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Als der britische Farmer die deutsche Miete belächelte – der Frost bewies, wer recht hatte

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By sonds6
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In einem kleinen Heimatmuseum in der Grafschaft Norfolk England liegt in einer Vitrine eine vergilbte Schwarz-Weißfotografie, an der die meisten Besucher achtlos vorbeigehen. Sie zeigt einen langen Erdwall auf einem Feld, bedeckt mit Stroh und Lehm, im Hintergrund die rauchenden Schornsteine einer Zuckerfabrik.

 Unter dem Bild steht nur ein handschriftlicher Satz in gebrochenem Englisch. So hat es mein Vater mich gelehrt. Niemand im Museum weiß genau, wer diese Worte geschrieben hat oder warum ausgerechnet ein Erdhaufen aus Rüben es wert war, festgehalten zu werden. Die Kuratoren haben das Bild vor Jahren aus dem Nachlass eines alten Landwirts übernommen, zusammen mit Werkzeugen, Fotografien und Papieren, die niemand mehr richtig zuordnen konnte.

 Aber die Geschichte dahinter beginnt fastzig Jahre zuvor in einem kleinen Dorf bei Braunschweig, wo ein Junge lernte, wie man eine Rübenmiete baut, lange bevor ernen konnte, dass dieses Wissen eines Tages das einzige sein würde, was ihm von seinem Vater blieb. Wilhelm Brand wurde 1922 in Schöppenstedt geboren, einem Ort mitten im sogenannten Braunschweiger Zuckerrübenland, wo seit den 1850er Jahren dutzende Zuckerfabriken den Rhythmus des Jahres bestimmten.

 In guten Jahren standen allein im Herzogtum Braunschweig mehr als 40 solcher Fabriken und kaum ein Hof in der Umgebung, der nicht zumindest einen Teil seiner Felder der Rübe widmete. Wilhelms Vater war Zuckerrübenbauer in dritter Generation, ein Mann, der die Erde an ihrem Geruch erkennen konnte und der seinem Sohn schon mit 8 Jahren zeigte, wie man im Herbst die Rüben aus dem Boden holt, ohne die Wurzel zu beschädigen.

 Die Ernte selbst war harte, monotone Arbeit. Woche für Woche gebückt über die Reihen, die Hände rissßig von der kalten Erde. Doch die wichtigste Lektion kam nicht bei der Ernte selbst, sondern danach, wenn die Rüben in langen Reihen aufgeschichtet werden mussten, bevor der erste Frost die Felder hart machte. Jeder kann eine Rübe ausgraben, pflegte der Vater zu sagen, während er seinen Sohn beobachtete.

 Aber nur wenige wissen, wie man sie durch den Winter bringt. Er zeigte Wilhelm, wie man die Miete aufbaut, eine flache Grube, sorgfältig ausgehoben, damit kein Regenwasser sich darin sammeln konnte. die Rüben in einem gleichmäßigen Fürst aufgeschichtet, dann Schicht für Schicht Stroh dazwischen, sorgsam verteilt und niemals zu dünn, und zuletzt eine Deckschicht aus Erde, dick genug, um den Frost draußen zu halten, aber nicht so dick, dass die Rüben unter der Erde erstickten und verrotteten.

 Manchmal an besonders kalten Abenden legte der Vater die flache Hand auf die fertige Miete. wie ein Arzt die Stirn eines Kindes prüft, um zu spüren, ob genug Wärme darin gehalten wurde. Es war eine Arbeit, die Geduld verlangte und ein Gefühl für das Wetter, das man nicht aus Büchern lernen konnte, nur von jemandem, der es einem selbst zeigte.

 In manchen Jahren, wenn die Ernte besonders gut ausfiel, durfte Wilhelm seinen Vater zur Zuckerfabrik in Schöppensteht begleiten, wo die Fuhrwerke stundenlang Schlange standen, um ihre Ladung abzuwiegen. Der süßliche Dampf, der aus den Schornsteinen stieg und das Gewicht der vollen Rübensäcke, gehörten für ihn untrennbar zu jenem Gefühl von Zugehörigkeit, dass er später 1000 Kilometer entfernt in einem fremden Land wiederzufinden versuchte.

 Der Krieg kam trotzdem, wie er in jedes Dorf Deutschlands kam. Wilhelm wurde 1942 im Alter von 20 Jahren eingezogen und diente als einfacher Soldat, nicht als überzeugter Kämpfer, sondern als einer von Millionen, die taten, was von ihnen verlangt wurde, weil ihnen keine andere Wahl blieb. Im Sommer 1944 geriet er in der Normandie in britische Gefangenschaft, nach wochenlangen Kämpfen, von denen er später kaum sprach.

 Er wurde über den Ärmelkanal gebracht, durch mehrere Sammellager in Südengland geschleust, in überfüllten Baracken untergebracht und schließlich im Frühjahr 1946 einem Arbeitslager in der Nähe von Norwich zugeteilt in der ostenglischen Grafschaft Norfolk. Von den ursprünglich mehr als 400.000 Deutschen Kriegsgefangenen, die zu diesem Zeitpunkt noch in Lagern über ganz Großbritannien verteilt waren, wurden die meisten längst nicht mehr bewacht wie Feinde, sondern eingesetzt wie dringend gebrauchte Arbeitskräfte.

 Die Uniform, die man ihm dort gab, war ein umgefärbtes britisches Battle Drress, tiefbraun getönt, mit einem hellen, rautenförmigen Stoffabzeichen auf dem Rücken der Jacke und einem entsprechenden Streifen am Hosenbein, damit man ihn auf Distanz sofort als Kriegsgefangenen erkennen konnte. Zusammen mit gut 20z anderen deutschen Gefangenen wurde er zur Erntearbeit auf die umliegenden Höfe geschickt, jeden Morgen auf einem offenen Lastwagen hinaus aufs Land gefahren und abends wieder eingesammelt.

 1946 leisteten deutsche Kriegsgefangene bereits ein Fünftel der gesamten landwirtschaftlichen Arbeit in Großbritannien. Ein Jahr später waren es schon ein Viertel. Ohne sie, das wusste jeder Farmer in der Gegend, wäre die Ernte gar nicht einzubringen gewesen, so sehr die Männer selbst als Feinde galten.

 Zucker war in jenen Jahren eines der knappsten Güter überhaupt. In Großbritannien noch bis weit in die 1950er Jahre hinein streng rationiert und jede Tonne Rüben, die Verdarbedeutete am Ende weniger Zucker auf den Tellern von Familien in Norwich, London oder Manchester. Was für Whlock nur die Sorge um sein eigenes Jahreseinkommen war, war im größeren Zusammenhang ein Baustein in der Versorgung eines ganzen Landes, das sich von den Entbehrungen des Krieges kaum erholt hatte.

 Das Lager selbst bestand aus einer Reihe von Nissenhütten, halbrunden Wellblechbaracken, die im Winter kaum wärmer waren als die Felder draußen. Die Gefangenen schliefen auf einfachen Feldbetten, aßen aus Blechnäpfen und durften sich, solange sie sich an die Regeln hielten, mit erstaunlicher Freiheit zwischen Lager und Höfen bewegen.

 Manche Bewacher behandelten sie kaum anders als bezahlte Landarbeiter, andere ließen sie ihre Herkunft bei jeder Gelegenheit spüren. Wilhelm gehörte zu jenen, die früh gelernt hatten, den Kopf gesenkt zu halten und die Arbeit sprechen zu lassen, in der Hoffnung, dass sie ihn schneller nach Hause bringen würde als jedes Wort.

 Wilhelm wurde einem Hof zugeteilt, der einem Mann namens George Whlock gehörte, gut zwei Meilen von Cantley entfernt, jenem Ort, in dem seit den 1920er Jahren eine der größten Zuckerfabriken Englands stand, direkt am Fluss Jahre gelegen mit Eisenbahnanschluss für den Abtransport des raffinierten Zuckers in die Städte. Die Fabrik war für die gesamte Region das Zentrum, auf das jede Ernte am Ende zulief.

 ein Ort mit hohem Schornstein, aus dem im Herbst über Wochen hinweg Dampf und der süßliche Geruch von gekochten Rüben über die Felder zog. Whlock war ein hagerer Mann Mitte 50, der seinen Hof allein bewirtschaftete, seit sein einziger Sohn im Krieg gefallen war, irgendwo in Nordafrika, wie man Wilhelm später erzählte. Er sprach wenig und wenn er sprach, dann mit einer Kälte, die keinen Zweifel daran ließ, was er von den Deutschen hielt, die man ihm zur Arbeit zugewiesen hatte.

 Für ihn waren sie Hände, keine Menschen und schon gar keine Landwirte mit eigenem Wissen. Als Wilhelm bei der ersten gemeinsamen Rübenernte vorsichtig andeutete, dass er selbst von einem Bauernhof stamme, lachte Whlock nur kurz auf. Ihr Deutschen habt uns nichts beizubringen”, sagte er, ohne von seiner Arbeit aufzusehen, und damit war das Thema für ihn erledigt.

 Ein Nachbar, der gelegentlich vorbeikam, um Werkzeug zu leihen, erzählte Wilhelm später, “Whtlock sei vor dem Krieg ein anderer Mann gewesen, gesprächiger sogar für einen Scherz zu haben, wenn sein Sohn Thomas auf dem Hof half. Seit die Nachricht aus Nordafrika gekommen war, habe er kaum noch ein überflüssiges Wort gesprochen.

 Mit niemandem, schon gar nicht mit den Männern, die dieselbe Uniform trugen wie jene, gegen die sein Sohn gekämpft hatte. Die Wochen vergingen mit der eigentlichen Ernte, die auf Whlocks Feldern gut lief. Die Rüben waren schwer und gesund, und die Männer arbeiteten von früh bis spät, gebückt über die Reihen, um sie rechtzeitig aus dem Boden zu holen, bevor der Boden zu hart für die Gabeln wurde.

 Doch als es an die Lagerung ging, bemerkte Wilhelm sofort, dass etwas nicht stimmte. Whlock ließ die Mieten bauen, wie es hier offenbar üblich war. Die Rüben in Reihen aufgeschichtet, mit einer dünnen Schicht Stroh oben auf, mehr zum Schutz vor Regen als vor Kälte und darüber kaum eine Handbreiterde. Es sah ordentlich aus, geradezu englisch akkurat in seiner geraden Reihe entlang des Feldrandes.

 Aber Wilhelm erkannte den Fehler auf den ersten Blick, denn es war genau der Fehler, vor dem sein Vater ihn gewarnt hatte. Zu wenig Isolierung. Bei einem milden Winter würde es vielleicht gut gehen, aber sollte ein harter plötzlicher Frost kommen, bevor genug Erde und Stroh die Rüben schützten, würde die Kälte bis in den Kern der Miete vordringen.

 Die äußeren Rüben würden erfrieren, dann faulen, sobald es wieder auftaute, und die Vollnis würde sich unaufhaltsam nach innen fressen, bis die ganze Miete verloren war. Wilhelm versuchte es anzusprechen, so vorsichtig er konnte. Er zeigte auf die dünne Deckschicht und sagte auf seinem gebrochenen Englisch, daß man bei starkem Frost mehr Stroh brauche, vielleicht noch eine zweite Erdschicht, besonders an den Rändern, wo der Wind am stärksten angriff.

 Whlock hörte kaum hin. Wir machen das hier seit 50 Jahren so, erwiderte er, ohne aufzublicken, und ging weiter zur nächsten Miete, als hätte er nichts gehört. Einer der anderen Gefangenen, ein älterer Mann aus Hamburg, der schon seit zwei Jahren auf englischen Höfen arbeitete, riet Wilhelm später, den Mund zu halten.

 “Was interessiert es dich, ob seine Rüben verfaulen?”, sagte er beim Abendessen in der Baracke. “Wir bekommen unser Essen so oder so, ganz gleich, was aus seiner Ernte wird. Aber für Wilhelm war es nicht bloß die Sorge um eine fremde Ernte. Es war das Gefühl, etwas mit anzusehen, dass sein Vater niemals zugelassen hätte.

 Ein Wissen, das verloren zu gehen, drohte, nur weil niemand bereit war, hinzuhören. Also begann Wilhelm, ohne es jemandem zu sagen, abends nach der eigentlichen Arbeit noch einmal zu einer der Mieten zurückzukehren, jener, die am weitesten vom Hof entfernt am Feldrand lag und die Whlock am seltensten kontrollierte. In der Dämmerung mit bloßen Händen und einer gelierenen Mistgabel verstärkte er dort Schicht für Schicht die Isolierung.

Mehr Stroh zwischen den Rüben, eine zusätzliche Lage über der vorhandenen Erddecke, sorgfältig verdichtet, damit kein Riss den Frost hereinließ. Er arbeitete leise, oft im letzten Licht des Tages und musste aufhören, sobald es zu dunkel wurde, um am nächsten Abend weiterzumachen. Es war die gleiche Bewegung, die er als Kind an der Seite seines Vaters gelernt hatte.

 dieselben Handgriffe, dasselbe Abklopfen der Erdschicht, um zu prüfen, ob sie fest genug saß. In den kalten englischen Abenden weit weg von zu Hause fühlte er sich dabei zum ersten Mal seit Jahren wieder wie ein Bauer und nicht wie ein Gefangener. Der Winter 1946 auf 1947 sollte als einer der härtesten des Jahrhunderts in Erinnerung bleiben.

 Mit Rekordkälte und Schneemassen, die weite Teile Großbritanniens tagelang lah legten, Straßen unpassierbar machten und selbst die Temse streckenweise gefrieren ließen. Doch der erste Vorbote kam schon früher, Ende November, als ein plötzlicher ungewöhnlich starker Frost über Norfolk hereinbrach, noch bevor die Bauern der Region ihre Wintervorbereitungen abgeschlossen hatten.

 Über Nacht sank die Temperatur so tief, dass selbst die älteren Landarbeiter überrascht waren und am Morgen kopfschüttelnd über den harten Boden liefen. Der Atem stand ihnen als Wolke vor dem Gesicht und auf den Feldern lag ein weißer gefrorener Belag, der in der schwachen Wintersonne kaum schmelzen wollte. Als Whlock zusammen mit Wilhelm und den anderen Gefangenen die Mieten inspizierte, wurde schnell klar, wie ernst die Lage war.

 An mehreren Stellen war die dünne Deckschicht regelrecht durchgefroren, hart wie eine Steinplatte. Als man vorsichtig eine Handvoll Erde beiseite schob, kam eine graue glasige Kruste zum Vorschein und darunter Rüben, die beim Anfassen bereits weich und matschig waren, mit einem säuerlichen Geruch, der sich in der kalten Luft schnell verbreitete.

 Der Frost war bis in den Kern vorgedrungen. In den folgenden Tagen, als es wieder etwas milder wurde, setzte genau das ein, wovor Wilhelm gewarnt hatte. Vollnis, die sich unaufhaltsam von den erfrorenen Außenrändern nach innen frß, Miete für Miete. Ein Bote aus der Zuckerfabrik in Cantley, der die bevorstehende Lieferung ankündigen sollte, musste stattdessen einen Großteil der Ladung als unbrauchbar zurückweisen, mit dem knappen Hinweis, dass verfaulte Rüben den gesamten Kochprozess in der Fabrik verunreinigen könnten.

 Für Whlock, dessen Einkommen für das Jahr an dieser Lieferung hing, war es ein Schlag, den er kaum verbergen konnte. Er stand lange Schweigen zwischen den aufgebrochenen, stinkenden Mieten, die Hände in den Taschen seines Mantels vergraben. Nur eine Miete blieb unversehrt, jene am Feldrand, die Wilhelm in den Abendstunden verstärkt hatte.

 Als die Männer sie öffneten, kamen darunter feste, kühle, unbeschädigte Rüben zum Vorschein, so als hätte der Frost sie gar nicht erst erreicht. Whlock stand eine Weile stumm davor, betrachtete die deutlich dickere Stroh- und Erdschicht, die selbst einem ungeübten Auge auffiel, sobald man genau hinsah, und drehte sich schließlich zu Wilhelm um.

 “Das war deine Arbeit”, sagte er. Es war keine Frage, sondern eine Feststellung. Wilhelm nickte nur, unsicher, ob ihm nun Ärger oder etwas anderes bevorstand. “Warum hast du es nicht einfach gemacht, wie ich es dir gesagt habe?”, fragte Whlock. Und in seiner Stimme lag zum ersten Mal keine Verachtung, sondern echte Verwirrung.

 Wilhelm überlegte lange, bevor er antwortete, suchte nach den richtigen englischen Worten für etwas, das er selbst kaum in eigener Sprache in Worte gefasst hatte. Dann erzählte er langsam und in seinem unvollkommen Englisch, von seinem Vater, von den Feldern bei Schöppenstedt, von den Herbstabenden, an denen sie gemeinsam die Mieten bauten, von der Hand, die geprüft hatte, ob genug Wärme im Inneren gehalten wurde.

 Und er erzählte auch, was er bisher niemandem auf diesem Hof gesagt hatte, dass sein Vater 1943 als Soldat an die Ostfront geschickt worden war, ganz gegen seinen Willen, viel zu alt für den Fronteinsatz und dort noch im selben Winter gefallen war. Es gab kein Grab, das Wilhelm je besuchen konnte, keinen Brief, der zurückgekommen war, nur die knappe Nachricht eines Vorgesetzten und später gar nichts mehr.

 Kein Datum, kein Ort, an dem man hätte trauern können. Die Art, wie man eine Rübenmiete baut, sagte Wilhelm, sei das einzige, was ihm von seinem Vater geblieben sei. Das einzige Wissen, das noch existierte, wenn schon nichts anderes mehr übrig war. Es sei keine Technik gewesen, die er habe beweisen wollen.

 Es sei die einzige Art gewesen, wie er seinen Vater noch bei sich haben konnte in einem fremden Land, auf einem fremden Feld, weit weg von jedem Grab. Whlock sagte an diesem Abend nichts mehr dazu. Er nickte nur langsam und ging zurück zum Hof, ohne sich noch einmal umzudrehen. Aber von da an änderte sich etwas auf dem Hof. Er begann Wilhelm zu fragen, bevor er Entscheidungen traf.

 nicht nur bei den Mieten, sondern auch bei der Aussah im folgenden Frühjahr, bei der Wahl der Felder, sogar beim Ausbessern eines undichten Stalldachs. Er ließ ihn die übrigen Mieten des Hofes nach seiner Methode verstärken, noch bevor der nächste Frost kam, Reihe für Reihe, mit doppelter Strohschicht und einer Erddecke, die Wilhelm selbst mit der flachen Hand prüfte, genau wie sein Vater es einst getan hatte.

 Im darauffolgenden Winter, als erneut strenge Kälte über Norfolk hereinbrach, diesmal mit noch mehr Schnee als im Jahr zuvor, war keine einzige Rübe auf Whlocks Hof verloren, während auf Nachbarhöfen wieder Mieten aufbrachen. Als Wilhelm 1948 schließlich nach Deutschland entlassen wurde, gab ihm Whlock zum Abschied etwas, das er selbst nie für möglich gehalten hätte, einen festen Händedruck und die Worte, dass er auf jedem Hof in England willkommen wäre, den er selbst führe, und dass er Whlock seinem eigenen Sohn nichts anderes gewünscht hätte, als

so zu arbeiten, wie Wilhelm es getan hatte. Von den anderen Gefangenen im Lager wurde Wilhelm in jenem Winter mit einer Mischung aus Respekt und Kopfschütteln betrachtet. Der ältere Mann aus Hamburg, der ihm einst geraten hatte, den Mund zu halten, klopfte ihm schließlich auf die Schulter und meinte nur, er habe noch nie erlebt, dass ein Engländer sich vor einem deutschen Gefangenen entschuldige, auch wenn Whlock es nie mit diesen Worten getan hatte.

 Für die Männer im Lager wurde die Geschichte von der geretteten Miete schnell zu einer kleinen Legende, weiter erzählt an windigen Abenden, wenn es sonst wenig gab, worüber man lachen oder staunen konnte. Manche behaupteten später sogar, Whlock habe Wilhelm eigenhändig eine zusätzliche Ration Brot zugesteckt, was dieser selbst nie bestätigte, aber auch nie abstritt.

 Was aus Wilhelm Brand nach seiner Rückkehr nach Schöppen steht wurde, ist nicht mehr genau überliefert. Doch die Methode, die er auf Whhtlocks Hof rettete, blieb dort erhalten. Noch Jahrzehnte später, so erzählen es alte Bewohner der Gegend um Cantley, sprachen Landarbeiter von der deutschen Miete. wenn sie die zusätzliche Schicht Stroh und Erde meinten, die man bei strengem Frost auftragen sollte, lange nachdem moderne Küh die alten Erdwelle überflüssig gemacht hatten.

 Und irgendwann, niemand weiß genau wann, klebte jemand eine Fotografie dieser Miete in ein Album mit einem einzigen handschriftlichen Satz darunter, den ein Museum in Norfolk Jahrzehnte später in eine Vitrine legte, ohne die ganze Geschichte dahinter zu kennen, so hat es mein Vater mich gelehrt. Ein Satz, der zwei Väter meinte, zwei Länder und ein Wissen, das den Krieg überlebte, obwohl fast alles andere verloren gegangen war.

Die Kuratoren des Museums wissen bis heute nicht, wessen Handschrift auf dem Foto steht. ob es Wilhelms eigene war oder die eines der Whlock Nachfahren, die den Hof später übernahmen. Vielleicht ist gerade das der eigentliche Kern der Geschichte, dass es am Ende keine Rolle mehr spielt, wer von beiden den Satz geschrieben hat, denn beide meinten damit dasselbe. Да.

 

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