Jeffrey Epstein: Die gesamte Wahrheit T – Part 11
Außerdem sind Chats zwischen Epstein und der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit aufgetaucht. Weitere politische Kontakte von Epstein in Norwegen sind ebenfalls in Bedrängnis geraten. In Ländern wie Großbritannien oder Norwegen gibt es also durchaus politische und diplomatische Konsequenzen. Trotzdem kommt es vielen so vor, als sei seit der Veröffentlichung der Falls viel zu wenig passiert.
Das schon angesprochene Problem ist, es gibt zu den Epstein Falls keine oder kaum Kontext. Aufgrund des Umfangs der Unterlagen und der zahlreichen Vorbehalte ergibt sich kein klares Gesamtbild. Man kann zwar jetzt mehr denn je über Verbindung und Verschwörungen mutmaßen, aber etwas Handfestes bekommen wir kaum aus den neuen Veröffentlichungen raus.
Dazu fehlen einfach Background und Überblick. Man kann aber deutliche Tendenz erkennen. In den Dokumenten finden sich verstreut Hinweise auf zahlreiche Frauen. Oft werden sie nicht mit Namen, sondern nur mit ihrem Alter, ihrer Nationalität, ihrer vermeintlichen Attraktivität oder anhand einzelner Körperteile beschrieben.
Teilweise sieht es so aus, als würde ganz offensichtlich in Codewörtern gesprochen werden. Frauen werden manchmal als Disney-Charaktere referenziert. In verschiedenen Foren diskutieren Internet-User aber auch über andere mögliche Code-Begriffe, wie etwa Pizza oder Cheese, was uns auch wieder zurück zu Verschwörungstheorien wie QAnon oder auch Pizzagate führt.
Genau aus diesem Milieu kommen Gerüchte zu einer Liste von Codewörtern. Man muss auch gar nicht nach Codewörtern suchen, um einschlägig geschmacklose Beschreibung zu finden. In einer Mail vom Januar 2013 bekommt Epstein z.B. Fotos von einer Modelagentur zugeschickt mit den Worten: “Neue Brasilianerin gerade angekommen. Sexy und süß.
19 Jahre alt.” In einer weiteren Mail aus dem Jahr 2009 an Epstein heißt es: “Habe gestern eine neue aus Russland kennengelernt. mir Bilder schicken. 22. Keine Agentur.” In einer wieder anderen E-Mail bedankt sich ein anonymer Absender bei Epstein für einen lustigen Abend und fügt hinzu: “Dein kleinstes Mädchen war ein bisschen frech.
” Und das sind nur drei Spiele von Hunderten, wenn nicht Tausenden. Sie passen auch zu dem, was das Wall Street Journal vermutet, dass Epstein sich nach seiner ersten Verurteilung wohl auf junge Erwachsene fokussiert haben könnte. Viele fragen sich, weshalb es im Zuge der Veröffentlichung der Epstein-Falls nicht zu mehr Anklagen und Verfahren gekommen ist.
Das Problem ist, wenn in den Dokumenten Vorwürfe strafbarer Handlungen auftauchen, wie eben Missbrauch durch andere Personen als Epstein, reicht das nicht unbedingt dafür aus, um ein Strafverfahren einzuleiten oder zu beweisen, dass eine Straftat begangen wurde. Die Rechtsexpertin Niema Remani erklärt das dem Portal CBC gegenüber so, dass es sich bei Anschuldigungen innerhalb der Akten quasi um Hörensagen handelt.
Für einen fundierten Anfangsverdacht bräuchte man aber Konkreteres, z.B. Zeugen, die bereit sind, unter Eid auszusagen. Zwar haben einige Betroffene Dritte in eidesstattlichen Erklärungen belastet, allerdings reicht laut Remani auch das vor Gericht noch nicht aus. Es bräuchte eine zusätzliche Aussage.
Und ob Betroffene das auf sich nehmen wollen, ist nun mal eine sehr persönliche und sensible Frage. Das betrifft selbst die Anschuldigungen gegen Epstein und Trump, die es 2016 gegeben hat. Diese wurden sowohl von der anonymen Klägerin Katie Johnson als auch von der ebenfalls anonymen Tiffany Dawn in eidesstattlichen Erklärungen dargelegt.
Laut Remani würde die Staatsanwaltschaft jedoch auch in diesem speziellen Fall sicherlich die mutmaßlichen Opfer vorladen. Wie sie erklärt, liegt das an der sogenannten Konfrontationsklausel der US-Verfassung. Die gewähre jedem strafrechtlich Angeklagten das Recht, seinen Anklägern ins Kreuzverhör zu nehmen.
Und das geht natürlich nur, wenn der Ankläger oder die Anklägerin persönlich erscheint und sich so einer Situation stellen möchte oder kann. Zwar sieht Remani die Möglichkeit, erstmal eine Strafverfolgung einzuleiten. Etwas zu beweisen würde aber schwieriger werden, wenn die mutmaßlichen Opfer selbst ihre Aussagen nicht noch einmal bestätigen.
Die spezifischen Vorwürfe von Katie und Tiffany wurden 2016 wieder fallen gelassen. Zuvor soll die anonyme Klägerin Katie Johnson massiv unter Druck gesetzt worden sein. Selbst wenn es andere Betroffene gibt, die nicht so gezielt eingeschüchtert worden sind. Man spricht hier immer noch über Frauen, die etwas Traumatische es erlebt haben und die sich gegen sehr wohlhabende und mächtige Männer stellen müssen.
Und die ersten Folgen dieser Reihe haben zur Genüge gezeigt, wie zermürbend und herausfordernd so etwas sein kann. Noch dazu kann es sein, dass mögliche Betroffene die Namen ihrer Täter gar nicht gekannt haben. Und das Justizministerium unternimmt auch nichts, um dabei zu helfen. Gegen die meisten Personen, die namentlich in den Falls auftauchen, gibt es im Zusammenhang mit Epstein gar keine bekannten Vorwürfe.
Trotzdem stellt sich unweigerlich die Frage, was enge Geschäfts- und Privatkontakte gewusst haben können. Aber einfach nur mit Epstein bekannt zu sein, ist noch kein Verbrechen. Im Fall Epstein haben die meisten durch Epsteins eigene Machenschaften ja wahrscheinlich schnell Sextrafficking von Kindern als mögliches Verbrechen im Kopf.
Und wegen so etwas Anklage zu erheben, gehört aber einiges dazu. So müsste man nachweisen, dass zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung eine Reise über Staatsgrenzen hinweg stattgefunden hat, mit einem Kind, das zu kommerziellen Zwecken missbraucht werden sollte. Und so etwas nachträglich nachzuweisen, wenn der Drahtzieher nicht mehr am Leben ist, gestaltet sich als schwierig.
Ein bloßes Gespräch über eine Reise zu Epsteins Insel, ein Flug in seinem Privatjet oder das Führen von geschmacklosen Gesprächen über Frauen reichen nicht aus, um einen Straftatbestand zu begründen. Eine Expertin sagt, das Verhalten von Epsteins Umfeld sei das, was man im Jargon “awful but lawful” nennt. Abstoßend, aber nicht strafbar.
Die Rechtsexpertin Cheryl Bader hält es für klar, dass Personen aus Epsteins Umfeld entweder wussten oder hätten wissen müssen, was er Mädchen und jungen Frauen angetan hat. Aber sie betont auch, eine ethische Verantwortung zu haben, sich zu Wort zu melden, ist etwas anderes als strafrechtlich schuldig zu sein.
Auch sie schätzt es so ein, dass die Staatsanwaltschaft mehr nachweisen müsste, als nur dass jemand gewusst hat, dass eine andere Person, wie etwa Epstein, Verbrechen begeht. Das zählt noch nicht als Beihilfe zu einer Straftat. Wenn man so eine Beihilfe nachweisen könnte, oder dass jemand den Tätern die Mittel oder wesentliche Unterstützung für die Verbrechen zur Verfügung gestellt hat, wäre das etwas anderes.
Aber bislang wäre nicht öffentlich bekannt, dass die Ermittlungsbehörden in den ausreichend Beweise für neue Anklagen im Epstein Komplex haben. Außerhalb der USA tut sich ja doch einiges. In Großbritannien beispielsweise hat die Polizei am Anfang des Jahres den ehemaligen Prinzen Andrew vorübergehend festgenommen, ebenso wie den Politiker Peter Mandelson.
Auch wenn es hier ausdrücklich nicht um Missbrauchsvorwürfe ging, sondern um Korruptionsdelikte. Auch Behörden in Frankreich und Norwegen haben Ermittlungen aufgenommen. In den USA zum Zeitpunkt dieser Aufnahme kein weiteres Verfahren in Aussicht. Vertreter des Justizministeriums haben erklärt, auf Grundlage der Materialien aus den jüngsten Enthüllungen keine weiteren Anklagen zu erheben.
Wie die New York Times Anfang März 2026 berichtet, hat die Staatsanwaltschaft keine Beweise gefunden, wonach Epstein minderjährige Mädchen anderen Personen als sich selbst zugeführt hatte. Es sei jedoch unklar, so die Times, ob die Staatsanwaltschaft auch untersucht hat, ob Epstein junge Frauen an andere Männer vermittelt hat.
In der Folge zu Epsteins Tod erklärt, hat er sein Testament noch zwei Tage vor seinem Lebensende ändern lassen. Als Nachlassverwalter hat er Darren Indyke und Richard Kahn eingesetzt, zwei langjährige Angestellte. 2020 haben Indyke und Kahn als Mitvollstrecker von Epsteins Testament ein Programm zugesagt, das den Überlebenden von Epsteins Gewalt helfen soll.
Das Jeffrey Epstein Victim Compensation Programm bietet den Frauen die Möglichkeit finanzielle Entschädigung für den erlittenen Missbrauch zu erwirken. Zudem wurde ein unabhängiger Verwalter eingesetzt. Laut Gerichtsunterlagen erhielten bis heute 136 Frauen insgesamt 121 Millionen Dollar aus dem Nachlass von Epstein.
Weitere 59 Ansprüche von anderen Überlebenden wurden mit insgesamt 48 Millionen Dollar abgewickelt. Weiterhin hat sich Epsteins Nachlass laut Gerichtsakten bereit erklärt, bis zu 35 Millionen Dollar an Überlebende zu zahlen, die sich geweigert hatten, sich für das Entschädigungsprogramm anzumelden. Diese Überlebenden hatten zuvor Indyk und Kahn persönlich verklagt mit der Behauptung, die beiden hätten die Verbrechen von Epsteins zu dessen Lebzeiten begünstigt.
Zum Zeitpunkt der Aufnahme steht ein Update in dieser Sache noch aus. Allerdings heißt es in Gerichtsunterlagen auch, dass Indyk und Kahn Gelder aus Epsteins Nachlass zur Begleichung der Anwaltshonorare und Kosten anderer Mitverschwörer freigegeben hätten. Indyk und Kahn bestreiten das auf Anfrage gegenüber der BBC.
Für Betroffene von Epsteins Gewalt ist das Entschädigungsprogramm nach dem Tod des Täters oft die einzige Chance auf eine Anerkennung ihrer Traumata. Noch dazu stammen viele der Betroffenen aus strukturschwachen Familien und sind durch das, was ihnen widerfahren ist, tiefer in solche Muster hineingerutscht.
Und von den Kosten für eine umfangreiche Therapie in einem Land, in dem die Krankenversicherung so gestaltet ist, wie in den USA, muss ich gar nicht erst anfangen. Das Geld aus dem Programm ist für die Betroffenen eine Möglichkeit, zurück in ihr Leben zu finden. Und wenn ihnen die Summe überhaupt erst ausgezahlt wird, ist das ein implizites Eingeständnis, dass ihre Vorwürfe wahr sind.
Genau deshalb ist das Jeffrey Epstein Victim Compensation Program für sie ungemein wichtig. Viele Betroffenen machen auch heute noch auf Lücken im Opferschutz aufmerksam oder setzen sich für die Rechte von Frauen und Kindern ein. Mit Virginia Giuffre wollte die vielleicht prominenteste Epstein-Anklägerin eine Organisation gründen, die sich gegen Human Trafficking einsetzt.
Die Soar: Speak Out, Act, Reclaim. Allerdings hat sich Virginia Giuffre 2025 das Leben genommen. Ihre Autobiografie ist postum Ende desselben Jahres erschienen. In dem Buch schildert Virginia neben den Missbrauchserfahrungen durch Epstein auch andere Formen intimer Gewalt, unter anderem durch direkte Familienmitglieder. Sie schreibt auch über schwere gesundheitliche Probleme, die sie auf körperlicher und psychischer Ebene hatte, insbesondere seit den 2020ern.
Diese gesundheitlichen Leiden waren so stark, dass sie zwei Versuche unternommen hat, wie sie es selbst in dem Buch schildert. Zudem erhob sie zuletzt Vorwürfe der häuslichen Gewalt gegen ihren Mann, der auch der Vater ihrer drei Kinder ist. Der wiederum erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen Virginia, die es ihr verbot, Kontakt zu ihren Kindern aufzunehmen.
Heute ist Virginias Vater der wohl prominenteste Verfechter der Theorie, sie habe ihrem Leben nicht selbst ein Ende gesetzt, sondern sei ermordet worden. In ihren Memoiren beschreibt Virginia ihn als den ersten Mann, der sie missbraucht hat. Er hat die Vorwürfe immer zurückgewiesen. Zuletzt hatten beide jahrelang keinen Kontakt zueinander.
Virginias Tod wurde von der australischen Polizei als Freitod bestätigt. Ihr Schicksal ist vielleicht das prominenteste unter den Betroffenen. Neben ihr gibt es Dutzende bis Hunderte weiterer Frauen, die unter Epsteins Machenschaften gelitten haben und bis heute für einen gerechten Umgang mit Missbrauch kämpfen.
Ich glaube, diese Zusammenfassung zeigt, dass noch einiges zu tun ist. Es stehen derzeit weitere Einberufungen von Zeugen vor einem Ausschuss aus. Ob diese Anhörungen Licht ins Dunkle bringen werden, kann ich euch nicht vorhersagen, aber ich denke, ich kann euch versprechen, dass der Fall Epstein uns noch lange begleiten wird.
Und damit sind wir am Ende des heutigen Videos und der Videoreihe. Nächste Woche wird es noch einmal ein Zusammenschnitt von allen Folgen geben. So habt ihr ein extrem langes Video und wir können mal eine Woche Pause machen. Ich hoffe, ihr versteht das. Ich glaube, es ist ein Win-Win, denn wir sind auch mit dem Thema Epstein jetzt erstmal durch.
Das war wirklich eine der anstrengendsten Reihen und anstrengendsten Zeiten, die wir bei Insolito bisher hatten. Für jeden von uns. Sollte es aber irgendwann Updates geben, die nennenswert sind, werden wir das natürlich machen. Ich bin gespannt, was ihr zu der Videoreihe sagt und zu Videoreihen allgemein.
Sollen wir sowas öfter machen, also mehrere große Teile zu einem Fall, oder seid ihr zufrieden, wie es bisher immer gelaufen ist, also ein Video zu einem Fall? Schreibt mir das gerne in die Kommentare. Ansonsten gibt es nicht mehr viel zu sagen. Ach so, doch. Wenn ihr mich noch weiter unterstützen wollt, abonniert mich gerne bei Patreon.
Den Link dazu findet ihr in der Infobox. Da bekommt ihr die Videos 24 Stunden früher ohne Zensur und ohne Werbung. Jetzt gibt es wirklich nicht mehr viel zu sagen. Ich wünsche euch noch einen guten Morgen, Mittag oder Abend oder je nachdem, wann ihr das Video seht und hoffe, dass wir uns im nächsten Video wiedersehen. Bis dahin. Ciao, Leute.
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