Jeffrey Epstein: Die gesamte Wahrheit T
Jeffrey Epstein: Die gesamte Wahrheit
An Manhattans Upper East Side, wo sich einige der teuersten Immobilien der Welt befinden, steht das Kronjuwel der Townhouses der Stadt. Heute gilt es als Manhattans größte Privatresidenz. Im Inneren, inmitten der Hektik von Bediensteten in schlichten schwarzen Anzügen und makellosen weißen Handschuhen, hat man das Gefühl, in jemandes privates Xanadu geraten zu sein.
Das ist nicht nur das Zuhause eines reichen Menschen, sondern eine hochmütige elektrische Fantasiewelt, die keine Grenzen zu kennen scheint. Die Eingangshalle ist nicht mit Gemälden geschmückt, sondern mit Reihen von einzeln gerahmten Augäpfeln, die, wie der Besitzer seinen Gästen genüsslich erzählt, aus England importiert wurden, wo sie für verwundete Soldaten hergestellt wurden.
Als Nächstes folgt ein Marmor-Foyer, in dem tatsächlich ein Gemälde im Stil von Jean Dubuffet hängt. Aber der Gastgeber weigert sich verschmitzt, den Besuchern zu verraten, wer es gemalt hat. Auf jeden Fall wirken die Gäste neben der nahe gelegenen doppelt so großen Skulptur eines nackten afrikanischen Kriegers wie Zwerge. So beginnt ein Artikel der Journalistin Vicky Ward, der 2003 in einer Ausgabe des Magazins Vanity Fair erscheint.
Der Artikel trägt die Überschrift “The Talented Mr. Epstein”, eine Anspielung auf das Buch und den Film “Der talentierte Mr. Ripley”. In der Geschichte geht es darum, wie sich ein junger Mann in die Welt der Reichen und Schönen einnistet und nach und nach zu mehr Macht und Kontrolle über sie kommt. Dass dieser Artikel schon 2003 veröffentlicht wird, ist rückwirkend verblüffend, denn Vicky Ward scheint Dinge zu erkennen, die anderen Personen erst Jahrzehnte später auffallen.

Schon damals möchte die Journalistin herausfinden, wie Jeffrey Epstein zu seinem Reichtum gekommen ist. Epstein gilt damals als Finanzmogul, Philanthrop und angesehenes Mitglied der High Society mit Verbindungen in die oberste Liga in Sachen Finanzen, Politik und Entertainment. In dem Artikel werden auch Aspekte skizziert, für die wir den Namen Epstein heute kennen.
Ausufernde Veranstaltungen, eine wichtige Verbindung zu Ghislaine Maxwell und die Tatsache, dass bei Epsteins Dinnerpartys Zitat immer schöne Frauen da sind, meistens junge. Diese Punkte sind in dem Artikel nur Randnotizen. Heute, mehr als 20 Jahre später, bewegen sie die ganze Welt, weil wir langsam erahnen können, was hinter dieser Randnotiz steckt.
Je mehr über Jeffrey Epstein und die sogenannte Epstein-Falls bekannt wird, desto mehr Fragen scheinen aufzutauchen. Es sind Fragen, die man sich auch 2003 schon gestellt hat. Heute sind sie aus gegebenem Anlass aber drängender denn je. Der Artikel geht weiter mit den Worten: Epsteins Vorteil ist, dass niemand ihn oder seine Geschichte wirklich vollständig zu kennen scheint und auch nicht weiß, woraus seine Ressourcen tatsächlich bestehen.
Er hat es sorgfältig so arrangiert, dass er eines der wenigen wirklich rätselhaften Geheimnisse in der Welt der New Yorker Geldelite bleibt. Die Leute wissen Bruchteile, aber nur wenige kennen das Ganze. Auch heute kennen wir das Ganze noch nicht, aber wir wissen deutlich mehr. Und genau darum soll es heute gehen. Das hier ist die erste Folge einer Serie, für die acht Folgen vorgesehen sind.
Das Ziel ist es, die Thematik Epstein so aufzuarbeiten, dass jeder einen grundlegenden Wissenstand zu dem Thema haben kann, das die Medien seit Monaten dominiert. Es ist gerade schwierig, einen Überblick über das Thema zu behalten, vor allem, wenn man auf Social Media unterwegs ist, wo neben vielen legitimen Auszügen aus den Akten auch viele Halbwahrheiten und KI-Fakes herumschwirren.
Einen Anspruch auf Vollständigkeit kann ich hier nicht bieten, aber ich kann versuchen, objektiv für euch zu recherchieren und Informationen zusammenzufassen, die in diesen Tagen schnell untergehen. Leider scheint es in diesem Fall so zu sein, dass die Täter besser geschützt werden als die Opfer.
Unter anderem deshalb werden die Videos aus dieser Reihe etwas anders sein, als ihr es von Insolito gewohnt seid. Der Fokus wird sich zwangsläufig von den Geschädigten auf die Täter verschieben. Das passiert nicht, um den Geschädigten ihre Stimme zu nehmen oder von ihnen abzulenken, sondern im Gegenteil.
Es geht mir darum, zu versuchen, die Thematik so aufzuarbeiten, dass verständlich ist, was überhaupt passiert ist und vor allem, wie das alles passieren konnte. Dazu gehört in diesem speziellen Fall eben auch eine Beleuchtung des Täter-Netzwerks. Dennoch werden wir im Laufe der Serie natürlich auch noch von Mädchen und Frauen hören, die unter Epstein und seinen Machenschaften leiden mussten und die bis heute für einen fairen Umgang und eine Aufarbeitung kämpfen.
In diesem Zusammenhang gilt auch, in den meisten Folgen werden mehr oder weniger explizite Dinge besprochen, die nicht einfach zu verdauen sind. Eine allgemeine Triggerwarnung ist bei diesem Thema angebracht. Passt also beim Anhören oder Anschauen der Videos auf euch auf. Ich bemühe mich aber um Sachlichkeit. Vor allem in dieser Folge werden sehr viele Namen fallen und Beziehungen erklärt.
Ich versuche natürlich, euch alles so übersichtlich wie möglich zu erzählen und zu zeigen. Ihr werdet euch nicht jeden einzelnen Namen merken müssen, aber es ist wichtig, einzelne Verbindungen aufzuzeigen, damit ihr nachvollziehen könnt, wie Jeffrey Epstein überhaupt in eine Position gekommen ist, die seine Machenschaften ermöglicht hat.
Denn genau darum wird es in dieser ersten Folge gehen, um einen Aufstieg, über den bis heute nicht alle Details bekannt sind. Jede der Folgen in dieser Videoreihe könnt ihr auch unabhängig von den vorangegangenen oder nachfolgenden anschauen. Oder ihr seht euch die Serie von Anfang an. Das hier ist Folge 1.
Wer ist Jeffrey Epstein? Wir befinden uns in den USA der 60er Jahre, genauer auf Coney Island, eine Halbinsel im Süden von New York City. Der Artikel, der 2003 in der Vanity Fair veröffentlicht wird, liegt noch in weiter Ferne. Hier auf Coney Island wächst damals der Mann auf, um den es in dem Artikel geht und dessen Name heute wohl jeder kennt.
Doch noch ist von Augäpfeln und säuren Gemälden an den Wänden keine Rede. Damals deutet noch nicht viel auf das hin, was einmal aus diesem jungen Mann werden wird, vielleicht mit Ausnahme seiner Ambition. Eine Klassenkameradin berichtet, er habe ihr einmal zu Schulzeiten gesagt, er werde eines Tages sehr reich werden.
Damit soll der junge Jeffrey Epstein Recht behalten. Er wird am 20. Januar 1953 als Sohn von Paula und Seymour Epstein geboren. Seymour Epstein arbeitet erst für die Hausabrissfirma seines Vaters, später für das New Yorker Parks Department. Paula arbeitet ebenfalls und kümmert sich ansonsten um den Haushalt und die Erziehung der Kinder.
1954 kommt mit Jeffreys Bruder Mark Epstein der zweite Sohn der Epsteins zur Welt. Das klingt erst einmal verblüffend normal und sofern wir das wissen, ist die Jugend von Epstein das auch. Mutter, Vater und die zwei Söhne bilden eine ganz normale New Yorker Mittelklasse-Family. Sowohl Jeffrey als auch Mark machen sich gut in der Schule, vor allem in Mathe.
Nach seinem Abschluss belegt Jeffrey Epstein zwischen 69 und 71 Physik-Kurse am College Cooper Union. Einen Abschluss macht er dort jedoch nicht. Er wechselt 71 für Mathe-Kurse ans Courant Institute, das er ebenfalls ohne einen Abschluss verlässt. Trotzdem gelingt ihm schon an diesem Punkt ein verblüffender Karriereschritt, auf den viele weitere folgen werden.
Denn 1973 beginnt Epstein Mathe und Physik an der Dalton School zu unterrichten. Dalton ist keine normale Schule, sondern eine Privatschule. Im aktuellen Schuljahr liegen die Gebühren bei gut 64.000 Dollar pro Jahr. Das dürfte euch eine ganz gute Vorstellung davon geben, was für Familien ihre Kinder an so einer Schule anmelden.
In Rankings der besten Privatschulen der USA landet Dalton regelmäßig ganz vorn. Der damalige Schulleiter Donald Barr nimmt es mit den Bildungshintergründen seiner Lehrkräfte nicht ganz so genau. Solange sie etwas von ihrem Fach verstehen und interessante Persönlichkeiten sind, können sie an der Dalton School unterrichten.
Auch wenn sie wie Epstein nicht mal einen Abschluss in dem Fach haben, dass sie den Schülern näher bringen sollen. Unter den Schülern ist der damals erst 21 Jahre alter Epstein sehr beliebt. Er coacht das Mathe-Team der Schule und wirkt an der Produktion eines Schulmusicals mit. Er soll mindestens einmal sogar auf einer privaten Party seiner Schüler zu Gast gewesen sein.
Während er sich allgemein großer Beliebtheit erfreut, gibt es auch ein paar einzelne Schüler, denen der junge Mathe- und Physiklehrer komisch vorkommt. Er soll des Öfteren mit dem weiblichen Teil der Schülerschaft geflirtet haben. Einigen ist aufgefallen, dass er vor allem zu einer Schülerin School eine ungewöhnlich enge Bindung zu haben schien.
Später sagt eine Schülerin zudem anonym, Epstein habe versucht, außerhalb der Schule Zeit mit ihr zu verbringen. Deshalb und wegen der Nähe von Epstein zu einer anderen Schülerin, hat sie die Sache laut eigener Aussage dem Schuldirektor gemeldet. Das war zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr Donald Barr, sondern ein Mann namens Gardner Dannen.
Der will aber nie etwas von einem angeblichen Fehlverhalten von Epstein in seiner Zeit als Lehrer gehört haben. An dieser Stelle ist eine Randnotiz wert, dass Dannen selbst einige Zeit später unangemessenes Verhalten vorgeworfen wird. Eine ehemalige Schülerin gibt an, Dannen habe sie im Alter von 14 Jahren eingeladen, bei ihm einzuziehen.
Er habe sie wiederholt sexuell missbraucht. Dannen bestreitet die Vorwürfe und eine Klage wurde fallen gelassen. Ob da nun etwas dran ist oder nicht, davon, dass Epstein Schülern zu nahe gekommen sein soll, will dieser Mann nichts mitbekommen haben. Schon jetzt, ganz am Anfang, sehen wir also ein Muster, das sich im weiteren Verlauf der Geschichte wiederholen wird.
Eben das angeblich niemand etwas gewusst haben will. Anfang 1976 macht der junge Jeffrey Epstein eine wertvolle Bekanntschaft. Der Vater eines Schülers hat ihn zu einer Kunstausstellung in Manhattan eingeladen. Bei dieser Ausstellung trifft er auf Eltern eines anderen Schülers. Es entsteht eine Unterhaltung über die Mathekenntnisse von Epstein und die Frage, ob ein Job an der New Yorker Wall Street nicht viel eher etwas für ihn wäre als ein einfacher Schuljob.
An einer Schule wie Dalton sei er doch sicherlich unterfordert. Die Eltern des Schülers stellen einen der ersten sehr wichtigen Kontakt in Epsteins Biographie her, den zu Ace Greenberg. Ace Greenberg ist 1976 ein hohes Tier bei Bear Stearns und wird dort in den nächsten zwei Jahren zum CEO aufsteigen. Bear Stearns ist damals eine große Investmentbank und eine Brokerfirma an der Wall Street.
Ace Greenberg lädt Jeffrey Epstein auf die Empfehlung von den Eltern seines Schülers hin zu einem persönlichen Treffen ein. Bei einem zweiten Meeting ist auch ein weiterer Geschäftsmann von Bear Stearns dabei, Michael Tenenbaum. Sowohl Greenberg als auch Tenenbaum sind von Epstein überzeugt und das, obwohl er keinerlei Erfahrung an der Börse oder im Finanzwesen überhaupt hat.
Wie Tenenbaum seinen Eindruck zusammenfasst: “He was one hell of a salesman.” Also bieten die beiden ihm an, bei Bear Stearns einzusteigen. Dieses Angebot kommt für Epstein gerade gelegen, denn er wurde von der Dalton School freigestellt. Nicht wegen seiner zweifelhaften Nähe zu minderjährigen Schülern, sondern weil die Schulverwaltung dann doch Zweifel an seinen Unterrichtsmethoden hatte.
Für Epstein ist das kein Verlust, denn nun landet er direkt an der Wall Street. Als frischgebackener Salesman verdient Epstein damals gut 25.000 $ im Jahr. Nach heutigen Werten wären das 140.000 $. Nachdem das Lehrergehalt in USA im Vergleich üblicherweise schmal ausfällt, ist das ein großer Sprung nach vorn.
Doch Epstein arbeitet nicht mal ein Jahr bei Bear Stearns, als wieder etwas passiert, was uns im weiteren Verlauf dieser Serie noch öfter begegnen wird. Es fällt eine Unregelmäßigkeit auf, die sich niemand erklären kann. 1977 bekommt Michael Tennenbaum aus der Personalabteilung von Bear Stearns einen Anruf.
Dort hat man sich den Lebenslauf vom neuen Star Salesman Epstein noch mal genauer angesehen. In dem Dokument hatte er angegeben, zwei Abschlüsse von Universitäten zu haben. Allerdings hat die Personalabteilung bei diesen Universitäten mal nachgefragt und an keiner war Jeffrey Epstein jemals auch nur eingeschrieben. Denn wie wir aus dem ersten Kapitel wissen, er hat ja gar keinen Hochschulabschluss.
Das gesteht er seinem Vorsitzenden Michael Tennenbaum erst, als dieser ihn mit der Lebenslauflüge konfrontiert. Epstein sagt, er habe einfach gewusst, dass ihm ohne Uniabschluss niemand bei Bear Stearns eine Chance gegeben hätte, Verkaufstalent hin oder her. Also habe er sich etwas zusammengelogen. Michael Tennenbaum lässt sich von Epsteins plötzlicher Ehrlichkeit nach dieser dreisten Lüge entwaffnen.
Epstein kommt unbeschadet aus der Sache raus. Er behält seinen Job bei Bear Stearns und kann sich so weiter mit allerhand reichen Leuten an der Wall Street vernetzen. Wie genau das passiert ist und was Epstein in den nächsten Jahren gemacht hat, ist bis heute Gegenstand vieler Verschwörungstheorien. Solche Theorien werden uns noch durch die gesamte Reihe begleiten.
Das Ziel der Videos soll aber gerade sein, dass ihr am Ende den Unterschied zwischen Theorien und bewiesenen Tatsachen erkennen könnt. Wir wollen uns auf letztere konzentrieren. Die New York Times hat Ende 2025 eine umfangreiche Recherche zu der Frage veröffentlicht, die euch nach diesem ersten Kapitel bestimmt alle umtreibt.
Wenn Jeffrey Epstein doch ein ganz normaler Mittelklassetyp war, wie ist er dann später A zu so prominenten Bekanntschaften und vor allem B zu so viel Geld gekommen. Laut den Recherchen der Times ist Jeffrey Epstein ein Zitat unerbittlicher Betrüger. So viel konnten sich sicherlich einige von euch schon denken, aber die konkreten Mechanismen, mit denen er zu Geld gekommen sein soll, sind sehr spannend.
Es gibt viele Theorien dazu, Epstein könnte von Anfang an für Geheimdienste gearbeitet haben und so reich geworden sein. Man kann in diesem Fall bestimmt nichts mehr komplett ausschließen, aber die Recherchen geben tatsächlich ein recht aufschlussreiches Bild davon ab, wie Epstein zu seinem Geld gekommen ist.
Eine große Verschwörung war demnach dafür nicht nötig, sondern einfach nur eine heftige Dreistigkeit und Skrupellosigkeit. Und manchmal sind auch die bösesten Personen in ihrem Handeln sehr banal. Epstein hat während seiner ersten 20 Jahre an der Wall Street z.B. gezielt Spesenabrechnungen missbraucht. Eine Spesenabrechnung ist die Abrechnung von beruflichen Ausgaben wie Reisekosten, Verpflegung oder Unterkunft bei Dienstreisen.
Arbeitnehmer strecken privat vor, der Arbeitgeber gibt dann was zurück. Ein einfaches Prinzip, bei dem Epstein wohl gerne an den Zahlen gedreht haben soll. Beim Aufenthalt wegen einer Konferenz in der Karibik hatte z.B. 10.000 $ für Schmuck und Outfits für seine damalige Partnerin ausgegeben.
Dafür hat er dann der Firma eine Rechnung geschrieben. Das ist der Finanzabteilung durchaus aufgefallen und man hat Ace Greenberg, inzwischen CEO, Bescheid gesagt. Konsequenzen hat es aber keine gegeben. Zudem soll Epstein im Rahmen seiner Tätigkeit Insidergeschäfte manipuliert haben, um anderen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Stück für Stück hat er sich vorangetastet, womit er noch durchkommen kann. Und so hat er sich offenbar nach und nach ein beachtliches Vermögen angehäuft. Während er anfangs mit Summen im vier- oder niedrigen fünfstelligen Bereichen gespielt hat, werden diese Summen mit den Jahren schneeballartig immer höher. Besonders wichtig soll dabei seine Beziehung zu einem Mann namens Jimmy Cayne gewesen sein, der ebenfalls über Ace Greenberg zu Bear Stearns gekommen ist.
Schon damals gingen Gerüchte in der Firma rum, dass Epstein Kane dabei geholfen haben soll, Frauen kennenzulernen und dass er für Kane Drogen besorgen würde. Im Gegenzug habe Kane seine eigenen Kontakte spielen lassen und Epstein Leuten aus der Wirtschaft vorgestellt. Und das Knüpfen von Kontakten ist in diesen Zeiten für Epstein das Allerwichtigste.
Schon zu diesem Zeitpunkt soll Epstein Frauen ausgenutzt haben, um seine Positionen abzusichern. Er hat z.B. direkt nach seiner Anstellung bei Bear Stearns angefangen, die Tochter von Ace Greenberg zu daten. Den großzügigen Spesenabrechnungen oder den Insidergeschäften ein Auge zugedrückt wurde. Nach vier Jahren bei Bear Stearns ist Epstein voll in der New Yorker High Society angekommen.
Durch seinen Job an der Wall Street konnte sich ein solides Netzwerk aufbauen. Und dadurch wiederum Einladungen zu Partys, lukrativen Business Deals und neuen Klienten. 1980 ernennt ihn das Frauenmagazin Cosmopolitan zum Junggesellen des Monats. Im Alter von 27 Jahren mit den richtigen Kontakten und einem inzwischen verdoppelten Gehalt wegen einer Beförderung wird Epstein von der Presse zum Frauenschwarm ernannt.
Schon in diesen Tagen wechselt er oft die Partnerin. Die Beziehung zur Tochter von Ace Greenberg ist da nicht von Dauer. 1981 wird bei Bear Stearns eine interne Untersuchung gegen Epstein eingeleitet. Er hat seiner damaligen Freundin Zugriff auf firmenexklusive Aktiendeals gegeben und gegen seine Auflagen als Broker verstoßen, als er einem Freund 15.
000 Dollar geliehen hat. Als Konsequenz dieser internen Untersuchung soll Epstein 2.500 Dollar Strafe an die Firma zahlen und wird zwei Monate suspendiert werden. Epstein, der die Vorwürfe abstreitet, kündigt stattdessen einfach. Er hat in den fünf Jahren bei Bear Stearns genug Kontakte an der Wall Street und darüber hinaus gesammelt, um weiterhin Geld machen zu können.
Zudem wird er mindestens von Jimmy Kane weiterhin gedeckt. 20 Jahre später, 2003, sagt der: “Jeffrey Epstein hat Bear Stearns aus eigenem Antrieb verlassen. Kein Mitglied der Geschäftsleitung hat ihm jemals nahegelegt, das Unternehmen zu verlassen. Und die Geschäftsleitung hat niemals Unregelmäßigkeiten seinerseits untersucht.
Jeffrey sagte ausdrücklich: “Ich möchte für niemanden anderen arbeiten. Ich möchte für mich selbst arbeiten.” Mindestens, dass die Geschäftsleitung niemals Unregelmäßigkeiten zu Epstein untersucht hat, stimmt ja einfach nicht. Doch das wird erst Jahrzehnte später rauskommen. Für den Moment hat Epstein wieder mal Rückendeckung und einen ausstehenden Bonus von etwa 100.
000 Dollar, der ihm trotz seines Abgangs noch ausgezahlt wird. Epstein sucht sich nicht sofort einen neuen Job. Stattdessen reist er mit seiner damaligen Partnerin Paula Hale nach England. Paula ist selbst an der Wall Street tätig und auch bestens vernetzt. So stellt sie ihm während der Englandreise ihren alten Freund Nick Lees vor, der Epstein wiederum seinem Vater Douglas Lees vorstellt.
Und er ist ein Rüstungsunternehmer mit entsprechend wertvollen Kontakten. Epstein wird ein guter Familienfreund der Lees. Er reist regelmäßig nach England und gibt einem der jüngeren Söhne Nachhilfe. Im Gegenzug nimmt Douglas Lees ihn mit zu wichtigen Geschäftspartnern und macht Epstein zu einem seiner Berater. Wieder einmal konnte sein Jobverlust also durch seine Kontakte aufgefangen werden.
Mit dem engen Kontakt zu der Familie von Douglas Lees dürfte es Epstein nun gelingen, auch auf der anderen Seite des Atlantiks ein Netzwerk aufzubauen. Als Rüstungsunternehmer gehen die Kontakte von Lees bis in die oberste Riege der britischen Gesellschaft. Übrigens endet die Freundschaft mit den Lees später im Streit, denn Überraschung, nach einigen Jahren bemerkt Douglas Lees, dass Epstein ihn finanziell ausgenutzt haben soll.
Mal wieder die Spesenabrechnung, auf denen nicht nur Restaurantbesuche oder Flugtickets auftauchen, sondern gleich Übernachtungen in Luxushotels und Flüge mit Privatjets. Daheim in New York hat sich Epstein inzwischen mit einem Anwalt namens John Pottinger zusammengetan. Gemeinsam sollen die zwei ebenfalls als Berater tätig gewesen sein und fleißig Tipps verteilt haben, wie man am besten steuerliche Abzüge vermeidet.
Einige der neuen Klienten soll Epstein schon während seiner Zeit bei Bear Stearns getroffen haben. Er hat den Kontakt zu ihnen gehalten und als Klienten für seinen eigenen Service gewinnen können. Sowieso soll Epstein seine Anstellung bei Bear Stearns noch lange ausgenutzt haben, obwohl er ja nicht mehr dort gearbeitet hat.
Das hat auch deshalb geklappt, weil er trotzdem noch mit Leuten befreundet war, die in der Firma gearbeitet haben. Und über diese Kontakte kommt 1982 der erste richtig große mutmaßliche Scam zustande. Ein ehemaliger Kollege von Bear Stearns überzeugt einen Geschäftspartner namens Michael Stroll, 10% seines Vermögens an Epstein zu geben.
Epstein würde die 450.000 $ dann in ein angebliches Rohölgeschäft investieren und Michael Stroll würde am Ende ein dickes Plus machen. Dieses Rohölgeschäft hat es wohl so nie gegeben und zwei Jahre später ist der Großteil des Geldes von Michael Stroll weg. Stroll zieht daraufhin sogar gegen Epstein vor Gericht.
Das Ganze zieht sich bis 1993, als ein Richter bestimmt, Epstein sei nicht persönlich haftbar. Das Geld ist also für Michael Stroll futsch und Epstein konnte die Summe mutmaßlich für seine eigenen Zwecke verwenden. In dem Moment, als Stroll Epstein die 450.000 $ anvertraut hat, hat er ihm vermutlich unwissentlich die finanzielle Basis für alles gegeben, was noch folgen wird.
Zum Millionär wird Epstein aber durch eine andere Connection. Über seine Kontakte hat Epstein mittlerweile seine Freundin Eva Andersson kennengelernt, mit der 11 Jahre lang zusammen sein wird. Trotzdem hat er parallel auch etwas mit anderen Frauen. Z.B. mit der spanischen Schauspielerin Ana Obregón. Genau durch diese Affäre knackt Epstein womöglich seine Millionen Marke.
Als er gerade Anna Obregon datet, bricht die Maklerfirma Drysdale Securities zusammen und das Geld mehrerer Investoren ist wie vom Erdboden verschluckt. So auch das Geld von der Familie von Anna Obregon. Die Obregons und ein paar weitere Familien erfahren über Anna vom vermeintlichen Finanzwunderkind Epstein.
Sie beauftragen ihn damit, die verschwundenen Millionen für sie wieder aufzuspüren. Und man weiß bis heute nicht wie, aber es gelingt ihm. Und für diesen Erfolg erhält er natürlich eine Kompensation, die bei der Ausgangssumme nicht unerheblich gewesen sein dürfte. Nun ist Epstein, der früher Angestellter war, Kunde bei Bear Stearns.
Er beauftragt seine ehemaligen Kollegen in seinem Auftrag Aktien und Fonds zu kaufen und zu verkaufen. Genügend Kapital hat er durch die Obregon-Kompensation und den Öl-Skandal. Und das vermehrt sich an der New Yorker Börse zusehends. Durch seinen regelmäßigen Kontakt mit Bear Stearns lernt Epstein 1986 dort eine Sekretärin namens Patricia Scheschach kennen.
Sie ist damals 23, er 10 Jahre älter. Vorgestellt wurden die beiden einander von Epsteins ehemaligen Kollegen Clark Schuba. Clark Schuba hat Epstein etwa zur selben Zeit mit einer weiteren Mitarbeiterin bei Bear Stearns bekannt gemacht, Susanna Urch. Sowohl Patricia als auch Susanna sind jung, gut aussehend und vor allem direkte Kontakte zu Bear Stearns.
Über sie hat Epstein mutmaßlich Zugriff in die Bücher der Firma und zu Insider-Infos. Später wird Susanna Urch eine enge Freundin von Melania Trump und heiratet Woody Johnson, den Donald Trump während seiner ersten Amtszeit zum britischen Botschafter ernannt hat. Ende der 80er ist Epstein weiterhin als Finanzberater tätig, unter anderem für seine Geschäftsbekanntschaft Steven Hoffenberg.
Gemeinsam sollen die beiden versucht haben, Unternehmen aufzukaufen. Um Kapital dafür zu generieren, hat Hoffman ein Schneeballsystem aufgebaut, mit dem er Klienten insgesamt 500 Millionen Dollar abgezogen haben soll. Er wurde dafür später zu 20 Jahren Haft verurteilt und behauptet vor Gericht, Jeffrey Epstein habe dieses Schneeballsystem mit ihm gemeinsam entwickelt.
Das hat Epstein selbstverständlich stets abgestritten. Er wurde dafür auch nie angeklagt. Während sein ehemaliger Partner in den Knast wanderte, hat Epstein unterdessen selbst munter weiter Geld für vermeintliche Invest von anderen Klienten und Businesspartnern zusammengezogen. Inzwischen hat sie ja auch genug Geld für kleinere Marktmanipulationen.
Das funktioniert im ganz groben so. Er hat mit dem Geld von seinen Partnern preiswerter Aktien gekauft, dann öffentlich behauptet, dass in Erwägung gezogen wird, das ganze Unternehmen für einen hohen Preis zu kaufen. Dadurch ist der Aktienpreis dann kurzfristig gestiegen. Dann haben Epstein und seine Partner die Aktien verkauft.
So konnten sie einen guten Gewinn einfahren. Die Unternehmen wirklich aufzukaufen war mutmaßlich nie geplant, sondern nur den Aktienpreis die Höhe zu treiben, um abzukassieren. Und rechtliche Konsequenzen hat es dafür nie gegeben. So soll Epstein 1988 schon ein Vermögen von 15 Millionen US-Dollar angehäuft haben.
Durch Bekanntschaften wird er sogar Vorstandsmitglied in der New York Academy of Arts, einer namhaften privaten Kunstuniversität. Auch hier wieder ein erster Anhaltspunkt für Dinge, die später kommen. Eine erste bekannte Connection zu einer prestigeträchtigen Hochschule. Neben der Tür in die Finanzwelt steht jetzt auch die Tür in die höhere Bildung und die Kunstbranche offen.
Und so eine Vorstandsmitgliedschaft ist natürlich wiederum ein weiteres wertvolles Networking-Tool. Vielleicht auch auf einem Flug 1987, auf dem Epstein Robert Meister kennenlernt. Der Versicherungsmakler ist sofort hingerissen von dem charmanten Jeffrey Epstein, der sich ihm als New Yorker Banker vorstellt. Die beiden tauschen Kontaktdaten aus und Epstein bemüht sich sehr um eine Freundschaft zu Meister.
Wie dieser im Nachhinein vermutet, um an seine noch reicheren Freunde ranzukommen. Denn bei einem Saunabesuch spricht Epstein ihn auf eine ganz konkrete Person an, eine die alles verändern wird. Epstein fragt seinen neuen Freund Robert Meister nach einem Mann namens Les Wexner. Das sei doch ein guter Freund von ihm, sagt Epstein.
Und dass er Gerüchte gehört habe, wonach Wexners Finanzberater ihm Geld gestohlen haben soll. Epstein erzählt von seiner Erfahrung, wahrscheinlich davon, wie er das Vermögen der Obregons aufgespürt hat. Das könnte er für Les Wexner auch machen. Robert Meister tut Epstein den Gefallen und stellt ihm Les Wexner vor. Der ist eine absolute Schlüsselperson in Epsteins Lebenslauf.
Er ist Milliardär und damals Chef von Victoria’s Secret und die Nummer sechs auf der Rangliste der reichsten US-Amerikaner. Das Kennenlernen zwischen Epstein und Wexner läuft offenbar mehr als gut. Ein Jahr später wird Jeffrey Epstein sein Finanzberater und hat eine komplette Vollmacht über die Finanzen von einem der erfolgreichsten Modeunternehmer überhaupt.
Neben Victoria’s Secret übernimmt Wexner mit den Jahren noch Abercrombie & Fitch und gründet Bath & Body Works. Bath & Body Works ist hier in Europa vielleicht am ehesten mit The Body Shop oder Lush vergleichbar, nur eben viel größer. Und von diesem Kaliber hat Les Wexner eben gleich drei Unternehmen. Eigentlich hat Wexner damals schon einen Finanzberater namens Harold Levin.
Doch sein Boss hat ihm Epstein vorgestellt, mit dem er zusammenarbeiten sollte. Levin erinnert sich später so an sein erstes Treffen mit Epstein. Epstein versuchte mir ein Devisengeschäft zu erklären, dass er für Les Wexner tätigen wollte. Ich habe einen Master of Business Administration von der Ohio State University, aber ich habe kein Wort von dem verstanden, was der Typ erzählte.
Ich sagte zu Les: “Halt dich von dem fern.” Zu dem besprochenen Devisengeschäft ist es zwar nicht gekommen, ferngehalten hat sich Wexner allerdings trotzdem nicht, sondern Epstein zu seinem Finanzberater gemacht. Harold Levin sollte unter Epstein weiterarbeiten, hielt ihn aber für so ein Zitat Arschloch, dass er lieber gekündigt hat.
Vorher soll Epstein Levin noch dazu gedrängt haben, erworbene Anteile an seinem Projekt von Les Wexner ohne Gewinnausschüttung aufzugeben. Dazu erinnert sich Levin so: “Epstein sagte im Grunde genommen, wenn Sie wollen, können Sie sich wehren, aber ich habe viele Anwälte und werde dafür sorgen, dass Sie ein Vermögen dafür bezahlen müssen.
” Noch als Epstein es sich als Berater von Wexner bequem gemacht hat, soll er das Gerücht gestreut haben, dass Harold Levin gar nicht freiwillig gekündigt hat, sondern dass er Gelder von Les Wexner veruntreut habe. Levin hat daraufhin jahrelang keinen neuen Job gefunden und zeitweise in seinem Auto gelebt. Davon ist Jeffrey Epstein als persönlicher Finanzberater für Milliardär Les Wexner sehr weit entfernt.
Ihm geht es finanziell besser denn je. Epsteins Job als Finanzberater ist für Les Wexner in Wertpapiere und Vermögenswerte, sowie in Hedgefonds und Private Equity-Firmen zu investieren, um sich selbst eine Provision aus den erzielten Gewinn zu sichern. Und wenn man mit Millionen oder gar Milliarden jongliert, fallen solche Provisionen natürlich entsprechend groß aus.
Offenbar hat Epstein aber noch wesentlich mehr für Wexner gemacht. Er soll z.B. das Design und den Bau seiner Superyacht Limitless gemanagt haben. Außerdem ist er in ein Luxusimmobilienprojekt von Wexner involviert. 1991 unterschreibt Wexner eine Vollmacht. Epstein hat nun nicht mehr nur Zugriff auf sein Vermögen, sondern kann im Namen von Les Wexner Mitarbeiter unterzeichnen, Immobilien kaufen und verkaufen, sowie Geld leihen.
Neben dem ehemaligen Berater Harold wollen auch andere Leute aus Les Wexners Umfeld den Unternehmer vor Epstein gewarnt haben, weil er ihnen nicht geheuer wirkte. Selbst Robert Meister, der den Kontakt überhaupt erst hergestellt hat, wollte Wexner davon abhalten, Epstein zu seinem Berater zu machen.
Von vielen hat sich Wexner nach und nach distanziert, während das undurchsichtige Verhältnis zu seinem Finanzberater Epstein nur noch enger geworden ist. In einer Doku wird Epstein sogar mal gefragt, ob das Verhältnis zwischen ihm und Wexner ein sexuelles gewesen sei. Er hat das verneint. Bis heute ist es ein Rätsel, wie Epstein es geschafft hat, Les Wexner so sehr an sich zu binden.
Unter anderem durch diese Beziehung kommt auch der Vergleich zu der talentierte Mr. Ripley zustande, denn Epstein scheint sich genau wie der Protagonist des Films regelrecht in die Leben der Oberschicht einzuschleimen. In jedem Fall hat Epstein als Finanzberater eine Vollmacht über Wexners Vermögen und kann sich im wahrsten Sinne des Wortes reichlich an den Konten bedienen.
Und das tut er auch mehrfach. Über die Jahre bedient sich Epstein auch am Besitzportfolio von Wexner. Ein Privatflugzeug, eine Mansion in New York und ein Anwesen in Ohio gehen aus Wexners Besitz auf Epstein über. Heute wären allein diese Assets zusammen etwa 100 Millionen Dollar wert. Einiges davon hat Epstein seinem Boss unter Marktwert abgekauft.
Insgesamt wird geschätzt, dass Epstein allein durch seine Partnerschaft zu Les Wexner 200 bis 400 Millionen US-Dollar gemacht haben soll. Mit der Anstellung bei Les Wexner kann sich Epstein als weitere Immobilie eine Villa in prominenter Nachbarschaft leisten. Epsteins Privatanwesen, das er in den 90ern bewohnt, liegt nur ein paar hundert Meter von Mar-a-Lago entfernt.
Und da klingelt es sicherlich schon bei einigen von euch. Das ist natürlich die Residenz von Donald Trump, der damals noch in erster Linie als Geschäftsmann galt. Die beiden sollen dieser Zeit gute Freunde gewesen sein. Epstein war auf mehreren Partys von ihm zu Gast. Mit seinem Vermögen hat Epstein jetzt das Kleingeld übrig, um Politikern Geld zu spenden.
Eine verlässliche Methode, um nicht nur mit ihnen Kontakt zu kommen, sondern auch im Gedächtnis zu bleiben. Schon 1989 begleitet Epstein als Finanzexperte jüdischer Herkunft einen demokratischen Abgeordneten nach Israel, um dort für die Stärkung von Geschäftsbeziehungen mit den Nachbarstaaten zu werben. Dabei trifft er wiederum hochrangige Politiker aus den entsprechenden Staaten.
Auch hier kann sich also mutmaßlich ein neues Netzwerk entspinnen. Wo ihm früher der Name Bear Stearns geholfen hat, ist es jetzt der Name Les Wexner. Eine enge Partnerschaft mit dem Chef von Victoria’s Secret macht Eindruck. Auf die einen wegen des Geldes, auf die anderen wegen der vermeintlichen Proximität zu schönen Frauen.
Oder wegen möglichen Karrierechancen, die Epstein bereithalten könnte. Das hat er offenbar bewusst ausgenutzt, indem er sich auch mal gerne als Talentscout für Victoria’s Secret ausgegeben hat. Dabei hat die Firma nach internen Angaben gar keine Scouts benutzt, sondern Models über Agenturen gecastet. Während dieser Zeit lernt Epstein auch eine Frau kennen, deren Name auch ebenfalls allen bekannt sein dürfte.
Ghislaine Maxwell. Zu ihr und ihrer Beziehung mit Epstein wird es noch eine eigene Folge geben. Der Kontakt zu einem weiteren wichtigen Klienten von Epstein zeigt noch mal sehr aufschlussreich, wie dieses Networking funktioniert. Epstein hat auf einer Abendveranstaltung die ABC-Journalistin Catherine Cryer getroffen.
Die wiederum hat Epstein ein paar Monate später zu einer Filmpremiere mitgenommen. Auf dieser Premiere hat Catherine Cryer Epstein mit ihrem Freund Eliot Stein bekannt gemacht. Und Eliot Stein wiederum hat Epstein einen Mann namens Leon Black vorgestellt. Leon Black ist neben Les Wexner eine weitere Schlüsselfigur für Epsteins Vermögensaufbau.
Black ist 1990 einer der Gründer von Apollo. Das ist eine Vermögensverwaltungsgesellschaft, die zu einem der größten Player an der Wall Street wird. Leon Black wird uns in späteren Videos dieser Reihe noch begegnen, wenn er Les Wexner als Epsteins lukrativsten Klienten ablösen wird. Die Geschäftsbeziehung zu Les Wexner bleibt jedoch noch sehr lange bestehen.
Auf diesem Wege trifft Epstein 1993 zum ersten Mal auf den damaligen US-Präsidenten Bill Clinton. Sein Boss Wexner nimmt ihn zu einem Treffen mit dem Präsidenten mit. Epstein hat inzwischen schon mehrere Spenden an verschiedenste Politiker getätigt. Im Gegenzug gab es dafür schon vor dem Besuch bei Clinton Einladungen von verschiedenen Politikern zu diversen Anlässen.
So hatte Epstein die Gelegenheit in der Politik ähnlich effizient zu netzwerken, wie zuvor schon der Finanzbranche. Und da geht es natürlich noch weiter, denn Epstein ist weiterhin als Finanzberater für diverse wohlhabende Klienten tätig. Und der Vorstandsvorsitzende Academy of Arts war ein Eintritt in die akademische Welt.
Den hat Epstein mit der Gründung seiner eigenen Stiftung, der J. Epstein Foundation, zementiert. Über seine Stiftung gelingt der Kontakt zu weiteren Universitäten und Bildungseinrichtungen, unter anderem zu Harvard und auch zu der Rockefeller University. Und damit der Trilateralen Kommission, die von David Rockefeller gegründet wurde. Das wiederum ist ein Thinktank, der Politiker aus Nordamerika, aber auch Europa und Asien berät.
Und das, ihr denkt es euch schon, ist ein ganz neuer Pool an Kontakten, die sich über den gesamten Globus erstrecken. Treten wir an der Stelle also mal einen Schritt zurück und schauen uns das große Ganze an. Wir sind gerade einmal Anfang der 90er. Und ich kann euch in diesem Video ja sowieso nur die Spitze des Eisbergs zeigen und was überhaupt bekannt ist.
Und trotzdem konnten wir in den letzten Minuten mitverfolgen, wo Epstein bereits umfangreiche Beziehungen aufgebaut hat. In der Finanzbranche der USA, in der Innenpolitik des Landes, in der Kunstbranche und nun allmählich auch in der Außenpolitik und im akademischen Umfeld. Aus all dem wiederum ergeben sich auch Kontakte in das Entertainment-Business.
Denn in jedem Fall kann Epstein mit Namedropping und dazugehörigen Halbwahrheiten, extravaganten Partys und seinen Privatjets bei neuen Bekanntschaften mächtig Eindruck machen. Nicht nur bei Frauen, wie Model Eva Andersson oder der Schauspielerin Ana Obregón, sondern auch bei Männern, wie den Schauspielern Kevin Spacey oder Chris Tucker.
Ebenso wie bei CEOs weiterer Firmen, z.B. von der Schmuckfirma Tiffany & Co, der Kosmetikmarke Revlon und der Hotelkette Hyatt. Außerdem Chefs von Zeitungen und Nachrichtendiensten, Wissenschaftler und Nobelpreisträger wie Gerald Edelman und Murray Gell-Mann. Und Kontakte wie diese können nicht nur Eindruck machen, sondern auch einschüchtern.
Aus dem Vanity Fair Artikel, aus dem ich im Intro zitiert habe, heißt es z.B. Ein Reporter erhielt während der Vorbereitung eines Artikels sogar drei Drohungen von Epstein. Diese waren zwar in scherzhafter Form vorgetragen, aber die Botschaft war klar. “Wenn mir der Artikel nicht gefällt, wird es Ärger für Ihre Familie geben.
” Die kompletten Ausmaße dieser Drohung wird die Autorin des Artikels erst Jahre später öffentlich machen können. Auch wenn ich hiermit in der Timeline vorgreife, möchte ich euch an dieser Stelle davon erzählen. Denn es ist nicht auszuschließen, dass es neben Vicky Ward auch andere Journalisten gegeben hat, die schon vor Jahren versucht haben, die ganze Story herauszubekommen.
Und dass genau das durch Epstein und seine mächtigen Kontakte verhindert wurde. Denn Vicky Ward gibt an, für den Artikel auch mit drei Frauen gesprochen zu haben. Zwei davon haben angegeben, durch Epstein sexuelle Gewalt erfahren zu haben. Wir werden gleich noch mehr von diesen beiden Frauen hören.
Was in der finalen Version des Artikels sehr vage angedeutet wurde, lag Vicky Ward also nach eigenen Aussagen ganz konkret vor. Allerdings wurden diese Passagen aus dem Artikel gestrichen. Dafür macht sie Graydon Carter verantwortlich, den damaligen Herausgeber von Vanity Fair. Der habe den Angaben der Frauen nicht geglaubt, sondern sich auf Epsteins Seite gestellt.
Carter wiederum wehrt sich gegen diese Vorwürfe und behauptet, “Es gab keine drei offiziellen Quellen und daher entsprach dieser Aspekt der Geschichte nicht unseren rechtlichen und redaktionellen Standards. Hätten wir drei Personen gehabt, die bereit gewesen wären, vor Gericht für uns einzutreten, falls Epstein geklagt hätte, hätten wir den Artikel veröffentlicht. Punkt.
Ende der Geschichte.” Dass Carter er Magazin vor rechtlichen Schritten von Seiten Epsteins schützen wollte, ist aus juristischer Sicht sogar verständlich. Wenn man sich mit einem Multimillionär anlegt, kann es eben teuer werden. Aber das ist eben der Punkt. Wenn die drei Frauen vor Gericht für Vanity Fair hätten eintreten sollen, wie es Carter gesagt hat, wäre die Verantwortung am Ende bei den Geschädigten gelandet.
Und das wäre sowohl seelisch als auch finanziell nur schwer zu ertragen gewesen. Genau das ist ein Muster, das dazu führt, dass Leute mit sehr viel Geld durch sehr viele Dinge durchkommen, die man eigentlich sofort stoppen sollte. Eine der drei Frauen hat dazu Folgendes gesagt: “Der Rat, den ich bekam, war: Epstein ist so reich, er kann dich bekämpfen, er kann dich lächerlich machen, er kann die beiden Betroffenen lächerlich machen und außerdem kann er ihnen wehtun.
” “Und das war es, was mir Angst machte.” “Dass er wissen würde, wo sie wohnen und möglicherweise einfach jemanden schicken könnte, wenn sie abends mit dem Hund spazieren gehen oder so etwas. Und wir würden nie wieder etwas von ihnen hören.” Auch Vicky Ward kann verstehen, weshalb sich ihr damaliger Herausgeber dazu entschieden hat, die Vorwürfe nicht in den Artikel mit reinzunehmen.
Trotzdem hält sie die Entscheidung für falsch. Eine weitere Quelle gibt später an, Carter sei von Epstein förmlich mit Anrufen bombardiert worden. Während dieser Zeit habe er direkt neben seiner Wohnung in Manhattan eines Tages ein frisches Einschussloch bemerkt und das als eine klare Warnung von Epstein gewertet. Vicky Ward selbst war gerade mit Zwillingen schwanger, als sie den Artikel geschrieben und veröffentlicht hat.
Sie schildert, dass Epstein sie nach dem ersten Kontakt für den Artikel immer wieder angerufen habe. Auch einige seiner Kontakte hätten sich von sich aus bei ihr gemeldet, z.B. Jimmy Cain, Epsteins Kontakt bei Bear Stearns, für den er mindestens zu Zeiten seiner Anstellung Drogen und Frauen vermittelt haben soll. Noch während Vicky Ward an ihrem Artikel gearbeitet hat, soll Epstein ihr eine Frage immer wieder gestellt haben: “What do you have on the girls?” “Was hast du über die Mädchen?” Über die Mädchen hatte Vicky Ward eben die Aussagen der drei Frauen. Sie hat
Epstein persönlich damit konfrontiert. Der hat daraufhin direkt beim Herausgeber Graydon Carter angerufen und Druck gemacht. Er soll sogar Briefe, die angeblich von den Quellen von Vicky Ward stammten, an den Herausgeber geschickt haben. Die Frauen geben an, diese Briefe seien gar nicht von ihm. Epstein habe sie also gefaked, um den Anschuldigungen gegen ihn Wind aus den Segeln zu nehmen.
Epstein soll sogar persönlich im Büro der Vanity Fair aufgetaucht sein. Mehrere Mitarbeiter sollen völlig verängstigt gewesen sein. Epstein soll rumgefragt haben, in welchem Krankenhaus Vicky Ward ihre Zwillinge zur Welt gebracht hat. Die Journalistin hat sich so bedroht gefühlt, dass sie eine Security-Firma angestellt hat.
Sie wusste durch ihre Recherchen, dass Epstein inzwischen Spender für mehrere Kliniken war. Sie hatte Angst, er würde seine Kontakte in der Medizinbranche womöglich nutzen, um sich für ihre journalistische Arbeit an ihr zu rächen. Dieses Beispiel zeigt, wie Epstein sein sorgfältig aufgebautes Netzwerk und seine Einflüsse in verschiedenen Branchen genutzt hat.
Mutmaßlich auch, um die Berichterstattung über ihn zu lenken. Vicky Ward’s Artikel erscheint Jahre, bevor Epstein 2007 zum ersten Mal wegen Sexualverbrechen angeklagt wird. Vielleicht hätte man die Dimension des Skandals also schon viel früher ins Horn können. Hätte man den drei Betroffenen Glauben geschenkt und eine Stimme gegeben.
Und das hat der Vanity Fair Chefredakteur Graydon Carter offenkundig nicht getan. Noch 2014, Jahre nachdem Epstein bereits wegen Sexualverbrechen verurteilt war, hat Carter übrigens Epsteins Vertraute Ghislaine Maxwell auf eine Party anlässlich der Oscar-Verleihung eingeladen. Schon mindestens Anfang der 90er hat es Frauen gegeben, die sich gegen Jeffrey Epstein unwohl gefühlt haben.
Ein sexistischer Witz hier, eine grenzüberschreitende Bemerkung da. Was heute auch noch gilt, war zu dieser Zeit umso mehr der Fall. Leider sind viele Frauen an solche Ausfälle gewöhnt. Und die traurige Wahrheit ist, bei wem hätte eine der betroffenen Frauen sich denn damals beschweren sollen? Schon damals war Epstein wohlhabend und mehr als gut connected.
Und wie wir gesehen haben, hat sein Fehlverhalten nie wirklich Konsequenzen gehabt. Auch Robert Meister, der Jeffrey Epstein den Kontakt zu Les Wexner verschafft hat, hat schon damals Sachen mitbekommen. Schon Ende der 80er hat er verstörende Dinge über Epstein’s Sexualität mitbekommen. Er sagt dazu: “Stellen Sie sich das Schlimmste vor, was jemand tun könnte, und Epstein hat das alles getan.
” Was damit gemeint ist, wird ja aktuell noch immer nach und nach entwirrt. Robert Meister hat nach eigenen Angaben schon bald den Kontakt zu Epstein abgebrochen, nämlich nachdem er einmal unangekündigt mit fünf Models in Meisters Wohnung aufgetaucht ist. Die Anwesenheit der Frauen sei als Geschenk gedacht gewesen.
Meister sagt, er habe Epstein mitsamt der Frauen weggeschickt und gesagt, er wolle ihn nie wiedersehen. Wie wir in späteren Folgen besprechen werden, haben leider nicht alle so bestimmt reagiert. Wobei selbst das das absolute Minimum ist. Denn was auch immer Robert Meister über Epstein gehört oder sich gedacht haben will, gemeldet hat er es niemandem, bis der Ansturm der Medien eben unaufhaltbar wurde.
Schon 1996 gibt es eine Frau, die Jeffrey Epstein nachweislich bei den Behörden gemeldet hat, mit schwerwiegenden Vorwürfen. Im Sommer 96 arbeitet die Künstlerin Maria Farmer im Auftrag von Epstein an einem Projekt in der Villa von Les Wexner. Maria ist 25 Jahre alt. Epstein hat ihr versprochen, ihre Künstlerkarriere zu fördern.
Wir erinnern uns, er ist immerhin Vorstandsmitglied der New York Academy of Arts. Es ist also gar nicht so abwegig, dass er Kunsttalente fördern will. Und er erzählt Maria tatsächlich von einem Auftrag, den er für sie besorgt hat. Sie soll mehrere Bilder für das Setdesign eines anstehenden Hollywood-Films malen.
Für den Film “Besser geht’s nicht” mit Jack Nicholson. Für eine aufstrebende Künstlerin wie Maria ist das ein Auftrag, der alles verändern kann. Und einen Arbeitsplatz bekommt sie auch direkt dazu. Sie soll den Sommer in der besagten Villa von Les Wexner verbringen, um dort ungestört an ihrem Projekt zu arbeiten. So eine Gelegenheit ist verlockend, auch wenn Maria schon zuvor in Epsteins New Yorker Wohnung merkwürdige Dinge beobachtet hat.
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