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Der Tramper-Mord an Heidi Scheuerle T

Der Tramper-Mord an Heidi Scheuerle 

Im August 1996 ist für die junge Journalistin Heidi Scheuer ein ganz großer Tag. Ein Artikel von ihr erscheint in der deutschen Zeitung Tatz. Die 26-jährige muss es ein Wahnsinnsgefühl sein, die Zeitung aufzuschlagen und ihren eigenen Artikel abgedruckt zu sehen. In ganz Deutschland können Leser sich Heidys Kritik an der Fernsehsendung Aktenzeichen XY ungelöst durchlesen.

 In dem Bericht übt sie durchaus nicht ganz ungerechtfertigte Kritik an XY, die man heute auch auf True Crime im Allgemeinen ummünzen könnte. Sie merkt an, wie sehr in den Sendungen emotionalisiert wird, wie sehr Frauen oft infantilisiert werden und vor allem, wie viel Angst das Dargestellte schen kann, ohne dass die Zuschauer es selbst bemerken.

Heidi Scheule kann mit ihrem Artikel für die Tatz mehr als zufrieden sein. Es ist ein sprachlich spitzer, aber sachlich fundierter Kommentar, der definitiv zum Hinterfragen einlät. Was Heidi Schein nicht weiß, bald wird sie selbst in der Sendung landen, die sie in dem Artikel kritisch einordnet, denn Heidi Scheuerle wird verschwinden.

Heidi Schule ist 26 Jahre alt und studiert in Konstanz am Bodensee. An der Uni belegt sie Kurse in Englisch und Geschichte. Es mag nach dem klassischen Fahrplan einer Lehramsstudentin klingen. Aber Heidi hat einen anderen Karriereweg im Sinn. Sie möchte Journalistin werden und sie ist auf dem besten Weg dahin.

 Im Sommer 1996 schreibt sie für die Tatz ein Artikel über die Sendung Aktenzeichen XY. In ihrem Artikel wirft Heidi dem Format und dem damaligen Moderator Eduard Zimmermann Panikmache vor. Vor allem, dass bei Aktenzeichen XY oft explizit vom Trampen abgeraten wird, findet Heidi nicht richtig. Sie schreibt: “Es sei schade, wenn dadurch diese schnelle, flexible, ökologische und billige Fortbewegungsweise nicht mehr genutzt werde.

 Passieren kann schließlich immer und überall etwas.” Damit hat Heidi nicht unrecht, aber vor dem Hintergrund, was ihr selbst im Herbst desselben Jahres vermutlich zustoßen wird, hat der Artikel einen bitteren Beigeschmack. Obwohl Heidi in Konstanz also in Deutschland studiert und Deutsche ist, wohnt sie in der Schweiz, genauer gesagt im kleinen Ort Kreuzling.

In der Schweiz wohnt Heidi mit zwei Mitbewohnerinnen in einer typischen Studi mit gemeinsam Abendessen, morgendlichen Kaffee trinken, dem ganzen Programm. Heidi ist aber nicht nur eine geschätzte Mitbewohnerin und Freundin, sondern auch eine engagierte angehende Journalistin. Und nach ihrem Tatzartikel geht es für sie Ende 1996 richtig erfolgreich weiter.

 Sie landet nämlich eine begehrte Praktikantenstelle beim Schweizer Rundfunk. So etwas sieht auf dem Lebenslauf einer angehenden Journalistin natürlich super aus. Sie hat jetzt nicht nur Erfahrung im Printbereich, sondern kann auch ins Tagesgeschäft beim Fernsehen reinschauen. Dass der Sender seinen Hauptsitz in Zürich hat, passt auch richtig gut.

Heidys Freund wohnt dort. Wenn es im Fernsehstudio mal länger dauert, kann sie nach der Arbeit einfach bei ihm übernachten und muss nicht zurück nach Hause pendeln. Am 8. Oktober 1996 steht für die junge Frau ein sehr spannender Termin an. Ein erster echter Außeneinsatz als Reporterin.

 Heidi soll im Museum für Gestaltung in Weilamrein einen kleinen Beitrag drehen. Das Segment soll nur etwa 30 Sekunden dauern. Aber für Praktikantin Heidi ist das natürlich trotzdem eine große Sache. Ihr Arbeitgeber bietet an für ihre Reisekosten aufzukommen, aber Heidi hat eine bessere Idee. Sie möchte mal wieder tramen.

 Für sie bedeutet diese Art der Fortbewegung Freiheit und Abenteuer, wie es später in den Medien heißen wird. Auch in ihrem Tatzartikel hat Heidi ja durchaus eine Lanze fürs Trampen gebrochen. Zwangsläufig lernt man dabei neue Menschen kennen und da Heidi für ihre Arbeit immer auf der Suche nach spannenden Kontakten ist, erscheint ihr diese Art der Fortbewegung sinnvoll.

 Die Strecke nach Weil am Rin eignet sich zum Trampen, wenn man so will, ganz gut. Man kann über Zürich Richtung Basel fahren, weil der Rhein ist quasi auf der anderen Seite von Basel und in die Richtung der beiden Großstädte fahren natürlich viele Autofahrer und damit potenzielle Mitfahrgelegenheiten. Am Morgen des 8.

 Oktober bastelt Heidi am Frühstückstisch also noch schnell ein Pappschild. Das soll vorbeifahrenden Autos zeigen, dass sie Richtung Zürich und dann Richtung Basel mitgenommen werden möchte. An diesem Tag fällt in Turgau der erste Schnee des Jahres. Vielleicht ist deshalb etwas weniger auf den Straßen los als sonst. Und vielleicht sind viele Personen, die eigentlich in diese Richtung wollten, an diesem Tag wegen des Schnees doch nicht an ihre Autos gestiegen.

 Doch eine Person, auf jeden Fall, der Mörder von Heidi Scheuerle. Am Vormittag verlässt Heidi ihre WG in Kreuzling. Sie verabschiedet sich bei einer ihrer Mitbewohnerin und kündigt an am Abend wieder zu Hause sein zu wollen. Wenigstens ein Stück weit wird Heidi schon mal von einem Autofahrer mitgenommen.

 Er arbeitet bei der Airline Swiss Air und ist an diesem Vormittag auf dem Weg nach Kloten, wo sich der Flughafen von Zürich befindet. Die Autofahrt läuft laut dem Fahrer unspektakulär. Er und Heidi unterhalten sich gut, aber irgendwann trennen sich die Wege der beiden. Er setzt sie an einem Rastplatz bei Wintertour ab, der Vorenberg heißt.

 Von dort hofft Heidi schnell eine Mitfahrgelegenheit in Richtung Basel zu finden. Gegen 13 Uhr macht ein LKW-Fahrer auf genau diesem Rastplatz gerade seine Mittagspause. Die junge Tramperin fällt ihm dabei auf. Wenn Autos vorbeikommen, hält sie ein Pappschild in die Luft, auf dem ihre Zielrichtung steht. Wenn LKW-Fahrer vorbeikommen, dreht sie sich aber weg.

Offenbar will sie nur in PKWs steigen. Der Lastwagenfahrer auf dem Rastplatz beachtet sie also nicht weiter. Dass jemand versucht mitgenommen zu werden, ist damals noch recht üblich. So etwas dürfte er auf seinen Reisen quer durchs Land so gut wie jeden Tag sehen. Der LKW-Fahrer verbringt seine Pause damit, Zeitung zu lesen und macht sich nicht weiter Gedanken.

 Als er kurze Zeit später noch mal dahinschaut, wo die blonde Frau eben noch stand, ist sie weg. Es sieht also ganz danach aus, als habe sie eine Mitfahrgelegenheit gefunden. In was für ein Auto sie möglicherweise eingestiegen ist, sieht er nicht. Heidi Scheule kommt an diesem Abend nicht wie versprochen zurück in ihre WG in Kreuzling.

 Ihre Mitbewohnerin machen sich erstmal keine allzu großen Sorgen. Kann ja sein, dass Heidi nach ihrer Recherche noch in die SRF Redaktion in Zürich gefahren ist, um ihre Ergebnisse abzuliefern und danach schläft sie oft bei ihrem Freund. 1996 ist noch nicht jeder dauerhaft per Anruf oder SMS erreichbar. Dass man da einfach mal spontan unangekündigt anderswo schläft ist nicht unüblich.

Doch am 10. Oktober, also zwei Tage nach Heidis Aufbruch nach Weil am Rhein, ist die Sorge ihrer Mitbewohnerin zu groß. Sie gehen zur Polizei und melden Heidi als vermisst. Einen Tag später tut auch ihr Freund aus Zürich das gleiche, weil er die 26-jährige nicht mehr erreichen kann. Die Polizei nimmt das Verschwinden von Heidi aufgrund der Umstände direkt sehr ernst. Am 12.

 Oktober geht man mit einer öffentlichen Fahnung raus, also mit Fotos, Personenbeschreibung und dem ganzen Programm. In der SRF Redaktion, in der Heidi noch vor wenigen Tagen als Praktikantin saß, produziert man jetzt TV-Beiträge, in denen es um ihr Verschwinden geht. Auch sonst zieht die Polizei alle Register. Man durchsucht Heidys WG-zimmer, allerdings ohne einen Hinweis auf ein geplantes Verschwinden.

 Zudem werden Befragungen durchgeführt innerhalb von Heidis Familie an ihrer Uni und in umliegenden Krankenhäusern. Sogar einschlägige Straftäter, die im 8. Oktober Hafturlaub hatten, werden überprüft. Genau wie alle Personen, die am Tag auf den Rastplätzen Vorenberg und Kemtal eingekauft haben und dann Kreditkartendaten nachvollzogen werden können.

 Insgesamt befragt die Polizei mehr als 300 Personen. Keine von ihnen kann einen wertvollen Hinweis zum Verbleib der 26-jährigen geben. Der LKW-Fahrer bleibt der letzte Zeuge, der Heidi am Rastplatz gesehen haben will. Eine Person, zu der sie danach noch ins Auto gestiegen ist, meldet sich nie. Und das lässt vermuten, die Person, zu der sie danach ins Auto gestiegen ist, ist wahrscheinlich für Heidis Verschwinden verantwortlich.

Trotz der intensiven Bemühungen der Polizei kommen die Ermittler nicht weiter. Man kann eben nur so viele Bekannte befragen, Kreditkarten auswerten und Zeugenaufrufe starten. Ab einen bestimmten Punkt sind leider einfach jegliche Spuren ausermittelt. Im Januar 2000 sind dreieinhalb Jahre seit Heidis Verschwinden vergangen.

 Man entscheidet sich zu der Sendung zu gehen, die sie selbst Monate vor ihrem Verschwinden noch so hart kritisiert hat. Zur Aktenzeichen XY. Ihr Fall wird nach demselben Muster aufgearbeitet, dass Heidi in ihrem Artikel so kritisch eingeordnet hat. Es gibt eine filmische Darstellung ihres Praktikums beim SRF, eine Nachahmung ihres letzten Tages und viele eindringliche Worte zum Thema Tram.

Ein Ermittler sagt im Studio ganz offen, dass er davon ausgeht, dass Heidi Schuler im Verbrechen zum Opfer gefallen ist und damit auch davon ausgeht, dass sie nicht mehr im Leben ist. Es ist der 28. Oktober 2000. Heidi Schuel ist seit über vier Jahren verschwunden. Ein Pilzsammler ist in einem Waldstück oberhalb von Spreitenbach unterwegs.

 Der Ort liegt etwa 33 km vom Rastplatz entfernt, an dem Heidi zuletzt gesehen wurde. Zwischen Bollenhof und Egelsee hält der Sammler im Unterholz Ausschau nach Zutaten für sein nächstes Abendessen. Aber stattdessen stößt er auf seiner Suche auf einen menschlichen Schädel. Er liegt etwa 15 bis 20 m von einem Wanderweg entfernt, wo täglich Spaziergänger und Radfahrer unterwegs sind.

Neben dem Schädel findet die alarmierte Polizei noch weitere Bestandteile eines Skeletts, wenn auch nicht alle. Das ist bei Leichenfunden im Wald aber oft traurige Realität. Tiere verschleppen einzelne Knochen und so ist es oft kaum möglich, wirklich noch alle Überreste zu bergen.

 Neben den Knochenteilen findet man auch Kleidungsreste, ein rechten schwarzen Turnschu von Nike, ein Reißverschluss und Stoff eines Schlüsselbunds. Die Rechtsmedizin schätzt, dass das Skelett erst seit 8 oder 10 Wochen dort liegt und genau deshalb kann man niemanden vorwerfen, dass die Verbindung zum Fall Heidi Schuin nicht sofort gemacht wird.

 Sie ist damals schon seit vier Jahren verschwunden, nicht erst seit ein paar Wochen. Es ist völlig logisch, dass man die Knochen erstmal im Zusammenhang mit anderen aktuelleren Fällen untersucht, zumal die DNA Verfahren damals noch lang nicht so ausgereift sind wie heute. Deswegen dauert es noch mal zwei Jahre, ehe klar wird, dass die Tote aus dem Wald Heidi Scheuerle ist.

 Dank einem DNA gleich mit ihrer Mutter gibt es die traurige Gewissheit. Auch der gefundene Schlüsselbund gehört zu Heidi Scheue. Wie sich jetzt herausstellt, etwa eine Autostunde vor ihrem Ziel in Weil rein wurde ihr Leichnam gefunden. Damals hat die Polizei am Auffindeort auch einen Fingernagel sichergestellt. Das ist eine ungewöhnliche, aber potenziell wertvolle Spur.

 Bei Gegenständen, die Wind und Witterung ausgesetzt waren, noch ein DNA Profil wiederherzustellen, ist schwierig. Aber beim Fingernagel ist das natürlich was ganz anderes. Allerdings wurde der Nagel im Laufe der Jahre mehrfach analysiert, leider ohne Erfolg. Bislang konnte dieses ungewöhnliche Indiz nicht zum Täter führen.

 Denn dass es einen Täter geben muss, daran haben die Ermittler nach wie vor keinen Zweifel. Man geht von einem Einzeltäter aus. Ein Mitwisser hätte sich längst verplappert, glaubt die Polizei. Die Auffindesituation gibt natürlich Rätsel auf, denn wenn die Rechtsmedizin richtig schätzt und Heidiy Skelett erst im Juli oder August 2000 im Wald abgelegt wurde, wo war es dann in den fast vier Jahren dazwischen und weshalb hat sich der Täter dazu entschieden, die sterblichen Überreste von Heidi umzubettten? Darüber kann man nur spekulieren.

Auffällig ist aber, dass im Januar 2000 die Aktenzeichen XY Sendung zu Heidis Verschwinden ausgestrahlt wurde. Im Sommer desselben Jahres scheint der Täter ihren Leichnam dann im Wald abgelegt zu haben und das ja auch noch in einem Wald, der durchaus auf ihrer Tramper Route lag. Hätte der Zäter das Auffinden der Leiche noch weiter hinauszögern wollen, hätte er einen anderen Ort auswählen können.

 Er muss sich darüber im Klaren gewesen sein, dass man einen Leichenfund in Spreitenbach früher oder später mit Heidi Scheu in Verbindung bringen würde. Es wirkt beinah so, als wäre es gewollt gewesen, dass sie gefunden wird. Und vielleicht war es ja auch genauso. Vielleicht hat der Täter die Aktenzeichen XY Sendung gesehen und hat wenigstens soweit ein schlechtes Gewissen bekommen, dass er den Angehörigen die Frage ersparen wollte, ob Heidi noch leben könnte.

 Ihr kennt ja bestimmt das gute alte Sprichwort, das gleichzeitig auch eine Rechtsregel ist Mord verj nie. Das ist aber tatsächlich nicht überall so, auch in der Schweiz nicht. Dort verhrt Mord nach 30 Jahren. Und wenn ihr mitgerechnet habt, wisst ihr, was das für den Fall Heidi Scheuele bedeutet. Der Mord an ihr verjehrt in diesem Jahr 2026.

Vielleicht ist die Verhrung in diesem Jahr für den Fall auch irgendwie eine Chance. Das klingt vielleicht komisch, aber ein Täter hätte ja keine juristischen Konsequenzen mehr zu befürchten. Vielleicht kann ihn das motivieren, doch irgendwann ein Geständnis abzulegen. Und sei es auf dem Sterbebett, denn die Schweizer Polizei hat versprochen, den Fall nicht einfach ruhen zu lassen, nur weil er verjehrt ist.

 Heidi hat ja trotzdem eine Familie, Freunde und Kollegen hinterlassen, die sich bis heute fragen, wer dafür verantwortlich war, dass sie nur 26 Jahre alt wurde. Und diese Frage wollen die Ermittler den Hinterbliebenen unbedingt beantworten, auch wenn die Antwort keine juristischen Konsequenzen mehr mit sich bringen kann. Und damit sind wir am Ende des heutigen Videos.

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