufhin so: “Michael geht zuerst durch die Tür rein, ich sehe nichts.

 Ich höre ein Reißen und dann lässt er ihn auf den Boden gleiten. Ich habe nur gesehen, wie sein Oberkörper auf den Boden gekommen ist.” Noel gibt also an, nie gesehen zu haben, wie Epstein am Bettrahmen gehangen haben soll. Wie gesagt, Fotos wurden ja nicht gemacht, sondern der Körper von Epstein wurde für Erste-Hilfe-Maßnahmen direkt aus der Zelle geholt.

Man muss sich also für alles rund um das Auffinden des Leichnams auf die Aussagen von Tover Noel und ihrem Kollegen Michael Thomas verlassen. Michael Thomas war ja derjenige, der die Zellentür geöffnet und Epstein als allererstes tot gesehen hat. Leider wird auch er erst 2021 durch das OIG ausführlich befragt.

Und zu diesem Zeitpunkt, zwei Jahre nach Epsteins Tod, hat er offenbar erhebliche Erinnerungslücken. Thomas erzählt in seiner Befragung, er habe Epstein am 10. August kurz nach 6:30 Uhr in seiner Zelle entdeckt und ihn heruntergerissen. Das passt also zu Noels Aussage. Da stellt sich die Frage, was denn mit der Schlinge passiert ist, mit der Epstein sich das Leben genommen hat.

 Das Problem ist, dass Michael Thomas Antwort darauf wie folgt ausfällt: “Ich kann mich nicht daran erinnern, die Schlinge entfernt zu haben, wirklich nicht. Ich kann mich nicht daran erinnern, das Ding von seinem Hals genommen zu haben.” Tova Noel hat gesagt, sie habe zwar gesehen, wie Thomas Epstein auf den Boden absenkte, eine Schlinge am Hals des Gefangenen habe sie aber nicht gesehen.

 Sie hat von einem Reißgeräusch gesprochen. Klingt also so, als habe Thomas die Schlinge entfernt. Aber daran erinnert er sich eben nicht mehr. Tatsächlich wurde die Schlinge, die Epstein angeblich benutzt hatte, auch nie eindeutig identifiziert. Es wurde am Tatort zwar eine Schlinge gesichert und im Autopsiebericht taucht auch eine auf, allerdings wird im Bericht des OIG später festgestellt, dass diese am Tatort gesicherte Schlinge wahrscheinlich nicht die Schlinge war, die bei Epsteins Tod verwendet wurde.

Das sagt gegenüber dem OIG auch eine Gerichtsmedizinerin, die bei der Obduktion anwesend war. Sie bezieht sich vor allem auf die Aussage von Tova Noel, die ein reißendes Geräusch gehört haben will. Die Gerichtsmedizinerin sagt aber: “Dieses Ding, das Sie mir gegeben haben, ist überhaupt nicht so zerrissen, wie es aussehen würde, wenn es von etwas abgerissen worden wäre.

” Trotz ihrer Überzeugung, dass sie nicht die tatsächliche Schlinge gesehen hatte, betont die Gerichtsmedizinerin aber auch, dass sie keinen Zweifel daran habe, dass Epstein durch Erhängen gestorben sei. Sie wird auch gefragt, weshalb zwischen der Autopsie und der offiziellen Benennung der Todesursache vier Tage vergangen sind.

 Sie sagt dazu: “Wäre er eine weniger prominente Person gewesen, die niemand umbringen wollte, hätte ich es wahrscheinlich schon am Tag der Autopsie als Erhängen bezeichnet. Aber es war meine Gründlichkeit, die mich dazu veranlasste, nach diesen Dingen zu suchen, bevor ich es als Selbstmord einstufte.” Genau diese Gründlichkeit ist später ein weiterer Faktor für das Aufkommen vieler Verschwörungstheorien.

Denn viele Leute hatten dadurch den Eindruck, die Behörden seien sich entweder selbst gar nicht so sicher gewesen, dass es ein Freitod war, oder aber sie hätten die Zeit genutzt, um sich eine plausible Story auszudenken. Aus Sicht der Behörden ist es wohl ein Glück, dass die Protokolle von der Befragung 2021 nicht damals schon veröffentlicht werden.

 Denn einiges, was Knoll und Thomas sagen, passt einfach nicht zusammen. Der Gefängniswärter Michael Thomas beschreibt in seiner OIG-Befragung etwa, er habe Epstein mit freiem Oberkörper gefunden. Aus den Akten geht aber hervor, dass ein Hemd, das vermutlich von Epsteins Leiche abgeschnitten worden war, später vom Krankenhaus in einem Beutel mit persönlichen Gegenständen zurückgegeben wurde.

Auch auf Fotos, die die Reanimationsversuche zeigen, sieht man, dass Epstein ein geöffnetes Oberteil trägt. Das alles muss nicht unbedingt heißen, dass Michael Thomas und Tova Knoll irgendwie eine direkte Schuld am Tod von Epstein tragen. Die Fass ist hier viel eindeutiger, dass man einfach zwei Jahre gewartet hat, um die beiden ausführlich zu befragen.

Aus den bisher zu dieser Untersuchung veröffentlichten Unterlagen ist nicht ersichtlich, dass die Befragung von Knoll und Thomas 2021 zu irgendwelchen Ergebnissen oder wertvollen Erkenntnissen geführt hätte. Außer wohl dazu, dass man sich entschieden hat, dass eine weitere Instandhaltung des Metropolitan Correctional Center nicht mehr zu verantworten ist.

2021, zwei Jahre nach dem Tod von Epstein, wird das MCC geschlossen. Es gibt einen sehr interessanten Punkt, zu dem das OIG Tova Knoll 2021 leider nicht befragt. Das Ganze wird 2026 mit der Veröffentlichung neuer Epsteinfalls öffentlich und befeuert weitere Spekulationen. So soll Tova Knoll in den Monaten vor dem Tod von Jeffrey Epstein wiederholt vierstellige Summen auf ihr Konto eingezahlt haben.

 Woher und von wem dieses Geld warum gekommen ist, kann oder will sie bis heute nicht erklären. Ab April 2018 wurden laut Bankunterlagen von JP Morgan insgesamt 12 Einzahlungen als verdächtig markiert. Die größte erfolgte am 30. Juni 2019, 10 Tage vor Epsteins Tod, und belief sich auf 5000 Dollar. Eine der früheren verdächtigen Einzahlungen liegen weit vor der Zeit von Epsteins Verhaftung.

Laut einem Bericht von Miami Herald wurde aber der Großteil der Einzahlungen während Epsteins Inhaftierung gemacht. Das muss nichts heißen, eben vor allem, weil die Einzahlungen schon Monate vor Epsteins Verhaftung angefangen haben. Es ist aber maximal unglücklich, dass es bislang keinen Kontext zu diesen Bankvorgängen gibt, sondern halt nur die Tatsache, dass es diese Einzahlungen gegeben hat.

Auch hier lässt sich natürlich wieder in alle Richtungen spekulieren, vor allem mit der Einzahlung von 5000 Dollar 10 Tage vor Epsteins Tod. Leider kann ich euch hier in diesem Punkt auch nicht viel mehr sagen. Es ist zum Zeitpunkt dieser Aufnahme unklar, ob und wie die Ermittlungsbehörden diese Geldströme eingeordnet haben.

Mit der Veröffentlichung der Files kommt noch etwas raus, das Tover Noll in den Fokus vieler neuer Theorien rücken lässt. Sie soll etwa 40 Minuten vor der Entdeckung von Epsteins Leichnam nach Epstein gegoogelt haben, obwohl sie in der Nacht zuvor ja kein einziges Mal nach ihm gesehen hat. Demnach habe sie kurz vor 6 Uhr am Morgen “Latest on Epstein in Jail” gegoogelt, obwohl man meinen sollte, sie würde doch an der Quelle sitzen.

 Schließlich ist Epstein zu diesem Zeitpunkt nur ein paar Meter von ihr entfernt. Es scheint ihr aber wichtig zu sein, zu sehen, was in den Medien so berichtet wird. Sie macht dieselbe Suche gleich zweimal, einmal um 5:42 Uhr und einmal um 5:52 Uhr. Dazu wird ihr 2021 während der OIG-Befragung auch eine Frage gestellt, aber ihre Antwort ist eher wenig einsichtsreich.

Noll bestreitet nämlich online nach Epstein gesucht zu haben. Sie sagt: “Ich kann mich nicht daran erinnern. Ich kann mich nicht daran erinnern, nach ihm gesucht zu haben.” Sie erklärt außerdem, die Unterlagen des FBI seien nicht akkurat. Anfangs war ja auch noch die Rede davon, dass es sich bei der Gestalt um 2:39 Uhr um Tover Noll gehandelt haben könnte.

 In ihrer eidesstattlichen Erklärung sagt Noll 2021 zwar aus, sie habe Epstein zuletzt irgendwann gegen 22 Uhr lebend gesehen, aber sie bestreitet während ihrer Schicht Bettwäsche oder Kleidung an Insassen ausgegeben zu haben. Das habe sie generell noch nie gemacht, weil solche Aufgaben normalerweise von der vorherigen Schicht übernommen werden.

Wie sie Epstein trotzdem noch irgendwann gegen 22 Uhr gesehen haben will, ohne dass sie in der Nähe seiner Zelle war, leuchtet wahrscheinlich niemanden so recht ein. Eventuell kommt diese Aussage daher, dass sie ihn um 22 Uhr für die angesetzte Zählungsrunde hätte sehen sollen, aber diese Zählung hat es ja nie gegeben.

Letztendlich ist in dem Abschlussbericht des OIG auch nicht mehr die Rede davon, dass es sich bei der Person um 22:39 Uhr um Tova Noel handeln könnte. Falls euch jetzt der Kopf raucht bei diesem ganzen Wirrwarr, mir geht es genauso und mitunter offensichtlich auch den Ermittlern. Genau deshalb wird Tova Noel im März 2026 noch einmal vorgeladen.

 Es soll eine Anhörung vor dem Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses in Washington stattfinden. Allerdings wird die Anhörung nur einen Tag vor dem angesetzten Termin plötzlich abgesagt. Eine Begründung für die kurzfristige Absage oder ein Ersatztermin gibt es zum Zeitpunkt dieser Aufnahme noch nicht. Dass im Metropolitan Correctional Center irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugegangen ist, hat das FBI schon 2019 schnell bemerkt.

 Auch das wissen wir aus Dokumenten, die Anfang 2026 neu veröffentlicht wurden. Demnach hat das FBI schon in der Woche nach Epsteins Tod Tipps zu ungewöhnlichen Vorgängen im MCC bekommen. In den Tagen nach dem Freitod von Jeffrey Epstein sollen auffällig viele Dokumente vernichtet worden sein. Demnach hat ein Insasse des Gefängnisses angegeben, er habe die Aufgabe bekommen, mehrere Züten mit geschredderten Papieren in einen Müllcontainer im Hinterhof zu werfen.

Einmal am 15. August und einmal am 16. August, also jeweils fünf und sechs Tage nach Epsteins Tod. Das sei dem Insassen in dieser Menge so komisch vorgekommen, dass er sich an einen Wärter gewendet hat mit den Worten: “Die schreddern alles.” Im gleichen Gespräch habe der Insasse dem Wärter erzählt, dass er die Beamten, von denen er um Hilfe bei der Entsorgung gebeten wurde, gar nicht gekannt habe.

Er soll nur erwähnt haben, dass einer von ihnen weiß sei und einen Südstaaten-Akzent habe. Darüber hat der Wärter sich gewundert, denn auch er kennt niemanden, auf den diese Beschreibung zutrifft. Deshalb ging der Wärter davon aus, dass es sich bei diesen Beamten wohl um Mitglieder der Gefängnisbehörde oder des OIG handelt.

 Und für ihn wirkt es ziemlich merkwürdig, dass ausgerechnet die im Gefängnis auftauchten und haufenweise Dokumente zerschreddern sollten, so kurz nach so einem katastrophalen Freitod eines Insassen. Am Freitag, den 16. August, hat wahrscheinlich genau dieser Wärter am Abend dann beim FBI angerufen. Laut Unterlagen soll er gesagt haben, er habe noch nie gesehen, dass derart viele Tüten mit geschredderten Dokumenten rausgegeben wurden, um in den Müllcontainer im Hinterhof des MCC entsorgt zu werden.

 Auch das FBI hat diesen Tipp offenbar ernst genommen, denn der besagte Insasse, der den Müll rausgebracht hat, wurde befragt. Allerdings ist diese Befragung nicht gerade zielführend verlaufen. Er wurde von den Beamten nicht gefragt, was genau er gesehen hat. Stattdessen wurden klassische Ja-Nein-Fragen gestellt. Haben Sie irgendwelche Infos über geschredderte Dokumente? Haben Sie mit angehört, wie irgendjemand über Schreddern von Dokumenten geredet hat? Falls irgendwelche Dokumente geschreddert wurden, wissen Sie, was für welche? Auf all diese Fragen antwortete

Insasse mit Nein. Zumindest laut des transkribierten Befragungsprotokolls, das allerdings erst vier Monate nach der eigentlichen Befragung erstellt wurde, im Dezember 2019. Das Protokoll endet mit dem Vermerk: “Der Insasse hat keine weiteren Informationen in Bezug auf Epstein oder den Tipp und hat uns informiert, dass er einfach versuchen würde, Ärger zu vermeiden, sich im Hintergrund zu halten und seinen Job zu machen.

” Der Insasse hat uns mitgeteilt, dass er glücklich mit seiner Position ist und sich das in keinster Weise verscherzen will. Klingt als habe der Insasse große Sorge gehabt, möglicherweise etwas Falsches zu sagen und sich damit Ärger einzuhandeln. Er und sein Wärter sind offenbar aber nicht die einzigen, die sich Gedanken um die Schredderaktion gemacht haben.

 Einer der Mitarbeiter, der den Innenhof beaufsichtigt, war offenbar ebenfalls beunruhigt. Denn drei Tage später, am 19. August, schreibt ein Ermittler eine Notiz. Der entsprechende Mitarbeiter habe beobachtet, wie ein Häftling ganze Ballen aus geschreddertem Papier runtergebracht hat. Er habe dem FBI am Morgen des 19.

 August diese Nachricht geschrieben. Ich halte es für unangemessen, dass ein Ermittlungsteam Unterlagen im Zusammenhang mit der Untersuchung schreddert. Und sie sollten vielleicht untersuchen, warum Mitarbeiter der Gefängnisbehörde Unterlagen vernichten. Einer der FBI-Beamten wollte sich den Müll noch am selben Tag angucken, aber da wurde er schon abgeholt.

Was auch immer da geschreddert wurde, ist also verschwunden. Das ist besonders ärgerlich, weil schon im ersten Tipp vom 16. August darauf hingewiesen wurde, dass der Müll am 19. August gegen 8 Uhr morgens abgeholt werden würde. Offenbar hat sich das FBI trotz dieses Hinweises über das Wochenende vom 16. bis zum 19.

August aber nicht darum gekümmert. In einer Notiz vom 29. August wird vermerkt, der Wärter, der den Tipp gegeben hat, hätte in der Vergangenheit schon des Öfteren unbegründete Beschwerden eingereicht. Das FBI hat sich daraufhin entschieden, die Sache zu den Akten zu legen. Einige Zeit später geht ein anonymer Brief bei einem Bundesrichter ein.

 Wann genau ist es leider nicht klar. Es scheint aber irgendwann zu sein, nachdem das FBI den Insassen und einen der beiden Tippgeber schon befragt hat. In dem Brief deutet der Verfasser an, dass die Regierung die Vernichtung der Unterlagen aus dem MCC vertuschen würde. Er schreibt: “Ich fühle mich nicht wohl dabei, dies dem OIG zu melden, da das OIG davon weiß und möglicherweise alles vertuscht.

” Aus den aktuell veröffentlichten Epstein-Falls geht nicht hervor, ob das FBI, die Bundesstaatsanwaltschaft oder das OIG weitere Maßnahmen wegen der Schredderaktion ergriffen haben. Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass sie sich Videoaufnahmen vom Bereich der Mülltonnen des Gefängnisses angesehen haben oder ob Mitglieder der Gefängnisbehörde befragt wurden, die an den entsprechenden Tagen vielleicht im MCC waren.

Auch das ist wieder so ein Punkt, an dem diese Halbinfos der perfekte Nährboden für Verschwörungstheorien sind. Es kann ja sein, dass alles total simpel ist. Das FBI hatte nämlich ebenfalls bemerkt, dass die Zählbögen des MCC für den Zeitraum bis zum 10. August verschwunden sind. Die Beamten hatten die Unterlagen eigentlich als Teil ihrer Ermittlungen mitnehmen wollen, aber sie waren im MCC nicht aufzufinden.

Man könnte mutmaßen, dass die Unterlagen vielleicht in einem Versuch geschreddert wurden, zu vertuschen, dass die Zählbögen über einen längeren Zeitraum nur gefälscht wurden. So nach dem Motto: Lieber gar keine Unterlagen da haben, als Unterlagen, denen man möglicherweise ansehen kann, dass sie nicht anständig bearbeitet wurden.

Aber ja, man kann eben nur mutmaßen. Mehr Infos gibt es einfach nicht. Und genau deshalb können die Mutmaßungen auch in jede andere erdenkliche Richtung laufen. Erst mit der Veröffentlichung neuer Akten wird 2026 zudem bekannt, dass im Zuge von Epsteins Tod gleich drei separate Ermittlungsverfahren eingeleitet wurden.

Zunächst gab es die Untersuchung zu Epsteins Tod, den die Gerichtsmedizin als Freitod durch Erhängen einstufte. Das ist ja auch bekannt und auch ganz normal, wenn jemand in Haft stirbt. Dazu sind aber noch zwei Korruptionsermittlungen gekommen. Einmal wegen Behinderung der Justiz. Das ist die Ermittlung, in der es um mögliche Anklagen wegen Pflichtverletzung und anderen Fehlverhaltens von Vollzugsbeamten ging.

 Während dieser Ermittlung ist auch das Schreddern der Akten aufgefallen. Es gibt aber auch etwas, das bisher kaum einzuordnen ist. Die dritte Ermittlung im Bunde wird in den Unterlagen vom Justizministerium als Color of Law Untersuchung bezeichnet. Dabei geht es um einen Fall von Erpressung für sexuelle Handlung, an dem ein Vollzugsbeamter beteiligt war.

Diese Ermittlung wurde als Reaktion auf Befragung von Insassen und Vollzugsbeamten im Anschluss von Epsteins Tod gestartet. Der Miami Herald, den ihr schon aus den anderen Folgen dieser Reihe kennt, hat zu diesem Punkt recherchiert, aber keinen Zusammenhang mit Epsteins Fall feststellen können. Es ist also unklar, warum dieser Erpressungsfall überhaupt im Kontext der Epsteins Falls auftaucht.

Laut Miami Herald haben die drei Verfahren aber eines gemeinsam. Sie wurden alle recht früh von einem Strafverfahren durch das FBI zu einer Untersuchung des OIG vom Justizministerium gemacht. Und wie vorhin schon kurz angerissen, hat diese Behörde ja keine Befugnis zur strafrechtlichen Verfolgung. Beim OIG werden Vorwürfe zur Erpressung, Korruption und dergleichen erstmal geprüft und dann gegebenenfalls zur strafrechtlichen Verfolgung an das Justizministerium weitergeleitet.

 Und bislang ist da rund um Epsteins Ableben noch nichts passiert. So, falls ihr nach all diesen offenen Enden und Fragen noch Luft habt, würden wir an dieser Stelle zu den konkreten Ungereimtheiten kommen. Bisher haben wir den bekannten und belegten Ablauf der Nacht vom 9. auf den 10. August gehört.

 Auch wenn die Geschehnisse um 22:39 Uhr schon ihren eigenen Einschub bekommen haben. Wer der orangefarbene Lichtblitz ist, der dann Richtung von Epsteins Trakt geht, wissen wir bis heute nicht. Und das, obwohl wir das Überwachungsvideo haben, auf dem er eingefangen wurde. Im Sommer 2025 wurde nämlich die komplette, insgesamt gut 11 Stunden lange Aufzeichnung von der Gefängniskamera veröffentlicht.

 Das Ganze könnt ihr euch sogar hier auf YouTube ansehen. Oder ihr spart es euch. Viel zu entdecken gibt es da nämlich nichts. Aber allein aus dem Mangel an Ereignissen lassen sich schon Abweichungen von der offiziellen Rekonstruktion ableiten, die bei den Ermittlungen der Behörden selbst herausgekommen ist. Diese Abweichungen wurden von CBS in einer Recherche zusammengefasst.

 CBS betont aber auch, dass diese Abweichungen kein Beleg dafür sind, dass sich Epstein nicht selbst das Leben genommen hat. Wohl aber ein Anzeichen dafür, dass die Ermittlungen im Nachgang eher unrümlich verlaufen sind. Es gibt mit diesem Überwachungsvideo nämlich einige Probleme. Und da das Video eigentlich der unmittelbarste Beleg dafür sein sollte, was in der Nacht von Epsteins Tod passiert ist, ist Kritik daran ziemlich berechtigt und wichtig.

Im Folgenden wollen wir einmal die Ungereimtheiten durchgehen. Also die Punkte, bei denen das, was die Behörden eigentlich immer erzählt haben und das Video selbst einfach nicht zusammenpassen wollen. Ein paar Sachen können wir direkt aus dem Weg räumen. Andere sind bis heute rätselhaft. Zum einen hatte das FBI nach Epsteins Tod sehr früh erklärt, jeder, der vom Gemeinschaftsbereich der Special Housing Unit aus die Etage betrat oder zu betreten versuchte, auf der sich Epsteins Zelle befand, wäre auf diesem Videomaterial zu sehen gewesen. Das FBI

hat also im Klartext gesagt, jeder, der in der Nacht vom 9. auf den 10. August zu Epsteins Zelle gegangen wäre oder sie verlassen hätte, wäre definitiv auf diesem Überwachungsvideo zu sehen. CBS hat auf Basis der vorliegenden Infos ein Modell von dem Gebäudeplan des Gefängnisses rekonstruiert. Auf Basis dessen glauben die Journalisten nicht, dass das FBI mit dieser Einschätzung richtig liegt.

In dem Artikel heißt es: Dies wird bereits in den ersten 10 Minuten des Videos deutlich. Epsteins Zelle befand sich im L-Block, der über eine Treppe vom Gemeinschaftsbereich der Special Housing Unit aus erreichbar war. Als Epstein vor der Kamera erscheint, sieht man ihn auf die Treppe zugehen, die zu einer Zelle führt.

 Doch da die Treppe fast vollständig außerhalb des Blickfelds der Kamera liegt, sieht man ihn nie hinaufsteigen. Der Eingang zu Epsteins Zelle, sowie der Haupteingang zur Unit, liegen in derselben Richtung außerhalb des Bildausschnitts. Was bedeutet, dass man anhand des Videos nicht erkennen kann, ob er in seine Zelle ging oder die Special Housing Unit verließ.

Man kann zwar auf dem Video vage Bewegung auf der Treppe erkennen, wenn jemand linksseitig die Treppe hochgeht, aber größtenteils ist der Aufgang nicht im Kamerawinkel eingefangen. So kann man unmöglich anhand dieser Aufnahme feststellen, ob nicht vielleicht jemand durch den Haupteingang der Unit reingegangen ist und sich dann einfach an die Seite der Treppe gehalten hat, die nicht von der Kamera eingefangen wurde.

Das würde die Aussage des FBI widerlegen. Diese Einschätzung teilen auch fünf Videoanalysten, denen CBS das Video vorgelegt hat. Dann ist da noch der Umstand, dass man beim Zeitstempel 11:21:34 Uhr einen Cursor im Bild sieht. Laut Justizministerium hat das FBI fünf Tage nach Epsteins Tod das digitale Videorekordersystem, kurz DVR, der Haftanstalt beschlagnahmt.

Darauf sei das reine Rohmaterial von der Gefängniskamera gewesen. Als das komplette 11-Stunden-Video veröffentlicht wurde, haben die Bundesbehörden bekräftigt, es würde sich genau um dieses Rohmaterial handeln. Daran lässt aber dieser Cursor, der im Bild auftaucht, Zweifel. Den schneidet ja keine Überwachungskamera der Welt selbständig mitten ins Video.

Auch hier hat CBS News im Zuge der Recherche bei Experten nachgefragt. Diese erklärten, die Aufnahmen würden darauf hindeuten, dass es sich bei diesem Video um eine Bildschirmaufnahme handelt und nicht, wie von den Behörden versprochen, um einen direkten Export aus einem DVR-System. Einer der Experten hat die Metadaten des Videos ausgewertet.

 Diese sollen gezeigt haben, dass das Video erst am 25. Mai 2025 erstellt wurde. Also eben wirklich nicht direkt vom DVR-System aus dem August 2019 gekommen sein kann. Zudem spreche laut mehreren der befragten Experten etwas dafür, dass es sich gar nicht um eine einzige Aufnahme handelt, sondern um zwei, die zusammengeschnitten wurden.

So ändert sich an einer Stelle laut den Analysten die sogenannte Frame Aspect Ratio, also das Verhältnis von der Höhe zur Breite des eingefangenen Bildes. Regierungsquellen, die mit den Ermittlungen vertraut sind, sollen CBS vertraulich mitgeteilt haben, dass das FBI zwar das Rohmaterial hat, dass dies aber tatsächlich nicht auch das Material ist, das durch die Behörden veröffentlicht wurde.

 Neben dem späteren Erstellungsdatum ist bei der Durchsicht der Metadaten noch eine weitere Sache aufgefallen. Laut der Analyse von CBS News soll von dem Video etwa eine Minute fehlen. Der das Video eingeblendete Zeitzähler läuft ohne Unterbrechung bis kurz vor Mitternacht. Dann springt die Zeit plötzlich um eine Minute vorwärts.

 Als die Übertragung um 0 Uhr wieder aufgenommen wird, ändert sich das Bildformat des Videos leicht. Laut den CBS Experten ist das womöglich ein weiterer Hinweis darauf, dass das Material bearbeitet oder nachbearbeitet wurde und es sich nicht um das Rohmaterial handelt. Zumal die fehlende Minute in einem späteren Bericht des OIG gar nicht erwähnt wird.

Nun ist diese fehlende Minute eben ausgerechnet beim Wechsel auf Mitternacht. Es ist nicht nur der Wechsel vom 9. auf den 10. August, sondern auch die Zeit, um die der erste Wächter der Nacht seine Schicht beendet. Um 0 Uhr wird er durch Michael Thomas abgelöst. Das alles gibt natürlich ordentlich Anlass zu Spekulationen, Gerüchten und Theorien.

Aber vielleicht gibt es an dieser Stelle vielleicht doch auch ausnahmsweise mal eine wirklich simple Erklärung des Ganzen. Die damalige Justizministerin der USA, Pam Bondi, erklärt die fehlende Minute nämlich so: “Es fehlt eine Minute auf dem Zähler und wir haben von der Gefängnisbehörde erfahren, dass sie jedes Jahr, jede Nacht dieses Video neu erstellt.

Jede Nacht wird es zurückgesetzt. Also sollte jede Nacht dieselbe fehlende Minute aufweisen. Deshalb suchen wir auch nach diesem Video, um zu zeigen, dass es jede Nacht fehlt.” Allerdings widerlegt CBS auch diese Angaben. Die Journalisten berufen sich abermals auf eine hochrangige Regierungsquelle, die mit den Ermittlungen vertraut ist.

 Diese Quelle berichtet gegenüber CBS, dass die Gefängnisbehörde, das FBI und das Justizministerium Besitzer vollständiger, unbearbeiteter Kopien des Videos seien und dass in diesen Kopien keine einzige Minute fehlt. Warum Pam Bondi behauptet hatte, dass das Video zurückgesetzt worden sei, ist unklar. Im September 2025 wird die verschwundene Minute nachgereicht und gemeinsam mit mehr als zwei weiteren Stunden Videomaterial veröffentlicht.

Laut einem Guardian-Artikel ist weder in der bis dahin verschwundenen Minute noch auf den weiteren Aufnahmen irgendetwas Außergewöhnliches zu sehen. Warum Bondi behauptet hat, dass es ein interner Technikfehler gewesen ist, nach wie vor nicht geklärt. Dafür wird anhand veröffentlichter Epstein-Falls 2026 erklärt, warum die Minute gefehlt hat und warum es einen Schnitt gegeben hat.

Die Originalbänder des Videos wurden bereits im Sommer 2024 vernichtet. In einem Dokument zur Begründung heißt es: “Da dieser Fall bereits abgeschlossen war und Name des Staatsanwalts unkenntlich gemacht am 26.08.2024 dem behördlichen Verfahren zur Beweismittelbehandlung zugestimmt hatte, wurde die Genehmigung zur Vernichtung des Beweismittels 1B60 erteilt.

 Gemäß den Richtlinien des FBI muss die Ermittlungsakte offen bleiben, solange ein Beweismittel noch nicht entsorgt wurde.” Das Beweismittel, hier das Originalvideo, musste also entsorgt werden, weil der Fall Epstein für die Behörden abgeschlossen war. Aber ein Jahr später, im Sommer 2025, brauchte das Justizministerium das bereits zerstörte Beweismittel ja doch.

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