„Sie lachten, als der Junge alte Motorsägen sammelte – Bis sie sein selbstgebautes Sägewerk sahen
Ein Montagmgen im März, kurz nach 7 Uhr. Jost Petersen steht im Schuppen hinterm Kuhstall und hält eine Motorsäge in der Hand, die nicht mehr will. Sie hat 11 Jahre lang Holz auf dem Petersenhof geschnitten, diese Stil seines Vaters, und jetzt zieht er am Anlasser. Einmal, zweimal, zehnmal und der Motor gibt keinen Mucks von sich. Er ist 14.
In seiner Hosentasche liegen 30 Mark. Auf dem Küchentisch liegt eine Liste mit Bäumen, die vor der Frühjahrsaussaht fallen müssen. Und in seinem Kopf liegt genau null Ahnung von Zweitaktmotoren. Sein Vater ist beim Genossenschaftsmarkt in Bartsägeberg. Die Bäume warten nicht. Kennst du das Gefühl, wenn etwas kaputt geht? Genau in dem Moment, wo du es am wenigsten gebrauchen kannst.
Jost kannte es an diesem Morgen ganz genau. Er stand da, die Säge in der Hand und irgendetwas in ihm sagte: “Dreh sie um, mach sie auf, schau nach, was drin ist.” Das war der Moment, in dem alles anfing. Nicht mit einem großen Plan, mit einer kaputten Säge und einem Jungen, der zu stur war, um sie einfach liegen zu lassen.
Aber um zu verstehen, was dann passierte, muss man wissen, wer dieser Junge war. Die Petersens bewirtschafteten ihren Hof bei Bart Segeberg seit 1919. Sein Urgroßvater Hinrich hatte den Schuppen 1936 gebaut, mitten in der schlechten Zeit und er hatte ihn über 40 Jahre lang gefüllt. Nicht mit Schrott, mit Inventar.
Jede kaputte Ecke, jeder klemmende Motor, jedes verbogene Werkzeug landete dort, nicht auf dem Müll. Hinrich hatte einen Satz, den er seinem Sohn beigebracht hatte, und der Sohn hatte ihn an Jost weitergegeben, fast wortgleich: “Schrott ist etwas, dass man nicht mehr reparieren kann. Alles andere ist bloß etwas, dass man noch nicht repariert hat.
” Jost war in diesem Schuppen aufgewachsen wie andere Jungs auf dem Bolzplatz. Er kannte jedes Regal, jeden Geruch, das alte Fett, das Eisen, den süßlichen Rost, der schon seit Jahren dort lag. Seine Mutter sagte, der Junge hätte Maschinenöl statt Blut in den Adern. Sein Vater sagte dazu gar nichts und bei Karl Petersen war Schweigen die höchste Form von Zustimmung.
Also, als die Stiel an diesem Morgen den Geist aufgab, geriet Jost nicht in Panik. Er trug sie zur Werkbank, holte sich das Werkzeug seines Großvaters und fing an, sie auseinanderzunehmen. Drei Stunden später mit gereinigtem Vergaser, neu Dichtungen aus einer Kiste, die sein Großvater 1971 beschriftet hatte und einem Luftfilter, aus dem er ein halbes Wespennest gepult hatte, sprang die Säge beim dritten Zug an.
Jost fällte an diesem Nachmittag neun Bäume. Er erzählte seinem Vater nichts davon. Väter finden es trotzdem immer heraus. Am Abendbrottisch sagte Karl Petersen, ohne von seinem Teller aufzuschauen, vier Worte, gute Arbeit heute Nachmittag. Das war der Anfang. In den Jahren danach sprach sich herum, wie sich solche Dinge in einem kleinen Ort herumsprechen.
Langsam über Männer, die beim Genossenschaftsmarkt miteinander redeten. Mit 16 brachten ihm die Nachbarn kaputte Rasenmeer, Wasserpumpen, einen Generator, der seit Jahren stumm in einer Scheune stand. Jost reparierte die meisten. Die, die er nicht retten konnte, behielt er mit Erlaubnis der Besitzer. Denn eine kaputte Maschine im Schuppen eines Jungen ist mehr wert als eine kaputte Maschine, die im eigenen Schuppen verstaubt.
Als er die Schule verließ, standen in seinem eigenen kleinen Schuppen hinterm Elternhaus 21 Motorsägen in verschiedenen Zerlegungsstadien, ein Dutzend kleiner Motoren, drei tragbare Generatoren. Seine ehemaligen Klassenkameraden redeten über Ausbildungen in Kiel und Hamburg. Jost redete über Holz, denn irgendwann, während er Bäume für den Hof fällte, hatte er angefangen, genauer hinzusehen, was er da schnitt und was daraus werden könnte.
Ein Berhorn, den ein Sturm 1988 umgeworfen hatte, hatte eine Maserung, ein Schimmern in der Schnittfläche, das er noch nie in einem Brett aus dem Baumarkt gesehen hatte. Er schnitt eine Scheibe davon ab und fuhr zur Bücherei nach Neumünster, wo er einen ganzen Nachmittag übertragbare Sägewerke, Holztrocknung und den Markt für Edelholz lass.
Was er dort herausfand, figuriertes Ahhorn, Nussbaum und Kirschholz brachte auf dem Möbelmarkt 12 bis 25 Mark pro Brett. Die Bäume auf den Höfen der Umgebung wurden verheizt oder verrotteten, weil niemand glaubte, dass sich das Sägen lohnte. Ein fertiges tragbares Sägewerk kostete neu zwischen 14 und 20.000 Mark.
So viel hatte Jost nicht, aber ein Sägewerk war im Kern nur eine Bandsäge auf einem Schlitten, angetrieben von einem Motor, geführt von einer Hand. Und Jost hatte 21 Motorsägen und 10 Jahre Werkstatterfahrung. Jetzt hör mir zu, denn hier wird es interessant. Hast du schon mal jemanden ein Problem lösen sehen, das alle anderen für unlösbar erklärt hatten? Nicht, weil er Mittel hatte, die keiner sonst hatte, sondern weil er bereit war, anders hinzuschauen.
Genau das passierte im Sommer 1990 im Schuppen der Petersens und es passierte so leise, dass fast niemand es bemerkte, bis es fertig war. Jost baute ein Sägewerk nicht aus einem Bausatz, sondern aus Winkeleisen vom Schrottthändler in Neumünster, aus Zaunfehlen und altem Rohr für die Schiene und aus zwei Motorsägenmotoren, die im Gleichlauf ein Bandsägeblatt antrieben, das er aus einem Katalog aus Bayern bestellt hatte.
Materialkosten knapp 400 Mark. Fertig im September 1990. Der erste Stamm, den er durch die Säge laufen ließ, war der Berg Ahhorn, der seit zwei Jahren im Schuppen lag. Das Brett, das herauskam, war 75 cm breit, 5 cm dick, mit einer Maserung, bei der Karl Petersen seine Kaffeetasse absetzte, durch den Schuppen ging, das Brett hochhob, es ins Licht drehte und fast eine Minute lang nichts sagte.
Dann fragte er, was Jost damit vorhabe. Verkaufen sagte Jost, für 30 Mark. Karl Petersen sah sich das Brett noch einmal an. Er sagte nur, das war bei ihm ein Standing Ovation. Nun musst du wissen, wer Overw Hartmann war, um zu verstehen, was als nächstes kam. Hartmann leitete den Genossenschaftsmarkt in Bartseberg seit 19 Jahren ein großer Mann mit großer Stimme, der jeden Dienstagmgen am Tresenhof hielt und über Saatgut Preise und Dieselkosten sprach mit der Sicherheit eines Mannes, der seit 20 Jahren in jedem Raum der Klügste war.
Als Just ihm eines Dienstagmorgens ein Nussbaumbrett auf den Tresen legte und erzählte, er habe ein eigenes Sägewerk gebaut, lachte Overhartmann. Das Lachen eines Mannes, der glaubt, er tue dir einen gefallen, indem er dich vor einem Fehler bewahrt. Er sagte, das Kapital fehle für so etwas auf einem Bauernhof.
Er sagte, der Markt brauche Menge und Verlässlichkeit, die ein Einzelner nie liefern könne. Er sagte, Jost sollle lieber eine Lehre machen, etwas Vernünftiges. Jost widersprach nicht. Er legte das Brett so hin, dass die Maserung im Neonlicht aufleuchtete, sagte: “Danke, Herr Hartmann, nahm es wieder auf und ging.
” Er fuhr am selben Nachmittag nach Neumünster und verkaufte das Brett einem Tischler für 35 Mark. In den folgenden Jahren baute Jost sein Sägewerk aus. Er ergänzte eine Trockenkammer, eine Art Gewächshaus, das grünes Holz in sechs bis Wochen trocknete, statt in einem Jahr. Er fragte gezielt bei Nachbarn nach kaputten Motorsägen.
Nicht nur nahm er sie an, er bat aktiv darum. Bis 1993 standen 61 Sägen im Schuppen. Die Leute fanden das eigenartig. Overhartmann sagte beim Dienstagstermin: “Der Petersen Junge sei schon immer ein bisschen speziell gewesen, aber kaputte Sägen zu sammeln sei ja wenigstens harmlos.” Was Hartman nicht verstand, Jost sammelte keine Sägen.
Er baute ein Lager auf. 1993 erweiterte er das Sägewerk mit 18 überholten Motoren, die zusammen eine zweite breitere Anlage antrieben, die Stämme bis zu 1,20 m Durchmesser schneiden konnte. Kostenpunkt 1200 Mark statt der 20.000, die eine neue Maschine gekostet hätte. 1995 hatte Jost einen Zweijahresvertrag mit einer Möbelwerkstatt in Hamburg, die figuriertes Nuss und Ahhornholz zu Spitzenpreisen abnahm.
Sein Umsatz lag bei über 200.000 Mark im Jahr, sein Gewinn bei weit über 100.000. Er war 23, er hatte nie eine Lehre gemacht. Im April desselben Jahres fuhr Over Hartmann unangekündigt zum Petersenhof. Er stellte sich in die Schuppentür und sah zu, wie Jost einen Stamm durch die zweite Säge fuhr. Als die Maschine verstummte, sagte Hartmann: “Ich habe dir gesagt, das würde nicht funktionieren.
” Jos drehte sich um, Sägemehl im Haar, fett an den Armen. Sie sagten: “Das Kapital wäre zu hoch. Meine Investition liegt bei 2000 Mark.” Sie sagten: “Ich könnte nicht genug liefern. Ich habe einen Vertrag mit einer Werkstatt in Hamburg und liefere 4er Tonnen im Monat.” Sie sagten: “Ich vernünftiges lernen.
” “Ich glaube, ich habe etwas vernünftiges gelernt.” Hartmann schwieg lange. Dann sagte er, er sei eigentlich wegen eines Nachbarn gekommen, der einen Nussbaum bestand habe und nicht wisse, was er damit anfangen solle. Er habe ihm gesagt, er kenne niemanden, der so große Stämme ohne Industriesäge verarbeiten könne. Der Nachbar habe von Jost gehört.
Schicken Sie ihn vorbei sagte Jost und wandte sich wieder der Säge zu. Der Nachbar, ein Mann namens Wilan Suer, hatte 43 Nussbäume, die sein Vater 1953 gepflanzt hatte. Ein Holzhändler aus Kiel hatte ihm für den ganzen Bestand 2500 Mark geboten. Jost ging mit ihm durch die Bäume, rechnete auf einem Zettel und kam auf einen Wert von über 60.
000 Mark, wenn man für Maserung statt für Menge sägte. Su glaubte ihm zunächst nicht. Jost erklärte es ruhig, ohne Herablassung. Industriekäuferen auf Ausbeute, nicht auf Charakter. Der Markt für Tischler und Möbelbauer zahlt das drei bis fünfffache für Holz mitgeschichte im Faser. Su unterschrieb noch am selben Nachmittag. Die Endabrechnung anderthalb Jahre später lag bei 51 000 Mark für Su allein.
Er hatte für dieselben Bäume 2500 Mark geboten bekommen. Er erzählte es jedem, der es hören wollte und den Bart Segeberg heißt das jedem. Im Herbst 1996 ging Jost, jetzt 24, wieder zum Genossenschaftsmarkt, zum ersten Mal seit dem Tag mit dem Nussbaumbrett. Er legte einen Zettel auf den Tresen. Darauf stand eine Tabelle, zwölf Höfe in der Umgebung, das Holz, das über sein Sägewerk verkauft worden war, verglichen mit dem, was ein Industriekäufer gezahlt hätte.
Die Differenz, die im Ort geblieben war, statt nach Kiel oder Hamburg zu wandern, über 300.000 Mark. Er sagte nichts weiter dazu. Er sagte nur, ich habe Kapazität für vier weitere Höfe dieses Jahr. Donnerstagnachmittags bin ich zu erreichen. Dann ging er. Overhartmann sagte leise, zu niemandem bestimmt, ich hätte früher rausfahren sollen.
Alle vier Plätze waren binnen einer Woche vergeben. In den Jahren danach wuchs das Unternehmen weiter. Jost stellte vier Männer aus der Umgebung ein, baute eine dritte noch größere Säge, teils angetrieben von einem gebrauchten Industriemotor, den er für 200 Mark bei einer Betriebsauflösung erstanden hatte, statt der 4000, die er neu gekostet hätte.
Die Sägensammlung wuchs auf über 200 Stück, sauber katalogisiert auf einer Liste, die inzwischen so dick war wie ein Telefonbuch. Karl Petersen bewirtschaftete den Hof bis 2001. Dann übernahm ein Nachbar das Land in Pacht. Er starb 2008 im Haus, in dem er geboren war. Der Nachruf im Sägeberger Kurier erwähnte das Sägewerk mit keinem Wort.
Karl hätte das auch nicht erwartet. Er hätte gesagt, ein Mann tut seine Arbeit und die Arbeit spricht für sich oder sie tut es nicht. So oder so, der Mann geht und die Arbeit bleibt. Der Schuppen, den Urgroßvater Hinrich 1936 gebaut hatte, steht heute noch nicht als Museum, sondern als Werkstatt. Denn ein Schuppen, den niemand benutzt, ist nur ein Gebäude und ein Gebäude, das niemand benutzt, fällt irgendwann zusammen.
Die alte Werkbank ist noch da. Die Teilekiste, die der Großvater 1971 beschriftet hat, ist noch da in seiner Handschrift ergänzt inzwischen um Josts eigene. 2009 kam seine Tochter Merle, 16 Jahre alt, mit einem Notizbuch in den Schuppen. Sie hatte über Solartrocknung gelesen und ausgerechnet, wie man die Trockenzeit um 30% verkürzen könnte, ohne neue Geräte zu kaufen.
Sie hatte die Zahlen dabei. Jost sah sich die Zahlen an. Er dachte an einen Zettel, ein Nussbaumbrett, einen Mann am Tresen, der gelacht hatte. Er sagte: “Bau die Testkammer diesen Sommer.” “Ehrlich?”, fragte sie. “Du hast die Arbeit gemacht.” “Wir machen die Arbeit.” “So läuft das.” “Ove Hartmanns Enkel arbeitet jetzt am Markt”, sagte sie.
“Er meint, Solartrocknung lohnt sich nicht.” Jost sah seine Tochter einen Moment lang an. Dann sagte er ruhig: “Gut, das ist nützlich zu wissen.” Merle baute die Testkammer. Die Trockenzeit sank tatsächlich um 34%. Ihr Notizbuch liegt heute imselben Regal wie der alte Zettel ihres Vaters, direkt neben der Teilekiste ihres Urgroßvaters aus dem Jahr 1971.
Das Sägewerk der Petersens läuft bis heute. Die Sägen hängen noch an der Wand und irgendwo bei Bart Sägeberg liegt in einem alten Schuppen ein Notizbuch neben einem vergilbten Zettel und beide sind voll mit Zahlen, von denen irgendjemand einmal gesagt hat, sie sein es nicht wert, aufgeschrieben zu werden.