News

Mord in Oberbayern… | Der Fall Hinterkaifeck T

Mord in Oberbayern… | Der Fall Hinterkaifeck 

 Kaum ein Fall wurde sich von euch so oft gewünscht wie der Fall hinter Kaifek. Das grausame Verbrechen, das sich 1922 in Oberbayern zugetragen hat, beschäftigt die Menschen auch noch über 100 Jahre spät. In den letzten Jahren ist die Tat zur Grundlage zahlreicher Verfilmung und literarischer Veröffentlichungen geworden.

 Dieser Fall ist einer der bekanntesten deutschen Fälle und regt immer wieder zu Analysen, Theorien und Diskussionen an. Wer hat in der Nacht auf den 1. April 1922 sechs Menschen auf dem Bauernhof Hinter Kaifek mit einer Hacke ermordet? Im heutigen Video werden wir den Fall hinter Kaifek analysieren und dieser Frage auf den Grund gehen.

[Musik] Der Hof hinter Kaifek wird im Jahr 1863 errichtet. Obwohl sein Name anderes vermuten lässt, ist der Hof nicht Teil der Gemeinde Kaifek. Tatsächlich handelt es sich bei Hinterk nicht um den Namen eines Dorfes, sondern nur um den Hausnamen des Hofes. Der Hof trägt die ungewöhnliche Hausnummer 27 einhalb und liegt etwa 500 m südwestlich von Gröbern in der Einöde der Gemeinde Wangen.

 Heutzutage ist diese Gegenteil der Gemeinde Weithofen im Landkreis Neuburg Schroenhausen in Oberbei. Hinter Kaifek setzt sich aus verschiedenen Gebäuden zusammen. einem Haupthaus mit angrenzendem Gemüsegarten, einem Backhaus und einem Geräteschuppen. Das Haupthaus beherbeckt den Wohnbereich der Familie mit zwei Schlafzimmern, einer Küche, einem Keller und einem Dachboden.

 Der Dachboden beinhaltet eine Räucherkammer, ein Heuboden und eine Zenne, wo das Getreide gedroschen wird. Der Wohnbereich geht in den Stall über, in dem Schweine, Hühner und Kühe gehalten werden. Ein rechtwinklig angrenzender Trakt beherbgt die Scheune und ein Maschinenhaus, in dem Getreide und Stroh gelagert werden, sowie einige Gerätschaften.

 Eine kleine Motorhütte grenzt an die Scheune an. Der Rest der Geräte befindet sich in einem großen Holz und Geräteschuppen auf dem Grundstück. Hinter dem Haupthaus steht ein Backhaus, in dem die Familie Brot backt. Das Grundstück ist von zwei Seiten von einem dichten Wald namens Hexenholz umgegen. Aber wer sind eigentlich die Bewohner von Hinter Kai? Im Jahr 1922 lebt dort die Familie Gabriel und Gruber, bestehend aus dem 64-jährigen Andreas Gruber und seiner 72-jährigen Frau Cecilia.

Andreas gilt als misstrauisch, grob und stur. Er lässt sich nicht so leicht von Dingen verunsichern und gibt auf dem Hof immer noch den Zon an, obwohl er ihn schon länger seiner Tochter Victoria vermacht hat. Auch sie lebt auf dem Hof. Victoria Gabriel ist 35 Jahre alt und als Sängerin im Kirchenchor bekannt für ihre schöne Stimme.

 Dadurch hat sie auch ihren Spitznamen Lehr von Kaifek erhalten. Victoria ist verwittw. Ihr Mann Karl Gabriel verstarb 1914 während der ersten Kriegstage in Frankreich. Von ihm hat sie auch eine siebenjährige Tochter, die genauso wie ihre Mutter ebenfalls Zezilia heißt und ihren Vater durch seinen frühen Tod nie kennenlernen konnte.

Ceilia wird von den meisten nur Zilli genannt und besucht die erste Klasse der Volksschule in Weithofen. Victoria hat außerdem einen unehelllichen zweijährigen Sohn namens Josef. Da das im Laufe des Falles noch eine sehr große Rolle spielen wird, werde ich gleich auf die Umstände noch einmal genauer eingehen und auch darauf, wer Josefs Vater ist oder sein könnte.

 Mit der Familie auf dem Hof lebt auch noch ihre neue Markt, die 44-jährige Maria Baumgartner. Maria hat eine leichte geistige Behinderung sowie eine G-behinderung, durch die sie hingt und eine Invalidenkarte besitzt. Das ist so etwas wie ein Behinderten Ausweis der damaligen Zeit. Der 31. März 1922 ist ihr erster Arbeitstag bei der Familie und noch bevor sie ihre Arbeit richtig antreten kann, verliert auch sie auf grausame Art und Weise ihr Leben.

 Hinter Kaifek liegt abgelegen von anderen Häusern und das scheint seinen Bewohnern auch gelegen zu können. Bei den anderen Anwohnern gilt die Familie als sehr zurückgezogen. Sie besitzen schätzungsweise 100.000 Mark, was zur damaligen Zeit sehr viel Geld ist. Ein Teil ihres Geldes haben sie unter anderem in Münzen und Schmuck angelegt, aber auch ihr Grundstück ist einiges an Geldwert.

Auf ihm halten sie Rinder, Hühner und Schweine, durch die Sie sich finanzieren. Oft beschäftigen sie für kurze Zeit umherziehende Hilfsarbeiter. Das ist zwar illegal, aber auch sehr preiswert und die Familie ist dafür bekannt, geizig zu sein und an jeder Ecke Geld zu sparen. 1915 kommt es zu einem Skandal, als Andreas Gruber und seine Tochter Victoria wegen Inzest verurteilt werden.

Victoria muss einen Monat lang ins Gefängnis und ihr Vater wird zu einem Jahr im Zuchthaus verurteilt. Das ist eine Art Gefängnis, in der er schwerer körperlicher Arbeit nachgehen muss. Man geht davon aus, dass die Beziehung zwischen Vater und Tochter mindestens seit dem 16. Lebensjahr von Victoria besteht.

 Sie selbst soll geäußert haben, dass ihr Vater sie bereits im frühen Jugendaltersell missbraucht haben. Ihr Verhältnis wird in vielen Quellen als einvernehmliche Beziehung dargestellt, aber tatsächlich hat sich nie eindeutig klären lassen, ob Victoria dafür später ihr Einverständnis gegeben hat oder ob sie all die Jahre von ihrem Vater missbraucht worden ist.

 Als Victorias Mann im Ersten Weltkrieg fällt, soll ihr Vater dazu gesagt haben: “Meine Tochter braucht keinen Mann mehr, dafür bin ich da. Wie gerade erwähnt, hat Victoria 1919 ihren Sohn Josef zur Welt gebracht. Es gibt Gerüchte darüber, dass ihr eigener Vater auch der Vater ihres Sohnes ist. Offiziell hat der damalige Ortsvorsteher von Gröbern und Nachbar der Familie, Lorenz Schlittenbauer, die Vaterschaft anerkannt.

 Victoria soll ihn bereits versucht haben zu verführen, als Lorenz noch verheiratet gewesen ist. 1918 verstirbt seine Frau an Krebs und nur kurze Zeit später lässt er sich auf einer Affäre mit Victoria ein. Laut Lorens Angaben sollen die beiden nur fünf mal miteinander geschlafen haben. Als Victoria schwanger wird, wollen die beiden heiraten.

 In der Gemeinde besteht aber das Gerücht, dass Victoria ihn nur verführen und heiraten will, da sie zuvor schon schwanger gewesen ist und ihn als Vater präsentieren will. Denn würde herauskommen, dass die inzestuöse Beziehung zu ihrem Vater weiterhin besteht, würde die Strafe als Wiederholungstäter für sie deutlich härter ausfallen.

 Die Hochzeit findet aber nicht statt und der Grund ist der Vater von Victoria. Andreas Gruber ist gegen die Hochzeit seiner Tochter mit Lorenz Schlittenbau. Er möchte nicht, dass sie wieder einen Mann heiratet. Daraufhin leugnet Lorenz im September 1919 die Vaterschaft von Josef und zeigt Andreas wegen Blutschande an. Andreas muss in Untersuchungshaft.

 Lorenz nimmt aber nur kurze Zeit später seine Anschuldigungen zurück und erkennt die Vaterschaft zu Josef wieder an, nachdem Victoria ihn darum gebeten hat. Er zahlt für Josef aber nie Unterhalt, da Victoria freiwillig darauf verzichtet hat, wenn er dafür die Vaterschaft wieder anerkennt. Das Verhältnis zwischen ihm und Victoria besteht zu diesem Zeitpunkt nicht mehr.

 Etwas später leugnet er die Vaterschaft erneut und besteht wieder darauf, dass Andreas der wahre Vater ist. Diese Anschuldigung wird dieses Mal aber nicht mehr nachgegangen. 1921 heiratet er eine andere Frau. Victoria und er treffen sich nicht mehr, aber das Verhältnis zwischen Lorenz und den Grubers scheint sich mit der Zeit wieder normalisiert zu haben.

 Die Gabriels und die Grubers führen ihr Leben auf Hinterkmal fort. Die Monate gehen ins Land und nichts Außergewöhnliches passiert, bis sich Anfang 1922 plötzlich mehrere seltsame Vorkommnisse ereignen. Am 26. März 1922 macht Andreas Gruber eine seltsame Entdeckung. Er findet in der Nähe des Hofes ein Exemplar der Münchener Zeitung.

 Das ist ungewöhnlich, da die Zeitung eigentlich niemand in der näheren Umgebung liest. Dennoch glaubt er zunächst, dass dem Postboten ein Exemplar aus der Tasche gefallen sein muss. Später stellt sich aber heraus, dass dieser die Münchener Zeitung gar nicht austrägt, da sie wirklich niemand in der Gegend abonniert hat.

Die Familie erzählt auch davon, dass in diesen Tagen scheinbar immer wieder ein Mann mit einem Schnauze am Wald ran steht und von dort aus das Haus der Familie beobachtet. Andreas vermisst zudem sein Hausschlüssel, den er trotz umfangreicher Suchen nicht wiederfinden kann. Am 30. März bemerkt Andreas einen Einbruch.

 Nachdem ein Versuch an der Tür zur Futterkammer gescheitert ist, ist es der Person gelungen, das Vorhängeschloss an der Motorhütte aufzubrechen und sich darüber Zugang zu der Scheune und dem Stall zu verschaffen. Die Person hat eine Kuh losgebunden, aber scheinbar nichts gestohlen. An diesem Morgen entdeckt Andreas auch Fußspuren im Schnee, die zu ihrem Haus hin, aber nicht wieder wegführen.

 Um 11 Uhr vormittags trifft Andreas den Nachbarn Lorenz Schlittenbauer und erzählt ihm von den Ereignissen. Lorenz bietet ihm seine Waffe an und empfiehlt die Polizei zu alarmieren. Doch Andreas lehnt ab. Eine Entscheidung, die ihm vielleicht nur kurze Zeit später das Leben kosten soll. So richtig bekommt die Familie es mit der Angst zu tun, als sie in der nächsten Nachtschritte auf dem Dachboden hören.

 Als Andreas nachsieht, kann er aber niemanden entdecken. Davon berichten Andreas und Victoria, als sie am nächsten Vormittag in Schroenhausen einkaufen gehen. Am 31. März berichtet die siebenjährige Zilia zudem in der Schule von einem sonderbaren Vorkommnis. Sie erzählt ihrer Freundin, daß ihre Mutter in der letzten Nacht nach einem heftigen Streit in den Wald gelaufen sei.

 Erst Stunden später habe man sie dort finden können. 33 Jahre später ändert Cecilias Schulfreundin allerdings ihre Aussage und gibt an, dass Cecilia damals nicht von ihrer Mutter Victoria erzählt habe, sondern von ihrer Großmutter Cecilie. So oder so wird dieses Ereignis nur kurze Zeit später durch ein viel schlimmeres überschattet.

 Denn nicht einmal 24 Stunden, nachdem Zilia mit ihrer Schulfreundin gesprochen hat, werden sie und ihre gesamte Familie ermordet. Maria Baumgartner trifft mit ihrer Schwester Franziska Schäfer am 31. März um 16:30 Uhr auf Hinterkaifer. Die beiden sind zu Fuß gekommen und haben sich unterwegs bereits einmal verlaufen.

 Heute ist Marias erster Arbeitstag auf Hinterkaifek. Die ehemalige Dienstmark der Familie Chris Sens Rie hat im September des Vorjahres gekündigt, dass es laut ihr auf dem Hof spuken würde. Die Tür ihres Zimmers haben sich nachts immer wieder von allein geöffnet und sie hätte sich beobachtet gefühlt. Nun soll Maria ihre Stelle übernehmen.

 Zuvor hatten bereits einige andere Mägte nach kurzer Zeit gekündigt, da die Arbeit auf dem Hof schwer und die Bezahlung schlecht ist. Franziska verabschiedet sich gegen 17 Uhr. Franziska beschreibt die Situation später wie folgt. Maria lief mir nach dem Abschied noch mal nach, griff nach meiner rechten Hand und wollte mich gar nicht loslassen, als hätte sie etwas geahnt.

 Franziska ist die letzte Person, die die Familie lebend sieht. Maria packt ihre Sachen aus und die Familie verbringt einen ruhigen Abend im Haus. Der letzte Schnee ist gerade geschmolzen, aber dennoch ist es draußen kalt und ein starker Sturm zieht über die Felder und den umliegenden Wald. Vermutlich ist jeder der Bewohner froh, dass sie an diesem Abend nicht mehr aus dem Haus müssen.

 Unbemerkt von ihnen verschafft sich in der Zwischenzeit eine fremde Person Zugang zu ihrem Haus. Zwischen 19:30 Uhr und 21 Uhr bindet diese Person angeblich ein Rind im Stall der Familie los. Man vermutet, dass das losgebundene Tiergeräusche verursacht, die nach und nach die Familienmitglieder vom Wohnhaus in den Stall locken.

 Auf diese Theorie und einige Ungereimtheiten, die mit ihr einhergehen, werde ich an später Stelle noch einmal genauer eingehen. Rekonstruktion zufolge betritt als erstes Victoria den Stall und geht durch eine Durchgangstür in die daran angrenzende Scheune. In unmittelbarer Nähe zu dieser Tür wird sie angegriffen und von einem Unbekannten mit einer Rauthaue einer Hacke erschlagen.

 Kurz darauf betritt ihre Mutter Cecilia den Raum und wird ebenfalls erschlagen. Auch Andreas Gruber, der als nächstes in die Scheune geht, wird angegriffen und umgebracht. Als letztes folgt die siebenjährige Zeilie ihrer Familie in die Scheune. Auch sie wird mit der Hacke angegriffen und erschlagen. Im Gegensatz zu ihren Familienmitgliedern überlebt Cilia den Angriff aber zunächst.

 Obwohl ihr der Schädel eingeschlagen wurde, ist sie noch mindestens zwei Stunden am Leben. In ihrem Todeskampf reißt sie sich vor Schmerzen mehrere Haarbüschel aus, die man später in ihren Händen findet. Letztendlich erliegt aber auch sie ihren Verletzung. Wie lange es gedauert hat, bis alle vier Familienmitglieder die Scheune betreten haben, weiß man nicht.

Rekonstruktionen ergeben allerdings, dass man Schreie aus der Scheune nicht bis ins Wohngebäude hätte hören können und man vermutet daher, dass die Opfer nach und nach in die Scheune gegangen sind, weil sie sich gefragt haben, warum die anderen nicht zurückkommen. Es gibt aber noch ganz andere Theorien zum Tathergang, auf die ich an später Stelle eingehen werde.

 Nach seiner Tat geht der Fremde jedenfalls in das Wohngebäude der Familie und trifft in der Marktkammer auf Maria Baumgartner. Er schlägt auch sie und geht anschließend in das Schlafzimmer von Victoria und ihren Kindern. Dort tötet er den zweijährigen Josef, der in seinem Kinderwagen liegt. Nachdem der Mörder die sechs Hofbewohner hingerichtet hat, liegt Stille über hinter Kaifek.

 Man könnte annehmen, dass der Täter nun genauso schnell und still verschwindet, wie er auch gekommen ist. Doch dem ist nicht so. Er scheint es alles andere als eilig zu haben, hinter Kaifek wieder zu verlassen. Der Tod der Familie bleibt zunächst unbemerkt. Noch in der Tatnacht sieht ein Landwirt auf dem nach Hauseweg um 3 Uhr morgens zwei gestalten.

 Die beiden Unbekannten sollen am Waldrand gestanden haben und als sie ihn bemerkten, hätten sie sich angeblich weggedreht, sodass man ihre Gesichter nicht sehen konnte. Am 1. April fehlt die kleine Zeilia unentschuldigt in der Schule. Zwischen und 14 Uhr an diesem Tag treffen Kaffeehändler am Hof ein, um die Bestellung der Familie aufzunehmen.

Sowas war früher ganz normal, aber es scheint niemand da zu sein. Auf ihr Klopfen und rufen wird nicht reagiert. Als sie um das Haus herumgehen, bemerken sie, dass das Tor zum Maschinenhaus offen steht. Sie denken sich aber nichts dabei und verlassen den Hof wieder. In der Nacht geht ein Zimmermann am Hof vorbei.

 Er hat gerade seinen letzten Auftrag beendet und bahnt sich nun seinen Weg durch die stürmische Nacht, um zum Hof seiner Eltern zu gelangen. Das einzige Grundstück, an dem er in der sonst leeren Feldmark vorbeikommt, ist der Hof hinter Kaifek. Dabei fällt ihm auf, dass das Backhaus raucht, was bedeutet, dass es im Betrieb ist.

 Aus dem Schornstein des Wohnhauses kommt ebenfalls Rauch. Als er sich dem Haus nähert, kommt ein Mann auf ihn zu, der ihm mit einer Taschenlampe ins Gesicht leuchtet. Der Zimmermann fühlt sich unwohl und setzt schnell seinen Weg nach Hause fort. Er beobachtet dabei aber auch noch den Schein einer zweiten Taschenlampe im Wald, der an den Hof grenzt.

 Also hielten sich an diesem Abend wahrscheinlich zwei Personen dort auf. Am 2. April, einem Sonntag fällt auf, dass die Familie in der Kirche fehlt. Später besucht ein Mann den Hof, um dort Schmalz zu kaufen, aber auch er trifft niemanden dort an. Am Montag fehlt Ceilia erneut in der Schule. Der Postbote bringt die Zeitung vorbei. Er steckt sie ans Küchenfenster und wundert sich darüber, dass der kleine Josef nicht so wie sonst in seinem Kinderwagen in der Küche sitzt und ihm zuwinkt.

 Durch das Fenster kann er sehen, dass die Küchentür zu diesem Zeitpunkt halb geöffnet ist. Auch die Zeitung vom Samstag liegt noch draußen und wurde von der Familie nicht ins Haus geholt. Mit einem unguten Gefühl verlässt er den Hof wieder und geht weiter seiner Arbeit nach. Auch am 4. April fehlt Ceilia unentschuldigt in der Schule.

 An diesem Tag kommt um 9 Uhr ein Monur nach hinter Kaifek. Er möchte die Zylinderkopfdichtung der Futterschneidemaschine austauschen. In den letzten Wochen musste er seine Arbeit bereits mehrere Male wegen des schlechten Wetters verschieben. Aber an diesem Tag sollte es endlich soweit sein. Unterwegs geht er durch Wangen und trifft dort den Bürgermeister, dem er von seinem Vorhaben erzählt.

 Auf dem Hof angekommen, trifft auch er niemanden an. Einzig und allein der Hof und der Familie habe laut ihm in der Scheune gebellt und die Kühe habe er im Stall hören können. Der Monteur wartet eine Stunde im Garten unter einem Baum darauf, dass die Familie zurück nach Hause kommt. Schließlich kann und will er nicht länger warten, weswegen er in die Motorhütte geht und beginnt den Motor zu reparieren.

 Insgesamt dauern seine Arbeiten viereinhalb Stunden. Laut eigenen Angaben habe er währenddessen gesungen und gepfiffen und am Ende den Motor probefen gelassen, um auf sich aufmerksam zu machen. Als er fertig ist, verlässt er die Motorenhütte wieder und schließt die Tür hinter sich. Er geht um den Hof herum in der Hoffnung, jemanden aus der Familie anzutreffen.

 Dabei sieht er laut eigenen Angaben, dass der Hund der Familie bei der Haustür angekettet ist. Er sei sehr unruhig gewesen und habe nicht aufgehört zu Bell. Ihn wundert das, da er den Hund bei seinem Eintreffen noch in der Scheune hat Bellen. Daher geht er davon aus, dass in der Zwischenzeit irgendjemand von der Familie auf dem Hof gewesen sein muss.

 Diese Aussage macht der Monteur aber erst, als er Jahre später befragt wird und es könnte daher sein, dass in seine Erinnerungen trügen. Trotzdem spielen seine Beobachtung eine sehr wichtige Rolle, da der Hofund ein wichtiges Schlüsselement ist, auf das ich später noch einmal ausführlicher eingehen werde. Der Monteur stellt außerdem fest, dass das Scheuntor offen steht, was bei seiner Ankunft noch nicht der Fall gewesen ist.

 Er wirft einen Blick in die Scheune, betritt sie aber nicht. Gegen 14:30 Uhr verlässt er den Hof wieder. Auf dem Rückweg durch Gröbern trifft er auf die Töchter der Nachbarsfamilie Schlittenbauer. Er teilt ihn mit, dass er den Motor repariert hat, aber niemand auf dem Hof anzutreffen war. In Wangen berichtet er auch dem Bürgermeister, wie seltsam leer ihm der Hof vorgekommen sei und dass er den Motor aber dennoch repariert habe.

 Um 17:30 Uhr macht er sich auf den Heimweg. Die Töchter gehen zu ihrem Vater Lorenz Schlittenbauer und erzählen ihm, was der Monteur ihnen erzählt hat. Deshalb macht er sich Sorgen und schickt am frühen Nachmittag desselben Tages seinen sehnjährigen Sohn Johann und seinen neunjährigen Stiefsohn Josef nach hinter Kaifck, um nach dem Rechten zu sehen.

 Der Hof liegt ungefähr 250 m von ihrem Wohnhaus entfernt. Als die beiden gegen 15:30 Uhr zurückkommen und berichten, dass sie niemanden angetroffen haben, macht sich Lorenz selbst auf den Weg nach hinter Kaifek. Seine Söhne begleiten ihn dabei, ebenso wie seine beiden Nachbarn Michael Pöll und Jakob Siegel. Als die drei am Hof eintreffen, ist das Scheuentor geschlossen, was sich von späteren Schilderungen des Monteurs unterscheidet.

Während die Kinder draußen warten, gehen die drei erwachsenen Männer durch die offene Tür vom Motorenhaus in die Scheune. Die Tür zu einem Teil der Scheune ist verschlossen und wird von den Männern aufgebrochen. Es ist dunkel in dem Raum und als Lorenz über einen Berg Heu steigt, stößt er gegen etwas.

 Michael, der ihm folgt, stolpert. Er beschreibt die Situation später wie folgt. Schlittenbauer geht voraus und zwar auf die Stalltür zu. Ich sehe ihn dabei etwas stolpern. Ich folge ihm unmittelbar und suche mit meinen Füßen am Boden, weil es schon etwas finster ist. Ich stoße dabei an etwas und sage dann zu den beiden Begleitern: “Da liegt schon was.

 Das ist ein Fuß”, ruft einer der beiden Männer. Schlittenbauer geht etwas zurück und greift dann an einen frei sichtbaren Fuß. Er zieht diesen weiter vor und dann erkennen wir in dieser Person den Andreas Grube. Die Männer schauen sich den Heuhaufen genauer an. Unter einer Schicht Heu befindet sich eine Tür, darunter wieder eine Heuschicht und darunter liegen die vier übereinander gestapelten Leichen der Familie.

Während die anderen Männer schockiert aus der Scheune wieder nach draußen gehen, geht Lorenz in Sorge um seinen Sohn in den Wohnbereich des Hauses. In der Mägte Kammer findet er die Leiche von Maria und als er Victorias Schlafzimmer betritt, findet er auch den kleinen Josef tot vor. Lorenz öffnet die Haustür, um die anderen hereinzulassen.

 Der Schlüssel, den er dafür verwendet, ist der, der bereits seit einigen Tagen von Andreas Gruber vermisst wurde, aber dazu an späterer Stelle mehr. Im Laufe der Jahre sind viele Widersprüche in den Ermittlungsarbeiten zu Hinterkaifek aufgefallen. Teilweise widersprechen sich Zeugen und auch die Polizeiarbeit weist einige Lücken und Fehler auf.

 An dieser Stelle werde ich zunächst das Vorgehen der Polizei und die gefundenen Hinweise schildern. In einem späteren Kapitel werden wir genau auf die Ermittlungsfehler und die dabei aufgetretenen Unstimmigkeiten eingehen. Die Polizei wird alarmiert und gegen 18 Uhr treffen die ersten Beamten aus hohen Wart auf Hinterkaif ein. Der Mord an der Familie hat sich im Dorf bereits herumgesprochen und die Polizisten haben alle Hände voll damit zu tun, die schaulustigen Nachbarn vom Hof fernzuhalten und das Gelände abzusperren. Um 18:15 Uhr geht eine

telefonische Meldung bei der Polizei in München ein und sechs Beamte machen sich auf den Weg nach hinter Kaifek. Zwei von ihnen sind Polizeihundeführer. Die Ermittlung werden von einem Münchener Kriminaloberinspektor geleitet. Sie treffen um 1:30 Uhr in der Nacht am Haus des Bürgermeisters ein. Da es auf dem Hof Hinterkaifer kein elektrisches Licht gibt und es wenig bringt, den Tatort bei Dunkelheit abzusuchen, warten Sie bis 5:30 Uhr am nächsten Morgen und besichtigen dann gemeinsam mit der Gerichtskommission aus Schrhausen den

Hof. Die Gerichtskommission macht dabei fünf Bilder vom Tatort. Zwei von den Leichen in der Scheune, eins von der Toten Markt, eins von Josefs Kinderwagen und eins vom Hof selbst. Lorenz, Michael und Jakob haben bei ihrem Eintreffen auf dem Hof den Hund der Familie im Stall eingesperrt vorgefunden.

 Der Hund ist geschlagen worden und hat eine Schwellung an Kopf und Auge. Das ist vor allem hinsichtlich der Aussage des Monteurs interessant, der den Hund nur wenige Stunden zuvor angeblich noch angekettet an der Haustür gesehen haben will. Da er wie bereits erwähnt, erst Jahre später befragt wird, fällt das zu diesem Zeitpunkt noch niemandem auf.

Aber welche Bedeutung hat das für den Tathergang und die Tat selbst? Wie bereits erwähnt, könnte der Hofhund eine zentrale Rolle im Fall hinter Kaifek spielen. Um das besser verstehen zu können, müssen wir zunächst einen genaueren Blick auf das Zusammenleben der Familie Gabriel Gruber mit ihrem Hund werfen.

 Der goldene Wolfspitz der Familie wurde tagsüber auf dem Hof als Wachhund gehalten und nachts im Stall eingeschlossen. Er galt als gefährlich und neigte dazu, schnell zuzubeißen. Die ehemalige Mark der Familie Kres Sens Riger berichtet von einem Angriff des Hundes auf sich selbst und einem Biss in die Wange der kleinen Zilia.

 Es bleibt aber unklar, warum der Hund nachts im Stall und nicht im Wohnbereich eingesperrt wurde. Zu dieser Zeit war es zwar üblich, dass Hunde als schmutzig galten und nur bei wenigen Familienfreiem Haus herumlaufen durften, aber diese Trennung hatte auch zurfolge, dass der Hund die Familie nachts nicht beschützen konnte, der vom Stall aus nicht in den Wohnbereich gelangte.

Insbesondere nach den seltsamen Vorkommnissen vor dem Mord wäre es nachvollziehbar gewesen, den Hund nachts ins Wohngebäude zu holen. Es ist anzunehmen, dass die Familienmitglieder das nicht getan haben, da sie entweder Angst hatten, gebissen zu werden oder die Gefahr unterschätzten und fälschlicherweise davon ausging, selbst damit fertig zu werden.

 Die Familienmitglieder sind vermutlich in der Scheune angegriffen worden. Auch das wirft einige Fragen auf, denn die Scheune wiederum hätte der Hund problemlos erreichen können. Es ist davon auszugehen, dass er bei einem Angriff auf seine Besitzer versucht hätte, diese zu verteidigen, indem er gebellt und den Angreifer gebissen hätte. Da man davon ausgeht, dass zumindest Letzteres nicht passiert ist, stellt sich die Frage, ob der Hund schon vorher eingesperrt oder an dieser Stelle bereits verletzt wurde.

 Ein aggressiver Hund hätte sich vermutlich nicht leicht einsperren oder anketten lassen, ohne auf die fremde Person loszugehen. Als Lorenz Schlittenbauer und die anderen die Leichen finden, ist der Hund jedoch so schwer verletzt, dass er nur noch winselt und nicht versucht, sie anzugreifen. Da sich der Hund laut den Aussagen des Monteurs aber nur wenige Stunden zuvor noch unverletzt vor dem Haus befunden hat, würde das bedeuten, dass ihm die Verletzung erst vor kurzem zugefügt wurde.

 Außerdem würde das darauf hindeuten, dass sich der Täter während der Reparatur des Motors noch auf dem Hof aufgehalten hat und erst danach den Hund verletzt und in die Scheune gebracht hat. Andere Zeugen, die in den Tagen zwischen dem Mord und dem Auffinden der Leichen am Hof vorbeigekommen sind, berichten ebenfalls von einem Bällen aus dem Stall.

 Der Monseur ist sicher, dass das Bällen zunächst aus der Scheune kam. Dies deutet darauf hin, daß der oder die Täter sich noch auf dem Hof aufgehalten haben, während der Monteur seine Arbeit verrichtet hat und dass sie währenddessen den Hund aus dem Stall gelassen und später wieder hineingebracht haben. Seltsam ist, dass der Hund zwar am Ende verletzt wurde, aber zuvor scheinbar den Anweisungen des Täters Folge geleistet hat, ohne ihn anzugreifen.

 Das passt nicht zu der Beschreibung des Hundes als äußerst aggressiv gegenüber Fremden. Normalerweise hätte er sich wahrscheinlich widersetzt und die oder den Unbekannten angegriffen. Aus diesem Grund entsteht die Vermutung, dass der Hund den Mörder gut gekannt haben muss, weshalb ihn nicht angegriffen und kein Alarm geschlagen hat, als er in der Tat nach den Stall betreten hat.

Dieser Theorie wird jedoch nicht weiter nachgegangen, weswegen das bis heute nur Mutmaßungen bleiben. Im Wohnhaus der Familie steht bei der ersten Tatortbegehung noch ein Topf mit eingebrannter Brotsuppe auf dem Herz. Auf dem Tisch befinden sich Essensreste. Der Abreiskalender der Familie ist seit dem 31.

 März nicht mehr abgerissen worden, was noch mal bestätigt, dass sich der Mord vermutlich in der darauffolgenden Nacht zugetragen hat. In Worias Schlafzimmer befinden sich einige Blutspritzer. Josef wurde durch die Haube seines Kinderwagens erschlagen. Anschließend wurde der Wagen vom Täter mit einem roten Rock abgedeckt.

 Auch im Flur des Wohngebäudes befinden sich Blutspuren. Die Spuren werden allerdings nicht gesichert und finden auch später keine Beachtung mehr. Maria liegt tot in ihrem Bett in der Marktkammer. Der Täter hat nach dem Mord ihren Körper teilweise mit der Bettdecke abgedeckt. Sie hat mehrere Schlagverletzung am Hinterkopf.

 Die vier Opfer in der Scheune wurden allem Anschein nach ebenfalls durch Schläge mit der Reutahacke auf den Kopf getoria und ihre Mutter Cecilia gruber weisen zusätzlich Würgemale auf. Die Ermittler betreten den Dachboden, der sich durchgängig über Wohnhaus, Stall und Scheune erstreckt. Der Boden ist mit Heu bedeckt, fast so, als hätte es jemand absichtlich verzeilt, um seine Schritte zu dämpfen.

 Wir erinnern uns daran, dass Andreas und Victoria nur eine Nacht vor ihrem Zot von Schritten auf dem Dachboden berichtet haben. An zwei Stellen sind Dachziegel so verschoben worden, dass es möglich gewesen ist, von dort aus das gesamte Hofgelände zu überblicken. Es wird vermutet, dass der oder die Täter die Familie vor der Zart mehrere Tage von dort aus beobachtet haben.

 Eine andere Theorie, die gelegentlich übersehen wird, ist die Möglichkeit, dass der Täter den Hof von dort aus erst nach der Tat überwacht hat, um genau zu sehen, wer wann den Hof betritt. Zwei Mulden in einem Heuhaufen deuten darauf hin, dass dort zeitweise ein oder zwei Personen gelegen haben. Die Polizeihunde schlagen an dem Heuhaufen auch an und finden menschliche Exkremente.

 Auf dem Dachboden werden auch Blutspuren gefunden, sowie ein roter Handabdruck, bei dem unklar ist, ob er aus Farbe oder Blut besteht. Den Ermittlern fällt auf, dass der oder die Täter nach der Tat noch einige Zeit auf dem Hof geblieben sein müssen, denn die Tiere wurden die gesamten Tage über noch zuverlässig gefüttert und getränkt.

Das ist ein eindeutiges Indiz dafür, daß sich bis zum Auffinden der Leichen jemand auf dem Hof aufgehalten haben muss. Später wird bemerkt, dass Teile des Vorrats aus der Räucherkammer fehlen, darunter auch ein frisch angeschnittener Schinken. Die Essensreste, die man in der Küche vorgefunden hat, werden oft der Familie zugeschrieben, könnten aber genauso gut von den Tätern stammen.

 Das passt auch zu der Beobachtung vom Zimmermann, der ein Feuer im Backhaus und Rauch aus dem Kamin aufsteigen gesehen und eine Person mit einer Taschenlampe auf dem Grundstück gesehen hat. Die Täter könnten das Feuer im Backhaus genutzt haben, um blutige Kleidung oder andere Hinweise zu verbrennen. Dafür spricht auch, dass der aufsteigende Rauch von ihm als unangenehm riechend beschrieben wurde.

 Am Waldrand finden die Bamen außerdem Asche und mehrere Zigarettenstimmel. In der Küche des Wohnhauses beginnen an diesem Tag die ersten Befragungen. Befragt werden dabei Lorenz Schlittenbauer, Michael Pöll und Jakob Siegel, die drei Männer, die die Leichen gefunden haben, sowie Franziska Schäfer, die Schwester der Markt, die die Familie als letztes Lebend gesehen hat.

Später gibt Johann, der 16-jährige Sohn von Lorenz Schlittenbauer, an, einen Streit auf dem weitfender Friedhof beobachtet zu haben. Victoria Gabriel habe sich dort mit einem ihm fremden Mann gestritten, der sie bedrängt und gesagt haben soll: “Frauen wie du lassen mir keine Ruhe.” Victoria habe den Mann daraufhin georfeigt und sei weggegangen.

 Diese Aussage wird aber nicht weiter nachgegangen und nach nur zehn Stunden sind die Ermittlungen der Münchener Mordkommission beendet. Die Ermittler vermuten zunächst ein Raubmord als Motiv. Im Laufe der nächsten Jahre wird diese Theorie aber immer unwahrscheinlicher. Obwohl der oder die Täter die Möglichkeit und Zeit hatten, das gesamte Geld und die Wertgegenstände der Familie zu stehlen, wurde fast alles davon im Haus zurückgelassen.

 Lediglich ein Portemonnaie in Victorias Schlafzimmer ist gelehrt worden. Dort wurden auch die Schränke durchwühlt, aber offensichtlich herumliegender Schmuck, weiteres Papiergeld und zahlreiche Goldmark wurden unbeachtet zurückgelassen. Das macht einen Raubüberfall eigentlich sehr unwahrscheinlich. Hat der Täter vielleicht nach etwas anderem in Victorias Schlafzimmer gesucht? Johanns Beobachtung könnten einen Hinweis darauf sein, dass der Mörder ein persönliches Motiv hatte und Victoria kannte. Am nächsten Tag, dem 6. April

trifft ein Arzt auf Hinterkaif ein, um dort die Opfer zu obdieren. Er wird begleitet von einem Kanzleiassistenten. Die Obduktion wird nicht vorschriftsgemäß durchgeführt. Eigentlich müssten zwei Ärzte anwesend sein. Außerdem findet sie auf einem provisorischen Obduktionstisch statt, den sie kurzerhand aus einer umgedrehten Tür und zwei Holzblöcken selbst errichten.

 Es existiert kein offizieller Obduktionsbericht. Zwar wird ein kurzer Abduktionsbefund verfasst, aber ein vollständiger Bericht lässt sich später nicht finden und ist vermutlich nie geschrieben worden. Der kurze Befund existiert auch nur, weil der Arzt nach der Obduktion mit dem Staatsanwalt und dem Kriminalkommissar telefoniert und die beiden sich während des Telefonats Notizen machten, die später den offiziellen Befund darstellen.

 Dass bei dem Vorgang der Obduktion Fehler unterlaufen, könnte daran liegen, dass der Arzt eigentlich in einem anderen Fachbereich tätig gewesen ist. Er hatte jahrelang als Psychiater gearbeitet und obzieren erst wenige Wochen vor dem Mord in einem kurzen Kurs gelernt. Er führt die Obduktion also nicht nur ohne einen zweiten Arzt durch, sondern ist auch kein Fachmann in diesem medizinischen Bereich. Am 6.

 April werden Victoria und Cecilia Gabriel und Cecilia Gruber obduziert. Am darauffolgenden Tag werden Andreas Gruber, Maria Baumgartner und Josef Gabriel obdiert. Dabei wird festgestellt, dass Cecilia Gabriel wie bereits erwähnt als einzige nicht sofort verstorben ist und sich in einem mindestens 2we Stunden anhaltenden Todeskampf mehrere Haarbischel vom Kopf gerissen hat.

Eine Verletzung an ihrem Hals passt nicht zu den anderen. Sie könnte durch ein Messer zugefügt worden sein. Als Victoria und Cecilia Gruber untersucht werden, bemerkte Erzt Würgemal an ihn und klassische Abwehrverletzung scheint es nicht zu geben. Zumindest wird davon nicht berichtet. Das könnte verschiedene Bedeutung haben und eventuell ein Hinweis dafür sein, dass die Opfer ihren Mörder gekannt haben.

 Man vermutet bei der Obduktion zu diesem Zeitpunkt zwei Tatwaffen. Die Reuthaue, die Hacke kann zu diesem Zeitpunkt auf dem Hof nicht gefunden werden. Zwischenzeitlich wird ein Pickel als zweite Tatwaffe vermutet. Diesen hat Lorenz Schlittenbauer Andreas Gruber ausgeliehen. Als er die Leichen findet, habe er laut eigener Aussagen den blutigen Pickel im Futterg entdeckt, ihn herausgenommen und an die Wand gelehnt.

Dort wird er später auch vom Kommissar gefunden. Der Pickel wird aber nicht mehr erwähnt. Dementsprechend kann man entweder davon ausgehen, dass er keine Rolle mehr gespielt hat oder verschwunden ist. Nach der Obduktion werden die Köpfe der Opfer abgetrennt und dann das pathologische Institut nach München geschickt.

 Dort werden sie abgekocht, um sie so besser aufbewahren zu können und die Verletzung am Schädel besser sichtbar zu machen. Zu einem späteren Zeitpunkt wird mit den Schädeln Sance veranstaltet, bei der zwei weibliche Medien in Nürnberg versuchen, Kontakt mit den Geistern der Verstorbenen aufzunehmen, um den Mörder zu ermitteln. Der Staatsanwalt protokolliert die Seance.

 Eines der Medien beschreibt den Täter folgendermaßen. Hat etwas Scheues an sich. Hässliches Lachen noch jünger, Furche im Gesicht, im Blick etwas stechendes, kann sich sehr verstellen. Wenig überraschend bleibt auch diese Methode erfolglos. Nach der Sance verliert sich die Spur der Köpfe. Heute weiß man nicht mehr, wo sie sich befinden.

 Eventuell wurden sie nachträglich den Gräbern der Opfer hinzugefügt oder aber sie wurden zurück zum Institut gebracht und sind dort irgendwann während des Zweiten Weltkriegs verloren gegangen. Jahre später, 1953, berichtet der Assistent vom Arzt von einer Situation, die die beiden damals sehr verwundert hat. Als sie nach der Obduktion den Dachboden betreten, um dort die obuzierten Leichen abzulegen, entdecken sie ein Seil, das vom Heuboden in die Tenne reicht.

 Die Tenne ist der Ort, an dem das Getreide gedroschen wird. Ihn sei das Seil aufgefallen, da es angeblich am Tag vor den Obduktionen dort noch nicht gehangen habe. Es ist unklar, wie das Seil in der Zwischenzeit dorthinelangt sein soll. Andere Ermittler, die das Haus zuvor abgesucht haben, sind sich nicht sicher, ob es sich nicht doch schon die ganze Zeit über dort befunden hat.

Normalerweise ist ein Seil an dieser Stelle auch nicht allzu ungewöhnlich, das oft dazu verwendet wird, um Heu auf den Heuboden zu hiefen. Es könnte aber auch Eindringlingen dabei geholfen haben, auf den Dachboden zu gelangen und ein Zeichen dafür sein, dass sich die Täter bis zum Schluss auf Hinterkaif aufgehalten haben.

 Ob dieses Seil eine Rolle in dem Mordfall spielt, bleibt bis heute ungeklärt. Da es jedoch oft als Indiz dafür genannt wird, dass sich Fremde auf dem Dachboden befunden haben müssen, wollte ich es euch nicht vorenthalten. Da die Ermittler einen Raubüberfall vermuten, verdächtigen sie zunächst fast alle Bettler und Hausierer in der Gegend.

 Auch fremde und Vorbestrafte werden von den Anwohnern kritisch beeugt oder direkt für den Mörder gehalten. Aber alle Befragungen und Verdächtigung der Polizei bleiben erfolglos. Am 8. April wird vom Staatsministerium des Innern eine Belohnung in Höhe von 100.000 Mark für Hinweise ausgesetzt, die zur Ergreifung des oder der Täter führen.

 Daraufhin gehen unzählige Hinweise bei der Polizei ein. Die meisten von ihnen sind allerdings nicht brauchbar. Auch hunderte Bauern bewaffnen sich mit Werkzeugen und Sensen und durchstreifen die umliegenden Wälder in der Hoffnung, den Mörder ausfindig zu machen und das Geld einzuheimsen. Aber all ihre Unternehmung bleiben erfolglos.

 Am gleichen Tag, wo die Belohnung ausgesprochen wird, werden die Verstorbenen in Särge gelegt und nach Weithofen gebracht. Zu ihrer Beerdigung erscheinen mehr als tausend Gäste, die alle von dem grausamen Verbrechen gehört haben und Anteilnehmen wollen. Nach einem Erbstreit zwischen Familie Gruber und Familie Gabriel kauft die Familie des verstorbenen Karl Gabriels den Hof hinter Kaifek für 3 Millionen Mark von der Erbgemeinschaft.

Da niemand in dem Haus, in dem sich der grausame Sechsfachmord zugetragen hat, leben möchte, beschließen sie das Gebäude abzureißen. Die Staatsanwaltschaft willigt ein, obwohl der leitende Kommissar dazu sagt, damit verbauen wir uns für die Zukunft alle Möglichkeit, den Tattergang authentisch zu rekonstruieren.

 Im Februar 1923 reist Karl Gabriel Senior, der Vater von Victorias verstorbenen Ehemann, gemeinsam mit seinen Söhnen und einigen Nachbarn den Hof hinter Kaifeg ab. Sie beginnen damit auf dem Dachboden die Dielenbretter, einen sogenannten Fehlboden aufzustellen. Dabei finden sie unter den Brettern die Reuthaute, die verwendet wurde, um die Opfer zu töten.

 An ihr befinden sich getrocknetes Blut, Frauenhaare und Gewebereste. Unter anderen Brettern finden sie außerdem ein rostiges Taschenmesser. Ob dieses irgendetwas mit der Tat zu tun hat, ist allerdings unklar. Da Andreas Gruber auch im Besitz eines Taschenmessers war und er es irgendwann verloren hat. Es könnte sich also entweder um sein vermisstes Taschenmesser handeln oder um eine weitere Zartwaffe.

 In den Notizen, die bei der Obduktion gemacht worden sind, heißt es jedenfalls, dass eine Verletzung am Hals der kleinen Zizilia auch von einem Messer stammen könnte. Die Reutrau, mit der die Morde begangen wurden, wird erfolglos auf Fingerabdrücke untersucht. Sie gehörte der Familie bereits seit vielen Jahren. Das kann später Georg Siegel, ein ehemaliger Knecht der Familie, bestätigen.

 Sie ist selbst gebaut und eine Schraube steht hervor. Dadurch kann man sie auch zweifelsfrei als Tatwaffe identifizieren, da die hervorstehende Schraube Verletzung bei den Opfern hinterlassen hat. Nach dem Fund der Reutaue werden keine neuen Ermittlungen eingeleitet und der Abriss des Hofes wird auch nicht gestoppt.

 Dadurch gehen eventuell weitere Hinweise verloren. Bei dem Abriss wird außerdem ein blutiges Bandeisen gefunden. Es ist aus Flachstahl gefertigt und wird dafür genutzt, schwere Gegenstände zu fixieren, Werkzeuge zu reparieren oder für Beschläge jeglicher Art. Dieses Bandeisen wird später nicht mehr erwähnt.

 Während die Reutauer als Tatwaffe bekannt ist, besteht also die Möglichkeit, dass neben ihr auch noch ein Taschenmesser, ein Bandeisen und der Pickel, der damals von Lorenz Schlittenbauer im Stall gefunden wurde, als Tatwaffen in Frage kommen. Den anderen Objekten wird allerdings kaum Beachtung geschenkt und nur wenig nachgegangen und das obwohl selbst bei der Obduktion von zwei Tatwaffen die Rede ist.

Und das ist eigentlich auch das Stichwort zu den Ermittlungsfehlern und Ungereimtheiten. Die werden wir jetzt im nächsten Kapitel besprechen und davon gibt es einige. Ein paar der möglichen Ermittlungsfehler habe ich im vorangegangenen Kapitel bereits angeschnitten. In diesem Kapitel möchte ich noch einmal ausführlicher auf Ermittlungsfehler und Ungereimtheiten eingehen und auch auf Hinweise, die bisher noch nicht erwähnt worden sind.

Manche der Ermittlungsfehler kann man unterschiedlich interpretieren. Ich werde sie dennoch hier aufführen, sodass ihr euch euer eigenes Bild davon machen könnt. So kann es bereits als Ermittlungsfehler bezeichnet werden, dass nach dem Fund der Reutaue, des Taschenmessers und des Bandeisens dennoch erlaubt wurde, den Hof ohne weitere Ermittlung abzureißen.

 Ebenfalls auffällig ist, dass in vielen Berichten nur von der Reutauer als Tatwaffe gesprochen wird, obwohl man die anderen blutbeschmierten Gegenstände sowie das Taschenmesser nie als Tatwaffe hat ausschließen können. Im ersten Auffindebericht wird auch explizit der Pickel, den Lorenz Schlittenbauer gefunden hat, erwähnt und als Tatwaffe aufgeführt.

 Nach dem Auffinden der Reuthaue ist von ihm allerdings keine Rede mehr. Dabei wäre es äußerst relevant zu wissen, womit die Opfer getötet worden sind. Mehrere Waffen würden nämlich ein starker Hinweis dafür sein, dass es sich um mehrere Täter gehandelt hat. Auch der vermeintliche Tatablauf wirft Fragen auf. Offiziell heißt es, dass der oder die Täter eines der Rinder losgebunden haben und dass die Familienmitglieder durch den Lärm des Tieres nach und nach in den Stall gelockt worden sind.

Als man die Szene später nachstellt, wird jedoch festgestellt, dass man die Schreie der Familienmitglieder nicht vom Stall bis ins Wohnhaus hätte hören können. Da stellt sich natürlich die Frage, warum sie dann die Kuh hätten hören sollen und ob es nicht vielleicht einen anderen Grund gegeben hat, warum die Familienmitglieder nacheinander den Stall betreten haben.

 Oder hat sie das gar nicht getan? Im Internet kursiert seit einigen Jahren die Theorie, dass der Stall gar nicht der Tatort gewesen ist, sondern dass die Täter auf dem Dachboden auf einen günstigen Moment gewartet und die Familie im Wohnbereich überrascht haben. Das würde auch die Blutspuren auf dem Dachboden und im Wohnbereich erklären, die nie tiefergehend untersucht worden sind.

Im Wohnbereich hat man auch einen blutigen Schuabdruck gefunden, den der Täter bei seiner Tart hinterlassen haben könnte. Wenn es sich so zugetragen haben sollte, dann wäre der Stall nur der Ablageort der Leichen. Das würde aber auch bedeuten, dass man die wirkliche Reihenfolge, in der die Opfer angegriffen und gezet worden sind, gar nicht kennt, da so auch ein ganz anderer Tatablauf möglich wäre.

Für diese Theorie spricht auch, dass es in der Scheune kein Licht gegeben hat und dass der Angriff auf die Familienmitglieder in völliger Dunkelheit passiert sein müsste. Selbst wenn es mehrere Täter gegeben haben sollte und einer davon eine Taschenlampe bei sich getragen hätte, wäre es nicht leicht im Fast Dunkeln die Opfer zielgerichtet auf den Kopf zu treffen.

 Wenn die Familie stattdessen in ihrem Wohnhaus umgebracht worden wäre, würde das auch erklären, warum ihr Hund sie nicht durch bellen gewarnt oder den Täter angegriffen hat. Es wird auch kritisiert, dass nur so wenige Fotos vom Tatort gemacht wurden. Die Blutspuren im Wohnhaus sind überhaupt nicht fotografiert worden und auch sonst ist die Beweisführung sehr lückenhaft gewesen.

 Außerdem haben die Ermittler die Leichen für eines ihrer Fotos noch einmal in ihre Ausgangsposition zurückgelegt, da Lorenz Schlittenbauer und die beiden anderen Männer, die die Familie gefunden haben, sie zuvor bewegt hatten. Das bedeutet, dass dieses sehr bekannte Bild eigentlich kein richtiges Beweisfoto ist, da es einen inszenierten Tatort zeigt.

 Abgesehen von den Fotos werden überhaupt keine Spuren gesichert. Es werden auch keinerlei Fingerabdrücke genommen, obwohl das mit der damaligen Technik durchaus möglich gewesen wäre. Auch der Dachboden, die dort gefundenen menschlichen Exkremente und die Mulden im Heu hätten genauer untersucht werden können. Es ist merkwürdig, dass sie Andreas Gruba scheinbar nicht aufgefallen sind, als er nur Stunden vor der Zah Dachboden abgesucht hat.

Dadurch hält sich die Theorie, dass er dort regelmäßig mit seiner Tochter Victoria geschlafen hat und dass die Mulden im Heu vielleicht gar nicht von fremden Eindringlingen, sondern von ihnen stammen. Die Tatzeit wird zudem von den Ermittlern auf zwischen 20 und 23 Uhr festgelegt.

 Es liegt aber die Vermutung nah, dass ich das Verbrechen bereits etwas früher zugetragen hat. Alle Opfer haben bei ihrem Tod noch ihre Kleidung vom Tag und Schuhe an. 1922 sind viele Familien frühzeitig ins Bett gegangen oder haben zumindest schon früh ihre Schlafbekleidung angezogen. Außerdem ist die neue Markt Maria Baumgartner bei der Zart noch mit dem Auspacken ihrer Sachen beschäftigt gewesen.

Continue reading….
Part 1 of 2Part 2 of 2 Next »

You Might Also Enjoy