Die Auktion lachte über seinen 220-Mark-Rostwagen – dann fuhr er einfach ins Wasser
Für 220 Mark kaufte der 71-jährige Karosseriebauer Jakob Kern ein verrostetes Auto, das auf dem Auktionshof nicht einmal mehr rollen konnte. Drei Wochen später lenkte er denselben Schrotthaufen direkt in die Donau. Die Männer am Ufer warteten darauf, dass er unterging, doch der Wagen sank nicht.
Unter dem Heck begannen zwei Propeller zu schlagen und eine Frau in der Menge erkannte an einer Messingflickstelle genau das Fahrzeug, das ihr 22 Jahre zuvor das Leben gerettet hatte. Der Regen hatte in der Nacht aufgehört, doch über dem stillgelegten Werfhof bei Regensburg hing noch der Geruch von nassem Holz, Öl und Flussschlamm.
Zwischen verbogenen Bootstrailern und ausgebauten Motoren stand das kleinste Los Vormittags. Ein niedriger rundlicher Wagen, dessen rote Farbe fast vollständig unter Rost verschwunden war. Das linke Vorderrad zeigte nach außen, die Reifen waren platt und durch das zerrissene Verdeck hatte sich Wasser im Innenraum gesammelt.
“Loß Nummer 37”, rief der Auktionator und schlug gegen den Kotflügel. Ein Stück Lack fiel zu Boden. Personenkraftwagen, Hersteller unbekannt, nicht fahrbereit, ohne Papiere. Aus der Menge kam das Lachen. Jakob Kern stand drei Reihen weiter hinten. 71 Jahre alt, schmaler als früher, in dunkelblauer Arbeitsjacke, mit Händen voller [räuspern] alter Narben.
Vier Jahrzehnte hatte er Karosserien gerichtet und in einer Bootswerfrümpfe geschweißt. Er betrachtete nicht den Rost, er betrachtete die Linien darunter. Der Wagen war zu hoch an den Seiten und zu glatt am Boden. Die Türen reichten nicht bis dorthin, wo bei einem normalen Auto die Schweller endeten.
Unter der hinteren Stoßstange saßen zwei Runde mit blechverschlossene Öffnung vollkommen symmetrisch. Kein Auspuff führte hinein. “200 Mark!” rief Kortbrenner. Er stand neben seinem Abschleppwagen, breit, sauber rasiert, in einem roten Pullover, mit dem Namen seines Schrottplatzes. Brenner kaufte Maschinen nach Gewicht.
Er wusste, was eine Tonne Stahl brachte und wann sich ein Fahrzeug nicht mehr lohnte. Der Auktionator hob den Hammer. 200 zum ersten. Jakob ging nach vorn und kniete sich neben das rechte Hinterrad. Mit dem Daumen strich er über eine Naht, die unter Schmutz und Rost fast verschwunden war. Sie verlief ohne Unterbrechung vom Radlauf bis unter die Tür, nicht gepunktet wie bei einer gewöhnlichen Karosserie, sondern durchgehend geschlossen.
Jemand hatte versucht, diesen Wagen dicht zu machen. 200 zum Jakob richtete sich auf. Brenner drehte sich um und sah ihn an, als hätte ein Kind beim Kartenspiel dazwischen gerufen. Für das Ding. Jakob antwortete nicht. Brenner trat gegen den platten Reifen. Der Motor ist fest. Das Getriebe wahrscheinlich auch.
Selbst die Mäuse sind ausgezogen. Einige Männer grinsten. Ich zahle 200, weil ich ihn in Stücke schneide. Du zahlst mehr, weil du glaubst, er fährt noch. Nein, sagte Jakob. Weil du etwas übersehen hast. Das Lachen wurde lauter. Brenner hob beide Hände. Dann gehört das Wunderauto dem Meister. Der Hammer fiel bei 220 Mark.
Jakob öffnete die Fahrertür nur wenige Zentimeter. Der untere Rand klebte an einer schwarzen Dichtung, die hart wie Holz geworden war. In Fußraum lag motriger Stoff. Das Lenkrad war rissig, die Sitze aufgequollen. Neben dem Schalthebel ragte jedoch ein zweiter kürzerer Hebel aus dem Mitteltunnel. Er endete in einem blank gerieenen Metallknauf.
Unter dem Armaturenbrett fand Jakob einen Zug, der nach hinten führte. Dann ging er zur Rückseite. An der linken Blechabdeckung [räuspern] entdeckte er vier Schrauben. Drei waren völlig verrostet. Die vierte zeigte helle Spuren, als hätte jemand versucht, sie zu lösen. Suchst du die Goldbaren? Jakob nahm ein Taschenmesser und kratzte den Schmutz neben der Öffnung ab.
Unter mehreren Schichten Farbe kam ein schmaler Ring aus Messing zum Vorschein. Kein Schmuck, ein Lagerpflansch. Jetzt wußte Jakob, daß die Öffnungen einmal Wellen getragen hatten. [räuspern] Zum Verladen brauchten sie eine Seilwinde. Die Hinterräder bewegten sich keinen Zentimeter und als der Wagen über die Rampen gezogen wurde, tropfte braunes Wasser aus dem Innenraum.
Brenner erzählte jedem, der hören wollte, der alte Kern habe sich für 220 Mark einen Gartenteich auf Rädern gekauft. Jakob sicherte den Wagen mit drei Gurten. Bevor er die letzte Ratsche schloß, legte er die Hand auf den hinteren Kotflügel. Unter dem Rost spürte er eine leichte Wölbung.
In seiner Werkstatt hob er den Wagen noch am Abend auf vier Böcke. Er stellte eine Lampe unter das Heck und löste die einzige Schraube, die sich bewegen ließ. Die Abdeckung gab mit einem trockenen Knacken nach. Dahinter lag eine kurze Welle mit einer uralten Gummikupplung. Jakob drehte sie mit zwei Fingern. [räuspern] Erst wehrte sie sich, dann bewegte sie sich einen Millimeter.
Und tief im Heck antwortete etwas mit einem leisen metallischen Klick. Jakob hielt die Finger an der Welle und wartete. Das Klicken kam erneut, tiefer im Gehäuse, als hätte sich hinter dem Blech ein Zahnrad aus langem Schlaf bewegt. Die Kupplung war rissig, aber nicht gebrochen. Zwei Wellen, ein dichter Boden, hohe Türen und ein zweiter Hebel.
Kein Bastler hatte das zufällig zusammengefügt. Dieser Wagen war für zwei Welten gebaut worden. Am nächsten Morgen suchte Jakob in alten Katalogen. Nach zwei Stunden lag vor ihm eine vergöbte Anzeige. Amfik 770, gebaut für Straße und Wasser mit Heckmotor und zwei Propellern. Das Foto zeigte dieselbe runde Nase und hohe Seitenlinie.
Nur eines fehlte an Jakobs Wagen, beide Propeller. Jemand hatte sie abgeschraubt, die Öffnung mit Blech verschlossen und das Heck überlackiert. Gründlich genug, damit jeder Händler den Wagen für einen missglückten Kleinwagen ielt. Jakob nahm eine Kopie mit. Er begann nicht mit dem Motor. Zuerst musste der Wagen dicht werden.
Eine Maschine, die auf der Straße stehen blieb, war ärgerlich. Eine Maschine, die im Wasser versagte, brachte einen Menschen um. Jakob entfernte Sitze und Teppich. Darunter fand er Rostlöcher und Nähte, die seit Jahren niemand geprüft hatte. Er markierte jede schwache Stelle mit Kreide und klopfte das Blech mit einem leichten Hammer ab.
Gutes Blech klang anders als alter Rost. Am dritten Abend kam sein früherer Kollege Franz vorbei. Er blieb in der Tür stehen. Du willst damit wirklich ins Wasser, wenn er dafür gebaut wurde? Und wenn er vergessen hat, dass er schwimmen kann? Jakob sah auf die Wellen. Dann muss ich es ihm wieder beibringen. Gemeinsam hoben sie den Motordeckel ab.
Der Motor war fest, aber nicht gebrochen. In den Zylindern stand altes Öl, dick wie Honig. Jakob löste die Zündkerzen, füllte Kriechmittel ein und bewegte die Kurbelwelle täglich nur wenige Grad. Gewalt ging schneller, doch ein alter Motor verriet seinen Schaden nicht, wenn man ihn zwang. Er brach. Am fünften Tag drehte sich die Kurbelwelle halb herum.
Am 7b einmal ganz. Jakob reinigte den Vergaser, ersetzte die spröden Leitungen und schloss eine Batterie an. Beim ersten Versuch klackte nur der Magnetschalter. Beim zweiten drehte der Anlasser schwer. Beim dritten hustete der Motor schwarzen Rauch in die Werkstatt und starb wieder ab. Beim vierten Versuch lief er.
Nicht ruhig, nicht schön, aber er lief. Das Geräusch füllte den Raum wie die Stimme eines Mannes, den alle für Tod gehalten hatten. Jakob zog den kurzen Hebel neben dem Schalthebel. Unter dem Heck begannen beide Wellen zu drehen. Wenn du Geschichten über vergessenes Handwerk und Maschinen magst, die mehr verbergen, als man ihnen ansieht, dann abonniere den Kanal.
Die rechte Welle lief sauber, die linke schlug bei jeder Umdrehung aus. Jakob schaltete ab. Im Wasser würde der Schlag die Dichtung zerstören. Er richtete das Teil auf seiner Drehbank und fertigte neue Buchsen aus Bronze. Propeller waren nicht aufzutreiben, also nahm er die Maße aus dem Katalog, ließ zwei Rohlinge gießen und bearbeitete sie selbst.
Als er die rechte Tür abschliff, stieß er auf eine fremde Reparatur. Unter Spachtel und Farbe lag ein unregelmäßiges Stück Messing mit kurzen Punkten ins Stahlblech gesetzt. Keine Werft hätte so gearbeitet. Das war eine Notlösung. Schnell gemacht, wohl unterwegs. Franz beugte sich näher. Diesen Naht kenne ich. Jakob wartete.
Ewald Auer hat so repariert. Er nahm Messing, wenn kein Blech da war. Mein Bruder hatte nach dem Hochwasser einen Kotflügel von ihm. Welches Hochwasser? Franz hob den Kopf. Das große Donauchwasser. Der Name Ewald Auer brachte eine andere Geschichte in die Werkstatt. Im Gasthaus hieß es: Auer habe damals Geld für Treibstoff gesammelt, Menschen warten lassen und sei vor der Abrechnung verschwunden.
“Ein Feigling”, sagten manche, “Ein Betrüger”, sagten andere. Niemand erwähnte ein Amphibienauto. Jakob glaubte keiner Version. Er glaubte dem Metall. Zwei Wochen nach der Auktion saßen die neuen Propeller am Heck. Der Motor sprang an, die Wasserwellen liefen und Jakob begann mit der Dichtigkeitsprüfung. Er füllte den leeren Innenraum langsam mit Wasser, nicht um zu sehen, ob etwas eindrang, sondern wo es austrat.
Unter der linken Welle erschien ein Tropfen, dann ein zweiter, dann wurde daraus ein dünner, stetiger Faden. Jakob stellte den Motor ab. Der Wagen konnte fahren, aber wenn er ihn jetzt in die Donau setzte, würde diese unscheinbare Dichtung entscheiden, ob er zurückkam. Jakob zerlegte zuerst das linke Lager.
Ein neuer Gummiring nützte nichts, wenn die Welle schief lief. Unter der Hülse fand er eine feine Rille, von Wasser und Sand ins Metall geschliffen. Er drehte die Welle nach, setzte eine Bronzeaufläche auf und prüfte alles mit Petroleum. Drei Stunden blieb der Boden trocken. Am Sonnabend brachte er den Wagen zur alten Slipanlage bei Donaustauf.
Franz fuhr den Abschleppwagen, dahinter kam ein Motorboot der Feuerwehr. Jakob hatte auf Sicherungsseil, Pumpe und Schwimmwesten bestanden. Er wollte den Wagen prüfen, nicht sein Glück. Menschen standen am Ufer. Manche kannten Jakob, andere wollten sehen, wie zwei Mark im Fluss versanken. Kurtbrenner lehnte an seinem Geländewagen wieder im roten Pullover.
“Ich habe einen Kran mitgebracht”, rief er, “Falls dein Wunder etwas tiefer parkt.” Jakob prüfte die Türen, dann war die Fahrt nicht umsonst. Er ließ den Motor warm werden. Der Motor zitterte im Heck, fing sich und lief gleichmäßig. Die Propeller drehten kurz in der Luft. Jakob schaltete sie aus, setzte sich ans Lenkrad und rollte auf die Rampe.
Das Wasser stieg über die Narben und drückte braune Wellen gegen die Türen. Im Innenraum wurden Motor, Getriebe und sein Atem plötzlich laut. Jakob sah auf die Kreidemarken an den Schwellern. Noch blieb alles trocken. Die Hinterräder erreichten das Wasser. Der Wagen wurde leichter. Am Ufer. verstummten die Gespräche.
Selbst Brenner stellte seine Tasse ab. Noch ein Meter und die Vorderräder verloren den Beton. Der Wagen kippte kurz nach vorn. Wasser schwappte bis unter die Scheinwerfer. Franz hob die Hand zum Feuerwehrboot. Jakob wartete. Der Wagen sank nicht. Er lag tief, aber ruhig auf dem Fluss. Jakob zog den kurzen Hebel.
Unter dem Heck griffen die Propeller ins Wasser. Erst kam nur Schaum, dann bewegte sich das Ufer. Ein Murmeln ging durch die Menge. Jakob drehte das Lenkrad. Die Vorderräder wirkten wie Ruderflächen. 10 m, dann 20. Das Sicherungsseil hing locker. Brenner sagte nichts mehr. Jakob fuhr einen weiten Bogen. Die Strömung drückte stärker als erwartet, doch der Motor hielt die Drehzahl.
Einmal blinkte die Ladekontrolle auf, dann hörte er ein dumpfes Schlagen unter dem Boden. Er nahm Gas weg, prüfte die Bilge und sah zwei Tropfen neben der neuen Dichtung. nicht mehr. Kein Faden, keine Gefahr. Bei seiner Rückkehr standen alle an der Wasserkante. Die Räder fanden Beton und zogen den Wagen an Land.
Wasser lief von den Reifen, nicht aus dem Innenraum. Franz schlug aufs Dach. Er schwimmt. Jakob stellte den Motor ab. Zum ersten Mal seit dem Kauf lächelte er. Da drängte sich eine ältere Frau durch die Menge. Sie trug einen grauen Mantel und ging direkt zur rechten Tür. Ihre Hand blieb über der Messingstelle stehen, ohne sie zu berühren.
Wo haben Sie diesen Wagen gefunden? In einer alten Werft. Die Frau sah auf die Reparatur und die flache Delle über dem Radlauf. Das ist Ewaldsauto. Jemand lachte unsicher. Ewald Auer, der mit dem verschwundenen Benzingeld? Die Frau drehte sich um. Ihre Stimme war leise, trug aber über das ganze Ufer. Ewald Auer hat mir das Leben gerettet.
Sie hieß Anna Reiter. Im Februar 1963 hatte sie in einem niedrigen Schulhaus nahe der Donau unterrichtet. Das Wasser war schneller gekommen als die Warnung. Bald stand es im Erdgeschoss. Anna hatte neun Kinder auf Tische gehoben, während draußen Fässer und Baumstämme durch die Straße trieben. Die Feuerwehr kam nicht durch, ein Boot kentterte an einer Mauer.
Dann erschien ein roter Wagen im Wasser. Auer machte drei Fahrten. Auf der ersten nahm er vier Kinder mit, auf der zweiten drei. Bei der dritten schlug die rechte Seite gegen die steinerne Schultreppe. Dabei entstand die Delle. Wasser drang durch einen Riss in der Tür. Auer verschloss ihn noch am selben Abend mit einem Stück Messing, weil er am nächsten Morgen wieder hinaus wollte.
Anna strich über genau diese Stelle. Beim letzten Mal brachte er mich und die beiden kleinsten Jungen ans Ufer. Danach drehte er sofort um. “Wohin?”, fragte Franz. “Zur alten Fähre.” Dort waren noch Menschen eingeschlossen. [räuspern] Anna sah zu Brenner, dann in die Menge. Unter ihnen war der Sohn des Mannes, der später behauptete, Ewald sei geflohen.
Niemand sprach. Der Fluss rauschte gegen die Rampe. Warum? Fragte Jakob. Hat eine gerettete Familie seinen Namen zerstört? Anna hobt im Blick. Weil Ewald in jener Nacht etwas gesehen hatte, das niemals bekannt werden sollte. Anna erzählte erst weiter, als alle schwiegen. Der Besitzer der alten Färe hieß Ludwig Brenner. Er war kurzvater.
In der Hochwassernacht hatte er trotz Warnung eine überladene Färe gelassen. Die Sicherungskette war zu schwach, der Motor schlecht gewartet und mehrere Arbeiter mussten noch einmal hinaus, weil Brenner Maschinen retten wollte. Ewald Auer sah, wie die Strömung das Boot querstellte. Er warnte Brenner, doch der befahl, den Männern weiterzufahren.
Wenige Minuten später riß die Kette. Die Fähre schlug gegen einen Pfeiler und blieb an einer Mauer hängen. Sechs Menschen saßen fest, darunter Breners siebzehnjähriger Sohn. Aua fuhr mit dem Amphika hinaus. Beim ersten Versuch triebrömung ab. Beim zweiten erreichte er die Mauer, nahm zwei Verletzte auf und brachte sie zurück.
Dann fuhr er noch einmal hinaus, obwohl Wasser durch die geflickte Tür drang. Er brachte den Jungen zuletzt, sagte Anna. Deshalb durfte später niemand hören, daß sein Vater die Gefahr verursacht hatte. Ein alter Mann trat aus der Menge. Josef Hartel war damals junger Feuerwehrmann gewesen. Er bestätigte jedes Wort. Nach dem Hochwasser hatte er gesehen, wie Ludwig Brenner Auer im Gerätehaus anschrie.
Auer verlangte, dass der Unfall gemeldet und die mangelhafte Färe stillgelegt wurde. Brenner drohte ihm, er werde dafür sorgen, dass niemand mehr seine Werkstatt betrete. Dann kam die Sache mit dem Geld. Während der Rettung waren Pumpen, Boote und Fahrzeuge ohne Treibstoff geblieben. Auer nahm die Spendenkasse, fuhr zu einem Landwirt und kaufte Benzin und Diesel gegen Quittung.
Er gab alles an Feuerwehr und Helfer aus, doch die Quittungen verschwanden im Büro des Fairbetriebs. Am nächsten Morgen hieß es: “Auer habe das Geld genommen und sei geflohen.” “Ich habe den Tankwagen selbst entladen”, sagte Harte, “aber ich hatte Angst um eine Stelle und schwieg.” Keiner widersprach. Neben ihm stand nun Emil Schuster, ein früherer Hafenmechaniker.
Er erklärte, Auer habe den Wagen nach dem Hochwasser zu ihm gebracht. Die Propeller waren verbogen, die linke Welle schlug und die Tür war mit Messing geflickt. Auer wollte die Reparatur bezahlen, sobald sein Name geklärt war. Dazu kam es nie. Drei Tage später wurden die Fenster seiner Werkstatt eingeschlagen. Kunden blieben weg.
Auf der Tür stand mit schwarzer Farbe Dieb. Aua verließ den Ort noch in derselben Woche. Den Amphika ließ er bei Schuster zurück, weil er nicht mehr fahrbereit war. Jahre später musste Schuster seine Halle räumen. Der Wagen wechselte mehrmals den Besitzer, verlor Papiere, Propeller und schließlich seinen Namen.
Jakob fragte, ob jemand wüsse, was aus Auer geworden war. Schuster zog einen gefalteten Brief aus der Innentasche. Er stammte aus Hamburg und war von einer Sozialarbeiterin unterschrieben. Ewald Auer war dort 1978 gestorben, allein nach Jahren als Schweißer auf einer Werft. In seinem Zimmer hatte man Werkzeug, zwei Fotos von der Donau und einen Zeitungsausschnitt über das Hochwasser gefunden.
Darauf waren gerettete Kinder zu sehen. Sein eigener Name fehlte. Am Montag ging Anna zur Lokalzeitung. Hatel und Schuster kamen mit. Jakob stellte den Wagen vor das Gebäude, die Messingstelle offen sichtbar. Drei Tage später erschien auf der Titelseite: “Ewald Auer war kein Dieb. Er rettete elf Menschen.” Die Zeitung druckte die Aussagen, die Tankbelege, die Schuster gefunden hatte und ein Foto des Amfika im Wasser.
Der Gemeinderat nahm die früheren Vorwürfe öffentlich zurück. Viel mehr konnte er nicht tun. Ein Toter erhielt kein verlorenes Geschäft, keine zurückgegebenen Jahre und keinen Heimweg. Im Frühjahr bekam der Wagen einen Platz in der Halle der Freiwilligen Feuerwehr. Jakob lehnte eine vollständige Neulackierung ab.
Der Rost wurde gestoppt, der Motor überholt, doch Delle und Messingflickstelle blieben. Auf einer Tafel stand nicht der Wert des Autos, sondern eine Reihe von Namen. Anna Reiter, neun Schulkinder, zwei Fairarbeiter, darunter gerettet von Ewald Auer, Februar 1963. Bei der Einweihung stand Kurt Brenner lange vor der rechten Tür.
Niemand verspottete ihn. Niemand verlangte eine Entschuldigung. Er sah nur auf die Kreideschrift am Kotflügel 220 Mark. Dann nahm er sein Taschentuch, rieb die Zahl ab und ging. Jakob ließ die Messingstelle unberührt, sie war nie schön gewesen, aber sie hatte gehalten, als es darauf ankam. Und manchmal ist genau das der Unterschied zwischen Schrott und etwas, das eine ganze Stadt zu spät versteht. Yeah.