Wahre Verbrechen I Mord in der Winternacht I True ...

Wahre Verbrechen I Mord in der Winternacht I True Crime Dokumentation T – Part 3

 Die Gouvernante schrieb, dass der Sohn ihres Herrn der Vater des Kindes sei. Zunächst stand noch eine Heirat im Raum, aber ihr Chef hielt nichts von der Idee. Er sagte, die Gouvernante gehöre einer niedrigeren Klasse an als sie. Der Sohn musste also wegziehen und die Gouvernante verlor ihre Arbeit. Emilia war einverstanden, das Kind für 15 Pfund bei sich aufzunehmen.

 Die Gouvernante sollte den vollen Preis zwei Monate nach der Geburt zahlen. Die Gouvernante zog bei Emilia und ihre Familie ein. Die Dias wohnten damals in Horfield bei Fishponds, einem Vorort von Bristol. In den nächsten sechs Monaten gelang es Emilia, das Vertrauen der Gouvernante zu gewinnen. Sie schwor, dass sie sich um das Baby kümmern würde, als wäre es ihr eigenes.

 Die Gouvernante glaubte ihr. Gegen Ende des Sommers zog die Gouvernante aus dem Dier Haus aus. Ein paar Wochen später kam sie wieder, um den Rest der Pflegegebühr zu bezahlen. Doch die Situation eskalierte schnell, als sie darum bat, ihr Baby ein letztes Mal sehen zu dürfen. Emilia brachte ihr ein Baby, doch die Gouvernante erkannte sofort, dass es nicht ihr Kind war, dass die Pflegemutter da auf dem Arm hatte.

Emilia versuchte sich mit einer Lüge herauszureden und behauptete, dass Babys sich in den Wochen nach der Geburt veränderten. Aber die Gouvernante glaubte ihr nicht. Sie erinnerte sich, dass ihr Neugeborenes ein Muttermal an der Hüfte gehabt hatte. Als sie es bei dem Baby, das Emilia ihr präsentierte, nicht finden konnte, bestätigte sich ihre Befürchtung. Es war nicht ihr Kind.

 Die Gouvernante weigerte sich Amelia auch nur einen Penny zu zahlen, wenn sie nicht auf der Stelle ihr Baby brachte. Sie hatte keine Ahnung, dass das Kind schon lange tot auf dem Grund eines Flusses lag. Jetzt hatte Emilia ein Problem. Die Gouvernante setzte Emilia tagelang zu, doch damit nicht genug. Der Vater des Kindes hatte vor kurzem die Erlaubnis bekommen, die Gouvernante zu heiraten und auch er wollte antworten.

Emilia saß in der Falle. In einem Akt der Verzweiflung erzählte sie der Gouvernante, dass sie das Baby einen Paar gegeben habe, das irgendwo in einem Farmhaus lebe. Sie l weiter, dass das Paar sie mit dem Baby auf einem Bahnsteig gesehen und überredet habe, es ihnen sofort mitzugeben. Die Gouvernante und ihr Mann waren skeptisch und gingen der Spur nach.

Natürlich fanden sie das Kind nirgends, genauso wenig wie das Ehepaar aus dem Farmhaus. Ein paar Wochen später standen die Gouvernante und ihr Mann wieder vor Emilias Haustür. Diesmal erzählte sie Ihnen, dass das Baby in Bristol zur Adoption freigegeben worden sei. So ging es monatelang hin und her, bis die Gouvernante zur Polizei ging.

 Im Frühjahr 1881 statteten die Beamten Emilia einen Besuch ab. Das Problem war nur, Emilia war weg. William Der sagte, dass seine Frau gestorben sei und mit ihr auch ihr Baby Farminggeschäft. Die Polizei gab sich damit zufrieden, nicht jedoch die Gouvernante. In Wirklichkeit versteckte sich Emilia einfach nur.

 Sie war irgendwann nachts in ein Gasthaus in Woodhill geflohen. Der malerische Küsten war nicht allzu weit von Bristol entfernt. Emilia versteckte sich fast ein Jahr in Woodill und arbeitete als Krankenschwester. Zu ihrer eigenen Überraschung genoss sie die Zeit. Es war einer der friedlichsten und ruhigsten Abschnitte ihres Lebens. Aber natürlich konnte es nicht für immer so weitergehen.

Als Emilia erfuhr, dass William seinen Job verloren hatte, kehrte sie nach Bristol zurück, um die Familie zu unterstützen. Sie fing wieder an Babys bei sich aufzunehmen. Aus Sorge, dass die Gouvernante ihn auf den Fersen sein könnte, zogen sie und William aber immer wieder um und hielten sich nie lange an einer Adresse auf.

Doch im Oktober 1891 verließ Emilia das Glück. Die Gouvernante fand sie schließlich und setzte die Polizei auf sie an. Aber Emilia landete nicht im Gefängnis. Stattdessen tat sie alles dafür in eine Nervenklinik zu kommen. Nachdem es ihr knapp ein Jahr gelungen war, sich vor der Gouvernante und ihrem Mann zu verstecken, wurde die 55-jährige Emilia Deer im Oktober 1891 festgenommen.

Die Beamten befragten sie nach dem Verbleib des Kindes der Gouvernante und Emilia hatte sichtlich Mühe, sich eine Antwort abzuringen. Sie fiel auf ihre erste Geschichte zurück und beteute noch einmal, das Baby, dem Paar auf dem Bahnsteig gegehen zu haben. Doch ihre Behauptungen waren lückenhaft und gaben kaum Sinn.

Unabhängig davon konnten aber weder die Polizei noch die Gouvernante Beweise gegen Emilia vorlegen, so dass die Behörden wenig tun konnten. Am Ende wurde Emilia zwar nicht angeklagt, aber das ganze Prozedere schien sie so gestresst und aufgewühlt zu haben, dass sie einen Nervenzusammenbruch erlitt. Emilia versuchte noch am selben Tag Suizid zu begehen.

 Als William abends nach Hause kam, fand er seine Frau blutend und sich windend auf dem Boden. Sie hatte Schnittwunden am Hals und behauptete Stimmen zu hören, die ihr befahlen, sich zu töten. Knapp einen Monat lang war Emilias Tochter Polly damit betraut, sich um ihre Mutter zu kümmern. William musste arbeiten, so dass Polly die komplette Pflege übernahm.

 Emilia behauptete weiter Stimmen zu hören und griff Polyly mindestens einmal auch körperlich an. Es gibt die Theorie, dass Emilia seit ihrer Zeit im Chapton Mallet Gefängnis an einer posttraumatischen Belastungsstörung l. Die Aussicht auf eine erneute Gefängnisstrafe könnte dazu geführt haben, dass die Erinnerungen an Chapton Mallet wieder hochkamen, was dann zu einem kompletten mentalen Zusammenbruch führte.

Emilia galt aber auch als klug, kalkulierend und manipulativ. Sie hatte den geistigen Verfall ihrer Mutter miterlebt und in einer Nervenklinik gearbeitet. Sie wußte, daß das Leben als Klinikpatientin wesentlich angenehmer war als das von Gefängnis und soweit bekannt ist, hatte es bis dahin nie Anzeichen von posttraumatischer Belastungsstörung bei Emilia gegeben.

 Es könnte also auch sein, dass sie ihren Zusammenbruch nur vorgespielt hat, nachdem sie von der Polizei befragt wurde. Sie könnte darauf spekuliert haben, dass die Polizei locker lassen würde, wenn man sie in eine Klinik einwies, oder dass sie zumindest glauben würden, dass sie nicht wusste, was mit dem Baby der Gouvernante passiert war.

Emilias Zustand blieb über mehrere Wochen unverändert. William rief schließlich einen Arzt, der seine Frau untersuchen sollte. Dr. David Bernard sagte, dass Emilia eine Gefahr für sich und ihre Familie sei und veranlasste eine Einweisung ins County Asylum von Gloster, 50 km von ihrem damaligen Wohnort Easterwille entfernt.

Als Emilia Mitte November 1891 in der Klinik eintraf, änderte sich ihr Verhalten sofort. Sie schrie nicht mehr und klagte auch nicht mehr über Stimmen im Kopf. Sie griff auch niemanden mehr an. Stattdessen war sie schon kurz nach ihrer Einweisung für ihre stille und unauffällige Art bekannt und sie schien bei völlig klarem Verstand zu sein.

Der Alltag in einer viktorianischen Nervenklinik war von Eintönigkeit und Routine geprägt. Emilia bekam drei Mahlzeiten am Tag umrgens, umr und kurz vor dem Schlafen gehen. Wenn sie nicht gerade in Behandlung war, musste Emilia drinnen arbeiten, entweder in der Waschküche oder in der Näherei. Zu Emilias Zeit glaubte man noch, dass es zu den wichtigsten Behandlungsmethoden bei psychischen Erkrankungen gehörte, den Patienten und Patientinnen ein entspanntes Umfeld zu schaffen.

 Der immer gleiche Tagesablauf sollte verhindern, dass sie nervös oder aggressiv wurden. Es war langweilig, aber die Klinik bewahrte Emilia vor Ärger und vor dem Gefängnis. Für sie soll es tatsächlich eine ziemlich entspannte Zeit gewesen sein. Emilia blieb jedoch nicht allzu lange in der Klinik. Sie erholte sich schnell und wurde im Januar 1892 entlassen.

Sie zog zurück nach Tottedown und fing sofort wieder an Babys bei sich aufzunehmen. Von der Gouvernante hatte sie nichts mehr zu befürchten, da war sich Emilia sicher. Ihre Zuversicht war auch daran zu erkennen, dass die Zahl der Babys, die sie sich holte, im Laufe des Jahres 1892 sogar zunahm.

 Man glaubt, dass Emilia zu diesem Zeitpunkt schon fast süchtig nach dem Geld war, dass sie mit dem Baby Farming verdiente, so wie sie süchtig nach Laudanum war. Ungefähr zur gleichen Zeit fing Emilias und Williams Ehe an zu bröckeln. Für Emilia hatte William immer eine Stufe unter ihrem verstorbenen Mann George gestanden.

 Sie gab weder etwas auf ihn als Person noch auf seine Meinung. Das wurde besonders deutlich, als ihre Tochter Polly anfing mit einem Mann namens Arthur Palmer auszugehen. Arthur war ein paar Jahre älter als Polly und eine Art Dandy. Er besaß ein Geschäft für Leute mit teurem Geschmack. Als die Zeit reif war, hielt er bei William Der Polys Hand an.

 Am Ende war es aber nicht William, der der Ehe zustimmte, sondern Emilia. Sie entschied einfach über den Kopf ihres Mannes hinweg. Emilia ignorierte William die meiste Zeit und konzentrierte sich stattdessen auf das Baby Farming. Das ganze Jahr 1893 übernahm sie ein Baby nach dem anderen bei sich auf. Das ganze Haus soll voll gewesen sein.

 Und weil Emilia dieses Mal noch vorsichtiger war, schaffte sie es tatsächlich komplett unauffällig zu bleiben. Das änderte sich jedoch im Dezember 1893. Ein paar Tage vor Weihnachten klopft es an der Tür. Als Emilia öffnete, fiel sie vor Schreck fast hinten über. Es waren die Gouvernante und ihr Mann. Es war fast zwei Jahre her, seit Emilia sie zuletzt gesehen hatte.

 Irgendwie war es ihnen gelungen, sie aufzuspüren und sie wollten antworten. Emilia sollte ihnen endlich sagen, was mit ihrem Kind passiert war. Man weiß nur, dass es eine kurze Begegnung war. Und als die Gouvernante und ihr Mann wieder weg waren, soll sich Emilia eine große Flasche Laudanum besorgt haben. Polly sagte aus, dass Emilia rausgegangen und mit genug Laudanum zurückgekehrt sei, um jemanden zu töten.

Emilia hatte Angst und dieses Mal wollte sie anscheinend wirklich Suizid begehen. Sie stürzte die ganze Flasche laut Anum hinunter. William rief zwei Ärzte zu Hilfe, auf die Emilia sofort losging, als sie ihr Zimmer betraten. Es schien, dass sie sich sofort wieder geistig verwirrt und aggressiv gab, als sie merkte, dass der Suizidversuch fehlgeschlagen war.

Als die Ärzte versuchten sie zu beruhigen, behauptete sie Stimmen und lautes Vogelzern zu hören. Die Ärzte hatten genug gesehen und empfahlen einen weiteren Klinikenthalt. Mit Zustimmung eines Richters wurde Emilia in das Sommerset County Asylum in Wells eingewiesen. Noch einem Monat wurde sie aber schon wieder entlassen und durfte zurück nach Hause.

 Die Wiedersehensfreude war allerdings nur von kurzer Dauer, denn aus irgendeinem Grund beschloss Emilia William zu verlassen und die gemeinsamen Kinder mitzunehmen. Die ersten 6 Monate des Jahres 1894 zog Emilia wieder von einem Haus zum nächsten. Sie ließ sich immer nur kurz nieder, so dass es kaum möglich war, sie aufzuspüren. Die Gouvernante war eine ständige Bedrohung und trotzdem nahm Emilia weiter Babys auf.

 An eine ehrliche Arbeit schien sie schon längst nicht mehr zu denken, doch sie irrte sich, wenn sie glaubte, dass das dauernde Umziehen reichte, um ihrer Erzfeinden zu entkommen. Vier Monate nach Emilias Entlassung aus dem Sommerset Asylum standen die Gouvernante und die Polizei wieder vor der Tür. Es war ein bizarrer Teufelskreis.

Die Beweise reichten wieder nicht für eine Anklage und wieder tat Emilia alles, um in die Klinik zu kommen. Nur den Nervenzusammenbruch ließ sie dieses Mal aus. Stattdessen ging sie direkt in Sommerset County Asylum. Und obwohl man ihr erlaubte über Nacht zu bleiben, konnten die Ärzte und Ärztinnen nichts finden, was eine längere Einweisung gerechtfertigt hätte.

Sie schickten Emilia nach Hause. Das pasß natürlich gar nicht, also täuschte sie kurzerhand einen Suizidversuch vor. Emilia versuchte sich in einem Gewässer zu ertränken, dass ihr gerade mal bis zum Rockzipfel ging. Es war ziemlich offensichtlich, dass der Suizidversuch nicht ernst gemeint war.

 Sie täuschte geistige Verwirrung vor und wurde schließlich von der Polizei aufgegriffen, die sie ins Bristol General Hospital brachte. Emilia blieb zwei Wochen unter Beobachtung. Die Ärzte und Ärztinnen stellten fest, daß sie eindeutig an sogenannter Melancolia litt, aber sahen keinen Grund, sie in irgendeiner Anstalt zu überstellen.

Heute ist klar, dass Emilia die Nervenklinik als Sicherheitsnetz benutzte. Das bedeutet aber nicht, dass jedes ihrer Leiden vorgetäuscht war. So könnte etwa ihr Laudanumkonsum tatsächlich zu Verstimmungen, Depressionen oder Angstzuständen geführt haben. Kurze Zeit später hatte Emilia jedenfalls einen weiteren Zusammenbruch und sagte zu Polly und Arthur, dass sie sich ertränken wolle.

Sie kam ins Gloster County Asylum in Wat. Wie bei ihren früheren Aufenthalten, blieb sie nicht allzu lange in der Klinik. Später behauptete sie aber, daß man sie dort gebrochen habe. Wie ihre Behandlung genau aussah, ist nicht bekannt, aber die Erfahrung scheint Emilia bis zum Ende ihres Lebens verfolgt zu haben.

Im März 1895 wurde Emilia aus der Klinik entlassen, was aber nicht bedeutete, dass sie wirklich frei war. Als Babyfarmerin hatte sie zwar gutes Geld verdient, aber die vielen Umzüge waren teuer gewesen. Und ohne William an ihrer Seite hatte sie allein für sich und die Familie sorgen müssen.

 Jetzt war Emilia mittellos. Zum ersten Mal seit ihrer Jugend war sie wieder wirklich arm. Nachdem sie sich offiziell als bedürftig gemeldet hatte, wurde sie nach Bristol in Spartan Ratches Workhaus geschickt. Das Leben im Arbeitshaus war monoton und hart. Emilia verbrachte die Tage damit zu weben, Steine zu brechen und Textilfasern zu zupfen.

 Es war trostlos und zermürbend. Im Arbeitshaus hatte Emilia aber wenigstens einen Platz zum Schlafen. Polly und Arthur hatten geheiratet und waren weit weg nach Plymouth gezogen. Danach hatte Emilia keine Bleibe mehr gehabt. Eventuell entschied sich Emilia aber auch aus freien Stücken dazu, eine Zeit lang in Armut zu leben, um Inkognitor zu bleiben.

Die Gouvernante sah es ihr noch immer im Nacken. Im Arbeitshaus war sie zumindest für den Moment nur eine von vielen verarmten älteren Frauen. Es war kläglich, aber sicher. Aber Sicherheit allein reichte nicht, um Emilia Dias Geldgar im Zaum zu halten. Man glaubt, dass sie schon im Workhaus plante, wo und wie sie wieder mit dem Baby Farming anfangen wollte.

 Allerdings brachte sie jetzt erstmal eine neue Assistentin. Jetzt wo Polly und Arthur weg waren. Lange musste sie aber nicht suchen. Die Frau, mit der sich Emilia zusammentat, hieß Jane Smith. Sie war eine 70-jährige Almosenempfängerin und perfekt für die Arbeit geeignet. Das glaubte Emilia jedenfalls. Als Emilia Jane von ihrem Baby Farminggeschäft erzählte, versicherte sie ihr, dass es ein edler und tugenhafter Beruf sei.

 Sie würden vielen jungen Frauen eine große Last von den Schultern nehmen. Jane glaubte Emilia jedes Wort. Emilia versprach sogar, dass sie ihren Lebensabend gemeinsam verbringen würden, wie Schwestern. Jane sagte zu. Sie verließen das Workhaus und zogen zusammen nach Fischpont. Kurz darauf begann Emilia neue Anzeigen zu schalten.

Es war viel Zeit vergangen, seit sie das letzte Mal echtes Geld gesehen hatte. Sie nahm daher auf einen Schlag so viele Babys auf, wie sie konnte. Dass sie die Babys ermordete, erzählte Emilia Jane nicht. Immer wenn Emilia mit einem Baby das Haus verließ und mit einem anderen zurückkam, dachte Jane, dass es einfach zum normalen Ablauf dazu gehörte. Sie vertraute Emilia.

Emilia zog das Ganze als Mutter Tochterunternehmen auf. Sie überzeugte die leichtgläubige Jane sich von ihr Mutter oder Granny Smith nennen zu lassen. Es beruhigte die jungen Mütter, dass sie es mit zwei freundlichen und harmlosen alten Damen zu tun hatten, die sich nach einem liebevollen Zuhause für ihre ungewollten Kinder umsehen würden.

Emilia behielt ihre alte Taktik alle paar Monate umzuziehen bei. Sie wollte sichergehen, dass die Gouvernante ihr nicht noch einmal in die Quere kam. Eine ihrer Stationen war die Cansington Road 45 in Redding Berkshire in der Nähe des Themsefers. Fast 30 Jahre lang war es Emily Dyer gelungen, mit dem Mord an über 300 Babys davon zu kommen.

 Doch damit sollte nun Schluss sein. Im Januar 1896 brachte die 25-jährige Barfrau Evelyn Marman ihre kleine Tochter Doris zur Welt. Im März gab sie eine Non auf, in der sie nach einer Amme suchte. Direkt neben Evelyns Anzeige war die einer gewissen Miss Harding, die ein Kind für ein verheiratetes Paar adoptieren wollte.

 Miss Harding war einer von Emilys Decknamen. Sie antwortete auf Evelyns Ann überzeugte die junge Mutter, dass ihre kleine Doris bei ihr in guten Händen sein würde. Evelyn und Emilia schrieben über mehrere Wochen hin und her und schon bald hatte Evelyn das Gefühl, die richtige Person für ihr Kind gefunden zu haben. In den frühen Morgenstunden des 30.

 März nahm Emilia schließlich das übelriechende Päckchen und warf es in die Temse. Aus purer Nachlässigkeit versäumte sie aber zu überprüfen, ob es wirklich untergegangen war. Später am Morgen kam ein Schiffer mit seinem Lastkarn an der Stelle vorbei. Er sah das Paket im Wasser treiben und holte es mit einem langen Haken an Bord.

Als er die vielen lagenbraunen Papiers entfernte, kam zuerst ein menschlicher Fuß und dann ein ganzes Bein zum Vorschein. Der Schiffer legte an und alarmierte die Polizei. Constable James Anderson und ein Arzt legten den Rest von Helena Fry Leiche frei. Voller Schrecken sahen sie die Schnur, die das Mädchen immer noch um den Hals hatte.

Ein klares Indiz dafür, dass sie ermordet worden war. Als er sich das Paket genauer anschaute, fand Constable Anderson ein Etikett vom Temple Mats Bahnhof, den größten Bahnhof Bristols. Außerdem fand er eine handschriftliche Notiz auf dem Papier, die glücklicherweise nicht vom Wasser verwischt worden war.

 Es war ein Name und eine Adresse. Mes Thomas 26 Piggots Road Lower Carham Redding Oxen. Pigots Road 26 war das Haus, in dem Emilia Anfang des Jahres 1896 gewohnt hatte. Constable Anderson fuhr zum Temple Meetsbahnhof, wo einer der Angestellten nicht nur das Paketmaterial wiedererkannte, sondern auch wusste, dass Mes Thomas in die Kansington Road 45 umgezogen war.

Constable Anderson und Sergeant Harry James nahmen die Ermittlungen auf. Die Nachbarin und Nachbarinnen in der Pigots Roads bestätigten, dass Miss Thomas früher dort gewohnt hatte und dass immer wieder Babys ins Haus gebracht wurden. Noch interessanter für die Polizei war aber, dass die ehemalige Bewohnerin auch von der NSPC beobachtet wurde.

 Die Puzzelteile fügten sich zusammen. Um die Verdächtige aber nicht zu verschrecken, entschied sich die Polizei für eine verdeckte Operation. Anfang April versuchten die Beamten Emilia eine Falle zu stellen. Ihr Lockvogel war eine Frau, die vorgab, nach Adoptivelern für ihr Kind zu suchen.

 Als Emilia von einem Besuch bei Polly zurückgekehrt war, traf sie sich mit der vermeintlichen Kundin. Die beiden einigten sich auf einen Preis und verabredeten sich für den nächsten Tag zur Übergabe des Babys. Doch statt einer jungen Frau standen am 3. Constable Emerson und Sergeant James vor Emilias Tür. Die Polizei durchsuchte das Haus und fand überall Beweise für Emilias Verbrechen.

 Sie fanden mehrere Rollen Paketschnur, Babykleidung und eine große Blechdose, die stark nach Verwesung roch. Anderson und James verhafteten Amilia an Ort und Stelle. Einen Tag später wurde sie wegen Mordes angeklagt. Die Polizei stellte Briefe sicher, die sie zu Polly und Arthur führten. Die Beamten hielten Arthur für Amelias Komplizen und verhafteten ihn, obwohl er beteuerte, nichts mit der Sache zu tun zu haben.

 Einen Monat später wurde auch Polly festgenommen, nachdem sie versehentlich ihre eigenen Babyfarminggeschäfte enthüllt hatte, bei denen ein Kind zu Tode gekommen war. In den Wochen danach fand die Polizei immer mehr Babyleichen in der Temse, darunter auch die von Doris Marman und Harry Simmons Amilias letzten beiden Opfern.

 Zwischen Redding und London wurden insgesamt 50 Leichen im Fluss gefunden. Emilia sagte der Polizei: “Meine erkennen Sie an der Schnur um den Hals.” Als Emilia von Polys und Arthurs Verhaftung erfuhr, befürchtete sie, die beiden in ihre Verbrechen hineinzuziehen. In einem seltenen Akt der Selbstlosigkeit legte Emilia ein schriftliches Geständnis ab, indem sie Polly und Arthur komplett entlastete.

Trotzdem tat sie natürlich, was sie konnte, um der Todesstrafe zu entgehen. Bei ihrem Prozess im Old Bailey plädierte sie auf Unzurechnungsfähigkeit. Sie sagte, dass sie an einer angeborenen Geisteskrankheit leide. Ein Beweis dafür seien ihre Klinikaufenthalte. Die Ärzte, die Emilia untersucht hatten, behaupteten dagegen, dass sie völlig gesund sei.

Die belastendste Aussage kam von einem Zeugen, der gesehen hatte, wie Emelia mit einer Tasche zum Fluss gegangen und ohne die Tasche wiedergekommen war. Es war die Tasche, in der sie die Leiche von Helena Frey transportiert hatte. Die Jury brauchte nur viereinhalb Minuten, um zu einer Entscheidung zu kommen. Das Urteil: Tod erhängen.

Die Hinrichtung fand am 10. Juni 1896 im Newgate Prison statt. Emilias Henker James Billington fragte, ob sie noch irgendwelche letzten Worte habe. Emilia antwortete, dass sie nichts zu sagen habe. Dann zog Billington ihr die Kapuze über den Kopf und legte den Strick um ihren Hals. Um Punkt 9 Uhr morgens zog er den Hebel.

The Redding Baby Farmer, wie die Presse Emilia nannte, war tot. Emilia Prozesse und Hinrichtungen führten zu lautstarken Forderungen nach strengeren Adoptionsvorschriften. Das Parlament ermöglichte den lokalen Behörden Babyfarmerinnen strenger zu überwachen, aber trotz der Bemühungen riss das Geschäft mit den Neugeborenen nicht ab.

 Innerhalb von 10 Jahren nach Emilias Tod wurden drei weitere Babyfarmerinnen wegen Mordes verurteilt und hingerichtet. Nach ihrer Exekution rankten sich schnell viele lokale Mythen um Emilia. Es gab sogar die Theorie, dass sie auch hinter den Jack the Ripper Morden steckte, die in die gleiche Zeit fielen wie ihre Verbrechen.

 Die Theorie stützte sich auf die Annahme, dass die Sexarbeiterinnen, die Jack the Ripper ermordete, in Wirklichkeit Frauen waren, die wegen einer Abtreibung zu Emilia gekommen waren. Das mag zwar nach einem originellen Ansatz klingen, Beweise dafür gab es aber nie. Nach Emilias Tod wurde es leider keineswegs still um die Dier Familie.

Zwei Jahre später fand man ein braunes Päckchen in einem Eisenbahnwaggon. Jemand hatte es einfach liegen gelassen. In dem Paket war ein dre Wochen altes Mädchen. Glücklicherweise lebte es noch. Die Kriminalpolizei fand heraus, dass eine Frau namens Jane Hill auf die Ann gewissen Misses Stuart geantwortet hatte.

In der Annonce hatte Stuart angeboten, ein kleines Mädchen für 15 Pfund zu adoptieren. Die Detectives spürten Miss Stuart und ihren Mann auf und befragten sie zu dem Vorfall. Es dauerte nicht lange, bis herauskam, dass Misses Stuart nur ein Deckname war. Der richtige Name der Babyfarmerin soll Polly Palmer gewesen sein.

 Ehefrau von Arthur Palmer. Wenn die Behauptung stimmt, hatte Polly anscheinend noch einmal versucht, das Erbe ihrer Mutter fortzuführen. So oder so wurde die verantwortliche Babyfarmerin in diesem Fall rechtzeitig gestoppt. Im Gegensatz zu Emilia Dier, die bis heute zu den grausamsten Serienkillern Englands zählt. Vielen Dank fürs Zuhören.

 Mein Name ist Diane Helscher und ich bin Mark Augestat. Du kannst jetzt eine Bewertung für den Podcast daassen und die Glocke aktivieren, um keine Folge zu verpassen. Serienkiller ist ein Spotify Original von Parcast. Produziert in Zusammenarbeit mit Bose Park Productions. Adaptiert von dem amerikanischen von Max Cutler kreierten Original Serial Killers.

Deutsche Produktion Wiebgewinter Chris Guse, Suholder Kli köhler, Fabio Lautenschläger, Simon Uta Kirschei und Daniel Nicolao. Das Originalskript wurde ins Deutsche übersetzt von Klaus Schwartau. Vielen Dank an Julien Buarau.

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