Nur 2 Jahre Haft für Mord | Der Fall Therese Johannson Rojo T
Nur 2 Jahre Haft für Mord | Der Fall Therese Johannson Rojo

Es ist der 6. Juni 2009. Bei uns in Deutschland ein ganz normaler Samstag. Ein paar hundert Kilometer weiter im Norden sieht das anders aus, denn in Schweden ist der 6. Juni der Nationalfeiertag. Der Tag gilt auch als eine Art Vorbote des Mittsommerfestes. Immerhin ist das Wetter auch im hohen Norden Anfang Juni meistens gut.
Viele Schweden nutzen den Tag für ein gemeinsames Picknick im Park, gemütliche Grillabende oder besuchen eine der vielen öffentlichen Feiern, die an diesem Tag im ganzen Land stattfinden. Auch in der Hauptstadt Stockholm wird an diesem Tag natürlich kräftig gefeiert. Das Königspart dem traditionell an einer zentralen Feier im Freilichtmuseums Ganzen während sich dort viele Leute tummeln, um einen Blick auf die schwedischen Royals zu erhaschen, geht es im Stadtteil Sturby etwas gemächlicher zu. Sty liegt im Süden von
Stockholm und ist vor allem bei Familien beliebt. Auch in diesem Viertel wird am 6. Juni 2009 natürlich gefeiert. Auf einer Party unter Jugendlichen schleichen sich zwei von ihnen nach einiger Zeit davon. In den umliegenden Wäldern hat man auch an hellen Sommerabenden genug Privatsphäre, um ein bisschen ungestört zu sein.
Einer der beiden Jugendlichen hat wahrscheinlich etwas Zweisamkeit im Sinn, der andere jedoch hat einen anderen Plan. Er weiß, dass er der einzige der beiden sein wird, der den Wald wieder leben verlassen wird. Tim ist 16 Jahre alt und zum ersten Mal so richtig verliebt, schon seit einer ganzen Weile.
Seit Herbst 2007 ist er mit der gleichaltrigen Tow zusammen. Wie so viele Jugendliche hatte Tim in der Schule mal eine schwierige Phase. Gar nichts gravierendes, eben das Übliche. Manchmal hat man als Jugendlicher einfach nicht so viel Lust auf die Schule. Vor allem nicht, wenn man seine erste Freundin hat. Aber seit einer Weile hat sich Tim wieder ganz gut gefangen.
Auch wenn er gerne auf Partys ist, trinkt er selten Alkohol. In seiner Freizeit spielt er Fußball und seine Noten der Schule sind wieder richtig gut. Vielleicht liegt das auch ein bisschen an seiner Freundin Toffel. Die ist nämlich ebenfalls eine Musterschülerin und bringt eine Bestnote nach der anderen mit nach Hause. Auch sonst ist TW im Gegensatz zu vielen anderen Teenagern scheinbar sehr gewissenhaft.
Wohl Gleichaltrige durchaus auf Parys mal was trinken, lässt Tob vom Alkohol die Finger. Stattdessen geht sie in ihrer Freizeit lieber in die Kirche und engagiert sich dort. Und ansonsten wird jede freie Minute eben mit Zim verbracht. Obwohl die beiden erst 16 Jahre alt sind, haben sie sich Anfang 2009 sogar verlobt. Manchmal kommt es den Erwachsenen in ihrem Umfeld fast so vor, als seien die beiden voneinander besessen.
Das bemerken sowohl die Eltern der beiden als auch Lehrkräfte. Zwischen die beiden 16-jährigen passt einfach kein Blatt. Zumindest wirkt das so, denn im Frühjahr 2009 geht an der Schule von Tim und T ein Gerücht rum, das für das Gegenteil spricht. Tim soll nämlich eine Mitschülerin, die 15 Jahre alte CCes geküsst haben, ohne dass seine eigentliche Freundin Twee davon weiß, versteht sich. Am 30.
April feiert man in Schweden die Wald Purgesnacht, traditionell mit einem großen Lagerfeuer. Bei genauso einem Lagerfeuer haben sich Tim und Therese zufällig getroffen. Die zwei gehen zwar auf dieselbe Schule, sind bis dahin aber nicht sonderlich eng miteinander. Sie kennen sich vom sehen und haben einige gemeinsame Freunde.
Und in der Wpurgesnacht flogen eben spontan die Funken. Erst haben die zwei sich nur unterhalten, dann haben sie sich für ein paar Sekunden geküsst. Es war nur ein flüchtiger Ausrutscher, aber Tim hatte sofort ein schlechtes Gewissen. Also hatte Therese darum gebeten, niemanden von der Sache zu erzählen.
Aber auch für Therese war die Situation nicht leicht. Sie hatte selbst ein schlechtes Gewissen. Deshalb vertraut sie sich ein paar Freundinnen an. Na ja, und wer sich selbst noch an seine Jugend zurückerinnert, weiß, worauf das hinausläuft. Es dauert nur ein paar Tage, bis die Sache auf dem Schulhof das Thema Nummer 1 wird.
Nach wenigen Tagen kommt das Gerücht um Tim und Therese also auch bei seiner Freundin To an und die ist gelinde gesagt außer sich. Mitten in der Schule konfrontiert sie ihn und zwar körperlich. Sie beißt ihm in den Arm, sie schlägt ihn und boxt ihm gegen die Brust und ins Gesicht und zwar mit solcher Gewalt, dass er einen Vorderzahn verliert.
Sie droht, sie werde sich vor eine U-Bahn werfen, dann stürmt sie davon. Später am Tag bekommt Tim noch eine SMS von ihr. Sie macht Schluss mit ihm und schreibt: “Du bist durch und durch unehrlich. Ich kann dir nie wieder vertrauen.” Im Mai haben Tim und Twe erstmal ganz automatisch Abstand voneinander. Twee ist nämlich auf Klassenfahrt.
Während Tween Klassenkameraden vergnügt, ist Tim am Boden zerstört. Seine Eltern versuchen ihn zu trösten und ihm sanft beizubringen, dass es vielleicht einfach das Beste ist, wenn die zwei nicht mehr zusammen sind. Doch Tim erklärt ihn, dass er Tov zu sehr lieben würde und er würde alles tun, um ihr das zu beweisen und die Sache wieder gerade zu biegen.
Als Twe von der Klassenfahrt zurückkommt, sucht er noch mal das Gespräch mit ihr. Obwohl sie ihm gegenüber gewalttätig geworden ist, bittet er sie um eine zweite Chance und die bekommt er auch. Es wirkt als könne Tov ihrem Freund den Seitensprung mit Ceres verzeihen. Es ist also erstmal alles wieder beim Alten.
Tim und Tov sehen sich in der Schule, treffen sich in ihrer Freizeit, machen gemeinsame Unternehmung. Alles ganz normal und unschuldig. Bis zu einem Kinobesuch am 22. Mai 2009. Da sprechen die beiden über etwas, das fürchterliche Konsequenzen haben wird. Sie sprechen darüber, dass Therese sterben soll und dieser Entschluss manifestiert sich.
Ein paar Tage später schickt Tofim eine SMS. Sie ist gerade auf dem Heimweg von der Schule und dabei zufällig Theres begegnet. In ihrer SMS steht: “Ich halte es nicht aus, hier drei Sitze von ihren Fend in der U-Bahn zu sitzen. Sie muss sterben. Es ist der 6. Juni. Seitdem sich T und Tim wieder vertragen haben, sind gut drei Wochen vergangen.
Tims Kurs mit Ces ist schon 5 Wochen her. Am Nationalfeiertag zieht Tim von Fe zu Feier wie viele andere Leute. Erst besucht er eine kleine Party bei einem Verwandten und dann geht’s zur alten Skisprungstanze in Streby. Die Anlage ist längst stillgelegt, aber mittlerweile eine Aussichtsplattform und ein beliebter Treffpunkt.
Unter anderem eben für eine lockere Party zum Nationalfeiertag. Es ist keine offizielle Feier der Gemeinde oder so. Es treffen sich einfach ein paar Leute aus der Schule, um auch das bevorstehende Ende des Schuljahres zu feiern. Etwa 50 Jugendliche versammeln sich, hören gemeinsam Musik, quatschen und trinken etwas Alkohol.
Auch die 15 Jahre alte Theresister. Sie und ihre Freundin haben sich schon sehr auf die Party gefreut. Sie haben sich am Nachmittag zusammen fertig gemacht und sich extra neue Kleider gekauft. Die Jugendlichen haben es auch geschafft, sich heimlich eine Flasche Wodka und Zigaretten zu besorgen. Einer richtig erwachsenen Party steht also nichts im Wege.
Therese ahnt nicht, dass sie in größter Gefahr schwebt, denn noch am Nachmittag hat Tim seiner Freundin in einer SMS geschrieben. Wenn sie hier ist, schaffe ich es heute Abend. Vielleicht wird an diesem Abend gezuschelt, als nehmen Therese auch Tim und Torv auf der Party auftauchen. Aber alles scheint okay zu sein.
Die Jugendlichen feiern ausgelassen. Von bösem Blut keine Spur. Gegen Mitternacht geht Twe nach Hause. Tim bleibt noch. Auch Theresa ist noch da. Sie sagt ihren Freundinnen Bescheid, dass sie mal kurz in den Wald geht. Sie möchte sich schnell hinter den Bäumen erleichtern. Sim er greift die Gelegenheit und bittet Sie um ein Gespräch.
Er möchte unter vier Augen noch mal über alles reden, was passiert ist, sagt er. Theres willigt ein. Die zwei entfernen sich nur ein paar hundert Meter von der Skisprunglage. Theres wird nicht zurückkehren. Dass auf einer Party mal zwei Leute miteinander verschwinden, passiert. Aber Ces Freundin machen sich schnell Sorgen. Irgendetwas ist komisch.
Um 23:57 Uhr hatte sie einer Freundin noch eine SMS geschrieben, dass sie gleich wieder zurück sein würde. Aber sie kommt nicht wieder. Also teilen sich ihre Freunde auf und suchen nach Theres. Die Jugendlichen schauen sich zwischen den Bäumen um, bis auf einmal ein hoher Schrei durch den Wald geldt.
Eine der Freundinnen schreit: “Sie ist hier, sie ist hier.” Als andere Freundin dazu eilt, kann sie kaum fassen, was sie da sieht. Therese liegt auf dem Waldboden und Blut läuft ihr Gesicht herunter. Ihre Haut ist blau angelaufen und sie bewegt sich nicht. Mit ihren Handys können Theres Freunde schnell die Polizei und einen Krankenwagen rufen.
Während Therese in eine nahgelegene Klinik gebracht wird, führt die Polizei noch am Ort der Party eine Befragung durch. Es sind einige Dutzend Jugendliche anwesend, die als Zeugen vernommen werden können. Sie alle können nicht glauben, was sich offenbar innerhalb von nur ein paar Minuten in ihrer unmittelbaren Nähe ereignet hat.
Und noch weniger können Sie wahrscheinlich glauben, was sie den Ermittlern alle erzählen müssen, dass es nämlich eigentlich nur eine Person gibt, die Theres verletzt haben könnte. Die Person, mit der Therese zuletzt gesehen wurde. Im Krankenhaus versuchen die Ärzte zwar Theres Leben zu retten, doch sie können nichts mehr für sie tun.
Sie stirbt kurz nach ihrer Einlieferung an ihren schweren Verletzung. Schnell kann man herausfinden, was passiert sein muss. Therese wurde mit einem Ast gegen den Kopf geschlagen und dann hat man sie gewirkt. Am 11. Juni feiert die Schule, die Therese Tim und Tov besucht haben, ihr Jahresabschlussfest. Drei von ihnen fehlen.
Tim und Tov befinden sich im Polizeigewahsam und Therese, die die neunte Klasse abgeschlossen hätte, ist nicht mehr am Leben. Stattdessen bleibt ihren Mitschülern nur eine Kerze für sie anzuzünden und zu hoffen, dass es bald eine Antwort auf die Frage geben wird, die sich alle stellen. Warum hat Tim Theres angetan? Warum Zim Zer es umgebracht hat, möchte natürlich auch die Polizei wissen.
Bei Befragung gibt an, er habe das nur getan, weil er unter großem Druck gestanden habe. Druck von seiner Freundin Toffe. Seit ihrem ersten Gespräch über das Thema Mitze Mai habe sie ihn immer wieder dazu gedrängt, Therese endgültig auszuschalten. Tatsächlich lässt sich belegen, dass Tim sich zwischen Mitte Mai und Anfang Juni mehrfach in Theres Wohngegend aufgehalten hat.
Einmal soll er drei Stunden in der Nähe ihres Hauses herumgelungert haben, um auf sie zu warten. Mit Zo soll er geplant haben, Therese mit einer Wodkaflasche zu erschlagen. Passiert ist das jedoch nie. Das wiederum soll To wütend gemacht haben. Tim sagt, sie habe ihm ein Ultimatum gestellt. Ende Mai fuhr T in den Urlaub nach Paris.
Bis sie Anfang Juni wieder zurück sei, solle Therese tot sein, sonst würde sie Schluss machen. Sie hat ihm geschrieben, du weißt, was du am Wochenende zu tun hast. Seine Antwort: Ich schaffe das nicht. Ich halte diesen Druck nicht aus, dass ich es tun muss, bevor du nach Hause kommst. Toffe daraufhin hast du es schon gemacht? Aber als Twe zurückkehrte, war Therese noch am Leben.
Danach habe Tovy ihm noch eine letzte Chance gegeben, wie Tim es im Verhör ausdrückt. Aber er sollte sich nicht allzu viel Zeit lassen und das hat er ja dann auch nicht. In der Nacht vom 6. auf den 7. Juni wurde Therese bereits umgebracht. Offenbar aber nicht nur, weil Tove Tim so einen Druck gemacht hat.
Er selbst gibt zu, ihm, sei quasi schwarz vor Augen geworden und er habe einfach auf Theres eingetreten und geschlagen. Dazu sagt er, wenn ich wütend werde, kann ich mich nicht mehr kontrollieren. Das ist schon so, seit ich klein war. Therese habe ihn zwischen den Schlägen sogar noch gefragt, was er da tun würde. Er hat einfach weitergemacht.
Erst mit einem Ast, dann mit bloßen Händen. Das ist schlimm genug und das ist die eine Sache. Die andere ist, dass Tim durchaus noch etwas hätte tun können, denn als er nach seiner brutalen Attacke weggerannt ist, war Therese noch am Leben. Er hätte Hilfe holen können. Die Leute auf der Party waren nur ein paar hundert Meter entfernt.
Erst Helfer und Retzungskräfte wären schnell vor Ort gewesen. Vielleicht hätten sie Theres noch retten können. Vielleicht auch nicht. Erfahren werden wir das nie, denn Tim lief nach dem Angriff auf Theres einfach nach Hause. Unterwegs rief ihn sogar noch seine Mutter an. Sie wusste natürlich nichts davon, was ihr Sohn da gerade getan hat.
Stattdessen hat er ihr ganz ruhig gesagt, er sei schon auf dem Heimweg und gleich da. In den frühen Morgenstunden hat Tim noch mehrfach mit Twe telefoniert, die ihn beruhigt hat, dass ihr Plan schon aufgehen würde. Da hat Toffe sich allerdings getäuscht, denn schon am Morgen des 7. Juni stand die Polizei nicht nur bei Tim, sondern auch bei ihr auf der Matte.
Auf dem Polizeirevier ist Tim schnell eingeknickt und hat umfassend ausgesagt. So dauert es auch nicht lange, bis die Polizei genaue Vorwürfe formulieren kann. Tim muss sich wegen des Mordes an Theres verantworten und Towel wird Anstiftung zu diesem Mord vorgeworfen. Sie hat während ihrer ersten Vernehmung komplett bestritten, etwas mit der Tat zu tun zu haben.
Erst später hat sie zugegeben, von Tims Plänen gewusst zu haben. Sie behauptet jedoch nicht geglaubt zu haben, dass er die Sache wirklich durchziehen würde. Schon am 19. August 2009 beginnt der Prozess gegen Tov und Tim, also nur etwas mehr als zwei Monate nach dem Mord an Therese. Es geht auch deshalb alles so schnell, weil Tim schon bei der Polizei so umfassend ausgesagt hat.

Er wiederholt seine Aussage auch vor Gericht noch mal. Danach muss der Verhandlungstag pausiert werden, weil er wein zusammenbricht. Der Angeklagte muss sogar mit einem Krankenwagen in eine nahgelegene Klinik gebracht werden. Als es weitergeht, gibt es einige neue Erkenntnisse über die Beziehung zwischen Tovo und Tim.
Unter anderem dank der SMS, die die beiden sich zwischen Mai und Juni geschickt haben. Der Anwalt des Angeklagten versucht, den SMS-Verlauf unter Verschluss zu halten. Aus Sicht eines Verteidigers ist das auch verständlich, denn die Nachrichten werfen gar kein gutes Licht auf den mutmaßlichen Täter. Doch die SMS werden als Beweismittel zugelassen, auch wenn die Inhalte schwierig zu verkraften sind.
In den SMS schwingt von beiden Seiten viel Eifersucht und Missgunst mit. Es sind SMS von zwei jungen Menschen, die offenbar ein tiefes Bedürfnis haben, geliebt, gebraucht und gesehen zu werden. Das ist soweit normal. Findet in der Kommunikation zwischen den beiden aber ungesunde Ausmaße. Beide drohen dem anderen auch mehrfach Freitot zu begehen und dass man ohne den anderen nicht leben kann.
Einmal schreibt Zim seiner Freundin: “Ich könnte töten, um dich zurückzubekommen. Ohne dich sterbe ich selbst.” Die erste Aussage nimmt Tow offenbar wirklich. Daraus entsteht Toves Forderung Timsle Ceres umbringen. Je mehr Zeit vergeht, desto härter wird der Ton von Twe gegenüber Tim. Sie schreibt, er würde es nicht hinbekommen und sei ein Verräter.
Letztendlich setzt Tims Anwalt genau hier mit seiner Verteidigungsstrategie an. Er versucht sich die SMS zu Nutzer zu machen. Die würden nämlich zeigen, so seine These, wie sehr Toe eigentlich der Motor hinter der Tat war und dass es ohne ihre Anstiftung gar nicht erst zur Ermordung von Ceres gekommen wäre.
Allerdings sieht man in anderen SMS deutlich, dass die Planung zu einem erheblichen Teil auch von Tim ausging. Vor dem Mord hat er seiner Freundin das hier geschrieben. Ich weiß genau, was ich tun werde. Werde sie bitten, mir zu helfen, mein Wodka zu finden. Und dann kommt der perfekte Moment, wenn sie sich bückt.
Bin total aufgeregt bis morgen früh. Sowohl Tim als auch Twe schuldig erklärt wegen des Mordes an Theres respektive der Anstiftung dazu. Ein Gutachten belegt zudem, dass keiner der beiden zum Zeitpunkt der Tat an einer psychischen Beeinträchtigung gelitten hat. Eine Freundin von Therese sagt einmal, sie hätte sich fast gewünscht, dass die Psychiater bei den beiden Tätern irgendwas finden würden, irgendeine Anomalie, eine Diagnose, wenn man dann wenigstens eine Erklärung hätte für das, was sie getan haben. Doch da ist nichts.
Im juristischen Sinne sind Tim und Tov ganz normale Teenager ohne irgendwelche psychologischen Probleme. Die Jugendlichen sind also voll schuldfähig. Aber sie sind eben auch genau das Jugendliche und deshalb erhalten sie das wohl kürzeste Mordurteil, das wir hier bei Insolito jemals besprochen haben. Ein Jahr und 8 Monate in einer geschlossenen Jugendstraftanstalt.
Dazu sollen sie Theres Familie Schadensersatz in Höhe von insgesamt 145 000 schwedischen Kronen zahlen. Umgerechnet sind das etwa 13500 €. Ich kann mir gut vorstellen, dass der eine oder die andere von euch ziemlich entsetzt über das Milde Urteil ist und die Eltern von Therese, Johanson Royo sind es auch.
Für die Familie von Therese fühlt sich das Strafmaß an wie ein Schlag ins Gesicht, wie ihr Onkel sagt. Schon vor dem Prozess war für sie klar, dass es niemals ein zufriedenstellendes Urteil geben könnte, aber die Kürze der Haftstrafe macht ihnen geradezu Angst. Theres Onkel sagt: “Die Familie ist unglaublich aufgebracht.
Es fühlt sich wie eine Verhöhnung an, als würde man das Vertrauen in die Justiz verlieren. Und auch die Mitschüler von Tim und Theresen schockiert. Eine Mitschülerin findet einen ganz treffenden Vergleich. Sie sagt das so: “Ein Jahr und 8 Monate, das ist als würden sie als Austauschüler ins Ausland gehen. Sie werden zurück sein, bevor wir das zweite Jahr der Oberstufe beginnen.
Es ist ja klar, dass das Strafrechtssystem in unseren Gefielten auf Resozialisierung ausgelegt ist. Wenn es um Jugendliche geht, sogar noch mehr. Es gibt ja nicht umsonst ein gesondertes Jugendstrafrecht. In einem Artikel von damals habe ich die Einschätzung von drei verschiedenen Experten zum Urteil gegen Zoro und Zim gefunden.
Ich dachte mir, ich nehme diese Einschätzung hier mal mit rein. Für den Kontext ist es in jedem Fall spannend zu hören, was sie zu sagen haben. Anders als die meisten von uns sind sie schließlich Experten und sind mit dem schwedischen Rechtssystem vertraut. Der Kriminologe und Journalist Leif Person sagt: “Es ist eine lange Strafe, die ganz im Einklang mit der Rechtspraxis steht.
Es kommt äußerst selten vor, dass junge Menschen so lange inhatiert werden. Normalerweise versucht man immer eine offenere Betreuungsalternative zu finden, aber ich kann mir vorstellen, dass die Eltern des Opfers das für völlig daneben halten. Etwas andere Worte findet hingegen Hans Klette, ehemaliger Professor für Strafrecht und Vorsitzende des schwedischen Verbandes für Opferhilfe.
Er findet, wir haben milde Strafen, aber ich finde, dass sowohl die Haftdauer als auch die Höhe des Schadensersatzes zu niedrig sind. Ich wäre nicht überrascht gewesen, wenn die Haftdauer doppelt so lange ausgefallen wäre. Sie halten sich sicherlich vollständig an die Rechtspraxis, aber die Frage ist, wie sinnvoll diese Art von Praxis ist.
Etwas diplomatischer und näher an Person schätzt Peter Alt in die Lage ein, der als Strafverteidiger arbeitet. Angesichts der Praxis und ihres Alters ist das angemessen. Obwohl es sich um ein abscheuliches Verbrechen handelt, erhalten Jugendliche Strafmilderung, weil die Gesellschaft möchte, dass sie wieder in das Leben zurückfinden.
Die Bürger finden die Strafe zu niedrig, aber ich bin anderer Meinung. Das hat nicht die Wirkung, die viele glauben. Lange Strafen brechen die Kriminalitätskurve nicht. So viiel also zu den Einschätzungen der Experten. Alle Rechtmäßigkeit zum Trotz legen die Eltern von Therese noch im Herbst 2009 Berufung ein und damit sind sie nicht allein, denn auch Torwe möchte vor das Berufungsgericht ziehen.
Aber nicht damit sie länger hinter Gitter kommt, versteht sich, sondern weil sie hofft freigesprochen zu werden. Im Januar 2010 geht also alles von vorn los. Der Fall wird abermals verhandelt, dieses Mal vor dem Berufungsgericht. Allerdings geht die Sache schnell über die Bühne. Es bleibt alles so, wie es ist.
Weder für Twe noch für Zim gibt es eine mildere oder höhere Strafe. Es bleibt für beide bei einem Jahr und 8 Monaten sowie einer Geldstrafe von insgesamt umgerechnet 13500 €. Damit sind sie zu ihrem 18. Geburtstag jeweils wieder frei und können in ein erwachsenen Leben starten, das Therese verwrt geblieben ist. Der Mordan Therese Johanson Royo hat in Schweden eine große Debatte über das Jugendstrafrecht und die dazugehörigen Haftzeiten ausgelöst.
Ist ja auch kein Wunder. Wie gesagt, das war ziemlich sicher die kürzeste Haftstrafe für einen Mord, die wir hier je besprochen haben. Interessant fand ich den Einwand des Strafverteidigers Peter Altin, dass lange Haftstrafen die Kriminalitätskurve nicht brechen will. Das ist ein spannender Punkt. Trotzdem ist es für mich schwer zu fassen, dass man das Ende eines Menschenlebens mit einem Jahr und 8 Monaten aufwiegt.
Ich habe da irgendwie immer das typische Bild von Justizia im Kopf, der Götter in der Gerechtigkeit, die eine Waage hält. Wenn auf der einen Seite ein verlorenes Menschenleben ist und auf der anderen eben ein Jahr und 8 Monate, habe ich Schwierigkeiten, mir dein Gleichgewicht der Waage vorzustellen. Der Mord an Therese springt in jedem Fall das Bild von Strafen, die wir für gerecht oder ungerecht halten.
Trotz allem würde ich mich freuen, den Kommentaren von euren Eindrücken zu der Sache zu lesen. Ganz nebenbei unterstützt sie auch so den Kanal, denn jegliche Interaktion erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Video Leuten vorgeschlagen wird, die in Solito noch nicht abonniert haben. Wenn ihr den Kanal noch weiter unterstützen wollt, abonniert mich gerne bei Patron.
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