Jeffrey Epstein: Die gesamte Wahrheit T – Part 3
Es ist wenig überraschend, dass Epstein so jemanden für seine Verteidigung engagiert. Als zweiter Anwalt für Epstein ist Jared Lefkowitz dabei, der zuvor zahlreiche Hollywood-Stars vertreten hat. Lefkowitz sagt, die Polizei habe gegenüber Epstein unverschämt gehandelt. Sein Mandant würde bestreiten, jemals Sex oder Ähnliches mit einer minderjährigen Person gehabt zu haben.
Er weist auch darauf hin, dass Epstein einen Lügendetektortest bestanden habe, indem er zu diesem Thema befragt wurde und alles von sich gewiesen hat. Es wird erklärt, dass Epstein sich eben einfach gern massieren lässt. Das sei ihm auf spiritueller Ebene wichtig. Um das zu unterstreichen, erhält das Ballett von Florida eine Spende in Höhe von 100.
000 Dollar, damit sich die Tänzerin ebenfalls Massagen leisten können. Allerdings sind Dershowitz, Lefcourt und ihre Kollegen noch wesentlich umtriebiger dabei, die Sache für ihren Mandanten Jeffrey Epstein so geräuschlos wie möglich zu beenden. Schon 2006 berichtet die New York Times von Ungereimtheiten rund um die Ermittlung gegen Multimillionär Jeffrey Epstein.
Es wird die Frage in den Raum gestellt, ob es nicht sein könnte, dass er wegen seines Reichtums und seiner Prominenz einen Vorteil bekommen hat. Damit ist die Zeitung nicht allein. Noch vor einer Anklageerhebung macht der Polizeichef von Palm Beach der Staatsanwaltschaft Vorwürfe. In Palm Beach kam der ganze Fall ja ins Rollen durch durch die Anzeige der Stiefmutter eines 14 Jahre alten Mädchens.
Die Polizei hat die weiteren Befragungen und Durchsuchungen durchgeführt und den Fall zusammengetragen. Der Polizeichef von genau diesem Polizeibüro wirft den Staatsanwälten vor, Epstein eine Sonderbehandlung gegeben zu haben. Er fordert den zuständigen Staatsanwalt Barry I. Krischer sogar auf, sich von dem Fall zurückzuziehen. Denn wie eine Sprecherin der Polizei von Palm Beach erklärt, wurde die Staatsanwaltschaft bereits 2006 von der Polizei kontaktiert, und zwar mit der Bitte, einen Haftbefehl gegen Jeffrey Epstein zu erlassen.
Stattdessen wurde der Polizei mitgeteilt, dass der Staatsanwalt Barry I. Krischer eine Grand Jury einberufen werde. Diese solle die vorliegenden Beweise prüfen und entscheiden, welche Anklagen gegebenenfalls erhoben werden sollen. Die Grand Jury ist im Wesentlichen ein Laiengremium.
16 bis 23 Bürger aus einem Bezirk werden zufällig ausgelost und vom lokalen State Attorney einberufen. Im Fall von Florida z.B. hier durch Barry Krischer. Die Staatsanwaltschaft präsentiert einseitige Beweise und Zeugen. Wenn mindestens 12 Ja-Stimmen wird eine Anklage gegen den Beschuldigten beschlossen. Wenn keine zwölf Stimmen zustande kommen, endet das Verfahren vorerst.
Eigentlich ist schon ein Termin für so eine Grand Jury im Februar 2006 angesetzt. Drei der betroffenen Mädchen sollen dabei aussagen, wo die Polizei von Palm Beach längst mehr als diese drei Betroffenen ausfindig gemacht hatte. Der Polizeichef gibt zudem an, die Staatsanwaltschaft habe ihm schon im Vorfeld gesagt, für keines der über 16 Jahre alten Opfer Anklage erheben zu wollen.
Es sei denn, es liegen außergewöhnliche Umstände vor, also Vergewaltigung. Das würde bedeuten, dass nur noch die Vorwürfe der unter 16-Jährigen strafrechtlich verfolgt wird. Doch selbst zu dieser Anhörung kommt es erst gar nicht. Die platzt kurzfristig. Laut Polizeidokumenten soll sich Epsteins Anwalt Dershowitz mit Mitgliedern der Staatsanwaltschaft getroffen haben.
Dabei soll er Infos über die Klägerin weitergegeben haben, darunter Aussagen, die diese auf MySpace über den Konsum von Gras und Alkohol gepostet haben. Unter anderem wird darauf hingewiesen, dass ein Mädchen unter dem Nicknamen Pimp Juice unterwegs ist. Ein anderes Mädchen sei eine begabte Schauspielschülerin. Damit wollen Epsteins Anwälte die Glaubwürdigkeit der Klägerin in Frage stellen.
Und mutmaßlich hat das auch geklappt. Denn der Polizei zufolge soll die Staatsanwaltschaft unter Führung von Barry Krischer daraufhin beschlossen haben, die anberaumte Sitzung der Grand Jury um mehrere Monate zu verschieben, um erst einmal die MySpace-Seiten der Teenagerin auszuwerten. Und das, obwohl es hier ja um Vorwürfe systematischer sexualisierter Ausbeutung von Minderjährigen geht.
In den Wochen nach der Verschiebung melden sich zwei Familien von geschädigten Mädchen bei der Polizei. Sie berichten, sie seien belästigt oder bedroht worden von den Privatdetektiven von Epstein. Der Vater eines Opfers erzählt, man habe sogar versucht, sein Auto von der Straße zu drängen. Ein anderer Elternteil meldet sich und berichtet, eine Quelle von Epstein habe sie kontaktiert und gesagt, diejenigen, die ihm helfen, werden entschädigt und diejenigen, die ihm schaden, werden zur Rechenschaft gezogen.
Diese Vorfälle werden von der Polizei bei der Staatsanwaltschaft gemeldet, denn die Beeinflussung oder Einschüchterung von Zeugen ist natürlich nicht zulässig. Doch auch hierfür gibt es wieder mal keine Konsequenzen. Stattdessen wird eine für den April angesetzte Anhörung vor einer Grand Jury wieder kurzfristig abgesagt.
Die Staatsanwälte und Barry Krischer haben längst begonnen, Anrufen und E-Mails vom Polizeidezernat in Palm Beach auszuweichen. Zu Beginn hatte Krischer den Ermittlern noch zugesichert, man würde Epstein auf jeden Fall lebenslang hinter Gitter bringen. Doch das Blatt hat sich gewendet. Die Polizei von Palm Beach hat trotzdem oder gerade deshalb nicht locker gelassen und hat am 1.
Mai 2006 erneut die Staatsanwaltschaft gebeten, einen Haftbefehl gegen Epstein zu erlassen. In dem Haftbefehl sind fünf Opfer von Straftaten aufgeführt, Mädchen, die beim Missbrauch durch Epstein entweder unter 16 Jahre alt waren oder von ihm vergewaltigt wurden. Damit kommt die Polizei der Staatsanwaltschaft sogar schon entgegen.
Es gab auch mehrere Opfer über 16, die der Polizei ebenfalls von sexuellem Missbrauch durch Epstein erzählt. Doch die Staatsanwaltschaft hatte ja schon angekündigt, in diesen Fällen keine Anklage erheben zu wollen. Selbst wenn Epstein wegen der fünf angeführten Delikten schuldig gesprochen worden wäre, wäre die Höchststrafe bei 75 Jahren Gefängnis gewesen.
Doch wie wir ja wissen, ist auch das nicht passiert. Die Polizei beantragt außerdem einen Haftbefehl für Haley Robson und Epsteins Assistentin Sarah Kellen sollte festgenommen werden. Doch stattdessen wird noch mal bekräftigt, dass man auf eine Entscheidung einer Grand Jury warten sollte. Als es am 19.
Juli endlich soweit ist dauert die ganze Anhörung nicht einmal vier Stunden. Nur zwei betroffene Mädchen werden letztendlich vorgeladen, um auszusagen. Dazu zwei Polizeibeamte. Eines der beiden betroffenen Mädchen ist mir, die sind inzwischen 15 Jahre alt geworden und muss noch mal erklären, was bei ihrem Besuch in Epsteins Haus passiert ist.
Sie erzählt, wie sie gebeten wurde, sich bis auf die Unterwäsche auszuziehen, wie sie Epstein massiert hat und wie er den Vibrator benutzt hat. Sie gibt auch zu gelogen zu haben und gesagt zu haben, sie sei 18. So wie Heidi Robson ihr das vorher eingeschärft hat. Für ein 15 Jahre altes Mädchen ist es sicherlich alles andere als angenehm, das vor einer Reihe von komplett fremden erwachsenen Leuten auszubreiten.
Doch anstelle von Empathie bringen sie mir ziemlich direkte Fragen entgegen. Unter anderem zu ihren Postings auf MySpace, zu Piercings, zu Alkohol und Graskonsum. Es geht um Zitat Bilder von ihren knapper Kleidung beim Alkoholkonsum und sexuell proaktiven Fotos. Sie verweisen unter anderem auf einen MySpace Post, indem sie mit einem Ladendiebstahl angibt und auf einen anderen, indem die Teenagerin geschrieben hat, sie würde 250.
000 Dollar verdienen. Mir erklärt der Jury, dass das doch ein offensichtlicher Witz im Internet ist. Aber das verstehen sie offenbar nicht oder wollen es nicht verstehen. Und auch als es um ihren Besuch bei Epstein geht, sind die Juroren mehr als direkt. Hier ein kurzer Auszug. Hattest du nicht tief in deinem Inneren das Gefühl, dass das, was du getan hast, falsch ist? Ja, hatte ich.
Und dir ist klar, was du hier deinem eigenen Ruf antust? Ja, ist das. Ist dir klar, dass du ein Verbrechen begangen hast? Jetzt schon. Als ich es tat, wusste ich nicht, dass es ein Verbrechen war. Ich glaube inzwischen, es ist Prostitution oder etwas ähnliches. Also anstatt, dass man sich um die kriminellen Machenschaften von Epstein kümmert, weiß man hier eine erst 15 Jahre alte Zeugin darauf hin, dass sie sich unwissentlich strafbar gemacht hat, nachdem sie gerade von ihrem eigenen Missbrauch erzählt hat.
Neben mir sagt nur ein weiteres Mädchen aus. Sie sagt, dass sie mit 16 zum ersten Mal bei Epstein war, insgesamt etwa zehn Mal. Und sie sagt, dass er von Anfang an wusste, wie jung sie ist. Sie berichtet, dass die sexuellen Handlungen nach und nach eskaliert sind. Sie habe nicht mit ihm schlafen wollen, aber auch nicht nein gesagt.
Auch dieses Mädchen wird von der Staatsanwältin darauf hingewiesen, dass das ein Akt der Prostitution sei. Diese Anmerkungen der Jury spiegeln sich auch in ihrer Entscheidung wieder. Denn anstatt wegen ungesetzlicher sexueller Handlung mit Minderjährigen angeklagt zu werden, wird Epstein wegen schwerer Anstiftung zur Prostitution angeklagt, in einem einzigen Fall.
Dass das Mädchen, das er zur vermeintlichen Prostitution angestiftet hat, erst 14 Jahre alt war, wird mit keiner Silbe erwähnt. Die Höchststrafe wäre bei gerade einmal fünf Jahren Gefängnis. Nach der Anklageerhebung wird Jeffrey Epstein am 23. Juli 2006 in das Gefängnis von Palm Beach County überführt. Und nur ein paar Stunden später wieder freigelassen.
Die Kautionszahlung in Höhe von 3000 Dollar dürfte für ihn quasi Kleingeld gewesen sein. Die leitenden Ermittler in Palm Beach entschuldigen sich öffentlich bei den Opfern. Zwei Jahre lang haben sie versucht, ihnen Gerechtigkeit zu verschaffen und sind damit an der Grand Jury gescheitert. Vielleicht erinnert ihr euch noch daran, dass Epstein nur drei Monate vor seiner Anzeige an genau dieses Polizeidezernat 90.000 Dollar gespendet hat.
Davon haben sich die Polizisten in Palm Beach jedoch nicht beeinflussen lassen. Stattdessen gibt das Dezernat den gesamten Geldbetrag sogar zurück. Geld von einem mutmaßlichen Sexualstraftäter wollen sie nicht behalten. Alles, was die Polizei noch tun kann, ist den Fall an das FBI zu übergeben. Das FBI wurde schon Mitte der 90er über missbräuchliches Verhalten gegenüber Minderjährigen von Seiten der Epsteins informiert.
Allerdings ging das FBI den Hinweisen in den 90ern nicht nach. Mehr dazu könnt ihr ebenfalls in Episode 1 dieser Videoreihe hören. Nun liegt die Akte Epstein wieder auf dem Tisch des Bureau. In den Unterlagen wird das mögliche Verbrechen als Kinderprostitution aufgeführt. Er wird außerdem verdächtigt, mit minderjährigen Mädchen zu handeln, oft aus dem Ausland für Sexpartys in seinen anderen Häusern in Manhattan, New Mexico und der Karibik.
Das FBI beginnt im November 2006 mit der Befragung potenzieller Zeugen und Opfer aus Florida, New York und New Mexico. Währenddessen kann sich Jeffrey Epstein wieder frei bewegen und genau dort weitermachen, wo er aufgehört hat. Sowohl geschäftlich als auch privat. Und das, obwohl auf der anderen Seite der USA, New York, eine weitere Klage gegen ihn eingeht.
Im Oktober 2007, während die FBI-Untersuchung noch im Gange ist, reicht Maximilia Cordero aus New York Klage gegen Epstein ein. Maximilia ist damals 23 und gibt an, im Jahr 2000 von Jeffrey Epstein sexuell genötigt worden zu sein, also mit 16 Jahren. Epstein soll ihr versprochen haben, ihre Modelkarriere voranzubringen, wenn sie im Gegenzug Sex mit ihm hat.
In der Klage heißt es, er habe die damals 16-Jährige wiederholt in seinem Menschen in der Upper East Side von Manhattan gelockt. Dabei habe sich Maximilia unter Druck von Epstein auf Zitat bizarre und unnatürliche sexuelle Handlungen eingelassen. Epstein soll unter anderem zu ihr gesagt haben: “Ich liebe es, wie jung du bist.
Du hast einen knackigen Hintern wie ein Baby.” In der Klage wird übrigens auch Jeffrey Epsteins guter Freund und Geschäftspartner Les Wexner von Victoria’s Secret erwähnt. In der Klage wird behauptet, Wexner habe wissentlich erlaubt, das Image von Victoria’s Secret zu nutzen, um junge Models und Teenager-Mädchen zu belästigen und zu sexuellen Handlungen zu zwingen.
Das passt zu Berichten, die auch ebenfalls aus Folge 1 bekannt sein dürften. Schon früh haben Mädchen und junge Frauen berichtet, dass Epstein sich ihnen gegenüber als Modelagent für Victoria’s Secret ausgegeben hat. Es findet sich auch eine Parallele zu den Fällen aus Palm Beach. Auch Maximilia gibt an, dass Epstein sie aufgefordert habe, ihre jugendlichen Freundinnen mitzubringen.
Dazu soll er gesagt haben: “Ich liebe Mädchen in deinem Alter.” Als Anna Maximilia zur Zeit der Geschehnisse psychische Probleme gehabt, ähnlich wie die Opfer in Palm Beach, war sie also in einer vulnerablen Situation, die Epstein ausgenutzt hat. Epsteins Anwalt Lev Court findet allerdings ziemlich abfällige Worte zu den neuen Vorwürfen.
“Es hat sieben Jahre lang gedauert, bis die Klage eingereicht wurde. Die Frau hat zugegeben, dass sie insane ist, aber sie wusste, wie man eine Zeitung liest und sie kannte das Wort reich.” Er impliziert hier also A, es kann keinen Missbrauch gegeben haben, weil Maximilia sich sieben Jahre lang nicht gemeldet hat und B, sie würde es jetzt nur machen, weil sie sich Geld erhoffe.
Und die Presse in New York ist auf Epsteins Seite. Denn anstatt, dass das New York Magazine über die schweren Vorwürfe gegen Epstein schreibt, landet ein großes heimlich aufgenommenes Foto von Maximilia in der Zeitung. Darin wird sie als Transfrau geoutet. Der gesamte Artikel ist in einem spöttischen Ton geschrieben und verwendet durchgehend männliche Pronomen.
Es bleibt nicht bei diesem Artikel. In einem weiteren zu dem Thema wird Anwalt Lev Court zitiert. Er äußert sich nicht zu den schweren Vorwürfen gegen seinen Mandanten, sondern spottet über die Geschlechtsidentität der Klägerin. “Es würde mich nicht überraschen, wenn die nächste Behauptung vom Loch Ness Monster käme.
” In einem anderen heißt es, Maximilia sei eine Lügnerin und Transvestitin, die vorgab, von Epstein sexuell missbraucht worden zu sein, um Geld zu erpressen. Passenderweise arbeitet Epsteins damaliger Pressesprecher Howard Rubenstein für die New York Post. Über einen Zusammenhang können wir hier nur mutmaßen, aber ich denke, die Sache ist offensichtlich.
Auch für Maximilia Cordero, die nun nicht nur Jeffrey Epstein verklagt, sondern auch die New York Post wegen Verleumdung. Die Journalisten sollen neben den geschmacklosen Artikeln auch noch Verwandte von Maximilia kontaktiert haben und ihnen fälschlicherweise erzählt haben, sie würde an Geschlechtskrankheiten leiden.
Außerdem wirft Maximilia dem Magazine vor, gegen Gesetze zum Schutz der medizinischen Privatsphäre und zum Schutz von Vergewaltigungsopfern verstoßen zu haben, um ihr Image zu zerstören. Maximilias Anwalt fasst das zusammen als bösartige Verleumdungskampagne, um ein jugendliches Opfer sexueller Gewalt ein zweites Mal zu vergewaltigen.
Erst später wird sich mit der Veröffentlichung der Epstein Files klären, was als Nächstes passiert ist. Man hat sich Maximilias Schweigen gekauft. Nachdem sie von der Presse deformiert und ihr Umfeld mutmaßlich von Epsteins Leuten drangsaliert wurde, werden Maximilia 28 Dollar von Epstein und Leslie Wexner gezahlt.
Im Gegenzug darf sie nie wieder eine Zivilklage gegen Epstein einreichen oder öffentlich Vorwürfe gegen ihn erheben. Maximilia erklärt sich einverstanden, nachdem sie zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwei Jahren dieser mutmaßlichen Hetzkampagne ausgesetzt war. Maximilia ist seitdem von der Bildfläche rund um den Epstein-Komplex verschwunden.
Ihr Beispiel zeigt noch mal, wie sich Epsteins Leute eine Angriffsfläche in der Vita der Opfer gesucht haben und dann so lange draufgehauen haben, bis der Ruf der Geschädigten zerstört war. Der Fall Maximilia Cordero ist mutmaßlich nur einer von vielen und zeigt nebenbei übrigens auch noch die Transphobie auf, die in der US-Gesellschaft herrschte und gerade wieder auf dem Vormarsch ist.
Die deformierenden Artikel gegen sie sind nämlich noch immer beim New York Magazine online. Während die Sache mit Maximilia Cordero geregelt wird, sind Epsteins Anwälte auch noch immer in Sachen der FBI-Ermittlung umtriebig. Das FBI hat gerade erst angefangen ins Wespennest zu stechen, aber das es noch tiefer geht, will Epsteins Anwaltsteam unbedingt verhindern.
Und wird das vorerst auch schaffen. Im Mai 2007 wird bereits eine Verhandlung gegen Epstein durch eine Behörde des US-Justizministeriums vorbereitet, auf Bundesebene. Eigentlich steht der Fall Epstein also schon 2007 kurz davor im größtmöglichen Umfang behandelt zu werden. Denn ebenfalls im Mai 2007 bittet das Team von Jeffrey Epstein um einen persönlichen Termin.
Die US-Staatsanwaltschaft erstellt zwar eine 53-seitige Anklageschrift, doch gleichzeitig werden Verhandlungen mit Epsteins Anwaltsteam aufgenommen. Im Oktober 2007 trifft einer der Anwälte von Epstein, Jay Lefkowitz, sich mit einem Mann namens Alexander Acosta. Vielleicht kennt ihr ihn noch als den 27.
Arbeitsminister der Vereinigten Staaten während der ersten Amtszeit von Donald Trump. 2007 ist Acostas Ministerposten noch in weiter Ferne. Wobei soweit dann auch nicht. Acosta blickt schon damals auf mehrere Posten im Weißen Haus zurück. Damals ist der Republikaner aber primär US-Attorney in Miami, ernannt durch den damaligen Präsidenten George W. Bush.
Sowohl Alexander Acosta als auch Epsteins Anwalt Jay Lefkowitz haben ihre Karrieren in denselben juristischen Kreisen gestartet. Vielleicht fällt deshalb nicht großartig auf, dass die beiden sich nicht in einem Büro, sondern zu einem Frühstück in einem Hotel treffen. Das was die beiden bei diesem Frühstück ausmachen, wird das Leben von Dutzenden, vielleicht Hunderten, vielleicht sogar Tausenden ehemaligen, gegenwärtigen und zukünftigen Betroffenen verändern.
Jeffrey Epstein wird sich schuldig bekennen und ins Gefängnis gehen. Allerdings nur für 13 Monate und im Austausch von unglaublichen Bedingungen. Acosta und Epsteins Anwälte handeln einen Plea Deal aus und damit das sogenannte Non-Prosecution-Agreement. Dieses Non-Prosecution-Agreement wird im Wesentlichen die damals noch laufende FBI-Untersuchung darüber beenden, ob es weitere Opfer und andere mächtige Personen gab, die an Epsteins Sexualverbrechen beteiligt waren.
Im Gegenzug bekennt sich Epstein vor einem Gericht in zwei Fällen der Prostitution schuldig. Epstein und vier in dem Agreement genannten Komplizen erhalten Immunität vor allen strafrechtlichen Anklagen auf Bundesebene. Noch dazu ist in der Vereinbarung eine Klausel, laut der alle potenziellen Mitverschwörer, die ebenfalls an Epsteins Verbrechen beteiligt waren, Immunität gewährt wird.
Wer diese potenziellen Mitverschwörer sein könnten, wird nicht klargestellt, sodass es auch heute reichlich Spekulationen gibt, wer aus Epsteins einflussreichen und berühmten Bekanntenkreis so ein Mitverschwörer gewesen sein könnte. Außerdem werden folgende Punkte vereinbart. Erstens, die Opfer werden nicht benachrichtigt.
Zweitens, die Vereinbarung wird unter Verschluss gehalten und drittens, alle Vorladungen vor die Grand Jury werden aufgehoben. Den Geschädigten wird erst einmal gesagt, die Ermittlungen würden noch weitergehen. Stattdessen wird der Rest des Jahres 2007 mit dem Aushandeln von Feinheiten verbracht, zu Epsteins Gunsten, versteht sich.
Denn der erste Entwurf der Vereinbarung sieht vor, dass ein Sonderbeauftragter einen Anwalt ernennen soll, der die Rechte der Epstein-Opfer auf zivilrechtliche Entschädigung vertritt. Aber Multimillionär Jeffrey Epstein möchte offenbar keine Entschädigung zahlen. Einer von Epsteins Anwälten beantragt, dass die Vereinbarung ganz oben überprüft wird, im US-Justizministerium in Washington.
Ein weiterer Punkt, der dem Epstein-Team noch nicht gefällt, ist, dass die Vereinbarung vorsieht, dass er sich als Sexualstraftäter registrieren lassen muss. So zieht sich die Entscheidung über eine endgültige Vereinbarung dann doch immer weiter. Und das wiederum bedeutet, dass das FBI in der Zwischenzeit weitere Ermittlungen anstellen kann.
Noch im Frühjahr 2008 findet das FBI weitere Zeugen und Beweise. Diese sind offenbar so durchschlagend, dass wieder Vorbereitung für eine neue Anhörung auf Bundesebene getroffen werden. Die US-Staatsanwaltschaft stellt fest, dass einige der Geschädigten von Epsteins Anwälten schikaniert werden. Etwas, von dem schon zwei Jahre zuvor von der Polizei aus Palm Beach berichtet wurde.
Erst an diesem Punkt haben Epsteins Anwälte offenbar Sorge, sich verzettelt zu haben. Im Juni 2008 nehmen sie wieder Verhandlungen über ein Geständnis auf, auf Basis des Agreements zwischen Acosta und Lefkowitz. Und noch im selben Monat wird ein Gerichtstermin für Epstein in Palm Beach organisiert. Obwohl er sich noch Anfang des Jahres dagegen gewehrt hat, bekennt er sich nun schuldig.
Einmal wegen Anstiftung zur Prostitution und einmal wegen Anstiftung zur Prostitution mit einer Minderjährigen unter 18 Jahren. Jeffrey Epstein wird zu 18 Monaten Haft verurteilt, gefolgt von einem Jahr gemeinnütziger Arbeit oder Hausarrest. Und er wird als verurteilter Sexualstraftäter eingestuft. Von all dem erfahren die Geschädigten erst einen Monat später.
Sie hatten keine Chance vor Gericht zu erscheinen, wo sie ihre Einwände hätten vorbringen können. Und vor allem werden Epsteins Verbrechen ja auf schwere Prostitutionsdelikte reduziert. Somit kann er im Grunde von nun an argumentieren, die Mädchen seien gar keine Opfer gewesen, sondern Prostituierte.
Dass es sich noch dazu um Minderjährige gehandelt hat, rückt immer weiter in den Hintergrund. Nach Ansicht der Geschädigten hat die Bundesstaatsanwaltschaft gegen die Einhaltung des Bundesgesetzes über die Rechte von Verbrechensopfern verstoßen. Den Crime Victims Rights Act. Dieses Recht schreibt bestimmte Rechte für die Geschädigten von Verbrechen vor.
Unter anderem eben das Recht über Geständnisvereinbarungen informiert zu werden und bei der Urteilsverkündung anwesend zu sein. Doch einen Monat später werden die Geschädigten darüber informiert, dass die Ermittlungen der Bundesbehörde bereits abgeschlossen sind und Epstein schon in ein Gefängnis gebracht wurde.
Auch dagegen wollen die Geschädigten vorgehen. Aber die Bundesstaatsanwaltschaft spricht sich dagegen aus, die Dokumente rund um Epsteins Plea Deal freizugeben. Die Geschädigten wissen also gar nicht genau, was für Verbrechen an ihnen Epstein jetzt gestanden hat. Sie wurden bei all dem vollkommen ignoriert, obwohl es ja eigentlich um sie und ihre Rechte gehen sollte.
Auch hinsichtlich der Haft bekommt Jeffrey Epstein eine Sonderbehandlung. Er wird nicht in eine normale Strafvollzugsanstalt gebracht, sondern wird in einem privaten Trakt des Gefängnisses von Palm Beach County eingesperrt. Und das auch nicht 24 Stunden am Tag. Man gewährt ihm Arbeitsfreigangsprivilegien. So darf er das Gefängnis an ganzen sechs Tagen in der Woche für jeweils 12 Stunden verlassen, um in seinem Büro zu arbeiten.
Arbeiten kann er praktischerweise für seine eigene Non-Profit-Organisation, die Florida Science Foundation. Die hat er erst kurz vor seinem Haftantritt gegründet und Spoiler Alert, sie wird auch kurz nach dem Ende seiner Haft wieder aufgelöst. Für diese sogenannte Arbeit darf Epstein auch Gäste in seinem Büro empfangen.
Darüber muss zwar Protokoll geführt werden, doch alle Unterlagen wurden inzwischen zerstört. Unter diesen Gästen sollen allerdings auch weibliche Besucherinnen sein. Es liegt nahe, dass sich in Epsteins Leben nicht viel geändert haben dürfte. Eigentlich haben Sexualstraftäter laut behördlicher Vorschriften ausdrücklich keinen Anspruch auf Arbeitsfreigang.
Aber wenn dieser Fall eines zeigt, dann das für eine wohlhabende und einflussreiche Person wie Epstein offenbar andere Regeln gelten. Im Gefängnis ist er an sieben Tagen in der Woche nur zum Schlafen. Und auch dort geht es ihm nicht allzu schlecht. Ein Gefängnis auf See hat anberaumt, dass die Tür zu Epsteins Zelle nicht abgeschlossen wird.
Außerdem hat er freien Zugang zu einem Büroraum, in dem ein Fernseher für ihn angeschlossen wird. Und er darf natürlich auch Besuch bekommen. Allein sein französischer Modelagentenfreund Jean-Luc Brunel kommt mehr als 70 Mal, um Epstein im Gefängnis zu sehen. Nach einiger Zeit muss er nicht mal in der Gefängniszelle bleiben.
Praktischerweise steht der ehemalige Krankenflügel des Gefängnisses gerade leer. Häftling Epstein zieht kurzerhand dort ein unter der Bedingung, dass er die Kosten für das Sicherheitspersonal übernimmt, das ihn dort beaufsichtigt. Einer der Hilfssheriffs, die Epstein überwachen sollten, sagt, ihm sei erklärt worden, seine Aufgabe sei es, Zitat, “für Epsteins Sicherheit zu sorgen”.
Die Beamten, die ihn überwacht haben, mussten Anzüge tragen und den Häftling Epstein bei seiner Ankunft begrüßen, wie es weiter heißt. Im internen Bericht wird Jeffrey Epstein selten Häftling genannt, dafür sehr oft Kunde. Manchmal auch Mr. Epstein. Und zwei der Beamten nennen ihn bei seinem Vornamen. Und die Übernachtungen im Gefängnis dauern auch gar nicht so lange, wie es eigentlich vereinbart war.
Schon im Juli 2009 wird Jeffrey Epstein aus seiner sogenannten Haft entlassen. Fünf Monate vor dem vorgesehenen Datum. Im Gegenzug ist er ein Jahr auf Bewährung und hat Hausarrest. Er darf sich nur in seinem Haus in Palm Beach sowie in seinem Büro aufhalten. Aber auch das interessiert Epstein nicht. Wie Flugprotokolle zeigen werden, macht er in dieser Zeit regelmäßig Reisen zu seiner Menschen in New York und seiner Privatinsel.
Am schockierendsten bei den Recherchen zu dieser Folge fand ich eigentlich, wie viel davon schon lange vor den Epstein-Files bekannt war. Viele Infos kamen aus Artikeln aus den 2000ern, werden in den letzten Monaten aber nochmals neue Enthüllungen herausgegeben. Es ist schockierend, wie das alles vor den Augen aller geschehen lassen wurde.
Hier geht es nicht nur darum, dass Betroffenen nicht geglaubt wurde, sie wurden im Grunde genommen unsichtbar gemacht. Wir werden in den nächsten Folgen noch weiter darüber sprechen. Abonniert also gerne den Kanal, um auf dem Laufenden zu bleiben. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie aufwendig die Videos rund um diesen Fall sind.
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Ansonsten gibt es nicht mehr viel zu sagen. Ich wünsche euch einen guten Morgen, Mittag oder Abend oder je nachdem, wann ihr das Video seht und hoffe, dass wir uns im nächsten Video wiedersehen. Bis dahin. Ciao, Leute. Es ist November 1991. Wir befinden uns vor der Küste der Kanarischen Inseln.
Hier sind die Temperaturen noch am Ende des Jahres noch angenehm. Bei 20 bis 25° lässt es sich hier auch im Winter bestens aushalten. Sanfte Brisen, warmes Meerwasser zum Schwimmen und viel weniger Touristen als in den Sommermonaten. In diesen Tagen liegt vor Teneriffa eine 57 m lange Yacht, die sofort zwischen den anderen Booten hervorsticht.
Selbst wenn man vom Boot nicht viel Ahnung hat, es ist glasklar, dass dieses Schiff kein normales ist, sondern jemandem gehört, der richtig viel Geld hat. 12 Gäste können auf dieser Yacht übernachten, zusätzlich zu einer 15-köpfigen Besatzung. Der Besitzer dieser Yacht nutzt es in diesen Tagen, um etwas Ruhe zu finden.
Die braucht er auch dringend. Nicht wegen seiner sieben Kinder zu Hause oder seinem anstrengenden Arbeitsalltag als Unternehmer, sondern weil die Dinge in den letzten Monaten eine ziemlich ungute Wendung genommen haben. Auf dem weißen Bug steht in goldenen Lettern der Name der Yacht: Lady Ghislaine. Benannt nach der Lieblingstochter des Besitzers.
Doch schon bald wird ein anderer Name das Boot zieren, denn sein Besitzer Robert Maxwell wird von seiner letzten Fahrt nicht lebend zurückkehren. Dass Robert Maxwell Ende 1991 ausspannen will, ist erst einmal nicht verwunderlich. Er hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Gerade erst hat er den von ihm gegründeten Verlag die Pergamon Press verkauft.
Zuvor hat er wiederum in den USA die New York Daily News gekauft. Das klingt eigentlich nach reichlich Geld auf dem Konto. Sonst könnte man sich wohl kaum eine Yacht für mehrere Millionen Pfund leisten und das Personal unterhalten, das einen damit herumfährt. Das Zuhause von Robert Maxwell liegt in England, genauer gesagt in Oxford.
Vielleicht denken viele von euch bei diesem Ortsnamen schon an die prestigeträchtige Uni. Damit seid ihr auf der richtigen Spur. Das Haus, in dem die Familie Maxwell lebt, steht sogar auf dem Campus. Heute gehört Headington Hall zur juristischen Fakultät eines Oxford Colleges. Damals werden die 53 Zimmer noch von den Maxwells bewohnt.
Die Familie ist groß. Robert Maxwell und seine Ehefrau Elizabeth haben neun gemeinsame Kinder. Nach dem Jüngsten hat Maxwell die Yacht benannt, mit der er Ende 1991 unterwegs ist: Ghislaine. Medienberichten zufolge soll sie auch sein Liebling unter den Kindern sein. Robert Maxwell hat gut für sein jüngstes Kind gesorgt.
Schon mit 14 Jahren durfte sie ein Praktikum in seinem Buchverlag machen. Ihre Mutter schreibt in ihrer Autobiografie über Ghislaine, sie sei das einzige der Kinder des Paares, das wirklich verwöhnt wurde. Das kommt vielleicht nicht von ungefähr. Nur drei Tage nach der Geburt von Ghislaine wurde einer ihrer älteren Brüder bei einem Autounfall schwer verletzt.
Er lag mehrere Jahre im Koma, bevor er verstarb. Ein anderes Kind der Maxwells starb als Kleinkind nach einer Krankheit. Die überlebenden sieben Kinder bekommen zu Hause von ihrem Vater laut Berichten eher Disziplin zu spüren als alles andere. Das schließt auch Ghislaine nicht aus. Trotzdem scheint sie sehr an Robert Maxwell zu hängen.
Wie gesagt, der Liebling ihres Vaters. Jetzt als Erwachsene ist Ghislaine als Beraterin für eines seiner Unternehmen eingestellt. Damals ist sie gerade etwa 30 Jahre alt. Robert Maxwell hat sogar eine Firma gegründet, die Ghislaine selbst leiten soll. Ein Unternehmen, das Firmengeschenke vertreibt. Erst Anfang des Jahres hat Maxwell seine Tochter aus der englischen Heimat in Oxford in die USA geschickt, um dort zu arbeiten.
Zuvor sie an der Universität in Oxford Geschichte und Linguistik studiert. Eine Oxford-Ausbildung war für die Maxwells und ihre Kinder das A und O. Auch Mutter Elisabeth hat sich dort ausbilden lassen und promoviert. Die Familie Maxwell ist auch über akademische Kreise hinweg bekannt, auch wenn dort alles angefangen hat.
Robert Maxwell hat mit dem Pergamon Press einen bedeutenden Verlag für wissenschaftliche Literatur gegründet. Die Geschichte von Robert Maxwell ist in jedem Fall bemerkenswert. Seine nahe Verwandtschaft verlor er an Auschwitz. Er selbst kämpfte im Zweiten Weltkrieg. Danach ließ er sich in England nieder und stieg zu einem der erfolgreichsten Unternehmer überhaupt auf.
Erst die Gründung des Pergamon Press, dann die Übernahme der britischen Mirror Zeitungsgruppe. Es folgt der Kauf von weiteren Unternehmen Israel und Osteuropa. Um auch in den USA Fuß zu fassen, hat er sich ein Team aus renommierten Beratern und Anwälten zusammengestellt, die ihm helfen sollten. Unter anderem die ehemaligen Senatoren Howard Baker und John Tower, sowie der langjährige Republikaner Robert Keith Gray, der bei der Wahl 1980 für die Reagan-Bush-Kampagne tätig war.
Ihr merkt auch hier wieder, es wurden ganz bewusst Kontakte in die Politik etabliert. Ähnlich werdet ihr es schon aus dem ersten Video aus der Reihe kennen, das sich mit dem Aufstieg von Jeffrey Epstein beschäftigt. Ähnlich wie der spätere Komplize seiner Tochter, soll auch Robert Maxwell seine prominenten Bekanntschaften benutzt haben, um immer wieder neue Leute zu beeindrucken und in seinen Freundeskreis aufzunehmen.
Doch all dieser Glanz beginnt Ende 1991 abzublättern. Zunächst verbringt er auf seiner Yacht einige Tage vor Madeira, ehe es weiter Richtung Teneriffa geht. Doch die Arbeit verfolgt ihn bis vor die Kanarischen Inseln. Er erhält mehrere Faxschreiben, die alle nicht sonderlich positiv sind. Denn wie es scheint, befindet sich der millionenschwere Maxwell in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten.
In der Finanzpresse gibt es Gerüchte, Maxwell würde tief in Schulden stecken, die er nicht bezahlen kann. Die Zeitung beobachtet, dass der Aktienkurs von Maxwells Unternehmen Maxwell Communications auf einmal auf wundersame Weise in die Höhe schießt. Gleichzeitig wurde kürzlich bekannt, dass Maxwell planen soll, 49 % seiner Anteile an der Mirror Group zu verkaufen. Nicht ohne Grund.
Er musste zuletzt mehrere Gebäude der Zeitung Mirror für insgesamt 166 Millionen Dollar verpfänden. Das verträgt sich nicht gut mit dem Umstand, dass er die Sommerabende 91 gerne in Casinos verbracht haben soll, um dort in einer Nacht auch mal 2,5 Millionen Pfund zu verzocken. In der Zeit vor seinem Yachturlaub hat er Geld zwischen seinen Unternehmen hin und her geschoben und parallel versucht, Forderungen von Banken, insbesondere Goldman Sachs, nach Rückzahlung von Krediten abzuwehren.
Eigentlich hätte er am 4. November ein Meeting mit der Bank of England gehabt, die einige Fragen zu seinen verworrenen Finanzen hat. Doch dieses Meeting hat Robert Maxwell sausen lassen. Zudem sitzt ihm die Swiss Bank Corporation im Nacken, die Berichten zufolge droht sich an die Betrugsbekämpfungsbehörde zu wenden und ihn anzuzeigen.
Das gesamte Imperium von Robert Maxwell wackelt in diesen Tagen gewaltig. Das Investmentbanking-Unternehmen Goldman Sachs hat am 31. Oktober 91 einen Großteil seiner Maxwell Communications-Aktien abgegeben. Dieser Verkauf soll am 5. November öffentlich gemacht werden. Wäre wahrscheinlich ein Auslöser für Aktienverkäufe weiterer Anleger.
Als all das über Robert Maxwell schwebt, schippert er an diesem Tag vor der Küste Gran Canaria auf seiner Yacht herum. Die traumhafte Kulisse kann seine angespannte Laune kaum verbessern. Am helllichten Morgen beschwert er sich um 4:45 Uhr am 5. November bei seinem Yachtpersonal. Die Temperatur in seiner Kabine passt ihm nicht.
Diese Beschwerde sind die letzten bekannten Worte von Robert Maxwell. Denn wenige Stunden später wird man ihn nur noch tot aus dem Atlantik bergen können. Was an diesem Morgen des 5. November 1991 auf der Lady Ghislaine passiert, ist bis heute nicht so ganz geklärt. Auch Maxwells Ehefrau Elisabeth weiß noch nicht, was los ist, als sie die Nachricht erreicht, dass ihr Ehemann von Bord gegangen ist.
Der Kapitän der Lady Ghislaine hat bei einem ihrer Söhne, Kevin, angerufen, um mitzuteilen, dass Robert Maxwell verschwunden sei. Sie macht sich sofort auf den Weg nach Gran Canaria. Sie wird dabei von einem Journalisten vom Mirror begleitet. Noch während sie noch in der Luft sind, wird der Leichnam von Robert Maxwell im Atlantik entdeckt.
Als das Schicksal von Robert Maxwell bereits gewiss ist, kommt auch die jüngste Tochter der Familie Ghislaine Maxwell auf Gran Canaria. Mehrere Personen können sich später daran erinnern, wie sie bei ihrer Ankunft förmlich zusammenbricht. Der Tod ihres Vaters trifft die junge Frau schwer. Da sie fließend Spanisch spricht, dürfte sie es sein, die sich um viele der Formalitäten rund um den plötzlichen Tod des Medienmoguls kümmert.
Der Leichnam musste mit einer Trage geborgen werden. Dadurch sind einige Abschürfungen am Leichnam entstanden. Das sind allerdings die einzigen Verletzungen, die bei einer Autopsie festgestellt werden. Damit muss es sowieso schnell gehen. Der Leichnam von Maxwell soll auf Wunsch seiner Familie schnellstmöglich einbalsamiert und zur Bestattung freigegeben werden.
Innere Organe werden entnommen und für weitere Untersuchungen aufs Festland geschickt. Auf dem Totenschein wird vermerkt, Maxwell sei an Herz- und Lungenversagen gestorben. Ein späterer spanischer Autopsiebericht nennt Herzkrankheit und Ertrinken als mögliche Mitursachen. Ein weiterer Obduktionsbericht wird in Israel angefertigt.
Dort wird als wahrscheinlichste Todesursache Ertrinken festgestellt. Das heißt, alles weise auf einen unfreiwilligen Sturz ins Meer hin. Aus aller Welt trudeln Beileidsbekundungen ein, von der britischen Premierministerin, vom US-Präsidenten, vom Präsidenten der damaligen Sowjetunion. Wie gesagt, Robert Maxwell war eine mehr als bekannte Persönlichkeit im Medienwesen nach dem Weltkrieg.
So gelingt es den Hinterbliebenen auch kurzfristig zu organisieren, dass der Leichnam von Robert Maxwell nach Israel geflogen werden kann. Dort wird er unter großer Anteilnahme in Jerusalem beigesetzt. Sogar der israelische Premierminister ist anwesend. Wir beginnen unsere heutige Folge nicht ohne Grund mit dem plötzlichen Tod von Robert Maxwell, denn dieses Ereignis markiert einen Wendepunkt im Leben seiner jüngsten Tochter, die der ganzen Welt heute als verurteilte Sexualstraftäterin bekannt ist.
Nach dem Tod ihres Vaters beschließt Ghislaine Maxwell fest nach New York City zu ziehen. Dort lebt auch ein Freund von ihr, einer, der auch ihren Vater noch kannte. Ihr Vater den Kerl genau unter die Lupe genommen, als er rausbekommen hat, dass Ghislaine gern Zeit mit ihm verbringt. Robert Maxwell hat extra seine beiden bekannten Ace Greenberg und Jimmy Cain gefragt, was sie von diesem Typen halten.
Greenberg und Cain kennen den jungen Mann, weil er früher einmal mit ihnen bei Bear Stearns zusammengearbeitet hat. Und Greenberg und Cain bürgen wohl für ihren Freund. Bei Jeffrey Epstein sei Ghislaine gut aufgehoben. Also kauft Ghislaine Maxwell im November 1991 ein Flugticket. Für 4000 Dollar geht es one-way nach New York City.
Schon am 24. November 1991 sitzen Ghislaine Maxwell und Jeffrey Epstein nebeneinander im Plaza Hotel in New York City. Robert Maxwell ist zu diesem Zeitpunkt seit 19 Tagen tot. Dass dieses Hotel damals Donald Trump gehört, ist an diesem Abend nur ein zweitrangiges Thema. Man hat sich hierfür eine Trauerfeier für Robert Maxwell versammelt.
Eines der Tickets, die 500 Dollar kosten, musste sich Epstein vermutlich als Begleitung der Tochter nicht kaufen. Zu Lebzeiten war Robert Maxwell selbst des Öfteren Gast im Plaza Hotel. Auch während er von 1953 an acht Jahre lang vom FBI observiert wurde. Das FBI hat ihn beobachtet, weil er damals Kontakte zu amerikanischen Atomwissenschaftlern in geheimen Forschungszentren unterhielt.
Wie man damals befürchtete, im Auftrag der Sowjetunion. 1961 wurden die Ermittlungen gegen ihn allerdings ergebnislos eingestellt. Erst nach seinem Tod wurde durch Veröffentlichung von Unterlagen bekannt, dass Maxwell wohl tatsächlich mit dem KGB zusammengearbeitet hat. Ebenso wie mit den Geheimdiensten anderer Länder.
Das berichtet im Jahr 2000 der britische Guardian. 1991 wird allerdings erst einmal etwas ganz anderes publik. Etwa einen Monat nach dem Tod von Robert Maxwell kommt heraus, dass der Verleger vor seinem Tod einen heftigen Betrug begangen haben soll. Um seine Unternehmen aufrecht zu erhalten, hat er die Pensionsfonds der Mitarbeiter geplündert.
Vor allem die des Mirror Verlags, der ihm gehörte. Laut Medienberichten geht es um eine Summe von insgesamt 460 Millionen Pfund. Demnach soll Maxwell das Personal um bis zu 70 % ihrer betrieblichen Altersvorsorge gebracht haben. Um seinen Tod ranken sich zahlreiche Mythen und Verschwörungstheorien. Nicht zuletzt, weil Ghislaine Maxwell selbst 97 in einem Interview gesagt hat, sie glaube, ihr Vater sei einem Mord zum Opfer gefallen.
Erst zwei Wochen vor seinem Tod soll sich Robert Maxwell mit Privatdetektiven getroffen haben. Denen soll er erzählt haben, jemand sei hinter ihm her. Robert Maxwell soll einige potenziell Verdächtige namentlich genannt haben. Einen konkreten Verdacht hatte er aber offenbar selbst nicht. Zuletzt soll er aus Paranoia sogar die Büros seiner eigenen Mitarbeiter verwanzt haben.
Auch wenn man in diesem Fall wohl gar nichts mehr ausschließen kann, denke ich persönlich allerdings, dass ein Freitod angesichts des ganzen Ärgers, der Maxwell bevorstand, ziemlich plausibel ist. Es wird geschätzt, dass seine Unternehmen zum Zeitpunkt seines Todes etwa mit mehr als zwei Milliarden Dollar in den Miesen steckten.
Diese Summe ist wohl unter anderem zustande gekommen, weil er sich Ende der 80er 3,35 Milliarden Dollar geliehen hat, um den Verlag Macmillan zu kaufen und sein Imperium zu erweitern. Der Tod und der posthume Niedergang von Robert Maxwell sind, gelinde gesagt, ziemlich unrühmliches. Trotzdem gelingt es seiner jüngsten Tochter Ghislaine weiterhin in der High Society zu bleiben.
Und sie versucht, so gut es geht, den Namen ihres Vaters reinzuwaschen. Ein Jahr nach seinem Tod sagt sie der Vanity Fair, er war kein Gauner. Für mich ist ein Dieb jemand, der Geld stiehlt. Glaube ich, dass mein Vater das getan hat? Nein. Ich weiß nicht, was er getan hat. Offensichtlich ist etwas passiert.
Hat er es in seine eigene Tasche gesteckt? Ist er mit dem Geld davongelaufen? Nein. Und das ist meine Definition eines Gauners. Anstatt davonzulaufen, ist Robert Maxwell allerdings eben im Meer gelandet und dort ums Leben gekommen. Und das Geld, das aus den Pensionsfonds verschwunden ist, ist weg. Zwei ihrer Brüder, Kevin und Ian, werden später zwar wegen ihrer Rollen in den Geschäften ihres Vaters vor Gericht gestellt, aber sie können sich erfolgreich gegen Betrugsvorwürfe verteidigen.
Stattdessen kommt ein Fond der britischen Regierung für immer in 100 Millionen der veruntreuten Pensionen auf. Robert Maxwells Witwe Elisabeth behauptet, sie habe von den Machenschaften ihres Mannes auch nichts gewusst. Mehr noch, sie sei in Wahrheit die einzige, die ihre Pension von der Mirror Group verloren habe und stünde nun wie ihre Kinder vor dem finanziellen Ruin.
In einem Interview 92 betont sie in Bezug auf ihre jüngste Tochter Ghislaine ganz explizit, sie habe ebenfalls nichts, kein Geld, keine Treuhandfonds, keine Gelder irgendwo. Das widerspricht allerdings Berichten, wonach Ghislaine nach dem Tod ihres Vaters etwa 80.000 Pfund jährlich aus einem Treuhandfonds aus Liechtenstein beziehen soll.
Am ehesten könnte man das noch damit erklären, dass für so wohlhabende Leute wie die Maxwells 80.000 Pfund vielleicht gleichbedeutend mit nichts sind. Ghislaine Maxwell gelingt es in New York neu anzufangen. Schon bald werden sie und Jeffrey Epstein offiziell ein Paar. Wie lange sie sich vorher gekannt haben, ist bis heute nicht ganz klar.
Aus den Epstein-Files, die kürzlich veröffentlicht wurden, geht hervor, dass sie sich laut Epstein durch gemeinsame Freunde kennengelernt haben soll. Epstein hat demnach auch berichtet, er habe Maxwell aus einer dunklen Phase herausgeholfen. Damit ist vermutlich die Zeit nach dem Tod ihres Vaters gemeint. Epstein behauptet weiterhin, er habe Maxwell dabei geholfen, in der Geschäftswelt Fuß zu fassen und ihr auch finanziell ausgeholfen.
Maxwell habe ihm seine finanzielle Starthilfe aber später zurückgezahlt. Andere Dokumente aus neu releasten Epstein-Files zeichnen wiederum ein etwas anderes Bild. In den Files befinden sich nämlich auch FBI-Aufzeichnungen von Gesprächen mit einem ehemaligen Geschäftspartner der Maxwells. Dieser behauptet, Robert Maxwell habe vor seinem Tod seinen Sohn Kevin angeleitet, Kontakt zu Epstein zu suchen, damit Epstein den Maxwells helfen könnte, um die angeschlagenen Finanzen der Familie wieder in Ordnung zu bringen.
Der Informant soll dem FBI erzählt haben, dass Kevin Maxwell Epstein zwischen 1988 und 90 kennengelernt hat. Der Maxwell-Sohn habe dann begonnen, große Geldsummen aus Epsteins Welt in seiner eigene zu transferieren. Das Epstein für wohlhabende Geschäftspartner Finanzdeals abgewickelt und Geld aufgetrieben hat, wissen wir ja schon aus Folge 1 dieser Serie.
Dass er das möglicherweise auch für die Maxwells getan haben soll, allerdings bis zur Veröffentlichung der neuen Files unbekannt. Der ehemalige Geschäftspartner soll dem FBI weiterhin erzählt haben, Kevin habe dann Epstein und seine Schwester Ghislaine miteinander bekannt gemacht. Nach dem Tod von Robert Maxwell habe Kevin mit seiner Schwester und Epstein eine Vereinbarung ausgehandelt.
Diese Behauptungen widersprechen dem, was Epstein und Ghislaine Maxwell selbst über ihr Kennenlernen behauptet haben. Kevin Maxwell hat die Version des Zeugen als absolut unwahr zurückgewiesen. Letztendlich müssen wir hinter diesem Punkt gerade also noch ein großes Fragezeichen setzen. Fakt ist, dass Maxwell und Epstein Anfang der 90er immer wieder als Paar auftreten.
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