Untergetaucht oder entführt? | Der Fall Cynthia Anderson T
Untergetaucht oder entführt? | Der Fall Cynthia Anderson

Die meisten Leute werden von Albtraumklassikern getroffen, wenn man das so sagen kann. Sie träumen vom Fallen, vom Versagen bei einer Prüfung, davon plötzlich gelehmt zu sein. Andere Leute hingegen träumen noch von viel gruseligeren Dingen davon, dass ihnen etwas angetan wird. Auch eine junge Frau in den USA wird 1981 von Albträumen geplagt.
Vielleicht ist das, was sie nachts über ein Jahr lang hinweg immer wieder quält, ein sogenannter präkognitiver Traum. Ein Traum, in dem was passiert, was später Wirklichkeit wird. Denn Cynthia Anderson wird nachts immer wieder von der Vorstellung heimgesucht, dass ihr etwas Schlimmes zustößt und dann verschwindet die junge Frau für immer.
Cynthia Anderson ist zwar erst 20 Jahre alt, aber die junge Frau steht schon fest im Leben. Sie arbeitet in einer Anwaltskanzlei auf dem East Manhathten Boulevard Toledo, Ohio. Dort ist Cynthia als Sekretärin angestellt. Für Cynthia ist das der perfekte Job. Sie kann mit ihrem Auto ins Büro pendeln, aber trotzdem bei ihren Eltern wohnen.
Sie spart sich also die Miete für eine eigene Wohnung und kann ihr verdientes Geld stattdessen beiseite legen. Zum Herbst 1981 will Cynthia nämlich zum College wechseln und dafür soll jeder Penny gespart werden. Cynthy hat seit einiger Zeit einen Freund. Er wurde am selben College angenommen. Für beide war es wichtig, an ein christliches College zu gehen.
Cynthiaas gesamtes Umfeld besteht aus christlichen Fundamentalisten, sie selbst eingeschlossen. Gemeinsam mit ihren beiden Brüdern und ihrer Schwester wurde sie sehr religiös erzogen und ihre Eltern scheinen mit ihrer Tochter sehr zufrieden zu sein. Ihr Vater Michael sagt jedenfalls später in einem Interview, sie war ein sehr ruhiges, gehorsames Mädchen.
Sie hat weder mir noch ihre Mutter jemals Ärger bereitet und sie hatte viele Freunde. Sie war die Art von Tochter, die man einfach nur genießen kann. Ich meine einfach ein wunderschönes junges Mädchen. Chasas Glaube zieht sich sowohl durch ihre Erziehung als auch ihre Bildung. Dass sie in einem sogenannten Bible College angenommen wird, passt perfekt.
Also sieht eigentlich alles im Leben der 20-jährigen gerade richtig gut aus. Wären da nicht diese Albträume, die Cynthia seit kurzem plagen? Immer wieder träumt sie, dass sie etwas Schlimmes zustößt. Am deutlichsten kann sie sich an einen Traum erinnern, indem ein Mann an ihre Tür klopft. Sie erkennt den Mann im Traum und öffnet ihn. Doch dann tut er ihr etwas an.
Immer wieder träumt sie von diesem Mann, der sie verfolgt. Egal, wo sie sich versteckt, der Mann findet sie und er bringt sie um. Sin erzählt auch ihre Mutter von diesen Träumen. Diese versucht ihre Tochter zu beruhigen, aber die Albträume bleiben. Sie bleiben etwa ein Jahr lang, bis sie womöglichkeit werden.
Am 4. August 1981 macht sich Cynthia um 8:30 Uhr auf den Weg zur Arbeit. Das Frühstück lässt sie an diesem Tag ausfallen. Sehr zum Missfallen ihres Vaters. Er wird später sagen, Cynthia habe zuletzt mehr Zeit mit sich selbst und ihrem Gesicht verbracht als mit ihrem Magen. Entweder mein er damit, dass Cynthia morgens das Frühstück hat ausfallen lassen, um sich ausgiebig fertig zu machen und zu schminken.
Oder er meint damit, dass sie wirklich ganze Mahlzeiten ausgelassen hat, um eine Diät zu machen. Genauer präzisiert ist diese Aussage von Cynthia Vater leider nicht. Er sagt nur, das sei vielleicht Teil des Problems gewesen, dass sich an diesem Tag noch entfalten wird. Je nach Interpretation kann es auch sein, dass das mehr über Cynthas Elternhaus aussagt, als über die 20-Jährige selbst.
Wie auch immer, Cynthia setzt sich wie jeden Tag hinter Steuer ihres weißen Chefrolle. Che hat sich wie üblich fürs Büro schick angezogen. Sie trägt ein weißrotes Sommerkleid, offene Sandalen, eine braune Handtasche sowie ihre goldene Uhr und ihren Saphiring. Am Vormittag gehen die ersten Anrufe von Mandanten in der Anwaltskanzlei als Sekretärin ist es eigentlich Chasas Aufgabe, diese Anrufe entgegenzunehmen, aber als Klienten am Morgen des 4.
August 1981 anrufen, hebt niemand ab. Offenbar ist das Telefon an diesem Morgen nicht besetzt. Mit anderen Worten, Cynthia Anderson ist nicht zur Arbeit erschienen. Oder vielleicht doch? So ganz eindeutig ist das nicht. Bevor Anwalt James Rabbit die Kanzlei am Mittag betritt, muss er das Büro erstmal aufschließen.
Das ist soweit nicht ungewöhnlich. Cia hat immer hinter sich zugemacht. Allerdings ist Cynthia Platz leer. Ihr Auto steht jedoch vor der Tür. Aber weder Cynthia noch ihre braune Tasche oder ihre Schlüssel sind an ihrem Arbeitsplatz. Es kommt manchmal vor, dass C für ein paar Minuten das Büro verlässt, um sich einen Kaffee oder einen Snack zu holen.
Aber die junge Frau ist auch verlässlich. Wenn sie das macht, hinterlässt sie eigentlich immer eine Notiz, auf der steht, wo sie hin ist und wie lange sie ungefähr weg sein wird. Doch am Mittag des 4. August sucht James Rabbit so eine Notiz vergebens. Chey hat auch nicht wie üblich eine Umleitung für die Telefonverbindung eingeschaltet.
Das Radio und die Lichter sind an. Die Klimaanlage läuft, aber die Sekretärin ist wie vom Erdboden verschluckt. Alles was James von Cindy im Büro findet, ist der Liebesroman, den sie gerade liest. Wenn in der Kanzlei nicht viel los ist, haben ihre Chefs nichts dagegen, wenn Cheia sich die Zeit mit lesen vertreibt, solange sie am Telefon sitzen bleibt und erreichbar ist.
Dass Chias Buch auf ihrem Schreibtisch liegt und ihr Auto vor der Tür steht, scheint sie ja doch in der Kanzlei angekommen zu sein. Doch etwas ist merkwürdig. Als James das Buch findet, ist es wohl auf einer Seite aufgeschlagen, auf der es um die gewaltsame Entführung der Protagonistin geht. Es ist die einzige gewaltvolle Szene im gesamten Buch und ausgerechnet diese Seite ist zuletzt aufgeschlagen worden.
Ein ziemlich unheilvolles Oh. James bekommt sofort ein schlechtes Bauchgefühl und das zurecht. Als die Polizei hinzugezogen wird, geht sie schnell von einem Verbrechen aus und dieses Verbrechen muss mit großer Sorgfalt begangen worden sein. Cheia war morgens zwar meistens allein im Büro, aber in der Kanzlei gab es Sicherheitsmaßnahmen.
So hat die 20-Jährige die Tür nach ihrer Ankunft generell immer sofort von innen abgeschlossen. Noch dazu hatte sie auf ihrem Schreibtisch einen Bzer, eine Art Knopfaller. Der ist mit einem Ladengeschäft verbunden, das sich damals neben der Kanzlei befindet. Wenn es also doch mal Stress gibt, könnte Cyth eigentlich auf den Knopf drücken und damit direkt die Nachbarn alarmieren.
Das ist am Morgen des 4. August aber nicht passiert. Erste Befragung beweisen aber die Annahme, dass Cynthia das Büro auf jeden Fall betreten hat. Passanten haben sie um ungefähr 9:45 Uhr durch die Fensterscheiben an ihrem Schreibtisch gesehen. Durch eine Glasfront ist der Arbeitsplatz der Jungfrau von draußen gut einsehbar.
Auch der Hausmeister sagt, er habe Cia um etwa 9:30 Uhr gesehen. Um 10 Uhr ging die Anrufe der ersten Klienten der Kanzlei ein, die nicht angenommen wurden. Die Schlussfolgerung also irgendwann zwischen 9:45 Uhr und 10 Uhr muss Cynthia Anderson etwas zugestoßen sein. Und Cynthia Schwester hat eine dunkle Ahnung. Sie erinnert sich noch gut an die Albträume, die ihre Schwester das ganze Jahr geplagt haben.
Träume, in denen sie entführt und ermordet wurde. Und die Schwester ist sicher, dass Cynthia unterbewusst schon geahnt hat, was ihr zustoßen würde. Die Polizei steht vor einem ziemlich großen Rätsel. Einez Jahre alte Frau ist direkt von ihrem Arbeitsplatz verschwunden an einem helligten Tag in einem Zeitfenster von etwa 15 Minuten an einer dicht befahrenen Straße.
Es gibt keine Zeugen, die angeben, etwas beunruhigendes gesehen oder gehört zu haben. Keine Schreie, kein Kampf, gar nichts. Die erste Spur ist ein Graffiti, das 10 Monate zuvor auf der Fassade gegenüber der Kanzlei aufgetaucht ist. Cia selbst hat die Botschaft an der Hauswand 1980 bemerkt.
Jemand hat die Worte I love you Cindy bei GW dorthin gesprüht und Cindy ist ihr Spitzname. Eigentlich nennt sie fast jeder nur Cindy von ihrer Familie über ihre Freunde bis hin zu ihren Kollegen. Die Botschaft war genauso gesprayt, dass Che sie von ihrem Schreibtisch aus sehen konnte. Es hat ganze sechs Monate gedauert, bis das Graffiti endlich übermalt wurde.

Allerdings hielt der Frieden keine Woche. Nach ein paar Tagen tauchte genau die gleiche Botschaft an genau der gleichen Stelle wieder auf. Für die Polizei ist das endlich ein Ansatz. Sie vermutet, Cia könnte von einem wahrnhaften Verehrer gestalkt und entführt worden sein. Sie versucht herauszufinden, wer sich hinter den Initialen GW verbergen könnte.
Also werden alle Personen mit diesen Initialen, die irgendwas mit Cynthia Anderson zu tun haben, könnten, überprüft. Ihren Freunden und ihrer Familie fällt niemand ein. Die Polizei findet nur eine einzige passende Person, den damaligen Hausmeister der Anwaltskanzlei. Er hatte Schlüssel zu allen Türen der Kanzlei und könnte sich dementsprechend Zutritt verschafft haben.
Als er gesagt hat, er habe CIA um 9:30 Uhr noch gesehen, hat er ja selbst zugegeben, dass er morgen an der Kanzlei war. Allerdings finden die Ermittler keinerlei Indizien dafür, dass er diese Botschaft an die Hauswand gesprüht hat. Und auch sonst gibt es außer den erwähnten Punkten nichts, was den Hausmeister verdächtig macht.
Aber vielleicht ist an der Stalker Theorie an sich doch etwas dran, denn ein Klient der Kanzlei berichtet, dass die 20-jährige merkwürdige Anrufe erhalten habe. Das weiß er, weil er sich erst am Vortag ihres Verschwindens mit Cynthia unterhalten hat und dabei war. Der Klient war am 3. August in der Kanzlei, um eine Rechnung zu begleichen.
Cynthia und er haben den Papierkram schnell direkt an ihrem Schreibtisch erledigt. Währenddessen hat das Telefon geklingelt. Cynthia ging ran, legte aber sofort wieder auf, so als sei am anderen Ende etwas Gruseliges gesagt worden. Kurz darauf hat das Telefon noch mal geklingelt. Der Klient sagt später, er werde Cynthia Gesichtsausdruck in diesem Moment nie vergessen.
Die junge Frau habe richtig Angst gehabt. Trotzdem habe sie das Telefon wieder abgenommen und wieder schnell aufgelegt. Der Klient hat nachgefragt, ob alles in Ordnung sei. Sin habe abgewingt und nur gesagt, es sei schon alles okay. Diese Anrufe seien in letzter Zeit öfter vorgekommen. Dem Klienten ist diese Sache nicht aus dem Kopf gegangen. Am Nachmittag des 3.
August hat er sich dazu entschieden, mal bei der örtlichen Polizei anzurufen. Er bitte darum, dass ich eine Streife mal bei der Sekretärin der Kanzlei erkundigen sollte, ob wirklich alles in Ordnung bei ihr ist. Das scheint jedoch nicht passiert zu sein. Der Klient jedenfalls ist ganz sicher, dass jemand CTIA mit diesen beiden Anrufen tierische Angst eingejagt hat und keine 24 Stunden später war die junge Frau verschwunden.
Aus den Quellen geht übrigens nicht hervor, dass Cynthia irgendwem anders von diesen Anrufen erzählt hatte, weder ihrem Chef oder Kollegen noch Freunden oder ihrer Familie. Das sind aber nicht die einzigen mysteriösen Telefonats im Fall Cynthia Anderson. Ein weiterer rätselhafter Anruf geht einen Monat nach Chas Verschwinden direkt bei der zuständigen Polizeidirektion ein.
Es ist ein anonymer Anruf, der leider nie zurückverfolgt werden konnte. Eine Frau meldet sich. Ihre Stimme klingt nicht als würde sie sich einen schlechten Scherz erlauben, sondern eher nervös und aufgeregt. Sie spricht ganz leise und sagt, sie habe Angst. Ihr sei erzählt worden, dass C im Keller eines weißen Hauses festgehalten würde.
Leider gibt die Anruferin aber keine Adresse oder sonst irgendwelche nützlichen Infos durch. Der Polizist, der den Anruf angenommen hat, stellt ihr zahlreiche Fragen, um irgendetwas herauszufinden. Aber die junge Frau sagt nur immer wieder, sie müsse jetzt auflegen. Sie sagt nur, es gehe um zwei nebeneinander stehende Häuser, die derselben Familie gehören würden.
Die Familie sei gerade nicht in der Stadt, nur der Sohn der Familie sei da und würde Cynthia im Keller gefangen halten. Dann wird das Gespräch beendet. Eine Weile später gibt es wieder einen anonymen Anruf. Dieselbe Frauenstimme meldet sich. Sie sagt, sie würde noch mal wegen des Cynthia Anderson Falles anrufen.
Dieses Mal reagiert der Polizist schnell und weiß einen Kollegen an sich dazu zuschalten. Aber sobald das passiert, legt die anonyme Anruferin wieder auf. Die Polizei hat sich zwar bemüht, möglichst viele Häuser zu überprüfen, aber dabei ist nichts rausgekommen. Bis heute weiß man nicht, wer die Anruferin gewesen ist und dementsprechend auch nicht, ob sie die Wahrheit gesagt hat.
Was mit Che Anderson geschehen ist, ist also völlig offen. Laut Medienberichten soll sich wenigstens die Sache mit dem Graffiti gelöst haben. Der Mann, der dafür verantwortlich war, soll sich wohl später bei der Polizei gemeldet haben. Die Schmiererei sei für eine andere Cindy gedacht gewesen, nicht für Cynthia Anderson.
Also nur ein gruseliger Zufall. Aber selbst wenn man das außer Acht lässt, lassen sich Theorien entwickeln. Eigentlich gibt es nur zwei Optionen. Entweder ein freiwilliges Verschwinden oder ein Verbrechen. Schauen wir uns beide Möglichkeiten mal an. Cynthia selbst hatte laut ihrer Familie und ihren Freunden keinen Stress, keine Feinde und niemanden, der ihr irgendwie böse war und ein Motiv gehabt hätte, ihr etwas anzutun.
Mein erster Gedanke bei der Recherche war zumindest, dass es bei einem möglichen Verbrechen vielleicht gar nicht um Cynthia selbst ging, sondern um ihren Job in der Kanzlei. Und auf diese Theorie ist natürlich auch die Polizei gekommen aus gutem Grunde. Einer der damals der Kanzleiätigen Anwälter heißt Richard Neller. Mr.
Nella hat vor Sindys Verschwinden einen Mandanten namens Rosé Rodriguez Junior betreut. Rosé wurde wegen Drogenhandels verurteilt und war sehr enttäuscht darüber, dass sein Anwalt Mr. Nella keinen besseren Deal vorgericht für ihn rausschlagen konnte. Nach seiner Haftentlassung machte er trotzdem munter mit dem Drogenhandel weiter und wurde 1995 abermals verhaftet und verurteilt.
Und im Zuge dieser erneuten Verhandlung gegen Rosé Rodriguez hat sich ein neuer Zeuge gemeldet und laut diesem soll Rodriguez ihm gestanden haben, gemeinsam mit Richard Neller und weiteren Personen die Kanzleisekretärin Cynthia Anderson entführt und ermordet zu haben. Jose Rodriguez streitet das ab. Die Verwirrung wird noch weiter perfektioniert, denn falls ihr euch jetzt fragt, was denn einer von Cynthas Vorgesetzten davon haben sollte, sie zu ermorden, Richard Neller selbst wird 96 wegen Verschwörung zum Vertrieb von Kokain, Marihuana und Heroin verurteilt.
Also, der Anwalt, der einen Drogenschmuggler vertreten hat, war selbst Drogenschmuggler und steckte mit seinem eigenen Klienten unter einer Decke. Laut dem Zeugen soll Cynthia Anderson als Sekretärin gehört haben, wie Richard Nella und Jose Rodriguez über einen vermeintlichen künftigen Drogend die gesprochen haben sollen.
Damit sie keine Detailspreis geben kann, wurde sie ermordet. Letztendlich wird aber die Glaubwürdigkeit des Zeugen vor Gericht angezweifelt. Auch wenn dieser Tathergang soweit plausibel klingt, gibt es abseits dieser Aussage keine Indizien dafür, dass Cynthia Chef Mr. Nella oder Jose Rodriguez für ihr Verschwinden verantwortlich sind.
Die beiden wurden nie wegen eines Mordes oder einer Entführung der 20-Jährigen angeklagt. Allerdings wurden beide zu mehrjährigen Haftstrafen wegen der gemeinsamen Drogengeschichte verurteilt. Offensichtlich haben die Beweise nicht ausgereicht, um auch ein Mordverfahren zu eröffnen. Jedenfalls wurde im Fall Cynthia Anderson bis heute kein Leichtnam gefunden.
Richard Neller ist 2024 im Alter von 80 Jahren verstorben. Sollte er wirklich etwas über das Verschwinden seiner ehemaligen Sekretärin wissen, so hatte er das als Geheimnis mit ins Grab genommen. Und dann ist da noch die Theorie, dass Cter vielleicht freiwillig verschwunden sein könnte. Ich weiß, die Theorie wird in jedem vermissten Fall aufgestellt und oft rollt man mit den Augen und hält das für total abwegig.
Das kann ich auch verstehen, aber in diesem besonderen Fall wirkt diese Möglichkeit gar nicht so weit hergeholt. Vielleicht, weil wir auch nur wenig Infos haben und der Fall spielt sich Anfang der 80er ab, weil sicherlich noch alles ganz anders war als heute. Aber alles, was von Cynthia Vater in den Medien zitiert wurde, war wie brav und vernünftig Cynthia war.
Dass sie vor ihrem Verschwinden mehr auf ihr Äußeres geachtet hat, in welcher Form auch immer, fand er ganz offenbar nicht so toll. Ihr gesamtes Umfeld bestand aus christlichen Hardcore Fundamentalisten. Das sind nur ein paar Schlüssellöcher, durch die wir auf das Leben von Cynthia blicken können.
Aber für eine 20-jährige Frau kann so ein Leben vielleicht einfach doch sehr einengend sein. Zudem stand der Übergang zum christlichen College kurz bevor. Wenn Cynthia heimlich davon geträumt haben sollte, aus ihrem bisherigen Leben auszubrechen, wäre der Zeitpunkt ihres Verschwindens vielleicht die letzte Chance gewesen. Man sollte die Option, dass Cynthia untergetaucht ist, mindestens in Betracht ziehen, auch wenn ihre gesamte Familie sagt, dass sie sich das nicht vorstellen können.
Cynthia könnte ihr eigenes Verschwinden von ihrem Arbeitsplatz aus gefaked haben. Dazu würde am deutlichsten der Liebesroman passen. Dass ausgerechnet die Seite aufgeschlagen war, auf der es um eine Entführung ging, wirkt ja fast wie in einem Roman selbst. Vielleicht war das Chas Idee, um alle auf eine falsche Ferse zu locken.
Auch die beiden Anrufe mit den Tipps zum Verschwinden von Cina fallen da auf. Diese kamen ja beide von einer Frau, die geflüstert und nur ungenaue Angaben gemacht hat. Auch das könnten Versuche gewesen sein, die Polizei auf eine andere Spur zu bringen. Dennoch gibt es auch entscheidende Dinge, die gegen ein freiwilliges Verschwinden sprechen.
Chey hatte durch ihren Job in der Kanzlei ordentlich Geld auf ihrem Bankkonto gespart. Dieses Geld hätte sie für einen möglichen Neuanfang sicherlich gut gebrauchen können, aber sie hat das Geld nie abgehoben. Auch ihre Social Security Nummer hat nie wieder irgendeine Aktivität verzeichnet. Allerdings kann es gerade 1981 ja auch gut sein, dass C einfach Bargeld gespart und beiseite gelegt hat.
Und unterzutauchen war in dieser Zeit vorüberwachungskameras GPSignalen und genau dokumentierten behördlichen Vorgängen sicherlich einfacher als heutzutage. Wer weiß, bis nichts gegenteiliges bewiesen ist, kann es theoretisch noch immer sein, dass Cynthia Anderson irgendwo da draußen ist und ein völlig anderes Leben lebt.
Cynthiaas Mutter starb bereits zwei Jahre nach dem Verschwinden ihrer Tochter in einer Krebserkrankung. Ihr Vater Michael ist 2008 verstorben. Er hat 28 Jahre lang darauf gewartet, zu erfahren, was mit seiner Tochter passiert ist. Leider konnte ihm dieser Wunsch bis zuletzt nicht erfüllt werden. Trotzdem war sich Michael Anderson immer sicher, dass seine Cynthia noch lebt, dass sie vielleicht irgendwann anrufen oder vor der Tür stehen würde und ihm erzählen würde, dass sie eine langanhaltende Amnesie gehabt habe.
Deshalb hat er seine Telefonnummer nie geändert. Er ist auch nie umgezogen und hat bis zuletzt in dem Haus gelebt, in dem Cynthia mit ihrer Familie ihre Kindheit und Jugend verbracht hat. Alles für den Fall, dass sie irgendwann nach Hause zurückkommt. Leider ist das bis zum heutigen Tage nicht passiert. Schreibt mir unbedingt in die Kommentare, was ihr von diesem Fall haltet und welche Theorie ihr am wahrscheinlichsten findet.
In den meisten vermissten Fällen finde ich den Engel des freiwilligen Verschwindens echt schwierig, aber hier passt doch vieles zusammen. Aber auch, dass Mr. Nella in der Sache mit drin hing, ist irgendwie nicht abwegig. Anders als die vermissten Spur wurde das aber vom Gericht überprüft und der Zeuge, von dem der Hinweis kam, wurde als unglaubwürdig eingeordnet.
Was haltet ihr davon? Ich bin gespannt auf eure Ideen. Ganz nebenbei unterstützt ihr auch so den Kanal, denn jegliche Interaktion erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Video Leuten vorgeschlagen wird, die in Solito noch nicht abonniert haben. Sollt ihr ihren Kanal noch weiter unterstützen wollen, abonniert mich gerne bei Patreon.
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Bis dahin, ciao Leute