Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz im Zeitalter des Internets und der sozialen Medien, das manche Personen des öffentlichen Lebens immer wieder auf die harte Tour lernen müssen: Wer den Wind sät, wird unweigerlich den Sturm ernten. Oder, um es mit einem etwas traditionelleren, aber nicht minder treffenden deutschen Sprichwort zu sagen: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es eben auch wieder heraus. Genau diese schmerzhafte Lektion scheint aktuell Hamado Dipama, ein prominentes Mitglied des Rundfunkrats beim Bayerischen Rundfunk (BR), durchleben zu müssen. Sein Fall ist nicht nur eine bizarre Posse über gekränkte Eitelkeiten in den elitären Zirkeln der öffentlich-rechtlichen Medienlandschaft, sondern wirft gleichzeitig fundamentale und höchst alarmierende Fragen über das vorherrschende Verständnis von Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und der viel zitierten Toleranz in unserem Land auf.

Um die volle Tragweite dieses medialen Eklats zu begreifen, müssen wir das Rad der Zeit ein wenig zurückdrehen und uns den Ursprung der Kontroverse ansehen. Alles begann mit der Journalistin Julia Ruhs. Sie war eine der wenigen offenen, konservativen Stimmen innerhalb des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – einer Institution, die sich nach außen hin gerne Diversität und Meinungsvielfalt auf die Fahnen schreibt, in der Realität jedoch oftmals eine spürbare, links-grüne Schlagseite aufweist. Als Julia Ruhs im vergangenen Jahr nach internem Druck und einem offenen Brief von rund 200 Mitarbeitern des NDR – die sich offenbar in ihrer eigenen politischen Filterblase durch eine konservative Sichtweise massiv gestört fühlten – quasi vor die Tür gesetzt wurde, war die Empörung bei Befürwortern der echten Meinungsvielfalt groß.

Doch Hamado Dipama sah das völlig anders. Anstatt sich als Vertreter eines Gremiums, das die Vielfalt und Ausgewogenheit des Programms überwachen soll, schützend vor eine abweichende journalistische Stimme zu stellen, stimmte er lauthals in den Chor der Ausgrenzung ein. Auf seinen Social-Media-Kanälen feierte er die Trennung des NDR von Julia Ruhs geradezu enthusiastisch. Er lobte die Entscheidung als “weitsichtig” und warf Ruhs unverhohlen vor, “rechts und spaltend” zu sein. Mehr noch: In einem rhetorischen Rundumschlag fabulierte er von einer angeblichen Unterwanderung durch “Rechte und Neofaschisten” in den öffentlich-rechtlichen Medien, die gestoppt werden müsse. Es war ein klassischer, bilderbuchhafter Akt der “Cancel Culture”. Jemand mit einer konservativen Meinung, die sich völlig im Rahmen des demokratischen Diskurses bewegte, wurde diffamiert und ihre berufliche Demontage wurde öffentlich applaudiert.

Doch die Rechnung hatte Herr Dipama offenbar ohne die wachsamen Augen der neuen, unabhängigen Medienlandschaft gemacht. In einer Zeit, in der das Monopol der alten Sendeanstalten längst gebrochen ist, formierte sich rasanter Widerstand. Unabhängige Blogs, alternative Nachrichtenportale wie “Apollo News”, engagierte YouTuber und reichweitenstarke Kritiker wie der “ÖRR Blog” griffen den Vorfall auf. Sie beleuchteten die eklatante Doppelmoral des Rundfunkrats: Wie kann es sein, dass ausgerechnet jene, die ununterbrochen Toleranz und Weltoffenheit predigen, mit unerbittlicher Härte gegen Andersdenkende vorgehen? Die Berichterstattung war kritisch, scharfzüngig und schonungslos – genau das, was Journalismus in einer funktionierenden Demokratie sein sollte, wenn er mächtigen Akteuren auf die Finger schaut.

Wie reagierte der so “tolerante” Rundfunkrat auf diese Welle der legitimen Kritik? Mit der juristischen Keule. Anstatt sich der inhaltlichen Debatte zu stellen, die Argumente seiner Kritiker zu widerlegen oder zumindest eine gepflegte Streitkultur zu pflegen, wählte Dipama den Weg der Einschüchterung. Er überzog zahlreiche Medienmacher, Blogger und Kommentatoren mit Anzeigen und anwaltlichen Schreiben. Wer über seine fragwürdigen Entgleisungen im Fall Julia Ruhs berichtete, landete schnell im Visier seiner juristischen Offensiven. Es schien der durchsichtige Versuch zu sein, die kritische Berichterstattung durch die Androhung von Rechtsstreitigkeiten und hohen Kosten im Keim zu ersticken.

Augsburg: Vermieter wollte nur „an Deutsche“ vermieten: Jetzt kriegt er  deftige Strafe

Doch der Plan scheiterte kolossal. In einem Rechtsstaat, in dem die Meinungs- und Pressefreiheit glücklicherweise noch ein hohes Gut darstellen, ließen sich die Gerichte und Staatsanwaltschaften nicht vor den Karren einer persönlichen Rachefeldzugs spannen. Die Ermittlungsverfahren, unter anderem gegen den Betreiber des ÖRR Blogs, wurden sang- und klanglos eingestellt. Die Vorwürfe der “Verleumdung”, die Dipama so großzügig verteilte, hielten einer juristischen Überprüfung nicht stand. Die kritische Berichterstattung war eben genau das: legitime Kritik und keine Straftat.

Und nun erleben wir den absurden Höhepunkt dieses medialen Dramas. Nachdem seine juristischen Angriffsversuche verpufft sind, schlüpft Hamado Dipama nun weinerlich in die Rolle des ultimativen Opfers. In neuen Beiträgen auf seinen Kanälen teilt er Screenshots der zahlreichen Artikel, die über ihn verfasst wurden, und jammert über ein vermeintliches “Muster”, das sich gegen ihn richte. Er wundert sich allen Ernstes, warum im April plötzlich so massiv über ihn berichtet wird. Die eklatante mangelnde Selbstreflexion, die hier zutage tritt, ist schlichtweg atemberaubend. Wenn man als Person des öffentlichen Lebens wochenlang versucht, Journalisten und Blogger mit Anzeigen zu überziehen, nur weil sie die eigene Doppelmoral aufdecken, dann ist es die logische und völlig absehbare Konsequenz, dass diese Medien genau diesen skandalösen Einschüchterungsversuch zum Thema machen. Es ist ein klassischer Teufelskreis, den er selbst initiiert und befeuert hat.

Besonders tief blicken lässt in diesem Zusammenhang Dipamas Wortwahl. In seiner weinerlichen Verteidigungsrede spricht er abfällig von “selbsternannten Medien”, die angeblich von einer “klaren ideologischen Prägung” geleitet seien. Diese elitäre Arroganz ist bezeichnend für Vertreter des überholten, traditionellen Mediensystems. Herr Dipama scheint bis heute nicht verstanden zu haben, wie das Grundrecht der Presse- und Meinungsfreiheit im 21. Jahrhundert funktioniert. Es gibt in Deutschland keine staatliche Behörde und auch keinen Rundfunkrat, der darüber entscheidet, wer sich “Medium” nennen darf und wer nicht. Jeder Bürger, der einen Blog betreibt, jeder YouTuber, der politische Sachverhalte analysiert, und jeder unabhängige Journalist ist ein integraler, wertvoller Teil unserer pluralistischen Medienlandschaft.

Julia Ruhs : Ein bisschen Schwarz aufgetragen | DIE ZEIT

Die Zeiten der alten “Gatekeeper”, in denen einige wenige Intendanten und Chefredakteure darüber bestimmten, welche Meinungen den Weg in die Öffentlichkeit finden und welche Themen totgeschwiegen werden, sind endgültig und unwiderruflich vorbei. Das Internet hat den öffentlichen Diskurs demokratisiert. Dass ausgerechnet ein Funktionär, der sein üppiges Gehalt aus den Zwangsbeiträgen aller Bürger bezieht, diese hart erkämpfte Freiheit angreift und unliebsame Konkurrenten als “selbsternannt” diffamiert, ist ein verheerendes Armutszeugnis.

Der Fall Hamado Dipama ist somit weit mehr als nur eine persönliche Anekdote aus dem Mikrokosmos des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Er ist ein leuchtendes Mahnmal gegen die Gefahren der Cancel Culture und die unerträgliche Doppelmoral derer, die Toleranz predigen, aber Konformität einfordern. Er zeigt, wie wichtig und unverzichtbar die unabhängigen, alternativen Medien geworden sind, um genau solche Missstände schonungslos ans Licht zu bringen. Und er beweist vor allem eines: Wer die freie Meinungsäußerung mit Füßen tritt und kritische Stimmen zum Schweigen bringen will, wird am Ende von dem lauten, unaufhaltsamen Echo der Aufklärung eingeholt. Der Bumerang ist zurückgekehrt – und er hat die selbstgerechte Fassade eines Systems getroffen, das dringend lernen muss, Kritik nicht mit Zensur, sondern mit besseren Argumenten zu begegnen.