Boris Becker sorgt für Aufruhr: Tennislegende verteidigt BVB-Profi Ramy Bensebaini nach Roter Karte im Supercup gegen Bayern T
Boris Becker sorgt für Aufruhr: Tennislegende verteidigt BVB-Profi Ramy Bensebaini nach Roter Karte im Supercup gegen Bayern
Ein sportlicher Schlagabtausch zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München liefert traditionell Zündstoff für tagelange Diskussionen. Wenn sich jedoch ein sechsfacher Grand-Slam-Sieger und bekennender Edelfan des deutschen Rekordmeisters in die Schiedsrichterbewertungen einmischt, erreicht die Kontroverse eine völlig neue Dimension. Tennislegende Boris Becker hat nach dem Supercup-Duell der beiden Bundesliga-Schwergewichte für gewaltigen Wirbel in den sozialen Medien gesorgt. Mit einer pointierten und überaus streitbaren Wortmeldung attackierte der frühere Weltklassespieler die Entscheidung von Schiedsrichter Daniel Schlager, den Dortmunder Defensivspieler Ramy Bensebaini kurz vor dem Ende der Partie des Feldes zu verweisen. Beckers deutliches Statement löste binnen kürzester Zeit eine Welle an Widerspruch und lebhaften Debatten aus, die weit über das reine Spielgeschehen hinausreichten.
Die entscheidende Szene, die die Gemüter erhitzen sollte, ereignete sich in der Schlussphase des intensiv geführten Supercups. Der algerische Nationalspieler Ramy Bensebaini ging im Mittelfeld in einen folgenschweren Zweikampf mit Bayern-Neuzugang Ismael Saibari. Bensebaini traf seinen Gegenspieler mit offener Sohle auf Höhe des Knöchels – eine Aktion ohne reelle Chance auf den Ball, die Schiedsrichter Daniel Schlager keine andere Wahl ließ, als die Rote Karte zu zücken. Die TV-Bilder und Wiederholungen dokumentierten die Wucht und Gefährlichkeit des Einsteigens unmissverständlich. Für Bensebaini war es bereits der zehnte Platzverweis seiner gesamten Profikarriere und der dritte im Trikot von Borussia Dortmund, was statistisch die wiederkehrende Problematik seiner Zweikampfführung unterstreicht.
Während die Mehrheit der Experten, Kommentatoren und Zuschauer die harte Strafe angesichts des Verletzungsrisikos für den Münchner Offensivspieler als absolut folgerichtig einstufte, sah Boris Becker den Vorfall grundlegend anders. Der 58-Jährige meldete sich kurz nach dem Abpfiff auf der Plattform X zu Wort und fällte ein unmissverständliches Urteil. In knappen Worten hielt er fest: „War keine rote Karte“, und schob die schonungslose Kritik „Fehler vom Schiri!“ hinterher. Becker sprach dem Unparteiischen damit direkt die Richtigkeit seiner Wahrnehmung ab und stellte sich demonstrativ vor den Dortmunder Abwehrspieler.
Dass ausgerechnet Boris Becker für einen Akteur des BVB Partei ergreift und eine Bestrafung zugunsten seines eigenen Herzensvereins infrage stellt, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. Der gebürtige Leimener ist seit Jahrzehnten einer der prominentesten Anhänger des FC Bayern München. Seine Bindung an den Club von der Säbener Straße beschränkte sich in der Vergangenheit keineswegs nur auf das Daumendrücken auf der Tribüne: Zwischen Mai 2000 und Dezember 2009 war Becker fast zehn Jahre lang aktives Mitglied des Verwaltungsbeirats des FC Bayern München. Auch international ist sein sportliches Interesse gut dokumentiert; neben den Bayern hegt Becker bekannte Sympathien für den englischen Traditionsverein FC Chelsea. Umso überraschter reagierte die Sportöffentlichkeit auf seine vehemente Parteinahme für einen Dortmunder Profi nach einem Foul an einem Münchner Spieler.

Die Reaktionen aus der Netzgemeinde ließen nicht lange auf sich warten. Unter Beckers Beitrag entlud sich ein massiver Gegenwind. Zahlreiche Fußballfans und Beobachter zeigten sich fassungslos über die Einschätzung des einstigen Tennis-Champions. Die Kommentare spiegelten ein klares Stimmungsbild wider. Ein Nutzer hielt der Sportikone vor: „Mensch Boris, auf Knöchelhöhe ohne Ball muss das doch nicht sein, oder? Da kannst du auch mal Rot geben.“ Andere Kommentatoren wählten noch deutlichere Worte und rieten dem dreifachen Wimbledon-Sieger spöttisch: „Bleib bitte beim Tennis.“ Ein weiterer User brachte die breite Ablehnung auf den Punkt, indem er schrieb, dass Becker diese exklusive Meinung wohl ganz alleine vertreten dürfte.
Die Diskussion berührt einen elementaren Kern des modernen Fußballs: den Schutz der Gesundheit der Spieler vor überharter Zweikampfführung. Treffer mit offener Sohle oberhalb des Sprunggelenks werden vom Regelwerk und den Schiedsrichterkommissionen seit Jahren konsequent mit Platzverweisen geahndet, um schwerwiegende Knochen- und Bänderverletzungen zu verhindern. Vor diesem Hintergrund wirkte Beckers Bewertung auf viele Beobachter realitätsfern. Bensebainis wiederholte Unbeherrschtheiten und Platzverweise im Dress der Schwarz-Gelben gelten vereinsintern ohnehin als Problemfeld, da sie seine Mannschaft in entscheidenden Spielphasen regelmäßig schwächen.
Der Vorfall verdeutlicht einmal mehr, wie engmaschig und emotional sportliche Spitzenereignisse im digitalen Zeitalter begleitet werden. Prominente Stimmen besitzen enorme Reichweite, stehen jedoch bei fachlichen Fehleinschätzungen unmittelbar im Zentrum öffentlicher Kritik. Boris Becker hat mit seinem Tweet bewiesen, dass er auch abseits des Center Courts keine Scheu vor unpopulären Meinungen hat – selbst wenn er sich damit gegen die Mehrheit der Fans und die Interessen seines eigenen Lieblingsvereins stellt. Die lebhafte Debatte um Schiedsrichter Daniel Schlager, Ramy Bensebaini und die Grenzen des fairen Zweikampfs dürfte die Bundesliga noch über den Supercup hinaus begleiten.
