Es ist ein Gefühl, das sich längst tief in den Alltag der meisten Menschen in Europa hineingefressen hat: Die ständige, nagende Sorge vor dem nächsten Blick auf die Tankrechnung, dem nächsten Brief des Stromanbieters oder der nahenden Nebenkostenabrechnung. Trotz der massiven Energiekrise, die durch geopolitische Konflikte und globale Verwerfungen ausgelöst wurde, scheint sich die Lage nicht zu entspannen. Im Gegenteil. Für Millionen von Autofahrern, Pendlern, Familien und Unternehmen – kurzum: für alle Menschen, die auf verlässliche und bezahlbare Energie angewiesen sind – wird das Leben in der Europäischen Union zunehmend zu einem finanziellen Drahtseilakt. Doch wer glaubt, wir hätten den Höhepunkt dieser Belastungen bereits erreicht, der irrt sich gewaltig. Was sich derzeit in den politischen Hinterzimmern und auf den Schreibtischen der EU-Kommission zusammenbraut, ist ein Maßnahmenpaket, das unseren Alltag, unsere Mobilität und unseren Wohlstand in den kommenden Monaten und Jahren auf eine beispiellose Zerreißprobe stellen wird.

Wir stehen vor einem gewaltigen Einschwung neuer Regulierungen, die das alltägliche Leben für weite Teile der Bevölkerung schlichtweg unfinanzierbar machen könnten. Es sind nicht nur die Nachwehen vergangener Krisen, die uns belasten, sondern es ist ein toxischer Cocktail aus mehreren, politisch gewollten Faktoren, die nun zeitgleich aufeinandertreffen. Mitten in einer Zeit, in der die Bürger unter historischer Inflation und Kaufkraftverlust ächzen, hat die Europäische Union beschlossen, die Daumenschrauben weiter anzuziehen. Der Plan: Die Verwendung von Mineralöl, also von Benzin und Diesel, soll durch noch drastischere Besteuerung bestraft werden. Das erklärte Ziel dieser Politik ist es, die Menschen mit finanzieller Gewalt in die Elektromobilität zu drängen, indem klassische Verbrenner künstlich und massiv verteuert werden.

Diese Strategie gleicht einer offenen Kampfansage an die arbeitende Mitte der Gesellschaft. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen strebt eine noch schnellere Unabhängigkeit von fossilen Energien an. In den offiziellen Papieren aus Brüssel liest sich das wie ein Heilsversprechen: Eine rasche Modernisierung von Windparks, der Ausbau von erneuerbaren Energien und Offshore-Anlagen sollen die dringend benötigte Entlastung bringen. Doch die Realität sieht völlig anders aus. Um diese Visionen zu finanzieren, sollen Stromtarife zwar perspektivisch geringer besteuert werden als fossile Brennstoffe, doch im Umkehrschluss bedeutet das nichts anderes als: Wer sich kein teures E-Auto leisten kann und auf seinen bewährten Verbrenner angewiesen ist, wird zur Kasse gebeten, um die Subventionen für die Elektromobilität querzufinanzieren. Eine gigantische Umverteilung von unten nach oben, mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten.

Man muss sich diese politische Absurdität auf der Zunge zergehen lassen. Wir befinden uns in einer akuten Notlage. Unser Energiemix ist alarmierend wenig diversifiziert. Wir haben in den vergangenen Jahren verlässliche Kraftwerke abgeschaltet oder sogar gesprengt, wir haben den Import von billigem russischem Gas gestoppt – und genau in diesem Moment maximaler Verwundbarkeit überzieht man den Kontinent mit noch schärferen Klimaauflagen. Ökonomische Vernunft würde gebieten, in einer solchen Situation pragmatisch zu handeln. Die einzige logische Lösung, um die Wirtschaft vor dem totalen Kollaps zu bewahren und den Bürgern wieder Luft zum Atmen zu geben, wäre eine massive und sofortige Absenkung der Mineralölsteuer. Gleichzeitig müssten die CO2-Steuern und sämtliche klimapolitischen Sonderabgaben umgehend ausgesetzt werden. Ein Moratorium für all diese Belastungen wäre das Gebot der Stunde. Stattdessen erleben wir genau das Gegenteil.

Anstatt auf den globalen Märkten pragmatisch nach neuen, günstigen Energiequellen zu suchen und das Angebot zu vergrößern, werden in der Politik Debatten über sogenannte “Übergewinnsteuern” geführt. Das sendet ein verheerendes Signal an alle Energieunternehmen weltweit: “Investiert nicht in Deutschland, baut keine neuen Kapazitäten in der EU aus. Eure Investitionen sind hier nicht sicher, wir wollen euch eigentlich gar nicht.” Dieses Klima der unternehmerischen Feindseligkeit hat bereits in der jüngeren Vergangenheit dazu geführt, dass große Mineralölkonzerne Investitionen in Europa gestrichen haben. Die bürokratischen Hürden und die ständige Gefahr neuer regulatorischer Eingriffe machen den Standort EU schlichtweg unattraktiv. Und die Konsequenzen dieses massiven Kapitalabflusses baden die Verbraucher an der Zapfsäule und bei der Heizkostenabrechnung aus.

Grüner Deal: Ursula von der Leyen versucht zu retten, was zu retten ist -  Politik - SZ.de

Zu diesem hausgemachten Desaster gesellen sich weitere Hiobsbotschaften. Die CO2-Bepreisung, die unsere Energie ohnehin schon künstlich verteuert, wird in den kommenden Jahren noch einmal massiv anziehen. Zwar gab es kürzlich die vermeintlich beruhigende Nachricht, dass die nächste große Eskalationsstufe des Emissionshandels nicht wie geplant 2027, sondern erst 2028 greifen soll. Doch dieser kleine Aufschub ist ein Trostpflaster auf einer klaffenden Wunde. Wenn das System dann greift, wird es mit umso größerer, unerbittlicher Härte zuschlagen. Der Preis pro emittierter Tonne CO2 wird in ungeahnte Höhen schnellen, was Benzin, Diesel, Heizöl und Gas noch einmal drastisch verteuern wird. Es ist eine unausweichliche Preisspirale, die gesetzlich bereits verankert ist.

Doch der eigentliche Hammer, der den Kontinent in eine beispiellose Krise stürzen könnte, wartet im Jahr 2027. Dann greift nicht nur der dauerhafte und endgültige Stopp aller Gaseinfuhren aus Russland – auch jener, die aktuell noch über Umwege, das sogenannte LNG-Gas oder Schattenflotten aus nordafrikanischen Ländern verschleiert zu uns gelangen. Wenn diese Hintertüren geschlossen werden, steigt unsere Abhängigkeit von wenigen anderen Lieferanten extrem an, was automatisch die Preise in die Höhe treibt.

Was jedoch kaum jemand weiß und was das Potenzial hat, unsere Energieversorgung komplett zu sprengen, sind die neuen EU-Auflagen zur sogenannten Methanreduktion. Ab 2027 dürfen Erdgas und Kohle nur noch aus solchen Staaten in die EU importiert werden, deren Dokumentationsverfahren über den Methanausstoß den strengen, verpflichtenden EU-Standards entsprechen. Was auf dem Papier nach noblem Umweltschutz klingt, entpuppt sich in der Praxis als absoluter Albtraum für die Versorgungssicherheit.

Der internationale Verband der Öl- und Gasproduzenten hat in einer kürzlich veröffentlichten Studie unmissverständlich Alarm geschlagen. Die Zahlen sind regelrecht verheerend: Gerade einmal 7 Prozent der weltweiten Öl- und Gasproduktion würden nach aktuellem Stand diese neuen Anforderungen der Europäischen Union erfüllen. Lassen Sie sich das auf der Zunge zergehen: 93 Prozent der weltweiten Energiequellen wären für den europäischen Markt gesetzlich tabu. Kein einziger Förderstaat der Welt pflegt aktuell Standards, die von den Brüsseler Bürokraten in vollem Umfang anerkannt werden könnten. Das bedeutet, wir würden uns ab 2027 freiwillig von fast dem gesamten Weltmarkt abschneiden.

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Die naive Hoffnung, dass sich Länder wie Katar, die USA oder andere Großproduzenten beeilen werden, ihre gesamten nationalen Fördersysteme umzubauen, nur um es der EU recht zu machen, ist ein gefährlicher Trugschluss. Diese Länder haben genügend andere hungrige Märkte in Asien und dem Rest der Welt, die bereit sind, jeden Preis zu zahlen – ganz ohne moralische oder bürokratische Belehrungen. Die bittere Konsequenz für Europa wird sein, dass wir uns um die verbleibenden 7 Prozent der weltweiten Förderung streiten müssen. Die Preise, die wir dafür zahlen werden, übersteigen jegliche heutige Vorstellungskraft.

Was wir aktuell erleben – hohe Preise an den Tankstellen, vereinzelt knappe Kontingente bei Kerosin oder Heizöl – ist nur das leise Vorspiel zu einem historischen Energie- und Rohstoffschock. Wir sprechen hier nicht von einer normalen konjunkturellen Delle, sondern von Verwerfungen, wie sie der Kontinent seit über hundert Jahren nicht gesehen hat. Wenn es nicht umgehend ein vollständiges Umsteuern gibt, eine radikale Abkehr von diesen ideologisch getriebenen, realitätsfernen politischen Entscheidungen, werden wir Zustände erleben, die uns an dystopische Filme wie “Mad Max” erinnern könnten. Ein harter Kampf um die grundlegendsten Ressourcen. Es ist allerhöchste Zeit, aufzuwachen, die ideologischen Scheuklappen abzulegen und Politik wieder für die Menschen und die Realität zu machen – bevor der Alltag in Europa endgültig zu einem unbezahlbaren Luxus wird.