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Jeffrey Epstein: Die gesamte Wahrheit  T – Part 2

 Sie war ein paar Mal zum Arbeiten dort. Sie will mehrere Regierungsbeamte erkannt haben, die bei Epstein ein und ausgingen. Und sie habe gesehen, wie täglich mehrere Mädchen im Highschoolalter von Ghislaine Maxwell ins Haus gebracht wurden, um Epstein zu treffen, weil er sie für den Katalog von Victoria’s Secret casten sollte, wie ihr gesagt wurde.

Auch Donald Trump will sie dort einmal getroffen haben. Als dieser sie ziemlich offen angestarrt hat, soll Epstein zu Trump gesagt haben, sie ist nicht für dich da. Später soll Maria belauscht haben, wie Trump gesagt habe, Maria sähe aus, als sei sie nicht älter als 16. Maria wird später unter Eid aussagen, dass sie sich nach ihrer Ankunft auf Les Wexners Anwesen ständig überwacht gefühlt hat.

Sie habe für alles um Erlaubnis fragen müssen. Das Grundstück sei von bewaffneten Securitys und Hunden bewacht worden. Nur mit Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell hat sie sie während ihres Aufenthalts regelmäßigen Kontakt. Und für mehrere Wochen sei auch alles gut gewesen. Doch dann nach etwa acht Wochen hätten Epstein und Maxwell Maria in ihr Schlafzimmer eingeladen.

 Dort hätten sie sie sexuell belästigt. Maria sagt, sie sei sofort aus dem Raum geflohen, habe die Polizei gerufen. Doch am anderen Ende der Leitung sei ihr nur gesagt worden, wir arbeiten für Les Wexner. Also für den Mann, in dessen Haus sie sich mit Epstein und Maxwell befunden hat. Ein Sprecher der Polizei bestätigte Jahre später, dass Beamte von ihm zu diesem Zeitpunkt tatsächlich für Wexners Sicherheitsdienst unter Vertrag standen.

Aufzeichnungen über einen Anruf von Maria Farmer seien jedoch nicht mehr vorhanden. Als nächstes habe Maria ihren Vater angerufen, der sich sofort ins Auto gesetzt habe, um sie abzuholen. Maria hat auch eine jüngere Schwester namens Annie, die damals 16 Jahre alt ist. Auch Annie kennt Jeffrey Epstein. Er soll ihr versprochen haben, ihr eine Auslandsreise zu finanzieren, um ihren Lebenslauf aufzubessern.

 Annie wollte unbedingt in eine Ivy League Universität und brauchte dafür solche Erfahrung. Epstein hat vorgegeben, helfen zu wollen. Und wie sich herausstellt, als Maria von ihrem traumatischen Aufenthalt mit Epstein und Maxwell zurückkommt, berichtet auch Annie von den beiden sexuell belästigt worden zu sein. Maria sagt, sie habe direkt nach ihrer Heimkehr versucht, bei der New Yorker Polizei Anzeige zu erstatten.

 Die Beamten hätten aber gesagt, sie sei nicht zuständig. Das Anwesen von Wexner, der mutmaßliche Tatort, liegt nämlich in Ohio und darum außerhalb des Zuständigkeitsbereichs. Stattdessen habe man Maria gesagt, sie solle sich ans FBI wenden. Das tut sie auch. Sie erzählt davon, was sie und ihre Schwester erlebt hat.

Inzwischen ist Maria aufgefallen, dass mehrere Fotos und Negative, die sie bei sich hatte, fehlen. Für ein Kunstprojekt hatte sie ihre beiden Schwestern fotografiert, die 16 Jahre alte Annie und auch die 12 Jahre alte kleine Schwester dabei. Es waren auch Nacktaufnahmen dabei. Die sind jetzt verschwunden. Maria erzählt dem FBI, dass sie glaubt, dass Jeffrey Epstein ihr diese Fotos geklaut hat.

 Sie kommt zu diesem Schluss, weil Epstein ihr zuvor schon aufgetragen haben soll, in Schwimmbädern Fotos von jungen Mädchen zu machen. Und würde sie irgendwem davon erzählen, würde er ihr Haus abfackeln. Maria bittet das FBI, in dieser Sache zu ermitteln, auch weil sie weiß, dass Epstein Kontakte zu mächtigen Leuten wie Bill Clinton oder Donald Trump hat.

Doch nachdem sie ihre Aussagen gemacht hat, hört sie nie wieder etwas vom FBI. Gut 10 Jahre später wird Maria in die Öffentlichkeit gehen und erzählen, dass sie dem FBI schon in den 90ern von Epstein erzählt hat. Doch das FBI hat sich nie dazu geäußert. So wurde Maria in den Medien jahrelang als Lügnerin beschimpft, die sich die Story nur ausgedacht habe.

Erst im Dezember 2025 geht aus dem neu veröffentlichten Epstein-Fall hervor, dass Maria damals wirklich diese Aussage beim FBI gemacht hat. Gehandelt haben die Behörden danach aber offenbar nicht, obwohl Maria ihm ja den Besitz von intimen Fotos minderjähriger Mädchen und damit Kinderpornografie vorgeworfen hat.

Es sind auch nur Zeilen von den Aussagen, die Maria nach eigenen Angaben getätigt hat, in den Protokollen vom FBI zu finden. Obwohl sie auch von Ghislaine Maxwell und Trump erzählt hat, ist von den beiden in den Dokumenten keine Rede. Maria selbst hat, wie gesagt, nach der Aussage beim FBI nie wieder etwas von den Behörden gehört.

 Keine weiteren Nachfragen, keine Updates, gar nichts. 2003 waren es dann Maria und ihre Schwester Annie, die für die Vanity Fair Ticke mit Vicky Ward gesprochen haben. Die dritte Frau im Bunde war die Mutter der beiden. Alle drei schildern der Journalistin ihre Vorwürfe, aber wie eben schon beschrieben, die Schilderung werden komplett aus dem Artikel gestrichen.

Die Mutter der Mädchen berichtet der Journalistin Vicky Ward, sie hat geglaubt, ihre Töchter seien bei Epstein sicher. Einmal, weil er persönlich Kontakt zur Mutter aufgenommen und sie beruhigt hat, zum anderen, weil mit Epsteins Vertrauter Ghislaine Maxwell immer eine Frau anwesend war und wie sie dachte, die Lebensgefährtin von Epstein, die sicherlich ein Auge auf Maria und Annie haben würde.

Nicht nur die Ermittlungsbehörden haben schon 1996 ernste Hinweise bekommen und sind untätig geblieben. Im selben Jahr wurde die Führungsetage bei Victoria’s Secret informiert, dass Epstein versucht habe, sich in die Rekrutierung von Dessous-Models für den Victoria’s Secret Katalog einzumischen. Les Wexner soll versprochen haben, sich um diese Angelegenheit zu kümmern.

Das ist offenbar nicht passiert, zumindest nicht insofern, als dass Epstein mit der Masche aufgehört habe. Model und Schauspielerin Alicia Arden berichtet nämlich, 1997 habe Epstein ihr einen Modeljob für Victoria’s Secret in Aussicht gestellt. Er hat sich ihr als Talentscout für die Firma vorgestellt. Epstein habe sie auf ein Hotelzimmer in Santa Monica bestellt, um für den Katalog vorzusprechen.

Dort habe Epstein erst einmal abfällige Kommentare über ihre Figur gemacht und sie gebeten, näher kommen, damit er sie genauer anschauen kann. Dann habe er sie angegrabscht, versucht, sie auszuziehen und gesagt, er wolle sie manhandle. Alicia ist unter Tränen aus dem Hotelzimmer abgehauen, bevor Schlimmeres passieren konnte.

Schon in der Woche nach diesem Vorfall meldet sich Alicia Arden bei der Polizei. Sie will verhindern, dass Epstein mit anderen Frauen und Mädchen dasselbe abzieht. Sie stellt eine Strafanzeige wegen sexueller Nötigung. Eine Sache, die Alicia später erzählt, fehlt aber in der Anzeige. Epstein soll noch versucht haben, sie mit einem 100-Dollar-Schein zu beschwichtigen.

Alicia wollte das Geld nicht annehmen. Sie sei schließlich keine Sexarbeiterin, sagt sie. Epstein sei ihr sogar barfuß nach draußen hinterhergerannt, um ihr das Geld zu geben. Erst dann habe sie es angenommen und sei weggefahren. Das hat sie der Polizei, laut eigenen Aussagen, auch erzählt. In den Akten taucht dieser Aspekt aber nicht auf.

Ähnlich wie Maria Farmer hörte Alicia Arden nie wieder etwas von der Polizei. Laut Unterlagen des zuständigen Dezernats wurde Epstein kurz nach der Anzeige befragt und hat widersprüchliche Aussagen gemacht. Allerdings steht in den Akten vermerkt, Alicia Arden würde kein Verfahren gegen Epstein einleiten wollen, sondern ihn lediglich wegen seines Verhaltens ermahnen wollen.

Das weist Alicia entschieden zurück. Sie behauptet felsenfest, niemals gesagt zu haben, dass sie kein Verfahren gegen Epstein will. Aber sie hat ihre Aussagen vor einem männlichen Polizeibeamten gemacht. Der hat in Frage gestellt, ob sie wirklich eine Anzeige machen will. Immerhin sei sie doch freiwillig auf Epsteins Hotelzimmer gewesen.

Erst hat sich Alicia davon einschüchtern lassen. Aber die Sache war ihr so wichtig, dass sie eine Woche später doch noch mal zur Polizei gegangen ist, um sicherzugehen, dass eine Anzeige erstattet wird. Und auch das spricht ja eigentlich total gegen die Behauptung des Dezernats, dass Arden nicht wollte, dass ein Verfahren gegen Epstein zustande kommt.

Für Alicia ist das alles einfach nur ein Beweis, dass ihr damals als Betroffene von sexualisierter Gewalt niemand geglaubt hat. Und dass genau das katastrophale Folgen hatte. Sie sagt dazu kürzlich in einem Interview, hätten sie mich ernster genommen, hätte das all diesen Mädchen helfen können.

 Es hätte verhindert werden können. Damit sind wir am Ende der ersten Folge dieser Videoreihe. Wie schon anfangs gesagt, ich kann hier unmöglich alles vollständig skizzieren und wiedergeben, aber ich kann hoffentlich Zusammenhänge nachvollziehbar machen, die euch dabei helfen, alles rund um die Epstein-Falls besser zu begreifen.

 Die richtigen Worte für den Abschluss zu finden ist hier schwierig. Es ist einfach nur bedrückend zu sehen, wie früh Frauen bereits wegen Epstein Alarm geschlagen haben und das trotzdem nichts unternommen wurde. Ich selbst wusste auch gar nicht, wie Epstein zu seinem Reichtum gekommen ist, aber es ist nicht so spektakulär wie gedacht.

Was ich aber extrem krass finde, ist, wie er sich die verschiedenen Netzwerke gesponnen hat. Jeder ist auf ihn reingefallen, wollte sein Freund sein. So fühlt es sich zumindest an. Anders hätte er es ja auch nicht zum Berater von Les Wexner geschafft. Einfach krass, dass niemand ihn durchschaut hat. Er muss extrem manipulativ und gerissen gewesen sein.

 Ich bin sehr gespannt auf euer Feedback und würde mich über Kommentare und Likes freuen. Wie ihr euch sicherlich denken könnt, werden besonders diese Videos sehr aufwendig, aber dieses Thema hat es verdient, ernsthaft und ausführlich behandelt zu werden. Solltet ihr den Kanal noch weiter unterstützen wollen, abonniert mich gerne bei Patreon.

 Da bekommt ihr die Videos ohne Zensur und ohne Werbung. Den Link dazu findet ihr in der Infobox, genauso wie den Link zu meinem Instagram-Kanal. Ansonsten gibt es nicht mehr viel zu sagen. Ich wünsche euch einen guten Morgen, Mittag oder Abend oder je nachdem, wann ihr das Video seht und hoffe, dass wir uns im nächsten Video wiedersehen. Bis dahin.

Ciao, Leute. Could you please give us your name? Jeffrey Epstein. Jeffrey Epstein. Es ist Oktober 2007 in West Palm Beach, Florida ist es warm. Wie so oft scheint die Sonne. Palmen wiegen sich im Wind und man hört aus der Ferne das Meeresrauschen. An diesem Oktobermorgen treffen sich zwei Männer.

 Die kennen sich schon lange. Dass die beiden hier einen Geschäftstermin haben und keine lockere Verabredung zum Frühstück merkt man den beiden vielleicht gar nicht an. Man merkt ihnen auch nicht an, worüber die beiden während ihres Frühstücks sprechen. Die beiden Männer reden über eine 53 Seiten lange Anklageschrift, die gerade von Behörden vorbereitet wurde.

Und darüber, wie der Angeklagte aus der Nummer wieder rauskommen kann. Dieser Angeklagte ist Jeffrey Epstein. Der eine Mann ist einer seiner Anwälte. Der zweite ist der zukünftige Arbeitsminister der Vereinigten Staaten von Amerika. Sie werden sich während des Frühstücks einig werden. Und damit unermesslichen Schaden anrichten.

Das hier ist die zweite Folge einer Serie, für die acht Folgen vorgesehen sind. Das Ziel ist, dass die Thematik Epstein so aufzuarbeiten, dass jeder einen grundlegenden Wissenstand zu dem Thema haben kann, das die Medien seit Monaten dominiert. Es ist gerade schwierig, einen Überblick über das Thema zu behalten.

 Vor allem, wenn man auf Social Media unterwegs ist, wo neben vielen legitimen Ausschnitten aus den Akten auch viele Halbwahrheiten und KI-Fakes herumschwirren. Einen Anspruch auf Vollständigkeit kann ich hier nicht bieten, aber ich kann versuchen, objektiv für euch zu recherchieren und Informationen zusammenzufassen, die in diesen Tagen schnell untergehen.

Leider scheint es in diesem Fall so zu sein, die Täter besser geschützt werden als die Opfer. Unter anderem deshalb werden die Videos aus dieser Reihe etwas anders sein, als ihr es von Insolito gewohnt seid. Der Fokus wird sich zwangsläufig von den Geschädigten auf die Täter verschieben. Das passiert nicht, um den Geschädigten ihre Stimme zu nehmen oder von ihnen abzulenken, im Gegenteil.

Es geht mir darum zu versuchen, die Thematik so aufzuarbeiten, dass verständlich ist, was überhaupt passiert ist und vor allem, wie das alles passieren konnte. Dazu gehört in diesem speziellen Fall eben auch eine Beleuchtung des Täter-Netzwerks. Dennoch werden wir auch von Mädchen und Frauen hören, die unter Epstein und seinen Machenschaften leiden mussten und die bis heute für einen fairen Umgang und eine Aufarbeitung kämpfen.

In diesem Zusammenhang gilt auch, in dieser Folge werden Dinge besprochen, die nicht einfach zu verdauen sind. Es geht um explizite intime Gewalt. Eine allgemeine Trigger-Warnung ist bei diesem Thema angebracht. Passt also beim Anhören und Anschauen der Videos auf euch auf. Jede der Folgen dieser Videoreihe könnt ihr auch unabhängig von den vorangegangenen oder nachfolgenden anschauen.

 Oder ihr seht euch die Serie von Anfang an an. Das hier ist Folge 2, die euch zeigen wird, wie lange eigentlich schon bekannt war, was bei Jeffrey Epstein vor sich geht. Und warum trotzdem kaum etwas unternommen wurde. Es ist Dezember 2001, als beim Palm Beach Police Department in Florida das Telefon klingelt, in der Abteilung für organisierte Kriminalität und Drogenbekämpfung.

Die Kollegen aus West Palm Beach sind dran. Sie haben einen Tipp für die Kollegen. Es gab Hinweise, wonach eine Frau namens Ghislaine Maxwell angeblich unter der Hand eine junge Frau vom Palm Beach State College angeheuert hat, damit sie zu ihr nach Hause kommt und dort Telefondienste übernimmt. Insgesamt sollen drei junge Frauen von diesem College direkt auf dem Campus von Ghislaine Maxwell angesprochen worden sei.

Sie soll gesagt haben, dass sie eine junge, hübsche, unverheiratete Frau brauche, die bei ihr zu Hause arbeitet und dort Büro- und Telefonarbeiten übernimmt. Dieser Job soll tageweise funktioniert haben. Für jeden Tag soll es am Ende 200 Dollar bar auf die Hand gegeben haben. Eine junge Frau berichtet, die meisten Anrufe, die eingingen, kamen von Männern.

 Diese hätten sich gemeldet, um anzukündigen, dass sie in Kürze bestimmte Mädchen an genau diesem Haus absetzen würden. Zwei der drei College-Studentinnen geben an, in diesem Haus von einem Mann unangenehm angefasst worden zu sein. Sie berichten außerdem, dass es überall im Haus Nacktfotos von Frauen gibt, dass Frauen oben ohne am Pool herumliefen und sie insgesamt einfach das Gefühl hatten, dass irgendetwas Seltsames in dem Haus vorgehen würde.

Etwas Illegales hat aber niemand beobachtet, abgesehen eben von den beiden Frauen, die angeben, unsittlich berührt worden zu sein. Die ganze Sache klingt merkwürdig genug, dass das Polizeidezernat in West Palm Beach die Adresse mal unter die Lupe nimmt. Das Haus, von dem die jungen Frauen berichtet haben, gehört nicht Ghislaine Maxwell, der Frau, die sie auf dem Campus angesprochen hat, sondern einem Mann namens Jeffrey Epstein.

Man geht die Sache erst einmal diskret an. So wird unter anderem der Müll durchsucht, der aus dem Haus Epstein an die Straße gestellt wird. Darin findet die Polizei Nacktfotos von Frauen, Massageanleitungen und eine Liste mit der Überschrift “People I Want to Meet”. Darauf sind Namen von jungen Frauen vermerkt, ebenso wie Telefonnummern, Alter und Tätigkeiten.

 Das alles ist zwar irgendwie merkwürdig, Hinweise auf ein Verbrechen finden die Ermittler jedoch nicht. Also werden die Ermittlungen im April 2002 ergebnislos abgeschlossen. Knapp zwei Jahre später, im März 2004, geht wieder ein Anruf bei der Polizei in Palm Beach ein. Wieder geht es um die Adresse von Jeffrey Epstein. Eine Frau meldet sich und möchte eine Beschwerde gegen Epstein einreichen.

Dieser habe sie bei einem Zusammentreffen mehrfach aufgefordert, sich auszuziehen. Die Frau hat sich jedoch geweigert. Fünf Tage später ruft die Polizei bei der Frau zurück. Sie geht jedoch nicht dran. Die Polizei hinterlässt also eine Nachricht. Aus Unterlagen geht nicht hervor, dass die Polizei danach noch einen weiteren Kontaktversuch gestartet hätte. Die Sache verläuft im Sand.

Fünf Monate später im August 2004 ist es ein Polizeibeamter selbst, der einen Tipp einreicht. Er wurde während einer Streife von einem Taxifahrer herangewunken. Der Taxifahrer hat ihm erzählt, dass er gerade eine merkwürdige Fahrt hatte. Er hat zwei Mädchen ganz allein vor dem Anwesen von Jeffrey Epstein abgesetzt.

 Er ist sich sicher, dass die Mädchen nicht älter gewesen sein könnten als 15 und 17. Auf der Fahrt hätten sich die beiden Mädchen darüber unterhalten, wie viel Geld sie in letzter Zeit damit gemacht hätten, in Palm Beach Männer zu daten. Wieder wird aber nichts unternommen. Auch im November 2004 nicht, als die Polizei auf ein Fahrzeug aufmerksam gemacht wird, das vor Epsteins Anwesen parkt.

  Darin sitzt eine junge Frau. Sie sagt, sie würde darauf warten, dass jemand aus dem Haus kommt und einen Umschlag für sie vorbeibringt, den Jeffrey Epstein dort für sie hinterlegt habe. Darin sei Geld für Massagen, die sie Epstein gelegentlich gebe. Das würden viele junge Mädchen in der Gegend machen. Noch während das Mädchen im Auto mit einem Polizisten sitzt, klingelt ihr Handy.

 Ihre Mutter ruft sie an und das Mädchen entschuldigt sich. Sie müsse los in die Schule. Man weiß nicht, ob es etwas mit all diesen Dingen zu tun hat, doch im Dezember 2004 spendet Jeffrey Epstein, der Mann im Mittelpunkt all dieser Merkwürdigkeiten, Geld an das Polizeidezernat in Palm Beach. Ganze 90.000 Dollar. Doch dieses Geld wird die Ermittler nach dem nächsten Vorwurf nicht davon abhalten, der Sache endgültig auf den Grund zu gehen und die Grundrisse von Machenschaften aufzudecken, die bis heute die ganze Welt bewegen.

Es ist der 14. März 2005. Ein Ehepaar erscheint bei der Polizei in Palm Beach, Florida. Die beiden haben etwas Schockierendes zu berichten, und zwar von ihrer erst 14 Jahre alten Tochter. Damit ihr etwas besser folgen könnt, so nenne ich das Mädchen im weiteren Verlauf Mia. Das ist nicht ihr echter Name, sondern ein Platzhalter.

Mia hat es nicht leicht. Sie geht auf eine Art Sonderschule für Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten. Und dort hatte sie mit Mitschülerinnen einen heftigen Streit. Eine Mitschülerin hat Mia dabei eine Prostituierte genannt, die ihre Eltern von der Mutter einer anderen involvierten Schülerin erfahren haben. Das hätten die Eltern vielleicht als einen ausufernden Streit unter Jugendlichen abgetan, hätte Mia da nicht 300 Dollar Bargeld in ihrer Tasche, von dem sie nicht erklären kann, woher sie das Geld hat.

Also haben Mias Eltern die 14-Jährige zur Rede gestellt. Und dabei hat das Mädchen ihnen etwas anvertraut, das dafür sorgt, dass die Eltern sofort die Polizei aufsuchen. Beim zweiten Termin kommt Mia mit und erzählt, was passiert ist. Mia wurde von einer älteren Bekannten namens Haley Robson angesprochen.

 Haley hat ihr gesagt, sie würde eine Möglichkeit kennen, mit der sich Mia ein bisschen was dazu verdienen kann. Für die 14-Jährige klang das vielversprechend. Haley meinte, sie müsste nur einem älteren Typen Massagen geben. Dafür könnte sie direkt mindestens 200 Dollar bekommen, bar auf die Hand. Mia und Haley haben also einen Tag vereinbart, an dem Haley die 14-Jährige mit dem Auto zu Hause abgeholt hat.

Ihren Eltern hat Mia gesagt, sie und Haley würden zusammen shoppen gehen. Stattdessen sind sie zu einem noblen Anwesen in Palm Beach gefahren. Haley soll ihr noch eingeschärft haben, wenn irgendjemand fragt, wie alt sie sei, solle sie einfach lügen und sagen, sie sei 18. Mir erzählt, dass draußen ein Security-Mann gewesen sei, der gefragt hat, was die beiden am Haus wollen.

 Als sie Hedy gesagt hat, die beiden wollen zu einem gewissen Jeff, wurden sie direkt reingelassen. Mir erinnert sich an alle Details aus dem Haus, an die Treppe hoch ins Obergeschoss, an das Schlafzimmer, in dem eine Massageliege aufgebaut war, an die vielen Lotionen und Öl. Ebenso wie Seifenstücke in Form von Geschlechtsteilen.

Sie erinnert sich auch an das Bad direkt neben diesem Schlafzimmer mit einer riesigen Dusche und einem pink-grün gemusterten Sofa. Und an den Mann, der nur in ein Handtuch gehüllt in das Schlafzimmer gekommen ist. Er wurde ihr als Jeff vorgestellt und hat Mir unmittelbar gesagt, sie solle sich ausziehen und ihn massieren.

Das habe sie dann auch gemacht. Dabei habe der Mann masturbiert und ihr einen Vibrator gegen ihre Unterwäsche gedrückt. Mir erzählt, dass sie dafür 300 Dollar bekommen hat. Mir ist 14, der Mann ist Anfang 50. Als sie das auf dem Polizeipräsidium von Palm Beach erzählt, werden dieses Mal sofort Ermittlungen eingeleitet.

 Denn als Mir mehrere Fotos von Männern vorgelegt werden und sie gefragt wird, ob einer von ihnen der Mann ist, bei dem sie zu Hause war, zeigt sie zielsicher auf ein Foto von Multimillionär Jeffrey Epstein. Und sie wird nicht die einzige bleiben. Neben Mir werden im Laufe der Ermittlungen noch mehrere andere Mädchen befragt.

 Insgesamt 21 Betroffene erzählen eine ähnliche Geschichte. Jemand hat sie zu Jeffrey Epstein nach Hause eingeladen. Den vollen Namen von ihm kannten sie wohl nicht. Sie konnten Epstein aber alle unabhängig voneinander auf Fotos identifizieren. Einige erzählen, sie seien mit einem Auto abgeholt und zu Epstein gefahren worden.

 Dort hätten Angestellte von Epstein Snacks für sie bereitgestellt oder für sie gekocht. Sie sind alle gekommen, um sich ein bisschen Geld dazu zu verdienen. Ihnen wurde gesagt, sie müssten den Mann nur massieren und schon könnten sie sich ein paar hundert Dollar dazu verdienen. Die Mädchen berichten alle, Epstein sie aufgefordert, sich dabei auszuziehen.

Teilweise bis auf die Unterwäsche, teilweise komplett. Im Gegenzug hätten die Jugendlichen Bargeld bekommen. Die meisten dieser Mädchen schildern außerdem, dass Epstein sich während dieser Massagen selbst befriedigt habe. Einige sagen auch, dass Epstein sie bei diesen Gelegenheiten vergewaltigt habe. Einige der Mädchen weinen bei den Befragungen, andere sind sichtlich ängstlich.

 Sie schildern, dass sie sich bei Epstein sehr unwohl gefühlt haben, sich aber nicht anstellen wollten. Ein Mädchen sagt, es würde gerne umfangreich aussagen, würde sich aber nicht trauen. Sie hat Angst, dass Epstein es sonst auf ihre Familie absehen würde. Ein anderes Mädchen sagt, sie habe während des Verkehrs mit Epstein fest die Augen geschlossen und versucht, nur an das Geld zu denken.

Ein wieder anderes Mädchen erzählt, wie Epstein sie nach ihrem Alter gefragt hat. Als sie sagte, sie sei erst 16, habe Epstein ihr einfach geraten, niemanden davon zu erzählen. Sie wurde angesprochen, als sie in der Wellington Mall einen Aushilfsjob hatte, ob sie sich nicht etwas dazu verdienen möchte. Sie schildert weiterhin, Epstein habe ihr extra Geld dafür gegeben, Sex mit seiner damaligen Partnerin Nadya Marinkova zu haben.

Wobei Partnerin hier nicht das richtige Wort ist. An anderer Stelle soll Epstein die auch erst 19 Jahre alte Nadya als seine jugoslawische Sexsklavin bezeichnet haben. Er habe sie von ihrer Familie in Osteuropa abgekauft. Epstein habe dann beim Geschlechtsverkehr zwischen Nadya und der Jugendlichen zugeschaut.

Bei einer Gelegenheit soll Epstein das Mädchen, das davon erzählt, runtergedrückt und sich an ihr vergangen haben, obwohl sie mehrfach gesagt hatte, dass sie das nicht wolle. Danach soll Epstein ihr statt dem üblichen dreistelligen Betrag ganze 1000 Dollar gegeben haben, wahrscheinlich, um sie zum Schweigen zu bringen.

Die Aussagen der Mädchen sind für die Polizei sehr glaubwürdig, denn sie können die Einrichtung von Epsteins Haus ausführlich und genau beschreiben. Zudem decken sich die Angaben der Jugendlichen untereinander. Die Ermittler erkennen schnell das Muster, nachdem hier offenbar operiert wird.

 Gezieltes Ansprechen, Einladen, Missbrauch. Die Polizei installiert eine Videokamera in der Nähe von Epsteins Anwesen, um zu beobachten, wer bei ihm ein- und ausgeht. Zudem wird ein Flughafenhanger auf Anzeichen für die Ankunft und den Abflug seines Privatjets überwacht. Die Polizei veranlasst außerdem, dass die Müllabfuhr den Abfall von Epsteins Anwesen beiseite stellt, damit er untersucht werden kann.

 Dieses Mal findet man noch mehr Material als bei der ersten Durchsuchung 2001. Darunter Sexspielzeug und Damenhygieneartikel und eine ausgedruckte Quittung über einen Amazon-Einkauf von drei Büchern: SM 101 Realistic Introduction, Slavecraft Roadmaps for Erotic Servitude Principles, Skills and Tools, Training with Miss Abernathy, a Workbook for Erotic Slaves and Their Owners.

Außerdem Unterlagen mit Namen und Telefonnummern. Offenbar Papiere, in denen Epsteins Massagen von Minderjährigen terminlich koordiniert wurden. Auf einem Zettel steht z.B. ein Mädchen kann an einem Tag wegen Fußballtrainings nicht vorbeikommen. Auf einem anderen steht es: Montag nach der Schule. Und eine weitere Notiz enthält die Arbeitszeiten eines Mädchens mit dem Vermerk, dass sie um 11:30 Uhr Schulschluss hat und am nächsten Tag vorbeikommen würde.

Die Telefonnummern dieser Mädchen tauchen auch in den Telefondaten von Epstein und seiner Assistentin Sarah Kellen auf. Sie haben viele der Mädchen angerufen. Wie ein Abgleich mit Epsteins Flugprotokollen zeigt, immer dann, wenn sein Privatjet in Palm Beach war. Die Anzahl der Betroffenen, mit denen die Polizei gesprochen hat, ist inzwischen auf 35 gestiegen.

 Die Geschehnisse reichen mindestens bis 2001 zurück. Dieses Massage- zum Missbrauchssystem scheint damals also schon seit mindestens vier Jahren zu laufen. Und es finden sich immer mehr Betroffene. Einer der Ermittler sagt dazu später: ich war überrascht, wie schnell sich das ganze verselbständigt hat.

 Ich dachte irgendwann würde es eine letzte Befragung geben, aber das nächste Opfer lieferte mir drei oder vier weitere Namen und das nächste hatte wieder drei oder vier Namen und so wurde der Fall immer größer und größer. Man kann sich das ein bisschen vorstellen wie ein klassisches Pyramidenschema, denn Epstein und seine Komplizen sorgen offenbar dafür, dass die Opfer teilweise selbst zu Täterinnen werden.

Das trifft auch auf Haley Robson zu, die junge Frau, die Mia zu Epstein gebracht hat. Sie wird als eine der ersten von der Polizei verhört. Sie ist selbst erst 18 Jahre alt und besucht ein College. Haley erklärt der Polizei, sie sei eine Art Heidi Fleiss für Epstein. Die echte Heidi Fleiss ist eine Prostituierte und Zuhälterin, die in den 90er Jahren mehrere Promis und Reiche mit Sexarbeiterinnen versorgt hat.

Und in dieser Tradition war Haley offenbar für Jeffrey Epstein tätig. Kennengelernt hat Haley den Anfang 50-jährigen Epstein auf genau dieselbe Art wie die anderen Mädchen auch. Die Quellenlage ist sich nicht einig, aber Haley war da 16 oder 17. In jedem Fall ebenfalls minderjährig und noch an der Highschool.

Eine Mitschülerin hat Haley angesprochen und sie gefragt, ob sie Interesse an einem Nebenverdienst hätte. Sie könne ganz leicht etwas Geld machen. Dafür müsste sie nur einen Mann massieren in Unterwäsche und sie sollte wegen ihres Alters nichts genaues sagen. Dafür wurden Haley 200 Dollar in Aussicht gestellt und das ist eine Menge Geld, vor allem, wenn man noch zur Highschool geht.

Genau wie Mia und die anderen Mädchen wurde Haley zu Epstein nach Hause und in sein Schlafzimmer gebracht, wo die Massageliege aufgebaut war. Haley erzählt, Epstein habe darauf bestanden, dass sie sich komplett ausziehen würde. Das habe sie dann auch gemacht. Während der Massage habe Epstein angefangen, sie an intimen Stellen zu berühren und versucht, sie zu vergewaltigen.

Hayley hat seine Hand weggeschlagen. Laut ihr hat Epstein auch sofort aufgehört. Er habe gesagt: “Okay, ich werde nichts mehr tun, aber ich möchte, dass du deine Freundin herbringst. Ich werde dir 200 Dollar für jedes Mädchen geben, das du hier hinbringst.” “Je jünger, desto besser”, soll Hayleys Anweisung gewesen sein.

Hayley sagt, Epstein sei danach immer nett zu ihr gewesen, wie ein Freund. Er sei für sie da gewesen, wenn sie jemanden gebraucht habe. Hayley hatte schon zuvor Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch und brauchte in dieser Zeit dementsprechend jemanden, der ihr das Gefühl gegeben hat, gehört und gesehen zu werden.

Auch wenn das, wie bei Epstein, durch einen Deckmantel der Manipulation passiert ist. Hayleys Geschichte zeigt sehr gut, wie berechnend Epstein gezielt junge Mädchen manipuliert hat. In einer Zeit, in der man vulnerabel ist und das Gefühl hat, dass einen niemand versteht, klammert man sich an jede Zuwendung.

 Vor allem, wenn man es zu Hause nicht leicht hat. Und noch dazu stellt Epstein Mädchen wie Hayley Geld in Aussicht. Für den Multimillionär sind die niedrigen dreistelligen Summen nicht der Rede wert, aber für Mädchen im Highschool-Alter sind zwei oder 300 Dollar unfassbar viel Geld. Mit dem Geld, das Epstein ihr gibt, kann Hayley es sich endlich leisten, an Schulausflügen teilzunehmen.

 Und sie kann Geld fürs College sparen. Wie ihr wisst, ist weiterführende Bildung in den USA richtig teuer und deshalb für viele aus strukturschwachen Umfeldern gar nicht erst möglich. Aber Hayley finanziert auch die Drogen, die sie seit ihrem eigenen Missbrauch immer wieder konsumiert. Hayley ist selbst von einer Betroffenen zur Helferin geworden.

Also bringt Hayley über zwei Jahre hinweg immer wieder Teenagerinnen für vermeintliche Massagetermine zu Jeffrey Epstein. Aber er war nicht immer zufrieden. Einmal habe Hayley ihm eine 23-Jährige vorgestellt, erzählt sie. Epstein habe daraufhin gesagt, die junge Frau sei ihm zu alt. Hayley ist nicht die einzige, die das so gemacht hat.

 Wie gesagt, es war ein Pyramidenschema. Es geht mit einem Mädchen los, das wiederum ein paar anderen Mädchen erzählt, man könne bei Epstein Geld verdienen, die es wiederum anderen erzählen und so weiter. Die Rekrutierung wird dabei also vom Täter auch noch auf die Opfer übertragen. Und so sinkt natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass irgendjemand mit Erwachsenen oder gar der Polizei darüber redet.

Zumindest bis im März 2005 die Eltern von mir davon Wind bekommen haben und bei der Polizei aufgetaucht sind. Nach einigen Monaten Beobachtung wird die Villa in Palm Beach durchsucht. Dabei findet man mehrere Fotos von nackten jung aussehenden Mädchen. Zuvor hatten die Betroffenen in den Befragungen davon berichtet, fotografiert worden zu sein.

Im Garagenbereich und in einer Uhr auf Epsteins Schreibtisch werden außerdem versteckte Kameras gefunden, genauso wie ein Zeugnis einer Highschool-Schülerin. Allerdings fehlen dem Haus mehrere Festplatten von Computern. Die Ermittler glauben, dass sich darauf möglicherweise Namen und Fotos von Opfern befinden.

Auch einige Überwachungskameras fehlen. Stattdessen hängen nur noch lose Drähte von den Wänden und Decken. Ein Sprecher der Polizei vermutet, dass Epstein vorher durch einen Maulwurf einen Hinweis auf die Durchsuchung erhalten hat und dass einer seiner Anwälte die Festplatten und Kameras für Epstein in einem Tresorraum versteckt hat.

Wie 2026 herauskommen wird, ist diese Vermutung nicht allzu weit von der Wahrheit entfernt. Im Februar 2026 wird bekannt, dass Epstein vor der Polizeirazzia Privatdetektive beauftragt hat, um Gegenstände aus seinem Anwesen in einem angemieteten Abstellraum zu verstecken. Darunter sind drei Computer, 29 Adressbücher und eine Liste von Masseurinnen in Florida.

 Wobei wir vor dem Hintergrund des Falls davon ausgehen können, dass es sich hier wohl nicht um professionelle Masseurinnen handeln dürfte, sondern um Mädchen, die Epstein als solche in sein Haus gelockt hat. Außerdem wurden mehrere intime Fotos gefunden, vermutlich von Epsteins Opfern, sowie dutzende pornografischer Zeitschriften, VHS-Kassetten und DVDs, die Teenager erotisieren.

Weiter in eine Videokassette, die offenbar Aufnahmen von jemandem unter der Dusche und einer Frau in Dessous enthielt, sowie ein Kalender aus dem Jahr 2005, Briefe und Laborergebnisse. Außerdem ließen die Privatdetektive Sexspielzeug, Massagegeräte und Damenunterwäsche, mehr als 2000 Dollar in bar, einen Waffenschein und einen Harvard-Ausweis verschwinden.

All das wird aber erst Jahre später gefunden, als die Polizei 2005 Epsteins Haus durchsucht, ist das alles nicht zu finden. Somit ist man noch mehr als zuvor auf Zeugenaussagen angewiesen. Aber davon gibt es reichlich. Zwei ehemalige Angestellte von Epstein erzählen der Polizei, dass täglich zwei oder drei jung aussehende Mädchen vorbeigekommen wären.

Ein anderer Mitarbeiter erzählt, dass er angewiesen worden sei, einer Teenagerin nach einer Theateraufführung ihrer Highschool ein Dutzend Rosen zu schicken. Andere Mädchen bekamen gratis Zugriff auf einen Mietwagen. Außerdem hat Epstein versprochen, den Mädchen dabei zu helfen, Plätze an guten Colleges zu finden oder an einer Model- oder Schauspielschule.

Mindestens zwei der Opfer erzählen der Polizei, dass sie in Epstein verliebt waren. Auch hier sehen wir also noch mal das Abhängigkeitsverhältnis, in das er die Kinder gebracht hat. Hier würde ich gerne auch noch mal an das erinnern, was ich euch am Anfang erzählt habe, dass die 14-Jährige Emier, die den Fall ins Rollen gebracht hat, auf eine Art Sonderschule für Schüler mit Verhaltensauffälligkeiten ging.

Es ist nicht allzu abwegig zu mutmaßen, dass genau solche Mädchen gezielt gesucht wurden, welche, die wie auch immer geartete persönliche Probleme haben. Einmal, weil sie einfacher Vertrauen fassen würden und außerdem, weil ihre Glaubwürdigkeit bei möglichen Ermittlungen leicht infrage zu stellen wäre. Das glaubt auch Courtney Wild, die Epstein 2002 kennengelernt hat.

 Damals war sie erst 14 Jahre alt und hatte gerade ihre Zahnspange bekommen. Courtney sagt, dass Epstein auch sie dazu gebracht hat, mehr Mädchen in ihrem Alter in sein Haus zu holen, ähnlich wie Haley Robson. Courtney schätzt, dass sie ihm zwischen 2002 und 2004 wohl etwa 70 oder 80 Mädchen vorgestellt hat, die alle erst 14 oder 15 Jahre alt war.

Der ehemalige Chefermittler erklärt das Pyramidenschema im Fall Epstein so: Das typische Gespräch mit einem Mädchen verlief etwa so: “Ich wurde von so und so dorthin gebracht. Ich habe mich mit dem, was passiert ist, nicht wohlgefühlt, aber ich wurde gut bezahlt. Und man sagte mir, wenn ich mich nicht wohlfühle, könnte ich jemand anderen mitbringen und würde trotzdem bezahlt werden.

” Und die meisten dieser Mädchen kommen eben aus Umfeldern, in denen sie es schwer haben, aus finanziell benachteiligten Familien, alleinerziehenden Haushalten oder Pflegefamilien. Einige hatten Eltern und Freunde, die Selbstmord begangen haben. Mütter, die von ihren Ehemännern und Freunden misshandelt wurden.

 Väter, die sie missbrauchten und schlugen. Ein Mädchen soll Zeugin gewesen sein, wie ihr Stiefvater ihren achtjährigen Stiefbruder umbrachte. Kurzum, es sind Mädchen, die dringend Halt und Großzügigkeit brauchten. Und die das leider offenbar nirgends bekommen haben, außer im Missbrauchsschema von Epstein. Mehrere der Mädchen erzählen auch von Gleichaltrigen, die sie in Epsteins Haus gesehen hatten und von denen viele kein Englisch sprachen.

Dementsprechend vermutet die Polizei schon damals, dass Epsteins Machenschaften nicht nur auf Palm Beach beschränkt sind. In den Flugprotokollen von Epsteins Privatjet findet man unter den Passagieren weibliche Namen, sowie Namen einiger berühmter und mächtiger Personen, die ebenfalls mitgeflogen war. Unter anderem den Namen Jean-Luc Brunel.

Er ist ein französischer Modelagent. Die Protokolle zeigen, dass Brunel zwischen 1998 und 2005 25 Mal mit Epsteins Privatjet geflogen ist. Zudem haben beide regelmäßig miteinander telefoniert. Bei der Hausdurchsuchung 2005 wurden in Epsteins Müll zwei Notizen gefunden, die Epsteins Assistenten gemacht hatten.

Es ging wohl um Dinge, die man Epstein von seinem französischen Freund ausrichten sollte. In der ersten Notiz teilte Brunel mit, dass er eine Lehrerin für dich hat, die dir Russisch beibringen könnte. Sie ist zweimal acht Jahre alt und nicht blond. Der Unterricht ist kostenlos und du kannst heute die erste Stunde nehmen, wenn du anrufst.

Zweimal acht Jahre alt, also 16. In der anderen Notiz prahlte er, dass er gerade eine gute erwischt habe, 18 Jahre alt. Sie sprach mich an und sagte, ich liebe Jeffrey. Die Ermittlungen gegen Jeffrey Epstein wegen des Massage-Missbrauchskomplexes laufen 2005 schon, als Jeffrey Epstein seinem Freund Jean-Luc Brunel bei einer Unternehmensgründung hilft.

In Teil eins der Videoreihe haben wir schon darüber geredet, wie Epstein sich sein Netzwerk aufgebaut hat und wie er Kontakte in alle möglichen Branchen gesucht hat. Auch mit Jean-Luc Brunel ist eine Freundschaft entstanden. Und das, obwohl oder vielleicht auch gerade weil Brunel schon seit Ende der 80er keinen guten Ruf hat.

Es gibt Vorwürfe der sexuellen Ausbeutung und Nötigung. Jeffrey Epstein gibt Brunel 2005 finanzielle Starthilfe. So kann Brunel aus einer Zweigstelle einer französischen Firma in den USA seine eigene Modelagentur gründen. MC2. Wie man vermutet, ist das eine bewusst gewählte Anspielung auf Einsteins berühmte Formel E = MC zum Quadrat.

 E wie Epstein. Brunel ist dafür bekannt, gezielt Models in strukturschwachen Regionen südamerikanischer oder osteuropäischer Länder zu scouten. Die Freundschaft von Epstein und Brunel besteht über Jahrzehnte. Noch während der Ermittlungen fliegen sie 2006 gemeinsam nach Ecuador zu einem von MC zu gesponserten Nachwuchsmodel Contest.

 Teenagerin aus 47 Nationen sind dort. Die Gewinnerin, die danach unter Vertrag genommen wird, kommt aus Lettland und ist erst 14. Illegal ist das nicht, aber mindestens moralisch fragwürdig und vor dem Hintergrund der Anschuldigung gegen Epstein und Brunel beunruhigend. Heute, 20 Jahre später, wird dem Verdacht nachgegangen, dass Brunel den Transport und die Unterkunft von jungen Mädchen oder jungen Frauen für Jeffrey Epstein organisiert haben könnte.

Entsprechende Zeugenaussagen reichen lange zurück. Brunel soll in Frankreich schon Ähnliches abgezogen haben, wie das, was Epstein in Palm Beach mit den Mädchen aus strukturschwachen Umfeldern gemacht hat. Eine Betroffene nennt Brunel einen widerwärtigen kleinen Gartenzwerg, der sich den Mädchen aufzwang, die er eigentlich beschützen sollte.

Eine andere findet es nur logisch, dass Epstein und Brunel einander gefunden und gemeinsame Sache gemacht haben sollen. Sie sagt, Brunel hatte Zugang zu einem Netzwerk junger Frauen und neigte ohnehin schon dazu, sich so zu verhalten. Als er mit Epstein in Kontakt kam, erkannten sie, dass sie dies gemeinsam tun konnten.

 Er ist genauso schuldig wie Epstein, wenn nicht sogar noch schuldiger. Er hat die Maschinerie des Missbrauchs gefördert und genährt. Wie genau das funktioniert haben soll, hat in jüngeren Jahren Mathilde Vassilakis erzählt. Sie hat jahrelang in der Buchhaltung für Brunels Modelagentur MC zugearbeitet. Sie berichtet, die Modelagentur habe Mädchen in Miami Beach und New York wohnen lassen, allerdings nicht, damit sie dort als Models Fuß fassen können, sondern damit sie in Palm Beach und Manhattan, den beiden Wohnorten von Epstein, seine sogenannten Partys

besuchen. Die Aussicht auf eine Modelkarriere soll nur ein Köder gewesen sein, um Mädchen und junge Frauen genau dorthin locken zu können. In New York sollen sowohl Models als auch Brunel selbst zeitweise im selben Gebäude gelebt haben wie Epstein. Epsteins Personal wiederum bestätigt, Brunel mehrfach in seiner Villa in Palm Beach gesehen zu haben, wo es zu den Massageübergriffen gekommen ist.

Mathilde Vassilakis erzählt weiter, sie habe 2004 nach einer Model Show gehört, dass Brunel mit einer der 14-jährigen Teilnehmerinnen in seinem Hotelzimmer war. Sie gibt auch an, Brunel habe ihr anvertraut, er würde auf junge Mädchen stehen. Sie erklärt: “Als Mutter habe ich ihm immer gesagt, dass das doch minderjährige Mädchen sind.

” Und er sagte: “Tja, ich bin der Vater.” Virginia Giuffre, eine der wohl bekanntesten Betroffenen im Epstein-Fall, spricht ebenfalls von einer starken Involvierung von Brunel. Er und Epstein hätten ausländischen Mädchen eine Menge Versprechen gemacht, sie so in die USA geholt und dort systematisch missbraucht.

Giuffre nennt Brunel Epsteins Hauptquelle für Mädchen aus anderen Ländern. Zu einem Geburtstag soll Brunel laut ihren Aussagen einmal drei erst 12 Jahre alte Mädchen zu Epstein geschickt haben. Sein einziges öffentliches Statement zu der Beziehung zu Epstein macht Jean-Luc Brunel erst 2015. “Ich bestreite entschieden, im Rahmen meiner Tätigkeit als Talentscout oder Manager von Modelagenturen irgendwelche illegalen Handlungen oder Verfehlungen begangen zu haben.

” Mittlerweile lebt Jean-Luc Brunel nicht mehr. Er wurde 2020 in Frankreich festgenommen, wegen des Verdachts von Vergewaltigung, sexueller Übergriffe und sexueller Belästigung an verschiedenen minderjährigen oder volljährigen Opfern und insbesondere der Organisation des Transports und der Unterbringung junger Mädchen oder junger Frauen im Auftrag von Jeffrey Epstein.

Allerdings nahm sich Brunel 2022 im Gefängnis das Leben. Eine mögliche Involvierung in den Epstein-Komplex konnte demnach nie juristisch nachgewiesen werden. Die französische Staatsanwaltschaft hat im Februar 2026 jedoch bekannt gegeben, eine Sondereinheit zu gründen. Sie soll die Epstein-Akten auf mögliche Beteiligung von französischen Staatsbürgern untersuchen.

 Zeitgleich soll auch der Fall Brunel neu aufgerollt werden. Das letzte Wort ist hier also noch nicht gesprochen. 2005 und 2006, während gegen Epstein in Palm Beach ermittelt wird, geht der Kontakt zwischen ihm und Brunel in jedem Fall weiter. Sowieso scheint für Epstein eigentlich vieles ganz normal weiterzugehen.

 Und das, obwohl die Polizei einem großen Missbrauchspyramidenschema auf der Spur ist. Doch Jeffrey Epstein wird es einmal mehr schaffen, sich aus der Affäre zu ziehen. Mit Drohungen und windigen Deals mit der Staatsanwaltschaft. Wie schon gesagt, befragt die Polizei im Zuge der Ermittlung Mitte der 2000er zahlreiche Zeugen und mögliche Opfer.

Darunter auch ein Mädchen, auf das vermutlich von anderen Mädchen oder Zeugen verwiesen wurde. Allerdings sagt das befragte Mädchen, dass zwischen ihr und Epstein nichts Unangemessenes vorgefallen sei. Doch die Polizei stellt ihr eine weitere sehr wichtige Frage. Und zwar, ob das Mädchen vielleicht mit jemandem über die Ermittlung und Befragung geredet hätte, bevor die Polizei auf sie zugekommen ist. Und das hat sie.

Ein Privatdetektiv habe sie kontaktiert, wie sie berichtet. Ein ehemaliger Angestellter von Epstein erzählt ebenfalls, ein Privatdetektiv habe sich mit ihm getroffen, um zu besprechen, was er der Polizei in Sachen Epstein erzählen würde. Auch das scheint System zu haben. Die Polizei erfährt von Privatermittlern, die sich sogar als Polizeibeamte ausgegeben haben.

Offenbar im Auftrag von Epstein, um zu schauen, was die Polizei gegen ihn in der Hand haben wird. Auch beim leitenden Ermittler der Polizei wird nun der Hausmüll durchsucht. Nicht von seinen Kollegen, sondern mutmaßlich von Epsteins Leuten, die versuchen, irgendetwas zu finden, was den Ruf des Chefermittlers zerstören könnte.

Ein anderer Ermittler fühlt sich so verfolgt, dass er täglich einen anderen Weg zur Arbeit fährt und regelmäßig seinen Dienstwagen wechselt. Neben den mutmaßlichen Privatdetektiven engagiert sich Epstein gleich mehrere Top-Anwälte. Unter anderem Alan Dershowitz, den kennt er bereits seit den 90ern. Wir haben in Teil 1 der Serie ja schon darüber gesprochen, wie sich Epstein Zutritt in akademische Kreise verschafft hat, unter anderem zu Harvard.

Dort ist Alan Dershowitz Professor, als er Epstein kennenlernt. Über Epstein ist Dershowitz selbst zu guten Kontakten gekommen. Epsteins ehemaliger Arbeitgeber Bear Stearns managt in den 90er Jahren seine Anlagen. Über Epstein ist Dershowitz beim Geburtstagsdinner von Les Wexner gelandet, Seite an Seite mit US-Senatoren und Politikern wie dem ehemaligen israelischen Premierminister.

Und nun soll Dershowitz Epstein vertreten, als die Vorwürfe von Minderjährigen reinflattern. Was ihre Einstellung zu der Thematik angeht, scheinen sich Epstein und Dershowitz mutmaßlich recht einig zu sein. Zumindest hat Dershowitz ein Jahr nach seinem Kennenlernen mit Epstein einen Gastbeitrag in der LA Times verfasst mit dem Titel “Statutory Rape”, also der Missbrauch Minderjähriger ist ein überholtes Konzept.

In dem Artikel schreibt er, das Alter der sexuellen Mündigkeit solle seiner Meinung nach mindestens auf 15 Jahre gesenkt werden. Oder, wie Dershowitz in dem Artikel schreibt, es liegt auf der Hand, dass es staatliche Strafen für Sex mit sehr jungen Kindern geben muss. Es ist jedoch fraglich, ob solche Strafen auch für Teenager gelten sollen, die bereits die Pubertät erreicht haben, da freiwilliger Sex in dieser Altersgruppe so verbreitet ist.

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Disclaimer: This story is fictional and created for entertainment purposes only. Any names, characters, places, or events are fictitious or used fictitiously. No real person or organization is intended to be portrayed.

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