Mord in der Salatbar – Der aufgeklärte Mord an Anke T
Mord in der Salatbar – Der aufgeklärte Mord an Anke
Crime Time Dein True Crime Podcast mit Lea. Hier hörst du wahre Verbrechen und vermissten Fälle aus deiner Region. Hallo Lieben und herzlich willkommen auch zu dieser neuen Folge auf meinem Kanal Lea’s Crime Time. Wie schön, dass ihr alle wieder mit dabei seid. Ich würde mich wie immer freuen, wenn ihr diese Folge vom Anfang bis zum Ende durchhören würdet und ihr würdet mich riesig unterstützen mit einem Abo auf den Podcast-Portalen oder auch auf YouTube.
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Vielleicht kennen ihn einige von euch schon, vielleicht auch nicht. Es ist wieder ein sehr tragischer und sinnloser Mord und ja, es soll heute um den Mordfall Anke Schäfer gehen. Ich war nämlich mal wieder in meinem Aktenzeichen XY Archiv unterwegs, sozusagen, und dann kam mir eben der Fall von Anke Schäfer wieder in Erinnerung.

Und ja, wie gesagt, um den soll es heute gehen. Und wir beginnen wie immer von Anfang an. Anke wuchs in Lingen im Emsland auf und war im Jahr 2007 24 Jahre alt. Ihre Eltern führten dort eine Bäckerei bzw. auch Großkonditorei und zu ihnen hatte sie ein sehr inniges Verhältnis. Mehrmals am Tag haben sie mit Anke telefoniert und ihr Vater bezeichnete sie als seinen Wonneproppen.
Anke hatte zudem zwei Brüder und auch zu ihnen war der Kontakt ziemlich gut und im Kindesalter, noch im Kindergartenalter sogar hatte sie die Diagnose dann also Anke selbst eines Tumors erhalten und hatte seither eine Phobie vor Spritzen und auch Messern. Sie war eine beliebte junge Frau mit einem großen Freundeskreis und fiel immer durch ihre positive Art auf.
Sie lachte viel und gerne, war fleißig und eine Person, mit der es wenig bis gar keine Probleme gab. Im Jahr 2002 entschloss sie sich zu einem großen Schritt. Sie verließ Lingen und wollte im über 200 km entfernten Köln neu durchstarten, wo sie im belgischen Viertel gelebt hat. Sie feierte dort gerne und lernte neue Menschen kennen, hielt zu ihrer Familie in Lingen aber weiterhin sehr engen Kontakt und besuchte diese auch regelmäßig.
Einer ihrer Brüder lebte ebenfalls in Köln und die Geschwister beschlossen, sich gemeinsam selbstständig machen zu wollen und eine Salatbar namens Super Salad zu eröffnen. Im April 2007 eröffneten sie ihren ersten Laden in der Gertrudenstraße in Köln, der ziemlich gut ankam und die Kunden konnten frei wählen, welche Zutaten sie auf ihren Salat haben wollten und die Geschäftsidee der beiden fand wirklich Anklang.
Und zur damaligen Zeit hatte Anke übrigens auch einen neuen Freund. Dieser lebte allerdings nicht in Köln, sondern auch bei ihren Eltern in Lingen. Die beiden waren frisch zusammen und trafen sich natürlich so oft es ging. Man könnte also sagen, dass ihr Leben damals kaum besser hätte sein können, wäre nicht am Ende alles so, ja, tragisch geendet. Am Donnerstag, dem 19.
Juli 2007, fast 20 Jahre ist das Ganze schon her, fuhr Anke wieder zu ihren Eltern. Es gab aber damals einen besonderen Anlass, ihr Cousin hat geheiratet, aber gleichzeitig freute sie sich natürlich auch darauf, Zeit mit ihrem Partner verbringen zu können. Am Samstag, dem 21. Juli 2007, verbrachte sie noch kurze Zeit mit ihren Eltern, die anschließend in den Urlaub flogen.
Sie verabschiedeten sich von ihrer Tochter, ohne zu wissen, dass dies das letzte Mal sein würde, dass sie sie lebend sahen. Am Sonntag macht sich Anke auf den Heimweg. Ihr Freund brachte sie noch zum Bahnhof. Um 19:44 Uhr stieg sie in einen ICE nach Köln. Während der Fahrt telefoniert sie mit ihrem Bruder und erzählt ihm, dass sie später definitiv noch ins Geschäft gehen wolle, um die Abrechnung zu machen, auch wenn es spät werden würde.
Sie wäre dann allein im Laden, der sonntags geschlossen hatte, was ihr jedoch nichts ausgemacht hat. Anke hatte sowieso wohl so eine Art an sich, ja, die wohl so gewesen ist, dass sie immer an das Gute im Menschen geglaubt hat und nie sich hätte vorstellen können, dass ihr jemand mal richtig was Schlechtes tut, weil sie ja diese positive Ausstrahlung hatte.
Um 22:14 Uhr zeichnete eine Überwachungskamera auf, wie sie aus dem Zug stieg. Sie ging in die Kolonnaden und kaufte sich etwas bei einem Asia-Imbiss. Eine weitere Kamera filmte sie bepackt mit ihrer Handtasche und einer größeren braunen Dunlop-Reisetasche. Um 22:26 Uhr erfasste eine letzte Kamera im Hauptbahnhof die 24-Jährige auf dem Weg zur U-Bahn.
Mit der U-Bahn fuhr sie dann sehr wahrscheinlich zum Neumarkt oder zum Appelhofplatz und ging in ihr Geschäft. Diesmal ließ Anke, weshalb auch immer, draußen den Schlüssel in der Tür stecken und ließ auch die Tür einen Spalt offen, da es noch schön warm war, bevor sie sich an die Arbeit machte, weshalb sie den Schlüssel draußen stecken ließ, das weiß man nicht so genau.
Um 23:00 Uhr sah eine Fußgängerin sie noch im helleuchteten Super Salad über ihren Ordner gebeugt. Diese spätere Zeugin sollte die letzte sein, die Anke lebend sah. Die Abrechnung hat sie noch beendet und damals befanden sich etwa 800 Euro in der Kasse. Am Montag, dem 23.
Juli 2007, schloss ihr Bruder gegen 8 Uhr den Laden auf, zumindest wollte er das, wundert sich aber, dass der Schlüssel draußen steckte. Er brauchte also gar nicht aufschließen und seine Schwester hatte er um diese Zeit auch überhaupt nicht im Laden erwartet, da sie ja am späten Abend noch die Abrechnung gemacht hatte. Außerdem hat er sich geärgert, als er eine halb abgebrannte Zigarette auf dem Tresen sah und ja, daneben noch ein Brandloch entdeckte.
Er rief nach Anke, doch die meldet sie sich nicht und dann öffnete er irgendwann auch den Kühlraum und erschrak zutiefst und dieses Bild ging ihm wohl auch nie mehr aus den Augen. Seine Schwester lag leblos am Boden, ihr Körper blass, blutig und steif gefroren. Als erstes rief er seinen Vater an und danach alarmierte er den Notarzt, der jedoch nichts mehr für Anke tun konnte.
Der Bruder stand wahrscheinlich ja Weise unter Schock und fragte sich, wer hat seiner Schwester das bloß angetan? Nachdem der Notarzt, die Polizei, sowie die Kriminalpolizei am Tatort eingetroffen waren, wurde er ins Krankenhaus geschickt, also Ankes Bruder, nicht nur, weil er ein Trauma erlitten hatte gerade und völlig außer sich war, sondern auch um kriminaltechnisch untersucht zu werden.
Seine Kleidung wurde komplett sichergestellt und auf Spuren überprüft. Schließlich war er ja derjenige, der die Leiche gefunden hatte und galt für die Ermittler zunächst als möglicher Täter. Man wollte eben nichts ausschließen. Der Tatort wurde selbstverständlich weiträumig abgesperrt. Die Spurensicherung arbeitete stundenlang, allerdings fanden sich keinerlei Anzeichen für einen Kampf.
Anke schien vom Täter also überrascht worden zu sein und den Ermittlern fiel sofort die unaufgerauchte L&M Zigarette auf dem Tresen auf, die sie als mögliches Beweismittel natürlich sicherten. Was sie ebenfalls wunderte, die 800 Euro in der Kasse waren unangetastet geblieben. Bei einem Raubmord hätte der Täter doch das Geld mitnehmen müssen, normalerweise.
Fehlend hingegen waren Ankes Dunlop Reisetasche, ihre gelbe Kellnerbörse, ihre Papiere und ihr Schlüsselanhänger mit kleinen Flipflops daran. Die spätere Obduktion ergab, dass sie durch massive Gewalteinwirkung und Blutverlust zu Tode gekommen war. Elf Messerstiche hatten Ankes Körper getroffen. In Brust, Arme, Hände und Knie. Sie verblutete binnen 15 Minuten und war danach vermutlich vom Täter oder auch schon davor in den Kühlraum gelegt worden, wo sie alleine verstarb.
Eine sexuell motivierte Tat konnte nicht nachgewiesen werden. Die Mordkommission Super stellte sich die dringende Frage nach dem Motiv. Die Zigarettenkippe wurde umgehend natürlich auch auf Fremd-DNA untersucht. Es hätte ja im Zweifel auch eine Frau sein können, was jedoch schnell ausgeschlossen wurde. In der DNA-Datenbank für Straftäter war das Profil des Mannes aber zunächst nicht verzeichnet, was für die Ermittler natürlich total ernüchternd war.
Vor der Salatbar stellten Freunde und Betroffene Kerzen und Blumen ab. Da Anke so viele Menschen kannten, war natürlich die Trauer sehr groß. Und bei ihrer Familie selbstverständlich riesig, unermesslich. Wer hatte dieser fröhlichen und liebevollen jungen Frau sowas angetan? War es ein missglückter Raubmord? Wurde sie schon auf dem Weg dorthin vielleicht verfolgt? Hatte sie einen Stalker? Kannte sie vielleicht ihren Mörder? All diese Fragen beschäftigten natürlich die Mordkommission damals intensiv und man suchte händeringend nach Antworten. Man
führte Befragungen im Viertel und auf Kölns Feiermeile durch, wo Anke sich gern mal aufgehalten hatte. Doch weder Hinweise auf Probleme noch die Vernehmung von über 100 Zeugen am Anfang brachte den entscheidenden Durchbruch. Zudem ermittelte man 170 Personen, die zur fraglichen Zeit in der Nähe des Super Salads Geld abgehoben oder sich dort aufgehalten hatten.
Auch Handydaten wurden ausgewertet, also da hat man wirklich viel gemacht. Dabei geriet kurzzeitig ein Bekannter von Anke ins Visier, der im entsprechenden Funkbereich erfasst worden war. Aber das Ganze hat sich dann als Fehler herausgestellt, denn der Mobilfunkanbieter hatte falsche Daten geliefert und nach deren Aktualisierung schied er ebenso als Täter aus, genauso wie auch Ankes Bruder.
Auch Gäste nahegelegener Hotels und weitere Personen wurden gebeten damals freiwillige Speichelproben abzugeben. Am Ende untersuchten die Beamten über 2000 Speichelproben, doch ein Treffer war nicht darunter und der Mörder blieb weiter im Dunkeln. Um wirklich alle Möglichkeiten auszuschöpfen und vielleicht wissen meine Stammzuhörer schon, was jetzt kommt, wurde der Fall am 13.
Dezember 2007 in der 407. Sendung Aktenzeichen XY ungelöst vorgestellt. Zwar gingen einige Hinweise ein, aber keiner davon war irgendwie zielführend. Die Ermittler hatten große Hoffnung in die Ausstrahlung gesetzt, verständlicherweise, und gingen damals von einer Beziehungstat aus, da Anke von hinten attackiert worden war und es keinerlei Abwehrspuren gegeben hatte.
Auch die Tatsache, dass kein Geld, aber dafür persönliche Gegenstände von Anke entwendet wurden, ja, schien dafür zu sprechen. Wollte der Täter diese vielleicht als Trophäe mitnehmen? Ihr Freund aus Lingen wurde auch schnell als Verdächtiger ausgeschieden. Hatte sie also doch einen heimlichen Verehrer oder einen Stalker gehabt? Ihr Freundeskreis war schließlich groß und man ging davon aus, dass sie gezielt als Opfer ausgesucht worden war.
Doch warum hatte der Täter seine Zigarette dann am Tatort zurückgelassen? Möglicherweise hatte er sich auch bei der Tat selbst verletzt. Er hatte ein 16 bis 20 cm langes Fleischermesser benutzt. Ob er es aus der Küche der Salatbar genommen hat oder selbst mitgebracht hat, blieb erstmal im Dunkeln. Im Laufe der Ermittlungen wurden sage und schreibe 3500 Spuren akribisch ausgewertet.
Die vielen Befragungen und DNA Analysen kam ja auch noch hinzu. Das wurde eine echte Geduldsprobe, vor allem für die Familie von Anke, die unermesslich litt und auch für die Ermittler. Das war für die so ernüchternd, dass man einfach nicht zum Täter kam und Ankes Bruder wagte schließlich auch einen großen Schritt. Am 26.
September, also rund zwei Monate nach der Tat, hat er die Salatbar wieder eröffnet. Er hatte ja auch Mitarbeiter und es musste ja irgendwie weitergehen und der Laden war ja auch von Anke mit aufgebaut worden, sodass man das gemeinsame Lebenswerk weiterführen wollte. Ich glaube, ich hätte mich das damals nicht getraut, ohne den Täter zu kennen, aber es hat auf jeden Fall Anklang gefunden, ohne jetzt groß spoilern zu wollen, aber es gibt mittlerweile, übrigens zehn Super Salat Filialen in Köln, nach wie vor unter der Leitung des Bruders von Anke. Also, das
Lebenswerk ist immer noch da, sage ich mal so. Die haben auch wahrscheinlich Krisenzeiten gut überlebt. Je mehr Zeit damals verging, desto weniger Anhaltspunkte blieben der Mordkommission und irgendwann mussten sich die Ermittler eingestehen, dass sie vorerst nicht weiter kamen. Der Fall wurde von der Staatsanwaltschaft zu den Akten gelegt und als Cold Case geführt.
Sehr frustrierend natürlich für das ganze Team, das so viel Ehrgeiz in die Aufklärung gesteckt hatte, aber es fehlte einfach der richtige Treffer für diese gesicherte DNA Spur. Ganze acht Jahre vergingen, im Spätsommer 2015 aber dann kam es zu einer Wendung, die wohl auch niemand mehr wirklich erwartet hatte und ich nenne das in diesem Fall wirklich mal Kommissar Zufall, den man sich in so vielen Fällen wünscht.
Ein 35-jähriger Mann namens Ali K, der Name, den habe ich abgeändert, aus Eitdorf im Rhein-Sieg-Kreis, etwa 50 km von Köln entfernt, war in Hamburg wegen Schwarzfahrens und kleinerer Diebstähle in Haft geraten. Ali K. war den Behörden zwar bekannt, aber kein Schwerverbrecher. Er war nie so auffällig geworden, dass man hätte eine DNA-Probe bzw.
Speichelprobe von ihm hätte nehmen müssen. Aber das änderte sich jetzt. Da sich die Delikte häuften, fragte man ihn, ob er eine freiwillige Speichelprobe abgeben würde. Ali K. hatte keine Einwände und weigerte sich nicht. Und als die Probe nun mit der DNA-Datenbank abgeglichen wurde, glich das für die Kölner Ermittler einer Sensation.
Nach acht Jahren gab es einen Treffer. Die Kripo hat auch sofort gehandelt. Im Oktober 2015 reisten Beamte nach Hamburg, um den Verdächtigen in der JVA Hamburg-Billwerder zu konfrontieren. Ali K. brach im Verhör zusammen und legte ein Geständnis ab. Er sagte: “Ich habe auf diesen Tag gewartet.” Er sei in jener Nacht auf Geldsuche gewesen und habe in der unverschlossenen Tür des Ladens seine Chance gesehen.
Dass im hinteren Bereich noch jemand gearbeitet hat, habe er nicht gewusst. Er habe sich mit einem Messer genähert, worauf Anke sofort die Bedrohung erkannt haben soll und panische Angst gehabt hat und ihm Geld angeboten habe. Weil sie jedoch nicht aufhörte zu schreien, sei er in Panik geraten. Er habe befürchtet, jemand könnte die Polizei rufen, weshalb er elfmal auf sie eingestochen habe, damit sie ruhig war.
Er gab an, ein größeres Kampfmesser benutzt zu haben. Danach habe er den Laden mit ihrer Tasche und gerade einmal 20 Euro aus ihrem Portemonnaie verlassen. Die Kasseneinnahmen und die Zigaretten hatte er ja zurückgelassen. Zunächst versuchte er allerdings noch, den Ermittlern eine andere Version aufzutischen.
Zwei Männer hätten Anke ausgeraubt und getötet. Er habe draußen nur geraucht. Als schließlich die wahre Geschichte erzählt wurde, soll er geäußert haben: “Ich bin jetzt froh und erleichtert, dass die Sache aufgeklärt ist. Ich musste 8 Jahre mit der Schuld leben, das hat mich stark belastet. Vor dem Haftrichter wirkte er fast theatralisch und hat geäußert, ich wünschte, sie wäre am Leben geblieben, ich hätte mein Leben dafür geopfert.
Im September 2016 startete der Prozess vor einer Schwurgerichtskammer des Kölner Landgerichts. Ali K räumte die Tat durch seinen Verteidiger grundsätzlich ein, man strebe auch ein schnelles Verfahren an, um die Angehörigen nicht unnötig zu belasten. Merkt euch diesen Satz mal, sie wollten die Angehörigen nicht unnötig belasten.
Wenn man das so hört, klingt das gut, ne? Aber dabei blieb es nicht. Schon am nächsten Verhandlungstag sprach Ali Ks Anwalt, einer seiner Anwälte, plötzlich von einem Unfall und widerrief die Angaben, die sein Mandant bei der Polizei gemacht hatte. Zur Begründung hieß es, sein Mandant sei überraschend aus JVA Hamburg-Billwerder zur Vernehmung gebracht worden, ohne dass man ihm auch nur ein Lunchpaket oder etwas zu essen angeboten hätte.
Deshalb sei er total unkonzentriert gewesen und die später als Zeugen gehörten Beamten wiesen das aber zurück, man habe ihm mehrfach Essen angeboten, was er stets abgelehnt habe. Außerdem habe er die Belehrung nicht richtig verstanden, so sein Verteidiger, und etliche Details aufgrund eines angeblich zu schnellen und falschen Dolmetschen falsch aufgefasst, so die Verteidigung weiter und die Vorsitzende Richterin Sabine Kretschmar stellte jedoch klar, dass der Angeklagte ordnungsgemäß belehrt worden war und keineswegs durch
Müdigkeit aufgefallen war und schließlich brauche man eine gewisse Kapazität, um ja erstmal auch diese Lügengeschichte zu erzählen und später die Wahrheit und auch die Ermittler bestätigten, dass der Angeklagte alle Fragen auf Deutsch beantwortet habe und den Dolmetscher nur vereinzelt um Hilfe gebeten hat.
Also es war auch ein Dolmetscher dabei, aber er hat wohl wenig seine Hilfe gebraucht. Die Verteidiger von Ali K, ein Pflichtverteidiger und ein selbst engagierter Anwalt, bemängeln zudem die Arbeitsweise des Dolmetschers. Dieser habe für 788 Zeilen des Vernehmungsprotokolls nur 75 Minuten gebraucht. Das sei bei einer korrekten Übersetzung unmöglich gewesen.
Auch wurde gefordert, dass der Angeklagte das Protokoll noch einmal Zeile für Zeile durchgehen solle, falls er es nicht verstanden habe. Und genau das wurde ihm aber bereits im Vorfeld, also vor dem Prozess angeboten und ja, dann im Gericht auch abgewiesen worden, weil er hat ja die Zeit dafür gehabt. Ja, der Angeklagte hatte bereits 12 Vorstrafen, unter anderem wegen Körperverletzung, Bedrohung, Diebstahl und Schwarzfahrens.
Und zudem war er auch Vater einer Tochter. Und als seine Ex-Frau aber nach Hamburg gezogen war, hatte es ihn ebenfalls dann irgendwann aufgrund seiner Tochter dorthin gezogen, was letztlich aber ja zu einer Inhaftierung in Hamburg geführt hat. Nach der Tat, so stellte sich raus, ist Ali K in seine Wohnung gegangen, hatte Ankes Tasche und seine blutige Kleidung in einem Altkleidercontainer entsorgt und die Papiere von Anke verbrannt.
Das Tatmesser ließ er in einen Metallcontainer auf dem Gelände des Bruders verschwinden. Als er in der Zeitung von dem Mord las, verließ er ein paar Tage lang nicht das Haus, soll geweint haben und reiste dann zu seinen Eltern nach Graz und ließ Ankes Handy am Wiener Hauptbahnhof verschwinden und floh dann auch für einige Monate in die Türkei, bevor er nach Deutschland zurückkehrte.
Ein ehemaliger Bekannter bestätigte vor Gericht, dass Ali K spielsüchtig war oder ist. Während des gesamten Prozesses schaute Ali K kein einziges Mal auf, als auch Ankes Eltern natürlich vor Gericht aussagten. Ankes Mutter kämpfte sichtlich mit den Tränen. Sie schilderte, dass Anke und ihr Bruder ein tolles Team gewesen waren.
Die Salatbar aus dem Nichts aufgebaut hatten und nach kurzer Zeit so erfolgreich waren. Es war ihre gemeinsame Zukunft, sagt die Mutter. Wir haben alle von ihr profitiert, sie war so positiv und sie erzählte noch von der Tumorerkrankung eben und seitdem habe Anke eben panische Angst vor spitzen Gegenständen gehabt und der Vater berichtete, wie innig das Verhältnis gewesen war auch noch mal und dass sie jeden Morgen telefonierten und er erinnert sich dann an das furchtbare Telefonat mit seinem Sohn, als Anke gefunden wurde. Er hatte ihm damals
geraten, sie zuzudecken und Hilfe zu holen und seine Frau hatte sich gerade im Zug befunden. Sie fuhr zu einer Beerdigung und er konnte sie telefonisch nicht mit dieser Nachricht konfrontieren. Das macht man ja eigentlich auch nicht. Er bat stattdessen dann einen Freund, sie am Bahnhof abzuholen und die ersten Jahre nach der Tat beschrieb er als dramatisch.
Jede Familienfeier sei bis heute vorbelastet. Anke fehle überall. Es sei auch für ihren Bruder bis heute schwer, also der Bruder, der Anke gefunden hat, den Laden zu betreten. Den Kühlraum habe man später dann eben nicht mehr genutzt bzw. der wurde wohl dann abgerissen oder rausgenommen, aber es blieb eben ein Trauma. Und an den Verhandlungstagen fünf und sechs fiel der Prozess zunächst aus, weil Ali K.
s Pflichtverteidiger erkrankt war, weil der selbst engagierte Anwalt, also sein Wahlverteidiger, ähm ließ sich nicht mehr blicken, denn er hat wohl den Anwalt nicht mehr bezahlt und so wurde Ali K. nur noch von seinem Pflichtverteidiger vertreten. Über diesen ließ er am zehnten Verhandlungstag konkrete Details zum Ablauf verkünden.
Also, was damals genau abgelaufen ist an diesem schrecklichen Tag, wo Anke ums Leben kam. Es sei keine geplante Tötung gewesen, sondern ein Unglücksfall, so beschrieb Ali K. das. Als er Anke im Laden erblickt habe, habe sie gefleht: “Bitte, bitte, tu mir nichts, ich gebe dir Geld.” Und zu diesem Zeitpunkt habe das Messer noch keine Rolle gespielt.
Er habe es erst aus der Hosentasche gezogen, um sie auf Abstand zu halten, zu verhindern, dass sie womöglich selbst nach einer Waffe greifen würde. Letztendlich sei er in Panik geraten, als sie zu schreien begann und die Situation, ja, konnte er nicht mehr kontrollieren. Er habe sie zu keinem Zeitpunkt verletzen oder bedrohen wollen, so Ali K.
Unmissverständlich machte der Anwalt dann deutlich, dass er dem Opfer, also Anke, eine Mitverantwortung zuschrieb. Das muss man sich jetzt mal reinziehen. Hätte Anke nicht geschrien, wäre er nicht in Panik geraten und es wäre zu keinerlei Verletzungen gekommen. Dass er ihr elf Stiche zugefügt hatte, sei ihm nicht konkret in Erinnerung.
Er habe lediglich mit dem Messer vor ihr rumgefuchtelt, so hat er das bezeichnet, und ihr die Wunden beim Hochreißen der Klinge zugefügt. Die Kammer hat ihm das aber nicht geglaubt. Das waren ganz massive, tiefe Stiche. “Die sind nicht durch Herumfuchteln zu erklären”, hat die Richterin noch mal betont und daran wäre Anke wahrscheinlich auch nicht gestorben, aber ihr noch eine Mitverantwortung zu geben, dass sie dann gestorben ist, dass zu dieser Tat kam, das ist schon wirklich heftig und ähm, ja, da verwies man auch z.B. auf
Aussagen der Rechtsmedizin, die ganz klar gesagt haben, das kann nicht äh nur durch Herumfuchteln entstanden sein. Jetzt kommen wir schon zum Urteil. Also viele Berichte über den Fall Anke Schäfer habe ich gar nicht gefunden. Ich wollte ihn aber trotzdem euch unbedingt vorstellen. Am 28.
Oktober 2016 fiel das Urteil. Nach einer umfassenden Beweisaufnahme mit den Aussagen der Familie, forensischen Gutachten und der Würdigung der Geständnisse wurde Ali K. wegen Mordes in Tateinheit mit versuchter räuberischer Erpressung und Diebstahl zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht sah das Mordmerkmal der Verdeckungsabsicht als erfüllt an.
Der Angeklagte hatte Anke getötet, um die Raubtat zu verdecken und Zeugen auszuschalten. Eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung ist frühestens nach 15 Jahren möglich. Es seien wuchtige Hiebe und gezielte Stiche gewesen, so die Richterin in ihrer Urteilsbegründung. Kein bloßes Herumfuchteln, so wie wir eben gerade schon hatten.
Und die besondere Schwere der Schuld wurde von der Staatsanwaltschaft nicht gefordert, da es keine geplante Tat war, sondern ein aus dem Ruder gelaufenes Geschehen. Ali K. zeigte kaum Regung, als das Urteil gesprochen wurde und nahm die Entscheidung mit gesenktem Kopf entgegen. Seine Verteidigung legte zwar Revision ein, diese wurde jedoch abgewiesen, womit das Urteil dann letztendlich rechtskräftig wurde.
Nach neun Jahren war der Abschluss dieses Verfahrens ein wichtiger und schmerzhafter Meilenstein natürlich für die Familie von Anke. Immerhin wurde der Mörder verurteilt, doch das bringt ihnen ihre Tochter, ihren Wonneproppen, sage ich jetzt mal, natürlich nie, nie wieder zurück. Und ich bin mir sicher, auch heute, nach fast 20 Jahren, ist es immer noch schwer für die Familie, sich an Anke und ihr viel zu junges Leben zu erinnern.
Die haben ja auch so viele schöne Momente gehabt. Und wenn man so eine tolle Tochter hatte und so schöne Dinge mit ihr erlebt hat und sie so ein tolles Wesen hatte, dann ist das bestimmt noch viel, viel schwieriger, immer wieder daran zurückzudenken. Und ja, fürchterlich. Aber immerhin war Ali K. damals so naiv gewesen, eine Speichelprobe abzugeben, ohne an die Konsequenzen zu denken.
Ob man sie ihm bei kleineren Delikten auch ohne seine Zustimmung hätte abnehmen können, sei jetzt dahingestellt im späteren. Aber für diesen Fall war er wirklich so, der besagte Kommissar Zufall, indem er seine Speichelprobe abgab. Und damit hat er den Angehörigen natürlich Gewissheit gebracht.
Hätte er sich geweigert und die hätten dann eben auch keine Probe von ihm abnehmen können, auch nicht unter Zwang, wer weiß, ob der Fall von Anke Schäfer dann heute überhaupt aufgeklärt worden wäre. Also, dass er da nicht so dran gedacht hat, das war dann eigentlich wirklich sehr, sehr gut für, ja, die Familie von Anke und auch für die Ermittler natürlich, die ja so viel Zeit und Arbeit reingesteckt haben und da will man ja auch irgendwann Erfolg sehen und den Täter ja auch fassen.
Und dass Ali K. zunächst log und die Verteidigung dem Opfer am Ende sogar eine Mitschuld zuschieben wollte, das ärgert mich in diesem Fall echt am meisten, weil wie kann man ähm auch den Angehörigen, die wahrscheinlich dabei gewesen sind im gesamten Prozess, ähm sowas unter die Nase reiben? Also, Anke ist selber schuld, weil sie geschrien hat.
Ja, natürlich hat sie Angst gehabt, wenn sie mit dem Messer bedroht wird. Man weiß ja nicht, was passiert wäre und mich hätte das wirklich, glaube ich, als Angehörige fassungslos gemacht. Ich wäre wahrscheinlich durchgedreht da vor Gericht, weil ähm wie kann man nur dem Opfer da die Schuld mit in die Schuhe schieben und am Anfang aber sagen, wir wollen einen schnellen Prozess, weil die Familie so viel mitgemacht hat und dann ja, ist da eine richtig krasse Wendung in dem Fall gekommen von den Verteidigern. Ich find’s unmöglich.
Und ich weiß nicht, wie ich als Angehöriger am Ende reagiert hätte. Und zum Glück gab es aber immerhin ein angemessenes Urteil, Anführungszeichen, auch wenn es, wie wir oft genug hören, ganz anders hätte ausgehen können, denn ich hatte ja auch schon Fälle, wo es nicht bei einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit 15 Jahren geendet ist, sondern die Urteile deutlich milder ausgefallen sind.
Deswegen bin ich in diesem Fall froh, dass man da wirklich die Höchststrafe verhängt hat, natürlich ohne die besondere Schwere der Schuld, aber wenigstens das ist vielleicht eine kleine Genugtuung für, ja, die Ermittler oder auch die Familie, dass man da ähm jetzt nicht ein sehr mildes Urteil ausgesprochen hat.
Kanntet ihr eigentlich den Fall von Anke Schäfer, vielleicht durch Aktenzeichen XY oder war euch dieser Fall komplett neu? Sie hatte ja wirklich ähm ein so kurzes Leben, 24 Jahre alt nur geworden. Sie hätte ihr ganzes Leben noch vor sich gehabt und hatte sich gerade eine Zukunft aufgebaut. Man sieht ja, der Super Salad ist gewachsen in Köln und die hätten sich da wahrscheinlich wirklich Schwester und Bruder was richtig Tolles aufbauen können.
Mittlerweile führen es, glaube ich, die beiden Brüder oder auch nur der Bruder alleine. Da bin ich mir nicht so sicher. Damals auf jeden Fall auch einer der Brüder mit ins Geschäft mit eingestiegen. Ob er es heute noch macht, weiß ich nicht, aber Ankes Bruder auf jeden Fall ist der Geschäftsführer der Super Salad Filialen, der Bruder, der Anke damals auch gefunden hat.
Ja, ihr Lebenswerk führt er also weiter, was ich sehr sehr schön finde und ja, schreibt mir doch gerne mal eure Meinung zu diesem Fall in die Kommentare, ihr Lieben. Die Folge ist jetzt heute nicht ganz so lang geworden, vielleicht eine halbe Stunde, vielleicht etwas kürzer. Ich bemühe mich, dass die Folgen auch wieder noch ein bisschen länger werden.
Mal schauen, was es für eine nächste Folge gibt, ob ungeklärt oder aufgeklärt. Schauen wir mal und ich wünsche euch jetzt noch einen schönen Tag oder eine gute Nacht. Bleibt wie immer sicher, bleibt gesund, ihr Lieben. Wir hören uns bei einer nächsten Folge, eure Lia. Das war wieder eine Folge von Crimetime mit Lia, deinem True Crime Podcast.
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