Als der amerikanische Farmer die alte deutsche Feldschmiede belächelte – sie rettete die Weizenernte
Ende September 1944 hat der Weizen von Minnesota nur noch wenige Tage, bevor der Herbst das Feld verschließt. Orwell Halvorsen weiß das besser als jeder andere Farmer in der Nähe von New Ulm und deshalb steht er an diesem Nachmittag mit geballten Fäusten neben einer stillstehenden Maschine, während im Westen die ersten schweren Wolken über das Minnesota Tal ziehen.
Der Mann, der neben ihm kniet und mit bloßen Händen an einem zerbrochenen Zahnrad hantiert, heißt Franz Wagner. Er ist 21 Jahre alt und noch vor drei Monaten wuße er nicht, dass es einen Ort namens Minnesota überhaupt gibt. Franz stammt aus einem kleinen Dorf im Siegerland, aus jenem bergigen Landstrich zwischen Sieg und Lah, wo seit der Kältenzeiten Eisen aus dem Berg geholt und in unzähligen Hammerwerken zu Werkzeug geschmiedet wurde.
Sein Vater, Karl Wagner war der Hufschmied des Dorfes und die Esse in der Werkstatt brannte, solange Franz sich erinnern konnte. Als Junge durfte er den Blasebalk treten, bevor er alt genug war, den Hammer zu halten. Mit Zwölf schlug er zum ersten Mal selbst auf glühendes Eisen unter den strengen Augen seines Vaters, der ihm beibrachte, dass ein Schmied nicht nach Kraft allein arbeitet, sondern danach, wann das Eisen bereit ist und wann nicht.
Mitchzehn konnte Franz ein Hufeisen richten, einen gebrochenen Wagenreifen flicken, einen krummen Nagel neuziehen. Er kannte jedes Werkzeug in der Werkstatt seines Vaters und erkannte die Regel, die sein Vater ihm mit auf den Weg gab. Was aus Eisen gemacht ist, kann aus Eisen auch wieder gerichtet werden, wenn man weiß, wie das Metall denkt.
Eine bestimmte Erinnerung blieb Franz sein Leben lang. Er war zwölf, als der Müller aus dem Nachbardorf mit einem zerbrochenen Mahlwerk in die Werkstatt kam. Ein Zahnrad, an dem gleich zwei Zähne abgeschrt waren, weil sich ein Stein zwischen die Mühlsteine verirrt hatte. Ein neues Rad zu bestellen hätte Wochen gedauert und mehr gekostet, als der Müller in diesem Jahr erübrigen konnte, mitten in der Erntezeit, in der jeder Tag ohne Mühle bares Geld kostete.
Karl Wagner hatte das Rad tagelang studiert, dann aus einem Stück altem Wagenfederstahl zwei neue Zähne geschmiedet, den Sockel der gebrochenen Zähne mit dem Meißel zu einer sauberen schwalbenschwanzförmigen Vertiefung gearbeitet und die neuen Zähne heiß eingesetzt, sodass sich das Metall beim Abkühlen zusammenzog und festhielt.
Franz hatte am Ambos gestanden und die Zange gehalten, während sein Vater hämmerte, und er hatte gesehen, wie die Mühle danach wieder anlief, als wäre nichts gewesen. “Eine Fabrik baut ein Rad aus einem Gus”, hatte sein Vater ihm damals gesagt, den Schweiß noch auf der Stirn.
Aber ein Schmied braucht nur den einen Zahn zu machen, der fehlt. Der Satz blieb Franz all die Jahre über im Kopf, lange bevor er ahnen konnte, wo er ihn einmal würde gebrauchen können. Der Krieg holte ihn im Frühjahr 1944. Franz wurde nicht zur Waffen SS oder zu einer Kampftruppe eingezogen, sondern zu einer einfachen Infanterieeinheit des Heeres, die im Raum Scherbur auf der Halbinsel Cotin lag, weit von jeder Front entfernt, wie man ihm gesagt hatte. Das änderte sich am 6. Juni.
Innerhalb weniger Wochen zerbrach die deutsche Verteidigung der Halbinsel unter dem Druck der amerikanischen Armee und Ende Juni war Schabur selbst umzingelt. Franz gehörte zu jener Gruppe von etwa 400 Mann, die sich am 27. Juni 1944 zusammen mit der Arsenalgarnison unter Generalmajor Robert Zatler ergab, nachdem amerikanische Lautsprecherwagen tagelang zur Aufgabe aufgerufen hatten und klar war, dass jeder weitere Widerstand nur noch Tote kosten würde.
Franz erinnerte sich später nur an zwei Dinge von diesem Tag. die Stille, als die letzten Schüsse verstummten und die eigene Verwunderung darüber, dass er noch am Leben war. Was danach kam, ging schnell und war doch endlos. Ein Sammellager in England, ein Truppentransporter über den Atlantik, Wochen in stickigen Laderäumen unter Deck, wo die Männer kaum wussten, ob es Tag oder Nacht war.
Dann die Ankunft in einem amerikanischen Hafen, dessen Namen Franz nie ganz sicher verstand und schließlich ein Zug quer durch ein Land, dessen Weite er sich nie hätte vorstellen können. Tagelang fuhr der Zug durch Landschaften, die sich kaum veränderten. Endlose Felder, endloser Himmel. Und Franz begriff zum ersten Mal, wie klein das Siegerland mit seinen engen Tälern im Vergleich dazu war.
Er landete im Lager Algona in Iowa, einem der größten Kriegsgefangenenlager der Vereinigten Staaten. Doch schon nach wenigen Tagen wurde er mit einer kleinen Gruppe weiterverlegt in ein Nebenlager bei New Ulm Minnesota. Das Lager war ein ehemaliges Camp des Civilian Conservation Corb am Rand der Stadt, nahe einem bewalteten Flusstal, das man Flandrau nannte.
Die Baracken waren einfach aber trocken, der Zaun war niedrig und die Bewachung war entspannt. Denn wohin sollte ein Gefangener in diesem Teil Amerikas schon fliehen? Die Männer arbeiteten in der Landwirtschaft, in Konservenfabriken in einer Ziegelei. New Ulm selbst war, wie Franz bald bemerkte, eine der deutschesten Städte, die er sich in Amerika hätte vorstellen können.
Von deutschen Turnvereinen gegründet, mit deutschen Namen auf halb den Ladenschildern, mit alten Frauen, die ihm auf der Straße noch ein paar Brocken Deutsch zurfen. Es war eine seltsame, fast schmerzhafte Art von Vertrautheit mitten in der Fremde. Im August wurde Franz einer Gruppe zugeteilt, die auf den Feldern rund um die Stadt half, dort wo der Arbeitskräftemangel durch den Krieg am größten war.
So kam er auf die Farm von Orwel Halvosen, einem hochgewachsenen Mann norweg Abstammung, der seit dem Tod seines Vaters allein mit zwei alten Landarbeitern und seit diesem Sommer mit einer Handvoll deutscher Kriegsgefangener wirtschaftete. Palwosen war kein grausamer Mann, aber ein misstrauischer, einer, der jedes Jahr genau nachrechnete, was ihn eine verlorene Stunde kostete und der es nicht mochte, wenn ihm jemand erklären wollte, wie man seine eigene Farm führt, schon gar nicht ein Mann in grauer gefangenen Kleidung mit einem aufgedruckten PW auf dem Rücken.
Zwischen ihm und Franz hatte sich in den ersten Wochen eine kühle, aber funktionierende Ordnung eingespielt. Franz arbeitete schweigend und gründlich. Halvworsen gab knappe Anweisungen und hielt Abstand. Halvworsen führte die Farm seit dem plötzlichen Tod seines Vaters vor drei Jahren allein, ohne Bruder, ohne erwachsenen Sohn, der ihm hätte zur Hand gehen können.
Und jede Entscheidung, ob sie das Saatgut, die Maschine oder die Arbeiter betraf, lastete am Ende nur auf ihm. Vielleicht war es diese ständige einsame Rechnerei, die seine Kälte gegenüber den deutschen Gefangenen spee, mehr als irgendeine allgemeine Feindseligkeit. Er hatte schlicht keine Zeit und keine Kraft übrig, um jemandem zu vertrauen, den er nicht schon jahrelang kannte, erst recht nicht in einem Jahr, in dem beinahe alles, was reißen oder brechen konnte, es früher oder später auch tat.
An jenem Nachmittag, Ende September, war der Weizen auf dem letzten großen Feld reif und stand dicht, viel zu schwer für weitere Tage in der offenen Luft. Der Wetterbericht aus Mancato hatte für den Abend einen Sturm mit heftigem Regen angekündigt, der Sorte die Reifen Weizen in Stunden zu Boden drückt und die Ehren zum Platzen bringt, sodass die Körner am Halm auskeimen, bevor man sie überhaupt binden kann.
Halvworsen hatte seine Leute seit dem Morgengrauen auf das Feld getrieben mit dem McCering Mbinder, den er sich noch vor dem Krieg gekauft hatte und der seither, wie fast jede Maschine auf amerikanischen Farmen in diesen Jahren, ohne echte Wartung durchgehalten hatte. Neue Bindemähr gab es im vierten Kriegsjahr für einen gewöhnlichen Farmer praktisch nicht zu kaufen und selbst Ersatzteile für alte Maschinen waren zur Mangelware geworden.
Die staatliche Kriegsproduktionsbehörde hatte die Herstellung von Landmaschinen und ihren Ersatzteilen Jahr für Jahr weiter gedrosselt, weil der Stahl für Panzer, Schiffe und Geschütze gebraucht wurde. Ein Händler in New Ulm hatte Halvworsen im Frühsommer offen gesagt, dass ein Ersatzzahnrad für seinen Bindemäher, wenn überhaupt, erst im nächsten Jahr zu bekommen sei.
Kurz nach der Mittagszeit brach die Maschine mitten in der Fahrt mit einem trockenen hässlichen Knall zusammen. Ein Stein, der zwischen den Halmen gelegen hatte, war in das Hauptantriebsrad geraten. es große gusseiserne Zahnrad, das von der Bodenlaufrolle angetrieben wird und über eine Kette von Wellen und kleineren Rädern gleichzeitig die Schneidklinge, die Tuchheber und den empfindlichen Knüpfapparat in Bewegung hält.
Ein einzelner Zahn war glatt abgeschert. Ohne diesen einen Zahn stand die gesamte Maschine still, denn jede Bewegung im Bindemäher hängt an diesem einen großen Rad. Halfen fluchte, kniete sich hin, drehte das Rad von Hand und sah die klaffende Lücke, wo der Zahn hätte sitzen sollen. “Das war’s”, sagte er, “Merhr zu sich selbst als zu irgendjemandem.
Ohne Ersatzteil ist die Maschine tot und ohne Maschine bleibt der Rest von diesem Feld liegen, bis der Regen es platt drückt. Er richtete sich auf und sah zu den dunklen Wolken hinüber, die sich im Westen bereits zu einer Wand auftürmten. Es blieben, wenn überhaupt, noch dreier Stunden. Franz war mit den anderen Männern von der Nachbarreihe herübergekommen.
Er kniete sich neben das Rad, drehte es vorsichtig weiter, betrachtete die Bruchstelle, fuhr mit dem Finger über die glatte, silbrige Fläche, an der Zahn abgerissen war. Er kannte diesen Bruch. Er hatte einen fast identischen an einer alten Mühle im Siegerland gesehen, als er zwölf war und er hatte seinem Vater dabei zugesehen, wie er ihn reparierte, nicht mit einem neuen Rat, dass es damals ebenso wenig zu kaufen gab wie hier und heute, sondern mit einem einzelnen neuen Zahn.
Ich kann das reparieren”, sagte Franz auf seinem holprigen Englisch. “Nicht das Rad ersetzen, einen neuen Zahn machen in der Schmiede.” Halvworsen lachte auf. Kurz und ohne Freude. “Du willst mir erzählen, du schmiedest in zwei Stunden einen Zahn für eine Fabrikmaschine mit einem Feuer und einem Hammer. Das ist Präzisionsarbeit, Junge.
Keine Hufeisenkunst. Ich habe schon Männer gesehen, die ein ganzes Jahr brauchten, um so etwas in einer richtigen Werkstatt zu lernen. Er winkte ab. Wir binden von Hand, was wir noch schaffen. Und den Rest lassen wir dem Wetter. Das ist wenigstens ehrlich. Aber einer der beiden alten Landarbeiter, ein stiller Mann namens Zyrus, der Halworen seitdessen Kindheit kannte, sagte leise: “Lass ihn wenigstens versuchen, Orwil.
Zwei Stunden verlieren wir so oder so nicht, wenn wir das Rad sonst gar nicht mehr drehen können. Halvwosen sah auf die Uhr, dann auf die Wolken, dann auf Franz. “Zwei Stunden”, sagte er schließlich, “Keine Minute mehr und wenn du mir die Maschine endgültig ruinierst, ziehe ich dir das vom Lohn ab, den du ohnehin nicht bekommst.
” In der kleinen Schmiedeecke neben dem Geräteschuppen, wo Halworen alte Hufeisen und Flugscharen reparieren ließ, gab es eine einfache Feldesse, einen Amboss und genug Werkzeug, um zu arbeiten. Franz entfachte das Feuer, wählte ein Stück Flachstahl, das stärker war als das spröde Gusseisen des Rades selbst, und begann es zu formen.
Er maß die Lücke am Rad mit einem Stück Draht ab, prägte sich die Form der Nachbarzähne genau ein und begann dann mit kleinen sicheren Hammerschlägen einen einzelnen Zahn zu schmieden, der in Größe und Winkel den anderen so nahe wie möglich kommen sollte. Es war nicht die Arbeit an einem Hufeisen, das sich verzeihend biegen lässt.
Es musste auf den Millimeter stimmen, sonst würde der neue Zahn beim ersten Zug wieder abbrechen oder die ganze Kette blockieren. Zyrus stand die ganze Zeit daneben und pumpte im Wechsel mit einem der anderen Gefangenen den Blasebalk, während Halworsen immer wieder zur Scheunentür ging, den Himmel prüfte und wortlos wieder zurückkam. Niemand sagte viel, man hörte nur das Fauchen der Esse, das Klingen des Hammers und von weit her die ersten dumpfen Donnerschläge, die über das flache Land rollten.
Die erste Passform saß nicht. Franz hatte den Sockel des gebrochenen Zahns mit Meißel und Pfeile zu einer schwalbenschwanzförmigen Vertiefung gearbeitet, in die der neue Zahn eingepasst werden sollte. fest genug, daß die Hitze beim Einsetzen das Metall zusammenzog und den Zahn hielt, verstärkt durch einen quereingeschlagenen Stift.
Doch als er den ersten geschmiedeten Zahn testweise ansetzte, war er einen Hauch zu breit und die Kanten schlugen gegen das Nachbarrad im Getriebe, sodass sich das Rad keinen Zentimeter drehen ließ. Für einen Moment mit dem heißen Eisen noch in der Zange und dem Blick auf die näher rückenden Wolken spürte Franz zum ersten Mal echte Angst, dass die Zeit einfach nicht reichen würde.
Er zwang sich ruhig zu bleiben, so wie sein Vater es ihm beigebracht hatte. Wer in Eile schmiedet, verdirbt das Eisen zweimal. Erhitzte den Zahn erneut, feilte behutsam nach, prüfte, feilte wieder, bis er im schwindenden Licht sah, dass die Form endlich stimmte. Halvworsen, der eigentlich zwei Stunden gesetzt hatte, sagte nichts, als die zweite Stunde längst verstrichen war.
Er stand nur da, die Arme verschränkt und beobachtete, wie Franz jeden einzelnen Handgriff noch einmal prüfte, bevor er ihn ausführte, so wie ein Mann, der weiß, dass er keinen dritten Versuch mehr haben wird, wenn dieser zweite ebenfalls misslinkt. Der Wind riss inzwischen an den losen Brettern des Schuppens, und die ersten bögen Stöße trugen bereits den Geruch von nassem Staub herüber.
jenen Geruch, den jeder Farmer in dieser Gegend kennt und der bedeutet, daß der Regen keine zehnz Minuten mehr entfernt ist. Als Franz den fertigen Zahn zum zweiten Mal glühend aus der Esse nahm, war der Himmel im Westen bereits fast schwarz und der Wind hatte aufgefrischt. Er setzte den heißen Zahn in die vorbereitete Vertiefung, schlug ihn mit wenigen präzisen Hammerschlägen fest, trieb quer hindurch und tauchte das Rad kurz in einen Eimer Wasser, um das Metall zu härten und die Verbindung endgültig zu schließen.
Halvworsen, der die ganze Zeit mit verschränkten Armen daneben gestanden hatte, ohne ein Wort zu sagen, trat näher. Franz drehte das Rad von Hand. Es lief glatt durch, ohne zu haken. Der neue Zahn griff sauber in die Kette der anderen Räder ein. Sie spannten die Pferde wieder an und der Bindemäher setzte sich in Bewegung, gerade als die ersten schweren Tropfen zu fallen begannen.
Halvworsen triebn selbst über das Feld, schneller als es sonst seine Art war. Während Franz und die anderen Männer die letzten Gaben banden und aufstellten, der Regen erreichte sie in vollem Ernst. Als die letzte Fuhre gerade noch unter das Dach der Scheune gebracht wurde, draußen prasselte es auf die leere, abgeerntete Stubbelfläche, dort, wo Stunden zuvor noch reifer Weizen gestanden hatte.
Halvworsen stand in der Scheunentür und sah dem Regen zu. Dann sah er auf das geflickte Rad, das noch am Bindemäher steckte, halb im Trockenen unter dem Vordach. “Der Zahn hält nicht ewig”, sagte er schließlich, mehr feststellend als anerkennend. Ich werde trotzdem beim Händler ein echtes Ersatzteil bestellen müssen, sobald es wieder welche gibt.
Das war behelf, keine richtige Reparatur. Franz nickte. Das stimmt, sagte er. Er hält vielleicht diese Saison, vielleicht nicht länger, aber er hat heute gehalten. Halvworsen sah ihn einen Moment lang an, als würde er zum ersten Mal wirklich hinschauen, nicht auf die graue Uniform, sondern auf den Mann darin.
Er sagte nichts warmes, keine Entschuldigung, kein Lob, dass den Namen verdient hätte. Er ging zurück ins Haus, kam aber wenig später mit einer zusätzlichen Portion Essen zurück und stellte sie wortlos vor Franz auf die Werkbank zusammen mit einer alten Zange aus seinem eigenen Werkzeugkasten. “Für deine Ecke da drüben”, sagte er nur und ging wieder.
Es war keine Freundschaft, die in dieser Scheune entstand, und Franz erwartete auch keine. Halvworsen blieb bis zum Ende jenes Herbstes ein Mann, der genau nachrechnete, was ihn eine Stunde kostete und der es nicht mochte, wenn ihm jemand erklärte, wie man seine Farm führt. Aber von diesem Tag an ließ er Franz an der kleinen Feldesser arbeiten, wann immer etwas an der Ausrüstung brach, das in jenem Herbst öfter vorkam, als es Halvworsen lieb war.
und als im folgenden Frühjahr tatsächlich ein neues Zahnrad vom Händler eintraf, endlich freigegeben, nachdem die Beschränkungen der Kriegsproduktion gelockert worden waren, ließ Halworsen den gepflegten Zahn trotzdem nicht wegwerfen. Er legte ihn in eine Schublade in der Werkstatt, wo Syrus ihn noch Jahre später gefunden haben will, lange nachdem Halworsen selbst nicht mehr auf der Farm arbeitete.
ein einzelnes handgeschmiedetes Stück Stahl, etwas zu grob für das Auge eines Fabrikarbeiters, aber genau richtig für die zwei Stunden, in denen es gebraucht wurde. Franz Wagner blieb bis zum Dezember 1945 in Minnesota, bevor er nach Deutschland zurückgeschickt wurde. Er kehrte in ein Siegerland zurück, das seine eigene andere Art von Wiederaufbau vor sich hatte, und er übernahm später die Schmiede seines Vaters, so wie es seit Generationen in seiner Familie üblich gewesen war.
Die Werkstatt sah am Ende beinahe genauso aus wie in seiner Kindheit. Dieselbe Esse, derselbe Ambos. Nur die Kunden waren andere geworden. Keine Mühlen mehr, sondern Traktoren, Lastwagen. Später sogar die ersten kleinen landwirtschaftlichen Maschinen aus eigener Fertigung. Von New Ulm sprach Franz selten, aber wenn er es tat, erzählte er nicht vom Krieg und nicht von der Gefangenschaft an sich, sondern von einem einzigen Nachmittag, an dem ein Sturm über ein fremdes Feld zog und ein Stück Stahl, das er selbst geschmiedet hatte, gerade lange genug
hielt. Er erzählte auch ohne jede Bitterkeit, daß der Farmer, für den er gearbeitet hatte, ihm nie die Hand geschüttelt und ihn nie einen Freund genannt habe und dass genau das im Rückblick am glaubwürdigsten an der ganzen Geschichte gewesen sei. Manche Dinge pflegte Franz zu sagen, wenn ihn seine eigenen Lehrlinge Jahrzehnte später danach fragten, muss man nicht mit Worten anerkennen.
Es reicht, wenn jemand einem am nächsten Morgen wortlos die Werkzeugkiste hinstellt und einen weiterarbeiten lässt. M.