Jeffrey Epstein: Die gesamte Wahrheit T – Part 10
Sie hat unter anderem als Expertenzeugin oder als Beraterin für die Verteidigung von Angeklagten wie O.J. Simpson oder Harvey Weinstein ausgesagt. Es ist für sie also nichts Neues in einem kontroversen Prozess auszusagen. Loftus erzählte Jury von Experimenten, in denen es ihr und ihren Kollegen gelungen war, Versuchsteilnehmern falsche Erinnerungen einzupflanzen.
Sie beschreibt das so: “Selbst traumatische Erlebnisse können nachträglich durch Suggestion beeinflusst werden. Falsche Erinnerungen können sehr lebhaft und detailliert sein. Die Menschen können von ihnen überzeugt sein und emotional darauf reagieren, obwohl sie falsch sind.” Das passt zu dem zweiten Strang von Maxwells Verteidigungsstrategie, nämlich dass die vier Betroffenen nur hoffen würden, sich durch einen Prozess gegen Maxwell finanziell zu bereichern.
Die Verteidigung wirft den Frauen vor, sie hätten von der Berichterstattung über Epstein mitbekommen und darüber, dass ein Teil seines Vermögens nach seinem Tod für die Entschädigung seiner Opfer verwendet werden soll. Also hätten die Frauen jeweils eine Geschichte über Ghislaine Maxwell erfunden, um ihre Ansprüche auf Entschädigung aus dem Epstein-Fonds zu untermauern.
Dabei hätten sie die Gelegenheit genutzt, dass die Behörden ein Verfahren gegen Maxwell anstrebten und gehofft, wenn sie helfen würden, Maxwell hinter Gitter zu bringen, würden sie Geld aus Epsteins Nachlass bekommen. Ihr Unterbewusstsein hätte sich die Anschuldigungen gegen Maxwell also zurechtgebogen, um an Geld zu kommen.
Das ist die Hauptstrategie von Maxwell und ihre Erklärung dafür, dass vier Frauen unabhängig voneinander ähnliche Vorwürfe gegen sie erheben. Als Elizabeth Loftus gefragt wird, ob es denn üblich sei, dass das menschliche Gehirn sich mit Aussicht auf Geld falsche Erinnerungen ausdenken kann, antwortete sie: “Mir sind keine Studien dazu bekannt, aber nach meinen Recherchen ist das durchaus plausibel.
” Laut Loftus mag das plausibel sein, aber es gibt keine wissenschaftliche Evidenz dafür. Dafür eine Menge entsprechender Vorurteile gegen Frauen, die sich trauen gegen wohlhabende Männer vorzugehen. Allerdings ist diese Strategie nicht nur eine, die auf solchen Vorurteilen aufbaut, sie lässt sich auch ziemlich solide von den gut vorbereiteten Staatsanwälten widerlegen.
Zum einen argumentiert Maxwells Verteidigung selbst damit, dass bereits alle eine Entschädigung aus Epsteins Nachlass erhalten hätten. Nun würden sie sicherlich hoffen, von ihren Aussagen finanziell weiter profitieren zu können, wenn sie, wie die Anwältin es nennt, übertreiben würden. Eine Staatsanwältin weist darauf hin, dass das doch ein Widerspruch in sich ist.
Denn die Frauen haben ja eben schon jeweils Geld aus den Opferfonds bekommen und wurden finanziell entschädigt. Wäre es diesen Frauen wirklich nur ums Geld gegangen, wie es dargestellt wird, hätten sie nicht den nervenaufreibenden Weg vor Gericht gehen müssen. Denn wie gesagt, eine finanzielle Entschädigung hatten sie bereits. Mit dem Prozess gegen eine wohlhabende Frau wie Maxwell gehen sie stattdessen ein persönliches und finanzielles Risiko ein.
Zumal die Betroffenen rechtliche Schritte gegen sich selbst riskieren würden, wenn sie jetzt vor Gericht und unter Eid Falschaussagen machen würden. Und auch auf psychologischer Ebene ist das mit den falschen Erinnerungen deutlich komplexer. Wie eben schon gesagt, bezieht sich Elizabeth Loftus oft auf eine Studie, in der Leuten eingeredet wurde, sie hätten sich als Kinder mal in einem Einkaufszentrum verlaufen.
Ich denke, wir können uns einig sein, dass das etwas anderes ist als eine Erinnerung daran, im Teenageralter sexuell missbraucht worden zu sein oder etwas ähnlich Traumatische erlebt zu haben. Um das darzulegen, stellen die Staatsanwälte eine Studie vor, bei der ebenfalls versucht wurde, den Teilnehmern eine falsche Erinnerung einzuflanzen.
Nämlich, dass sie einmal einen rektalen Einlauf bekommen hätten. Keine der 20 Teilnehmer hat nach diesen Versuchen geglaubt, sich an so etwas erinnern zu können. Damit wird Loftus im Kreuzverhör konfrontiert. Und sie räumt ein, dass es bei dieser Studie eben nicht gelungen ist, die falschen Erinnerungen einzuflanzen, anders als bei ihrem Einkaufszentrum-Versuch.
Es sind einfach zwei völlig unterschiedliche Dinge. Und genau das ist hier der Punkt. Das Beispiel aus der Studie, die die Staatsanwaltschaft vorstellt, ist invasiv und wird vom Gehirn auch so registriert, vielleicht sogar als traumatisch. Und genau deshalb, so die Implikation, ist es in der Studie nicht gelungen, falsche Erinnerungen an so ein Prozedere einzupflanzen.
Das wird weiter verstärkt, als eine der Staatsanwältinnen Loftus ins Kreuzverhör nimmt. Sie fragt Loftus, ob es richtig ist, dass Menschen dazu neigen, sich an den Kern oder das Wesentliche von traumatischen Ereignissen zu erinnern. Loftus bejaht das. Sie bejaht auch, dass es passieren kann, dass Menschen einige der nebensächlichen Details eines traumatischen Ereignisses vergessen können.
Auf die Frage: Aber die Kernerinnerungen an ein traumatisches Ereignis bleiben stärker, nicht wahr? Sie antwortet: Dem stimme ich wahrscheinlich zu. Und die Kernerinnerungen der Betroffenen sind für die Jury überzeugend genug. Später werden Experten sagen, dass Maxwell sich mit dieser Diskreditierungsstrategie keinen Gefallen getan hat, denn das war im Grunde alles, was sie vorweisen konnte.
Es gab keine anderweitige Entlastung, keine Teileingeständnisse, keine plausible Begründung oder Entschuldigung für das, was geschehen ist, nicht einmal ein Versuch davon. Denn Ghislaine Maxwell selbst entscheidet sich nicht zu ihrer Verteidigung auszusagen. Stattdessen kommt von ihr nur Folgendes: Euer Ehren, die Staatsanwaltschaft hat ihre Anschuldigung nicht zweifelsfrei bewiesen.
Daher besteht für mich keine Notwendigkeit auszusagen. Das Gericht sieht das gänzlich anders. Es gibt nur einen Anklagepunkt, in dem die Jury die Anschuldigung gegen Maxwell als nicht zweifelsfrei bewiesen erachtet. Die Verleitung einer Minderjährigen zu Reisen zur Ausübung illegaler sexueller Handlungen. Das ist allerdings eben auch ein sehr spezifischer Anklagepunkt.
In allen anderen fünf Anklagepunkten lautet das Urteil gegen Ghislaine Maxwell allerdings schuldig. Wegen Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung, Verschwörung zur Verleitung von Personen unter 17 Jahren zu Reisen im zwischenstaatlichen Verkehr mit der Absicht illegale sexuelle Handlungen vorzunehmen, Verschwörung zum Transport von Personen unter 17 Jahren im zwischenstaatlichen Verkehr mit der Absicht illegale sexuelle Handlungen vorzunehmen, Beförderung einer Person unter 17 Jahren mit der Absicht illegale
sexuelle Handlungen vorzunehmen, sowie Verschwörung zum Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung von Personen unter 17 Jahren. Ghislaine Maxwell ist mit dem Ausgang ihres Prozesses natürlich alles andere als zufrieden. Noch bevor das Strafmaß verkündet wird, versucht sie im Frühjahr 2022 eine Neuverhandlung zu erwirken.
Ihr Argument: Ein Mitglied der Jury hat nach dem Prozess gegen Maxwell angegeben, als Kind Missbrauchserfahrungen gemacht zu haben, das vorher aber nicht offengelegt. Deshalb sei die Jury nicht zu einem unparteiischen und fairen Urteil in der Lage gewesen. Die zuständige Richterin weist diesen Antrag von Maxwell jedoch zurück.
Stattdessen bekommt Maxwell eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren, dazu noch einmal fünf Jahre auf Bewährung. Außerdem muss sie eine Geldstrafe in Höhe von 750.000 Dollar zahlen. Da Maxwell zum Zeitpunkt ihrer Verurteilung bereits 60 Jahre alt ist, ist es möglich, dass sie das Gefängnis nicht mehr lebend verlassen wird. Es sei denn, sie überzeugt mit guter Führung, dann könnte sie schon mit Ende 70 rauskommen.
Und am 28. Juni 2022 sagt Ghislaine Maxwell zum ersten Mal überhaupt etwas, oder ergreift greift zumindest das Wort. Allzu viel Substanz hat ihr Statement nämlich nicht. “Ich empfinde tiefes Mitgefühl für alle Opfer in diesem Fall. Ich erkenne auch an, dass ich dafür verurteilt wurde, Jeffrey Epstein bei der Begehung dieser Verbrechen geholfen zu haben.
Und trotz der vielen hilfreichen und positiven Dinge, die ich in meinem Leben getan habe und auch weiterhin tun werde, weiß ich, dass meine Verbindung zu Epstein und dieser Fall mich für immer und dauerhaft in Verruf bringen wird. Jeffrey Epstein hätte hier vor ihnen allen stehen sollen. Er hätte schon vor all den Jahren vor ihnen stehen sollen.
Er hätte 2005 vor ihnen stehen sollen, erneut 2009 und noch einmal 2019. Die Schmerzen, die sie ertragen mussten, tun mir leid. Das ist immerhin so etwas wie eine Entschuldigung. Ein Eingeständnis der eigenen Schuld sieht allerdings anders aus. Im Prinzip sagt Maxwell ja nur, dass sie es bereut, sich mit Epstein abgegeben zu haben, weil sie dadurch nun schlecht dasteht.
Und wenn sie sagt, dass es Epstein hätte sein sollen, der vor Gericht steht, stellt sie es letztlich so dar, dass sie nur der Sündenbock für Epsteins Verbrechen ist. Im Sommer 2022 wird Maxwell in ein anderes Gefängnis verlegt, das FCI Tallahassee im US-Bundesstaat Florida. Dieses Gefängnis gilt als sogenanntes Low Security Prison.
Zuvor hatten sich ihre Anwälte schon mehrfach über die Haftbedingungen beschwert, unter denen Maxwell in einem Gefängnis in Brooklyn untergebracht gewesen ist. Laut ihnen haben sie dort beinahe so hausen müssen wie Dr. Hannibal Lecter in Das Schweigen der Lämmer. Außerdem habe man ihnen den Zugang zu Trinkwasser verwehrt und mit Maden infiziertes Essen gegeben.
Eine andere Insassin habe außerdem gedroht, Maxwell umzubringen und angedeutet, jemand habe ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt. Obwohl die Bedingungen in Tallahassee wohl besser sind, hat Maxwell trotzdem weiter Ärger. Eine Anwaltskanzlei, die an der Verteidigung von Maxwell beteiligt war, verklagt sie, ihren Ehemann und ihren Bruder, weil das Honorar der Kanzlei wohl nie vollständig bezahlt wurde.
Maxwell habe wohl nach ihrer Verhaftung ihren Bruder beauftragt, die Anwaltskosten zu bezahlen. Das habe er jedoch nur teilweise gemacht. Trotzdem findet sie Anfang 2023 die Zeit für ein Interview aus dem Gefängnis, allerdings nur zu ihren eigenen Bedingungen. Ghislaine Maxwells erstes Interview aus dem Gefängnis wird über einen Videocall geführt.
Es ist zwar auch eine Produzentin dabei, neben der sitzt allerdings einer von Maxwells Brüder, der hauptsächlich die Fragen stellt. Unter anderem wird Maxwell während des Gesprächs gefragt, ob sie glaubt, dass Epstein sein Leben wirklich freiwillig beendet habe. Wie auch Epsteins Hinterbliebene sagt Maxwell, dass sie glaubt, dass er ermordet worden sei.
Auf die Frage, was der größte Fehler in ihrem Leben gewesen sei, sagt Maxwell, sie wünschte, sie hätte Epstein nie getroffen. Sie habe nie gewusst, was für ein schrecklicher Mensch er gewesen sei. Und die Bekanntschaft zu ihm habe letztlich ihr Leben ruiniert. Zu guter Letzt teilt sie auch noch gegen Virginia Giuffre aus.
Das heute berühmte Foto, das die damals erst 17 Jahre alte Virginia neben Maxwell und Prinz Andrew zeigt, sei ein Fake. Dafür habe Ghislaine Maxwell Beweise. Leider fragt ihr Bruder nicht nach, was für Beweise das sein sollen und sie legt auch keine vor. Eine Psychologin aus Palm Beach, die mehrere Opfer von Epstein und Maxwell betreut, ist dieses Interview aus dem Gefängnis nur ein Versuch von Maxwell, irgendwie die Kontrolle zu behalten.
Dazu passt ja auch, dass ausgerechnet ihr Bruder einen Großteil der Fragen stellt. Das Interview ist nicht Ghislaine Maxwells einziger Versuch, ihren Ruf wiederherzustellen. Sie versucht über mehrere Instanzen hinweg Berufung gegen ihre Verurteilung einzulegen. Allerdings ist sie damit nicht erfolgreich.
Das Urteil gegen sie bleibt ebenso bestehen wie ihr Strafmaß. Erst Ende 2025 ist sie sogar bis vor den Supreme Court gezogen. Sie versucht dabei, sich auf den umstrittenen Plea Deal zu beziehen, den Jeffrey Epstein Ende der 2000er mit der Staatsanwaltschaft in Florida ausgehandelt hatte. Aber der Deal wurde in Florida gemacht und wird vom Supreme Court deshalb nicht als relevant für Maxwell erachtet.
Ihr Prozess fand ja ohnehin in einem anderen Bundesstaat in New York statt. Trotzdem ist der Name Ghislaine Maxwell weiterhin oft in den Medien. Das aus gutem Grunde, denn während ihres Prozesses hat sie ja nicht ausgesagt. Niemand weiß, welche Kenntnisse oder Informationen sie vielleicht noch zu Epstein oder seinen Machenschaften haben könnte.
Darum ist es wenig verwunderlich, dass Maxwell am 24. Und 25. Juli 2025 unter Ausschluss der Öffentlichkeit befragt wird. Von niemand geringerem als Todd Blanche. Er ist damals der stellvertretende US Justizminister und hatte Trump im Jahr zuvor während seiner Strafprozesse erfolglos verteidigt. Während der Befragung erklärte Maxwell gegenüber Todd Blanche, Präsident Trump habe in ihrer Gegenwart nie etwas Verwerfliches getan.
Laut dem Fernsehsender MSNBC sei Maxwells damaliger Anwalt nebenbei ein guter Freund von Blanche sein. Auch Maxwell und Trump kennen sich schon seit Jahrzehnten. Trump war schon ein Bekannter von Maxwells Vater. Trump soll sich Ende der 80er mit Ghislaine Maxwell angefreundet haben. Danach wurden die beiden immer wieder bei verschiedenen Veranstaltungen abgelichtet.
Mit Virginia Giuffre soll Maxwell mindestens eine Betroffene von Epsteins Machenschaften in Trumps Mar-a-Lago kennengelernt haben. Schon 1997 hat eine New Yorker Zeitung berichtet, dass Maxwell Trump einige ihrer attraktiveren Freundinnen vorgestellt habe, etwa die damals 20-Jährige Nuske DiGiorgio. In dem Artikel aus 1997 heißt es, nach ihrem Treffen flog Trump, Frau Maxwell und das Model in den Süden in den Sunshine State, die drei gemeinsam ein schönes Wochenende verbrachten.
Als sie nach New York zurückkehrten, bezog dann Nuska eine von Donald Trumps zahlreichen Wohnungen dort. Später 2019 hat DiGiorgio selbst als Betroffene im Epstein-Fall ausgesagt. Während einer Anhörung nach Epsteins Tod sagte sie vor Gericht aus, dass Epstein sie jahrelang vergewaltigt und sexuell missbraucht habe.
Dass Epstein und Trump eine Vorgeschichte miteinander haben, ist ja hinreichend bekannt und wird gerade beinahe täglich besprochen. Dass er auch zu Maxwell eine schon seit den 90ern dokumentierte Verbindung hat, gerät jedoch oft in den Hintergrund. Nicht jedoch für den eben schon erwähnten Sender MSNBC.
Denn als der vom Gespräch zwischen Maxwell und Todd Blanche im Sommer 2025 berichtet, merkt der Sender noch etwas Interessantes an. Nämlich, dass Maxwell unmittelbar nach dem Gespräch mit Todd Blanche abermals das Gefängnis wechselt. Und in einer Einrichtung mit deutlich entspannteren Sicherheitsbestimmungen verlegt wird. In einer, die laut dem Sender eigentlich gar nicht dafür gemacht sei, Sexualstraftäterinnen zu beherbergen.
Denn von Tallahassee aus geht es für Maxwell nach Bryan in Texas in das Federal Prison Camp. Praktischerweise leben laut NBC and BC auch mehrere Verwandte von Maxwell in der Nähe. Dieses neue Gefängnis zählt wohl zu den Einrichtungen mit der niedrigsten Sicherheitsstufe im Bundesgefängnissystem mit begrenzten oder gar keinen Umzäunungen, Unterbringungen, Schlafsälen und einem relativ geringen Personal-Insassen-Verhältnis.
Laut dem Weißen Haus sei diese Verlegung eine reine Routineangelegenheit und kein Ausdruck von irgendwelchen Extrabehandlungen für Maxwell. Etwas anderes steht aber in einer Memo aus der US-Gefängnisbehörde aus dem Jahr 2019. Da heißt es zur Einstufung der Sicherheitsstufe von Häftlingen, dass jede Person mit einer Vorgeschichte sexueller Übergriffe oder sexueller Kontakte mit Minderjährigen in einer Einrichtung mit mindestens niedriger Sicherheitsstufe untergebracht werden sollte. Also einem Low Security Prison,
wie dem in Tallahassee, in dem Maxwell zuvor war. Das Gefängnis in Texas ist aber nicht mal eine Low Security, sondern eine Minimum Security Einrichtung. Die ehemalige Justizministerin Pam Bondi sagt Anfang 2026 aus, sie habe selbst keine Kenntnis darüber, weshalb Maxwell verlegt worden sei.
In jedem Fall seien das Gefängnis in Tallahassee und das in Texas auf demselben Level, sodass es keine Verbesserung für Maxwell gegeben habe. Fragt sich nur, warum dann das eine als Low und das andere als Minimum Security Gefängnis geführt wird. Schon im August 2025 stellen einige Reporter auch Präsident Donald Trump Fragen zu dem Gefängniswechsel von Maxwell.
Einer fragt, ob der Präsident davon gewusst oder das Ganze persönlich verantwortet hat. Trumps Antwort: Ich wusste davon gar nichts. Nope, ich habe davon gelesen, genau wie Sie. Die Umstände um Ghislaine Maxwells Verlegung sind also weiterhin ziemlich undurchsichtig. Im November 2025 wird berichtet, dass ein Whistleblower einem Abgeordneten erzählt haben soll, Maxwell würde im Gefängnis in Texas gesonderte Vorteile genießen.
Angeblich würde sie eigens für sie gekochte Mahlzeiten bekommen. Besucher hätten die Erlaubnis, Computer mit zu ihren Treffen mit Maxwell zu bringen. Sie habe gegen die Einsamkeit einen Hund bei sich und die Gefängniswärter dürften für sie Mails und Dokumente verschicken. Ob das stimmt, wird oder wurde hoffentlich intern untersucht. Aber auch abseits der Haftbedingungen reißen die Schlagzeilen um Maxwell nicht ab.
Im Dezember 2025 wird bekannt, dass sie abermals versuchen will, ihre Verurteilung aufzuheben. Obwohl sie ja sogar schon vor dem Supreme Court gescheitert ist, gibt sie nicht auf. Dass sie trotzdem noch einen Versuch starten kann, ist dank der sogenannten Habeas Corpus Petition möglich. Damit beantragt sie vor Gericht ein außerordentliches Rechtsmittel und legt die entsprechenden Unterlagen selbst vor.
Sonst machen das üblicherweise ja Anwälte. In eingereichten Gerichtsdokumenten gibt sie an, neue Beweise dafür zu haben, dass ihr Gerichtsverfahren nicht fair verlaufen sei. Ihr Ziel ist, ihre Haftstrafe aufheben zu lassen. Sie behauptet in Dokumenten etwa, dass die Anwälte der Opfer Epsteins sich mit den Ermittlern der Behörden abgesprochen und zusammengetan hätten und wirft einigen Geschworenen Voreingenommenheit vor.
Weiterhin schreibt sie, es gebe insgesamt 29 Personen, die aufgrund geheimer Vergleiche mit den Behörden nie im Zusammenhang mit Epstein strafrechtlich verfolgt wurden, was ihre Haftstrafe unverhältnismäßig mache. Es handele sich laut ihr um vier Frauen, mit denen wohl die Mitverschwörerinnen aus dem Justiz Skandal der 2000er gemeint sind, sowie 25 weitere männliche Personen.
Es ist allerdings weder klar, wer diese Leute sein sollen, noch was für Einigungen sie genau mit der Justiz getroffen haben sollen. Maxwell schreibt selbst in ihrem Dokument, “Keine der vier namentlich genannten Mitverschwörerinnen oder der 25 Männer, mit denen geheime Vergleiche geschlossen wurden, wurde angeklagt.
Keiner dieser Männer wurde strafrechtlich verfolgt und keiner wurde der Antragstellerin, also Maxwell, gegenüber offengelegt.” “Hätte sie davon gewusst, hätte sie sie als Zeugen geladen.” Anfang 2026 wird Ghislaine Maxwell erstmal selbst vorgeladen. Sie soll vor einem Ausschuss des US-Repräsentantenhauses eine Aussage machen.
Hintergrund sind neue Ermittlungen zum Epstein-Komplex. Der Ausschuss beschäftigt sich mit möglichen Mitwissern oder Komplizen von Epstein. Und als Epsteins ehemalige engste Vertraute ist es plausibel, Ghislaine Maxwell zu befragen. Am 9. Februar wird Maxwell virtuell aus dem Gefängnis in Texas zugeschaltet. Allerdings beruft sie sich auf das fünfte Amendment der US-Verfassung, also auf das Recht zu schweigen und die Fragen des Ausschusses nicht zu beantworten.
Allerdings gibt Maxwell bei dieser Gelegenheit über ihren Anwalt bekannt, sie sei zu einer vollständigen Aussage bereit, sollte US-Präsident Donald Trump sich dafür entscheiden, sie zu begnadigen. Weiterhin könne sie dann ausführlich darlegen, dass weder Trump noch der ehemalige Präsident Bill Clinton sich im Zusammenhang mit Epstein etwas zu Schulden haben kommen lassen.
Aber dafür soll Trump sie eben zuerst begnadigen. Maxwell pokert hier also ein bisschen. Aber ganz abwegig ist dieser Versuch nicht. Im Oktober 2025 wurde Trump bei einer Pressekonferenz gefragt, ob er in Erwägung ziehen würde, Maxwell zu begnadigen. Seine Antwort: Die Reporterin, die die Frage gestellt hat, brieft Trump daraufhin erstmal kurz.
Sie erzählt, dass Maxwell versucht hat, das Urteil gegen sie zu kippen, damit aber gescheitert ist. Die entsprechende Justizministerin ist inzwischen nicht mehr im Amt. Hatte kurz vor ihrem Ausscheiden aber noch implizit eine Begnadigung von Maxwell abgelehnt. Der Fall rund um Epstein und auch Maxwell ist mittlerweile ausreichend bekannt, dass Maxwells Vorschlag einer Begnadigung insgesamt ziemlich viel Empörung hervorruft.
Sowohl namhafte Republikaner als auch Demokraten haben sich gegen eine wie auch immer geartete Verkürzung von Maxwells Haftstrafe ausgesprochen. Nach Maxwells Aussage hat auch das Weiße Haus auf eine frühere Äußerung von Trump aufmerksam gemacht, in der er darüber sprach, dass eine Begnadigung nicht in Betracht gezogen werde.
Er hat zwar auch schon mal was ganz anderes gesagt, aber dieses Spiel kennen wir ja inzwischen alle zu genüge. Fakt ist, dass eine Begnadigung von Maxwell in jedem politischen Lager für heftige Kritik sorgen würde. Und aktuell hat die US-Politik ja durchaus genug Baustellen. Wobei einige Leute glauben, Ghislaine Maxwell sei schon längst frei.
Ähnlich wie nach dem Tod von Jeffrey Epstein gibt es auch hier wieder die Theorie, ein Double von Maxwell sei im Gefängnis, während sie in Freiheit ihr bestes Leben lebt. Unter anderem ist erst Anfang des Jahres ein Video rumgegangen, das Maxwell in Quebec zeigen soll. Und auf den ersten Blick sieht das auch ziemlich überzeugend aus, inklusive der überrumpelten Reaktion, als der Videoersteller die Frau anspricht.
Allerdings handelt es sich bei diesem Video um einen KI-Fake. Das ist zum einen zu sehen, weil die angebliche Maxwell in einer Einstellung zwischendurch mal zwei Nasen hat. Zum anderen hat der Ersteller des Videos das selbst zugegeben und auch weitere ähnliche Videos mit bekannten Persönlichkeiten erstellt. Es ist wahrscheinlich kein Wunder, dass ausgerechnet im Zusammenhang mit diesem Fall so viele durch Deepfakes gestützte Verschwörungstheorien auftauchen.
Dass von Seiten der Presse und den Behörden vieles nicht richtig gehandelt wurde, wird euch nach dieser Serie klar sein. Besonders in den USA mischt sich das auch noch in die allgemeine Stimmungsmache gegen vermeintliche Fake News. Für viele Hunderttausend oder sogar Millionen Nutzer wird ein guter Deepfake, der jeglicher Logik widerspricht, damit einmal viel glaubhafter als ein journalistischer Bericht.
An Skeptiker zu appellieren ist in diesem Fall besonders schwierig, weil die Skepsis ja in der Vergangenheit nicht unberechtigt war. Aber checkt bei solchen Sachen ganz genau, was ihr euch da anschaut. Überprüft die Quellen, schaut, wo die Infos herkommen und ob das, was ihr da seht, in irgendeiner Form plausibel ist. Das gilt immer, aber ganz besonders in diesem Fall.
Ich hoffe, euch mit dieser Reihe ein solides Werkzeug an die Hand gegeben zu haben, damit ihr so etwas in Zukunft besser einschätzen könnt. Und dass ihr den Komplex rund um Jeffrey Epstein nun vielleicht etwas besser einordnen könnt. Und damit sind wir am Ende des heutigen Videos.
Wenn es für euch interessant war, zeigt das gerne mit deinem Like oder einem Kommentar. Gerade bei langen Videos wie diesem hier freue ich mich sehr darüber. Ich frage mich wirklich, wie es in diesem Fall und mit Ghislaine Maxwell wohl noch weitergehen wird. Derzeit kann man vor allem politischer eh kaum abschätzen, was als nächstes passiert.
Ausschließen möchte ich da irgendwie gar nichts. Unabhängig von dem, was kommen mag, war es für die Betroffenen ein wichtiger Schritt, dass eine Mittäterin von Epstein juristisch belangt wurde. Und dass so den Betroffenen zugestanden wurde, was sie erlebt haben. Ich hoffe, mit diesen Videos ein wenig dabei geholfen zu haben, für euch Licht in diesen undurchsichtigen Fall zu bringen.
Falls euch die Videos gefallen haben und ihr in Solita noch nicht kostenlos abonniert habt, holt das gerne nach. So verpasst ihr auch keine neuen Videos mehr. Schreibt auch gerne mal in die Kommentare, ob ihr euch in Zukunft wieder mehr Zeiler wie diese Reihe wünschen würdet. Ich bin gespannt auf euer Feedback und danke euch fürs Zusehen.
Nächste Woche wird noch einmal ein Video zu Jeffrey Epstein kommen. Darin gibt’s auch noch mal neue Informationen bzw. einen Abschluss. Ansonsten gibt es nicht mehr viel zu sagen. Ich wünsche euch einen guten Morgen, Mittag oder Abend oder je nachdem, wann ihr das Video seht und hoffe, dass wir uns im nächsten Video wiedersehen.
Bis dahin. Ciao, Leute. Could you please give us your name? Jeffrey Epstein. Jeffrey Epstein. Jeffrey Epstein. In den Folgen 1 bis 8 unserer Serie zu Jeffrey Epstein haben wir versucht, seinen Werdegang und seine Verbrechen zu veranschaulichen. Wir haben darüber gesprochen, wie Epstein sich als Geschäftsmann einen Namen gemacht hat, wie er seine spätere Komplizin Ghislaine Maxwell kennenlernte, wie früh es schon Anschuldigungen gegen Epstein gegeben hat und weshalb lange trotzdem nichts unternommen wurde.
Zuletzt haben wir uns Epsteins rätselhaften Tod und den Prozess gegen seine Komplizin Maxwell angesehen. Und damit sind wir in der Gegenwart angekommen. Dieses Video hier ist als zusätzliche Einordnung gedacht. Wenn ihr die Doku-Reihe nicht oder nur teilweise gesehen habt, könnt ihr euch dieses Video hier trotzdem für den aktuellen Stand ansehen.
Heute soll es nämlich um einen Begriff gehen, der seit Monaten in Medien herumspukt, die Epstein Files. Aber was genau sind diese Epstein Files überhaupt? Wer steht warum da drin und was bedeutet das? Und weshalb wurden so sensible Unterlagen für alle frei zugänglich veröffentlicht? Bevor die sogenannten Epstein Files in aller Munde waren, hat man online immer wieder von einer Liste gelesen, wahlweise auch von der Epstein Liste oder der Kundenliste.
Der Ausdruck hat sich über die Jahre vermutlich zunächst im digitalen Raum verselbstständigt. Wenn man den Begriff Epstein Liste so hört, hat man ja unweigerlich das Bild von einem Zettel im Kopf, auf dem einfach die Namen von Leuten stehen, die von Epsteins Verbrechen profitiert oder daran teilgenommen haben.
Mittlerweile wissen wir, dass das Ganze nicht so simpel ist. Dass man in diesem Fall nicht mehr mit einer wortwörtlichen Liste, sondern mit einer riesigen Ansammlung von Dokumenten zu tun hat, wird Anfang 2024 deutlich. Da gibt eine Richterin neue Unterlagen aus dem Gerichtsverfahren von Epstein Anklägerin Virginia Giuffre gegen seine Komplizin Ghislaine Maxwell frei.
Als eine der prominentesten Betroffenen von Epstein und Maxwell hat Virginia Giuffre schon Anfang der 2010er immer wieder erwähnt, dass Epstein sie nicht nur selbst missbraucht, sondern sie auch zur Handlung mit anderen Männern gezwungen hat. Auf Social Media vermutete man damals eben, sie habe im Zuge des Verfahrens gegen Maxwell quasi eine Liste von Mittätern vorgelegt, die nun freigegeben werden soll.
Das ist ziemlich vereinfacht gedacht, oder aber durch Politiker und Behörden und natürlich auf Social Media so etabliert. Virginia hat in den Gerichtsunterlagen tatsächlich mehrere prominente Personen erwähnt. Eine Liste taucht aber nirgends auf. Und vor allem wirft sie vielen Personen, die sie erwähnt, gar keine Straftaten vor.
Mit der Veröffentlichung dieser Dokumente gibt es also keine dezidierte Täterliste, dafür aber einen Blick in den Kosmos von Jeffrey Epstein. Es werden insgesamt um die 150 Namen genannt, darunter auch Prominente wie die von Donald Trump oder Bill Clinton. Den meisten, darunter eben auch Trump und Clinton, macht Virginia aber gar keine Vorwürfe.
Stattdessen schildert sie in den Unterlagen, dass Epstein freundschaftliche Beziehung zu Menschen wie ihnen hatte. So skizziert sie das Bild von Epstein, wie wir es heute im Kopf haben. Das Bild eines Bankers, bei dem mächtige Politiker und renommierte Wissenschaftler ein und ausgehen. Die Dokumente werden Anfang 2024 nach einer Anfrage des Miami Herald veröffentlicht.
Die Richterin stimmt der Veröffentlichung zu, weil inhaltlich nicht viel Neues aus den Unterlagen hervorgeht. Dass Epstein prominente Kontakte hatte, war auch lange vor seiner ersten Verhaftung hinreichend bekannt. Diese Veröffentlichung Anfang 2024 bringen also erstmal nicht viel neue Substanz in den Fall.
Auch weil es eben nur Veröffentlichung aus einem Verfahren im Epstein-Fall sind. Aber der Fall ist wieder in der Öffentlichkeit und das zu einem sehr sensiblen Zeitpunkt, denn damals stehen den USA ja gerade die Präsidentschaftswahlen an. Und damit wird der Fall Epstein zum Politikum. Schon in den Jahren zuvor ist Epsteins Freitod eine zentrale Quelle für Verschwörungstheorien geworden.
Ein paar davon haben wir uns ja auch schon in den Videos zu Epsteins Tod angeschaut. Online sind den Spekulationen aber natürlich keine Grenzen gesetzt. So wird von rechts unter anderem die Theorie gestreut, dass Epstein ein Beispiel dafür sei, wie die Clintons ihre politischen Feinde umbringen lassen würde.
Umgekehrt werden aber auch von der linken Seite Verschwörungstheorien laut, wonach Trump den Tod seiner politischen Gegner orchestriert habe, vielleicht sogar den von Epstein. Zudem wird Trumps Vergangenheit mit Vorwürfen sexueller Übergriffe und Vergewaltigung genutzt, um anzudeuten, er sei direkt an Epsteins Verbrechen beteiligt gewesen.
Entsprechende Vorwürfe gab es ja durchaus schon während seiner ersten Präsidentschaftskampagne 2016. Der Epstein-Fall wird also von beiden Seiten nicht nur politisch diskutiert, sondern auch genutzt, um Politik zu machen. Und im Wahlkampf entscheidet sich Donald Trump offensiv damit umzugehen. Er macht die Veröffentlichung der sogenannten Epstein-Falls zum Wahlversprechen.
Wie wir wissen, wird Donald Trump ja als Präsident wiedergewählt und tritt im Januar 2025 sein Dienst an. Direkt nach seiner Vereidigung hat er einige neue Dekrete erlassen und auch sein Versprechen rund um den Epstein-Fall ist noch immer ein wichtiges Thema. Schon im Februar sagt die damalige US-Justizministerin Pam Bondi, die sogenannten Epstein-Falls würden auf ihrem Tisch liegen und nur darauf warten, von ihr durchgesehen zu werden.
Wobei sie sogar wieder das Narrativ der Liste aufgreift und behauptet, sie habe Epsteins Kundenliste. Allerdings wird fünf Monate später im Juli 2025 zurückgerudert. Zum einen heißt es aus dem Justizministerium nun plötzlich, es gäbe keine Kundenliste. Aber vor allem wird nun auf einmal gesagt, man wolle doch keine weiteren Dokumente rund um den Epstein-Fall veröffentlichen.
Zuvor waren Anfang des Jahres auf Druck der Öffentlichkeit ein paar Dokumente herausgegeben worden. Allerdings ist in diesen Dokumenten nicht wirklich was Neues dabei. Und das schürt natürlich Unmut und Misstrauen. Und jetzt im Sommer 2025 heißt es eben, es soll auch nichts weiter dazu kommen. Und das, obwohl Trump ja im Wahlkampf mit der Veröffentlichung sämtlicher Akten zu dem Fall geworben hat.
Nun behauptet er sogar, die mittlerweile sogenannten Epstein-Falls wären nur ein Hoax. Und dieser Hoax sei natürlich ein Produkt der sogenannten Fake News und seiner politischen Gegenspieler, der Demokraten. Die aber auch zahlreiche Republikaner drängen die Regierung, ihr Versprechen doch noch einzulösen.
Dafür arbeiten die beiden Parteien trotz aller Spannung auch zusammen. Am 15. Juli stellen der demokratische Abgeordnete Ro Khanna und der Republikaner Thomas Massie den Epstein Falls Transparency Act vor. Vier Monate später wird das Gesetz vom Kongress verabschiedet. Obwohl er sich heftig gegen den Transparency Act gewehrt hat, unterschreibt Trump das Gesetz noch im selben Monat.
Das Gesetz verpflichtet das US-Justizministerium sämtliche Akten, FBI-Berichte und Gerichtsunterlagen zum Netzwerk von Jeffrey Epstein freizugeben. Ziel ist es, aufzudecken, wer von dem System aus sexuellem Missbrauch und Trafficking wusste, daran beteiligt war oder davon profitiert hat. Im Dezember 2025 beginnt das US-Justizministerium dann schon mit der teilweisen Veröffentlichung der Unterlagen.
Am 30. Januar 2026 gibt es die bis dato größte Veröffentlichung. Laut Medienangaben werden 3 Millionen Seiten an Dokumenten, 2000 Videos und 180.000 Bilder hochgeladen. Ein weiterer Datensatz folgt im Februar 2026. Damit tauchen auch neue Namen in Unterlagen auf. Und es gibt Konsequenzen. Die Epstein Files sind nicht einfach ein paar Ordner mit Befragungs- und Durchsuchungsprotokollen und Ermittlungsberichten.
Es ist eine Sammlung von allen Dokumenten, die die Behörden im Zusammenhang mit den Ermittlungen rund um Epstein gesammelt haben. Das können solche Protokolle oder Berichte sein, aber auch z.B. schriftliche Tipps aus der Bevölkerung, Notizen aus den Ermittlungen und so weiter. Genauso wie Fotos oder Videos von gesicherten Festplatten, E-Mail-Verläufen, Kontoauszügen und Anrufprotokollen. Eben alles Mögliche.
Das erklärt vielleicht auch ein wenig, wie es sein kann, dass die Files aus mehr als 3,5 Millionen Dokumenten bestehen. Klar, das ist eine unvorstellbare Menge. Aber aus den vorherigen Folgen dieser Reihe habt ihr ja schon von einigen der Frauen gehört, die versucht haben, gegen Epstein oder seine Komplizen vorzugehen.
Und allein bei einem herkömmlichen Verfahren kommen schnell Hunderte bis Tausende Aktenseiten zusammen. Im Fall Epstein gab es Dutzende Verfahren. Und dazu noch interne Untersuchungen, juristische Regelungen zu Nachlass und Entschädigung und eben Datensätze wie Fotos oder Videos von gesicherten Festplatten. Und das erklärt auch etwas anderes, was wichtig zu betonen ist.
Nur weil ein Name in den Epstein-Akten auftaucht, heißt das nicht, dass eine Person sich auch etwas zu Schulden kommen lassen hat. Ich glaube, wir alle haben in den letzten Monaten Postings gesehen, denen es hieß, XY taucht in Epstein-Akten auf. Und nachdem was über Epstein berichtet wird, klingeln bei so einem Satz automatisch die Alarmglocken.
Allerdings lassen sich solche Erwähnungen in vielen Fällen sehr unspektakulär erklären. Unsere ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel wird auch mehrfach in den Epstein-Akten erwähnt, weil über sie gelästert wird. Diverse Hollywood-Schauspieler tauchen namentlich auf, weil in den sichergestellten E-Mail-Verläufen mal darüber diskutiert wurde, wie gut oder schlecht ihr neuer Film ist und wie wohl die Chancen auf den nächsten Oscar-Sieg aussehen.
Selbst Opfer von Kriminalfällen tauchen mit unter in Epstein-Akten auf. Wir bei Insolito sind z.B. auf die Schlagzeile gestoßen, dass Kyron Horman in den Epstein-Falls auftaucht. Über das Verschwinden von Kyron haben wir ein Video gemacht und angesichts dieser Schlagzeile, dass der vermisste Junge eben in den Falls auftaucht, war die Aufregung bei uns auch erstmal groß.
Diese Aufregung legt sich aber recht schnell, wenn man sich mal ansieht, woher diese Erwähnung kommt. Jemand hat über das Internet einen ziemlich unkonkreten, anonymen Tipp eingereicht und schreibt von möglichen Zusammenhängen zwischen Epstein und gleich mehreren Vermisstenfällen, darunter eben dem von Kyron Horman, einem riesigen Geldwäsche-Skandal, einem satanistischen Missbrauchsskandal aus den 80ern und noch mehr.
Und das ist auch schon der einzige Grund, warum dieser Name in den Epstein-Falls auftaucht. Wenn ihr auch mal auf so eine Schlagzeile stoßt, hinterfragt das kritisch und überprüft im Zweifel selbst, was dahinter steckt. Das könnt ihr tun, indem ihr auf die Website des US-Justizministeriums auf die Epstein Library geht.
Ihr könnt jeden möglichen Suchbegriff oder Namen eingeben und schauen, was euch ausgespuckt wird. Auch wenn es mit unter sehr schwierig ist, mit den Suchergebnissen etwas anzufangen. Denn Kontext gibt es nicht zu den Dokumenten. Dafür gibt es mit der Veröffentlichung aber für zahlreiche Menschen eine neue Reihe von Problemen, vor allem auch für diejenigen, die von Epsteins Gewalt betroffen waren.
Mit denen wurde die Veröffentlichung ihrer Ermittlungsakten nicht abgesprochen. Wie der Anwalt der Opfer, Brad Edwards, betont, hätten die Betroffenen für den Anfang einfach erstmal gern gewusst, was in ihren Falls drin steht. Denn viele von ihnen haben selbst noch immer gar keine Akteneinsicht von den Bundesbehörden erhalten, obwohl sie jahrelang versucht haben, an die Unterlagen zu kommen.
Sicherlich könnte man argumentieren, dass der Fall Epstein von nationalen, wenn nicht globalem Interesse ist. Allerdings passiert hier aus Perspektive der Überlebenden etwas höchst bedenkliches. Sie wissen selbst, wie gesagt, noch gar nicht, was über sie vielleicht in den sogenannten Epstein Falls steht.
Und trotzdem sollen die Dokumente vollumfänglich veröffentlicht werden. Das erklärt auch zu einem gewissen Grad einen Umstand, über den sich bis heute viele aufregen, nämlich dass in den veröffentlichten Epstein Falls vieles geschwärzt wurde. Denn genau dafür setzt sich Anwalt Brad Edwards, der im Laufe der Jahre mehr als 200 Opfer von Epstein vertreten hat, ein.
Er verlangt, dass die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen wenigstens zu einem gewissen Grad geschützt werden. Wenn schon vertrauliche Ermittlungsakten frei öffentlich zugänglich gemacht werden sollen, dann so, dass die persönlichen sensiblen Daten seiner Mandantinnen geschwärzt werden. Das ist eigentlich ein Vorschlag, der eine Selbstverständlichkeit sein sollte.
Doch Edwards stößt auf Widerstand von der Administration in Washington, D.C. Denn seine Sicherheitsbedenken werden dort laut seinen Angaben nicht sonderlich ernst genommen. Dabei sind die durchaus plausibel. Eben aufgrund der scheinbar unendlichen Flut an Dokumenten in diesem Fall. Selbst wenn versprochen wird, dass die Namen der Betroffenen geschwärzt werden, wer soll bei der Masse an Dokumenten überhaupt überprüfen, dass das auch wirklich passiert? Wer soll überprüfen, ob die Geburtsdaten, Namen, Adressen,
Telefonnummern und Beziehungen von Betroffenen auf allen 3,5 Millionen Seiten geschwärzt worden sind? Auf jedem Befragungsprotokoll, in jedem E-Mail und Telefonverlauf, auf jeder Flugliste und so weiter. Brad Edwards wendet sich mit diesen Bedenken sogar persönlich in einem Brief an Pam Bondi.
Zurück kommen nur Beschwichtigungen, dass Betroffene schon nichts zu befürchten haben. Wie eben schon erwähnt, wird bereits Ende 2025 eine vergleichsweise kleine Anzahl von Epstein Falls veröffentlicht. Laut Edwards handelt es sich aber auch schon dabei um tausende Dokumente, bei denen wichtige Schwärzungen versäumt wurden. Edwards wird in seiner Sorge also bestätigt und macht sofort das Justizministerium auf die Fehler aufmerksam.
Bei der zweiten Veröffentlichung von Dokumenten passiert aber genau das gleiche. Edwards sogar eine umfängliche Liste mit den persönlichen Daten von Betroffenen vor, damit die Behörden selbst vor Veröffentlichung abgleichen können, ob die Namen der Betroffenen noch in den Dokumenten auftauchen und ob sie ihren Job entsprechend versäumt haben.
Trotzdem passiert es wieder in noch größerem Umfang. Edwards spricht bei der Veröffentlichung von Dokumenten aus dem Februar 2026 von mehr als 10.000 versäumten Schwärzungen. Innerhalb einer Stunde nach dem Release schlägt Edwards wieder Alarm. Er fordert die Behörden auf, die Seiten offline zu nehmen und bietet an, dass er und sein Team persönlich dabei helfen, die sensiblen Daten der Betroffenen zu schwärzen.
Dann könnte alles sofort wieder online gehen. Nur eben so, dass die Persönlichkeitsrechte der Frauen geschützt sind. Doch die Behörden erteilen eine Absage und fordern Edwards und seine Kollegen stattdessen auf, für jedes Dokument mit versäumten Schwärzungen eine separate Anfrage zu stellen. Man würde sich dann um die Einzelfälle kümmern.
Das Problem ist aber, es sind tausende Einzelfälle. Und in der Zeit, die das kostet, wurden die Dokumente mit den Daten der Betroffenen schon tausendmal gescreenshottet und im Internet gezeigt. Man kann sich nicht vorstellen, was für eine Katastrophe das für die Betroffenen ist.
Edwards berichtet, dass mehrere von ihnen bereits von Journalisten aufgespürt und kontaktiert wurden. Einige von ihnen sind aufgrund der Reaktion der Öffentlichkeit selbst gefährdet, weil ihre Traumata auf einer für alle zugänglichen im Internet zu finden sind. Edwards und seine Kollegen prüfen derzeit rechtliche Schritte. Für ihn liegt da eine ganz klare Persönlichkeitsrechtsverletzung von Seiten des Staates vor.
Zumal, wie Edwards anmerkt, die Namen einiger einflussreicher Personen, die Kontakt mit Epstein hatten, sehr wohl durchgängig geschwärzt wurden. Ich habe ja in den ersten Videos zu dieser Reihe gesagt, dass die Täter in diesem Fall teilweise besser geschützt werden als die Betroffenen. Genau solche Aspekte meine ich damit.
Erst durch die Veröffentlichung der Files wurden einige Betroffene nicht nur exposed, sondern geradezu gedoxxt. Genauso ist das z.B. einer jungen Frau namens Svetlana passiert. Sie gehört zu den Frauen, die Epstein als sogenannte Assistentinnen angestellt hat, um sein Missbrauchsschema zu erweitern.
Anders als viele andere Betroffenen war Svetlana zu diesem Zeitpunkt bereits volljährig. Ein Umstand, der dafür gesorgt hat, dass sie sich heftige Vorwürfe gemacht und sich geschämt hat. Svetlana hat in Europa schon als Model gearbeitet, bevor sie von Epstein in die USA gelockt wurde. Er soll ihr versprochen haben, ihr einen Job bei Victoria’s Secret zu besorgen.
Das ist allerdings nie passiert. Stattdessen hat er intime Fotos von ihr gemacht, um sie unter Druck zu setzen. Und er hat ihr Geld geliehen mit der Bedingung, dass sie es zurückzahlen muss. Epstein hat sie also gezielt von sich abhängig gemacht. Als eine sogenannte Assistentin wurde Svetlana von Epstein selbst missbraucht und hat dazu noch Anweisungen bekommen, weitere Frauen, vornehmlich Models für ihn zu finden.
Laut einem Artikel im Wall Street Journal war genau das Epsteins Taktik, nachdem er 2018 erstmal angeklagt wurde. Anstatt Teenagerinnen zu missbrauchen, habe er sich nach seiner Inhaftierung auf erwachsene Frauen konzentriert, die wie Teenagerinnen aussahen. Viele von ihnen seien Models aus Russland und Europa gewesen, denen er Jobs versprochen habe.
Epstein habe die Kontrolle über ihre Einwanderungsangelegenheiten, aber auch über ihre Wohnverhältnisse, Finanzen und Arztrechnungen übernommen. Einigen Frauen oder ihren Familien hat er Geld gegeben, oft in Form von Darlehen, wodurch sie finanziell an ihn gebunden war. Als es hieß, die Epstein-Files sollten veröffentlicht werden, hat Svetlana das Thema erst ignoriert, weil sie diesen Teil ihres Lebens einfach nur noch hinter sich lassen wollte.
Mit der Veröffentlichung der Dokumente am 30. Januar gerieten aber Mails von ihr an die Öffentlichkeit. Zwar waren ihre Mail-Adresse und ihr Name geschwärzt, aber ihre gesamten persönlichen Angaben waren in ihrem Mail-Header. Und der wurde nicht zensiert, sondern einfach so der ganzen Welt zur Verfügung gestellt. Sie musste sich selbst darum kümmern, die Dokumente herauszusuchen und dem Justizministerium zu sagen, welche Stellen unkenntlich gemacht werden sollen.
Da war es aber schon zu spät. Ein Blogger hat sich schon auf ihren Namen gestürzt und angefangen Angehörige von Svetlana zu kontaktieren. Der Blogger war der Meinung, Svetlana Verbindung nach Russland und der Fakt, dass sie zum Zeitpunkt des Missbrauchs in ihren 20ern gewesen ist, würden sie als Opfer disqualifizieren und vom Opferschutz ausschließen.
Das so etwas passieren kann, ist gefährlich. Klar, zuallererst für die betroffenen Frauen, aber auch für Frauen, die vielleicht selbst Missbrauchserfahrung gemacht und sich noch niemanden anvertraut haben. Denn wenn nicht einmal das Justizministerium die Identität von einem beschützen kann oder möchte, wie sollen andere Frauen dann den Mut fassen, von ihren Erfahrungen zu berichten? Die Aktivistin Kim Villanueva nennt die Farce rund um die persönlichen Daten der Opfer, Zitat, “bezeichnend für ein kaputtes System, wie wir Frauen
behandeln, wie wir Überlebende betrachten.” Ursprünglich hatte Trump in seinem Wahlkampf versprochen, im Fall Epstein für Klarheit sorgen zu wollen. Durch die Veröffentlichung der unfassbaren Datensätze ist allerdings eher das Gegenteil passiert. Dadurch, dass vieles geschwärzt ist, es null Kontext für Mails, Fotos oder Adresslisten gibt und die Unterlagen nur stückchenweise veröffentlicht und teilweise auch wieder gelöscht wurden, entsteht ein neuer Raum für Verschwörungstheorien von allen Seiten.
Gerade geht es vor allem viel um das politische und wirtschaftliche Netzwerk von Epstein. So ist etwa rausgekommen, dass der ehemalige britische Wirtschaftsminister Peter Mandelson Epstein in der Finanzkrise 2009 wichtige Informationen zukommen lassen haben soll. Er ist daraufhin aus der Labour Party und dem House of Lords ausgetreten.
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