Warum konnte Großbritannien drei deutsche Kriegsschiffe im Ärmelkanal nicht stoppen?
Drei deutsche Kriegsschiffe rasen durch den Ärmelkanal, direkt vor Großbritanniens Küste. Britische Flugzeuge greifen an, Granaten schlagen ins Wasser, Minen warten voraus. Trotzdem fahren Scharnhorst, Gneisenau und Prinz Eugen weiter. Warum kann Großbritannien sie nicht stoppen? Am Abend des 11.
Februar 1942 verließen Scharnhorst Gneisenau und Prinz Eugen heimlich den französischen Hafen Brest. An Bord der Scharnhorst führte Vizeadmiral Otto Ziliax den gesamten Verband, während Kapitän zur See Kurz Caesar Hoffmann das Schiff kommandierte. Die Gneisennau stand unter Otto Fein, die Prinz Eugen unter Helmut Brinkmann.
Ihr Ziel lag nicht im Atlantik, sondern zurück in deutschen Gewässern. Seit Monaten waren die schweren Schiffe in britischen Luftangriffen ausgesetzt. Nun sollten sie näher an Norwegen verfügbar sein. Der direkte Weg führte ausgerechnet durch den Ärmelkanal. Entlang der Route lagen britische Radarstellungen, Flugplätze, Küstenbatterien und Marinestützpunkte.
Vor Dover wurde der Kanal besonders eng. Dort schien ein unbemerkter Durchbruch fast unmöglich. Trotzdem wählte Siliax genau diese Route. Sie war kürzer als der Weg um die britischen Inseln und bot einen entscheidenden Vorteil. Zeit. Blieb der Verband lange genug unentdeckt, konnte er bereits tief im Kanal stehen, bevor Großbritannien seine Kräfte zusammenzog.
Der Plan musste die britische Verteidigung also nicht ausschalten. Er musste ihr nur lange genug voraus sein. Der Durchbruch sollte nicht durch stärkere Feuerkraft gelingen, sondern durch Überraschung. Ziliax ließ den Verband Brest erst nach Einbruch der Dunkelheit verlassen. Die Schiffe hielten hohe Fahrt.
Funkverkehr wurde auf ein Minimum reduziert und der Kurs führte sie möglichst lange ungesehen in den Kanal hinein. Gleichzeitig begann über ihnen eine zweite Operation. Unter dem Namen Donnerkeil organisierte die Luftwaffe eine dichte Jagddeckung entlang der Route. Deutsche Jäger sollten nicht erst reagieren, wenn britische Flugzeuge über den Schiffen erschienen.
Sie sollten den Verband während des gesamten gefährlichen Abschnitts begleiten und neue Staffeln übergeben, sobald Treibstoff oder Entfernung es verlangten. Auch britische Radarstellungen sollten möglichst spät ein klares Bild erhalten. Deutsche Störmaßnahmen erschwerten die Überwachung, während Dunkelheit, Wetter und der unerwartete Zeitpunkt zusätzlich halfen.
Dazu kamen Zerstörer und Torpedoboote, die den schweren Schiffen unmittelbaren Schutz gaben. Der Plan beruhte deshalb auf mehreren Teilen, die gleichzeitig funktionieren mussten. Geschwindigkeit auf dem Wasser, Schutz aus der Luft, elektronische Störung und vor allem Geheimhaltung. Keine dieser Maßnahmen machte Scharnhorst, Gneisenau und Prinz Eugen unsichtbar.

Sie mussten nur verhindern, [musik] dass Großbritannien früh genug verstand, was gerade geschah. Und genau das gelang zunächst besser, als die Briten erwartet hatten. Großbritannien wusste, dass ein Ausbruch aus Bres möglich war. Für diesen Fall lief bereits Operation Fuller. Entscheidend war deshalb, wann die Briten den deutschen Verband eindeutig erkannten.
In der Nacht lief fast alles gegen die Überwachung. Bei zwei Hatzen Aufklärern fiel das Bordrader aus. Eine weitere Patrouille wurde wegen des Wetters früher zurückgerufen. Gleichzeitig erschwerten deutsche Störsender die Arbeit britischer Radarstationen. Die Schiffe konnten Bres verlassen, ohne dass sofort Alarm ausgelöst wurde.
Hinzu kam eine falsche Erwartung. Britische Planer rechneten damit, dass die Deutschen die engste Stelle bei Dover bei Dunkelheit passieren würden. Siliax tat das Gegenteil. Der Verband erreichte diesen Abschnitt am hellen Tag, während viele britische Kräfte noch nicht für einen sofortigen Angriff bereitstanden. Am Vormittag erschienen schließlich verdächtige Kontakte auf britischen Radarschirmen.
Kurz darauf sichteten Spitfires den Verband. Wegen Funkstille wurde die entscheidende Meldung jedoch erst nach ihrer Landung weitergegeben. Erst gegen 11 Uhr stand fest, dass Scharnhorst Gneisenau und Prinz Eugen tatsächlich durch den Kanal liefen. Damit war die Chance auf einen vorbereiteten gemeinsamen Schlag fast verloren.
Großbritannien hatte die Waffen. Was jetzt fehlte, war Zeit. Und die ersten Flugzeuge, die trotzdem angreifen konnten, gehörten zu den langsamsten im britischen Arsenal. Kurz nach Mittag stand Lieutenant Commander Eugene mit sechs Sortfisch der 825 Naval Air Squadron [musik] in Manston bereit. Die Maschinen waren langsam, mit Torpedo nur etwa 100 Meilen pro Stunde schnell.
Gegen einen Verband aus Schanhorst, Gneisenau und Prinz Eugen, begleitet von Zerstörern, Schnellboten und deutschen Jägern, war das eine denkbar ungünstige Ausgangslage. Eigentlich sollten fünf RAF Jagdstaffeln den Angriff decken. Am Treffpunkt erschienen jedoch nur zehn Spitfires. Die übrigen Verbände kamen zu spät oder fanden die Formation nicht rechtzeitig.
Es Mord wartete nicht länger. Gegen 12:25 Uhr starteten die sechs Sortfisch und gingen über dem Kanal tief hinunter. Schon auf dem Anflug griffen deutsche BF10 und FW190 an. Trotzdem hielten die langsamen Doppeldecker ihren Kurs. Als die deutschen Schiffe in Sicht kamen, führte es Mond seine Maschinen direkt auf den Verband zu.
Nun kam auch das Feuer der Schiffsflag hinzu. Einige Besatzungen gelangten nah genug heran, um ihre Torpedos abzuwerfen. Doch keiner traf. Alle sechs Swordfisch wurden abgeschossen. Von den 18 Männern überlebten nur fünf. Es Mond selbst viel und erhielt später Postum das Victoria Cross. Der Angriff zeigte zugleich das eigentliche Problem der Briten.
Nicht der Mut fehlte. sondern die Zeit für einen koordinierten Schlag. Und während die Sortfisch verloren gingen, liefen die drei deutschen Kriegsschiffe weiter. Doch der britische Angriff war damit noch nicht vorbei. Nach dem Angriff der Swordfish versuchten die Briten den deutschen Verband mit fast allem zu treffen, was noch rechtzeitig in den Kanal gebracht werden konnte.
Von der Küste bei Dover eröffneten schwere Batterien das Feuer. Radar half bei der Zielerfassung, doch die Schiffe lagen nahe an der maximalen Reichweite. Mehr als 30 Granaten gingen ins Wasser. Kein Treffer stoppte den Verband. Kurz darauf griffen britische Motortorpedobote an. Der Seegang war schwer.
Einige Boote waren langsamer als die deutschen Großkampfschiffe und ihre Torpedos mussten aus großer Entfernung abgefeuert werden. Auch sie trafen nicht. Am Nachmittag kamen Bomber und Torpedoflugzeuge hinzu. Mehr als 250 Maschinen starteten. Doch wegen Wolken schlechter Sicht und der chaotischen Lage fanden nur wenige die Schiffe überhaupt.
Über ihnen kämpften deutsche und britische Jäger, während unten der Verband weiter nach Osten lief. Gegen 15:30 Uhr erreichten sechs britische Zerstörer die Deutschen. Sie gingen trotz schweren Feuers auf Torpedodistanz heran. Die Rossister kam besonders nahe und wurde schwer getroffen. Doch auch diese Torpedos verfehlten ihr Ziel.
Das Muster des Tages wurde immer deutlicher. Großbritannien griff wiederholt an, aber nicht mit allen Kräften gleichzeitig. Jeder Angriff war gefährlich. Zusammen kamen sie jedoch zu spät und zu verstreut. Dann traf eine Waffe, die gar nicht aktiv angreifen musste, eine Mine. Am Nachmittag schien der gefährlichste Teil bereits hinter ihnen zu liegen.
Dann erschütterte eine Mene die Scharnhorst. Gegen 15:30 Uhr detonierte sie nahe der Scheldemündung. Die Explosion beschädigte die elektrische Anlage. Zeitweise fiel die Energieversorgung aus und das Schiff verlor deutlich an Fahrt. Für einige Minuten war eingetreten, was die britischen Angriffe nicht geschafft hatten.
Ein deutsches Großkampfschiff war verwundbar und vom Verband getrennt. Doch die Besatzung brachte wichtige Systeme wieder in Gang. Sharnh setzte die Fahrt fort. Später traf auch Gneisennau eine Mine. In der Nacht wurde Scharnhorst ein zweites Mal getroffen. Wieder entstanden Schäden. Erneut sank die Geschwindigkeit. Trotzdem blieb keine der beiden Einheiten dauerhaft liegen.
Die Minen zeigten, wie knapp der Durchbruch tatsächlich war. Aber selbst nach mehreren Treffern bewegten sich die Schiffe weiter nach Osten. Die Frage war nun nicht mehr, ob die Briten sie treffen konnten, sondern warum selbst Treffer den Durchbruch nicht stoppten. Der Erfolg hatte keinen einzelnen Grund. Entscheidend war, dass mehrere Vorteile genau im richtigen Moment zusammenwirkten.
Die späte britische Entdeckung verschaffte dem Verband den wichtigsten Vorsprung. Als Großbritannien sicher wusste, was im Kanal geschah, waren Scharnhorst, Gneisenau und Prinz Eugen bereits weit vorangekommen. Dazu kam die hohe Geschwindigkeit der Schiffe. Jeder verlorene britische Stunde verkürzte das Zeitfenster für einen Angriff.
Über dem Verband hielt die Luftwaffe zugleich eine starke Jagddeckung aufrecht. Dadurch konnten britische Flugzeuge nur unter schwierigen Bedingungen angreifen. Vor allem aber kamen die britischen Angriffe nacheinander. Sortfisch, Küstenbatterien, Torpedoboote, Bomber und Zerstörer waren jeweils gefährlich.
Doch sie trafen den Verband nicht gleichzeitig mit voller Stärke. Selbst die Minentreffer stoppten die schweren Schiffe nicht dauerhaft. Siliax musste die britische Verteidigung also nicht besiegen. Er musste verhindern, dass sie sich rechtzeitig zu einem einzigen konzentrierten Schlag verband. Genau das gelang. Der Durchbruch war deshalb weniger ein Beweis für unverwundbare Schiffe als für Zeit, Koordination und Vorbereitung.
Schanhorst, Gneisenau und Prinz Eugen waren nicht unsichtbar und auch nicht unverwundbar. Sie wurden entdeckt, angegriffen und sogar von Minen getroffen. Doch Großbritannien verlor die entscheidenden Stunden. [räuspern] Als die Reaktion anlief, kamen die Angriffe zu spät und zu verstreut.
Operation Zerberus zeigte deshalb vor allem eines. Nicht stärkere Waffen entschieden den Durchbruch, sondern Zeit, Vorbereitung und Koordination.