Diese Geschichte lässt einen erschaudern: der Fall Kalinka Bamberski T
Diese Geschichte lässt einen erschaudern: der Fall Kalinka Bamberski

Wie misst man die Tiefe menschlicher Geduld, wenn das Gesetz zu einer Tauben Mauer wird und internationale Grenzen zu einem undurchdringlichen Schutzschild für jemanden, der etwas Unumkehrbares getan hat? Diese Geschichte handelt nicht bloß von einem Verbrechen, sondern vom großen Kampf eines Einzelnen gegen die gewaltige Staatsmaschinerie zweier europäischer Länder.
Stell dir eine wohlhabende, sonnenüberflutete Kurstadt vor, das leise Pletschern eines Sees und den markellosen Ruf eines Mannes, dessen Wort mehr wiegt als jedes Beweisstück. Als ein junges Leben ganz am Anfang endet, nennen die amtlichen Papiere es voreilig einen tragischen Zufall. Das System beeilt sich, die Akte zu schließen, ohne unnötige Fragen zu stellen.
Für alle anderen ist damit alles vorbei, nur nicht für einen Menschen. Für ihn wurde dieser Tag zum Beginn eines 30-jährigen Kreuzzugs. Schritt für Schritt entziffert er medizinische Aufzeichnungen, überwindet die Gleichgültigkeit der Ermittler und stößt auf eine schroffe Ablehnung der Auslieferung. So wird ein gewöhnlicher Vater zu einem geschickten Ermittler und Strategen.
Er begreift, daß gegen ihn nicht nur ein kaltblütiger Raubtiertyp im weißen Kittel spielt, sondern auch der Buchstabe des Gesetzes selbst, der ironischerweise das Ungeheuer schützt. Als alle legalen Wege erschöpft sind und die europäische Justiz ihre Ohnmacht eingesteht, muss dieser Mann eine Entscheidung treffen, sich mit der Blindheit der Welt abfinden oder selbst eine Grenze überschreiten, um die Gerechtigkeit im Kofferraum eines Autos herbeizuschaffen.
Andrej Bamberski wurde 1937 in Frankreich geboren. Seine Familie stammte aus Polen und war katholisch. Sie hatte ihre Heimat Anfang der Jahre verlassen. Viele Jahre lebte Andrej bei seinen Großeltern in einer polnischen Region. Das galt auch noch im September 1939, als die Deutschen in das Land einfielen. So sah das Kind mit eigenen Augen Hunger und Blut vergießen.
Mein Name ist Lukas Falkner. Sie sehen den Kanal Fokusfall. Danke, dass Sie meinen Content schauen. Ich freue mich über Ihr Abo und Like. Viel Spaß beim Zuschauen. Erst im Jahr 1945 konnte er sich dank des internationalen Roten Kreuzes wieder mit seinen Eltern vereinen. Trotz der schweren Kindheit in den Kriegsjahren gab Andrej nicht auf, ging aufs College und erhielt eine Ausbildung.
Danach kam der junge Mann nach Marokko, wo er eine junge Frau namens Danielle kennenlernte. Damals war er. Seine neue Bekannte war zwei Jahre älter. Die beiden fühlten sich sofort zueinander hingezogen. Es begann eine Beziehung. Bald darauf heirateten sie. Der nächste Lebensabschnitt war die Geburt einer Tochter, die sie Kalinka nannten.
Sie kam am 5. August 1967 in Marokko zur Welt. Danach bekamen die jungen Eltern einen Sohn, den sie Nikolas nannten. Die Europäer, die zum Arbeiten nach Afrika gekommen waren, lebten in Marokko in einem eigens abgetrennten Viertel. Jeder hatte dort sein eigenes Haus. In einem davon, unweit des Ehepaars Bamberski, wohnte Dieter Krombach.
Wie Andrej hatte auch er schon als Kind die Schrecken des Krieges erlebt. Der Junge wurde 1935 in Dresden geboren und war der Sohn eines Offiziers, weshalb seine Kindheit und Jugend in sehr strenger Atmosphäre verliefen. Mit 9 Jahren erlebte er einen Bombenangriff, bei dem 30.000 Zivilisten ums Leben kamen. Trotz all dieser Entbehrungen wuchs er heran und studierte in Deutschland.
Später wurde er Arzt und praktizierte im Bereich der Kardiologie. Als Dieter Andrej und dessen Frau in Marokko kennenlernte, war er Witwa. Seine erste Frau Monika war im Alter von 24 Jahren gestorben. In der Todesbescheinigung stand, sie habe einen Schlaganfall erlitten. Vor ihrem Tod hatte sie noch zwei Kindern das Leben geschenkt.
Diese reisten gemeinsam mit dem Vater nach Marokko. Die Jugendlichen gingen auf dieselbe Schule wie die Tochter und der Sohn der Familie Bamberski. So lernten sich die Nachbarn kennen. Dieter arbeitete als Arzt im deutschen Konsulat in Marokko. Er pflegte freundschaftliche Beziehungen zur Familie Bomberski und stand regelmäßig mit ihr in Kontakt.
Im Jahr 1974 waren die Probleme in Andre Ehe nicht mehr zu übersehen. Als die ersten Risse auftraten, fielen ihm seltsame Dinge im Verhalten seiner Frau auf. Plötzlich begann sie Deutsch zu lernen. Sie besaß Schallplatten mit deutschen Musikern, obwohl sie sich zuvor nie für diese Kultur und dieses Land interessiert hatte. Die Zweifel wuchsen.
Mit der Zeit beschloss Andrej seine Frau direkt nach ihrer Untreue zu fragen. Sie war ehrlich zu ihm und gestand, dass sie seit langer Zeit eine Affäre mit Dieter hatte. Trotz des Betrugs wollte ihr Mann die Ehe der Kinderwegen nicht zerstören. Für sie beschloss er seiner Frau zu verzeihen, die Familie zu erhalten und das Leben von Grund auf zu ändern.
Andrej kündigte seine Stelle. Sie verließen Marokko und kehrten nach Frankreich zurück, wo sie sich mit der Familie in einem kleinen Vorort niederließen. Hier lebte das Paar etwa ein Jahr. Danielle suchte eifrig Arbeit. Schließlich erklärte sie, sie habe eine Stelle als Immobilienmaklerin in Nizza gefunden.
Die neue Arbeit hatte einen ungewöhnlichen Rhythmus. Sie mußte jeweils eine Woche in Nizza wohnen. Danach hatte sie eine Woche frei und war zu Hause. Das weckte bei Andrej sofort Verdacht, doch er wollte Danielle nicht aufhalten. Er wollte ihr die Möglichkeit geben, zu arbeiten und sich zu verwirklichen.
Die Zweifel an ihrer Treue wurden nur stärker. Seine Frau wich jedem Gespräch über das Thema aus und versuchte über die Arbeit gar nicht zu sprechen. Wenn sie es doch tat, klangen ihre Geschichten widersprüchlich. Ihr Verhalten wirkte fragwürdig. Deshalb beschloss Andrej ihr bis nach Nizza zu folgen.
So fand er heraus, dass sie ein Doppelleben führte und statt zu arbeiten, die Ehefrau eines ziemlich bekannten Arztes spielte. Eine Woche lang lebte sie in Nizza als dessen Frau. Dann kehrte sie für eine Woche zu Andrej zurück. Als die Frau nach einer weiteren Woche in Nitz zurückkam, reichte ihr Mann sofort die Scheidung ein.
Daniel zog nach Bayern und heiratete ihren Liebhaber. Es war Dr. Dieter Krombach. Im Jahr 1977 wurde sie Dieters dritte Ehefrau. Damals war Kalinka 13 Jahre alt und ihr Bruder 11. Ihr leiblicher Vater wollte das Sorgerecht nicht verlieren. Er hatte seine Tochter und seinen Sohn immer sehr geliebt, besonders das Mädchen, und verbrachte gern Zeit mit ihnen.
Außerdem wollte Andrej, nun ohne Ehefrau, nach Marokko zurückkehren. Er hätte die Kinder mitnehmen können, doch die Mutter wollte das nicht zulassen und wandte sich an einen Anwalt. Im Scheidungsverfahren konnten sich die früheren Eheleute einigen. Die Kinder lebten fortan in Lindau in Deutschland. Dieser Ort wurde zum zweiten Zuhause für Andrees Kinder.
Sie wohnten abwechselnd bei der Mutter und beim Vater. Dieter Krombach war hier ein wohlhabender, angesehener und bekannter Arzt. Er übernahm die Versorgung seiner neuen Frau und ihrer Kinder, die nicht einmal Deutsch sprachen und deshalb verständlicherweise Schwierigkeiten hatten. Der Kontakt zum leiblichen Vater riss nicht ab.
Beide Kinder liebten Andrej sehr und besuchten ihn gern in Frankreich, wenn er aus Marokko zurückkehrte. Am 10. Juli 1982 wollte Andrej seine Kinder für die Sommerferien abholen. Für Kalinka war das ein langersehntes, freudiges Ereignis. Der Juli davor war ein gewöhnlicher Tag. Das Mädchen kam gegen 17 Uhr vom Strand zu seiner Mutter und seinem Stiefvater zurück. Kalka klagte über Unwohlsein.
Die Familie aß um 19:30 Uhr zu Abend. Um 22 Uhr trank das Mädchen ein Glas Wasser. Sie las in ihrem Zimmer bis Mitternacht, als der Stiefvater sie bat, schlafen zu gehen. Gegen 10 Uhr morgens am 10. Juli wurden die Rettungsdienste in das Haus von Dr. Kombach gerufen. Als die Sanitäter eintrafen, fanden sie die 14jährige Kalinkka ohne Lebenszeichen vor.
Sofort fiel ihnen auf, dass bei dem Kind ein Katheter für Injektionen gelegt war. Dr. Krombach erklärte, er habe das Mädchen bewussttlos gefunden und Hilfe gerufen. Er habe ihr die Injektion gegeben, da er praktizierender Arzt sei und versuchen wollte, sie vor dem Eintreffen der Retter wiederzubeleben. Doch das alles klang seltsam. Nach dem Grad der Leichenstarre war Kalinker etwa zehn Stunden vor dem Besuch des Arztes im Haus gestorben.
Für alle war offensichtlich, dass Injektionen sie nicht mehr retten konnten. Ein erfahrener Kardiologe konnte das nicht übersehen. Ihm musste klar sein, dass das eines Katheters sinnlos war. Die Umstände und das Verhalten von Dr. Krombach wirkten fragwürdig. Etwas später, am selben Tag rief die Frau ihren früheren Mann an und berichtete ihm vom Tod der Tochter.
Er traute seinen Ohren nicht, denn am Tag zuvor hatte er noch mit Kalka gesprochen. Sie war gesund gewesen und hatte sich über nichts beklagt. Es war unbegreiflich, was mit ihr hatte geschehen können. Zum Zeitpunkt der Beerdigung verbreiteten sich beunruhigende Gerüchte. Kalinka könne nicht einfach so gestorben sein.
Angeblich war eine Spritze Schuld, die ihr der Stiefvater gegeben hatte. Andrej machte sich Sorgen wegen dieser Gerüchte und wollte das Ergebnis der Obduktion erhalten, um alles aufzuklären. Die gerichtsmedizinische Untersuchung war jedoch in Deutschland durchgeführt worden und so begannen die Schwierigkeiten.
Die Zusendung des Berichts dauerte mehrere Monate. Der Mann bekam ein Dokument, das vollständig auf Deutsch verfasst war, einer Sprache, die er nicht beherrschte. Er mußte einen Übersetzer suchen und für die Übersetzung bezahlen, nur um zu verstehen, zu welchem Schluss der Gerichtsmediziner gekommen war. Doch das Ergebnis irritierte ihn.
Darin stand, das Mädchen sei eines natürlichen Todes gestorben. Kalinker sei an Erbrochenem erstickt. In ihrer Speiseröhre habe man Reste des Abendessens gefunden, dass sie vor ihrem Tod gegessen hatte. Zugleich wurden im Intimbereich des Mädchens Verletzungen festgestellt. Die toxikologische Untersuchung ergab, dass sich im Blut eine nicht näher bestimmte Substanz auf Eisenbasis befand.
Andrej irritierte außerdem, dass bei der Obduktion neben zwei Gerichtsmedizinern auch Kalinkas Stiefvater Dieter anwesend gewesen war. Er selbst und Kalinkas Mutter verbreiteten die Version, das Mädchen sei an einem Sonnenstich gestorben, weil es den ganzen Tag am Strand verbracht hatte. All das klang völlig unglaubwürdig und deshalb beschloss Andrej der Sache auf den Grund zu gehen.
Er richtete seine Aufmerksamkeit auf Dieter, der nicht einmal bestritt, Kalinkka mehrere Spritzen gegeben zu haben. Auch das klang zweifelhaft. Der Vater wußte genau, daß sie keinerlei Injektionen brauchte. Das Mädchen war nicht krank. Es waren ihr auch keine Medikamente zur Stärkung der Gesundheit verschrieben worden.
Nach Ansicht des Vaters hatte Dieter Krombach Kalinka eine Spritze gegeben, durch die sie in einen Zustand der Halbwusstlosigkeit geriet. Unter der Wirkung des Mittels konnte bei ihr Erbrechen einsetzen und das Mädchen erstickte schlicht an unverdauter Nahrung. Er war überzeugt, dass die Injektion gegeben wurde, um sich unbemerkt an ihr zu vergehen.
Doch es lief nicht wie geplant. Zunächst versuchte der Vater über seine frühere Frau Gerechtigkeit zu erreichen. Er versuchte zu ihrringen, doch die Frau weigerte sich strickt, die Möglichkeit anzunehmen, dass ihr neuer Mann etwas mit dem Tod der Tochter zu tun haben könnte. Als ihre Geduld am Ende war, platzte sie heraus: “Kalka sei gestorben, weil ihre Zeit gekommen war.
” Die Mutter des Mädchens glaubte Dieter bedingungslos. Sie weigerte sich für Gerechtigkeit zu kämpfen. Doch Andres Verdacht wurde nur bestärkt. Er kannte Mediziner und Chemiker, Menschen, die in Gesundheitswesen arbeiteten. Allen, denen er das Gutachten des deutschen Gerichtsmediziners zeigte, kamen zu dem Schluss, dass ein solcher Tod viel zu verdächtig war und keinesfalls als natürlich gelten konnte.
Nach Meinung der Fachleute wollten die Verfasser des Berichts offenbar etwas verbergen. Der Mann fand keine Ruhe. Andrej hielt ständig Kontakt zur Staatsanwaltschaft in Deutschland. Seine Beharlichkeit führte dazu, dass zusätzliche Gutachten angeordnet wurden. Von Februar bis März 1983 wurden zahlreiche weitere Untersuchungen durchgeführt, darunter auch die Untersuchung des Gewebes der Verstorbenen.
Das Gutachten eines Gerichtsmediziners aus München zeigte, dass dem Mädchen ein Medikament auf Eisenbasis gespritzt worden war. Vermutlich handelte es sich um ein Mittel gegen Blutarmut, an der Kalinker übrigens gar nicht litt. Dr. Kombach behauptete, er habe solche Injektionen manchmal gegeben, weil das Mädchen selbst ihn darum gebeten habe.
Doch das klang nicht überzeugend. Wozu sollte die 14-jährige Kalinkka Blutarmut mit Spritzen behandeln? Er erklärte, das Mittelhabe ihr in kleinen Dosen geholfen, am Strand besser braun zu werden. Nach Ansicht des unabhängigen Gerichtsmediziners rief das im Blut der Toten gefundenen Medikament Übelkeit, Fieber und Erbrechen hervor.
In manchen Fällen konnte eine solche Spritze Atem versagen und sogar einen Herzstillstand auslösen. Da in Kalinkas Lunge und Speiseröhre Reste ihres Abendessens gefunden wurden, kam der Gerichtsmediziner zu dem Schluss, dass sie am Erbrochenen erstickt war. Die Ursache war nicht natürlich. All das bestätigte den Verdacht gegen Dieter.
Andrej war überzeugt, dass er Gerechtigkeit für seine Tochter erreichen würde. Erneut setzte er die Staatsanwaltschaft in Deutschland unter Druck. Der Mann beschuldigte Dieter der Lüge. Nicht ohne Grund habe er seiner Tochter ein Mittel gespritzt. Die Verletzungen im Intimbereich des Mädchens konnten auf das wahre Motiv hindeuten.
Dieter wollte sich an dem Mädchen vergehen und benutzte das Präparat, weil es sie in einen bewusstlosen Zustand versetzte und so eine Bestrafung vermeiden ließ. Vermutlich hatte er das schon viele Male zuvor getan. Doch diesmal lief nicht alles nach Plan und Kalka starb an einer Überdosis oder an einer unvorhersehbaren Reaktion des Körpers.
Trotz mittelbarer Bestätigungen dieser Vermutungen zeigte die deutsche Staatsanwaltschaft wenig Interesse an Ermittlungen. Tatsächlich verlor man an dem Fall schnell das Interesse. Dieter Kombach lebte einfach weiter mit seiner Frau und deren Sohn. Er stritt alles ab. Einen großen Anteil daran hatten die Anwälte des angesehenen Arztes.
Sie behaupteten, die Verletzungen im Intimbereich könnten beim Transport des Leichnahens entstanden sein. Natürlich klang das unglaubwürdig. Solche Ausreden ließ Andrej nicht gelten. Der Mann konnte nicht zur Ruhe kommen, solange er keine Gerechtigkeit erlangt hatte und wollte deshalb nicht aufgeben. Die deutschen Strafverfolgungsbehörden blieben schlicht, untätig.
Da reiste André im Oktober 1983 nach Deutschland, druckte 5000 Flugblätter und verteilte sie persönlich, um die Öffentlichkeit auf den Fall aufmerksam zu machen. Auf jedem Flugblatt stand: “Dieter Krombach sei ein Mörder, der seine Tochter missbraucht habe, bevor sie starb.” Dieter erfuhr davon und wandte sich an die Polizei.
Für sein Vorgehen wurde Andrej festgenommen. Man wies ihn nach Frankreich aus. Ihm drohten bis zu zwei Jahre Haft wegen Verläumdung des Arztes und Störung der öffentlichen Ordnung. Andrej räumte seine Schuld ein und kam mit einer Geldstrafe davon. Nun wurde die Aufklärung des verdächtigen Todes seiner Tochter noch schwieriger, denn Andrej erhielt ein Einreiseverbot für Deutschland für die folgenden 5 Jahre.
Da beschloss er, sich an deutsche Journalisten zu wenden. Im Jahr 1985 stand der Vater Kalinkas mit gleich mehreren Reportern in Kontakt. Andrej war empört darüber, dass die Medien nicht einmal über Kalinkas Tod berichteten. Es gelang ihm, einen Journalisten zu überzeugen, einen Bericht über den Tod des Mädchens zu machen.
Dieser nahm Kontakt zu Kalinkas Mutter auf, doch sie weigerte sich mit ihn zu sprechen und ein Interview zu geben. Danach meldete sich Dr. Kombach bei diesem Journalisten und beschrieb Andrej Bamberki als verrückten Menschen, der die Realität nicht akzeptieren könne und ihn deshalb verfolge. Die Wahrheit sei laut Dieter, dass das Mädchen eines natürlichen Todes gestorben sei und niemand Schuld daran trage.
Das zu belegen fiel ihm nicht schwer. Auf Dieters Seite standen die offiziellen Dokumente. Andrej erlitt erneut einen Rückschlag und der Journalist lehnte es ab, sich mit dem Fall zu befassen. Dann wandte sich Andrej an das medizinische Institut, in dem das Gewebe und die Blutproben seiner Tochter aufbewahrt wurden.
Es gelang ihm, dass all diese Materialien nach Frankreich geschickt wurden. Doch beim Transport ging unter recht rätselhaften Umständen das Röhrchen mit Kalinkas Blut verloren. Dadurch ließ sich die Substanz, die dem Körper des Mädchens zugeführt worden war, nicht mehr genau bestimmen. Die Analyse der Gewebeproben und der Fallakten führte jedoch dazu, dass die Gerichtsmediziner aus Frankreich ihre eigene Version des Geschehens vorlegten.
Offiziell kamen sie zu dem Schluss, dass das Mädchen an Erbrochenem erstickt war, das in die Atemwege gelangt war. Schon dessen vorhanden sein, deutete auf ein tiefes Koma hin, in das sie keineswegs aus natürlichen Gründen geraten war. Nach der Auswertung der zeitlichen Abläufe wurde dem Mädchen die Injektion am Abend gegeben, etwa 10 bis 12 Stunden vor dem Notruf.
Als Dr. Kombach Kalinkka fand, war sie schon lange tot. Seine Aussage, er habe versucht, das Kind wiederzubeleben und deshalb eine Spritze gegeben, stand im Widerspruch zum Zustand des Körpers und zum Zeitpunkt, zu dem er entdeckt wurde. Es war offensichtlich, dass ein erfahrener Kardiologe solche Fehler nicht machen konnte und deshalb absichtlich log, um etwas weitaus finsteres zu verbergen.
Beweise gegen Dieter Kombach gab es dennoch weiterhin nicht. Es gab nur Vermutungen und Mutmaßungen. Die deutschen Strafverfolgungsbehörden blieben weiter untätig und ignorierten alle Versuche von Andrej, Gerechtigkeit zu erlangen. Sein Interesse an dem Fall wuchs jedoch immer stärker. So fand er heraus, daß in demselben Bezirk, in dem Dr.
Kombach wohnte, noch mehrere andere minderjährige Patientinnen von ihm lebten. Zwei Schülerinnen im Alter von 14 und 15 Jahren gaben an, der Arzt habe ihnen Spritzen gegen Blutarmut gegeben. Weder vorher noch nachher war bei ihnen jedoch diese Krankheit festbestellt worden. Lange Zeit nahmen sie das einfach hin, bis etwas Merkwürdiges geschah.
Beide beschrieben einen Besuch bei Dieter, nachdem sie in seiner Praxis auf der Liege aufwachten und sich nicht erinnern konnten, wie sie dort hingekommen waren. Der einzige Grund, warum die Mädchen nicht zur Polizei gingen, war die Stellung von Dr. Kombach. Sie ahnten zwar, daß der Arzt ihnen etwas Schlimmes angetan hatte, während sie bewusstlos waren, doch sie glaubten nicht, dassß die Polizei ihren Worten Beachtung schenken würde und erstatteten deshalb keine Anzeige.
Nachdem der Generalstaatsanwalt Frankreich die Zeugenaussagen und alle Ermittlungsdaten zusammengetragen hatte, erhob er gegen Dr. Krombach Anklage wegen vorsätzlicher Tötung. Im Fall einer Verurteilung drohten ihm bis zu dreig Jahre Freiheitsentzug. Doch selbst angesichts derart schwerer Vorwürfe lehnte Deutschland es strickt ab, den Mann auszuliefern, damit ihm in Frankreich der Prozess gemacht werden konnte.

Im Jahr 1989 ließ sich Kalinkas Mutter von Dieter scheiden. Dabei beharte sie weiterhin darauf, dass er mit dem Tod ihrer Tochter nichts zu tun habe. Danach folgten für den Mann noch mehrere Ehen. Er führte sein gewohntes Leben weiter, zumindest bis zum Jahr 1997. Am 11. Februar 1997 kam die 16-jährige Laura Stelly in die Klinik von Dr.
Krombach, weil bei ihr eine endoskopische Untersuchung durchgeführt werden sollte. Der Mann erklärte, er werde allein mit ihr arbeiten und alle Helfer gingen fort. Er gab ihr eine Spritze, von der das Mädchen das Bewusstsein verlor. Allerdings nur für kurze Zeit. Als sie wieder zu sich kam, begriff sie, dass der Arzt ihr Gewalt antat.
Sie war dabei völlig gelähmt und konnte nicht einmal schreien. Laura verstand, dass ihr Zustand mit der Spritze zusammenhing, die der Arzt ihr gegeben hatte. Sie schaffte es sich zu beherrschen und so zu tun, als würde sie schlafen. Als Dieter fertig war, weckte er die Patientin und half seinem nächsten Opfer die Klinik zu verlassen.
Offenbar ahnte er nicht, dass sie etwas verstanden hatte und ihn bei der Polizei anzeigen könnte. Doch zu Hause angekommen, erzählte Laura ihren Eltern sofort von dem Schrecken, den sie erlebt hatte. Zuerst brachte man sie ins Krankenhaus und ließ sie untersuchen. Im Blut des Mädchens fand man einen fremden Stoff.
Außerdem wurde nachgewiesen, dass sie kurz vor ihrer Ankunft in der Klinik Opfer sexueller Gewalt geworden war. Die Familie wandte sich an die Polizei. Nach Erhebung der Vorwürfe trat Dieter Kombach im Fernsehen auf, um die Verläumdung zu widerlegen. Er beschuldigte Laura, die zur Behandlung gekommen war, sie habe ihn selbst verführt und es sei einvernehmlich zu Intimität zwischen ihnen gekommen.
Nun versuche das Mädchen ihn in ein schlechtes Licht zu rücken. Dieter war überheblich und spöttisch. Er erwähnte sogar Kalinka und erklärte, alle Verdächtigungen gegen ihn seien unbegründet und die Verjährungsfrist für diese Vorwürfe sei abgelaufen. In Deutschland könne ihm nichts anhaben und französischen Boden werde er ohnehin nie betreten.
Trotz seiner Überheblichkeit wurde Dr. Krombach die Zulassung entzogen. Gegen den Mann wurde Anklage wegen sexueller Gewalt gegen eine Patientin erhoben. Das war ein schwerwiegender Vorwurf. Er wurde zu zwei Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Dieter kam im Jahr 1999 frei und verschwand danach von allen Bildschirmen.
Als Arzt durfte er offiziell nicht mehr arbeiten und löste sich in Deutschland einfach in Luft auf. Doch Andrej konnte keine Ruhe finden. Er wollte den Mörder seiner Tochter immer noch bestraft sehen und dachte nicht daran aufzugeben. Ab dem Jahr 1999 gab auch Andrej Bamberski seine Arbeit auf. Er beschlooss, um jeden Preis Gerechtigkeit zu erreichen.
Der Mann hoffte weiterhin, dass die Polizei Dieter bei einer seiner Reisen nach Österreich oder in die Schweiz festnehmen würde, wohin er oft fuhr und ihn nach Frankreich ausliefern würde. Doch alles war vergeblich. Dieter Kombach schien sich in Luft aufgelöst zu haben. Da stellte Kalinkas Vater Detektive ein, die herausfanden, wo sich der Verdächtige versteckte.
Er blieb jedoch nie lange an einem Ort. Da Dieter offiziell wegen eines Falls verurteilt worden war, der dem Vorfall mit Kalka ähnelte, aber nicht tödlich endete, wollte Andrej seine Auslieferung nach Frankreich erreichen. Im Jahr 2000 wurde Dieter sogar inhaftiert, doch nach drei Wochen ließ man ihn einfach wieder frei.
Das System stellte sich erneut auf die Seite des zweifelhaften Arztes. Im Jahr 2001 hob der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Verurteilung des Arztes sogar auf. Er begründete das damit, daß das frühere Gericht gegen Verfahrensnormen verstoßen habe, weil der Angeklagte selbst bei den Verhandlungen nicht anwesend gewesen sei.
So wurde Andrees gesamte Arbeit um Jahre zurückgeworfen. Ebenfalls im Jahr 2001 startete Andrej eine Internetseite mit dem Namen Gerechtigkeit für Kalinkka. Er begann Spenden zu sammeln und die Geschichte vom Tod seiner Tochter in der ganzen Welt bekannt zu machen. Das Ziel war dasselbe wie zuvor. Festnahme, Auslieferung und ein Prozess gegen Dr.
Krombach. Dem Täter gelang es jedoch erneut zu fliehen. Im Jahr 2006 erhielt in der Stadt Rodental eine Bibliothekarin namens Petra Stefan den Anruf eines Mannes. Er teilte ihr mit, ihr behandelnd Arzt sei gewechselt worden und sie müsse nun in eine Klinik kommen, um Behandlungen durchführen zu lassen. Petra war sehr neugierig und begann alles zu überprüfen.
Sie sah ein Foto ihres neuen behandelnden Arztes und fand bald heraus, dass es Dieter Kombach war, der nicht einmal eine Zulassung zur Erbringung medizinischer Leistungen besaß. Die Frau las außerdem, dass er mit dem Tod von Kalinka Bamberski in Verbindung gebracht wurde und dass der Vater des Mädchens seit Jahrzehnten vergeblich einen gerechten Prozess gegen ihn zu erreichen versuchte.
Dieter wurde festgenommen und wegen unerlaubter Tätigkeit angeklagt, aber bald wieder freigelassen. Jedenfalls gelang es Andrej wertvolle Informationen zu sammeln. Er fand heraus, dass sich der Verdächtige jeweils ein halbes Jahr in der einen, dann in der anderen Stadt versteckte und sich dort illegal als Arzt zur Vertretung des Stammpersonals anstellen ließ.
Die Informationen über den Doktor verbreiteten sich mit neuer Kraft in der Öffentlichkeit. Viele Mädchen, meisterjährig, wandten sich an die Strafverfolgungsbehörden und berichteten, dass sie von diesem Mann missbraucht worden waren. Die Geschichten gichen sich wie ein all dem anderen.
Er gab eine Spritze, die Mädchen verloren das Bewusstsein und erkannten danach, dass ihnen Gewalt angetan worden war. Dieter blieb seinen alten verbrecherischen Gewohnheiten treu. Petra und Andrej nahmen am Gerichtsprozess gegen den Doktor teil. Er wurde inhaftiert. Doch 16 Monate später ließ man den Mann frei. Im Juni 2008 reiste er in eine Stadt an der Grenze zu Österreich.
Andrej beobachtete ihn weiter, verlor aber erneut seine Spur. Im Oktober 2009 entdeckte er wieder, dass der Mann versuchte, ohne Erlaubnis als Arzt zu arbeiten. Da Andrej erkannte, dass die Strafverfolgungsbehörden wie zuvor untätig bleiben würden, versuchte er selbst Dieter zu treffen. Als er an dem letzten Ort ankam, an dem dieser wohnen sollte, verstand er, dass der Doktor erneut geflohen war.
Von seinen früheren Nachbarn erfuhr Andrej, daß der Mann nun vor hatte, nach Marokko zurückzukehren. Im Erfolgsfall hätte das bedeutet, dass Andrej nie mehr Gerechtigkeit erreichen könnte. So kam er zu dem Schluss, daß er radikal handeln mußte. Zuerst wandte er sich an die Detektive, die er zuvor für die Suche angeheuert hatte, damit sie die Entführung und Überführung Dieters nach Frankreich organisierten.
Das war jedoch ungesetzlich und gefährlich. Deshalb lehnten sie ab. Die Zeit wurde immer knapper. In seiner Verzweiflung entschloss er sich zu extremen Maßnahmen. Andrej beschloss, sich an die Unterwelt zu wenden, die er immer gemieden hatte. So gelang es ihm, Kontakt zu Anton Krasnici aufzunehmen, einem Kriminellen aus dem Kosovo, der bereitwillig Schmutzarbeit übernahm.
Der Held dieser Geschichte traf sich persönlich mit diesem Mann und erzählte ihm alles. Anton willigte ein, den Doktor zu entführen und nach Frankreich zu bringen und sah das sogar als Ehrensach an. Für sich selbst wollte er kein Geld nehmen, allein war das aber zu schwierig und die Komplizen mussten bezahlt werden. Andrej war dazu bereit.
Anton nahm Kontakt zu anderen Männern auf, die im kriminellen Milieu ebenfalls bekannt waren. Den zwei weiteren Komplizen wurde vereinbarungsgemäß je 10.000 € zugesagt. Sie fanden schnell heraus, wo sich Dieter Kombach aufhielt und wohin er reiste. Die Zeit wurde knapp. Die Flugtickets nach Marokko, nur für den Hinweg waren bereits gekauft.
Drei Männer entführten den Arzt aus einer weiteren vorübergehenden Unterkunft in Deutschland. Der Arzt wurde gefesselt und überwältigt. Anschließend brachten sie ihn unrechtmäßig über die Grenze nach Frankreich. Noch am selben Tag fand man ihn gefesselt vor einem Gerichtsgebäude. Dieter hatte Verletzungen davon getragen, deshalb mußte er zuerst ins Krankenhaus gebracht werden.
Am selben Abend rief Andrej Bamberskii selbst bei der Polizei an. Nachdem er sich vom Erfolg der Entführung überzeugt hatte, begab er sich freiwillig zur Waörden. Er berichtete von seinem Plan und von der Entführung Dieters. Nach seiner Aussage ließ man Andrej wieder frei, doch man erhob Anklage gegen ihn wegen Freiheitsberaubung.
Ihm standen ein Prozess und eine Strafe bevor. Dieter Kombach hatte sich inzwischen im Krankenhaus erholt. Auch gegen ihn erhob man nun Anklage und zwar wegen vorsätzlicher Tötung Kalinkas. Die deutschen Behörden forderten seine Auslieferung zurück nach Deutschland. Doch nun weigerte sich die französische Seite entschieden, dem nachzukommen.
Die Verhandlung im Falcinka begann im März 2011. Schon bei der ersten Sitzung erlitt er einen Anfall, weshalb der Termin verschoben wurde. Viele glaubten, dass Dieter als Kardiologe einfach gut simulieren konnte und absichtlich Zeit schinden wollte. Wie dem auch sei, das Verfahren wurde im Oktober 2011 fortgesetzt.
Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits den Verdacht, dass Dieter Krombach auch am Tod seiner ersten Ehefrau Monika beteiligt gewesen war. Nach den Aussagen ihrer Angehörigen war die Ehe unglücklich gewesen. Dieter schlug seine Frau häufig und drohte ihr mit dem Tod. Die Frau ertrug es jedoch und erstattete keine Anzeige, weil das damals so üblich war.
Monikas Angehörige wußten, daß ihr Mann oft irgendwelche Vitaminjektionen verabreichte. Im Jahr 1969 erkrankte Monika schwer. Sie verlor die Stimme und das Augenlicht und war gelähmt. Im Oktober desselben Jahres starb sie im Krankenhaus an einer Hirnblutung. Nach den Worten von Monikas Mutter geschah das wenige Stunden, nachdem Dieter ihr eine Injektion gegeben hatte.
Danach erlitt sie einen Anfall, der einem Koma durch ein Medikament gegen Blutarmut ähnelte. Die erste Hilfe leistete ihr Ehemann. Die Umstände ihres Todes erinnerten stark an den Tod Kalinkas. Kalinkas Mutter gestand nun, sie habe geglaubt, dass ihr früherer Ehemander etwas Unrechtes tat, doch sie habe seine Rache gefürchtet.
Sie erinnerte sich, dass sie oft länger schlief als gewöhnlich und sich danach seltsam fühlte. Genauso war es auch in der Nacht, in der ihre Tochter starb. Die Frau vermutete, daß Dieter auch ihr irgendwelche Mittel beimischte. Danach, so nahm sie an, habe er sich an Kalka und deren Freundinnen vergangen, die bei ihnen übernachteten.
Mehr als einmal hatte sie bemerkt, dass ihr Mann etwas ins Getränk mischte. Danielle erinnerte sich, daß ihrer Tochter ohne erkennbaren Grund immer wieder übel wurde. Während sie bei ihnen in Deutschland lebte, befand sie sich oft in einem benommenen Zustand. Der Prozess dauertehn Tage. Am Ende kamen die Geschworenen zu dem Schluss, dass Dieter Krombach schuldig war, vorsätzlich Gewalt ausgeübt zu haben, die unbeabsichtigt zum Tod führte, unter erschwerenden Umständen.
Wegen sexueller Übergriffe wurde er nicht verurteilt, da sich dies nach so langer Zeit nicht mehr beweisen ließ. Dieter wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt, verbüste diese Strafe aber nicht vollständig. Nach 5 Jahren im Jahrzehn verschlechterte sich sein Gesundheitszustand deutlich. Im Februar 2020 wurde er freigelassen, damit er zur Behandlung nach Deutschland zurückkehren konnte. Nach einigen Monaten starb er.
Es wurde nachgewiesen, dass Dieter Kombach während seiner ärztlichen Tätigkeit mindestens 16 minderjährige Patientinnen missbraucht hatte. Wegen des Todes seiner ersten Frau Monika wurde er mangelsbeweisen nicht angeklagt. Doch alle Angehörigen der Frau sind bis heute überzeugt, dass er hinter ihrem Tod steht.
Im Jahr 2014 stand Andrej Bamerski vor Gericht, weil er die Entführung Dieters organisiert hatte. Die französische Öffentlichkeit begegnete dem Mann mit großem Mitgefühl, denn er hatte keine bösen Absichten gehabt. Er hatte lediglich versucht, Gerechtigkeit für seine Tochter zu erreichen. Erhielt dafür ein Jahr auf Bewährung und die Männer, die ihm bei der Entführung geholfen hatten, bekamen jeweils ein Jahr Haft.
Damit war der persönliche Krieg zu Ende. Andrej Bamberki hatte seinen zermürdenden Marathon, der ein ganzes Leben gedauert hatte, beendet. Kalinka konnte endlich in Frieden ruhen, denn ihr Name war nicht länger mit einem ungeklärten Rätsel verbunden. Diese unglaubliche Geschichte konfrontiert uns mit einem beängstigenden Spiegel, in den eine zivilisierte Gesellschaft nur höchst ungern schaut.
Wir glauben gern, dass das Gesetz absolut ist, die höchste Instanz und der Garant unserer Sicherheit. Doch was tun, wenn dieses Gesetz erblindet? Was tun, wenn Staatsgrenzen zu Komplizen eines Verbrechens werden und jenen schützen, dessen Schuld offensichtlich ist? Andrej Bomberski schrieb die Spielregeln neu.
Er bewies, dass die Liebe eines einzigen Vaters stärker sein kann als Diplomatie, Gerichte und die Ambitionen zweier Staaten. Er zwang das System zum Handeln, doch dafür musste er eine Grenze überschreiten, hinter der ein gewöhnlicher Mensch selbst zum Straftäter wird. Die Gerechtigkeit siegte, doch man brachte sie im Kofferraum eines Autos herbei gegen den Willen des Staates.
Was macht mehr Angst in dieser Geschichte? Die Grausamkeit des kaltblütigen Arztes oder die eiskalte Ruhe, mit der die zivilisierte Welt bereit ist, sich um des Buchstabens des Gesetzes Willen vom Opfer abzuwenden? Und wie viele solcher Monster verbergen sich gerade jetzt hinter markelosen Fassaden? im Wissen, dass das System sie schützen wird.