Sensation bei “Bares für Rares”: Unscheinbares Flohmarkt-Relikt entfacht unerbittlichen Bieterkrieg und pulverisiert Expertenschätzung T
Sensation bei “Bares für Rares”: Unscheinbares Flohmarkt-Relikt entfacht unerbittlichen Bieterkrieg und pulverisiert Expertenschätzung
Es sind genau diese unerwarteten Momente voller Dramatik, Leidenschaft und historischer Faszination, die die ZDF-Kultshow “Bares für Rares” seit vielen Jahren zu einem absoluten Dauerbrenner im deutschen Fernsehen machen. Immer wieder betreten Menschen das malerische Gelände des Pulheimer Walzwerks bei Köln, im Gepäck Fundstücke, die auf den ersten Blick oft völlig unscheinbar, verstaubt oder gar nutzlos wirken. So erging es auch dem Studiogast Günther, der gemeinsam mit seinem Sohn Klaus angereist war. Im Gebäck hatte er ein Objekt, dem er selbst jahrelang kaum eine größere Bedeutung beigemessen hatte. Was sich jedoch im Laufe der Sendung abspielte, überraschte nicht nur den sympathischen Verkäufer und Moderator Horst Lichter, sondern führte zu einem der packendsten und emotionalsten Bietiergefechte der jüngeren Show-Geschichte.

Eine Jugenderinnerung vom Flohmarkt wird zur TV-Sensation
Die Geschichte des mitgebrachten Objekts reicht weit in die Vergangenheit zurück. Günther erinnerte sich vor den Kameras schmunzelnd an seine Zeit als junger Student vor etwa 45 Jahren. Damals wanderte er regelmäßig mit einem guten Studienfreund über lokale Trödelmärkte. Es war nicht das gezielte Suchen nach wertvollen Raritäten, das die beiden jungen Männer antrieb, sondern schlichtweg die reine Lust am Feilschen, das Flanieren zwischen den Ständen und die Faszination für alte Gegenstände. Bei einem dieser Ausflüge entdeckte Günther ein metallenes, etwas sonderbar anmutendes Gerätschaftsteil. Den genauen Kaufpreis wusste er nach all den Jahrzehnten zwar nicht mehr, doch eines stand für ihn fest: Es war damals nur ein schmaler Studentengroschen, den er auf dem Flohmarkt gelassen hatte.
Über vier Jahrzehnte lang stand das Objekt im Hause des Besitzers. Es diente eher als Dekoration oder lag vergessen im Fundus, bis die Entscheidung reifte, der ZDF-Trödelshow einen Besuch abzustatten. Mit einer gehörigen Portion Skepsis betrat Günther schließlich den Expertentisch. Er rechnete mit nicht viel – vielleicht einer kleinen Entschädigung für die Anreise. Doch bereits bei der ersten Begutachtung erfasste der Moderator Horst Lichter mit seinem geschulten Blick sofort, womit man es hier zu tun hatte. Der 64-jährige Entertainer zeigte sich auf Anhieb begeistert von der präzisen Handwerkskunst des metallenen Objekts.
Die Expertise: Meisterhafte Mechanik aus der Kaiserzeit
Der geladene Experte Detlev Kümmel nahm den Gegenstand gründlich unter die Lupe und klärte das Publikum sowie die Besitzer über die genaue Funktionsweise und Herkunft auf. Bei dem Objekt handelte es sich um eine sogenannte Duplex-Pumpe, eine technisch ausgereifte Doppelkolbenpumpe. Mit großem Eifer demonstrierte Kümmel die Mechanik des Geräts: Durch wechselseitiges Ansaugen erzeugt das System Unterdruck, zieht Wasser an und stößt es unter Druck kontinuierlich wieder aus.
Besonders faszinierend erwies sich das kleine Messingschildchen, das auf dem Gehäuse angebracht war. Dieses verriet den namhaften Hersteller: Ferdinand Ernecke aus Berlin. Die Gravur enthüllte ein historisches Detail von hohem Wert, denn die Firma Ernecke war einst königlicher Hoflieferant des Kaisers von Preußen. Das vorliegende Modell wurde nach Einschätzung des Experten in den Jahren zwischen 1900 und 1910 gefertigt. Es diente jedoch nicht dem industriellen Großeinsatz, sondern wurde speziell für Schulen, Gymnasien und Universitäten hergestellt. Als Anschauungs- und Lehrmittel sollte es Schülern und Studenten der Kaiserzeit die physikalischen Prinzipien der Pneumatik und Hydraulik anschaulich demonstrieren.
Diese historische Tiefe und der hervorragende Erhaltungszustand veränderten die Ausgangslage schlagartig. Günther hatte vorsichtig auf einen Erlös von etwa 150 Euro gehofft. Experte Detlev Kümmel schätzte den Marktwert aufgrund des Sammlerinteresses an wissenschaftlichen Lehrmitteln jedoch deutlich höher ein: Zwischen 180 und 200 Euro sei die historische Pumpe auf dem Antiquitätenmarkt definitiv wert. Günther und sein Sohn Klaus zeigten sich über diese Taxierung bereits überaus erfreut – doch der eigentliche Höhepunkt des Tages stand erst noch bevor.
Der Gang in den Händlerraum: Funkensprühende Konkurrenz
Mit der begehrten Händlerkarte in der Hand machten sich Vater und Sohn auf den Weg in den Händlerraum. Dort warteten bereits die erfahrenen Antiquitätenhändler Walter “Waldi” Lehnertz, Jos van Katwijk sowie Julian Schmitz-Avila. Kaum stand die glänzende Messing-Pumpe auf dem Verhandlungstisch, erwachte das Interesse der Experten.
Sofort begann das Schagabtausch-Verhalten der Händler. Jos van Katwijk, der sympathische Antiquar aus den Niederlanden, betrachtete das Objekt fasziniert und überlegte lautstark, wofür man eine solche Pumpe heute noch praktisch nutzen könnte: “Weißt du, wofür du das auch nehmen kannst? Für Felder zu begießen!”, schlug er vor. Diese Steilvorlage ließ der Eifeler Kult-Händler Walter Lehnertz natürlich nicht unkommentiert verstreichen. Mit seinem gewohnt kessen Humor fahr er dazwischen: “Felder zu begießen? Felder?”, und fuhr sprichwörtlich die Krallen aus. Die ironischen Sticheleien deuteten bereits an, dass sich hier zwei Charaktere gegenüberstanden, die keinesfalls kampflos aufgeben würden.
Das erste offizielle Gebot gab schließlich Julian Schmitz-Avila ab. Mit entspannten 78 Euro eröffnete er die Runde. Für Walter Lehnertz war dies die perfekte Vorlage, um sein weltberühmtes Kult-Gebot zu platzieren: “80 Euro!”, schallte es durch den Raum. Was wie ein gewöhnlicher Start in eine Verhandlung aussah, wandelte sich innerhalb weniger Sekunden in einen hochdramatischen Bieterkrieg.
Ein knallhartes Duell: Waldi gegen die “niederländische Zecke”
Jos van Katwijk stieg umgehend in das Bieten ein und trieb den Preis Schritt für Schritt nach oben. Schnell war die psychologisch wichtige Grenze der Expertise von 200 Euro erreicht und überschritten. Doch anstatt das Tempo zu drosseln, schaltete der Niederländer erst recht einen Gang höher. Mit einem selbstbewussten Lächeln setzte er ein Zeichen und bot spontan eine runde Summe: “300 Euro glatt, dann bist du weg!”, rief er in Richtung Waldi Lehnertz, um Stärke zu signalisieren.
Waldi zeigte sich von dieser Ansage sichtlich überrascht. “Irre!”, kommentierte er die gebotene Summe kopfschüttelnd. Doch Aufgeben gehört bekanntlich nicht zur Natur des Eifeler Händlers. Durch die stichelnde Ansage seines Konkurrenten erst recht angestachelt, legte Lehnertz noch einmal nach. Es entwickelte sich ein nervenaufreibendes Hin und Her, bei dem die Summen immer höher kletterten. Das Studio hielt den Atem an, während Verkäufer Günther sein Glück kaum fassen konnte.
Schließlich setzte Jos van Katwijk zum finalen Schlag an. Ohne zu zögern erhöhte er das Gebot auf unglaubliche 400 Euro – exakt das Doppelte des oberen Expertenschätzwertes! Gegen diese finanzielle Entschlossenheit war Walter Lehnertz letztlich machtlos. Zähneknirschend warf der 59-jährige Eifeler das Handtuch, nicht ohne seinem Gegenüber noch einen bildhaften Spruch hinterherzuschicken: “Der ist ja auch wie eine Zecke! Wenn der sich einmal festgesaugt hat, den kriegst du nicht mehr los!”
Bares für Rares als Garant für emotionale TV-Momente
Unter großem Gelächter und Beifall im Raum ging der Zuschlag für 400 Euro an Jos van Katwijk. Für den Verkäufer Günther ging damit ein Tag zu Ende, den er so schnell wohl nicht vergessen wird. Aus einem einstigen Spontankauf für wenige Groschen auf einem Flohmarkt vor 45 Jahren war eine stattliche Geldsumme geworden, die den ursprünglichen Wunschpreis und die Expertise mühelos in den Schatten stellte.
Diese Episode verdeutlicht einmal mehr das Erfolgsrezept von “Bares für Rares”. Es sind nicht immer nur Gemälde weltberühmter Meister oder funkelnder Brillantschmuck im Wert von tens tausenden Euro, die für Begeisterung sorgen. Oft sind es gerade die kleinen, feinen technischen Raritäten des Alltags aus längst vergangenen Zeiten, die durch ihre Geschichte, ihre meisterhafte Verarbeitung und die Dynamik im Händlerraum zu echten Highlights werden.
Für Sammler wissenschaftlicher Objekte ist die historische Lehrmittel-Pumpe von Ferdinand Ernecke ein echtes Prachtstück. Für die Zuschauer vor den Bildschirmen bot das Duell zwischen Waldi Lehnertz und Jos van Katwijk beste Unterhaltung auf höchstem Niveau. Und für den Verkäufer Günther bleibt die Erkenntnis: Es lohnt sich manchmal eben doch, alte Dachbodenfunde aufzubewahren und den Mut zu haben, sie im Fernsehen zu präsentieren.
