Stiefmutter und Richterin gegen ein Mädchen – ahnen nicht, wer durch die Tür tritt

Streichen Sie das. Dreimal. Noras Worte verschwanden vom Bildschirm. Dreimal. Der Protokollant tippte. Frau Kellner lächelte. Ein neunjähriges Mädchen allein. Kein Anwalt, kein Vater. Alles, was sie sagte, wurde vor ihren Augen gelöscht, aber Nora hörte nicht auf. Was dann passierte, hat das Familiengericht München für immer verändert.
Was ihre Worte auslösten, obwohl niemand sie hören wollte, wurde zu einer Richtlinie, die heute für jedes Kind in Deutschland gilt. Lasst ein Like da und abonniert kleine Geschichten. Aus welcher Stadt schaut ihr heute zu? Das Familiengericht Münchenmitte hatte an diesem Morgen zu viele Menschen und zu wenig Luft.
Die Zuschauerbänke waren voll, voller als sonst, weil der Fall bekannt geworden war in den Fluren des Gerichts. Die Art von Bekanntheit, die sich ohne Ankündigung verbreitet durch Blicke und geflüsterte Sätze und die spezifische Aufmerksamkeit von Menschen, die Dinge kommen sehen. Eine Mutter tot, ein Kind allein, eine Stiefmutter, die wollte was ihr nicht gehörte.
Die Art von Geschichte, die niemand laut aussprach, aber alle wussten. Nora Feldmann war 9 Jahre alt und saß am langen Holztisch, nicht auf der Zuschauerbank, am Tisch. als Beteiligte, weil Herr Vogel ihr Beistand darauf bestanden hatte. Er saß neben ihr, 71 Jahre alt, mit weißem Haar und einem schwarzen Anzug, der zu groß war an den Schultern und Händen, die zitterten, wenn er nervös war, was er heute war. Nora zitterte nicht.
Sie hatte heute morgen entschieden, nicht zu zittern. Das war keine Tapferkeit, das war eine Entscheidung. Die Art von Entscheidung, die man trifft, wenn man weiß, dass man das einzige ist, das zwischen einem Selbst und etwas sehr schlechtem steht. Sie saß gerade Hände auf den Knien. Blick geradeaus. Das blaue Kleid, das ihre Mutter ihr zum letzten Geburtstag geschenkt hatte, sorgfältig gebügelt heute morgen, weil ihre Mutter immer gesagt hatte, dass man ordentlich aussieht, wenn man möchte, dass jemand zuhört. Ihre Mutter war vor
5 Monaten gestorben. Nora dachte nicht gern daran. Nicht hier, nicht jetzt, nicht in diesem Raum mit diesen Menschen. Sie würde später daran denken, wenn sie allein war und es niemanden störte. Auf der anderen Seite des Tisches saß Frau Kellner. Sandra Kellner war 41 Jahre alt, mit kastanienbraunem Haar.
dass sie heute offen trug und einem grauen Kostüm, das teuer aussah. Sie war zwei Jahre lang die Frau von Noras Vater gewesen, offiziell mit Standesamt und Feier. Und sie war jetzt dabei, vor Gericht zu argumentieren, dass Noras Vater nicht in der Lage war, seine Tochter zu erziehen, dass sie Sandra Kellner besser geeignet war, dass Nora bei ihr leben sollte.
Neben Frau Kellner saß ihr Anwalt Dr. Klaus Mertens, 54 Jahre, Nadelstreifen, Aktenkoffer aus echtem Leder. Nora schaute kurz zu Frau Kellner. Frau Kellner schaute zurück mit dem Lächeln, das Nora kannte. Das Lächeln, das für andere war, nicht für sie. Nora schaute weg. Um 95 Uhr und trat Richterin Dr. Sabine Brenner ein.
Sie war 57 mit grauem Haar, das streng nach hinten gebunden war und dem Gesicht einer Frau, die Entscheidungen traf, bevor sie alle Informationen hatte, weil sie dachte, dass sie die Informationen bereits kannte. 62 Jahre am Familiengericht München. Sie kannte diese Fälle, sie kannte diese Muster, sie kannte, dachte sie, was hier passiert war und was hier passieren würde.
Sie setzte sich, schlug die Akte auf, las. Dann schaute sie auf Nora. Das Schauen dauerte 3 Sekunden. Nora zählte sie. Feldmann Nora Marie 9 Jahre, Mutter verstorben. Vater Brenner machte eine kurze Pause. Polizeihauptkommissar Stefan Feldmann, derzeit im Dienst. Nicht anwesend. Er wurde heute morgen zu einem Einsatz gerufen sagte Herr Vogel.
Er wußte nicht, er ist nicht anwesend, wiederholte Brenner. Nicht scharf, einfach fest. Die Art von Festigkeit, die sagte, dass sie die Situation bereits bewertet hatte. Das Jugendamt empfiehlt eine vorläufige Unterbringung bei Frau Kellner, bis die Eignung von Herrn Feldmann als alleinerziehender Vater vollständig bewertet worden ist.
Frau Richterin, sagte Nora. Brenner schaute auf. Darf ich etwas sagen? Eine kurze Stille. Brenner schaute zu Herr Vogel, dann zurück zu Nora. Du bist Beteiligte, du hast das Recht zu sprechen. Nora atmete einmal tief ein, dann sprach sie. Sie sprach über ihren Vater, über die Morgende, wenn er vor ihr aufstand und Frühstück machte, auch wenn er die Nachtschicht gehabt hatte, über die Art, wie er ihre Hausaufgaben überprüfte, nicht die Antworten, sondern den Weg dorthin, weil er sagte, der Weg sei wichtiger. Über den Abend, als ihre
Mutter gestorben war und wie er drei Stunden lang neben ihr gesessen hatte und nichts gesagt hatte, weil es nichts zu sagen gab. und wie das das Richtigste war, was jemand hätte tun können. Sie sprach über Frau Kellner über die 18 Monate, in denen sie im Haus gewesen war, über die Dinge, die Frau Kellner gesagt hatte, wenn ihr Vater nicht da war, über den Abend als streichen sie das.
Breners Stimme schnitt durch Noras Satz wie ein Messer. Nora stoppte. Der Protokollant, ein junger Mann mit Brille, schaute von seinem Laptop auf. Seine Finger schwebten über der Tastatur. “Frau Richterin”, sagte Herr Vogel. “Das Kind macht Behauptungen ohne Beweise”, sagte Brenner. Das gehört nicht ins Protokoll. Sie schaute den Protokollanten an.
Streichen Sie alles ab dem Satz über Frau Kellner. Der Protokollant nickte, tippte. Nora, schaute auf den Laptop, auf ihre Worte, die gerade getippt worden waren und jetzt gelöscht wurden. Aber sagte sie, Nora. Breners Stimme war geduldig. Die Geduld einer Frau, die Kindern erklärte, wie Dinge funktionierten. In einem Gerichtsverfahren zählen nur belegbare Fakten.
Was du über Frau Kellner sagst, sind Behauptungen, ohne Zeugen, ohne Dokumente. Ich war dabei sagte Nora. Ich bin der Zeuge. Du bist das Kind, um das in diesem Verfahren geht, sagte Brenner. Das ist ein Unterschied. Frau Kellner auf der anderen Seite des Tisches schaute auf ihre Hände, aber an ihren Mundwinkeln war etwas, dass sie nicht vollständig kontrollierte. Nora sah es.
Darf ich weitersprechen? Fragte Nora, wenn du bei den Fakten bleibst. Nora dachte nach. Was war ein Fakt? Was war eine Behauptung? Die Linie dazwischen, die Brenner gezogen hatte, war dünn und beweglich und Nora spürte, dass sie sich bewegte, je nachdem, wer sprach. Sie versuchte es noch mal. Andere Worte: “Diselben Dinge vorsichtiger diesmal.
Die Kanten abgerundet. Streichen Sie das.” Der Protokollant tippte. Noras Worte verschwanden. Sie versuchte es ein drittes Mal noch vorsichtiger, noch präziser. Die Art von Präzision, die man lernt, wenn man merkt, dass jeder Satz überprüft wird, bevor er gehört wird. Streichen Sie das. Der Protokollant tippte. Die Zuschauerbänke waren still.
Sehr still. Eine der älteren Frauen in der letzten Reihe hatte die Hand zum Mund gehoben. Ein junger Praktikant schaute auf seinen Notizblock und schrieb nichts. Nora saß am Tisch und schaute auf den Laptopbildschirm des Protokollanten. Das Protokoll war fast leer. Ihr Name, ihr Alter, die Fakten, die niemand bestritt.
Und dann Lücken, weiße Lücken, wo ihre Worte gewesen waren und jetzt nichts mehr war. Frau Richterin sagte Herr Vogel. Seine Stimme zitterte jetzt nicht vor Nerven, vor etwas anderem. “Das Kind hat das Recht.” “Das Kind hat das Recht bei den Fakten zu bleiben,” sagte Brenner. “Was es tut, ist Fakten und Meinungen vermischen.
Das ist im Protokoll nicht verwertbar.” Dr. Mertens neben Frau Kellner lehnte sich leicht zurück. Er sagte nichts, er musste nichts sagen. Nura schaute auf das leere Protokoll, dann schaute sie auf Brenner. Alles was ich sage”, sagte Nora wird gestrichen. “Was ins Protokoll kommt, entscheide ich”, sagte Brenner.
“Ja”, sagte Nora. “Das sehe ich.” Eine kurze Stille. In Brenners Gesicht zuckte etwas, kaum sichtbar, aber da das Unbehagen einer Frau, die einen Satz gehört hatte, der stimmte und die wusste, dass er stimmte und die deswegen weitermachte. “Wir fahren fort”, sagte Brenner. “Frau Kellner, bitte schildern Sie.
” Die schwere Tür des Saals öffnete sich. Polizeiuptkommissar Stefan Feldmann war 44 Jahre alt. Er war direkt vom Einsatz gekommen. Das sah man. Die Uniform saß nicht perfekt. Der oberste Knopf war in der Eile falsch geknöpft. Seine Haare waren nicht gekämmt. Aber er stand im Türrahmen und füllte ihn vollständig aus.
Ein 91 m breitschultrig mit dem Gesicht eines Mannes, der in der letzten Stunde sehr schnell sehr viele Entscheidungen getroffen hatte. Sein Blick ging durch den Saal. An den Zuschauerbänken vorbei, an Brenner vorbei, an Frau Kellner vorbei. Dann fand er Nora. Nora saß am Tisch und schaute ihn an. Und in ihrem Gesicht war zum ersten Mal an diesem Morgen etwas, das keine Kontrolle war, etwas Wärmeres, das Aufwärmen eines Kindes, das sehr lange sehr allein gewesen war und plötzlich nicht mehr allein war.
Papa,” sagte sie, “nicht laut, aber im stillen Saal hörte es jeder. Feldmann trat einen Schritt in den Saal, dann noch einen.” Er blieb vor dem Tisch stehen, neben Nora, legte kurz eine Hand auf ihre Schulter, ein fester kurzer Druck. “Ich bin hier, ohne Worte zu brauchen.” Dann schaute er auf das Laptop des Protokollanten, auf das fast leere Protokoll. Sein Kiefer spannte sich an.
“Herr Feldmann”, sagte Brenner. “Ihre Stimme war professionell. kontrolliert, aber darunter war etwas, das nicht ganz kontrolliert war. “Sie kommen zu spät.” “Ich wurde um 7:43 Uhr zu einem bewaffneten Raubüberfall gerufen”, sagte Feldmann. “Ruhig, präzise, die Stimme eines Mannes, der gewohnt war, Fakten zu liefern ohne Entschuldigung.
Ich habe meinen Kollegen die Situation übergeben, sobald es möglich war. Ich bin hier. Die Verhandlung hat bereits begonnen. Ich sehe das.” Feldmann schaute auf das leere Protokoll. Ich sehe auch, dass das Protokoll fast leer ist, obwohl meine Tochter seit fast einer Stunde hier sitzt. Brenner räusperte sich.
Das Kind hat Aussagen gemacht, die nicht protokollfähig waren. Welche Aussagen? Unbelegte Behauptungen über meine Tochter, sagte Feldmann und seine Stimme wurde leiser, nicht lauter. Die Art von leiser, das gefährlicher war als jede Lautstärke, ist 9 Jahre alt. Sie hat ihre Mutter vor 5 Monaten verloren. Sie sitzt seit einer Stunde allein in diesem Saal ohne mich und alles, was sie gesagt hat, wurde gestrichen.
Das ist eine Vereinfachung der “Wie oft wurde gestrichen?” “Eine Stille, Frau Richterin, wie oft haben Sie dem Protokollanten gesagt, er soll streichen?” Der Protokollant schaute auf seinen Bildschirm, dann auf den Tisch. “Dreimal”, sagte Nora. Feldmann schaute seine Tochter an, dann schaute er Brenner an. “Dreimal”, wiederholte er.
Frau Kellner räusperte sich. “Herr Feldmann, ich verstehe, dass Sie Frau Kellner.” Feldmann drehte sich zu ihr. Sein Gesicht war ruhig, vollkommen ruhig. Die Ruhe eines Mannes, der in seiner Karriere Situationen erlebt hatte, die diese hier bei weitem übertrafen und der gelernt hatte, dass Ruhe mächtiger war als alles andere.
Ich spreche gerade nicht mit Ihnen. Frau Kellner schloss den Mund. Dr. Mertens neben ihr öffnete seinen Aktenkoffer, zog ein Dokument heraus. Herr Feldmann, wenn ich darf. Sie dürfen gleich, sagte Feldmann. Er setzte sich neben Nora, schaute auf das Protokoll, las was da stand und was nicht da stand. Dann schaute er Nora an.
“Was hast du gesagt?”, fragte er leise. “Was ich über sie gesagt habe.” Nora machte eine kleine Kopfbewegung zu Frau Kellner, wurde gestrichen. Dreimal. “Was hast du gesagt?” Nora schaute auf den Tisch, dann schaute sie ihn an, direkt mit den ruhigen Augen, die sie von ihm hatte den Abend, als Mama im Krankenhaus war.
“Du warst im Dienst.” Frau Kellner hat gesagt, sie stoppte. “Sag es.” Sie hat gesagt, wenn Mama stirbt, gehört das Haus ihr. “Nicht mir, nicht dir, ihr, weil sie deine Frau ist. Der Saal war vollkommen still. Die ältere Frau in der letzten Reihe hatte jetzt beide Hände vor dem Mund. Der Praktikant neben ihr hatte aufgehört zu atmen. Es sah so aus.
Frau Kellner schaute auf den Tisch. Das sagte Feldmann zu Brenner wurde dreimal gestrichen. Brenner öffnete den Mund. Ich möchte, fuhr Feldmann fort, “dass es jetzt ins Protokoll kommt, vollständig, Wort für Wort. Herr Feldmann, das sind unbelegte. Meine Tochter ist der Zeuge”, sagte Feld. Sie war dabei. Sie hat es gehört.
Ein Kind kann nicht. Paragraph 159 Farm FG, sagte Feldmann. Kinder sind in Familiengerichtsverfahren als Beteiligte anzuhören. Ihre Aussagen sind im Protokoll zu erfassen. Er schaute Brenner an. Das wissen Sie. Eine lange Stille. Brenner schaute auf die Akte, dann auf Feldmann, dann auf Nora.
In ihrem Gesicht war etwas, das Nora noch nicht gesehen hatte. Nicht das professionelle Gesicht von vorhin, etwas darunter, das Unbehagen einer Frau, die merkte, dass der Raum sich verändert hatte. Protokollant, sagte Brenner schließlich, erfassen Sie die Aussage des Kindes. Der Protokollant schaute auf, nickte, legte die Finger auf die Tastatur.
Nura sagte Feldmann leise, sag es noch mal. Alles. Nura atmete einmal tief ein und dann sprach sie. Dieselben Worte wie vorhin: “Dreimal gestrichen, jetzt wieder da.” Und diesmal tippte der Protokollant und die Worte blieben. Und Nora schaute auf den Bildschirm und sah sie dort stehen, schwarz auf weiß. Ihre Worte, die nicht mehr verschwanden. Dr.
Mertens wartete, bis Nora fertig war. Dann öffnete er seinen Aktenkoffer und legte drei Dokumente auf den Tisch. “Herr Feldmann, ich möchte auf einige Fakten hinweisen, die für die Frage der Erziehungsfähigkeit relevant sind.” Feldmann schaute auf die Dokumente. Ihr Dienstplan der letzten sechs Monate, sagte Mertens.
Durchschnittlich 54 Arbeitsstunden pro Woche, Nachtschichten, Wochenenddienste, kurzfristige Einsätze. Er machte eine Pause. Heute ist ein gutes Beispiel. Sie konnten nicht pünktlich zur Verhandlung erscheinen, weil sie im Dienst waren. “Ich bin hier”, sagte Feldmann. “Eine Stunde zu spät. Ich bin hier”, wiederholte Feldmann.
“Das ist der Punkt.” Der Punkt, sagte Mertens, ist, dass ein Kind konstante Betreuung braucht, nicht einen Vater, der Wer hat Nora heute morgen zur Verhandlung gebracht? Fragte Feldmann. Mertens stoppte. Herr Vogel, sagte Feldmann, mein Beistand, den ich geben habe, weil ich wusste, dass ich möglicherweise zu spät komme, weil ich dafür gesorgt habe, dass jemand bei ihr ist. Er schaute Märtens an.
Das nennt man Planung. Frau Kellner schaute auf ihre Hände. “Frau Kellner”, sagte Feldmann und er drehte sich jetzt vollständig zu ihr. “War zwei Jahre in meinem Haus. Sie weiß, wie ich lebe. Sie weiß, wie ich für Nora sorge.” Er machte eine kurze Pause. Sie weiß auch, was sie gesagt hat, als meine Frau im Sterben lag. Frau Kellner schaute auf.
“Das war?” “Nora hat es gehört”, sagte Feldmann. Nora war dabei und jetzt steht es im Protokoll. Frau Kellners Gesicht veränderte sich kaum sichtbar, aber da die kleine Verschiebung einer Frau, die merkte, dass etwas, das sie für sicher gehalten hatte, es nicht mehr war. Herr Feldmann, sagte Brenner, ich möchte kurz. Feldmanns Handy klingelte.
Er schaute auf das Display. Entschuldigung. Er stand auf, trat zwei Schritte zur Seite, nahm ab. Fälltmann. Eine kurze Pause? Ja, noch eine Pause. Schicken Sie es mir. Er legte auf, schaute auf sein Handy. Dann schaute er auf Frau Kellner. Das war mein Kollege, sagte er. Wir haben heute morgen bei dem Einsatz etwas gefunden.
Er legte das Handy auf den Tisch, drehte den Bildschirm, sodass Brenner es sehen konnte. Eine Überweisung vom Konto meiner verstorbenen Frau auf das Konto von Frau Kellner. Drei Tage vor ihrem Tod. Der Saal wurde vollkommen still. Über 20.000 €. sagte Feldmann, die meine Frau überwiesen hat in einem Moment, als sie bereits sehr krank war.
Er schaute Frau Kellner an. Ich frage mich, ob sie wusste, was sie unterschreibt. Frau Kellners Anwalt legte eine Hand auf ihren Arm. “Kein Kommentar”, sagte er. “Das”, sagte Feldmann zu Brenner ist ein belegbarer Fakt. Das Familiengericht Münchenmitte hatte eine kleine Kantine im Erdgeschoss, vier Tische, Plastikstühle, eine Kaffeemaschine, die nach verbranntem Kaffee roch.
“Kein Ort, an dem man sein wollte. Aber ein Ort, an dem man sein konnte, wenn man 20zig Minuten brauchte, bevor die Verhandlung weiterging. Feldmann saß Nora gegenüber. Er hatte zwei Kakao bestellt, einen für Nora, einen für sich, weil er keinen Kaffee wollte. Er wollte, dass seine Hände ruhig blieben.
Und Kaffee half dabei nicht. Nora hielt die Tasse mit beiden Händen, die Art, wie sie es immer tat, wenn etwas kalt war oder wenn sie nachdenken musste. “Du hast gut gemacht”, sagte Feldmann. “Ich habe nichts gemacht”, sagte Nora. Alles wurde gestrichen. Nicht alles sagte er. Am Ende stand es im Protokoll. Weil du gekommen bist.
Weil du nicht aufgehört hast, sagte Feldmann. Dreimal gestrichen, dreimal weitergemacht. Nora schaute auf ihren Kakao. Ich hatte Angst, dass es noch mal gestrichen wird und ich habe es trotzdem gesagt. Feldmann schaute seine Tochter an, das blaue Kleid, das ihre Mutter ihr geschenkt hatte, sorgfältig gebügelt, die ruhigen Augen in dem jungen Gesicht, die Hände um die Tasse, die nicht zitterten. “Das blaue Kleid”, sagte er.
Nora schaute ihn an. “Mama hat gesagt, man sieht ordentlich aus, wenn man möchte, dass jemand zuhört”, sagte Nora. “Ich weiß”, sagte Feldmann. Sie hat das immer gesagt. Hat es geholfen? Fällt man dachte nach. Ich glaube, du hast heute nicht zugehört bekommen, weil du ordentlich aussiehst, sagte er. Du hast zugehört bekommen, weil du nicht aufgehört hast zu sprechen.
Nora dachte darüber nach. “Das ist besser”, sagte sie schließlich. “Warum?” “Weil ich das Kleid nicht immer anziehen kann, aber ich kann immer weiterreden.” Feldmann schaute auf seinen Kakao, dann schaute er seine Tochter an und in seinem Gesicht war etwas, dass er nicht immer zeigte. die Wärme hinter dem Kommissar, hinter der Uniform, hinter den 26 Jahren Dienst. “Du klingst wie sie”, sagte er.
“Ich weiß”, sagte Nora. “Das ist gut.” Die Verhandlung wurde um 12:15 Uhr fortgesetzt. Der Saal war immer noch voll. Die älteren Frauen in der letzten Reihe waren geblieben. Der Praktikant war geblieben. Der Journalist, den Nora erst jetzt bemerkte, ein Mann Mitte 40 mit einem kleinen Aufnahmegerät, war geblieben.
Frau Kellner saß wieder auf ihrer Seite des Tisches. Neben ihr Dr. Mertens, der seit der Pause sehr wenig gesagt hatte und dessen Aktenkoffer geschlossen blieb. Brenner trat ein, setzte sich, schlug die Akte auf. Sie schaute anders als vor der Pause. Nicht weicher, nicht freundlicher, aber anders. die Art von anders, die entsteht, wenn jemand in 20 Minuten etwas überprüft hat und das Ergebnis nicht das war, dass er erwartet hatte.
“Ich habe die Pause genutzt”, sagte Brenner, um das Dokument, das Herr Feldmann vorgelegt hat, vorläufig einzuordnen. Sie schaute auf ihre Papiere. “Die Überweisung.” “Ja”, sagte Feldmann. Es handelt sich um eine rechtsgültige Überweisung, sagte Brenner, unterschrieben von ihrer Frau. Drei Tage vor ihrem Tod, sagte Feldmann, als sie bereits nicht mehr in der Lage war, komplexe Entscheidungen zu treffen.
Das ist in ihren Krankenakten dokumentiert. Brenner schaute auf die Akte. Das sagte Feldmann, werde ich gesondert verfolgen. Nicht hier, nicht heute. Das ist eine strafrechtliche Frage. Er machte eine kurze Pause, aber es ist relevant für die Frage, wer Noras Interessen im Sinn hat und wer nicht. Frau Kellner flüsterte etwas zu Dr.
Mertens. Mertens schüttelte kaum sichtbar den Kopf. “Frau Kellner”, sagte Brenner, “ich möchte Sie direkt fragen.” Frau Kellner schaute auf. Wussten Sie von dieser Überweisung? Eine lange Pause. Ich, Frau Kellner, stoppte. Das war ein Geschenk. Martina hat mir Martina unterbrach Brenner. Das war der Name von Herrn Feldmanns verstorbener Frau. Ja.
Die drei Tage vor ihrem Tod überweisung über 20.000 E € auf ihr Konto getätigt hat. Sie wollte, dass ich das reicht, sagte Brenner. Stille. Nora schaute auf Brenner, auf den Satz, der gerade gesagt worden war. Derselbe Satz, der heute morgen gegen sie verwendet worden war, dreimal und der jetzt in die andere Richtung ging.
Brenner schaute kurz zu Nora. In diesem Blick war etwas, das schwer zu benennen war. Keine Entschuldigung, das nicht, aber eine Anerkennung. die Art von Anerkennung, die entsteht, wenn man merkt, dass man etwas gesehen und nicht gesehen hat gleichzeitig. “Ich möchte das Gutachten des Jugendamts nochmals prüfen”, sagte Brenner vollständig, bevor ich eine Entscheidung treffe.
Sie machte eine Pause. “Die heutige Verhandlung wird vertagt.” Dr. Mertens öffnete den Mund. “Auf nächste Woche”, fuhr Brenner fort. “Dienstag 10 Uhr. Bis dahin bleibt Nora Feldmann in der Obhut ihres Vaters.” Frau Kellner schaute auf den Tisch. Der Saal war still, dann sehr leise aus der letzten Reihe einzelnes Geräusch.
Die ältere Frau, die die ganze Zeit die Hand vor dem Mund gehabt hatte, atmete hörbar aus. Erleichterung, die sich keinen anderen Weg gesucht hatte. Auf dem Flur nach der Verhandlung blieb Brenner kurz stehen. Nora und Feldmann kamen aus dem Saal, Herr Vogel hinter ihnen. Brenner stand am Fenster, schaute auf die Straße unten, drehte sich um, als sie vorbeikamen. Nora, sagte sie.
Nora blieb stehen. Brenner schaute sie an. Nicht von oben nach unten. Nicht von der Richterbank aus. Einfach so auf dem Flur. Zwei Menschen in einem grauen Gerichtsgebäude. “Du hast heute dreimal weitergemacht”, sagte Brenner. “Owohl ich?” Sie stoppte sich. Das war richtig. Nora schaute sie an. “Ich hätte”, fuhr Brenner fort, “nangsamer jetzt, die Worte sorgfältiger, aufmerksamer sein sollen. Von Anfang an.
” Nora dachte nach, die Art, wie sie immer nachdachte, ruhig und gründlich. Warum haben Sie gestrichen? fragte sie. Brenner schwieg einen Moment, weil ich dachte, ich weiß, was hier passiert, bevor ich zugehört habe. Das ist dasselbe, was Frau Kellner gemacht hat, sagte Nora. Entscheiden, bevor man weiß. Brenner schaute sie an.
Lange ja, sagte sie schließlich. Das ist dasselbe. Sie drehte sich um und ging den Flur entlang, ohne sich noch mal umzudrehen. Feldmann schaute ihr nach, dann schaute er Nora an. “Das war mutig”, sagte er. “Ich habe nur eine Frage gestellt”, sagte Nora. “Manchmal”, sagte Feldmann, “Ist das das mutigste.
” Frau Kellner verließ das Gebäude durch den Seitenausgang. Nora sah sie durch das Fensterglas am Ende des Flurs. Frau Kellner ging schnell, Kopf gesenkt, Dr. Mertens neben ihr, der auf sein Handy tippte. Sie sprachen nicht miteinander. Nora schaute, bis sie um die Ecke verschwunden waren. Papa, sagte sie. Ja, was passiert mit ihr? Feldmann schaute auf die leere Straße.
Das wird untersucht. Die Überweisung, ob deine Mutter wirklich in der Lage war, das zu unterschreiben, das dauert. Wird sie bestraft? Wenn sich herausstellt, was ich denke, sagte Feldmann. Ja. Nora schaute auf die Straße. “Ich will nicht, daß sie bestraft wird”, sagte sie. Feldmann schaute seine Tochter an.
“Ich will, dass sie versteht”, fuhr Nora fort. “Warum es falsch war. Nicht nur, dass sie erwischt wurde.” “Das”, sagte Feldmann. kann ich ihr nicht versprechen. Ich weiß, sagte Nora, aber ich kann es mir wünschen. Sie standen am Fenster und schauten auf die Straße und der graue Novemberhimmel über München war derselbe wie immer, schwer und tiefhängend, aber das Licht, das durch das Fensterglas fiel, warm auf Noras Gesicht.
Feldmann legte eine Hand auf ihre Schulter. Nora lehnte sich kurz an ihn. Nur kurz. Dann stand sie wieder gerade. Können wir jetzt gehen? Fragte sie. Ja, sagte er, wir können jetzt gehen. Der Dienstag kam mit Regen. Nicht der dramatische Regen, der Geschichten begleitet, wenn Sie sich entscheiden, sondern der normale Münchner November Regen, grau und gleichgültig, der die Straßen nass machte und die Menschen schnell gehen ließ und sich nicht darum kümmerte, was an diesem Tag im Familiengericht Münchenmitte passieren würde. Nora stand um 6:47 Uhr auf. Sie
hätte länger schlafen können. Ihr Vater hatte nichts gesagt. Kein Wecker, keine Uhrzeit. Schlaf solange du kannst. Aber Nora hatte die Augen aufgemacht und gewusst, dass Schlafen heute nicht möglich war, weil der Tag schon da war und wartete. Und wartende Dinge wurden nicht kleiner davon, dass man sie ignorierte.
Sie stand auf, ging in die Küche, ihr Vater war schon da. Er hatte Frühstück gemacht, Rührei und Toast, das einzige, das er wirklich gut konnte. Und der Tisch war gedeckt, ordentlich mit dem blauen Tischtuch, das sonst nur an Geburtstagen rauskam. Nora schaute auf das Tischtuch. “Warum das Blaue?”, fragte sie.
Weil heute ein wichtiger Tag ist”, sagte Feldmann. “Jeden Tag ist das blaue Tischtuch wichtig.” “Dann nehmen wir es ab jetzt öfter”, sagte er. Sie setzten sich und aßen. “Nicht viel, beide nicht, aber sie saßen zusammen am Tisch mit dem blauen Tischtuch und aßen das Rührei, das ein bisschen zu salzig war und niemand sagte etwas darüber.
” “Papa”, sagte Nora. “Ja, was passiert heute?” Feldmann legte seine Gabel hin. Brenner hat das Jugendamt Gutachten neu prüfen lassen. Sie hat auch die Überweisung an das Landeskriminalamt weitergegeben wegen Mama. Ja, was bedeutet das für heute? Es bedeutet, sagte Feldmann, dass Brenner mehr weiß als letzte Woche und dass Frau Kellners Anwalt das auch weiß.
Nora schaute auf ihr Rührei. Glaubst du, dass Frau Kellner heute noch sagt, sie soll bei ihr wohnen? Ich weiß es nicht, sagte Feldmann. Aber es spielt keine Rolle. Warum nicht? Weil die Fakten jetzt im Protokoll stehen. Was du gesagt hast, was ich vorgelegt habe. Das kann niemand mehr streichen.
Nora schaute auf den Tisch, auf das blaue Tischtuch, auf die Hände ihres Vaters, die ruhig neben seinem Teller lagen, dieselben Hände, die letzte Woche eine Hand auf ihre Schulter gelegt hatten und damit gesagt hatten, was keine Worte hätten sagen können. Papa sagte sie. Ja, ich habe Angst. Feltmann schaute sie an. nicht überrascht, nicht beruhigend im falschen Sinn, der Art, die sagt, du brauchst keine Angst zu haben, wenn man doch Angst haben sollte.
Ich auch, sagte er. Nora schaute ihn an. Wirklich? Ja, ich habe letzte Woche Angst gehabt, als ich in diesen Saal gegangen bin und dich allein am Tisch gesehen habe. Ich habe Angst gehabt, dass ich zu spät war. Warst du nicht? Nein, sagte er. Ich war nicht zu spät. Sie schwiegen einen Moment. Beide. Und der Regen klopfte leise gegen das Küchenfenster, gleichgültig und beständig.
“Angst”, sagte Nora schließlich. “Mach die Dinge nicht weg.” “Nein,” sagte Feldmann. “Tut sie nicht.” “Man macht sie trotzdem.” “Man macht sie trotzdem.” Nora nickte, nahm ihre Gabel und aß den Rest des Rühreis, auch wenn es zu salzig war. Sie kamen um 9:34 Uhr im Gericht an.
Herr Vogel wartete bereits vor dem Eingang mit einem Regenschirm, der zu klein war und dem schwarzen Anzug, der immer noch zu groß an den Schultern war. Er nickte Feltmann zu, schaute auf Nora. “Wie geht es dir?”, fragte er. “Gut”, sagte Nora dann nach einer kurzen Pause. “Ich habe Angst, aber das ist okay.” Herr Vogel, schaute sie an, dann lächelte er kurz und echt.
“Das erste Lächeln, das Nora an ihm gesehen hatte.” “Das ist sehr okay”, sagte er. Sie gingen hinein. Der Flur im vierten Stock sah genauso aus wie letzte Woche. Dieben grauen Wände, dieselben Hinweisschilder, dieselbe schwere Tür am Ende mit dem Messingschild. Richterin Dr. Sabine Brenner.
Familiengericht, aber diesmal war der Flur nicht voll. Frau Kellner saß auf einer der Holzbänke, allein ohne Dr. Mertens. Sie trug heute keinen grauen Anzug. Ein einfaches dunkles Kleid, das Haar nicht so sorgfältig wie letzte Woche. Als sie Nora sah, schaute sie kurz auf, dann weg. Nora blieb stehen. Feldmann blieb neben ihr stehen. “Möchtest du etwas sagen?”, fragte er leise. Nora schaute Frau Kellner an.
Frau Kellner schaute auf ihre Hände, die ineinander gefaltet in ihrem Schoß lagen. “Nein”, sagte Nora schließlich. “Noch nicht.” Sie gingen weiter. Der Saal war diesmal weniger voll. Die Jura Studenten waren nicht da. Der Journalist war nicht da. Nur wenige Zuschauer auf den hinteren Bänken stiller als letzte Woche.
Die Art von Stille, die entsteht, wenn alle wissen, dass das, was gleich passiert, kleiner sein wird als das, was letzte Woche passiert ist. Nicht weniger wichtig, aber kleiner. Brenner trat um 10 und 1 Uhr ein. Sie sah anders aus als letzte Woche. Nicht äußerlich, nicht die Robe, nicht das Haar, aber in der Art, wie sie sich setzte, wie sie die Akte aufschlug, wie sie in den Saal schaute, bevor sie zu sprechen begann, als hätte sie in der letzten Woche etwas überprüft, nicht nur die Dokumente, sondern sich selbst.
“Wir setzen die Verhandlung fort”, sagte sie. “Fätmann gegen Kellner, Sorgerechtsangelegenheit.” Sie schlug eine Seite um. “Ich habe in der letzten Woche das Gutachten des Jugendamts vollständig neu prüfen lassen durch eine externe Stelle. Dr. Mertens, der doch gekommen war, aber 5 Minuten nach Frau Kellner und ohne Aktenkoffer, schaute auf den Tisch.
“Das externe Gutachten”, fuhr Brenner fort, “kmt zu einem anderen Ergebnis als das ursprüngliche Jugendamtgutachten.” Sie machte eine kurze Pause. Es empfiehlt, dass Nora Feldmann beim Vater verbleibt mit unterstützenden Maßnahmen, die wir gleich besprechen werden. Frau Kellner schaute auf. Brenner schaute zurück. Frau Kellner, das Landeskriminalamt hat mir heute morgen bestätigt, dass die Überweisung vom Konto der verstorbenen Martina Feldmann eine vorläufige Untersuchung ausgelöst hat.
Das ist keine Verurteilung, aber es ist ein laufendes Verfahren. Sie machte eine Pause. In Anbetracht dessen und in Anbetracht des externen Gutens sehe ich keine Grundlage mehr für ihren Antrag auf das Sorgerecht. Dr. Mertens räusperte sich. Frau Richterin, wir möchten. Ich bin noch nicht fertig, sagte Brenner. Stille, ich möchte etwas zu Protokoll geben, fuhr Brenner fort.
Was in der letzten Verhandlung passiert ist, mit dem Protokoll. Nora schaute auf. Ich habe dreimal angeordnet, Aussagen von Nora Feldmann zu streichen, sagte Brenner. Diese Anordnungen waren falsch. Sie schaute kurz auf Nora. Nicht falsch im Sinne der Verfahrensordnung, falsch im Sinne dessen, was ein Kind, das als Beteiligte in einem Sorgerechtsverfahren sitzt, verdient, nämlich gehört zu werden.
Der Protokollant tippte: “Das gehört ins Protokoll”, sagte Brenner. “Dass ich falsch gehandelt habe, das ist kein angenehmer Satz, aber er ist wahr.” Nora schaute auf den Protokollanten, auf seine Finger, die tippten, auf die Worte, die auf dem Bildschirm erschienen und blieben. “Nora”, sagte Brenner. Nora schaute auf.
“Möchtest du heute etwas sagen? Es wird nicht gestrichen. Eine lange Stille im Saal. Nora schaute ihren Vater an. Feldmann nickte einmal kurz. Nora drehte sich zu Brenner. “Ich möchte sagen”, begann sie, “dass hierhergekommen bin, um zu gewinnen. Ich bin hierher gekommen, weil mein Papa der richtige Ort für mich ist, nicht weil er perfekt ist.
Er macht das Rührei zu salzig.” Ein leises Lachen aus den hinteren Bänken. Kurz, aber echt. Aber er ist da, fuhr Nora fort. Er war immer da, auch wenn er spät nach Hause gekommen ist. auch wenn er Nachtschichten hatte. Er war immer da auf die Art, die zählt. Er weiß, wie ich nachdenke. Er weiß, dass ich Zeit brauche, bevor ich antworte.
Er weiß, dass ich das blaue Kleid anziehe, wenn ich möchte, dass jemand zuhört. Sie machte eine Pause und Mama hat gesagt, er ist der beste Mensch, den sie kennt. Das hat sie mir drei Tage vor ihrem Tod gesagt. Das ist auch ein Fakt, der ins Protokoll gehört. Der Protokollant tippte. Brenner schaute auf den Bildschirm, dann auf Nora.
Er steht im Protokoll”, sagte sie. Die Entscheidung kam um 112 Uhr. Brenner las sie vor, ruhig und präzise in der Sprache eines Urteils, das für die Akte geschrieben war, aber die Worte waren eindeutig. Nora Feldmann verbleibt in der Obhut ihres Vaters, Stefan Feldmann. Der Antrag von Sandra Kellner auf Sorgerecht wird abgewiesen.
Das Jugendamt wird Herrn Feldmann in den nächsten sechs Monaten mit einer Familienbegleiterin unterstützen. Eine freiwillige Maßnahme, keine Auflage. Nora saß still und hörte zu. Als Brenner fertig war, schaute Nora auf den Protokollanten, auf den Bildschirm, auf das Protokoll, das diesmal voll war. Ihre Worte ihres Vaters Worte, Brenners eigene Worte über sich selbst. Alles da.
Schwarz auf weiß, nichts gestrichen. Papa sagte sie leise. Ja, es steht alles drin. Feldmann schaute auf den Bildschirm, dann auf seine Tochter. Ja, sagte er. Alles auf dem Flur. Nach der Verhandlung wartete Frau Kellner. Nicht vor dem Saal, nicht aggressiv, nicht mit Dr. Mertens. Sie stand allein am Ende des Flurs, am Fenster und schaute auf die Straße, auf den Regen, der immer noch fiel, gleichgültig und beständig.
Nora sah sie stehen. Sie blieb stehen, schaute zu ihrem Vater. Feldmann schaute zurück. Abwartend, die Art von Abwarten, das sagte, du entscheidest. Nora ging auf Frau Kellner zu. Feldmann blieb stehen, wo er war. Frau Kellner hörte die Schritte und drehte sich um. Ihr Gesicht war anders als in dem Saal. Nicht das Lächeln, das für andere war, nur ihr Gesicht, müde und kleiner als letzte Woche. Nora, sagte sie.
Ich wollte Ihnen etwas sagen, sagte Nora. Frau Kellner wartete. Ich verstehe nicht, warum Sie das getan haben, sagte Nora. mit dem Geld, mit dem Gericht. Das werde ich vielleicht nie verstehen. Sie machte eine kurze Pause, aber ich wünsche mir, dass sie irgendwann verstehen, warum es falsch war. Nicht nur, weil sie jetzt in Schwierigkeiten sind, sondern weil sie suchte nach dem Wort, weil Mama ihnen vertraut hat und weil das etwas war, das zählt.
Frau Kellner schaute auf das Kind vor ihr. In ihrem Gesicht war etwas, das Noda nicht ganz einordnen konnte. Nicht Reue, nicht ganz, noch nicht. Aber das Anfangen von etwas, das vielleicht irgendwann Reue werden würde, das sagte Frau Kellner schließlich sehr leise. War falsch, was ich getan habe. Ja, sagte Nora. War es.
Sie drehte sich um und ging zu ihrem Vater. Feldmann schaute sie an, als sie neben ihm stand. “Was hast du ihr gesagt?” “Was ich denke?”, sagte Nora. “Was wahr ist, hat es geholfen?” “Ich weiß nicht”, sagte Nora, “aber es war trotzdem richtig.” Sie gingen durch den Regen nach Hause. Kein Taxi, kein Auto, einfach zu Fuß, weil Nora gesagt hatte, sie wolle laufen.
Und Feldmann hatte einen Regenschirm gehabt, der groß genug für beide war, wenn man nah genug zusammenstand. Sie liefen nebeneinander durch die Straßen Münchens unter dem Regenschirm und die Stadt ging um sie herum weiter. Ohne Pause, ohne Rücksicht. Wie Städte das tun? Papa sagte Nora. Ja, Brenner hat gesagt, dass sie falsch gehandelt hat im Protokoll.
Ja, das war mutig. Feldmann schaute sie an. “Findest du?” “Ja”, sagte Nora. “Zuzugeben, dass man falsch liegt, ist schwerer als recht zu haben.” “Das stimmt”, sagte Feldmann. “Sie hat es trotzdem getan.” “Sie hat es trotzdem getan.” Sie gingen weiter. Der Regen wurde leichter, kaum merklich, aber da die Art von weniger, die ankündigte, dass es irgendwann aufhören würde.
“Papa”, sagte Nora. “Ja, Mama hat recht gehabt.” “Womit?” “Mit allem”, sagte Nora. ordentlich aussehen, wenn man gehört werden will. Dreimal weitermachen, das Rührei zu salzig machen. Sie schaute ihn an. Mit allem. Feldmann schaute geradeaus auf die nasse Straße, auf die Menschen, die mit gesenkten Köpfen aneinander vorbeigingen.
“Ja”, sagte er. “Sie hatte recht.” “Ich vermisse sie”, sagte Nora. “Ich auch”, sagte er. Jeden Tag. Sie gingen weiter unter dem Regenschirm, der groß genug für beide war. Drei Wochen später bekam Feldmann einen Brief vom Justizministerium. Er las ihn abends am Küchentisch nach dem Essen. Nora saß ihm gegenüber und machte Hausaufgaben.
Mathematik, die sie immer zuletzt machte, weil sie sie am wenigsten mochte. Er legte den Brief auf den Tisch. Nora schaute auf. Das Justizministerium”, sagte Feldmann, hat eine neue Richtlinie eingeführt für Familiengerichtsverfahren, in denen Kinder als Beteiligte auftreten. Nora legte ihren Stift hin.
“Aussagen von Kindern dürfen nicht ohne schriftliche Begründung aus dem Protokoll gestrichen werden,”, fuhr Feldmann fort. “Und wenn gestrichen wird, muss der Grund dokumentiert werden und dem Kind erklärt werden.” Nora schaute auf den Brief. “Wegen mir, wegen dem, was passiert ist”, sagte Feldmann. “Das ist ein Unterschied.
Welcher? Es geht nicht nur um dich. Das nächste Kind, das in einem Gerichtssaal sitzt und spricht, wird nicht dreimal gestrichen, ohne dass jemand erklären muss, warum. Nora schaute auf den Brief, dann schaute sie auf ihre Hausaufgaben. Dann wieder auf den Brief. Das nächste Kind, sagte sie, dass ich nicht kenne. Ja, das von mir profitiert, ohne es zu wissen.
Ja. Nora nahm den Brief, faltete ihn einmal zusammen, legte ihn auf den Stapel Schulhefte neben ihr zwischen Deutsch und Mathematik, als wäre er ein Hausaufgabenblatt, das abgegeben werden musste. “Ich hebe ihn auf”, sagte sie. “Warum?” “Damit ich weiß, dass es passiert ist”, sagte sie. “Dass dreimal gestrichen werden manchmal zu etwas führt, das nie mehr gestrichen werden kann”, Feltmann schaute seine Tochter an. “Das ist ein guter Satz”, sagte er.
Ich habe ihn mir die ganze Woche überlegt”, sagte Nora. Sie nahm ihren Stift und schrieb ihn auf den Rand des Mathematikhefts, klein und sorgfältig zwischen zwei Aufgaben. Dreimal gestrichen werden kann manchmal zu etwas führen, das nie mehr gestrichen werden kann. Sie schaute es an. Dann machte sie weiter mit den Hausaufgaben.
Nora Feldmann ist heute 10 Jahre alt. Sie sitzt in der dritten Reihe am Fenster neben einem Mädchen namens Sophie, das gut zeichnen kann. Nora ist besser in Deutsch. Sophie ist besser in Kunst. Sie haben beschlossen, dass das fair ist. Stefan Feldmann macht das Rührei immer noch zu salzig. Nora sagt es ihm jetzt jedes Mal.
Er nimmt weniger Salz. Es hilft ein bisschen. Richterin Dr. Sabine Brenner leitet seit Januar ein internes Schulungsprogramm im Justizministerium. Thema Kinderrechte in Familiengerichtsverfahren. Ob sie versteht, was sie getan hat, weiß Nora nicht sicher, aber sie macht es. Das ist ein Anfang. Sandra Kellner wird von der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Ausnutzung einer hilflosen Person untersucht. Das Verfahren läuft.
Nora denkt manchmal daran und hofft, dass Frau Kellner irgendwann versteht, warum es falsch war. Nicht wegen der Konsequenzen. Wegen Martina. Die neue Richtlinie des Justizministeriums gilt seit dem 1. Dezember bundesweit. Kindliche Aussagen in Familiengerichtsverfahren dürfen nicht mehr ohne schriftliche Begründung gestrichen werden.
Das Mathematikheft liegt auf Noras Schreibtisch. Auf dem Rand zwischen zwei Aufgaben steht ein Satz in kleiner sorgfältiger Handschrift. Dreimal gestrichen werden kann manchmal zu etwas führen, das nie mehr gestrichen werden kann. Nora hat ihn nicht weggeworfen. Manche Sätze müssen bleiben. Ein Mädchen saß allein in einem Gerichtssaal.
Alles was sie sagte wurde gestrichen. Dreimal. Sie hat dreimal weitergemacht. Das ist keine Geschichte über einen Polizisten. Das ist eine Geschichte über ein Mädchen, das verstanden hat, dass man nicht aufhört, die Wahrheit zu sagen, nur weil jemand sagt, streichen Sie das. Manche Dinge können nicht gestrichen werden. Wenn euch diese Geschichte bewegt hat, lasst ein Like da und abonniert kleine Geschichten.
Schreibt uns in die Kommentare, gab es einen Moment in eurem Leben, in dem jemand versucht hat, eure Stimme zum Schweigen zu bringen? Wie habt ihr weitergemacht? Denn gerade jetzt sitzt irgendwo ein Kind in einem Saal und wartet darauf, dass jemand sagt, ich höre zu und ich streiche das nicht.
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