News

Alle lachten über seinen 780-Mark-Unimog – bis er einen 12-Tonnen-Waggon zog

Als der Auktionator den Hammer r, lachte Manfred Foss so laut, dass selbst die Männer am anderen Ende des Bauhofs herüber sahen. Vor ihm stand ein alter Unimog U416, stumpfgrün überlackiert, mit rostigen Kurtflügeln, einem schiefen Werkzeugkasten hinter dem Fahrerhaus und vier massiven Haltern unter dem Rahmen.

780 Mark. Zum ersten, zum zweiten verkauft. Karl Neumann nahm die Hand herunter. Früher Landmaschinenmechaniker seit einem Jahr im Ruhestand. Neben ihm stand seine Frau Rut. Sie sah nicht auf den Motor und nicht auf den Rost. Sie sah unter das Fahrzeug. Manfred grinste. Karl, für das Geld hättest du drei Anhänger bekommen, die wenigstens noch gerade stehen. Ein paar Händler lachten.

Rut ging in die Hocke. Vor der Hinterachse saß links ein schwerer Stahlhalter, rechts derselbe. Zwei weitere befanden sich weiter vorn, ebenfalls spiegelbildlich. Keine improvisierten Winkel. Vier gleiche Punkte. Die gehören zusammen sagte Rut. Manfred hörte es natürlich zusammen zum Schrott. Später würde Rut unter mehreren Schichten Farbe eine Nummer freilegen, die zu genau diesen Haltern gehörte.

Noch später würden Sie herausfinden, warum vier Hydraulikleitungen abgeschnitten worden waren und dann würde sich zeigen, dass die Männer auf dem Hof nicht über einen gewöhnlichen Kommunalwagen gelacht hatten. Noch aber sprang der Motor nicht einmal an. Die Auktion fand im Oktober 199 auf einem aufgelösten Bauhof südlich von Stuttgartstadt.

 Streusalzbehälter und alte Lastwagen standen in Rhein. Der Unimog trug Lot 47. Auf dem Zettel an der Scheibe stand nur Mercedes-Benz Unimok, Baujahr 1974, Diesel, nicht fahrbereit, Hydraulik unvollständig, Abstandort. Karl war wegen eines Kompressors gekommen. Dann hatte er gesehen, dass der Rahmen überraschend gesund aussah. Rut war etwas anderes aufgefallen.

Schaute die Halter an. Karl kniete sich neben sie. Das vordere Paar saß unter dem Rahmen. Jedes bestand aus zwei dicken Laschen mit einem sauber gebohrten Bolzensitz. Hinten dasselbe Prinzip. Vielleicht für stützen sagte Karl. Vier Stück. Rut zeigte auf die Innenseite des linken Halters. Dort ragte ein Metallstumpf hervor.

 Karl wischte den Schmutz ab, eine abgeschnittene Hydraulikleitung. Auf der anderen Seite fand er die zweite, vorn zwei weitere. Manfred kam wieder vorbei. Na, schon Öl gefunden? Karl sah unter dem Rahmen hervor. Vier Leitungen. Dann hast du viermal mehr kaputt als gedacht. Am Nachmittag stand der Unimok vor Karlswerkstatt in Nürtingen.

 Der Abschlettwagen hatte weitere zweih Mark gekostet. Rot stellte Kaffee auf die Werkbank. Wenn du jetzt sagst, daß sei günstig gewesen, gehe ich wieder rein. Karl öffnete die Motorhaube. Die Elektrik war tot, eine Batterie fehlte, der Filter war schwarz, aber der Motor ließ sich von Hand drehen.

 Rot arbeitete hinten weiter. Mit einer Drahtbürste säuberte sie einen Halter. Unter fett und grüner Farbe kam eine gelbe Schicht hervor. Karl, er kam er rüber, der war früher gelb. Kommunalfarbe vielleicht. Sie bürstete weiter. Auf der Innenseite erschien eine eingeschlagene Kennung. 47 B2 Rut ging zum rechten hinteren Halter. Dort stand ebenfalls 47 B2.

Such vorne, sagte sie. Vorn links 47 Bich 1 vorn [schnauben] rechts ebenfalls 47 B1. Karl richtete sich langsam auf. Vorne ein paar, hinten ein paar, dazu vier hydraulische Anschlüsse. Das ist kein Zufall, sagte Rot. Am nächsten Morgen entfernte Karl den großen Werkzeugkasten hinter dem Fahrerhaus. Als der Kasten endlich nachgab, kam darunter eine Fläche zum Vorschein, die seit Jahren kein Licht gesehen hatte.

Gelber Originallack und mittarin zwei kleine Bohrungen. “Da war ein Schild”, sagte Rut, “bgeschraubt.” Unterhalb der Bohrungen klebte noch ein schmaler Rest Aluminium. Rot löste den Schmutz darum herum. Drei Buchstaben wurden sichtbar. Dann ein Ortsname, Rosenheim. Karl kannte die Firma nicht, Rut auch nicht.

 Aber Rut war nicht der Typ, der eine unbekannte Plakette als unwichtig abtat. Im Keller standen noch Orten aus Karls Werkstattzeit, Prospekte, Zubehörlisten, Hydraulikschemata. Zwei Stunden später lagen sie auf dem Küchentisch. Ruth suchte nicht nach dem Unimok, sie suchte nach Rosenheim. Im dritten Ordner fand sie den Namen, eine Firma für Spezialaufbauten und Rangiertechnik.

Auf einer vergilten Seite war ein Unimog abgebildet. Unter seinem Rahmen hingen vier Metallarme. An jedem Arm saß ein kleines Stahlrad. Rot legte den Finger auf die Zeichnung. Vorne zwei, hinten zwei, genau dort, wo an ihrem Wagen die nummerierten Halter saßen. Karl las die Bildunterschrift zweimal. Zwei Wege Fahrzeug.

Rot sah durch das Küchenfenster zur Werkstatt. Draußen stand der verrostete Unimog, über den am Vortag alle gelacht hatten. Nur dass die Zeichnung vor ihnen etwas anderes zeigte. einen Unimog, der von der Straße direkt auf Eisenbahnschienen fahren konnte, kam an den vergebten Prospekt am nächsten Morgen mit in die Werkstatt.

 Die Zeichnung war einfach, fast technisch nüchtern. Ein Unimock von der Seite, darunter vier schmale Arme, an deren Enden kleine Spurrollen saßen. Sie tugen das Fahrzeug nicht wie Eisenbahnräder eines Zuges. Die normalen Reifen blieben auf den Schienen und lieferten den Antrieb. Die kleineren Stahlräder hielten den Unimok nur sauber in der Spur.

Rut legte dem Prospekt auf die Werkbank und zeigte auf die vordere Aufnahme. Die Form. Karl kniete sich unter ihren Wagen. Die Laschen waren fast identisch. Nicht ähnlich genug für Begeisterung, ähnlich genug für eine Messung. Karl holte Messschieber und Zollstock. Abstand zwischen den beiden Bolzen sitzen. Höhe unter dem Rahmen.

 Abstand zur Vorderachse, dann hinten. Rot schrieb jede Zahl auf. Beim dritten Maß sagte Karl nichts mehr. Die Positionen stimmten. Er öffnete die Motorhaube und verfolgte die stillgelegten Hydraulikleitungen nach hinten. Zwei endeten an einem alten Verteilerblock, der noch immer am Rahmen hing. Die Verschraubungen waren nicht später angeschweißt worden, sie saßen in originalen Haltern.

 Rut nahm eine Bürste und reinigte den Block. Unter der Farbe erschien eine zweite kleine Kennzeichnung. 47. Sie sah Karl an. Also nicht irgendein Zubehör. Carl legte die Hand auf den Rahmen. Nein, zum ersten Mal hatten sie mehr als eine Vermutung. Der Unimog war tatsächlich für ein System vorbereitet worden, bei dem vier hydraulisch bewegte Spurrollen unter das Fahrzeug abgesenkt wurden.

Wenn Ihnen solche Geschichten gefallen, bei denen aus ein paar rostigen Haltern plötzlich eine völlig andere Maschine wird, bleiben Sie dabei. Denn genau in diesem Moment begann für Karl und Rut das eigentliche Problem. Das System war nicht mehr da, nur seine Narben. Vier Halter. vier abgeschnittene Leitungen, ein Verteiler, ein paar Nummern, keine Spurrollen, keine Arme, keine Zylinder, kein Bedienventil.

 Karl ging einmal um den Unimog. Ohne den Rest haben wir eine interessante Geschichte und einen schlechten Lastwagen. Rut faltete den Prospekt zusammen. Dann suchen wir den Rest. Wo? Da, wo jemand ihn hingelegt hat. Karl sah sie an vorzehn Jahren, vielleicht vor fünf. Sie gingen zunächst davon aus, dass das Zweiwegesystem schon lange vor der kommunalen Nutzung entfernt worden war.

Doch unter dem Werkzeugkasten fanden sie etwas, das nicht dazu passte. Eine der alten Hydraulikleitungen war mit einem Blindstopfen verschlossen. Der Stopfen war deutlich neuer als die Leitung. Karl kratzte den Lack ab. Der ist nicht aus denzigern. Wie neu? Schwer zu sagen, aber der wurde ersetzt. Wenn jemand Jahrzehnte zuvor alles vollständig ausgebaut hätte, hätte später niemand einen einzelnen Anschluss neu verschließen müssen.

 Das bedeutete, dass zumindest Teile der alten Anlage möglicherweise noch montiert gewesen waren, als der Unimog bereits beim Baurof stand. Hut wollte die Auktionsunterlagen sehen. Am nächsten Vormittag saßen sie wieder im Verwaltungsgebäude des aufgelösten Bauhofs. Im Flur standen bereits leere Aktenschränke. Eine Sekretärin brachte ihnen einen Ordner mit den Loslisten.

Lot 47 Unimog. Darunter stand nichts von Eisenbahn, nur einige handschriftliche Ergänzungen. Winterdienst, Hydraulikdefekt, Anbaugeräte getrennt. Rut blieb an der letzten Zeile hängen. Getrennt? Karl Lass sie ebenfalls. Schneepflug, Streuer. Vielleicht. Sie blätterte weiter. Lot 48 war ein Salzstreuer.

 Lot 49 ein Schneepflug. Dann kamen Werkbänke, Reifen und Motorenteile. Fast am Ende des Ordners fand Rot eine Liste mit Sammellosen. Lot 71, Alte kommunale Anbaugeräte. Unvollständig, nicht geprüft. Daneben klippte ein kleines Schwarz-Weiß Foto, ein Haufen Metall hinter einem Schuppen, Hydraulikzylinder, Rahmentile, Räder.

Karl sah, komm hin, rot schon. Sie zog das Foto näher. Warte. Ganz links lag ein massiver Arm auf der Seite. An seinem Ende befand sich ein kleines Stahlrad mit hohem Spurkranz. Karl nahm das Bild, jetzt erkannte auch er. Daneben lag ein zweiter und ein dritter. Der vierte war teilweise von einem Flugrahmen verdeckt.

 Rot zeigte auf eine helle Stelle an einem der Arme. Dort war mit weißer Farbe etwas aufgetragen worden. Die Aufnahme war körnig. Die erste Ziffer ließ sich kaum erkennen, die zweite schon. Sieben. Karl fragte die Sekretärin: “Wer hat Lot 71 gekauft?” Sie suchte in einer anderen Liste. Bernard Klose, Metallhandelklose, Reutlingen.

Wann? Am selben Tag. Für wie viel? Sie fuhr mit dem Finger über die Zeile. 320 Mark. Karl lehnte sich zurück. Der gesamte Haufen hatte weniger gekostet als der Transport seines Unimog. Am Nachmittag standen sie auf dem Hof des Metallhandels. Bernhard Klose war ein kleiner, breitschultriger Mann mit einer Zigarette zwischen den Lippen.

 Als Karl ihm erklärte, wonach sie suchten, runzelte er die Stirn. Von dem Bauhofelzeug ist schon weg. Die Eisenbahnräder. Welche Eisenbahnräder? Rot zeigte ihm das Foto. Klose Names hielt es näher ans Gesicht und nickte langsam. Ach, die komischen Dinger. Haben Sie die noch? Vielleicht. Er ging zwischen zwei Reihen aus Containern hindurch.

 Hinten am Zaun lag unter einer blauen Plane ein Stapel schwerer Metallteile. Klose zog die Plane weg. Zuerst kamen zwei Hydraulikzylinder zum Vorschein, dann ein Arm. Am Ende saß ein kleines Stahlrad. Rut sagte nichts. Karl ging näher. Auf der Seite des Arms stand unter Rost und Schmutz eine weiße Kennung. 47 B1 Er drehte sich zum nächsten Teil.

47 Bich 1. Unter zwei weiteren lagen die hinteren Arme. 47 B2 47 B2 Kein Zweifel mehr, die Teile gehörten zu ihrem Unimog. Klose sah Karl an. Deshalb wollten die keine haben. Keiner wußte, wofür sie gut sind. Was wollen sie dafür? Klose überlegte. Karl verzog keine Miene. Sie haben für den ganzen Haufen 320 bezahlt.

 Damals wusste ich nicht, dass jemand sie sucht. Rut sah auf die vier Rollen. Sind die Zylinder dabei? Klose deutete auf den Stapel. Was da liegt, gehört dazu. Mehr weiß ich nicht. Sie fanden dreizlinder vollständig. Beim vierten fehlte die Kolbenstange. Dazu lagen zwei Verbindungsschläuche, ein Ventilblock und mehrere Bolzen zwischen den anderen Teilen.

 Kein vollständiger Satz, aber viel mehr als Karl erwartet hatte. “400”, sagte er. Klose schüttelte den Kopf. 450 Karl sah zu rot. Sie nickte einmal. Eine Stunde später lagen die vier Schienenführungen auf ihrem Anhänger. Als sie nach Hause fuhren, sagte Karl lange nichts. Dann, wir haben jetzt fast 2000 Mark in einem Unimog, von dem wir noch nicht wissen, ob er überhaupt fahren kann.

Rot blickte in den Seitenspiegel auf die schweren Arme hinter ihnen. Doch. Was doch? Wir wissen jetzt wenigstens, was ihm fehlt. Zwei Tage später war das erste Bauteil montiert. Karl mußte nur Rost aus den alten Bolzen sitzen treiben. Die Abstände passten ohne Bohren, ohne Schweißen, ohne Anpassung. Der vordere linke Arm glitt zwischen die beiden Halter, als wäre er am Tag zuvor abgebaut worden.

 Rot stand daneben mit dem alten Auktionsfoto. Karl, hm, wenn die das alles erst beim Bauhof abgebaut haben, müsste es dort Unterlagen geben. Welche? Werkstattkarten, Wartung. Irgendjemand muss gewusst haben, was das hier einmal war. Karl zog den Bolzen durch die Aufnahme und wenn die weg sind? Rut faltete das Foto zusammen. Dann suchen wir davor.

Davor, bevor er ein Kommunalwagen war. Auf dem alten gelben Lack unter dem Werkzeugkasten war noch etwas sichtbar. Keine technische Nummer. Ein dunkler, rechteckiger Schatten von einem früheren Aufkleber. Ruth hatte ihn bisher für bedeutungslos gehalten. Jetzt legte sie die Fläche vorsichtig frei.

 Unter dem späteren Grün erschienen sechs Buchstaben. Der Anfang fehlte, der Rest war noch lesbar. Werke, darunter stand eine Ortsangabe und plötzlich ging es nicht mehr nur darum, ob der Unimog auf Schienen fahren konnte, sondern darum, wo er es getan hatte. Ruth legte den Bereich unter der Lampe frei. Buchstabe für Buchstabe. Werke.

Darunter erschien eine zweite Zeile. Eslingen. Karl zog den alten Prospekt heran. Dann war er vor dem Bauhof bei einem Werk oder bei einer Firma, die irgendetwas mit Werken hieß. Das macht die Suche kaum kleiner. Rut künste nicht. Sie schrieb die Reste der Beschriftung auf einen Zettel und begann zu telefonieren.

Der erste Hinweis kam nicht aus einem Archiv, sondern von einem pensionierten Mercedesmeister in Eslingen. Als Rut den gelben Originallack, den U416 und die abgeschnittene Beschriftung erwähnte, unterbrach er sie. War da früher vielleicht Neckerwerke drauf? Rot blickte zu Karl. Könnte passen. [räuspern] Die hatten mehrere Unimok.

 Kraftwerk, Leitungsbau, Werkbahn. Das letzte Wort blieb hängen. Werkbahn. Der Mann erinnerte sich nicht an Fahrgestellnummern, aber an einen Betriebsteil außerhalb der Stadt, der bis in die späten 70er Jahre ein eigenes Anschlussgleis besessen hatte. Hot schrieb Namen und Adresse auf. Am nächsten Morgen fuhren sie hin.

 Von der alten Anlage war nicht mehr viel übrig. Zwei Hallen waren abgerissen, eine dritte stand leer. Hinter einem Maschendrahtzaun liefen noch zwei rostige Gleise zwischen Unkraut und Schotter hindurch. Karl stellte den Wagen ab. Wenn unser Unimog hier wirklich gefahren ist, dann irgendwo da. Rut zeigte auf ein kleines Verwaltungsgebäude am Rand des Geländes.

Dann fangen wir nicht bei den Schienen an. Der Pförtner kannte den Namen des ehemaligen Werkstattmeisters noch, Otto Brenner. Sie fanden ihn über die Auskunft. Brenner war 75 und wollte am Telefon zunächst nichts von alten Maschinen wissen. Erst als Rut Unimock und Spurrollen sagte, wurde es still. Welche Farbe? Heute grün, darunter gelb.

Fahrgestellnummer Carl laß sie vor. Brenner wiederholte die letzten sechs Ziffern langsam. Kommen Sie morgen. Er wohnte 20 km entfernt. Als Karl und Rut ankamen, lagen bereits drei Ordner auf dem Esszimmertisch. Brenner nahm seine Brille und schlug den ersten auf. Wir hatten zwei. Ein Foto zeigte einen gelben Unimog vor einer Werkhalle.

 Unter dem Rahmen waren die kleinen Stahlrollen deutlich zu sehen. Auf der Tür stand: “Nekerwerke. Karl sah auf das Kennzeichen, nicht mehr lesbar.” Brenner blätterte weiter. Einer war älter, der andere kam 1974. R schob ihm ihre Fahrgestellnummer hin. Er ging durch eine Liste. Dann legte er den Finger auf eine Zeile. Dieselbe Nummer. Karl sagte nichts.

 Zum ersten Mal hatten sie die Maschine nicht nur über Bauteile und Markierungen erkannt, sie hatten sie in einer alten Betriebsakte gefunden. Brenner lehnte sich zurück. Das war der kleine Rangierer. Was konnte der ziehen? Fragte Karl. Mehr als man ihm angesehen hat. Der Unimog war nicht als Lokomotive benutzt worden, um schwere Züge über lange Strecken zu bewegen.

 Seine Arbeit war enger und praktischer gewesen. Einzelne Güterwagen aus dem Übergabegleis holen, Wagen unter Entladestellen verschieben, Materialwagen zu einer Halle bringen, Kontrollfahrten auf dem Anschlussgleis. Die Straßenreifen übertrugen die Kraft auf die Schiene. Die kleinen Stahlräder führten das Fahrzeug. Und warum wurde das System abgebaut? Brenner blätterte weiter.

Ende der 70er Jahre kam ein richtiger Rangierschlepper. Der Unimog wurde dann mehr für Hofarbeiten benutzt. Und danach 1981 verkauft. Rot sah auf an den Bauhof. Brenner nickte. Dann zog er eine Karte aus einer Plastikhülle. Oben stand die Fahrgestellnummer, darunter der interne Fahrzeugcode. 47. Ruth legte die Fotos ihrer Vierhal Halter daneben.

 47-1 472 Jetzt war auch diese Nummer erklärt. Karl betrachtete die Werkstattkarte Ölwechsel, Bremsen, Hydraulikprüfung und eine Zeile aus dem Jahr 1978. Spurführung hinten rechts instand gesetzt. Rut tippte darauf: “Hinten rechts.” Karl wusste sofort, warum sie darauf zeigte. Genau bei diesem Bauteil fehlte die Kolbenstange.

Brenner stand auf. Warten Sie. Aus einem Schrank holte er eine dünne Mappe mit technischen Zeichnungen. Die habe ich aufgehoben, weil irgendwann sowieso keiner mehr wusste, wie die Anlage eingestellt wird. Karl schlug die erste Seite auf. Vier Spurführungsarme, Hydraulikzylinder, Anschläge, Bolzenpositionen.

Rut beugte sich darüber. Sie hatten nicht mehr nur die Maschine, sie hatten jetzt auch die Anleitung, wie sie wieder zusammengehören mußte. In den folgenden zehn Tagen arbeitete Karl fast täglich am Unimog, nicht an der Karosserie, nicht am Lack. Erst an Dingen, die entscheiden würden, ob die Maschine überhaupt sicher bewegt werden konnte.

 Bremsleitungen, Radlager, Kraftstoffsystem. Die alte Kupplung funktionierte überraschend sauber. Der Motor brauchte eine Batterie, neue Leitungen und zwei lange Startversuche. Beim dritten Versuch zündete er. Eine schwarze Wolke stieß aus dem Auspuff. Dann lief der Sechszylinder unruhig, aber er lief. Karl stellte ihn nach weniger als einer Minute wieder ab.

 Jetzt haben wir wenigstens einen Unimock. Ruth zeigte auf die vier Stahlräder an der Wand, noch nicht unseren. Für den fehlenden Hydraulikzylinder fand Karl keine passende Originalstange. Er ließ eine neue nach Maß fertigen und verwendete das alte Gehäuse weiter. Dann montierten sie die vier Arme, die vorderen bewegten sich sauber.

 Hinten links ebenfalls, hinten rechts nicht. Der Arm senkte sich schräg ab und blieb fast 2 cm höher als sein Gegenstück. K kontrollierte den Zylinder. Kein Fehler. Dann den Bolzen. Gerade. Der Arm ist verzogen sagte er. Rot holte Brenners Zeichnung. Warte. Sie kniete neben dem rechten Hinterrad und sah vom Papier zu montierten Arm dann wieder zurück. Der Anschlag sitzt falsch.

 Karl beugte sich herunter. Der kann nur so sitzen. Nein. Ru zeigte auf die Zeichnung. Der kleine Begrenzungsblock war dort mit seiner abgeschreckten Seite nach innen montiert. An ihrem Bauteil zeigte die Schräge nach außen. Karl löste zwei Schrauben, er drehte den Block. Danach senkte sich der Arm erneut.

 Diesmal stand die Stahlrolle exakt auf derselben Höhe wie links. Karl sah Rut an. Seit wann weißt du mehr über Spurführungen als ich? Seit du beschlossen hast, dass alles verbogen ist. Drei Tage später bekamen sie die Erlaubnis für einen Test auf einem stillgelegten Anschlussgleis eines Baustoffbetriebs. Brenner wollte dabei sein.

 Manfred hatte inzwischen ebenfalls gehört, was aus dem 780 Mark Unimog geworden war. Er erschien am Morgen des Tests auf dem Hof. Stimmt es, dass der auf Schienen soll? Karl schlooss die Motorhaube. Wenn alles funktioniert, Manfred ging langsam um den Wagen. Die vier Spurrollen waren jetzt montiert. Zum ersten Mal sah der Unimog nicht mehr aus wie ein kommunales Fahrzeug mit seltsamen Resten unter dem Rahmen.

 Er sah wieder nach dem aus, wofür er einmal gebaut worden war. 5000, sagte Manfred. Karl blickte auf. Was? Mark, so wie er steht. Rut öffnete die Beifahrertür. Gestern hast du ihn noch nicht einmal auf Schienen gesehen. Manfred zuckte mit den Schultern. Deshalb biete ich vorher. Karl schüttelte den Kopf. Eine Stunde später standen sie am Anschlussgleis.

Karl fuhr langsam über eine asphaltierte Querung, bis Brenner die Hand hob. Da Rut stieg aus. Zum ersten Mal seit Jahren lagen alle vier Führungseinheiten direkt über zwei Schienen. Karl betätigte den Hydraulikhebel. Vorne senkten sich die Stahlräder, dann hinten links, dann hinten rechts. Rut ging sofort auf die Knie.

 Stopp! Karl nahm die Hand vom Hebel. Die rechte hintere Rolle stand sauber auf dem Schienenkopf. Keine Schrägung mehr. Brenner kontrollierte die andere Seite. Weiter. Karl ließ den Unimog wenige Zentimeter sinken. Die vier Stahlräder saßen. Die Reifen berührten weiter die Schienen. Genau wie auf der alten Zeichnung.

K legte den ersten Gang ein. Niemand sprach. Der Unimog bewegte sich erst einen halben Meter, dann zwei, dann Zehn. Rut ging neben dem rechten Hinterrad her und beobachtete die Führung. Keine Bewegung aus der Spur, kein Schlagen. Brenner blieb zurück und sah dem gelben Schatten unter der grünen Farbe nach. Nach 50 m hielt Karl an.

 Er öffnete die Tür. Er fährt. Brenner schüttelte den Kopf. Das war nie die Frage. Karl seh ihn an. Der alte Meister zeigte ans Ende des Gleises. Dort stand einzelner leerer Güterwagen. Die Frage ist, ob er noch arbeiten kann. Brenner ging zuerst zum Güterwagen. Es war ein leerer, zweiachsiger Wagen, knapp zwölf Tonnen Eigengewicht.

 Nichts Besonderes, aber schwer genug, um zu zeigen, ob der Unimog tatsächlich noch rangieren konnte oder nur auf Schienen geradeausfuhr. Karl stieg aus. 12 Tonnen. Brenner nickte. Früher hast du damit mehrere davon bewegt. Früher war ich nicht dabei. Der Unimog schon. Rut stand zwischen Fahrzeug und Wagen und betrachtete die Kupplung.

 Karl wollte zurücksetzen. Noch nicht. Er sah aus dem Fenster. Was? Rut zeigte auf die hintere Spurführung. Der rechte Arm stand sauber auf der Schiene, aber der Hydraulikschlauch verlief dicht an einer Kante des Rahmens vorbei. Beim geradeausfahren war nichts passiert. Unter Bewegung konnte er dort scheuern. Karl stellte den Motor ab.

 Der lag vorher anders. Vorher hing kein Wagen hinten dran. Sie lösten die Leitung, drehten den Anschluss um wenige Grad und befestigten den Schlauch mit einer alten Schelle aus Brenners Werkzeugkiste. Erst danach setzte Karl zurück. Die Kupplung schloss. Metall, schluck gegen Metall. Der Güterwagen stand jetzt am Unimog.

Manfred war ebenfalls gekommen. Er lehnte einige Meter entfernt an seinem Mercedes und hatte bisher erstaunlich wenig gesagt. Karl stieg wieder ein. Brenner stellte sich seitlich ans Gleis. Langsam, kein Ruck. Karl legte den kleinsten Gang ein und ließ die Kupplung kommen. Der Motor änderte seinen Ton. Mehr passierte nicht.

 Karl gab etwas Gas. Die Reifen drückten auf die Stahloberfläche der Schienen. Der Unimog zog. Der Güterwagen blieb stehen. Für einen Moment sah es aus, als würde nur die Kupplung leiden. Dann kam ein kurzes metallisches Knacken aus der Verbindung. Der Wagen bewegte sich, vielleicht 2 cm, dann 10.

 Die Räder begannen sich zu drehen. Manfred richtete sich auf. Karl gab nicht mehr Gas. Er ließ den Unimog langsam arbeiten. Ein Meter 3 Rut ging neben der hinteren Führung her. Rechts bleibt sauber. Brenner beobachtete die Reifen. Nicht schneller. Der Zug bewegte sich jetzt gleichmäßig. Ein verrosteter Unimog, den wenige Wochen zuvor niemand für 780 Mark haben wollte, zog einen Güterwagen über dasselbe Gleisprinzip, für das ersprünglich gebaut worden war.

Nach dreißig Metern hob Brenner die Hand. Karl stoppte. Der Wagen blieb hinter ihm stehen. Manfrid kam näher. Er betrachtete zuerst den Güterwagen, dann die kleinen Stahlrollen. “Das ist alles?”, fragte er. Brenner sah ihn an. “Was haben Sie erwartet?” “Keine Ahnung mehr.” “Genau deshalb waren solche Maschinen praktisch.

Sie brauchten keinen spektakulären Aufbau und keine Lokomotive. Ein Fahrzeug fuhr auf der Straße zum Einsatzort, setzte sich auf die Schienen und konnte dort Arbeit übernehmen. Doch Brenner wollte noch einen zweiten Test. Vor ihnen lag eine Weiche. Geradeaus ist einfach, sagte er. Wenn die Führung nicht richtig eingestellt ist, merken wir es dort. K sah zu Ruht.

 Sie ging bereits nach hinten. [räuspern] Der rechte Arm, den sie am Vortag korrigiert hatten, stand noch immer sauber. “Versuchen.” Karl fuhr an. Dieses Mal bewegte sich der Wagen sofort. Langsam näherten sie sich der Weiche. Rut beobachtete das hintere rechte Führungsrad, Brenner das linke. Die vorderen Rollen liefen durch, dann die Hinterachse.

 Für einen Moment wanderte das rechte Führungsrad sichtbar zur Kante. Rut hob schon die Hand. Doch es fing sich. Die Rolle folgte der Schiene. Der Unimog kam vollständig durch die Weiche. Der Güterwagen folgte. Erst auf der anderen Seite stoppte Karl. Brenner lächelte. Jetzt können Sie sagen, dass er wieder arbeitet. Karl stellte den Motor ab.

 Mehr brauchte er nicht. Kein schneller Test, kein unnötiges Ziehen weiterer Wagen. Sie hatten bewiesen, was sie beweisen wollten. Zwei Wochen später stand der Unimog wieder in Karls Werkstatt. Äußerlich hatte sich fast nichts verändert. Der Könlack blieb stumpf. An den Kotflügeln saß noch Rost. Unter dem Werkzeugkasten war weiterhin ein Stück des alten Gelbs sichtbar.

Nur die Technik darunter war wieder vollständig. Rut hatte Kopien aller Unterlagen in einem Ordner gesammelt. Fahrgestellnummer, Werkstattkarte, Fotos der Neckerwerke, Auktionslisten, Nummern der vier Spurführungen und Bilder vom Test. Karl wollte gerade eine neue Kraftstoffleitung verlegen, als ein dunkelblauer Mercedes vor dem Tor hielt.

Zwei Männer stiegen aus. Einer stellte sich als Klaus Hartmann vor. Seine Firma wartete Industriegleise und Rangieranlagen für mehrere Betriebe in Badenwürttemberg. Herr Brenner hat angerufen. Karl sah zum Haus. Das hätte er sagen können. Hartmann ging direkt unter den Unimok. Er interessierte sich nicht für den Lack, auch nicht für die Sitzbolster oder die Beulen.

 Er prüfte die Befestigungspunkte, die Zylinder, die Rollen. Dann fragte er nach der Fahrgestellnummer. Rut brachte den Ordner. Hartmann blätterte mehrere Minuten schweigend. Das ist wirklich derselbe. Rut zeigt ihm zuerst die Werkstattkarte, dann die interne Nummer 47, dann die Kennungen 47 B1 und 47 B2 auf den zurückgekauften Bauteilen.

Und die Spurführung funktioniert. Karl nickte. Unterlast getestet. Hatman sah die Fotos. Dann schloss er den Ordner. Ich würde ihnen 000 Mark dafür geben. Karl glaubte zunächst, er habe sich verhört für den Unimog, für den vollständigen Zustand. Er ist nicht restauriert. Hartmann sah auf den grünen Kotflügel.

Das interessiert mich nicht. Er erklärte, dass für ihn nicht ein schönes Sammlerfahrzeug vor der Tür stand, sondern eine komplette Arbeitsbasis. Ein Fahrbereiter U416. die ursprünglichen Aufnahmen, die passenden Spurführungseinheiten, dokumentierte Herkunft und vor allem ein System, das bereits wieder auf einem Gleis funktioniert hatte.

Karl lehnte sich gegen die Werkbank. Vor wenigen Wochen hatte Manfred auf dem Auktionshof behauptet, der Wagen sei kaum mehr als Schrott. Jetzt bot jemand 22 000 Mark. Rut fragte etwas anderes. Was würden Sie mit ihm machen? Hartmann antwortete sofort: Bremsen überholen, Hydraulik prüfen, Elektrik ordentlich machen, ansonsten möglichst wenig.

 Nicht neu lackieren. Warum? Die Farbe zieht keinen Wagen. Rut sah Karl an. Das war die richtige Antwort. Aber sie verkauften trotzdem nicht sofort. Hartmann wollte die Maschine selbst auf der Schiene sehen. Eine Woche später trafen sie sich noch einmal auf dem Anschlussgleis. Diesmal brachte Hartmann einen eigenen Mechaniker mit.

 Sie prüften jede Spurrolle einzeln, maßen das Spiel, kontrollierten die Hydraulik. Dann fuhr Karl wieder auf die Schienen. Der leere Güterwagen stand noch dort. Karl kuppelte an. Der Unimog zog ihn erneut an. Durch dieselbe Weiche, zurück über dieselbe Strecke. Kein Schlauch scheuerte, keine Führung klemmte, kein Rad stieg auf.

 Als Karl ausstieg, sagte Hartmann nur. Karl blickte zu ihm. Was? Mark. Manfred, der wieder am Rand des Gleises stand, pfiff leise durch die Zähne. Diesmal lachte niemand. Hartmann gab Karl seine Karte und sagte, das Angebot gelte vier Wochen. Als sein Wagen verschwunden war, blieb Manfred noch stehen. Er sah auf den Unimog auf Rut. Wie habt ihr überhaupt gewusst, wonach ihr suchen müstt? Karl wollte antworten, dann ließ er es. Er zeigte nur auf Rut.

Sie ging unter den Rahmen und legte die Hand an einen der hinteren Halter. Wir wussten es nicht. Manfred runzelte die Stirn. Rut zeigte auf den zweiten Halter auf der anderen Seite. Ich wollte nur wissen, warum vier Dinge genau gleich angebracht waren, wenn sie angeblich nichts bedeuteten. Karl sah zu den Güterwagen hinter ihnen.

780 Mark hatte der Unimog gekostet. 26 000 lagen jetzt als Angebot auf dem Tisch. Aber die wichtigste Entdeckung war nicht der Preis gewesen. Es waren vier rostige Halter gewesen, an denen auf einem Auktionshof alle vorbeigelaufen waren, nur Ruht nicht. Und genau deshalb blieb am Ende noch eine Frage.

 Hätten Sie den Unimog für 26 000 Mark verkauft oder hätten Sie ihn nach dieser Geschichte behalten?

 

Disclaimer: This story is fictional and created for entertainment purposes only. Any names, characters, places, or events are fictitious or used fictitiously. No real person or organization is intended to be portrayed.

You Might Also Enjoy