Der MySpace-Killer T
Der MySpace-Killer

Die Australierin Carly Ryan ist 15 Jahre alt und zum ersten Mal so richtig verliebt. Stundenlang sitzt die Schülerin im Jahr 2006 vor dem Familiencomputer in der Küche, um mit ihrem Freund zu chatten. Schon seit Monaten ist sie hin und weg von ihm. Er heißt Brandon Kane. Er kommt eigentlich aus Texas, wohnt nun aber im australischen Victoria.
Er spielt Gitarre, bewegt sich in der Emo Subkultur und scheint ein tiefgründiger nachdenklicher Typ zu sein. Es ist kein Wunder, dass das Cadi so schwer erwischt hat. Doch es gibt da eine Sache, die Cad nicht über ihren Freund weiß. Brandon Kane existiert überhaupt nicht. Hinter der Online Identität steht jemand ganz anderes und diese Person hat einen besonderen Helfer.
2005 ist die EMO Subkultur auf ihrem Höhepunkt. Nicht nur in Deutschland, den USA oder Großbritannien hat die Szene Einzug gehalten, sondern auch im weit entfernten Australien. Dort lebt die 15 Jahre alte Carly Ry mit ihrer Mutter und einem jüngeren Bruder in einer Kleinstadt namens Sterling Adelade.
Kli geht in der Emozene voll auf. Sie stylt ihr äußeres entsprechend und entdeckt am laufenden Band neue Lieblingsmusik. Sie färbt ihre Haare, kombiniert dunkle Klamotten mit knallbunten Accessoires und sammelt T-Shirts von ihren Lieblingsbands. Sie ist einfach ein ganz normales Mädchen, das Mitte der 2000er versucht, sich selbst auszuprobieren und sie wächst genau in die Generation Internet hinein.
Zu dieser Zeit kommen die ersten sozialen Netzwerke auf und die mit Abstand größte von ihnen ist MySpace. Auch Klii ist dort unterwegs. Hier kann sie sich mit Freunden vernetzen und ist dann Sachen Emo und Alternativkultur immer auf dem Laufenden. Und natürlich wird, wie es in den 2000ern so üblich ist, stundenlang gechattet.
Oft einfach mit Freundinnen und Freunden, auch wenn man die schon tagsüber in der Schule gesehen hat. Irgendetwas gibt es immer zu bequatschen, aber auf MySpace ist es auch einfach mit neuen Leuten in Kontakt zu kommen. Kis Mutter Sonja weiß, dass ihre Tochter im Internet unterwegs ist. Genau wie all ihre gleichaltrigen Freundinnen auch.
Sonja hat auch ein einigermaßen gutes Auge auf die ganze Sache. Der Familiencomputer steht nämlich mitten in der Küche. Viel mit heimlichem Surfen ist da also nicht drin. Und damals 2005 ist eh noch niemanden so richtig klar, wie riesig das Internet eigentlich ist und was für Gefahren und Risiken damit einen herging.
Deshalb hat KI auch kein Skuppel, sich auf MySpace mit neuen Leuten anzufreuen. Und tatsächlich lernt sie genau dort ihre große Liebe kennen, als sie eine Nachricht von einem User namens Corrupt Koala bekommt. Das Profil gehört zu einem 18 Jahre alten Jungen namens Brandon Kane und der ist ungefähr die Blaupause von dem, was Jugendliche wie K ebenso richtig beeindruht.
Er hat immer ein offenes Ohr für ihre Sorgen und immer einen guten Ratschlagparat. Er ist etwas älter als sie und interessiert sich ebenfalls für die Emoons Alternativszene, spielt Gitarre und ist ein waschechter Amerikaner. Er wurde in Texas geboren und später mit seinem Adoptivvater nach Australien gezogen.
Trotzdem ist er noch regelmäßig in den Staaten, um seine alte Heimat zu besuchen. Ursprünglich war es eine Freundin von Carli, die mit Brandon geschrieben hatte. Aber nachdem die Freundin ein Foto von sich und Klii gepostet hat, hat Brandon gefragt, ob K nicht ihrem Chat beitreten könnte. Und als das passiert ist, hat es wohl von beiden Seiten sofort gefunkt.
Im Laufe des Jahres 2005 und vor allem 2006 wird der Kontakt zwischen Carly und Brandon immer intensiver. Die beiden chatten, Mailen und tauschen sogar Telefonnummern aus. Eine Webcam hat Brandon nicht, aber das ist damals auch einfach noch nicht so üblich. Stattdessen schickt der KI Videos von sich vor dem Computer und die beiden senden einander immer wieder Fotos.
Eine Freundin von KI ist gerade erst mit jemanden zusammengekommen, den sie bei MySpace kennengelernt hat. Die Beziehung läuft total gut. Also ist Carly ermutigt, eine Fernbeziehung mit Brandon zu starten, auch wenn sie ihn noch nie gesehen hat. Das tut ihrer Schwärmerei keinen Abbruch.
Die 15-jährige redet am laufenden Band von Brandon. Ihre Mutter, Freundin und ihre Cousine werden immer auf den aktuellen Stand gehalten. Und natürlich ist ihnen klar, dass Carly sich richtig verknallt hat. Und die Teenagerin ist sich ziemlich sicher, dass Brandon ihre Gefühle erwidert. Die beiden schreiben sich andauernd.
Es geht um Gott und die Welt. Aber meistens wollen die beiden einfach nur wissen, was der jeweils andere gerade so treibt und wie es ihm geht. Brandon fragt regelmäßig nach: “Wie läuft’s mit deinen Hausaufgaben? Wie geht’s deiner Mama?” “Alles klar bei deiner Familie?” Brandon stellt Kli sogar seinen Vater vor. Digital versteht sich.
Brandons Vater Shane vernetzt sich auf MySpace ebenfalls mit der Teenagerin. Wohl um zu schauen, mit wem sein Sohner die ganze Zeit schreibt, denkt sich K. Schließlich fragt ihre Mutter Sonja bei ihr ja auch andauernd nach, wie es mit ihrem Internetfreund läuft und macht sich etwas Sorgen. Für Klii wirkt das wohl einfach wie so ein Elternding, bloß Shane richtig cool zu sein scheint.
Er arbeitet als Security Guard in der Musikbranche und sagt, er habe sogar mal bei einem Konzert von Marilyn Manson gearbeitet. Klißer Fan des Musikers natürlich total beeindruckt davon und Shane hat direkt ein paar Pluspunkte bei ihr gesammelt. Sie scheint mit Brandon nicht nur einen tollen Freund gefunden zu haben, sondern mit Shane auch noch einen coolen Schwiegervater in Sp.
Alles, was den beiden Verliebten fehlt ist ein echtes Treffen face to Face. Nachdem Kie und Brandon anderthalb Jahre lang täglich gechattet haben, lät sie ihn also zu ihrem 15. Geburtstag am 31. Januar nachat. Doch leider fällt der Geburtstag ausgerechnet mit einer von Brandons Reisen in die USA zusammen. Dafür hat er eine andere Idee.
Sein Adoptivvater Shane hätte nämlich Zeit. Der müsste in dem Zeitraum sowieso nach Adelade reisen, um dort beruflich etwas zu erledigen. Also könnte doch Shane vorbeikommen und stellvertreten für Brand ein paar Geburtstagsgeschenke vorbeibringen. Als Karl ihrer Mutter von dieser Alternative erzählt, weiß Sonja erst einmal nicht so recht, was sie damit anfangen soll.
Sie äußert gegenüber Kli sogar die Sorge, dieser Schenk könnte doch einfach irgendein Creep sein. Aber Kli rollt nur mit den Augen und versichert ihrer Mutter, dass der Vater von Brandon total in Ordnung sei. Sonja lässt sich von ihrer Tochter breitschlagen, aber nur unter der Bedingung, dass sie Shane erst einmal persönlich trifft an einem öffentlichen Ort, um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen.
Für Shane ist es kein Problem. Und so treffen sich Shane und Sonja ein paar Tage vor Kis Geburtstag in der Einkaufsstraße von Sterling in Adelade. Er stellt sich Sonja höflich vor und erzählt, dass er gerade der Arbeitwegen in der Stadt sei. Dabei deutet er auf sein Poloschirt, das aufgesteckte Logo der Security Firma trägt, für die er arbeitet.
Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, lässt sich Sonja sogar Shane Security Pass von der Arbeit zeigen. Und alles stimmt. Name, Firma und Foto. Shane lässt Sonjas kleinen Identity Check ohne zu jammern über sich ergehen. Er sagt, er sei froh, endlich mal KI und ihre Familie kennenzulernen, um zu sehen, mit wem sein Sohn da die ganze Zeit chattet und wer Brandon so den Kopf verdreht hat.
Nachdem sich die erste Anspannung gelegt hat, kommen die beiden gut ins Gespräch. Dabei stellt sich auch heraus, dass Shane sich noch gar keine Unterkunft in Adelade gebucht hat. Also bietet Kis Mutter Sonja ihm kurzer an, er könne im Haus der Familie übernachten. Dort angekommen versteht sich Shane mit allen gut, allen voran natürlich mit Carli.
Vor ihrer Geburtstagsfeier gehen sie und Shane sogar noch zusammen shoppen und der Vater ihres Internetfreunde spendiert ihr ein paar neue Outfits. Es scheint also alles in bester Ordnung zu sein. Doch am Abend der Geburtstagsparty scheint die Stimmung irgendwie zu kippen. Als KI mit ihrem Ex-Freund ins Gespräch kommt, der ebenfalls eingeladen wurde, reagiert ausgerechnet Brandons Vater Shane total eingeschnappt.
Er beschwert sich Klii seit zu fucking beschäftigt zu reden und dann würde er eben erstmal gar nicht mehr mit Klii sprechen. Stattdessen, so droht er, werde er seinem Sohn Brandon erzählen, dass Kli hinter seinem Rücken ausgerechnet mit ihrem Ex redet. Und einer der Partygäste überhört noch etwas Merkwürdiges, nämlich wie Shane zu der frisch 15 Jahre alten Kli sagt: “Ich liebe dich.
Ich würde niemals zulassen, dass dir etwas zustößt. Du bist wunderschön. Leider ist das noch nicht alles, denn Kis Mutter findet Shane und die 15-Jährige am Tag nach der Geburtstagsparty gemeinsam in Kys Bett. Zwar sind beide vollständig bekleidet, aber wenn ein 48 Jahre alter Mann mit einer Minderjährigen gemeinsam in einem Bett geschlafen hat, ist dieses Detail hinfällig.
Also wirft Kis Mutter Sonja Shane hochkant aus dem Haus. Nach der Geburtstagsparty vertraut sich KI nämlich ihrer Mutter. Sie berichtet, der Vater ihrer Internetbekanntschaft Brandon habe sie auf der Feier unsittlich berührt. Außerdem habe er versucht, sie zu überreden, intim zu werden. Als Kys Mutter das hört, gibt sie Kie sofort ein Kontaktverbot und lässt auch Shane in einer E-Mail wissen, dass er von ihrer Tochter fern bleiben soll.
Sollte er sich ihr noch einmal nähern, werde sie die Polizei einschalten. Shane reagiert allerdings nicht gerade diplomatisch. In seiner Antwort beleidigt er Sonja nicht nur zweimal als [ __ ] und bezeichnet die Anschuldigung gegen ihn als Müll, sondern droht ihr auch noch mit einer klage wegen Verläumdung. Kein Wunder, dass Sonja den Stecker zieht, nicht nur metaphorisch.
Zeitweise sammelt sie Carls Handy ein und stöpselt das Internet ab, damit dieser Shane sie nicht noch einmal kontaktieren kann. Trotzdem fühlt sich K zerrissen. Sie hat Shane selbst als einen alten fetten hässlichen Mann bezeichnet und will eigentlich nie wieder etwas mit ihm zu tun haben. Aber es ist eben auch immer noch der Vater von Brandon, in den sie nach wie vor unfassbar verliebt ist.
Und Shane hat sogar erzählt, er würde planen, eine Immobilien Adelade zu kaufen, damit sie und Brandon dort als richtiges Paar wohnen können. Sie hat Brandon zwar noch immer nicht getroffen, aber das tut ihren Gefühlen keinen Abbruch. Für die Jugendliche sind die ersten Februarwochen nach ihrem Geburtstag wahrscheinlich sehr schwierig.
Am 19. Februar 2007 verabschiedet sich Carly Ryan ein letztes Mal von ihrer Mutter. Sie erzählt Sonja, dass sie plant für ein paar Nächte bei einer Freundin zu übernachten. Die 15-jährige wirkt gut gelaunt und scheint sich auf den Sleepover zu freuen. Erst als Klii schon halb aus der Tür raus ist und sich noch mal zu Sonja umdreht, huscht ein merkwürdiger Ausdruck über ihr Gesicht.
Sonja kann diesen Ausdruck in dem Moment nicht deuten, spürt aber, dass ihre Tochter dringend eine Umarmung braucht. Also kommt K noch einmal zurückgelaufen und die beiden umarmen sich zum Abschied gleich viermal. Erst danach und nach einem letzten Hab dich lieb verlässt die 15-jährige das Haus, um sich auf den Weg zu ihrer Freundin zu machen.
Zumindest glaubt Sonja das. Stattdessen taucht K später an diesem Tag ganz woanders auf. Am frühen Morgen des 20. Februar geht eine Freund lang der Horseschow Bay spazieren, einem hübschen Strandabschnitt in der kleinen Küstenstadt Port Alliance. Um diese Zeit sind noch nicht viele Leute unterwegs und die Spaziergängerin hat den Strand fast für sich allein.
Vielleicht könnte sie sogar für eine morgentliche Schwimmeinheit kurz ins Meer springen, bevor später die Surfer an Rücken, um das Wasser unsicher zu machen. Doch auf einmal sieht sie etwas oder jemanden in der Brandung des Meeres liegen. Die Frau eilt sofort rüber, um zu schauen, ob da jemand Hilfe braucht.
Doch jede Hilfe kommt bereits zu spät. Die Spaziergängerin hat gerade den Leicht der 15 Jahre alten Carly Ryan gefunden. Die hinzugerufene Polizei sieht schnell, dass es hier kein einfaches tragisches Badeunglück ist, wie es sie an den Stränden Australiens immer wieder gibt, denn der Körper des Mädchens weist verschiedene Verletzung auf.
Schon auf den ersten Blick sind blaue Flecken und Schrammen zu erkennen. Später werden auch Prellungen festgestellt. Die Verletzungen befinden sich vor allem an ihrem Gesicht und Hals, aber auch an ihren Arm. Ihre Nase und das rechte Auge sind blutig und geschwollen. Außerdem befindet sich Sand in ihrer Speiseröhre. Ihre Kleidung wirkt, als wäre sie hastig übergezogen worden, zumal ihre Unterhose aufgerissen zu sein scheint.
Im knapp 80 km entfernten Stürling hatte Sonja Ry Tochter gerade erst als Vermisst gemeldet, nachdem sie mitbekommen hat, dass K nicht bei ihrer Freundin aufgetaucht ist. Da steht wenig später schon die Polizei bei ihr vor der Haustür, um ihr die schreckliche Nachricht zu überbringen. Schon früh verfolgt die Polizei den Ansatz, dass der Mörder im Internet zu finden sein könnte.
Ermittler setzen sich vor den Computer und durchforsten den MySpace Account von Kli in der Hoffnung, dort Hinweise zu finden. Und damit sind sie auf genau der richtigen Spur. Auch vor Ort an der Küste kommt die Polizei der Sache näher. Man findet Material von Überwachungskameras, das Kin Begleitung von zwei Männern zeigt. Einer ist etwas jünger, der andere etwas älter.
Die Aufnahmen stammen aus Port Alliance und genau dort findet man auch Schmuckstücke von KI und Blutspuren. Zeugen wollen außerdem gesehen haben, wie die beiden Männer und K durch die Stadt gezogen sind. Dabei hätten die beiden Männer verschiedene Leute angesprochen und gefragt, wo man ungestört etwas Gras rauchen könnte. Andere Zeugen wollen K und die beiden Männer in einem Halbkreis sitzend dabei beobachtet haben, wie sie sich einen Joint hin und her reichten.
In Port Elliot findet man direkt bei K Schmuck noch ein besonders wichtiges Beweismittel, die Spitze eines Latexhandschuhs. Und daran kann man sogar eine männliche DNA feststellen. Weiterhin erhält man einen Hinweis auf ein Fahrzeug, das am Tag von Kis Verschwinden entlang der Küste aufgefallen ist.
Auf dem Armaturenbrett hatte der Ausweis einer Security Firma gelegen und genau dieses Fahrzeug führt die Polizei letztlich zu ihrem Täter, denn zu dem Fahrzeugbesitzer gehört auch die DNA Spur vom Latexhandschuh. Als die Polizei den 48 Jahre alten Gary Newman in seinem Haus in Victoria verhaftet, sitzt er gerade vom Computer. Er chattet mit einem 14 Jahre alten Mädchen aus Perth, als Beamt ihn vom Rechner losreißen und ihm Handschellen anlegen.
Auch sein 17-jähriger Sohn ist da. Er wird ebenfalls in Gewahrsam genommen. Sie sind es, die hinter dem Profil von Kis angeblichen Internetfreund Brandon Kane stecken. Brandon selbst existiert nicht, ebenso wenig wie dessen Vater Shane, als der Gary sich ausgegeben hat. Er hat für die perfekte Täuschung an alles gedacht. Der Fake Security Ausweis, das Fake Security Shirt, das über anderthalb Jahre gepflegte Fake Profil von Brandon und die Fake Fotos und Videos von Brandon, die er an K geschickt hat.
Unter der falschen Identität von Brandon Kane hatte es geschafft, sich das Vertrauen von Carly zu erschleichen. Unter der Identität von dessen Vater Shane, auch das ihrer Mutter. Vater und Sohn sind höchst akribisch vorgegangen. Laut Medienberichten soll jeder der beiden ein eigenes Handy nur für ihre Fake Identitäten und den Kontakt mit K gehabt haben.
Zvorfort soll er sie auf der Website vampirefreaks.com entdeckt und daraufhin beschlossen haben, das Mädchen über MySpace zu groen. Gary Newman und sein Sohn sind auch die beiden Männer, mit denen Kli vor ihrem verschwindenden Port Elliot unterwegs war. Neben den Kameraaufnahmen beweist das auch Sand aus Port Elliot, der in den Schuhen von Vater und Sohn nachgewiesen werden konnte.
Gary ist auch derjenige, zu dem die DNA an der Spitze des Latexhandschuß gefunden wird, der neben Kli Schmuck lag. Dieser Latexhandschuß ein wichtiges Indiz dafür, dass er in diesem Tag geplant hatte, Klii umzubringen. Sonst hat man mitten im australischen Sommer wohl kaum so etwas dabei. Kli selbst soll geglaubt haben, sie werde an diesem Tag zum ersten Mal Brandon treffen.
Darum hat Gary seinen 17 Jahre alten Sohn mitgenommen, der sich als Brandon ausgegeben haben soll. Sowohl Vater als auch Sohn müssen sich vor Gericht wegen des Mordes an Carly Ryan verantworten. Vor Gericht hören die Geschworen noch einmal die ganzen Ausmaße des Groomixs. Sie hören natürlich auch von dem Besuch, den Gary Newman alias Shane im späteren Mordopfer zum Geburtstag abgestattet hat und wie er dem Mädchen bei einem Shoppingtag Unterwäsche, Cocktailkleider, Taschen und Shirts spendiert hat.
Ein Angestellter eines Ladens kann sich daran erinnern, dass Gary Newman die Teenagerin die Umkleidekabine begleitet hat. In den Augen der Staatsanwaltschaft zeigt dieser Moment eindeutig, dass der 48-jährige sexuelles Interesse an dem Mädchen gehabt hat. Dazu kommt ja auch noch sein aggressives Verhalten, nachdem Klii auf der Party mit ihrem Ex-Freund gesprochen hat.
So wiee die Tatsache, dass K selbst ihrer Mutter den versuchten Übergriff durch Gary Newman anvertraut hat, den sie zu diesem Zeitpunkt noch für den Vater ihres Freundes hielt. Ein weiterer Zeuger aus dem Familienumfeld von Gary Newman und seinem Sohn sagt aus, Newman habe im Februar angekündigt, zurück nach Adelade zu fahren und Carly fertig machen zu wollen.
Sowieso scheinen Vater und Sohn vor der Familie richtig ausgepackt zu haben. Am 20. Februar, dem Tag nach Kis Verschwinden, sind die beiden nach Victoria zurückgekehrt und haben dort jemanden aus der Familie besucht. Dabei hat der Vater ein Familienmitglied darum gebeten, seine Hand zu untersuchen und zu schauen, ob sich darauf blaue Flecken erkennen lassen.
Er hat auch erwähnt, dass er Carly Ryan ins Gesicht geschlagen und den Adelade ins Wasser geworfen hab. Der ältere Sohn von Gary Newman sagt ebenfalls gegen seinen Vater und seinen jüngeren Bruder aus. Er bestätigt, dass Newman nach seiner Rückkehr aus Adelade mit dem Mord an Ky Ryan gepralt habe. Er berichtet, er erzählte mir, dass er Cy Ryan ins Gesicht geschlagen habe, dass er sie umgebracht habe, dass er die Sache erledigt habe.
Er erzählte, er habe ihr ins Gesicht geschlagen, ihr Gesicht in den Sand gedrückt und sie danach ins Wasser geworfen. Gary Newman hat also gar nicht versucht, seine Taten oder Absichten zu verschleiern. Der ältere Sohn scheint sogar gewusst zu haben, warum sein Vater so sehr an der 15-jährigen Kli interessiert war.
Er sagt nämlich, er habe ihn eindringlich angefleht, am Tag von Kys Mord nicht nach Adelay zu fahren oder wenigstens den kleinen Bruder nicht mit in die Sache reinzuziehen. Der jüngere der beiden Söhne war wohl gerade erst wieder bei Gary Newman eingezogen, nachdem er zuvor jahrelang im australischen Fosterkehrsystem war. Auch nach seiner Verhaftung war Gary Newman übrigens nicht diskreter geworden.

Ein Zellengenossen soll er gefragt haben, ob Salzwasser den A zerstören würde oder ob der Zellengenosse jemals versucht habe, jemanden Kleidung anzuziehen, der sich tot stellt. Außerdem habe er Briefe an Familienmitglieder geschrieben, in denen er sie bat, ihm dabei zu helfen, ein Alibi zu konstruieren. In anderen Briefen beschwert er sich darüber, dass ein paar Leute aus der Familie zur Polizei gegangen sind und gegen ihn ausgesagt haben.
Bei einer Hausdurchsuchung bei Gary Newman wurden tausende intime Aufnahmen von Kindern gefunden und einige handgeschriebene Notizen. Auf einem stand Adle Slot, darunter Cys Kontaktdaten, auf einem anderen stand Rip Carlye Ryan. Außerdem taucht ein Notizbuch auf, das akribisch geführt wurde. Dokumentiert sind darin mehr als 200 Online Identitäten, unter den Gary Newman versucht hat, sich im Internet Kindern anzuneähren, immer in der mutmaßlichen Absicht mit ihnen in Team zu werden.
Zweimal war es schon zu ähnlich intensiven Kontakten wie mit Carly Ryan gekommen. Einmal mit einem Mädchen aus den USA und mit einem aus Singapur. Mit dem Mädchen aus Singapur war wohl sogar ein Treffen verabredet. Allerdings hat das Mädchen glücklicherweise spontan abgesagt. Das könnte ihr das Leben gerettet haben, denn Gary Newman war über die Absage so wütend, dass er Freunden gesagt haben soll, er werde einen jungen Typen organisieren.
Der sle Mädchen von zu Hause weglocken und wenn er mit ihr fertig sei, würde sie aussehen wie abgepacktes Fleisch, das man im Supermarkt kaufen kann. Das ist nicht nur mehr als ekelhaft, sondern im Nachhinein auch ein unheilvoller Vorbote für das, was Carly Ryan angetan wurde. Die Beweise gegen Gary Newman sind also mehr als erdrückend.
Im Jugendarrest soll sich der ebenfalls inhaftierte Sohn einem Sozialarbeiter anvertraut haben. Laut seiner Version hätten er und sein Vater sich mit Carly Ry getroffen und die drei hätten sich zum Reden an den Strand gesetzt. Als der Sohn sich weggedreht habe, sei Gary Newman auf einmal von hinten auf Cardy Ry gesprungen und habe sie in den Sand gedrückt, während er ihr immer wieder gegen den Kopf schlug.
Er habe seinem Vater danach geholfen, die ganze Sache zu vertuschen. Gary sei aber der Haupttäter gewesen. Trotz all der Beweise gegen ihn pocht Gary Newman zu Beginn des Prozesses auf seine Unschuld. Erst im Laufe der Verhandlung knickt er schließlich ein und legt ein verspätetes Geständnis ab. Hinsichtlich des Motivs wird vermutet, dass sie sich in seinem WN gekränkt gefühlt hat, nachdem die 15 Jahre alte Kli sich an ihrem Geburtstag gegen ihn gewährt und später ihre Mutter informiert hat.
Gary Newman wird zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Einen Antrag auf Bewährung wird er frühstens 29 Jahre nach dem Urteil stellen können. Das wäre 2039. Sein inzwischen 19 Jahre alter Sohn hingegen wird freigesprochen. Anders als seinem Vater konnte man ihm eine direkte Täterschaft nie nachweisen. Seine Identität wurde deshalb auch nie veröffentlicht.
Allerdings will das australische Medium The Advertiser Hinweise darauf bekommen haben, wer der Sohn ist und dass er nach seinem Freispruch möglicherweise straffällig geworden ist. In dem Artikel ist die Rede von einer Serie Grotesceller Übergriffe an einem Ort. Die Fälle sollen dem Grooming von Kli gehnelt haben.
Das bleibt aber ausdrücklich nur ein Gerücht und es ist zu hoffen, dass an der Sache nichts dran ist. Das letzte Update der Verteidiger des jungen Mannes war damals, dass er eine Ausbildung beginnen und mit seiner neuen Freundin umziehen wollte, um in ein neues Leben zu starten und zu heilen. Nach der Verurteilung von Gary Newman wendet sich seine Exfrau an die Öffentlichkeit, wenn auch anonym.
Dass sie ihre Identität geheimhält, hat gute Gründe. Sie berichtet nämlich von einer jahrelang gewaltvollen Ehe. Nicht nur habe Newman sie missbraucht, sie gezwungen einem Stripclub zu arbeiten, ihr verboten einen Führerschein zu machen, ihr den Zugang zu ihrem eigenen Geld verweigert und sie mehrfach verprügelt.
Er soll auch versucht haben, seine eigene Tochter mit Alkohol gefügig zu machen und zu missbrauchen, als sie 13 Jahre alt war. Nachdem es der Exfrau dann doch gelang zu fliehen und sich von Gary zu trennen, haben sie und ihre Tochter den Kontakt abgebrochen. Über die Verurteilung von Newman ist die Ex-Frau mehr als erleichtert.
Dennoch ist sie wütend darüber, dass das System versagt habe. Sie berichtet, dass die Gefahren ihrer Ehe jahrelang von niemandem ernst genommen wurde, weder von Familienmitgliedern noch von der Polizei, Ärzten oder weiterem Krankenhauspersonal. Für sie scheint Gary Newman eine Art tickende Zeitbombe gewesen zu sein.
Vor den Warnzeichen haben zu viele Leute die Augen geschlossen. Vielleicht auch vor den Gefahren des Internets, könnte man meinen. Heute haben viele von uns schließlich ein ganz anderes Bewusstsein für Onlinesicherheit. Das Ding ist aber, Carlye Ryan war die erste Person in Australien, die jemals online in eine tödliche Falle gelockt wurde.
Man vermutet sogar, dass sie weltweit eine der ersten war. Das Bewusstsein für die Gefahren im Netz war Anfang und Mitte der 2000er einfach bei Weiten noch nicht so gefestigt wie heute. Das hat sich zwar bis zu einem gewissen Maß geändert, aber Online Grooming, Catfishing und so weiter sind noch immer auf dem Vormarsch und mit der Entwicklung von KI ist zu befürchten, dass das Ganze noch schlimmer wird.
Deshalb setzt sich Carlis Mutter Sonja auch heute noch für Online Sicherheit ein. Sie hat als Mutter nie richtig verkraften können, dass sie ihre Tochter nicht retten konnte, aber sie hat sich geschworen, so viele andere Kinder wie möglich vor Kys Schicksal zu bewahren und entsprechende Aufklärungsarbeit zu leisten.
Seit 2010 führt sie die Stiftung Carlye Ryan Foundation. 2017 wird Dank Sonja sogar ein neues Gesetz in Australien verabschiedet. Sie hat es selbst verfasst und sich für seine Rechtsgültigkeit eingesetzt. Nach Carly Laws ist in Australien nun dezidiert strafbar, online gegenüber Minderjährigen unter 16 Jahren eine falsche Identität zu verwenden.
Dass dieses Gesetz sinnvoll und bitter nötig ist, zeigt sich schon kurz, nachdem es in Kraft getreten ist, denn nur wenige Wochen später wird bereits ein vorbestrafter Mann unter diesem Gesetz angeklagt in gleich 14 Fällen. Aber damit ist für Sonja Ryan die Arbeit noch nicht getan. Als politische Aktivistin ist Sonja Ryan heute auch international unterwegs.
Sie pflegt unter anderem Kontakte zu Politikern den USA, um Carlys Law auch dort auf den Weg zu bringen. Ich finde es immer wieder beeindruckend zu sehen, wie Unterbliebene schaffen, ihr Trauma umzuwandeln und sich aktivistisch zu bezätigen oder wie Sonja sogar direkt politisch. Jede jugendliche Person, die besser über die Gefahren des Internets Bescheid weiß, ist ein Erfolg.
Das hat sich auch fast 20 Jahre nach dem Mord an Carly Ry nicht geändert. Wenn ihr eure Gedanken zu diesem Fall und diesem sensiblen Thema teilen mögt, würde ich mich sehr freuen von euch zu lesen. Auch sonst freue ich mich natürlich sehr über Feedback, gerne auch einfach in Form eines Likes.
Und wie immer dürft ihr in Solito sehr gern kostenlos abonnieren, solltet ihr das noch nicht getan haben. Jeden Donnerstag und Sonntag gibt es ein neues Video und wer den Kanal noch weiter unterstützen wollt, abonniert mich gerne bei Patron. Da bekommt ihr die Videos ohne Zensur und ohne Werbung. Den Link dazu findet ihr in der Infobox, genauso wie die Links zu meinem Instagramkanal und meinem Discord.
Ansonsten gibt es nicht mehr viel zu sagen. Ich wünsche euch einen guten Morgen, Mittag oder Abend oder je nachdem wann ihr das Video seht und hoffe, dass wir uns im nächsten Video wiedersehen. Bis dahin