Ausländerbehörde: Entscheidungen, die Leben verändern T
Ausländerbehörde: Entscheidungen, die Leben verändern
UNTERTITEL: Hessischer Rundfunk. Sachbearbeiter*innen rassistisch und unverschämt. Sobald man eine Meinung äußern möchte … … rufen sie die Security. Ohne ein Wort wird man rausgeschmissen. Personal: Dringend umschulen, egal wie nett und freundlich du bist. Wirst du hier in Ausländerbehörden in Darmstadt wie Dreck behandelt.
Unfassbar schlechter Service. Keine Antworten per Mail. Vor Ort völliges Chaos. Schlimmste Ausländerbehörde in Deutschland. UNTERTITEL: Hessischer Rundfunk Ist nicht schön, wenn so was über den Arbeitgeber gesagt wird. Über seine eigene tägliche Tätigkeit. Die Ausländerbehörde Darmstadt. Laut Google-Bewertungen eine der schlimmsten Behörden des Landes.
Hier wird über Schicksale entschieden. Wer darf bleiben, wer muss gehen. Kein Traumjob. Die einen kritisieren, dass zu viele Ausländer im Land bleiben dürfen. Andere hätten gerne mehr Fachkräfte. Andere halten Mitarbeiter der Ausländerbehörden für unmenschlich, weil sie Aufenthaltsrechte beenden. Wie erträgt man diesen Job, bei dem man es niemandem recht machen kann? Ein halbes Jahr lang haben wir die Mitarbeitenden der Behörde begleitet.
Ende 2015 bin ich aus dem Irak nach Deutschland gekommen. Und zum ersten Mal, wo ich die Ausländerbehörde besucht habe, hat mich gewundert, wie viele Leute da zu dieser Behörde kommen und nach Hilfe suchen. Man wird von der Realität hier schockiert. Ich habe auf die Entscheidung meines Asylantrages über 6 Jahre gewartet.
Herr Abduljabbar arbeitet seit 5 Jahren in der Behörde. Im Irak studierte er bis zur Flucht englische Literatur. In Deutschland macht er eine Ausbildung zum Bürokaufmann. Der Sachbearbeiter hat selbst nur eine befristete Aufenthaltserlaubnis als Fachkraft. Eine seiner Aufgaben: Zu entscheiden, ob und wenn ja, wie lange Ausländer in Deutschland bleiben dürfen.
Ich habe jetzt hier einen Fall in der Hand. Eine Person, die 2021 in die Bundesrepublik hier eingereist ist. Asylantrag gestellt. Wurde abgelehnt und ist seit April 2025 ausreisepflichtig. Jetzt reichte er mir seinen Berufsbildungsvertrag. Er hat eine Ausbildung gefunden und damit begonnen auch. Ich prüfe jetzt seinen Antrag, dass er eine entsprechende Aufenthaltserlaubnis bekommen kann, damit er auch seinen Weg finden kann, seine Ausbildung abzuschließen und danach eine qualifizierte Beschäftigung auch zu finden.
Der ursprünglich abgelehnte Asylbewerber wird eine befristete Aufenthaltserlaubnis bekommen. Um als Fachkraft hier bleiben zu dürfen, werden ausreichende Deutschkenntnisse, ein qualifizierter Job und ein anerkannter Abschluss vorausgesetzt. Ausländerbehörden regeln den Zugang ausländischer Fachkräfte zum Arbeitsmarkt.
Vom Visumantrag bis zur Erteilung eines Aufenthaltstitels. Das Amt ist für 44.000 Menschen ohne deutschen Pass zuständig. Ein Team aus 55 Personen kümmert sich um die Anträge und Fälle. 60% der Belegschaft hat selbst einen Migrationshintergrund. Ehrlich, als ich nach Deutschland kam, wir waren auch beim Jobcenter das erste Jahr und ich habe gedacht, dass die nicht arbeiten.
Die waren immer hinter der Theke und um 12.30 Uhr hatten die Feierabend. Aber seitdem ich hier angefangen habe, habe ich mir gedacht, das war nicht so. Frau Mensi studierte Modedesign in Italien. Hier wurde es nicht anerkannt. Über eine Zeitarbeitsfirma kam sie 2023 zur Ausländerbehörde. Der Infopoint in der Haupthalle des Bürger- und Ordnungsamts.
Der Erstkontakt mit der Behörde. Wie jeden Tag gibt es bereits lange vor der Öffnungszeit großen Andrang. Bestimmt haben wir eine Schlange von 20 bis 30 Leuten jeden Tag. Die ersten 15 Nummern werden nach oben geschickt, da ist auch eine Infotheke. Und der Rest wird hier bearbeitet. Also die Leute, die keinen Termin haben und nach einem Termin hier unten dann fragen und wir haben leider keine Kapazität an dem Tag, die werden dann sauer.
Die werden sagen, wir warten hier vier, fünf Stunden und bekommen am Ende die Antwort: “Wir haben keine Kapazität.” Wir müssen nächste Woche wieder kommen, müssen noch Urlaub nehmen oder frei nehmen von der Arbeit, damit die hierher kommen können. Ja, also es kommt drauf an, manche haben Verständnis und manche werden dann richtig sauer.
* Musik * Kann ich Ihnen helfen? Wollen wir es auf Deutsch versuchen? Die Unterlagen haben Sie geschickt? Das ist der alte Arbeitgeber. The officer approves your document and sends you an appointment. Also insgesamt seid ihr dann zu dritt, oder? You changed your work, did you say? Möchten Sie ein Foto machen? I give you the number back, you must wait in the fourth floor.
Hi, danke dir. Sie dürfen nicht hierher kommen ohne Original. Der Bewerber war vor zwei Wochen da und Sie sagten, kommt nächste Woche. Haben wir bekommen, ist hier, ist angekommen. Aber ich brauche einen Ausweis, original. Okay, sollen das bringen? – Ja. Wir geben es Ihnen jetzt, bringen es nach. Nee, Sie geben mir den Ausweis und dann gebe ich Ihnen die Nummer.
Heute ist sehr viel los, also Betrieb. Die Menschen haben unterschiedliche Anliegen. Manche haben eine neue Arbeit, andere kommen wegen ihres Aufenthaltsstatus. Oft steht viel auf dem Spiel. Die Mitarbeiterin hat einen Weg gefunden, stressige Situationen nicht eskalieren zu lassen. Ich versuche, ruhig zu bleiben.
Manchmal rufe ich die Sachbearbeiter und frage, ob hier eine Ausnahme, wirklich ein Notfall ist. Manchmal können wir das machen, machen wir auch gerne. Aber leider klappt es nicht jedes Mal. Ich versuche immer, ruhig zu bleiben bei solchen Situationen. Wir haben hier originale Dokumente, zum Beispiel Reisepässe, Heiratsurkunden und so weiter.
Die sind hier eingeschlossen, werden irgendwann ausgehändigt. Und hier sind die Fächer von Teams. In der Kiste, das ist Siegel, mein Siegel, Dienstsiegel, Namenssiegel und auch kleine Dienstsiegel hier. Hier sind die Etiketten. Fiktionsbescheinigung, ein vorläufiges Dokument nach dem Aufenthaltsgesetz. Sie bestätigt, dass die Person hier bleiben darf, obwohl die Aufenthaltserlaubnis abgelaufen ist.
Ich nenne das immer Brückenzettel, zwischen Ablaufdatum vom Aufenthaltstitel und der Entscheidung, unserer Entscheidung. Herr Abduljabbar hat keinen deutschen Pass. Er muss als Antragsteller selbst zu einem anderen Ausländeramt in Hessen. Die Ausländerbehörde Darmstadt, eine von mehr als 500 kommunalen Ausländerbehörden in Deutschland.
Die Einrichtung befindet sich in den oberen Etagen eines Einkaufszentrums im Stadtzentrum am Luisenplatz. Morgenkonferenz der Teamleitungen. Aktuell fällt auf, dass türkische Staatsangehörige über Rechtsanwälte besonders einen Reiseausweis für Ausländer beantragen. Der Grund: Sie bekommen keinen Reisepass vom türkischen Generalkonsulat.
Es wurde gefragt, ob Fälle bekannt sind. Wir haben einen Fall mit dem Ermittlungsverfahren, wo gesagt wird: “Ich kriege keinen Pass, weil ein Strafverfahren in der Türkei anhängig ist.” Nach dem deutschen Recht ist es ja genauso. Ein Deutscher, der im Ausland ist und sich hier einem Strafverfahren entzogen hat, kriegt auch keinen Pass.
Ich habe angefangen bei der Ausländerbehörde und dachte, wo bist du da reingeraten? Voll die Rassisten. So werde ich nie. Nach sechs Jahren merkte ich, ich hab fast die gleichen Sprüche drauf. Weil er so nicht sein wollte, verließ Bernd Simon in den 90ern die Ausländerbehörde. Nach heutigen Maßstäben verhielt sich ein Großteil der Belegschaft rassistisch, sagt er.
Seit fast vier Jahren ist er wieder da und leitet das Amt. Davor sind Mitarbeitende kaum länger als rund zwei Jahre im Job geblieben. Als ich zur Ausländerbehörde kam, war der Auftrag hier, den Betrieb, der vorher schleppend gelaufen ist, in Gang zu bringen. Es ist eine Katastrophe, wenn Sie Mitarbeiter einarbeiten und dann sagt er Tschüs.
Es gibt Menschen, die können mit der Situation, wenn man auch einem Ausländer sagen muss, du hast lange genug studiert, deinen Aufenthalt müssen wir jetzt beenden. Das ist eine Konfliktsituation. An Konflikten mangelte es noch nie in der Ausländerbehörde Darmstadt. Gerade Anfang der 90er-Jahre hatten wir sehr viele Probleme.
Das war so der Zeitpunkt, wo es auch in den benachbarten Kommunen auch Korruptionsfälle gab. Das Problem war auch hier, dass man Sachbearbeiter über Jahrzehnte in einem Sachgebiet gelassen hat und dann entwickelt sich so Korruption. Das sei heute anders. Dennoch gibt es Situationen, die ein Handeln erfordern.
Letztens hat eine Kollegin, weil sie einem Kunden einen dauerhaften Aufenthalt gegeben hat, der kam zurück mit einer Tüte von Douglas. Sehr teure Parfüms, die da drin waren. Der wollte Danke sagen. Können wir natürlich nicht annehmen. Da sind die sensibilisiert. Das Ding muss sofort an den Vorgesetzten. Wir haben den Kunden eingeladen und ihm das wieder übergeben.
Er musste unterschreiben, dass er es wieder genommen hat. Da haben wir ganz strikte Regelungen. 11 Uhr vormittags. Drei Stunden dauert die erste Schicht am Infopoint. Frau Mensi hat über 50 Kunden auf die Fachbereiche verteilt. Aufenthaltsfragen, Arbeitserlaubnis, Niederlassungsfreiheit oder humanitäre Fragen.
Heute war es etwas anstrengend, aber da waren einfache Fälle. Alles super gelaufen. Ich werde dann um 13 Uhr wieder unten sein. Ich muss andere Kollegen ablösen. Dann komme ich wieder her. Ich bleibe unten nur eine halbe Stunde. Dann mache ich hier oben weiter. Sorry, die Treppe hat mich fertig gemacht. Ja, man raut nach 10, 15 Jahren im Kundenkontakt doch etwas ab.
Es sind doch immer wieder dieselben Geschichten, die man hört. Immer dasselbe, was man sagen muss. Das hat auch mit eine Rolle gespielt, dass es unbefriedigend geworden ist für mich. Frau Bonifer arbeitet seit über 25 Jahren in der Behörde. Heute sitzt sie im Backoffice als Frau für die schwierigen Fälle und schreibt mit den Anwälten abgelehnter Asylbewerber.
Die Menschen, um deren Schicksal es geht, kennt sie meist nicht persönlich. Grundsätzlich ist es so, dass unten bei den Sachbearbeitern im Fachbereich ein Antrag gestellt wird. Die stellen fest, dass dem Antrag nicht stattgegeben werden kann. Dann wird der Fall an uns Bescheider, an mich abgegeben. Ich schaue noch mal drüber, ob alles so passt.
Komm ich zum Schluss, dem Antrag kann so nicht stattgegeben werden, dann wird das Ablehnungsverfahren eingeleitet. Viele Fälle landen vor Gericht. Eine Klage gegen einen Ablehnungsbescheid kann sich über Jahre ziehen. Wie hat sich die Arbeit in der Ausländerbehörde verändert? Bürokratieabbau in Deutschland? Ernsthaft? * Lachen * Über diese ganzen Jahrzehnte oder Jahre hat sich die Gesetzgebung verändert.
Es gibt fast täglich neue Erlasse oder Rechtsprechungen, die in irgendeiner Form relevant sein könnten. Natürlich ist auch die Zuwanderung an sich gestiegen, was natürlich auch mit einem Arbeitsaufwand einhergeht. Mehr Menschen, für die man zuständig ist, machen mehr Arbeit. Es ist anspruchsvoller geworden.
Frau Bonifer profitiert von ihrer Erfahrung. Wenn Kollegen hier neu anfangen, ist es so, man ist ja gutgläubig. Man weiß immer nicht so die Umstände, die zu gewissen Sachen führen. Es wird nicht unbedingt immer die Wahrheit gesagt, um selber im besseren Licht dazustehen. Das lernt man mit der Zeit. Die Schicksale, die natürlich immer dahinter stehen, man muss schon lernen, damit umzugehen.
Eine Wertschätzung hat sich in dem Sinne verändert. Der Mensch, der dein Büro betritt, nachdem er da schon zwei, drei Stunden gewartet hat, der ist nicht so dankbar, wenn er hier rausgegangen ist wie der, der hier in zehn Minuten durchgelaufen ist. Ich als Sachbearbeiter habe heute schon den 43., der reinkommt.
Derjenige hat schon vier Stunden gewartet, dass er zu mir reinkommen kann, da ist schon keiner mehr happy. Ausländerbehörden haben Berührungspunkte mit anderen Einrichtungen. Wie dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz BAMF, das Asylbewerber ablehnt oder ins Land lässt. Da übernehmen die Ausländerbehörden.
Wir kriegen natürlich auch Asylbewerber zugewiesen, die im Asylverfahren drin sind. Wir betreuen die natürlich, auch ausländerrechtlich, die brauchen ein Ausweisdokument, wir nennen das Duldung. Die sind dann auch hier in Darmstadt zugewiesen und die werden vom Amt für Soziales unterstützt mit Wohnraum. Die Ausländerbehörden sind die, die das umsetzen, was das BAMF mit einem Bescheid, mit einer Ablehnung oder einer Zustimmung zum Asylverfahren umsetzt.
Wenn die Ausländerbehörden eine Duldung nicht verlängern und die Gerichte einen Asylantrag final ablehnen, wird der Asylbewerber ausreisepflichtig. Für die Dokumentation der Ausreise sind die Ausländerbehörden zuständig. Geht ein Bewerber nicht freiwillig, kann er abgeschoben werden. Ich kann mich an meinen ersten Besuch in der Ausländerbehörde erinnern.
Ich war sehr, sehr aufgeregt, weil ich wusste nicht, was ich da bekommen werde. Ich versuche immer von vornherein, die Leute zu beruhigen, weil ich selber in der Situation auch schon mal war. Guten Morgen. – Morgen. – Wie kann ich Ihnen helfen? Viele Antragsteller wollen anonym bleiben, so wie dieser junge Mann aus Georgien.
Ich werde heute das Land verlassen. Der Grund dafür, warum wollen Sie Deutschland verlassen? Ich war ein Student, ich hatte angefangen zu studieren. Nach ein paar Semestern wurde es ein bisschen kompliziert. Mit der Zeit habe ich es vernachlässigt. Deswegen werde ich das abbrechen. Sie haben ein Flugticket gebucht.
Können Sie mir das geben, bitte und den Reisepass. – Sofort. Ich habe mich auch abgemeldet hier. – Dann machen wir Folgendes. Sie bekommen von mir eine Grenzübertrittsbescheinigung. Damit können Sie das Land verlassen. – Alles klar. Das nehmen Sie zum Flughafen mit, zur Passkontrolle. Und dann einfach der Bundespolizei zeigen.
Sie waren Bachelor, fünftes Semester? -Das ist richtig, ja. Sehr schade, ne? – Das ist sehr schade, ja. Ich versuche, positiv zu bleiben, aber es ist sehr schade, ja. Haben Sie einen schönen Tag. – Wünsche ich Ihnen auch. Mitarbeitende in der Ausländerbehörde Darmstadt beziehen ein Bruttojahresgehalt zwischen 38.000 bis 64.
000 Euro, je nach Erfahrungsstufe und Qualifikation. Geeignete Mitarbeiter zu finden, bleibe eine Herausforderung. Der Fachkräftemangel beschäftigt nicht nur das Land, sondern auch die, die was gegen den Fachkräftemangel unternehmen sollen. Die Probleme, die wir haben, haben alle anderen Ausländerbehörden auch. Also ich brauche zum Beispiel in unserem Bereich als Sachbearbeiter, brauche ich Qualifikationen im Verwaltungsbereich.
Da brauchen wir, so sind unsere Stellen bewertet, Leute, die mindestens Fachhochschule haben. Da kann ich jemanden, der eine pädagogische Ausbildung oder eine andere Ausbildung hat, der kann zwar Fachhochschule haben, aber den kann ich da nicht hinbringen. Für das Ausländerrecht an sich muss ich erst die Leute qualifizieren.
Es gibt fünf offene Stellen, für die der Behördenleiter niemanden findet. Der Sachbearbeiter muss andere Herausforderungen managen. Nach den Informationen, die uns hier im System vorliegen, waren Sie in Italien, richtig? Okay, wie lange? – Mehr als ein Jahr. Sie haben Ihre Aufenthaltserlaubnis in Deutschland verloren, weil Sie dort länger als ein Jahr waren.
War Ihre Aufenthaltserlaubnis in Italien befristet oder unbefristet? Befristet. – Darf ich die bitte mal sehen? Thank you. Kannst du bitte zu mir kommen ins Büro? Ich brauch dich ganz kurz. Ich danke dir. Ciao. Die angerufene Kollegin, die Italienisch spricht, möchte nicht erkannt werden. Hier steht nur: “permesso di soggiorno”.
War das ein Arbeitsvisum? Okay. Ist das befristet oder unbefristet? Da steht irgendwo hier Niederlassungserlaubnis. Ist das das Ablaufdatum? Okay, also nur Ablaufdatum. Und für Jobsuche? – Genau. Alles klar, ich danke dir herzlich. – Bitte. Sie haben jetzt zwei Optionen. Ihre Frau lebt in Deutschland und sie hat eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis.
Sie können nach Italien oder nach China und dort ein Visum zur Familienzusammenführung beantragen. Oder Sie können ein Arbeitsvisum beantragen. Haben Sie hier in Deutschland schon einen Job gefunden? – Nein. Dann haben Sie nur eine Option: ein Visum zur Familienzusammenführung. Der Aufenthaltstitel wird automatisch ungültig, wenn eine Person ohne vorherige Erlaubnis der Ausländerbehörde Deutschland länger als ein halbes Jahr verlässt.
Dieser Antragsteller war über ein Jahr in Italien. Nein, den Titel kann ich Ihnen nicht geben. Sie haben Ihre Wohnsitzberechtigung in Deutschland verloren. Ich hab die verloren? – Ja, die haben Sie verloren. Das heißt, Sie dürfen sich hier nur für 90 Tage aufhalten. Daher ist es für Sie am sinnvollsten, das Land so bald wie möglich zu verlassen.
Dann beantragen Sie ein Visum zur Familienzusammenführung. Die Verwunderung über die überlieferte Nachricht ist offensichtlich. Vor drei Tagen kam der Mann nach Deutschland. Erfahrungsgemäß sehe ich, dass er das Visum bekommen wird, weil seine Ehefrau hier in Deutschland lebt. Sie besitzt eine Niederlassungserlaubnis, eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis.
Von daher besteht nichts dagegen. * orientalische Musik * Das Anstrengendste an meiner Arbeit ist, dass man eine Balance haben muss zwischen der menschlichen Seite als auch der fachlichen Seite. Ich möchte gerne helfen, aber ich arbeite im Rahmen des Gesetzes. Und was das Gesetz sagt, muss ich dann umsetzen auf der Arbeit.
Ich besitze eine Aufenthaltserlaubnis als Fachkraft. Das ist ja befristet. Demnächst erfülle ich die Voraussetzungen für die Einbürgerung. Dann kann ich einen Einbürgerungsantrag stellen. Ab nächstem Jahr erfülle ich auch die zeitlichen Voraussetzungen für die Niederlassungserlaubnis. Falls die für Herrn Abduljabbar zuständige Ausländerbehörde zügig arbeitet und alle notwendigen Unterlagen vorliegen, könnte der Iraker in einem guten Jahr deutscher Staatsbürger werden.

Ich versuche immer, mein Bestes zu geben, vor allem beim Schießen im Verein. Ich versuche so schnell wie möglich zu lernen, gut zu schießen, präzise zu schießen. Aber das geht nicht von heute auf morgen. Es kommt alles mit der Zeit nach und nach. Das geht genauso auch beim Lernen der Sprache oder auf der Arbeit.
Der Iraker ist erst seit wenigen Monaten im Schützenverein. Ein Freund brachte ihn zu diesem Sport. Hi, grüß dich. – Hi. Wie gehts? – Alles gut, bei dir? Die Schießstandaufsicht verfolgt das ambitionierte Training des Vereinskameraden. Schön seinen Büroalltag mal zu vergessen. Einfach abschalten. – Ja, Welt aus, einfach mal Zeit für sich haben.
Weiß er, wo sein Kamerad arbeitet? – In der Ausländerbehörde, genau. Was ist seine erste Assoziation bei Ausländerbehörde? Boah, was die erste Assoziation ist? Dass er bestimmt mal auf der anderen Seite stand. Und dass ich es schön finde, dass er so einen tollen Job hat, dass er sich super eingefunden hat und dass er ein toller Vereinskamerad ist.
* ruhige Musik * Man braucht mindestens ein halbes Jahr, bis man so weit ist, dass man überhaupt das Team irgendwie entlasten kann. Dann ist man noch nicht fertig. Da brauchen Sie ein bis zwei Jahre, bis Sie wirklich alleine autonom Entscheidungen treffen können, ohne dass Sie zu Ihrem Teamleiter oder zu der Kollegin gehen.
Die Woche vor Weihnachten. Trotz Hochbetrieb im Amt, Zeit für einen schnellen Glühwein. Viele Klientinnen und Klienten haben Reisen in die Herkunftsländer geplant. Doch häufig fehlt ein aktuelles Dokument. Behördenleiter Bernd Simon und sein Stellvertreter Josua Böhmann bauen seit Sommer 2022 das Amt um. Wir hatten eine Struktur bei der Ausländerbehörde nach Buchstaben verteilt, jeder macht alles.
Das Ausländerrecht ist so vielseitig, das kann man nicht alles lernen, schon gar nicht sich auf diesem Stand fort- und weiter bilden. Dann waren die Leute überfordert und sind weggerannt. Heute ist die Behörde in unterschiedliche Bereiche aufgeteilt: Studierende und Fachkräfte oder Asylbelange. Personelle Fluktuation hat jede Ausländerbehörde, seit vielen Jahren, Jahrzehnten schon.
Ich bin seit 15 Jahren dabei, ich kenne es nur so. In der Außenwahrnehmung hatte die Ausländerbehörde Darmstadt noch vor wenigen Jahren ein Problem. Sie galt als chaotisch, langsam, manchen Mitarbeitern wurde Rassismus nachgesagt. Ohne diese schlechte Presse hätten wir die neue Geschäftsverteilung mit 14 neuen Kollegen nicht bekommen.
Politisch war diese schlechte Presse für einen Oberbürgermeister sehr schwierig. Die Opposition hat auch im Parlament auf der Matte gestanden, das war der Druck, der dann da war. Wenn der Druck nicht gewesen wäre, politisch der Druck, wären wir heute wahrscheinlich immer noch so da, wo wir damals waren und hätten rumgewurschtelt.
Also von 100 Kunden gehen 99 Kunden bei uns zufrieden raus, haben das bekommen, was sie haben wollen. Bei einem dauerte das Studium zu lange, wir mussten den Aufenthalt ablehnen. Der wird sich nie, egal wie gut wir sind, über uns positiv äußern. Als Repräsentanten einer Behörde, die nicht selten über Lebenswege entscheiden muss, sehen sich die Mitarbeitenden regelmäßig mit hochemotionalen Situationen konfrontiert.
Im Rahmen eines Deeskalations- Workshops sollen sie lernen, in Konflikten einen kühlen Kopf zu behalten. Die meisten wollen anonym bleiben. Ich würde Sie in Kleingruppen einteilen. Schön wäre, wenn neue Mitarbeiter und alte Mitarbeiter miteinander agieren, damit nicht die alten Hasen zusammensitzen und die Neuen gar nicht wissen, was sie denn jetzt machen sollen, sondern wenn wir es irgendwie bunt mischen können.
Coach Tanja Türk, Schwarzgurtträgerin im Kickboxen, ließ früher Sachbearbeitende auf Bratzen boxen. Heute setzt sie auf zeitgemäße Konfliktrollenspiele. Die Teams schildern unangenehme Erlebnisse, die anschließend nachgespielt werden. Ein junger Mann sagte, er brauche dringend einen neuen Termin für die Ehefrau.
Ich so: “Sie haben doch schon einen Termin, ich hab nichts frei.” Er so: “Nee, die Mutter ist krank, die Frau muss sofort reisen.” “Haben Sie den Nachweis? Nein.” Alles so auf eine ruhige Art und Weise. Also er war sehr ruhig, aber ich war kurz davor zu explodieren. Was soll ich machen? Natürlich zeigst du das nicht, aber irgendwann wurde ich den Mann nicht los, dann habe ich die Kollegin dazu gerufen.
Ich werde den Mann nicht los. Sollen wir das durchspielen? Die Frage ist nur, wer übernimmt welche Rolle? Ich will beobachten, wie andere das klären würden. Dann werde ich der Ruhige sein. – Wer ist der Sachbearbeiter? Möchten Sie mal der Sachbearbeiter sein? Oder willst du nicht? – Nein. Nein, du willst es nicht. – Du musst nicht.
Was ist es, was Ihnen gerade so schwerfällt, die Situation, dass andere zugucken? Willst du lieber zugucken? Willst du vielleicht kurz rausgehen? Auf die Toilette? Und in fünf Minuten reinkommen und dann wirst du nur uns beobachten? Machen wir so? – Ich muss das machen. – Nein. Also es ist natürlich ein Kann und kein Muss.
Jetzt sind Sie in einem total geschützten Setting. Menschen, die Sie auffangen. Im beruflichen Kontext, wenn das … Ich muss es machen … Du musst es machen, weil du das willst, um das zu trainieren. Es ist nicht immer Muss. – Genau. Wir sind bei Ihnen. Es wird Ihnen im Nachgang ganz viel Mut geben. Wenn das im beruflichen Kontext passiert, dann fühlt man sich ganz lange unwohl.
Mensch bleiben und gleichzeitig Gesetze und Vorschriften umsetzen, bei manchen hier löst diese Aufgabe einen enormen Druck aus. Fast alle Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter der Ausländerbehörde kennen unangenehme Begegnungen mit Kundschaft aus eigener Erfahrung. Offen darüber reden wollen viele nur, wenn die Kamera aus ist.
Die Sorge vor Stigmatisierung ist groß. Das Deeskalationstraining findet zweimal jährlich statt. Es richtet sich an neue Teammitglieder und weniger an erfahrene Mitarbeiterinnen wie Frau Bonifer. Sie war dabei, als die Ausländerbehörde im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 an ihre Belastungsgrenze kam. Damals war das Amt noch in diesem Gebäude.
Wir treffen sie und eine Freundin. 2015, 2016 war dann schon der größte Ansturm und die größte Belastung tatsächlich. Der Arbeitsaufwand ist natürlich enorm gestiegen. Als dann 2015 diese Welle aus Syrien kam, hat erst keiner gedacht, dass das wirklich solche Ausmaße annimmt. Man wurde dann sehr überrollt, es war anders bei der Ukraine.
Den Geflüchteten aus der Ukraine wurde in Deutschland schneller Zugang zu Sozialleistungen und Arbeit gewährt. Die erstmalige Anwendung des §24, der den vorübergehenden Schutz für Kriegsflüchtlinge regelt, machte das möglich. Da hat uns die Regierung vieles vereinfacht. Die mussten nicht das Asylverfahren durchlaufen wie die Syrer.
War schon sehr aufregend. – Wie war es für dich? Ich kenne dich ja etwas länger als seit 2015. Ich habe gerade die stürmische Zeit mitbekommen. Wie war es denn im Gegensatz zu davor? – Tatsächlich anders. Das hast du auch gemerkt. Bei den Syrern damals waren die Männer da und haben die Frauen und die Kinder nachholen wollen.
Bei der Ukraine war es genau andersrum. Das war ein Unterschied. Wir waren 2015 noch nicht in Fachteams aufgegliedert. Da war noch A bis Z, hat jeder alles gemacht. Da hast du einen Schlag gekriegt. Ich war damals für A zuständig. Ich hatte alles, weil die Syrer wie die Holländer den Zusatz “von” haben, “Al-“.
Ich habe das mitgekriegt Ich habe sehr viel abbekommen davon. Aber ich habe nicht wie bei der Ukraine Samstag, Sonntag gearbeitet. Weißt du das noch? – Ja, daran kann ich mich erinnern. Immer mal so drei, vier Stunden, weil wir da auch zu zweit waren. Und wir immer noch gedacht haben, dass wir das irgendwie gewuppt kriegen und schaffen können.
Bis wir vor den ganzen Kisten voller Akten standen und gesagt haben: “Wir schaffen es einfach nicht.” Im Sommer 2015 sagte die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel im Angesicht der Flüchtlingskrise: “Wir schaffen das.” Ein historisches Zitat, über das noch heute diskutiert wird. Wie hat sich diese Politik auf die Arbeit der Sachbearbeiterin ausgewirkt? Hat Deutschland die Herausforderung bewältigt? Man hat das immer in den Nachrichten verfolgt und so weiter.
Dann der Satz, “wir schaffen das”. Du sitzt auf der Couch und denkst: “Natürlich!” Man weiß nicht wie. Die Regierung spricht da immer mal was aus und weiß aber gar nicht, inwieweit da die Bürokratie greift und was dafür zu machen ist, bis es so weit ist, dass die Person das hat, was sie beantragt hat und was sie möchte und auch braucht.
Ja, das ist immer so ein bisschen fehlendes Verständnis: Was soll gemacht werden und was kann gemacht werden? Tatsächlich hört man den politischen Ideen nur noch mit halbem Ohr zu. Mit manchem gehe ich mit, mit manchem gehe ich nicht mit. Das ist aber nicht relevant, was meine Meinung dazu ist. Es muss umgesetzt werden am Ende des Tages.
Geltendes Recht frei von eigenen Emotionen und Meinungen umsetzen, das muss ein Sachbearbeitender leisten können. Manche Antragsteller vermuten hinter fachlichen Entscheidungen persönliche Motive. Das erklärt, warum Mitarbeitende der Ausländerbehörde Darmstadt anonym bleiben wollen. Wir haben sehr dafür gekämpft, dass unsere Vornamen nicht auf der Homepage stehen, weil man doch angreifbar ist.
Es geht um menschliche Schicksale. Es geht um Bedürfnisse, die für mich auf dem Papier sind, für den, den es betrifft, eine Herzensangelegenheit sind. Von daher sind die nicht immer mit unserer Entscheidung einverstanden und nehmen das persönlich. Das ist nicht die Entscheidung des Gesetzgebers, die ich umgelegt habe, sondern mich persönlich machen sie dafür verantwortlich, was ja nachvollziehbar ist.
Da kann es schon mal sein, dass der ein oder andere sich da nicht ganz so korrekt verhält auch im Nachgang. Deswegen sind wir da schon, um unseren eigenen Schutz zu gewährleisten. Ich würde auch nicht mehr in Darmstadt wohnen wollen. Hallo, Morgen. – Morgen. Sprechen Sie Deutsch oder Englisch? – Englisch. Englisch, okay.
(auf Englisch) Nehmen Sie bitte Platz. Ich sehe, gestern haben wir Ihnen einen Termin geschickt. Haben Sie die Mail erhalten? – Nein. Am 6. Januar haben Sie einen Termin hier. Wir haben Ihre Arbeitserlaubnis für die Stelle als Pflegefachfrau erhalten. Wenn Sie also im Januar noch einmal hierher kommen, bekommen Sie Ihre Arbeitserlaubnis ausgestellt.
Das heißt, ab dem 1. Januar können Sie Ihre Stelle antreten. Ich arbeite bereits, wechsle aber. Es ist dasselbe Krankenhaus, aber ich wechsle den Arbeitgeber. Ah, okay, Sie haben Ihre Stelle schon angetreten und es gibt keine Probleme mit dem Arbeitgeber. Super, das war’s schon. Hier ist die Terminbestätigung für Januar.
Auf der Rückseite steht, welche Unterlagen Sie mitbringen müssen. Hier ist Ihr Reisepass. Haben Sie noch einen schönen Tag. – Danke. Gerne, tschüs. Ob Terminunklarheit oder ein komplexeres Anliegen. Ob Fachkraft oder Studierende. Viel Leerlauf hat Herr Abduljabbar nicht. Haben Sie Ihren Reisepass dabei? – Ja. – Jawohl.
Brauchen Sie den Aufenthaltstitel? Äh, nee, den brauche ich erst mal nicht. Sie müssen einen neuen Pass beantragen, nicht vergessen. Oh, ja, ja. Der läuft in zwei Monaten ab. Nur zwei Monate? – Ja, der läuft in zwei Monaten ab. Dann geben Sie mal bitte Ihre Fiktionsbescheinigung her. Jawohl, danke.
Und wie läuft es mit dem Studium? Äh, immer noch. – Okay. Also ich habe ein Fach gewechselt. – Fach gewechselt? – Ja. Ich erkläre Ihnen eine sehr, sehr wichtige Sache. Man darf hier in Deutschland nur zehn Jahre studieren. – Ja. Okay? – Okay. – Sie sind ein Student seit 2017 hier in Deutschland. Wenn Sie mit dem Studienfach schon angefangen haben und Sie haben die ersten drei Semester schon durch, dürfen Sie Ihr Studienfach nicht wechseln, erst wenn Sie die Ausländerbehörde gefragt haben.
Weil wir müssen prüfen, ob Sie in der restlichen Zeit für Ihren Aufenthalt, ob Sie Ihr Studium in dieser Zeit abschließen werden. Okay? Auf der Etage ohne Publikumsverkehr geht es bei Frau Bonifer um Anliegen, die oftmals komplexer sind. Wie ist das bei einem Daueraufenthaltsberechtigten? Wird dem im Zweifelsfall die Abschiebung ins Heimatland oder auch nur ins Heimatland oder in den EU-Staat angedroht? Ich hatte jetzt einen Fall, da habe ich erst mal herausfinden müssen, ob der Aufenthaltstitel in dem Mitgliedstaat noch gilt.
Ich habe die angeschrieben, habe gefragt, ob die den Titel haben, vielleicht verlängern haben lassen. Bei der Botschaft auch? Nee, die Botschaft weiß das vermutlich nicht. Ich habe die Anwältin gefragt. Die hat mir die verlängerten Titel geschickt und hat gesagt, dass die einen Sohn haben im Mitgliedstaat, in meinem Fall war es Spanien.
Wenn die dort zu Besuch sind, dann gilt der Titel auch dort fort. Die hat mir auch die Verlängerung vorgelegt. Dann drohe ich die Abschiebung ins Heimatland und in den Mitgliedstaat an. Ich schicke dir das mal? – Gerne. Komplexe Fälle, zahlreiche Krisenherde und eine gefühlt nicht enden wollende Bürokratie.
Was wünscht sich der Leiter der Ausländerbehörde Darmstadt in diesen Zeiten? Ich würde mir mehr Veränderung wünschen. Es kommen ständig Gesetze aus Berlin oder aus Wiesbaden, also vom Land oder vom Bund. Das sind alles Gesetze, ob das das neue Staatsbürgerschaftsrecht ist oder das beschleunigte Fachkräfteverfahren.
Das ist wunderbar, diese Gesetze. Aber am Ende müssen solche Gesetze auch Menschen ausführen. Wenn ich diese Behörden nicht ausstatte mit den Menschen, die das beschleunigen sollen oder die Botschaften. Das Nadelöhr bei der Fachkräftegewinnung sind die Botschaften. Wenn ich die Botschaften nicht ausstatte, dass die nicht neun Monate brauchen, um einen Termin zu machen.
Dass Fachkräfte gebraucht werden, belegen Studien. Doch es gibt viele Menschen in Deutschland, die Migration kritisch sehen, den Zuzug begrenzen wollen. Die Debatte um das deutsche Stadtbild, wie Friedrich Merz es Ende 2025 formulierte, macht das deutlich. Das Stadtbild hat sich verändert. Da kann man diskutieren, aber das ist so.
Das ist ja gut so. Wir brauchen ja die Kräfte. Das Einzige, was wir nicht brauchen, sind Straftäter. Die brauchen wir absolut nicht. Wer hier Straftaten begeht, und zwar hohe Straftaten. Wir haben eine ganze Menge, die hier in Darmstadt bei uns in der JVA sitzen, mit Vergewaltigung, mit Rauschgiften. Solche Kunden brauchen wir nicht. Da habe ich kein Mitleid.
Alle anderen brauchen wir hier. Wir brauchen die Fachkräfte. Wenn man sich den Pflegebereich anguckt, da wo meine Frau arbeitet, 80, 90 Prozent haben Migrationsanteil. Wenn wir die alle nicht hätten, könnten wir unsere Pflegeheime, unsere Krankenhäuser schließen. Aber es gibt schon die Leute, gerade diese unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die damals gekommen sind, da sind einige dabei, die haben hier ihre Schule gemacht, die haben hier eine Ausbildung gemacht.
Das wäre denen im Heimatland wahrscheinlich nie möglich gewesen in der Art. Die sind schon happy. Die haben diese Möglichkeit, die sie dadurch bekommen haben, genutzt. Die gibt es schon. Aber es ist nicht die Mehrheit. Oftmals. Leider. Frau Bonifer kennt aus ihrem Berufsalltag auch die, die die Angebote des deutschen Staates nicht nutzen und für missglückte Migration stehen.
Ich denke, dass es in gewissen Maßen gebraucht wird und wichtig ist. Gerade im Hinblick auf den Fachkräftemangel ist es von großer Bedeutung, denke ich. Aber es muss im Rahmen bleiben. Deswegen auch in Maßen. Und man hat es ja gesehen, es sind sehr viele Syrer gekommen, es sind sehr viele Ukrainer gekommen, es sind sehr viele Afghanen gekommen und viele haben Deutschland nicht wieder den Rücken gekehrt.
Wie blickt der Lebenspartner von Frau Bonifer auf die Arbeit seiner Freundin? Wie erinnert er sich an die stressintensiven Jahre, die die Kriege und Krisen ins eigene Wohnzimmer gebracht haben? Ich habe das dann so wahrgenommen, als sie heimgekommen ist, da war kein Lachen mehr. Da sind viele Tränen geflossen und das war eine anstrengende Zeit für uns beide dann am Ende.
Du bist dann so hilflos, du kannst ja nichts machen. Was willst du denn machen? Man versucht irgendwie einen Ausgleich zu schaffen. Heute würden wir das vielleicht ein bisschen besser hinkriegen. Man hat sich mit dem Thema auch auseinandergesetzt. Wie kann man sich trotzdem entspannen, auch wenn man so gestraft von der Arbeit nach Hause kommt? Vielleicht wäre es heute leichter, mit einem gewissen Abstand jetzt auf die ganze Geschichte dann drauf.
In dem Moment war man so überfordert und das war nicht leicht. War für mich anstrengend. Das kann man sich nicht mehr vorstellen. Wenn man das eine sieht und dann das andere, man kriegt suggeriert im Fernsehen: “Das wird schon irgendwie gehen.” Irgendwie klappt es ja immer. Es hat ja auch geklappt am Ende.
Aber zu welchem Preis? Menschen wie Herr Abduljabbar haben in Deutschland Fuß gefasst. Er möchte deutscher Staatsbürger werden und im Beruf mehr Verantwortung übernehmen. Über all dem steht für ihn etwas anderes. Wenn man so schlechte Zeiten erlebt hat, im Krieg, schlechte politische Lagen und so weiter, sucht man nur Sicherheit.
Das war der Fall bei mir, wo ich nur Sicherheit gesucht habe. Das war die Entscheidung, dass ich nach Deutschland komme. Ich schätze die Sicherheit sehr hier in Deutschland und dass man sich hier frei bewegen kann und dass man sich auch hier frei entfalten kann. Deutschland hat mich aufgenommen, hat mir die Chance gegeben, weiter zu studieren, zu arbeiten, mein Ziel zu erreichen.
Also Deutschland ist mein zweites Heimatland, sozusagen. Was Deutschland in Zukunft für ein Land wird, die Ausländerbehörden, auch die in Darmstadt, tragen dazu bei. Ihre Sachbearbeiter*innen übernehmen eine relevante Aufgabe für unsere Gesellschaft. Ich finde, ich habe einen schönen Beruf. Es macht mir immer noch Spaß und erfüllt mich.
Das ist immer ein Menschenschicksal. Der Mensch reist ein, aus irgendwelchen Gründen, er möchte was, braucht was von uns. Da wird es nicht langweilig. Wie lange willst du das noch machen? – Ich kann nichts anderes. Ach so, okay. Der Job in einer kommunalen Ausländerbehörde kratzt, trotz Reformen, für nicht wenige irgendwann an der Belastungsgrenze.
Auch wenn sich die Lage in Darmstadt verbessert zu haben scheint, viele Beschäftigte arbeiten mit hohem Einsatz. Aber immer wieder im Krisenmodus, vor allem, wenn das Weltgeschehen den Arbeitsalltag in der Ausländerbehörde bestimmt. Wir sind auf Krisen, die kurzfristig kommen und die kommen kurzfristig, ohne Ansage.
Im Iran gab es ja keine Ansage. Darauf sind wir nicht vorbereitet. Auf so einen Ansturm sind wir nicht vorbereitet. Copyright Untertitel: hr 2026
