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Die Auktion lachte über seinen 240-Mark-Messerschmitt – bis die Nummer 017 unter dem Lack auftauchte

Als der Hammer bei 240 Mark fiel, lachte Hans Kroll so laut, dass sich selbst die Männer am hinteren Ende des Hofes umdrehten. Vor Wilhelm Kern stand ein verrosteter Messerschmidkabinenroller auf drei Platten Reifen ohne Motor, ohne Haube und ohne Papiere. “Für das Geld hättest du wenigstens richtigen Schrott kaufen können”, rief Groll. Wilhelm antwortete nicht.

 Er strich nur mit dem Daumen über sechs flache Nieten am hinteren Seitenteil. Sie saßen in einem Abstand, wie man ihn an Flugzeughaut fand, nicht an einem Dorfumbau. Unter mehreren Farbschichten musste eine alte Werksmarkierung liegen und unter dem Sitz verlief eine verschlossene Linie, die in keinem Serienplan [musik] vorgesehen war.

 Noch wusste niemand, dass beides absichtlich [musik] verborgen worden war. Es war Oktober 1985 auf dem Hof einer stillgelegten Werkstatt bei Regensburg. Zwischen Flügen und verbeultten Mopedrahmen wirkte der kleine Dreiradwagen wie etwas, das man längst hätte wegwerfen sollen. Das Vorderteil war stumpf rot, die Seiten grün überpinselt, der Einstieg war verbogen.

 Wo normalerweise das Typenschild saß, glänzte eine grob abgeschliffene Fläche. Für Hans Kroll war das eindeutig. Erelte mit Altmetall und Maschinen, die andere nicht mehr brauchten. Ein unvollständiger Kabinenroller war für ihn eine schlecht zu stapelnde Blechschale. “Nicht einmal die Nummer haben sie dir gelassen”, sagte er.

 “Vielleicht war es nie ein echter Messerschmid.” Ein Mann fragte, ob Wilhelm ihn als Hühnerstall benutzen wolle. Wieder wurde gelacht. Wilhelm richtete sich langsam auf. Er war 71, groß, schmal. geworden und in den Knien nicht mehr schnell. Seine Hände bewegten sich noch immer ruhig. Fast 50 Jahre hatte er Karosserien gerichtet, Aluminiumbbleche geformt und Verkleidungen repariert.

 Zuerst an Segelflugzeugen, später an Kleinwagen. Er wusste, wie Metall aussah, wenn jemand hastig geflickt hatte und wie es aussah, wenn ein Fachmann etwas verbergen wollte. Er ging noch einmal um das Fahrzeug. Das hintere Seitenteil bestand aus dünnerem Blech als die übrige Außenhaut. Die sechs Nieten waren sauber versenkt und überspachtelt worden.

 [räuspern] Noch auffälliger war die Sitzschiene. Sie lag höher als bei den Kabinenrollern, die Wilhelm Kante. Darunter verlief eine gerade naht unter schwarzer Dichtmasse. Die Masse war alt, aber jünger als der ursprüngliche Lack. Jemand hatte die Stelle nachträglich verschlossen. “Nah, Meister?”, fragte Kroll. “Schon einen Schatz gefunden?” “Nein, was dann?” Arbeit.

Zwei Helfer schoben eine Rampe an Wilhelms alten Mercedes Transansporter. Das linke Vorderrad blockierte. Kroll wollte die Achse mit dem Brenner trennen. Wilhelm kroch darunter, löste mit Rostöl und einem dünnen Dorn den Bremshebel und machte das Rad frei. 12 Minuten später rollte der Kabinenroller auf die Ladefläche.

“Du behandelst das Ding, als hätte es noch einen Namen”, sagte Kroll. Wilhelm zog den zweiten Gurt fest. “Ich kaufe keinen Namen. Ich kaufe Arbeit.” Auf der Fahrt klapperte das Fahrzeug bei jeder Bodenwelle. Wilhelm fuhr nicht schneller als 60. Im Spiegel sah er den runden Bug und die leere Öffnung der Haube.

 Er dachte nicht an den Wert, er dachte an die sechs Nieten, exakt gesetzt mit einem Werkzeug, das nicht in jede Dorfwerkstatt gehörte. Seine Werkstatt lag hinter seinem Wohnhaus. Früher hatten dort drei Männer gearbeitet, jetzt standen nur noch Werkbank. Rollenstreckmaschine und Regale voller Schablonen unter den Leuchtstoffröhren. Er fotografierte jede Seite, schrieb Datum, Kaufpreis und Fundort in ein Heft und zog den Wagen mit einer Handwinde auf den Betonboden.

Dann entfernte er mit einem Holzspartel die schwarze Masse unter dem Sitz. Nach wenigen Minuten kam eine gerade Blechkante zum Vorschein. Kein Riss, keine Reparatur, eine eingesetzte Platte. Wilhelm klopfte mit einem Schraubendrehergriff dagegen. Das Metall antwortete hohl. Einer der scheinbaren Nietenköpfe war leicht oval, nicht beschädigt. Absichtlich anders.

Wilhelm berührte ihn nicht. Wenn dahinter Papier lag, konnte ein falscher Schlitt alles vernichten. Stattdessen wandte er sich der abgeschliffenen Stelle an der Außenhaut zu. Mit Petroleum löste er den Schmutz. Dann nahm er feines Schleifließ und arbeitete nur am Rand, wo die grobe Scheibe des Vorbesitzers nicht tief genug gekommen war.

 Rot verschwand, darunter lag grün, dann beig, dann grauer Grund. Nach fast einer Stunde erschien eine dunkle Linie. Wilhelm wechselte die Lampe und entfernte einen Streifen von kaum 2 cm. Jetzt erkannte er den Rest einer alten Ziffer. Es war eine sieben. Neben ihr zeichnete sich unter dem Lack der Anfang eines Buchstabens ab. Breit, kantig, wahrscheinlich ein M.

 Wilhelm legte das Schleifließ weg und sah zur hohlen Platte unter dem Sitz. Zum ersten Mal dachte er nicht mehr, dass er vielleicht etwas Interessantes gekauft hatte. Er dachte, daß jemand sehr viel Mühe darauf verwendet hatte, dieses Fahrzeug namenlos zu machen. Am nächsten Morgen legte Wilhelm ein Maßband an die Seitenteile, notierte jede Bohrung und zeichnete die Lage der Sitzschienen in sein Heft.

 Erst dann löste er die vier Schrauben des Sitzes. Zwei kamen sauber heraus, die dritte war rund gerostet, die vierte saß so fest, dass jeder ungeduldige Mechaniker sie aufgebohrt hätte. Wilhelm tat es nicht. Hitze konnte durch das dünne Blech in den Hohlraum darunterziehen. Also gab er Kriechöl auf das Gewinde, klopfte mit einem Messingdorn gegen den Kopf und wartete.

Nach einer Stunde ließ sich die Schraube um eine Achteldrehung bewegen. Später war der Sitz frei. Darunter kam kein normaler Boden zum Vorschein. Über dem eigentlichen Blech lag eine zweite sauber eingepasste Platte. An ihrem hinteren Ende saß die ovale Niet, die Wilhelm schon auf dem Auktionshof bemerkt hatte.

 Unter der Lupe erkannte er eine feine Kerbe. Das war kein Nietkopf, sondern ein eingelassener Stift. Er ließ ihn unberührt. Zuerst wollte er wissen, was für ein Fahrzeug vor ihm stand. Wilhelm hatte in den 50er Jahren an Flugzeugverkleidungen gearbeitet, später an kleinen Nachkriegsfahrzeugen. Damals tauschte man einen verzogenen Aufbau nicht einfach aus.

 Man musste verstehen, wo Spannung saß, welche Naht zuerst gezogen worden war und welches Teil brach, wenn man an der falschen Stelle Kraft gab. Metall besaß eine Reihenfolge. Es erzählte, was mit ihm geschehen war, solange man seine Spuren nicht voreilig entfernte. Deshalb schliff Wilhelm nicht großflächig.

 Er arbeitete sich millimeterweise von der sichtbaren Siiden nach links vor. Unterrot lag grün, darunter beig, dann grauer Grund. Erst darunter erschien die dunkle Schrift. Am Nachmittag war aus der Linie neben der Sieben ein M geworden. Am Abend stand dort NES. Wilhelm betrachtete die Buchstaben im flachen Licht der Lampe. Die Markierung lag unter dem ältesten Grund, also war sie vor der ersten Außenlackierung angebracht worden.

Wenn Sie Geschichten über alte Maschinen und Menschen mögen, deren Können zu früh vergessen wurde, abonnieren Sie den Kanal. Am folgenden Tag kam Ludwig Seifert vorbei, Vorsitzender eines kleinen Oldtimer Vereins. Er kannte die meisten Kabinenroller nach Baujahr und Motor. Er ging einmal um den Wagen, sah den fehlenden Motor, die zerstörte Haube und die abgeschliffene Stelle.

 “Ein Bastelobjekt”, sagte er, “Mhr nicht.” Wilhelm zeigte ihm die Buchstaben. Seifert setzte seine Brille auf. Das kann nachträglich gemacht worden sein. Unter dem ersten Grund. Seifert strich mit dem Fingernagel über die freigelegte Kante. Serienwagen trugen so etwas nicht. Dann ist es vielleicht keiner. Seifert erklärte, die frühen Versuchsträger seien dokumentiert, verschrottet oder in Sammlungen bekannt.

Ein solcher Wagen können nicht jahrzehntelang verschwinden. Wilhelm nahm eine Lampe und zeigte in den leeren Motorraum. Am hinteren Träger waren zwei Bohrungen zugeschweißt. Daneben saß ein weiterer Satz Befestigungspunkte weiter vorn und tiefer als beim Serienmotor. “Drei verschiedene Aufnahmen”, sagte Wilhelm.

Eine wurde benutzt, bevor der letzte Lack aufgetragen wurde. Seifert kniete sich hin. Nun sah er auch die innere Verstärkung. Ihr Rand war nicht gepresst, sondern von Hand geformt. Die kleinen Hammerschläge lagen unter dem Originallack. “Vielleicht einen Werksumbau”, sagte er leiser. “Vielleicht.” Zwei Tage später war die Schrift vollständig freigelegt.

Messerschmidt Versuch 017. Unter der zweiten Zeile verlief eine angeschliffene Spur. Jemand hatte versucht, die Kennzeichnung zu vernichten, aber nicht tief genug gearbeitet. Danach waren mehrere Farbschichten darüber gelegt worden, bis der Versuchswagen namenlos wirkte. Mit der Nummer änderte sich alles. Seifer telefonierte mit Sammlern und einem ehemaligen Händler.

 Keiner kannte einen Versuchsträger 017. Einer behauptete, die Nummer könne nicht existieren. Ein anderer bot Wilhelm noch am selben Abend 3000 Mark für den unrestauren, solange niemand sonst davon erfuhr. Wilhelm lehnte ab, nicht weil er den Wert schon kannte, sondern weil die Reaktion zu schnell kam. Am Morgen galt er als wertlos.

 Am Abend sollte er plötzlich verschwinden. Nun wandte sich Wilhelm wieder der Platte unter Lim Sitz zu. Er entfernte die Dichtmasse mit Holzsparteln und fand an der rechten Seite eine schmale Führung. Die Platte war nicht einfach eingeschweißt, sie musste einmal beweglich gewesen sein. Der ovale Stift gehörte zu einem Mechanismus, saß aber fest. Wilhelm drückte nicht.

 Er prüfte zuerst, wohin die Kraft gehen würde. Dann schob er die Sitzschiene wenige Millimeter nach hinten. Der Stift bewegte sich mit. Gleichzeitig hörte Wilhelm hinter der Platte ein trockenes Geräusch. Kein Klirren von Werkzeug, kein Rollen einer Schraube. Es war das leise, spröderaschön von Papier, das seit Jahrzehnten kein Licht gesehen hatte.

 Wilhelm schob die Sitzschiene keinen Millimeter weiter. Das Rascheln hinter der Platte war schwach. Aber eindeutig. Etwas Trockenes lag dort so dicht am Blech, daß schon eine falsche Bewegung es zerreißen konnte. Er stellte den Wagen auf Böcke und leuchtete von unten in den Hohlraum. Die Sitzschiene führte nicht nur den Sitz, ihr hinteres Ende griff in einen flachen Hebel, der den ovalen Stift entlastete.

Nur wenn man die Schiene bis zu einer bestimmten Position zurückschob und gleichzeitig den Stift eindrückte, löste sich die Platte. Wer einfach daran zog, spannte den Verschluss fester. Wilhelm fertigte einen dünnen Messingdorn, rundete die Spitze und legte Filz zwischen Werkzeug und Lack. Beim dritten Versuch gab der Stift mit einem trockenen Klicken nach.

 Die Platte sprang einen Finger breit auf. Dahinter saß eine flache Kassette aus Aluminium, kaum höher als ein Aktenordner. Zwei Filzstreifen hielten sie vom Blech ferm. Der Raum war vor der Montage geplant worden. Wilhelm zog die Kassette heraus und legte sie auf die Werkbank. Auf einem verblichen Etikett stand mit Bleistift nur 017.

Der Deckel war mit vier kleinen Schrauben geschlossen, drei ließen sich lösen, die vierte drehte [räuspern] leer. Mit einem gebogenen Werkzeug hielt Wilhelm die Mutter fest, bis auch sie freikam. Oben lagen sechs Schwarz-weißfotografien einzeln in Papier eingeschlagen. Das erste Bild zeigte den Kabinenroller ohne Außenhaut.

Auf der Rahmenstrebe stand in Kreide 017. Daneben standen fünf Männer. Einer von ihnen, klein mit schmalem Gesicht hatte beide Hände am hinteren Träger. Auf der Rückseite stand Anton Reiter, Änderung nach Versuchslauf 4. Das zweite Foto zeigte einen Riss um die Motoraufnahme. Auf dem dritten war ein zusätzliches Blech eingepasst.

Darin saßen genau jene sechs versenkten Nieten, die auf dem Auktionshof niemand beachtet hatte. Unter den Fotos lagen gefaltete Transparentzeichnungen. Eine frühe Zeichnung trug den Namen Anton Reiter. Auf einem späteren Blatt war dieselbe Verstärkung sauber neu gezeichnet. Maße, Winkel und Niedabstände waren identisch.

 Nur im Namensfeld stand jetzt Dror Friedrich Langen. Wilhelm legte beide Blätter nebeneinander. Es war dieselbe Konstruktion. In einem schmalen Heft folgten die Versuchsnotizen. Beim ersten Lauf vibrierte die hintere Einheit ab 62 km pro Stunde. Beim zweiten lösten sich zwei Befestigungspunkte. Beim vierten wuchs der Riss so weit, daß der Fahrer abbrechen mußte.

Reiter schlug vor, die Last über einen gebogenen inneren Träger zu verteilen. Dazu kamen die Nieten und die höher gesetzte Sitzführung. Der letzte Eintrag lautete: Lauf sieben, keine Rissbildung, Schwingung deutlich reduziert. Darunter war mit anderem Stift ergänzt, Lösung langen freigegeben. Ganz unten lag ein Umschlag adressiert an das Deutsche Museum in München.

 Er war nie verschickt. Anton Reiter schrieb, er habe die Unterlagen nicht aus Rache gesammelt. Er wolle nur verhindern, daß seine Arbeit verschwinde. Nach dem erfolgreichen siebten Versuch habe man ihm erklärt, technische Entscheidungen würden nicht von Werkstattmeistern veröffentlicht. Als er widersprach, habe man ihm nahe gelegt, an seine Stellung zu denken.

Seine Frau sei schwer krank gewesen, zwei Kinder lebten noch zu Hause. Ein verlorener Arbeitsplatz hätte auch Wohnung, Versicherung und Rente gefährdet. Also schwieg er. Jahre später erfuhr Reiter, daß Versuchswagen 017 ausgesondert werden sollte. Er half selbst bei der Vorbereitung zur Verschrottung, entfernte die sichtbare Kennzeichnung und verschloss die Unterlagen im Wagen.

 Er hoffte, den Aufbau später zurückzukaufen und alles an ein Museum zu schicken. Dazu kam es nicht. Der Brief endete mit einem Satz, der nicht wie eine Anklage klang. Ich verlange nicht, daß man mir glaubt. Ich verlange nur, daß man das Blech prüft. Wilhelm saß vor der offenen Kassette. Konstruktionen, Fotos und Zeichnungen passten zusammen.

 Aber ohne unabhängigen Beleg konnte jeder behaupten, Reiter habe fremde Unterlagen gesammelt oder die Blätter später beschriftet. Am Abend kam Ludwig seifert wieder. Sein Gesicht veränderte sich, als er die Fotos sah, doch er sagte, was Wilhelm längst dachte. Das ist stark, aber noch kein Beweis. Sie prüften Namen, Daten und Stempel.

Friedrich Langen war tatsächlich Entwicklungsingenieur gewesen. Anton Reiter tauchte in keiner veröffentlichten Firmenschrift auf, nicht als Konstrukteur, nicht einmal in einer Danksagung. Dann drehte Wilhelm das letzte Foto um. Unter dem Namen Anton Reiter stand eine zweite Zeile. Aufnahme: Georg Bauer, Zeichensaal.

Ludwig kannte den Namen. Bauer hatte nach der Werkszeit in Landzut gelebt und vor wenigen Jahren noch an einem Treffen ehemaliger Mitarbeiter teilgenommen. Wenn er noch lebte, musste er über 80 sein und er war vielleicht der einzige Mensch, der sagen konnte, ob Anton Reiter die Wahrheit in den Kabinenroller eingeschlossen hatte.

Georg Bauer lebte noch. Acht Tage später standen Wilhelm und Ludwig vor einem Reihenhaus am Rand von Landzhut. Der Mann, der öffnete, war 84 Jahre alt. Sein Blick ging sofort zur Aluminiumkassette in Wilhelms Händen. Woher haben Sie die? Wilhelm legte das Foto von Versuchswagen 017 auf den Küchentisch.

 Bauer setzte sich, dann berührte er den kleinen Mann neben dem offenen Heck. Reiter”, sagte er, der hat das Hinten neu gebaut. Er erkannte die Handschrift auf der ersten Zeichnung und die spätere Kopie mit langs Namen. Änderungen aus der Werkstatt kamen zuerst als Skizzen. Danach wurden sie sauber, neu gezeichnet, nummeriert und von einem Ingenieur freigegeben.

Wer die Lösung gefunden hatte, verschwand dabei manchmal aus dem Namensfeld. Lang hat die Besprechung geführt”, sagte Bauer, “aber diese Verstärkung war nicht seine Idee.” “Warum hatte er nie darüber gesprochen?” “Weil damals niemand fragte und später wollte niemand hören, dass ein Werkstattmeister etwas gerettet hatte, woran Ingenieure gescheitert waren.

” Seine Erinnerung war wichtig, aber noch kein ausreichender Beweis. Deshalb gingen die Unterlagen zuerst in ein Archiv. Ein Mitarbeiter des Deutschen Museums prüfte Papiere, Tinte, Fotomaterial und Zeichnungsnummern. Die Lochung pasß zu den damaligen Werkordnern. Auf einem Blatt fand sich ein Prüfzeichen, das nach 1956 nicht mehr verwendet worden war.

 Dann tauchte im Werksjournal die Nummer 017 auf. Der Eintrag war knapp. Versuchsträger ausgesondert, Kennzeichnung entfernt, Aufbau zur Verwertung freigegeben. Einen Tag später war die Änderung der hinteren Verstärkung in die Serienunterlagen übernommen worden. Als Verantwortlicher stand Friedrich Langen darin, doch am Rand hatte jemand mit Bleistift notiert: “Nach R.

” Das Verband Reiter Wagen 017 und die Lösung auf demselben Blatt. Die letzte Bestätigung kam nicht aus dem Werkarchiv. Anton Reiters Tochter Elisabeth lebte bei Augsburg. Als Wilhelm ihr den Umschlag zeigte, erkannte sie die Schrift sofort. Sie holte eine graue Schultasche vom Dachboden.

 Darin lagen die privaten Hefte ihres Vaters, voller Maße und kleiner Zeichnungen. In einem Heft fanden sie die Verstärkung von Versuch 017. Derselbe Winkel, dieselben sechs Nieten, dieselbe Rechnung zur Schwingung und dieselbe ungewöhnliche Abkürzung für den hinteren Motorträger wie in den Papieren aus der Kassette. Elisabeth las den nie abgeschickten Brief.

 Danach strich sie über die Unterschrift. “Er hat nie behauptet, ein großer Konstrukteur zu sein”, sagte sie. Er sagte nur, eine Maschine trägt die Namen von mehr Menschen, als auf ihrem Schild stehen. Damit war die Herkunft geklärt. Schwieriger wurde die Frage, was mit dem Wagen geschehen sollte. Ein Sammlerbot 38 000 Mark.

 Ein Händler wollte ihn nach England verkaufen. Wilhelm lehnte ab. Versuch 017 sollte weder in einer privaten Halle verschwinden, noch so glatt restauriert werden, dass seine Spuren verloren gingen. Das Museum erklärte sich zur Übernahme bereit, wollte die Tafel zunächst vorsichtig formulieren. Früher Messerschmidt Versuchsträger zugeschriebene Werkstattänderung.

Wilhelm las den Satz zweimal zugeschrieben. Sie haben den Wagen, die Zeichnungen, den Eintrag, den Zeugen und seine Hefte. Der Archivar sagte, ein Museum müsse juristisch haltbar bleiben. [räuspern] Wilhelm schob die Übergabepere zurück, dann bleibt er bei mir. Daraufhin beauftragte das Museum einen unabhängigen Gutachter.

 Er verglich Niedabstände, Blechstärken, Bearbeitungsspuren und Berechnungen. Das Ergebnis war eindeutig. Die Änderung am Fahrzeug entsprach Reiters Entwurf und war vor der späteren Werkszeichnung entstanden. Erst danach unterschrieb Wilhelm. Der Kabinenroller wurde nicht hochglänzend lackiert. Teile der alten Farbschichten blieben sichtbar.

 Die Aufschrift Messerschmidt Versuch 017 wurde freigelegt, aber nicht erneuert. Unter dem Sitz blieb die Kassette geöffnet. Daneben lagen Kopien der Fotos, Zeichnungen und des Briefes. Jeder Besucher konnte sehen, worauf die Geschichte beruhte. Zur Eröffnung kamen ehemalige Arbeiter, Mitglieder des Oldtimer Vereins und einige Männer vom Auktionshof.

Hans Kroll stand lange vor dem Wagen. Er war nicht mehr laut. “Fürtig Mark hätte ich ihn auch genommen”, sagte er, wenn ich gewusst hätte, was er ist. Wilhelm sah auf die sechs flachen Nieten. “Sie hätten den Wagen gekauft”, sagte er. Reiter hat die Arbeit hineingelegt. Auf der neuen Museumstafel stand nicht nur der Name der Firma, Versuchsfahrzeug 017, Technische Überarbeitung und Aufbau Werkstattmeister Anton Reiter.

Elisabeth legte die Hand an den Rand der Vitrine. Ihr Vater hatte kein Vermögen, keinen Titel und kein Denkmal hinterlassen, nur Blech, Papier und eine Lösung, die funktioniert hatte. 30 Jahre lang hatte sein Name gefehlt. Nun stand er genau dort, wo seine Arbeit immer gewesen war. Hätten Sie den Kabinenroller für Mark gekauft oder hätten Sie mit den anderen gelacht? M.

 

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