Hinter der Fassade von Felicita: Al Bano bricht sein Schweigen über das bittere Ehe-Aus mit Romina Power T
Hinter der Fassade von Felicita: Al Bano bricht sein Schweigen über das bittere Ehe-Aus mit Romina Power
Wenn in den Achtzigerjahren irgendwo in Europa das Radio eingeschaltet wurde, dauerte es selten lange, bis die unverkennbaren Klänge eines Songs durch die Lautsprecher hallten: „Felicità“. Die Melodie war leicht, fast beschwingt, getragen von einer kraftvollen Tenorstimme und dem strahlenden Lächeln einer Frau, deren Sanftmut das Publikum verzauberte. Für Millionen Menschen waren Al Bano Carrisi und Romina Power nicht bloß ein weiteres erfolgreiches Schlager- und Popduo des italienischen Showgeschäfts. Sie verkörperten ein Versprechen. Sie waren das Sinnbild einer perfekten, unverbrüchlichen Liebe – zweier Seelen, die aus völlig gegensätzlichen Welten zueinander gefunden hatten, eine Bilderbuchfamilie gründeten und auf den großen Bühnen der Welt von nichts anderem sangen als vom reinen, ungetrübten Glück.
Doch hinter der glanzvollen Kulisse aus Rampenlicht, Platin-Schallplatten und Familienseligkeit sah die Wirklichkeit ganz anders aus. Fast drei Jahrzehnte lang hielten sie die Illusion aufrecht, bis ein bis heute ungelöstes Drama das Fundament ihrer Existenz erschütterte. Neue, bemerkenswert offene Aussagen des mittlerweile 83-jährigen Sängers lassen die legendäre Beziehung in einem völlig neuen Licht erscheinen. Seine Schilderungen widersprechen der weitverbreiteten Erzählung, nach der erst eine unaussprechliche Familientragödie ihre Ehe zerrissen habe. Die bittere Wahrheit ist vielschichtiger, schmerzhafter und wirft ein Schlaglicht auf das seelische Zerwürfnis zweier Menschen, die heute auf sehr unterschiedliche Weise auf ihre gemeinsame Vergangenheit blicken.

Zwei Welten prallen aufeinander: Der Beginn eines Märchens
Um die Tiefe des späteren Bruchs zu verstehen, muss man an den Anfang einer Liebesgeschichte zurückkehren, die wie das Drehbuch eines klassischen Hollywoodfilms anmutete. Auf der einen Seite stand Albano Carrisi, geboren im Mai 1943 im süditalienischen Cellino San Marco. Er stammte aus einer einfachen Bauernfamilie, wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf und lernte von klein auf, was körperliche Entbehrung und harte Feldarbeit bedeuteten. Doch der Junge besaß ein außergewöhnliches Geschenk: ein explosives, gefühlvolles Stimmvolumen, das nicht auf den Feldern Pugliens verkümmern sollte. Als Jugendlicher zog er mittellos nach Mailand, schlug sich als Kellner durch und kämpfte unermüdlich um jede Chance in den Plattenstudios, bis ihm 1967 mit der Ballade „Nel sole“ der nationale Durchbruch gelang.
Auf der anderen Seite stand Romina Power. Als Tochter der Leinwand-Legende Tyrone Power und der Schauspielerin Linda Christian war ihr die Welt der Reichen, Schönen und Privilegierten in die Wiege gelegt worden. Sie war umgeben von Jetset, Blitzlichtgewitter und Glamour aufgewachsen. Als sich die beiden am Filmset des gleichnamigen Musikfilms zu „Nel sole“ kennenlernten, prallten zwei Welten aufeinander, die kaum gegensätzlicher hätten sein können: der bodenständige, fleißige Arbeiterjunge aus dem ländlichen Süden und das weltgewandte Blumenkind der internationalen Film-Aristokratie.
Trotz aller Vorbehalte, insbesondere seitens Rominas Mutter, setzte sich die Zuneigung der beiden durch. Am 26. Juli 1970 schlossen sie in Cellino San Marco den Bund fürs Leben. Im selben Jahr erblickte ihre erste Tochter Ylenia das Licht der Welt. Später folgten der Sohn Yari sowie die Töchter Cristèl und Romina Junior. Aus der Ehe erwuchs schrittweise eine beispiellose musikalische Partnerschaft. Nach einem fulminanten zweiten Platz beim renommierten Sanremo-Festival 1982 mit „Felicità“ und dem triumphalen Sieg zwei Jahre später mit „Ci sarà“ stiegen sie endgültig in den Pop-Olymp auf. Das Publikum glaubte fest daran, dass die besungene Harmonie auch daheim hinter den Mauern ihres Landguts in Apulien den Alltag bestimmte.
Die Risse im Paradies: Ein schleichender Zerfall vor dem großen Sturm
Doch eine Ehe besteht nicht nur aus Siegesfeiern und Applaus. Während die Öffentlichkeit das Paar auf Tourneen feierte, wuchs der Druck, den Ansprüchen des Erfolgs und einer wachsenden Familie gleichermaßen gerecht zu werden. Erst viele Jahre später räumte Al Bano ein, dass die ersten ernsten Schwierigkeiten keineswegs erst in den Neunzigerjahren ihren Anfang nahmen. Bereits gegen Ende der Achtzigerjahre, auf dem absoluten Zenit ihres Erfolges, begannen sich unübersehbare Risse in der Beziehung aufzutun.
Die Ursachen dieses schleichenden Entfremdungsprozesses waren vielfältig. Unterschiedliche Lebensphilosophien, die Prägungen aus den konträren Herkunftsmilieus und die kaum zu bewältigende Vermischung von Beruf und Privatleben forderten ihren Tribut. Wer Tag und Nacht gemeinsam arbeitet, auf Reisen ist und zugleich vor den Kameras ein makelloses Liebespaar mimen muss, verliert nicht selten den Raum für echte Intimität und offene Auseinandersetzungen. Dennoch hielten die beiden stand, bewahrten Stillschweigen über das wachsende emotionale Vakuum und funktionierten weiter als das perfekte Duo, das Millionen Fans weltweit erwarteten.
Der Januartag 1994: Das Verschwinden von Ylenia
Dann brach der Januar des Jahres 1994 an – ein Wendepunkt, der das Leben der Familie Carrisi für immer verändern sollte. Ihre älteste Tochter Ylenia, damals 22 Jahre alt, war voller Tatendrang und auf der Suche nach ihrem eigenen Weg in die Vereinigten Staaten gereist. Als Kind zweier Superstars im ständigen Fokus der Medien aufgewachsen, sehnte sie sich nach Unabhängigkeit, nach literarischer Entfaltung und einem Leben fernab vorgezeichneter Pfade.
Ihre Reise führte sie nach New Orleans im Bundesstaat Louisiana. Sie stieg im LeDale Hotel im historischen French Quarter ab. Doch plötzlich brach jeglicher Kontakt zu ihren Eltern ab. Was folgte, war ein Albtraum, vor dem sich jede Familie fürchtet: Tagelang blieb das Telefon stumm, keine Nachricht erreichte Apulien. Die italienische und die amerikanische Polizei leiteten großangelegte Untersuchungen ein. Ein älterer Straßenmusiker, den Ylenia kurz zuvor kennengelernt hatte, geriet ins Visier der Ermittler, doch eine Beteiligung an ihrem Verschwinden konnte ihm nicht nachgewiesen werden.
Wenig später tauchte eine Zeugenaussage auf, die die Familie mitten ins Herz traf: Ein Wachmann am Ufer des Mississippi berichtete, er habe am Abend des 6. Januar eine junge Frau gesehen, deren Beschreibung auf Ylenia passte. Sie habe am Flussufer gesessen und sei schließlich mit den Worten, sie gehöre dem Wasser, in die eisigen, reißenden Fluten des Stroms gesprungen. Taucher suchten das Gewässer tagelang ab, doch eine Leiche wurde nie geborgen.
Bis heute bleibt die zentrale Frage unbeantwortet: Kam Ylenia damals im Fluss ums Leben, oder tauchte sie freiwillig unter, um ein neues, unentdecktes Leben zu beginnen? Für Al Bano und Romina begann eine Phase unerträglicher Marter. Al Bano flog persönlich in die Südstaatenmetropole, durchkämmte die Straßen, sprach mit Zeugen und Behörden, während Romina zu Hause an jedem noch so vagen Hoffnungsschimmer festhielt. Jede gemeldete Sichtung, jeder anonyme Hinweis ließ die Hoffnung aufflackern, nur um kurz darauf in neuer Verzweiflung zu enden.
Zwei Wege der Trauer: Wenn Schmerz entzweit
Inmitten dieses Schocks zeigte sich bald, wie unterschiedlich Menschen mit dem Unfassbaren umgehen. Für Al Bano verdichteten sich mit der Zeit die Indizien. Die Zeugenaussage des Wachmanns, die Strömungsverhältnisse des Flusses und das Ausbleiben jeglicher Lebenszeichen führten ihn zu der schmerzhaften, aber für ihn unabwendbaren Erkenntnis, dass seine Tochter in jener Nacht ertrunken war. Diese Akzeptanz der Realität war sein Versuch, einen Abschluss zu finden und den Rest der Familie vor dem emotionalen Verfall zu bewahren.
Romina Power hingegen konnte und wollte diese Version niemals akzeptieren. Für eine Mutter, so ihr unerschütterlicher Standpunkt, stirbt ein Kind erst dann, wenn es unumstößliche Beweise dafür gibt. Solange kein Grab existiert und kein Leichnam gefunden wurde, lebte Ylenia in ihren Gedanken weiter. Romina klammerte sich an die Überzeugung, ihre Tochter sei noch irgendwo am Leben, vielleicht festgehalten oder untergetaucht.
Diese diametral entgegengesetzten Haltungen verwandelten das gemeinsame Leid in eine unüberbrückbare Kluft. Anstatt einander in der dunkelsten Stunde Halt zu geben, trieb die Ungewissheit das Paar immer weiter auseinander. Ein Schmerz, der nicht geteilt werden kann, isoliert. Im Jahr 1999, fünf Jahre nach dem Verschwinden ihrer Erstgeborenen, gaben Al Bano und Romina Power offiziell ihre Trennung bekannt. Nach fast dreißig gemeinsamen Jahren war das Traumpaar Geschichte.

Rechtliche Klarheit gegen mütterliche Hoffnung
Die rechtliche Dimension dieses Familiendramas fand ihren Höhepunkt im Dezember 2014. Auf Antrag von Al Bano erklärte ein italienisches Gericht in Brindisi Ylenia Carrisi offiziell für tot. Zwanzig Jahre nach ihrem Verschwinden war dieser Schritt rein juristisch die Feststellung eines Status quo, um erbrechtliche und verwaltungstechnische Fragen zu klären.
Für Al Bano bedeutete dieser Gerichtsentscheid das Setzen eines schmerzhaften, aber notwendigen Schlusspunkts unter eine zwei Jahrzehnte währende Schwebe. Für Romina hingegen glich das Urteil einem Verrat an der Hoffnung. Öffentlich kritisierte sie die Entscheidung und betonte wiederholt, dass kein Richterspruch der Welt ihre mütterliche Intuition auslöschen könne. Der Fall verdeutlichte, wie tief die Gräben zwischen den einstigen Ehepartnern selbst nach Jahrzehnten geblieben waren: Hier stand das rationale Streben nach rechtlichem Abschluss gegen das emotionale Festhalten an einem ungelösten Rätsel.
Der Schlagabtausch: Vorwürfe und Tränen vor laufender Kamera
Dass die alten Wunden keineswegs verheilt sind, demonstrierte ein aufsehenerregender Schlagabtausch, der die italienische Öffentlichkeit erschütterte. In einem emotionalen Fernsehinterview blickte Romina Power auf die Wochen und Monate nach Ylenias Verschwinden zurück. Dabei erhob sie schwere Vorwürfe gegen ihren ehemaligen Ehemann: Sie habe sich in jener Phase völlig im Stich gelassen gefühlt und nicht die seelische Zuwendung und Unterstützung erfahren, die sie so dringend gebraucht hätte.
Diese Anschuldigungen trafen Al Bano zutiefst. In der beliebten Talkshow „Domenica In“ trat der Sänger vor die Kameras, um den Vorwürfen entschieden entgegenzutreten. Sichtlich mitgenommen und unter Tränen schilderte er seine eigene Perspektive jener Tage. Er erinnerte daran, wie er selbst in New Orleans vor Ort jeden Winkel abgesucht hatte, getrieben von Verzweiflung und väterlicher Pflicht. Dass ihm nun Gefühllosigkeit oder mangelnder Beistand unterstellt wurde, empfand er als ungerechte Verdrehung der Tatsachen. Das Publikum sah einen gebrochenen Mann, der noch immer mit den Geistern der Vergangenheit rang.
Die Enthüllung: Das wahre Datum des Scheiterns
Im Herbst desselben Jahres folgte dann die Enthüllung, die das gesamte Narrativ der Carrisi-Power-Ehe endgültig auf den Kopf stellte. In einem vielbeachteten Interview mit dem italienischen Magazin „Oggi“ räumte Al Bano mit dem jahrzehntealten Mythos auf, das Verschwinden Ylenias sei der alleinige Grund für das Scheitern ihrer Ehe gewesen.
Mit bemerkenswerter Klarheit erklärte der Künstler, dass die Beziehung zu Romina Power in Wahrheit schon rund zwei Jahre vor jenem verhängnisvollen Januar 1994 innerlich erloschen war. Das bedeutet: Bereits 1992, als sie noch für Gala-Abende gebucht wurden und als Inbegriff italienischer Romantik galten, war das gemeinsame Fundament längst zerbrochen. Das Verschwinden ihrer Tochter traf somit keine intakte, stabile Partnerschaft mehr, sondern eine Ehe, die sich bereits in einem Zustand schwerer Zerrüttung befand. Die unerträgliche Tragödie war nicht der Auslöser des Endes, sondern der finale, vernichtende Schlag gegen ein ohnehin brüchiges Gebilde.
Getrennte Wege und ein überraschendes Wiedersehen
Nach der offiziellen Trennung mussten sich beide völlig neu erfinden. Romina Power zog sich weitgehend aus dem Popzirkus zurück, widmete sich der Malerei, schrieb Bücher und suchte auf spirituellen Wegen nach innerem Frieden. Al Bano setzte seine Karriere als Solokünstler fort und fand schließlich in der TV-Moderatorin Loredana Lecciso eine neue Lebensgefährtin. Aus dieser Verbindung gingen zwei weitere Kinder hervor: Jasmine und Albano Junior. Doch die Schatten seiner ersten Ehe und die ständigen Vergleiche der italienischen Boulevardpresse begleiteten ihn auf Schritt und Tritt.
Umso größer war die weltweite Sensation, als im Oktober 2013 das Unmögliche geschah: Al Bano und Romina Power betraten in Moskau zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder gemeinsam eine Konzertbühne. Als die ersten Takte ihrer alten Hymnen erklangen, schien es für viele treue Anhänger für einen kurzen Moment so, als sei die Zeit stehengeblieben. Die nostalgische Wiedervereinigung führte zu weiteren gefeierten Tourneen, unter anderem auch durch Deutschland.
Doch die Hoffnung vieler Romantiker auf ein privates Liebes-Comeback erfüllte sich nicht. Die gemeinsame Bühnenpräsenz war ein reines, professionelles Arrangement – ein würdevoller Pakt mit der eigenen Musikgeschichte. Die Narben der Vergangenheit, die unterschiedliche Bewertung des Schicksals ihrer Tochter und die bitteren Erfahrungen des Scheiterns ließen sich nicht einfach wegsingen.
Ein Vermächtnis zwischen Glanz und Schmerz
Die Geschichte von Al Bano und Romina Power bleibt eine der faszinierendsten und zugleich traurigsten Chroniken der europäischen Unterhaltungsbranche. Sie erzählt vom kometenhaften Aufstieg zweier Menschen, die scheinbar alles besaßen, was man sich erträumen kann: Weltruhm, Reichtum, Talent und eine große Familie. Und sie erinnert mit schonungsloser Härte daran, dass das Schicksal keine Rücksicht auf Ruhm und Erfolg nimmt.
Wenn heute „Felicità“ erklingt, schwingt für diejenigen, die die Hintergründe kennen, immer eine bittersüße Note mit. Es ist die Erinnerung an eine Epoche, in der Millionen Menschen an ein Märchen glaubten, während hinter den Kulissen das Leben in seiner ganzen Härte zuschlug. Dass Al Bano nun im hohen Alter die letzten Schleier lüftet, nimmt der Musik vielleicht die naive Leichtigkeit von einst, verleiht ihrer Geschichte jedoch etwas ungleich Wertvolleres: die ungeschminkte, zutiefst menschliche Wahrheit.