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Jeffrey Epstein: Die gesamte Wahrheit  T – Part 4

 Sie tauchen unter anderem 1992 gemeinsam auf einer Party auf dem Anwesen von Donald Trump auf. Allerdings ist es ein offenes Geheimnis, dass Epstein es mit der Treue nicht so genau nimmt. Aber dass er auch etwas mit anderen Frauen hat, scheint Maxwell nicht zu stören. Ganz im Gegenteil, wie die Welt Jahre später erfahren wird. 1993, zwei Jahre nach dem ersten öffentlichen Auftritt von Epstein und Maxwell als Paar, gibt es eine interessante Anzeige in einer Yoga-Zeitschrift.

Im Yoga Journal wird eine Privatlehrkraft für Yogastunden gesucht. Es handelt sich um eine Vollzeitstelle in New York, um eine Privatperson zu unterrichten. Der Job beinhaltet fantastische Goodies, wie etwa große Reisen. Interessierte sollen sich unter der angegebenen Telefonnummer bei einer gewissen Miss Maxwell melden.

 Die Nummer führt direkt zum Büro von Jeffrey Epstein. Dieses Jobangebot mag auf den ersten Blick etwas merkwürdig, aber harmlos wirken. Und vielleicht war es das auch. Aber wie wahrscheinlich das ist, muss jeder selbst bewerten. Wenn ihr Folge 2 schon angesehen habt, wisst ihr ja, was Epstein Jahre später Mädchen und Jungfrauen angetan hat, die als vermeintliche Masseurin in sein Haus gelockt wurde.

 Auch daran soll Ghislaine Maxwell maßgeblich beteiligt gewesen sein. Schon 1994 melden die Schwestern Annie und Maria Farmer Epstein und Maxwell bei den Behörden. Sie beschuldigen nicht nur Epstein, sondern auch explizit Maxwell wegen ihrer Übergriffigkeit. Man geht heute davon aus, dass damals um 1994 herum das startet, was in den Ermittlungen den 2000ern mündet, von denen ihr in Folge 2 mehr hören könnt.

Allerdings kommt auch hier abermals keine Gerechtigkeit zustande. Anfang der 90er verbringt Maxwell immer mehr Zeit an Epsteins verschiedenen Wohnsitzen, auch in dem Haus in Palm Beach in Florida, über das wir in Folge 2 dieser Reihe ausführlich gesprochen haben. Aber sie bekommt auch ein eigenes Haus. Im Jahr 2000 zieht sie in ein 650 Quadratmeter großes Townhouse in New York City.

 Es ist nur ein paar Blocks von Epsteins Menschen entfernt und hat rund 5 Millionen US-Dollar gekostet. Bezahlt wurde das Townhouse von einer anonymen GmbH. Diese hat ihre Anschrift allerdings an derselben Adresse wie Büros des Unternehmens J. Epstein & Co. Der Käufer wurde von einem langjährigen Anwalt von Herrn Epstein vertreten.

 Wer für das Townhouse aufgekommen ist, sollte also ziemlich klar sein. Was bei diesem Fall immer wieder verblüfft ist, wie viel man eigentlich schon die ganze Zeit gewusst hat. Versteht mich nicht falsch, ich glaube niemand hätte mit dem Ausmaß des Ganzen rechnen können. Aber wesentliche Elemente, die heute in den Nachrichten als Breaking News besprochen werden, sind auch in Pressearchiven aus der damaligen Zeit zu finden.

Es ist ein bisschen, als wären viele Puzzleteile die ganze Zeit da gewesen. Nur konnte oder wollte niemand sie zu einem großen Ganzen zusammensetzen. 2001 wird z.B. in der britischen Presse über die Freundschaft zwischen Maxwell und dem damaligen britischen Prinzen Andrew berichtet. Der Evening Standard bringt einen großen Artikel zu der kuriosen Dreierkonstellation heraus.

 Wie es darin heißt, soll Prinz Andrew gleich achtmal mit Maxwell im Urlaub gewesen sein. Im Februar 2000 gibt es demnach gemeinsam mit Maxwell einen Aufenthalt im Mar-a-Lago Club und einen anschließenden Ausflug nach New York City zu einer Modenschau. Im März werden die beiden zusammen bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung gesehen.

 Im Monat darauf in New York City. Im Mai 2000 gibt es abermals einen Trip zu Maxwell, sowie einen Florida-Aufenthalt mit Maxwell. Im Monat darauf nimmt Andrew Maxwell zu einer Veranstaltung auf Schloss Windsor mit. Im Herbst sind die beiden wieder zusammen in New York. Im Dezember 2000 lassen sie das Jahr auf dem Landsitz Sandringham ausklingen, Maxwells Geburtstag zu feiern.

Im Januar 2001 fliegen sie gemeinsam nach Thailand. Schon in diesem Pressebericht 2001 wird erwähnt, dass Maxwell Andrew auch mit ihrem langjährigen Partner Epstein bekannt gemacht habe. Bei fünf der Reisen war Epstein ebenfalls dabei. Zudem war Andrew in seinem New Yorker Haus zu Gast. Es heißt auch, Maxwell würde verzweifelt versuchen, Epstein dazu zu bringen, sie zu heiraten.

 Aber wie ein anonymer Freund der beiden zitiert wird, Epstein genießt die Gesellschaft schöner Frauen. Ihm ist die Gesellschaft von Ghislaine auf andere Weise wichtig. Sie organisiert sein Sozialleben. In einem Artikel des Evening Standard heißt es damals über Andrew, der Palast würde sich Sorgen über den Einfluss von Epstein und Maxwell auf ihn machen.

Eine anonyme Quelle wird wie folgt zitiert: “Er gerät außer Kontrolle. Er zieht sich sogar an wie ein 25-Jähriger mit Jeans und Blazer. Wenn er früher aus dem Ausland zurückkam, war er smart. Mittlerweile trägt er kaum noch eine Krawatte. Er hat damit begonnen, sich von einem Mädchen massieren und Pediküre geben zu lassen.

Er reist sogar mit einer eigenen Massageliege ins Ausland. Also bitte!” Wie gesagt, das sind alles Puzzlestücke, die man damals wahrscheinlich noch gar nicht zusammensetzen konnte. Aber heute, da wir mehr über den Komplex rund um Epstein wissen, ist es faszinierend zu sehen, wie viele Informationen schon jahrelang bekannt war.

 Und auch, wie viel damals schon in der Presse gerätselt und gemutmaßt wurde. Etwa darüber, wie Epstein eigentlich an sein Vermögen ist, oder wie Maxwell sich nach den Mega-Schulden ihres verstorbenen Vaters noch ihren Lifestyle finanzieren kann. Oder darüber, was genau da eigentlich los ist zwischen dem mysteriösen Finanzunternehmer Epstein und der Tochter des Verlagsmoguls Maxwell.

Dass die Beziehung zwischen den beiden keine herkömmliche monogame Partnerschaft ist, steht schon damals zwischen den Zeilen vieler Berichte. Auch wenn Maxwell laut dem eben zitierten Artikel ja andere Wünsche hat. Passend dazu wird man später ein Word-Dokument finden, dass sie im Oktober 2002 verfasst haben soll.

 Darin steht Folgendes: “Jeffrey und Ghislaine sind seit 11 Jahren ein Paar. Entgegen der landläufigen Meinung sind sie selten getrennt. Ich sehe sie fast immer zusammen. Jeffrey und Ghislaine haben viele gemeinsame Interessen und viel Spaß miteinander. Beide sind sehr neugierig und wissbegierig. Sie wuchs inmitten von Wissenschaftlern und in einem akademischen und geschäftlichen Umfeld auf.

 Jeffrey und Ghislaine ergänzen sich sehr gut und ich kann mir den einen ohne den anderen nicht vorstellen. Sie sind nicht nur ein großartiges Paar, sondern auch beste Freunde.” Auch wenn das Dokument in der dritten Person geschrieben ist, man vermutet, Maxwell selbst hat hier die Geschichte von sich und Epstein aufgeschrieben. Oder die Geschichte, wie sie sie gern hätte.

Die Beziehung zwischen den beiden ist deutlich weniger rosig und konventionell, als es in dieser Prosa-Fantasie dargestellt wird. Epstein selbst sagt 2003 in einem Interview mit Vanity Fair, Ghislaine Maxwell sei seine beste Freundin. Die Journalistin Vicky Ward bemerkt schon damals, dass Ghislaine Epsteins ganzes Leben zu organisieren scheint.

Damit liegt sie richtig, wie mit vielem anderen auch. Ehemalige Angestellte aus Epsteins Villa in Palm Beach beschreiben Maxwell später als eine Art Lady des Hauses. Sie soll das Personal beaufsichtigt, sich um die Finanzen gekümmert und insgesamt alle möglichen Termine koordiniert haben. Sie hat unter anderem ein 58-seitiges Dokument mit Auflagen für das Hauspersonal von Epstein erstellt.

 Man soll etwa nur reden, nachdem man angesprochen wurde, und Augenkontakt mit Epstein vermeiden. Daneben hat sie die Konten für die Haushalte gepflegt. Diese waren sogar auf ihren Namen angemeldet. Maxwells ehemalige Assistentin sagt später aus, sie habe den Eindruck gehabt, die eigentliche Liebesbeziehung zwischen ihr und Epstein sei schon um 2000 herum vorbei gewesen.

 Maxwell hat danach auch andere Männer gedatet, unter anderem Ted Waitt, Milliardär und Mitgründer von Gateway Computers. Trotzdem blieb sie an Epsteins Seite. Wie wir heute wissen, nicht als Partnerin, sondern als Komplizin. Die weiterhin bestehende Verbundenheit lässt sich auch anhand von Kontoauszügen ablesen.

 Zwischen 1999 und 2007 soll Epstein insgesamt 30 Millionen Dollar an Konten von Ghislaine Maxwell überwiesen haben. Die merkwürdige Beziehung zwischen den beiden ist trotzdem keine Einbahnstraße, denn Epstein mag das Geld haben, aber Ghislaine Maxwell hat durch die Verlagskarriere ihres Vaters Kontakte. Und wenn ihr Folge 1 dieser Videoreihe gesehen habt, dann wisst ihr schon, wie wichtig es für Epstein war, ein Netzwerk zu pflegen.

Diese Gewohnheit hat offenbar auch Ghislaine Maxwell beherzigt. Den damaligen Prinzen Andrew kannte sie z.B. noch aus Studienzeiten in Oxford. Durch ihre Freundschaften erhält Epstein mal wieder Zugang zu einem ganz neuen Personenkreis, auf den er seinen Einfluss mutmaßlich ausüben kann. In vielen Berichten und Dokus wird es so dargestellt, als sei Ghislaine Maxwell quasi in Epsteins Bann gezogen worden.

Dass sie von ihm in dieses Netz aus Missbrauch und Ausbeutung hineingezogen wurde und am Ende schlimmste Dinge getan hat, um ihm zu gefallen. Ich bilde mir nicht ein, nach meiner Recherche und dem, was ich euch hier erzähle, irgendetwas besser zu wissen. Am Ende waren wir alle nicht dabei und können nur die Bruchstücke zusammensetzen, die es bis an die Öffentlichkeit geschafft haben.

 Aber ich denke, dass diese Darstellung ziemlich verharmlosend ist. Sie schreibt Ghislaine Maxwell eine beinahe passive Rolle zu und die hatte sie ganz und gar nicht. Sonst wäre sie nicht zu einer Haftstrafe von 20 Jahren verurteilt worden. Dem Urteil gegen Maxwell werden wir uns in einer späteren Folge widmen. Aber ich halte es für wichtig zu betonen, dass schon früh auch gegen Ghislaine Maxwell Vorwürfe wegen Übergriffen erhoben wurden.

 Schon Mitte der 90er hatte Maria Farmer in ihren Aussagen berichtet, Maxwell habe sich mit Epstein gemeinsam an ihr vergangen. Auch wenn das hinterher in den FBI Akten nicht aufgetaucht ist. Und es gibt auch in den 2000ern eine Betroffene, die Maxwells Rolle in Epsteins System ganz deutlich betont. Wie ihr in der zweiten Folge gehört habt, wird Jeffrey Epstein 2008 erstmals verurteilt, wegen Anstiftung zur Prostitution.

Und das, obwohl schon damals ersichtlich war, dass viel mehr hinter der Sache steckt. Während Epstein nach seiner Verurteilung in seine Halbwegs Haft geht, scheint das dem Ruf von Ghislaine Maxwell nicht weiter zu schaden. Über den Kontakt, den sie und Epstein möglicherweise nach seiner Verurteilung hatten, ist noch nicht viel bekannt.

Doch es gibt Hinweise darauf, dass wie so vieles auch das Verhältnis von Epstein und Maxwell weiter lief. In 2009 soll Epstein etwa 25.000 Dollar an ein Familienmitglied von Maxwell überwiesen haben. An Al Seckel, den Ehemann von Ghislaines Schwester Isabelle. Von dem Geld soll er mutmaßlich ein Team von Hackern zusammenstellen, um negative Infos über Epstein auf Wikipedia und Google zu entfernen.

Und dieser Job läuft wohl über einen längeren Zeitraum. Noch am 6. November 2010 schickt Al Seckel eine Mail an Epstein mit dem Betreff “Hacking Wiki again”. Einen Monat später zuvor schreibt er Epstein, er habe sich um die Ergebnisse der Google Suchmaschine gekümmert. Wenn man Epstein und Pädophil sucht, tauchen keine Artikel mehr zu seiner Verurteilung und den Vorwürfen auf.

In einer anderen Mail aus 2009 deutet Epstein an, dass Maxwells Schwester Isabelle selbst, sowie eine weitere Schwester Christine, ebenfalls Zahlung von ihm erhalten haben. Zumindest vermerkt er in seiner E-Mail “Isabelle Maxwell not paid, Christine Maxwell not paid”. Ebenfalls 2009, als Epstein noch in seiner quasi Haft ist, bekommt er eine Mail von einer Non-Profit-Organisation namens Blue World Alliance.

Die Organisation bittet ihn um eine Spende in Höhe von 10 Millionen Dollar. Die Präsidentin dieser Organisation ist damals Isabel Maxwell. Aus den bislang veröffentlichten Mails lässt sich allerdings nicht schließen, ob Epstein diese Zahlung auch wirklich getätigt hat. Auf Medienanfrage wollte sich Isabel Maxwell 2026 nicht äußern.

Im Jahr 2009 selbst hat Jeffrey Epstein neben Geldanfragen aus seinem Bekanntenkreis noch ganz andere Probleme. Eines, das ihn mit Unterbrechung bis zu seinem Tod 2019 begleiten wird. Denn wenn Männer wie Epstein ein Problem mit einem haben, dann mit mutigen Frauen. Und viele von ihnen lassen sich von den eher erfolglosen Versuchen, Epstein in den 2000ern juristisch zu belangen, nicht unterkriegen.

Am 1. Mai 2009 geht in Südflorida eine Klage ein. Sie wird unter einem anonymen Namen eingereicht. Jane Doe Nummer 102. Heute weiß man, dass sich hinter diesem Pseudonym Virginia Giuffre verbirgt. Der Angeklagte ist Jeffrey Epstein. Das zugehörige Dokument beginnt mit dem, was damals schon bekannt ist, aber von der Justiz nur geringfügig anerkannt wurde.

Nach dem derzeitigen Wissens- und Glaubensstand hat der Angeklagte eine sexuelle Vorliebe für minderjährige Mädchen. Er hat einen Plan, ein Komplott oder ein Unternehmen ins Leben gerufen, durch das er Zugang zu unzähligen schutzbedürftigen und relativ wirtschaftlich benachteiligten minderjährigen Mädchen erhielt.

Diese Mädchen sexuell missbrauchte, und oder ausbeutete, und ihnen anschließend Geld gab. Der Angeklagte nutzte seine Ressourcen und seinen Einfluss auf schutzbedürftige minderjährige Mädchen, um sich systematisch sexuell an ihnen zu vergehen. Es wird weiter das Schneeballsystem aufgeführt, von dem ich euch in Folge 1 erzählt habe.

 Wie Epstein seine eigenen Geschädigten dazu gebracht hat, immer neue Mädchen zu ihm zu bringen. In dem Dokument heißt es, die jüngsten Betroffenen seien 12 Jahre alt gewesen. Und eine der Betroffenen, Virginia Giuffre, beschließt, Epstein 2009 zur Rechenschaft zu ziehen. Virginia Giuffre ist 15 Jahre alt, als sie Epstein im Sommer 1998 kennenlernt.

Sie arbeitet an einem Ort, dessen Namen ihr alle kennt, Mar-a-Lago, Donald Trumps Residenz, auf der sich auch ein Spa befindet. Sie hat den Job über ihren Vater bekommen, der als Hausmeister dort gearbeitet hat. Die folgenden Abläufe stammen aus den Aussagen, die in Virginia Giuffres Klage aus dem Mai 2009 vermerkt sind.

 Sie hat diese Angaben über die Jahre immer wieder wiederholt und unter Eid bestätigt. Virginia wurde im Sommer ’98, also während ihrer Arbeit auf Mar-a-Lago, von einer Frau angesprochen. Diese Frau war Ghislaine Maxwell. Maxwell hat sie gefragt, ob sie Lust hätte, eine richtige Ausbildung zur Masseurin zu machen und dabei eine Menge Geld zu verdienen.

 Sie habe einen Bekannten, bei dem das möglich sei. Maxwell sprach natürlich von Epstein. Und noch am selben Abend hat Virginias Vater die Teenagerin im Haus von Epstein abgesetzt. Maxwell hat die beiden in Empfang genommen und versprochen, sich später darum zu kümmern, dass Virginia sicher nach Hause kommt. Da Maxwell aus dem Umfeld von Mar-a-Lago stammt und eine erwachsene, sympathische Frau war, hatte Virginias Vater offenbar kein schlechtes Gefühl, sie dort zurückzulassen.

Virginia ging also mit Maxwell ins Haus und lernte dort Epstein kennen. Dieses Zusammentreffen verlief nach einem ähnlichen Muster, wie es die Betroffenen Mitte der 2000er schon geschildert hatten. Was als eine angebliche harmlose Massage angefangen hatte und ausgemacht war, wurde ein sexueller Übergriff. Virginia berichtet, dass sowohl Epstein als auch Maxwell sich an diesem Abend an ihr vergangen haben.

Danach bekam sie Bargeld und wurde von einem von Epsteins Angestellten nach Hause gefahren. In den zwei Wochen danach wurde Virginia jeden Tag zum Haus von Epstein zitiert, wo sich die Übergriffe wiederholten. Epstein sagte Virginia, sie solle ihren Mar-a-Lago-Job kündigen und stattdessen für ihn arbeiten.

 So könne sie viel mehr Geld verdienen und sie auch auf Reisen begleiten. Hier muss man kurz etwas einschieben. Ich weiß, dass viele Leute sich immer fragen, weshalb eine geschädigte Person zum Täter zurückkehrt. Aber genau darum haben sich Epstein und Maxwell ihre Opfer eben in wirtschaftlich schwächeren Verhältnissen gesucht.

 Genau wie viele andere der Geschädigten hatte Virginia eine furchtbare Kindheit und Jugend. In ihrer 2025 erschienenen Autobiografie berichtet sie von sexuellem Missbrauch im Kindesalter durch ihren Vater, Vernachlässigung durch ihre Mutter, einen Aufenthalt in einer Jugendanstalt, in der mentale Gewalt an der Tagesordnung war, und weiteren Missbrauch durch Gleichaltrige und ältere Männer im Teenageralter.

Übergriffe auf sie und ihren Körper waren also traurigerweise immer ein Teil von Virginias Leben. In ihrem Buch erklärt sie sehr nachvollziehbar, wie das eben dazu führte, dass sie die Übergriffe von Epstein und Maxwell Ende der 90er über sich ergehen ließ. Für sie wurden die beiden zu so etwas wie Elternfiguren.

 Sie kam ja aus einer dysfunktionalen Familie und wurde von klein auf von Missbrauch begleitet. Also willigte sie ein, ihren Job auf Mar-a-Lago zu kündigen und wurde so von dem Geld abhängig, das Epstein ihr nach den sexuellen Übergriffen zahlte. Und so konnten Epstein und auch Maxwell, die Virginia in ihrer 2009er Klage als Mittäterin beschreibt, sie immer gefügiger machen und ausnutzen.

Es ist laut Virginia Maxwell gewesen, die zahlreiche Nacktfotos von ihr gemacht hat, viele davon in anzüglichen Posen. Mindestens eines dieser Fotos soll auch 2005 schon bei der Hausdurchsuchung bei Epstein in Palm Beach gefunden worden sein. Virginia berichtet auch 2009 schon, dass da noch viele andere junge Frauen und Mädchen gewesen seien, von denen viele kein richtiges Englisch sprachen, aus Tschechien, der Türkei oder Asien.

Und sie erzählt, dass nicht nur Epstein und Maxwell übergriffig geworden wären, sondern auch Epsteins Mail Peers, wie es in der Anklage heißt, Mitglieder von Königshäusern, Politiker, Akademiker, Geschäftsmänner sowie persönliche oder geschäftliche Bekanntschaften von Epstein. Teilweise ereignete sich der Missbrauch in Epsteins Haus in Palm Beach, aber auch auf Reisen, entweder in seinem Privatjet, auf seiner berüchtigten Insel oder in Ferienunterkünften.

Die meisten dieser Übergriffe ereigneten sich, als Virginia zwischen 15 und 17 Jahre alt war. Dass sie den Großteil der Zeit minderjährig war, müssen Maxwell und Epstein auch gewusst haben. Sie haben sogar gemeinsam mit Virginia ihren 16. Geburtstag gefeiert. Erst im Alter von 19 Jahren gelang Virginia die Flucht.

Epstein hatte sie für einen Massagekurs nach Thailand geschickt. Von dort flog Virginia aber nicht zurück in die USA, sondern auf eigene Faust nach Australien, wo sie ab 2002 lebt. Dort gelang es ihr, vor Epstein unterzutauchen. Bis 2008. Da erhielt sie plötzlich mehrere Anrufe von Epsteins Agenten, wie es in den Dokumenten heißt.

Sie löcherten sie mit Fragen über die Vorwürfe, die es damals gegen Epstein gibt. Ob Virginia wisse, wer die Mädchen seien, die nun zur Polizei gingen, ob sie mit einem der Mädchen Kontakt habe und ob sie selbst planen würde, ebenfalls eine Anzeige gegen Epstein zu erstatten. Das machte Virginia nachvollziehbarerweise richtig Angst.

Sie war quasi am anderen Ende der Welt, hat sie ihre Nummer gewechselt und trotzdem hatten Epsteins Leute sie gefunden. Aus Angst versprach sie 2008 nicht gegen Epstein auszusagen. Doch nun, ein Jahr später, reicht sie in Florida eine Klage ein. Die konkreten Vorwürfe lauten: Nötigung und Verführung Minderjähriger zur Prostitution oder zu sexuellen Handlungen, Beförderung einer Minderjährigen mit der Absicht, sie zu strafbaren sexuellen Handlungen zu verführen, Reisen mit der Absicht, sich an illegalen sexuellen Handlungen zu

beteiligen, Nötigung und Verführung zur Prostitution oder zu sexuellen Handlungen, sexuelle Ausbeutung von Kindern, Transport von visuellen Darstellungen, also Bild- oder Videomaterial Minderjähriger, die an sexuell eindeutigen Handlungen beteiligt sind, Transport von Kinderpornografie, sowie Beteiligung an einem Unternehmen zur Ausbeutung von Kindern.

Ziel dieser Klage, die Virginia Giuffre Mai 2009 einreicht, ist ein Prozess vor einer Jury. Noch am selben Tag fertigen die Behörden eine Vorladung für Jeffrey Epstein an. Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Am 11. Mai melden sich Epstein und seine Anwälte mit einem Schreiben zurück.

 Virginia Giuffre hat ihre Klage ja anonym eingereicht, als Jane Doe 102. Allerdings will Epstein zunächst erzwingen, dass die Anonymität für den weiteren Verlauf des Verfahrens aufgehoben wird. Virginia Giuffre ist nicht die einzige Frau, die noch mal eine Klage gegen Epstein einreicht. Doch trotzdem ist das noch nicht der Punkt, an dem die Dimension der Machenschaften herauskommen werden.

Neben ihm erhält auch Ghislaine Maxwell im September 2009 eine Vorladung. Die wird ihr überreicht, als sie gerade die Clinton Global Initiatives Conference verlässt. Sie soll über ihre Rolle bei den Anschuldigungen gegen Epstein befragt werden. Im Februar 2010 sollen Gerichtsverhandlungen stattfinden. Doch der Fall landet damals nicht vor Gericht, denn am 17.

 November 2009 erklärt sich Epstein bereit, 500.000 Dollar an die Klägerin zu zahlen. Im Gegenzug erklärt sich Virginia Giuffre bereit, Epstein und alle anderen Personen oder Einrichtungen, die als potenzielle Beklagte hätten einbezogen werden können, freizustellen, zu entlasten, in Frieden und für immer in Ruhe zu lassen.

Die Klage, die sie gegen Epstein eingereicht hat, wird damit fallen gelassen. Die Vereinbarung bezieht sich auf rechtliche Schritte in den USA, einschließlich möglichen Schadensersatzansprüchen. Jeffrey Epstein selbst soll diesen Deal orchestriert haben und ganz genau darauf geachtet haben, dass nicht nur er selbst gedeckt wird, sondern auch alle anderen Personen, den Virginia etwas vorwerfen könnte.

Dafür verspricht Epstein Virginias Recht auf Anonymität zu wahren und nie mehr Kontakt zu ihr aufzunehmen. Virginia Giuffre ist nicht die einzige, die solch eine außergerichtliche Vereinbarung mit Epstein trifft. Die Palm Beach Post berichtet 2009 von mindestens vier solcher Vereinbarungen von jungen Frauen, die Epstein sexuelle Gewalt vorgeworfen haben.

Vielleicht klingt das für einige erst einmal unverständlich, aber die Palm Beach Post weiß in ihrem Artikel damals auf etwas Entscheidendes hin. Epstein hat quasi endlose finanzielle Mittel, um sich A zu verteidigen und B um den Klägerinnen Druck zu machen. Schon in Teil 1 der Serie haben wir gehört, wie Epstein Mitte der 2000er mutmaßlich Privatdetektive eingesetzt hat, um nicht nur den Klägerinnen, sondern auch ihren Familien und der Polizei auf den Zahn zu fühlen oder sie sogar zu bedrohen.

Und 2009 scheint Ähnliches passiert zu sein. In dem Artikel heißt es weiter, Epsteins Privatdetektive hätten Freunde, Ex-Freunde, Familienmitglieder und Arbeitgeber der Mädchen und Frauen befragt, die gegen ihn eine Klage einreichen wollten. All das, um Dinge zu finden, die die Klägerinnen diskreditieren könnten.

Das hat schon im Fall Mitte der 2000er geklappt, als Epstein etwa Online-Posts von den Mädchen, die ihn beschuldigt hatten, benutzt hat, um sie schlecht dastehen zu lassen. Auch die Anwälte von Epstein scheinen wieder gut dabei zu sein. Einer von ihnen soll eine der Klägerinnen 8 Stunden lang ausgefragt haben, über drei Abtreibungen, die sie hatte, über ihr eigenes Sexualverhalten und über die Natur des Verhältnisses mit Epstein.

Eine Richterin, die das Vorverfahren beaufsichtigt, tadelt Epsteins Anwälte für dieses Verhalten auch. Sie hebt hervor, die Anwälte von Epstein werden angewiesen, wiederholte Befragungen zu unterlassen und es wird von ihnen erwartet, dass sie sich in einer verantwortungsvollen und professionellen Weise verhalten, wie es Mitgliedern der Anwaltskammer gebührt.

Zudem weist einer der Anwälte der Geschädigten zu Recht darauf hin, dass eine außergerichtliche Einigung wenigstens irgendwo in der Nähe eines Eingeständnisses liegt. Obwohl es gegen Epstein in den Jahren zuvor Dutzende konkrete Vorwürfe gab, kam er ohne richtiges Gerichtsverfahren und mit einer kurzen, laxen Haftstrafe davon.

Für einige der Frauen wirkt so eine Einigung vielleicht wie die einzige Chance auf eine Anerkennung dafür, dass Epstein sie tatsächlich misshandelt hat. Wir werden in einer der nächsten Folgen noch weiter über Virginia Giuffre und andere Betroffene sprechen, denn ihre Geschichte und ihr Kampf um Gerechtigkeit sind nach 2009 noch nicht vorbei.

 Stattdessen wollen wir an dieser Stelle noch einmal auf das System rund um den Missbrauchskomplex eingehen. In Folge 2 haben wir ausführlich über das Pyramidenschema in diesem Fall gesprochen. Darüber, wie Betroffene unter Druck selbst weitere Opfer rekrutiert haben. Aber dieses Pyramidenschema in sich ist nur Bestandteil eines größeren Pyramidensystems, das wir uns an dieser Stelle einmal anschauen sollten.

Vorab, es werden gleich Namen von Personen genannt, die bis heute nicht wegen eines Verbrechens in diesem Zusammenhang angeklagt oder verurteilt worden sind. Hinweise auf ihre Beteiligung gehen aus den Berichten der Betroffenen hervor. In diesem Fall ist aber nicht immer zwischen Schwarz und Weiß, Täterin und Opfer zu unterscheiden.

 Genau das ist einer der Faktoren, die die Sache so komplex macht. Erinnert ihr euch noch daran, dass Epstein in seinem Deal 2008 erwirkt hat, dass allen potenziellen Mitverschwörern Immunität gewährt wird? Konkret geht es dabei um vier Frauen. Sarah Kellen, Leslie Groff, Adriana Ross und Nadia Marcinkova. Die New York Times erklärt das System um und mit diesen potenziellen Mitverschwörern als eine Art Hierarchie.

Oben in der Hierarchie stehen demnach Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell. Mehrere Geschädigte haben erklärt, dass Maxwell im Grunde das Rekrutierungsnetzwerk geleitet hat. Sie hat demnach das System entwickelt, mit dem junge Frauen und Mädchen in das Epstein-Netz gelockt werden sollten. Hilfe habe sie dabei von der Frau gehabt, die laut der Times in der Hierarchie direkt unter Maxwell steht, Sarah Kellen.

Sie wird später in mehreren Gerichtsverfahren beschuldigt, sie habe Verabredungen zwischen den Geschädigten und Epstein in seiner Villa in Palm Beach koordiniert. Einer von Epsteins Piloten beschreibt sie später als eine Art Assistentin für Maxwell. Laut Polizeiberichten pflegte sie eine Adressdatenbank mit den Namen und Handynummern aller Mädchen, die Epstein für vermeintliche Massagen in sein Haus gelockt hat.

Viele Betroffene berichten außerdem, es sei Sarah Kellen gewesen, die die Mädchen in Epsteins Haus in Empfang genommen und zu ihm gebracht habe. Und dass es Kellen war, die ihnen am Ende ihr Bargeld gegeben hat. Einige erzählen, Kellen und Maxwell hätten ihnen Tipps gegeben, wie sie die vermeintlichen Massagen angehen sollen.

Sarah Kellen hat 2002 angefangen, bei Epstein zu arbeiten. In einem Artikel der Palm Beach Post wird ins Spiel gebracht, dass Kellen ab da im Grunde Maxwells als so Rolle im Umgang mit den Betroffenen übernommen hat. Allerdings gibt Kellen auch an, selbst Opfer von Epstein und Maxwell gewesen zu sein.

 Sie sei während ihrer Tätigkeiten für ihn regelmäßig missbraucht worden. Zudem wird oft der Name Leslie Groff genannt. Sie ist damals die Assistentin von Epstein. Wie sie selbst der Polizei 2005 erzählt hat, hat sie einen Terminkalender gemanagt und für ihn Telefonate entgegengenommen und koordiniert. Mindestens eine Betroffene sagt später aus, Leslie Groff habe außerdem Fahrt und Unterkunft für die betroffenen Mädchen organisiert.

Ihr Anwalt sagt dazu, zu keinem Zeitpunkt während Leslies Anstellung bei Epstein hat sie sich jemals eines Fehlverhaltens schuldig gemacht und niemals wissentlich Reisevorbereitung für Personen unter 18 Jahren getroffen. Ihr Job habe sich ausschließlich auf die üblichen Aufgaben einer Assistentin beschränkt.

Sie wird zwar später von drei Betroffenen verklagt, doch die Klagen werden beigelegt bzw. fallen gelassen. Adriana Ross soll ebenfalls für Epstein gearbeitet haben, seit 2002, als sie 19 Jahre alt war. Sie soll es gewesen sein, die vor der Hausdurchsuchung Mitte der 2000er dafür gesorgt hat, dass ein paar Festplatten aus dem Haus verschwinden.

Vielmehr ist nicht bekannt. Sie hat sich öffentlich nie zu der nach zu ihrer Verbindung zu Epstein geäußert. Mehrere Betroffene berichten, dass Epstein sie dazu gebracht habe, mit Nadja Markovic ein Team werden, die er wohl seine jugoslawische Sexsklavin nannte. Epstein soll damit angegeben haben, sie im Alter von 15 Jahren ihrer Familie abgekauft zu haben.

 Das würde also bedeuten, dass Nadia selbst Betroffene war und ähnlich wie die Mädchen an den Highschools und Colleges von Palm Beach unter Druck oder Zwang zur Mittäterin wurde. Erstmals soll sie mit einem Visum in die USA gekommen sein, dass ihr dank der Modelagentur M zu von Jean-Luc Brunel ausgestellt wurde, den ihr schon aus Teil 2 dieser Reihe kennt.

Als Epstein zwischen 2008 und 2009 in Haft ist, steht Mackin Cover auf der Besucherliste, ganze 67 Mal. Auch 2010 war sie noch an Epsteins Adresse in Palm Beach gemeldet. Allerdings soll sie im selben Jahr versucht haben, ihn zu verlassen. 2012 hat sie einen Pilotenschein gemacht.

 Laut der New York Post soll sie auch eines von Epsteins Flugzeugen geflogen haben. Gegen sie wurde jedoch nie strafrechtlich ermittelt. Ihre Anwälte äußern 2019 einmal, dass Mackin Cover heute tief traumatisiert sei. Epstein habe auch sie als Missbrauchsopfer rekrutiert. Es wird um Zeit gebeten, bis sie bereit ist, ihre Geschichte zu erzählen.

Mittlerweile ist bekannt, dass sie gegenüber den Behörden bei späteren Ermittlungen sehr kooperativ gewesen sein soll. Man könnte sie also vielleicht in die untere und wohl auch breiteste Kategorie dieses Pyramidenschemas einsortieren, bei den Mädchen, die selbst Opfer von Epstein wurden und weitere rekrutiert haben.

Man kann sich kaum vorstellen, welchen Druck und welche Abhängigkeit die Betroffenen hatten. Und all diese Druck ging nach bisherigen Erkenntnissen eben von Epstein und Maxwell aus. Im Gegensatz zu den vier weiblichen mutmaßlichen Mitverschwörern gibt es eine Person aus Epsteins Umfeld, die tatsächlich auch damals schon verurteilt wurde.

 Allerdings nicht wegen einer Beteiligung an den Sexualdelikt, wegen den Epstein zwischen 2008 und 2009 im Gefängnis sitzt, sondern wegen eines Notizbuchs. Denn am 3. November 2009 setzt sich ein Mann namens Alfredo Rodriguez mit einem weiteren Mann zusammen. Wie er glaubt, mit einem Anwalt, der eine Betroffene von Epstein vertritt. In Wahrheit handelt es sich um einen Undercover FBI-Agenten, der die gesamte Situation aufzeichnet.

Denn einen Monat zuvor hat sich ein Anwalt von einem Epstein-Opfer bei den Behörden gemeldet. Dieser Anwalt hat erzählt, er habe aus heiterem Himmel einen Anruf von Rodriguez erhalten. Dieser habe versucht, ihm ein Notizbuch zu verkaufen, in dem sich angeblich weitere Informationen zu den Vorwürfen gegen Jeffrey Epstein befinden sollen.

Rodriguez habe dieses Notizbuch, das selbst die Ermittler noch nicht gesehen haben, als den heiligen Gral im Fall Epstein angepriesen. Der Anwalt hat dieses Angebot von Rodriguez direkt beim FBI gemeldet und er arbeitet weiter mit den Ermittlern zusammen. Der Anwalt tut vor Rodriguez so, als wäre er an dem Notizbuch interessiert.

Er würde einen Angestellten von ihm zu einem Termin vorbeischicken, um die Details zu besprechen. Aber dieser Angestellte ist in Wahrheit der Undercover-Agent vom FBI. Dem zeigt Rodriguez am 3. November 2009 arglos ein kleines schwarzes Notizbuch, das er mitgebracht hat. In dem Buch würden die Namen, Adressen und Telefonnummern von prominenten Persönlichkeiten, möglichen Zeugen und hunderten weiteren mutmaßlichen Opfern aus New York, New Mexico und Paris stehen.

Doch nicht nur das, in dem Gespräch erzählt Rodriguez auch, er habe mal gesehen, wie Ghislaine Maxwell eine große Computerdatenbank mit Bildern und Infos junger Mädchen angelegt hat. Darin befanden sich laut Rodriguez nackte Mädchen aus Schweden, aus Rumänien, aus der Tschechoslowakei, aus Brasilien.

 Alle minderjährig, alle junge Mädchen. Sie waren Teenager, sie trugen Zahnspangen. Epstein selbst habe zusätzlich zur Computerdatenbank das Notizbuch ausgefüllt, das der ahnungslose Rodriguez nun einem verdeckten Ermittler vor die Nase hält. 50.000 Dollar würde er haben wollen, dann würde er das Notizbuch übergeben, sagt er. Als der Undercover-Agent fragt, warum er das Notizbuch nicht einfach der Polizei gegeben hat, sagt Rodriguez, er habe Angst gehabt.

 Er habe befürchtet, Epstein würde ihm wehtun oder ihn sogar verschwinden lassen, sollte das Notizbuch der Polizei übergeben. Also habe er es bei sich behalten. Kurz nach diesen Aufnahmen wird Rodriguez wegen Behinderung der Justiz festgenommen. Er hat 2004 und 2005 auf Epsteins Anwesen in Palm Beach gearbeitet. Also in genau dem Zeitraum, in dem Epstein zahlreiche der Verbrechen begangen haben soll, die ihm zur Last gelegt wurden und für die er 2008 letztendlich kaum rechtliche Konsequenzen bekommen hat.

Rodriguez beschreibt seine Rolle in dieser Zeit als eine Mischung aus Butler, Chauffeur, Koch und Haushaltskraft. Schon im Januar 2007 wurde Rodriguez im Zuge der Ermittlung gegen Epstein befragt. Er hat dabei einiges eingeräumt. Unter anderem, dass er manchmal nach Epsteins Übergriffen Sexspielzeuge aufgeräumt und sauber gemacht hat.

 Weiterhin hat er berichtet, am Pool von Epstein unbekleidete Mädchen gesehen zu haben. Außerdem will er gewusst haben, dass Epstein Sex mit Minderjährigen hatte und gibt an, auf Computern in Epsteins Haus Kinderpornografie gesehen zu haben. In jedem Fall war Rodriguez während dieser Ermittlung also ein wichtiger Zeuge. Während seiner Befragung wurde er auch dazu angehalten, jegliche möglicherweise belastenden Materialien vorzulegen.

 Aber das kleine schwarze Notizbuch hat er für sich behalten. Und daran sieht die Justiz jetzt eine Behinderung ihrer Arbeit. Die Begründung: Hätte man das Notizbuch schon damals gehabt, hätte man damit als Beweismittel womöglich mehr gegen Epstein erreichen können. Denn in dem Buch befanden sich ja Namen potenzieller Zeugen und weiterer Betroffener, mit denen die Polizei noch nicht gesprochen hatte.

Alfredo Rodriguez wird zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt. Damit erhält er übrigens genau dieselbe Gefängnisstrafe wie sein ehemaliger Chef. Wobei der ja sogar schon nach 13 Monaten anstatt nach 18 Monaten wieder rauskommt. Nach dem ersten Urteil gegen Jeffrey Epstein zeigt sich seine beste Freundin Ghislaine Maxwell in der Öffentlichkeit nicht mehr so oft mit Epstein wie zuvor.

Stattdessen wendet sie sich gemeinnütziger Arbeit zu. So gründet sie 2012 etwa eine Meeresschutzorganisation, auch wenn diese nicht sehr viel bewirkt, zumindest wenn es darum geht, das zu tun, was sie auf dem Papier tun soll, die Meere zu schützen. In anderen Belangen könnte die Firma durchaus einen Nutzen gehabt haben.

 Es gibt Spekulationen, dass die Organisation, wie die Berliner Zeitung schreibt, lediglich als diplomatisches und logistisches Schutzschild für Operationen jenseits der Küstenwache dient. Es ist nämlich so, dass 2012 im Gründungsjahr von Maxwells Organisation Terramar von der Kieler Werft HDW eine Yacht ausgeliefert wird, die Plan B.

Laut Medienberichten ist der Käufer Maxwells ehemaliger Partner Ted Waitt. Maxwell soll dabei geholfen haben, die Yacht Plan B zu einer Art schwimmender Basis auszubauen. Wenn man das Wort Yacht hört, denkt man vielleicht an eine kleine schnittige Sportyacht. Die Plan B ist allerdings 75 m lang und verfügt über einen Hubschrauberlandeplatz.

Und angeblich auch über einen sogenannten Moonpool. Darüber können theoretisch Tauchboote unbemerkt ins Wasser gelassen oder an die Yacht gezogen werden. Laut der Berliner Zeitung wird unter den Ermittlern heute die Theorie diskutiert, ob es zu Epsteins Insel womöglich getarnte Unterwasserzugänge gab. Also die Möglichkeit, kleine Tauchboote unter der Wasseroberfläche direkt auf die Insel zu schleusen.

Das wäre im Zusammenhang mit der 2012 gekauften Plan B Yacht mehr als interessant. Denn wenn es stimmt, dass diese Yacht über einen Moonpool verfügt und es auch stimmt, dass es Unterwasserzugänge für kleine Tauchboote gab, dann ergibt sich so die Möglichkeit, Personen auf die Insel zu bringen, ohne sich vor Grenz-, Pass- oder Zollkontrollen verantworten zu müssen.

Selbst für viele der Flüge, die Epstein mit Privatjets getätigt hat, gibt es ja Passagierlisten, auch wenn viele vermutlich weibliche Personen dort nur mit Initialen auftauchen. Eine maritime Infrastruktur könnte sie ermöglicht haben, selbst das zu umgehen. In dem Artikel wird allerdings auch eingeräumt, dass in den bisher veröffentlichten Unterlagen keine Beweise für die Existenz eines solchen Systems gibt.

Andere sehen in der Gründung von Maxwells Meeresrettungsstiftung einfach den verzweifelten Versuch, ihren Namen reinzuwaschen. Fakt ist, dass Terramar zwischen 2013 und 2017 keinen einzigen Dollar an Fördermitteln ausgezahlt, eine Organisation ziemlich hohe Verwaltungskosten verursacht hat und keine konkreten Beispiele für erfolgreiche Meeresschutzprojekte vorweisen konnte.

Wenn sie nicht gerade für Terramar auf Konferenzen zu Gast ist, ist Maxwell weiter in der High Society unterwegs. Sie besucht die Oscar-Party von Vanity Fair, lässt sich mit Elon Musk ablichten, besucht die Hochzeit von Präsidententochter Chelsea Clinton und treibt sich in der Verlagsbranche herum. Neben der Meeresschutzorganisation gründet sie 2012 noch ein Unternehmen, die Elmax Enterprise Limited.

 Als einzige Direktorin und Sekretärin ist jeweils Ghislaine Maxwell angegeben. In den Unterlagen des britischen Handelsregisters wird Maxwell als Einwohnerin des Vereinigten Königreichs geführt, mit einer Meldeadresse in Salisbury. Die für das Unternehmen angegebene Adresse befindet sich in London. Allerdings ist Elmax Enterprise Limited ein nicht handelndes Unternehmen, dessen Nettovermögen ein Pfund beträgt.

Dem finanziellen Wohlstand von Maxwell tut das aber offenkundig keinen Abbruch, denn trotz ihrer Nähe zu Epstein bewegt sich Ghislaine Maxwell Anfang der 2010er weiter in den besten Kreisen, so als wäre nichts gewesen. Die Vorwürfe von Virginia Giuffre, die sich schon außergerichtlich mit Epstein geeinigt hat, hat sie öffentlich zurückgewiesen.

 Mehr noch, sie hat die Betroffene eine Lügnerin genannt. Und das hat Folgen, denn 2015 reicht Virginia Giuffre deshalb eine Defamierungsklage gegen Maxwell ein. Und ab hier beginnen sich die Dinge schneller zu bewegen, als zuvor. Ein kleiner Ausblick. Ein Jahr darauf, 2016 wird das Townhouse von Ghislaine Maxwell in New York City plötzlich verkauft.

 Der Wert der Immobilie hat sich inzwischen verdreifacht. Als Verkäufer ist eine Adresse eines Büros von Jeffrey Epstein angegeben. Zuvor waren an dieser Adresse Büros von einem Unternehmen von Jeffrey Epstein gemeldet. Sie zieht sich aus der High Society der Stadt zurück. Ihre Anwälte behaupten, selbst sie wüssten nicht genau, wo ihre Mandantin gerade wohnen würde.

 Irgendwo in London, heißt es. Ghislaine Maxwell verschwindet von der Bildoberfläche. Allerdings nur vorerst. Denn hier fängt der lange Weg zur Gerechtigkeit an. Um genau diesen Weg zur Gerechtigkeit soll es in den nächsten Folgen gehen. In Folge 4 werden wir darüber sprechen, wie es 2019 dazu kam, dass Jeffrey Epstein erneut festgenommen und angeklagt wurde.

In dieser dritten Episode haben wir erstmals über die familiären Hintergründe von Ghislaine Maxwell gesprochen und näher auf das Netzwerk geschaut, dass sie gemeinsam mit Epstein mutmaßlich gebildet hat. Wenn diese Folge informativ für euch war, dann lasst gerne ein Like oder ein Abo.

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Es ist 2018. Zwei Männer treffen sich bei Starbucks. Der eine Mann mit dunklen geschmeidigen Haaren, der meist einen schicken Anzug trägt, sitzt schon am Tisch. Der andere Mann holt den beiden einen Kaffee. Er sieht aus wie das glatte Gegenteil von seinem Gegenüber. Meist läuft er in Jeans und einem Pulli herum.

 Seine Haare sind grau und sein Gesicht inzwischen von Falten gegehrt. Dem dunkelhaarigen fällt auf, dass der Mann mit den grauen Haaren nervös wird, als er mit dem Kaffee zurückkommt. Ganz anders, als er sich sonst gibt. Offensichtlich fühlt er sich verfolgt. Immer wieder schaut er auf den Parkplatz vor dem Starbucks.

 Seine Augen bleiben an fremden Autos hängen. Dabei ist das sonst eigentlich mutmaßlich dieser grauhaarige Mann, der Leute darauf ansetzt, andere zu beobachten. Auch der dunkelhaarige wurde schon einmal von seinen Leuten beschattet. Da ist er sich sicher. Doch er ist sich auch sicher, dass ihn dieses Treffen nicht aus der Bahn werfen wird.

Egal, was der Mann mit den grauen Haaren ihm anbietet, er wird nicht aufgeben. Das hat er sich selbst versprochen und seinen Mandanten. Denn der Mann ist ein Anwalt. Ein Anwalt, der Frauen vertritt, die dem Mann mit den grauen Haaren furchtbare Dinge vorwerfen. Dieser Mann ist Jeffrey Epstein. Und Bradley J.

 Edwards sitzt genau dem Mann gegenüber, den er später einmal einen der schlimmsten Sexualstraftäter überhaupt nennen wird. [schnauben] Das hier ist Folge 4 unserer Epstein Reihe, in der wir uns die Jahre zwischen dem Ende von Epsteins Haft 2009 und 2018 anschauen, als der Fall abermals in die Öffentlichkeit rückt.

 Denn auch wenn es in diesem Zeitraum keine juristischen Konsequenzen für ihn gegeben hat, rückblickend sind die 2010er in diesem Fall entscheidende Jahre. Denn mehrere mutige Frauen und ein hartnäckiger Anwalt sorgen dafür, dass die Causa Epstein mehr und mehr Beachtung findet. Und vor allem dafür, dass Epstein selbst langsam bemerken dürfte, dass sein Kartenhaus an sich zusammenfällt.

Seit 2004 gibt es in den USA den Crime Victims Rights Act, kurz CVRA. Mit diesem Gesetz haben die Betroffenen von Straftaten das Recht darauf, bei der Verfolgung des Täters oder der Täter uneingeschränkten Kontakt mit den Strafverfolgungsbehörden zu haben. Wie schon im zweiten Teil dieser Reihe angeschnitten wurde, ist es berechtigt in Frage zu stellen, ob dieses Gesetz bei dem Plea Deal, den Epstein in den 2000ern mit der Justiz abgeschlossen hat, befolgt wurde.

 Obwohl ihm dutzende Mädchen intime Gewalt vorgeworfen haben, kam Epstein mit einer Haftstrafe von nur 13 Monaten davon. Denn wegen der zahlreichen Missbrauchsfälle wurde er gar nicht angeklagt oder verurteilt. Dafür hat eben dieser Plea Deal mit der damaligen Staatsanwaltschaft gesorgt. Stattdessen hat sich Epstein der Anstiftung zur Prostitution einer Minderjährigen schuldig befunden und im Gegenzug seine milde Haftstrafe erhalten.

 Für die vielen Mädchen, die zuvor gegen ihn ausgesagt und von ihren Erlebnissen berichtet hatten, ist das ein Schock. Zumal, und das ist für den Anfang dieser Folge der Knackpunkt, keine von ihnen über diesen Deal informiert wurde. Das zeichnet sich schon im Mai 2008 ab, als sich eine junge Frau namens Courtney Wild beim Anwalt Bradley Edwards meldet.

Sie hatte zuvor im Zuge der Ermittlung gegen Jeffrey Epstein beim FBI ausgesagt. Sie wendet sich damals an Edwards, weil sie sich im Fall Epstein allein gelassen fühlt. Zwar hatten ihr Ermittler versprochen, mit ihnen Kontakt zu bleiben, doch seit Monaten kann sie niemanden erreichen. Also bittet sie Brad Edwards um Hilfe, damit der jetzt Anwalt bei der Kommunikation hilft.

Als Edwards erfährt, was Courtney unter Jeffrey Epstein zugestoßen ist, erklärt er sich bereit, pro bono für sie zu arbeiten. Auch wenn es frustrierend ist, dass es ab hier noch Jahre dauern wird, bis Epsteins Machenschaften genauer ans Licht kommen, rückblickend ist genau das hier eine der wichtigsten Entwicklung überhaupt im Fall Jeffrey Epstein.

 Denn, soviel sei vorweggenommen, Brad Edwards wird nicht locker lassen und die konsequente Aufarbeitung von Epsteins Verbrechen wird für ihn zu einer Lebensaufgabe. Als Edwards beginnt, sich mit dem Fall zu beschäftigen, durchschaut er schnell das Pyramidenschema, mit dem Epstein Mädchen rekrutiert hat.

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Disclaimer: This story is fictional and created for entertainment purposes only. Any names, characters, places, or events are fictitious or used fictitiously. No real person or organization is intended to be portrayed.

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