News

Als zwei amerikanische Wachleute den flüchtenden Deutschen sahen – und einer schwieg

person
By sonds6
chat_bubble 0 Comments

Wisconsin, Sommer 1944. Die Felder östlich von Thoma erstreckten sich flach bis zum Horizont, unterbrochen nur von alten Zaunpfehlen und Feldwegen, die schon lange vor dem Krieg dort gestanden hatten. In der Dämmerung, wenn der Morgennebel noch zwischen den Maisreihen hing, war der Hof der Familie Kessler kaum vom Rest der Landschaft zu unterscheiden.

 eine Scheune aus Rotem Holz, ein Brunnen, ein Küchengarten und 19 deutsche Kriegsgefangene, die jeden Morgen um 6 Uhr aus einem Militärlastwagen stiegen. Hans Werner [musik] war einer von ihnen. Er war 29 Jahre alt, geboren in Ulm an der Donau, der Sohn eines Schreiner gehilfen, der ihm beigebracht hatte, das Holz geduldig ist, dass es einem antwortet, wenn man es richtig fragt.

Hans Werner hatte das gelernt, nicht als Metapher, sondern als Handwerk. Er kannte den Unterschied zwischen dem Klang eines gesunden Balkens und dem eines rissigen. Er wusste, wie man Maß nimmt, ohne sich zu irren. Diese Fähigkeit hatte ihn nach Nordafrika begleitet, nicht als Waffe, sondern als Gewohnheit des Auges.

 Im Mai 1943 hatte Hans Werner zusammen mit fast 275 000 deutschen und italienischen Soldaten [musik] in Tunesien kapituliert. Es war keine letzte große Schlacht gewesen, kein dramatischer Moment, sondern ein langsames Verstummen am Mittelmeer, ein Niederlegen von Dingen, die man zu lange getragen hatte. Hans Werner wusste in jenen Wochen nicht mehr genau, was er war.

 Kein Soldat mehr, noch kein Gefangener im eigentlichen Sinne, etwas dazwischen, das kein Wort hatte. Er schrieb seiner Frau einen Brief, in dem er schrieb, daß er am Leben sei, und schickte ihn ab, ohne zu wissen, ob er ankommen würde. Dann Schiffe, die englische Küste, Lager, die nach nassem Gras und K rochen, dann der Atlantik auf Schiffen, die so groß waren, dass die See verschwand, dann ein Zug, der tagelang fuhr.

 Felder, die größer waren als jeder Hof, den er je gesehen hatte. Ein Himmel, der sich anders wölbte als der Himmel über Ulm, weiter, gleichmäßiger, ohne die Hügelsilhuette, die Hans Werner sein ganzes Leben lang als selbstverständlich angesehen hatte, dann Amerika, dann Wisconsin. Das Lager bei Camp McCoy, unweit von Thoma, empfing Hans Werner im Herbst 1943.

Holzbaracken in Rhein, ein gepflaster Appellplatz, Drahtzäune mit gleichmäßigen Abständen. Die Verwaltung funktionierte, die Mahlzeiten kamen pünktlich. Hans Werner ließ die Tage vergehen, wie man einen langen Winter vergehen lässt. Nicht ungeduldig, aber auch nicht gleichgültig. Die anderen Männer in seiner Baracke kamen aus Bayern, aus Sachsen, aus der Pfalz.

Manche schrieben Briefe seitenweise, als könnte Papier das Gewicht des Abstands tragen. Manche spielten Karten bis nach Mitternacht, manche schliefen, sobald es dunkel wurde und schliefen, bis es wieder hell war, als wäre der Schlaf das einzige, das sie noch selbst bestimmten. Hans Werner war kein Grübler.

 Er schrieb seiner Frau alle zwei Wochen kurze Briefe, in denen er die Tatsachen nannte und sonst nichts. Wisconsin selbst war fremd auf eine Weise, die Hans Werner nicht erwartet hatte. Er hatte Amerika als etwas Lautes erwartet, aber die Landschaft östlich von Thoma war still. Weite Felder, ein flacher Himmel, Wälder, die anders rochen als die Wälder in Würtemberberg.

Er nickte, als hätte ihn das etwas angegangen. Er wurde für Feldarbeit eingeteilt, was ihm recht war. Draußen gab es mehr zu sehen als in der Baracke. Der Hof der Kesslers lag 20 km vom Lager entfernt. Farmer Heinrich Kessler, die Familie war seit drei Generationen in Wisconsin. Der Name hatte sich gehalten, die Sprache war längst weg, baute Mais und Bohnen an und hatte seit dem Abzug der jungen Männer kaum noch Hände für die schwere Arbeit.

Der Vertrag mit dem Militär erlaubte ihm Gefangene anzufordern. Sie bekamen ein Lunchpaket, manchmal mittags etwas warmes. Eintopf, Brot, Kaffee aus einer Kanne, den Kessler ohne Kommentar auf den Tisch stellte. Hans Werner begann im Juni auf dem Hof zu arbeiten. In der dritten Woche bat er mit Gesten um Werkzeug.

Einer der Querbalken in der Scheune war nach einem Sturm verschoben worden, nicht gebrochen, aber schief, sodass die ganze südliche Wand eine leichte Neigung hatte, die man nur sah, wenn man sie suchte. Hans Werner sah sie beim ersten Mal. Er arbeitete drei Stunden daran und als er fertig war, hielt die Scheune wieder so, wie sie halten sollte.

Heinrich Kessler sagte kein Wort, aber von da an holte er Hans Werner als ersten aus dem Laster. Die Wochen danach verliefen in einem Rhythmus, der einfach entstanden war, aus der Wiederholung selbst. Hans Werner reparierte, was zu reparieren war. Manchmal sprach er kein einziges Wort den ganzen Tag. Das war ihm recht.

 Die besten Tage in der Schreinerei waren die gewesen, an denen die Sprache sich nicht aufdrängte, wo das Holz die Aufgabe stellte und die Hände die Antwort gaben. Corporal Ray Pru bewachte die Arbeitsdienste seit dem Frühjahr. Er war 26 Jahre alt aus Maon, Georgia und er hatte seinen jüngeren Bruder Thomas bei Anzio verloren.

 Januar 1944 in den ersten Tagen der Landung in einer Nacht, über die Thomas ihm nie geschrieben hatte, weil es keine Zeit mehr gegeben hatte. Pru hatte die Nachricht in einem Feldpostamt in Norfolk erhalten auf einem Formular, das wie alle anderen Formulare aussah. Er hatte es gefaltet, in die Brusttasche gesteckt und war weitergegangen.

Er behandelte die Gefangenen mit dem genauen Minimum, das die Regeln verlangten. Nicht weniger, nicht mehr. Seine Verachtung war nicht laut. Sie war architektonisch. Sie steckte in der Art, wie er einen Befehl gab, ohne das Gesicht des Mannes anzusehen, dem er ihn gab, in der Art, wie er die Abstandsregeln maß, als wäre die Präzision selbst eine Form der Botschaft.

 An einem Morgen im Juli konfiszierte er von Hans Werner ein Stück Schnur, 20 cm Juteband, das Hans benutzt hatte, um eine Holzlatte auszumessen. Technisch war es nicht erlaubt. Pol nahm es ohne ein Wort, steckte es in seine Jackentasche und wandte sich ab. Hans Werner bückte sich, hob ein Stück Draht vom Boden auf und arbeitete weiter.

 Private Karl Brenner war 21 aus Milwaukee und er patrullierte gemeinsam mit Pruit, meist in der Frühe, meist schweigend. Seine Großeltern väterlicherseits waren Ende des 19. Jahrhunderts aus Geißlingen an der Steige gekommen, einer kleinen Stadt in Würtemberberg nahe Ulm an der Donau. Sie hatten in Milwaukee eine Bäckerei eröffnet, die später zu einer Eisenwarenhandlung wurde.

 Breners Großmutter hatte bis zu ihrem Tod schwäbisch gesprochen. Das breite, geduldige, Schwebisch der Alp, das Vokale in die Länge zieht und aus Sätzen etwas macht, das nach Nachdenklichkeit klingt, als wäre jedes Wort gut überlegt worden, bevor es das Haus verließ. Karl Brenner hatte als Kind am Küchentisch gesessen und mehr verstanden, als er jemals zugegeben hatte.

 Seine Großmutter sprach mit ihm auf Schwebisch und er antwortete auf Englisch und sie nickte, als wäre das dieselbe Unterhaltung. Wenn sie kochte, sprach sie mit den Töpfen. Kurze Sätze, keine vollständigen, nur Hinweise. Jetzt noch ein bisschen, so ist es gut. Es war keine Sprache, die er gelernt hatte. Es war eine Frequenz, die er in sich hatte, ohne zu wissen, was er damit anfangen sollte.

Im Militär hatte er nichts davon erwähnt. 1942 war es keine gute Zeit gewesen, Deutsch zu klingen. Er beobachtete die Gefangenen bei der Arbeit, eine Gewohnheit des langen Stehens, des Wartens. Meistens sah man nur Bewegung. Bei Hans Werner sah man etwas anderes. Er arbeitete ruhig, mit einer Art Genauigkeit, die Brenner an seinen Vater erinnerte, der Schrauben einzeln in Schubladen legte und sagte: “Unordnung kostet mehr Zeit als Ordnung, immer.

” Es war keine große Ähnlichkeit, aber Brenner bemerkte sie und er vergaß sie nicht. Er sagte nichts darüber zu niemandem. Es war nichts, worüber man sprach. Im August kam der Brief. Er kam aus Ulm mit einem Poststempel, der drei Wochen alt war. Hans Werner öffnete ihn am Abend in der Baracke unter der Glühbirne, die über den Etagenbetten hing und zu warm war für das Licht, das sie gab.

 Seine Frau schrieb, wie sie immer schrieb, ohne Klage, ohne Drama, in Sätzen, die die Tatsachen nannten, als wären sie unvermeidlich. Die Scheune hinter dem Haus war in einem Angriff beschädigt worden. Hans Werners Mutter lag seit drei Wochen im Bett. Der Arzt sprach vom Herzen, aber so, dass man nicht sicher war, was er damit meinte.

 Der kleine Hansi war jetzt dre Jahre alt. Er frage manchmal nach dem Vater. Er wisse nicht genau, wen er meine. Sie würden den Winter schon schaffen. Sie bat um nichts. Hans Werner las den Brief zweimal. Er faltete ihn sorgfältig, strich die Kanten mit dem Daumen glatt und legte ihn in das Notizbuch, in das er nie etwas geschrieben hatte.

 Er wuße, dass es unmöglich war. Das war kein Gedanke, den er verdrängte. Es war eine Tatsache, die er klar sah, wie man einen schiefen Balken klar sieht. Von Wisconsin nach Ulm waren es mehr als 8000 km. Er hatte kein Geld, keine Papiere, keine Sprache, die ihn durch Amerika tragen würde. Er kannte keine Route, keinen Weg, der ihn irgendwohin brachte, das weiterführte, selbst wenn er den Zaun überquerte, es gab kein Selbst wenn, das bis nach Ulm führte.

Und trotzdem setzte sich in den Tagen nach dem Brief etwas in ihm fest, so wie sich Feuchtigkeit in Holz setzt und es von innen verändert, dass er gehen musste. Nicht, weil er ankommen würde, sondern weil stillhalten in diesem Moment das Schwerere wäre, weil es Dinge gab, die man einem bestimmten Menschen schuldig war.

 Und dieser bestimmte Mensch war noch zu klein, um das zu verstehen. In der Woche darauf beobachtete er die Patrouille. Morgens zwischen vier und wenn die Nacht noch nicht aufgehört hatte zu sein, gab es einen Moment, in dem Pr und Brenner den südlichen Zaun abgingen und am Maisfeld nach Osten abbogen. Zwischen dem Zaun und dem Feld lag ein Streifen Erde, schmal und von der Scheune aus nicht einsehbar.

40 Sekunden schätzte Hans Werner, in denen der Streifen leer war. Er beobachtete es drei Morgen lang. Die Patrouille war regelmäßig. Prz war ein Mann, der Regeln schätzte, auch die eigenen. Das war seine Stärke und an diesem einen Morgen nicht seine. In den zehn Tagen nach dem Brief sparte Hans Werner bei jedem Mittagessen ein Stück Brot, das er in ein Tuch einschlug und unter der Matratze versteckte.

 Er brauchte etwas, dass er vorbereitete. Etwas, das sagte, du tust das wirklich. An einem Donnerstag, zehn Tage nach dem Brief, fiel ihm das Foto aus der Brusttasche, als er sich bückte, um eine Schaufel aufzuheben. Brenner stand zwei Schritte entfernt und hob es auf, bevor Hans Werner es erreichen konnte.

 Einen Augenblick lang betrachtete er das Foto. Ein kleines Kind in einem hellen Hemd, die Augen zusammengekniffen gegen die Sonne vor einem Haus, das Hans Werner wiedererkennen würde, solange er lebte. Brenner reichte das Foto zurück. Er sagte nichts. Hans Werner steckte es ein, ohne aufzusehen. Er schlief in den folgenden Nächten schlecht, aber er schlief.

 Am Abend des 24. August legte Hans Werner seine Stiefel neben das Bett, betrachtete sie eine Weile und zog sie wieder an. Er legte sich angezogen auf die Matratze. Die anderen Männer in der Baracke schliefen. Man hörte ihre Atemzüge unregelmäßig, jeder in seinem eigenen Rhythmus. Um kurz nach 4 Uhr, als die Baracke still genug war, stand Hans Werner auf.

Der Morgen draußen war dunkel und feucht. Nebel lag zwischen den Mais rein, dichter als sonst, sodass der Zaun aus 10 m Entfernung kaum zu erkennen war. Hans Werner bewegte sich durch das Gras. Langsam, weil er wußte, daß schnelle Bewegungen Geräusche machen, die langsam nicht machen. Er kannte das ein Material, das man zwingt, gibt auf Kosten der Arbeit nach.

 Man geht zum Werkstück hin, man geht nicht dagegen. Im August war Wisconsin mitten in der Nacht ein Ort aus Geräuschen, nicht aus Stille, Insekten, die er nie [räuspern] gehört hatte. Eine Vogelart, die rief und schwieg das Rascheln des Maisises ohne Wind. Der Boden gab nach, anders als der harte Sommerboden in Ulm.

 Er bemerkte das, weil er alles bemerkte, was den Klang seiner Schritte verändern konnte. Er dachte nicht, wenn die Hände wissen, was sie tun, braucht der Kopf nicht zu reden. Er erreichte den südlichen Zaun. Der Stacheldraht war niedriger als er in Erinnerung hatte. Er kniete nieder, schob sich darunter hindurch, spürte den Draht an der Schulter seiner Jacke, zog sich durch und stand auf der anderen Seite.

 Seine Hände waren kalt. vor ihm der Streifen Erde, dahinter die Maisreihen, dahinter die Straße, dahinter Wisconsin, das soweit war wie alles, was er nicht kannte und dass er trotzdem jetzt durchqueren, Schritt für Schritt, ohne einen anderen Grund, als den, dass Hansi in Ulm war. Er hatte zwei Schritte gemacht, als sein Stiefel auf eine Baumwurzel traf.

Er stolperte, griff mit einer Hand nach dem nächsten Zaunpfal, fing sich, stand und in dem Moment, in dem sein Körper sich wieder ausbalancierte, in dem kurzen, unwillkürlichen Ausatmen, das kein Gedanke war und keine Entscheidung, kam das Wort. Hansi, es war kaum lauter als Atem. Es war nicht für jemanden, es war schwebisch.

 Der kurze, hohle Klang des Namens, wie man ihn Ulm sagt, in Geißlingen, in den Dörfern entlang der Donau, wo Vokale anders fallen als anderswo, tiefer mit einer Geduld im Klang, als hätte die Sprache selbst gelernt zu warten. Karl Brenner stand 8 m entfernt. Er hatte sich gerade vom nördlichen Zaunfall weggedreht, um den Weg nach Osten zu nehmen.

war 40 m weiter östlich am Rand des Maisfelds, den Rücken zu beiden. Branner hörte das Wort. Er erkannte nicht den Mann, er erkannte den Klang, den Klang, den er als Kind gehört hatte an einem Küchentisch in Milwaukee, während seine Großmutter sprach und der Dampf vom Topf aufstieg, einen Klang, der für ihn immer nach dem Inneren von Häusern geklungen hatte, nachdem, was man nicht übersetzt.

Er blieb einen halben Schritt lang stehen. Dann ging er weiter. Von Osten rief Puet ohne sich umzudrehen. Alles ruhig. Alles Brenner antwortete in gleichem Ton. Ruhig. Der Nebel schloss sich. Die Maisreihen standen still. Karl Brenner vollendete seine Runde. Er ging den östlichen Zaunstreifen ab, dann den nördlichen, dann zurück nach Westen.

 Die Schritte waren dieselben wie immer. Pruit ginger vor ihm gleichmäßig ohne sich umzudrehen. Er würde sich nicht umdrehen. Das tat Pruit nie bei der Patrouille. Er fand es unprofessionell. Brenner trug das Wort in sich, dass er gehört hatte. Er überlegte nicht, ob er richtig gehandelt hatte. Das war eine Art Frage, die man nicht stellen durfte, wenn man wusste, dass man sie nicht beantworten konnte.

 Er hatte das getan, was er in diesem Moment getan hatte, mit einem Klang im Ohr und einem Bild in sich, das er nicht benennen konnte, das aber da war. Seine Großmutter, die samstags in der Küche saß und brummte mit dem langen, geduldigen Brummen des Schwäbischen, das gar keine Sprache sein wollte, nur ein Zeichen, dass man da war.

 Um 6 Uhr trug er in seinen Bericht ein, nichts ungewöhnliches beobachtet. Die Akte von Hans- Werner vermerkt, daß er amund. August 194 aus dem Arbeitsdienst der Kessler Farm bei Tomer Wisconsin entflohen war. Drei Tage später wurde er auf einer Landstraße in Illinois aufgegriffen. Hungrig, desorientiert, mit durchgelaufenen Stiefeln, 80 km vom Lager entfernt.

Er hatte sich nach Osten bewegt. In diesen drei Tagen hatte er geschlafen, wo er schlafen konnte. einmal unter einer Brücke, einmal in einem leerstehenden Schuppen, der nach Motoröl und getrocknetem Heuroch. Er hatte das Brot gegessen, das er gespart hatte und danach nichts mehr. Er hatte einen Bach überquert, dessen Namen er nicht kannte, und war auf der anderen Seite sitzen geblieben und hatte zugeschaut, wie das Wasser vorbeiging.

Er wusste nicht, wohin er wollte. Er wusste, woher er kam. Das war etwas, wohin er gegangen war, was er gedacht hatte. Das steht in keiner Akte, nur das Ende. Gefunden, zurückgebracht, Camp McCoy. Brot und Wasser für drei Tage, keine weiteren Konsequenzen. Am darauffolgenden Montag stieg er wieder aus dem Laster auf dem Hof der Kesslers.

 Heinrich Kessler holte ihn als ersten heraus. Hans Werner wurde im März nach Deutschland repatriert. Er kehrte nach Ulm zurück. Seine Mutter war im November 1944 gestorben, drei Monate nachdem der Brief abgeschickt worden war, drei Monate, nachdem Hans Werner sich unter einem Stacheldrahtzaun in Wisconsin hindurchgeschoben hatte, um zu ihr zu gelangen.

 Er erfuhr es erst nach seiner Rückkehr. Hansi war fünf Jahre alt, als sein Vater heimkam. Er erinnerte sich später nicht mehr an den ersten Moment, nur daran, daß es einen Mann gab, der nach Holz roch und ihm beibrachte, wie man ein Brett gerade zuschneidet, ohne sich zu irren. Karl Brenner wurde im Herbst 1946 aus dem Militär entlassen.

 Er kehrte nach Milwaukee zurück, übernahm die Eisenwarenhandlung seines Vaters, heiratete 1949, hatte drei Kinder und lebte in demselben Viertel, in dem er aufgewachsen war. Er war ein guter Vater, ein verlässlicher Nachbar, ein Mann, der früh aufstand und nie jemandem erklären musste, warum. Wenn seine Kinder fragten, was er im Krieg gemacht hatte, sagte er: “Wachdienst.

” Das stimmte. Er sprach nie über den Krieg. Wie viele seiner Generationen, die gelernt hatten, daß manche Dinge kleiner wurden, wenn man sie nicht anrührte. Er sprach nie mehr Deutsch, außer einmal. An einem Wintertag in Milwaukee, viele Jahre nach dem Krieg, stand er neben seiner Tochter am Grab seines Vaters und murmelte etwas, leise, mit einem Klang, den sie nicht kannte, in einer Sprache, die sie nicht verstand.

Sie fragte ihn danach, was er gesagt hatte. Er sah sie an, dann sah er weg. Nichts sagte er, nur einen Namen.

 

You Might Also Enjoy

Leave a Response

Your email address will not be published. Required fields are marked *