Als Amerikaner den deutschen Gefangenen auslachten — bis er ihre Ernte mit einem Geheimnis rettete
Es ist Februar 1946. Ein Mann in zivilen Kleidern hält vor dem Tor eines amerikanischen Kriegsgefangenen Lagers in Mississippi an. Er ist alt, die Hände rau von jahrzehntelanger Feldarbeit, der Hut tief ins Gesicht gezogen. Der Wachsoldat kennt ihn nicht, hat ihn nie gesehen. Aber der Mann sagt einen Namen und bittet ihn zu sprechen.
Nicht einen amerikanischen Offizier, nicht einen Lagerverwalter. Er bittet darum, einen deutschen Gefangenen zu sehen. Der Soldat zögert, blättert durch seine Unterlagen, dann hebt er den Kopf. So etwas ist noch nie passiert. In zwei Tagen wird Georg Brand auf ein Schiff nach Deutschland steigen, nach fast zwei Jahren auf amerikanischem Boden.
Und ein amerikanischer Farmer, ein Mann, der ihn am ersten Tag nicht einmal ansehen wollte, ist ans Tor seines Lagers gekommen, um sich zu verabschieden. Das ist nicht die Geschichte, die man erwartet. Es ist die Geschichte, die wirklich passiert ist. Mehr als 400.000 1000 deutsche Kriegsgefangene wurden zwischen 1943 und 1946 in die Vereinigten Staaten transportiert.
Die meisten Deutschen wissen das bis heute nicht. Sie arbeiteten in Fabriken, auf Baustellen, in Bergwerken und auf Bauernhöfen. Überall dort, wo junge amerikanische Männer fehlten, weil sie selbst im Krieg waren. In 511 Lagern, verteilt über fast jeden Bundesstaat, lebten diese Männer in einer Welt, die zugleich fremd und erschreckend vertraut war.
Was zwischen ihnen und den amerikanischen Familien, die Sie aufnahmen, entstand, hat niemand in die Schulbücher geschrieben. Aber es hat stattgefunden in Küchen, auf Feldern, in stillen Momenten zwischen zwei Menschen, die sich eigentlich hätten hassen sollen. Georg Brand war einer von ihnen. Er kam aus der Nähe von Landsberg am Lech, einer Kleinstadt in Bayern, wo sein Vater einen Hof bewirtschaftete, der seit drei Generationen in der Familie war. Georg war der älteste Sohn.
Er hatte nicht Philosophie studiert, keine Karriere gemacht, keine Stadt gesehen, die er nicht am nächsten Tag wieder verlassen wollte. Er kannte Erde, er kannte Tiere, er kannte den Unterschied zwischen einem Boden, der trägt, und einem, der es nur so tut. Er kannte die Art von Arbeit, die man nicht erklärt, sondern zeigt mit den Händen im richtigen Moment ohne viele Worte.
Sein Vater hatte ihm das beigebracht und der Vater seines Vaters hatte es so weitergegeben, so weit zurück, wie die Familie denken konnte. Als in der Krieg rief, war er. Er wurde nach Nordafrika geschickt. Im Frühjahr 1943, nach dem Zusammenbruch der Heresgruppe Afrika, geriet er in amerikanische Gefangenschaft, nicht im Kampf, nicht als Held oder Opfer einer besonderen Geschichte, sondern als einer von hunderttausenden, die sich in diesen Wochen ergaben, weil es keinen anderen Weg mehr gab. Er war unverletzt.
Er hatte Hunger. Er setzte sich ins Gras und wartete darauf, was als nächstes kam. Was als nächstes kam, war ein Schiff, dann ein Zug, dann Mississippi. Das Lager, in dem Georg untergebracht wurde, lag außerhalb von Greenville, in der feuchten, drückenden Wärme des Mississippi Deltas. Die Luft roch anders als in Bayern.

schwerer, süßlicher, mit einer Feuchtigkeit, die sich in die Kleidung setzte und nicht mehr herausging. Die Felder um das Lager waren flach bis zum Horizont, anders als alles, was er kannte, ohne Hügel, ohne den Halt, den eine Landschaft braucht, um vertraut zu wirken. Er war am anderen Ende der Welt, das wusste er. Er versuchte nicht zu oft daran zu denken.
Die Unterbringung war besser, als er erwartet hatte. Drei Mahlzeiten am Tag, saubere Schlafräume. Die Genferkonvention galt, aber Gefangenschaft ist Gefangenschaft, auch wenn die Käfigstäbe aus Routine statt aus Eisen sind. Die Tage hatten kein Ende und keinen Zweck, bis die Anfragen kamen.
Die umliegenden Farmen brauchten Arbeitskräfte, die amerikanischen Männer waren im Krieg. Die Ernte wartete nicht und so wurden die Gefangenen ausgelehen. Das ist das einzige Wort, das pasßt an Farmer, die nicht genug Hände hatten und keine bessere Wahl sahen. Earl Claway war nicht begeistert. Er war 55 Jahre alt, hatte sein Leben lang dasselbe Stück Land bewirtschaftet, dass sein Vater vor ihm bewirtschaftet hatte.
Ein Mann aus dem Delta mit den breiten Schultern und den langsamen Bewegungen von jemandem, der gelernt hat, dass Eile auf einem Hof selten hilft. Er rauchte auf seiner Veranda und hörte dem Regen zu und liebte nicht viel auf dieser Welt, außer seiner Tochter Rut, seinem Hund und dem Stück Erde, dass er jeden Morgen beim ersten Licht vom Küchenfenster aus ansah.
Sein ältester Sohn Thomas war im November 1943 vor Guadal gestorben, 27 Jahre alt. Claway hatte den Brief bekommen, die Tür geschlossen und danach mit niemandem darüber gesprochen, nicht mit Ruth, nicht mit dem Pfarrer, mit niemandem. Und jetzt sollte er einen deutschen Mann auf seinem Hof haben. Er stand am Morgen des ersten Tages am Zaun und sah zu, wie Georg vom Lastwagen absprang.
Er sah ihn an, wie man eine Lieferung ansieht, die man nicht bestellt hat. Dann zeigte er auf den Stall, auf einen Stapelbretter, auf einen Eimer voll schmutziger Werkzeuge und drehte sich um. Ruth sah es von der Veranda aus. Sie war 22, führte den Haushalt seit dem Tod ihrer Mutter und half ihrem Vater auf dem Hof mit einer Selbstverständlichkeit, die keine Erwähnung brauchte.
Sie hatte Deutsch in der Schule gelernt, nicht gut, aber genug, um gelegentlich ein Wort aufzufangen. An jenem Morgen sagte sie nichts. Sie sah, wie Georg den Blick von ihrem Vater abwandte, die Werkzeuge aufhob und anfing zu arbeiten. Sie sah die Art, wie er arbeitete, ruhig, ohne Hast, als hätte er nichts zu beweisen.
Georg arbeitete. Was Claway ihm am ersten Tag zuwies, war keine Prüfung. Es war eine Demütigung. Die schmutzigsten Aufgaben, die härteste körperliche Arbeit, Dinge, die ein Pharma normalerweise einem neuen Knecht erst nach Wochen abverlangte. Georg tat es ohne Kommentar, ohne sichtbare Reaktion. Er wusste, wo er war.
Er wusste, was er war. Ein Gefangener in einem fremden Land auf der Farm eines Mannes, der keinen Grund hatte, ihn zu mögen. Der Nachbar Harlan Wz kam am dritten Tag vorbei und sah Georg bei der Arbeit. Er lehnte am Zaun und lachte. “Du hast dir einen Deutschen geholt”, sagte er zu Calloway. “Was kann der schon außer Unsinn machen?” Claway rauchte und antwortete nicht, aber er lachte auch nicht dagegen an.
Es war in dieser ersten Woche, daß Georg den Obstgarten sah. Claway hatte etwa 80 Pirsigbäume auf der Westseite des Hofes, einen Garten, den er seit Jahren mit mäßigem Erfolg pflegte. Die meisten Bäume trugen, aber ungleichmäßig, einige fast gar nichts, andere zu viel und zu klein. Die Früchte blass und ohne den süßen Kern, der einen Pfirsig ausmacht.
Georg kannte das. Sein Vater hatte denselben Fehler gemacht, bevor ein alter Nachbar ihm gezeigt hatte, wie man Obstbäume richtig veredelt. Eine alte Technik, die nicht viele kannten, die aber den Unterschied machte zwischen einem Baum, der existiert, und einem, der trägt. Er stand eine Weile vor dem Garten, die Hände in den Hosentaschen und sah die Bäume an.
Dann ging er weiter zur Arbeit. Am Abend fragte er Ruth mit den wenigen englischen Wörtern, die er hatte und den Händen, die er immer mitbenutzte, ob er ein Messer haben dürfe. Klein, ein Taschenmesser. Ruth runzelte die Stirn, dann sagte sie es ihrem Vater. Claowway sah Georg einen langen Moment an. Dann holte er aus der Küchenschublade ein altes Klappmesser, das dort seit Jahren lag, und legte es auf den Tisch.
Er sagte nichts dazu. Am nächsten Morgen, bevor Calloway aufgestanden war, war Georg bereits im Obstgarten. Er schnitt, veredelte, band ab. All das mit der ruhigen Sicherheit eines Mannes, der diese Bewegungen seit der Kindheit kannte. Als Callway ihn fand, hatte Georg bereits drei Bäume behandelt. Claway blieb stehen.
Er erkannte, was er sah. Er hatte es selbst nie richtig gelernt, hatte versucht, es sich beizubringen vor Jahren, ohne den Erfolg, den er erwartet hatte. Er blieb eine Weile stehen und sah zu. Er sagte trotzdem nichts. Er drehte sich um und ging zurück zum Haus. Es war Ende Juli, als das Kalb kam. Eine von Callows Kühen hatte Schwierigkeiten beim Kalben.
Callowway und Ruth waren am frühen Morgen dabei, hilflos fast. Der Tierarzt war weit weg und es war klar, dass keine Zeit blieb. Georg kam aus dem Stall, wo er etwas anderes getan hatte, sah die Situation auf den ersten Blick und handelte, ohne zu fragen, ohne Erlaubnis zu suchen. Er tat, was sein Vater ihn gelehrt hatte, was er auf der eigenen Farm ein Dutzend Mal getan hatte, was Hände wissen, wenn man sie lange genug hat, arbeiten lassen.
20 Minuten später war das Kalb auf der Welt, Kuh und Junges am Leben. Kowway wusch sich die Hände und ging ins Haus. Ruth blieb. Sie sah Georg an. Georg sah sie an und dann nickte er kurz. Nicht als Entschuldigung, nicht als Bitte um Anerkennung, einfach als Zeichen, dass es gut war. Ruth nickte zurück. So entstand zwischen ihnen etwas, wofür es kein Wort in der Sprache des jeweils anderen gab.
nicht Freundschaft, zu ungleich, zu belastet mit allem, was zwischen ihren Ländern lag, aber auch nicht Gleichgültigkeit mehr. Eher das, was entsteht, wenn zwei Menschen dieselbe Arbeit machen und dabei feststellen, dass der andere weiß, was er tut, dass er nicht erklärt, was er als nächstes tun wird, dass er es einfach tut. Rud brachte manchmal Kaffee.
Georg bedankte sich auf Deutsch, was sie nicht verstand, aber verstand. Manchmal zeigte sie ihm etwas auf dem Hof, das repariert werden musste, und er sah es an und machte es. Er fragte nie nach Dank. Sie gab ihn trotzdem in der ruhigen, beiläufigen Art mit der Menschen Dinge tun, die sie nicht als Freundlichkeit bezeichnen würden.
Claowway sah es alles. Er sagte weiterhin nichts. Im August bekamen die Pirsigbäume, die Georg nicht behandelt hatte, Schorf. Ein Pilz, der sich auf der Schale festsetzte, die Früchte fleckig und wertlos machte und sich in wenigen Tagen durch einen ganzen Garten fraß. Callaowway stand zwischen seinen Bäumen und sah die braunen Flecken auf den Firsichen und schwieg mit einer Art von Stille, die Ruth kannte und fürchtete.
Das war die Ernte des Jahres. Das war das Geld für den Winter. Georg erkannte die Krankheit sofort. In Bayern hieß sie anders, sah aber gleich aus und es gab eine Behandlung aufwendig über mehrere Nächte, Baum für Baum, mit einem Verfahren, das genau eingehalten werden musste und dass man entweder kannte oder eben nicht.
Er versuchte es Klaway zu erklären. Englisch reichte nicht. Ruth übersetzte so gut sie konnte, tastete sich durch Wörter, die sie nicht sicher kannte, zeigte auf Bäume, auf Werkzeug, auf Georgs Hände. Claway hörte zu, sein Gesicht blieb so, wie es immer war. Dann sagte er das erste vollständige Wort, das er in drei Monaten direkt an Georg gerichtet hatte. Gut.
Georg arbeitete drei Nächte durch. Er schlief nicht. Er behandelte Baum für Baum in der Dunkelheit mit einer Laterne, die er sich selbst anfertigen mußte, weil die vorhandene nicht reichte. Die Nächte im Delta waren warm und laut mit Insekten und der Schweiß lief ihm die Arme herunter, während er arbeitete. Ruth brachte ihm Essen in der zweiten Nacht, einen Teller mit dem, was vom Abendessen übrig geblieben war und setzte ihn auf den Zaun, ohne etwas zu sagen.
Georg aß stehend, das Messer noch in der Hand. Claway kam in der zweiten Nacht kurz nach draußen. Er stand am Rand des Gartens und sah Georg arbeiten, ohne sich zu zeigen. Dann ging er wieder rein. Am Morgen nach der dritten Nacht sah Callowway die Bäume im frühen Licht an. 80% der Ernte würde zu retten sein. Es war mehr, als er zu hoffen gewagt hatte.
Er ging in die Küche, er kochte Kaffee. Er stellte zwei Tassen auf den Tisch. Als Georg hereinkam, erschöpft, die Augen gerötet, Erde unter den Fingernägeln und das stille, leer gewordene Gesicht eines Mannes, der seit drei Tagen nicht mehr geschlafen hat, sah er den Tisch, sah die zwei Tassen. Er blieb kurz in der Tür stehen, dann setzte er sich.
Callowway setzte sich ihm gegenüber. Keiner sagte etwas. Sie tranken ihren Kaffee. Das war alles. Aber es war das erste Mal. Die Monate bis zum Winter verliefen anders als alles davor. Nicht warm, nicht freundlich, aber ohne die Kälte des Anfangs, ohne die demonstrative Gleichgültigkeit, die Clawe am ersten Tag aufgestellt hatte wie einen Zaun.
Er wies Georg keine erniedrigenden Aufgaben mehr zu. Er zeigte ihm Dinge auf dem Hof, die repariert werden mußten, und Georg machte sie. Manchmal fragten sie einander etwas Callowway of Englisch, Georg auf einem langsam besser werdenden Englisch, das sich mit seinen Händen und Ruths gelegentlicher Hilfe zu etwas funktionierendem zusammensetzte.
Manchmal lachte Calloway kurz über etwas, das Georg sagte, nicht grausam, einfach so. Es war ein seltsamer Frieden. Keiner der beiden sprach darüber. Es ist möglich, dass Callow dabei an Thomas dachte, an das, was Thomas gelernt hätte, wenn er auf dem Hof geblieben wäre, anstatt in den Pazifik zu fahren.
Es ist möglich, dass Georg an seinen eigenen Vater dachte, der in Bayern auf dieselbe Ernte wartete, die er nicht mehr mitbewirtschaften konnte. Aber das sind Gedanken, die niemand ausgesprochen hat. Was ausgesprochen wurde, war wenig, was getan wurde, war genug. Im Februar 1946 kamen die Rückführungsbefehle. Die Gefangenen wurden in das Lager zurückgebracht und auf Schiffe verladen.
Deutschland brauchte Arbeitskräfte für den Wiederaufbau und Amerika wollte die Verpflichtung aus dem Krieg hinter sich lassen. Georg packte das Wenige zusammen, was er hatte. Das Klappmesser legte er auf Ruothes Küchentisch, bevor er abfuhr. Sie schüttelte den Kopf. Sie wollte es nicht zurück. Er nahm es trotzdem mit.
Am Tag seiner Abreise stand er am Tor des Lagers und wartete auf den Lastwagen, der die Gruppe zum Hafen bringen würde. Und dann sah er einen Truck, den er kannte, das Fahrzeug von Earl Claway. Es hielt am Tor an. Callow stieg aus. Er trug seinen besten Hut, den, den er sonst nur in die Kirche anzog. Er sah älter aus als im Sommer, aber das tat er seit November 1943.
Er kam auf Georg zu, ohne zu zögern, ohne zu eilen. Er stand vor ihm und für einen Moment sagte keiner etwas. Dann holte Claway etwas aus der Jackentasche. Es war ein Messer, nicht das alte Klappmesser aus der Küchenschublade. Ein neues, ein gutes mit einem Griff aus Hirschhorn und einer Klinge, die man sich ansah und wusste, dass jemand dafür bezahlt hatte, was es wert war.
Ein Veredelungsmesser. Das einzige Werkzeug, das einem Mann von einem anderen als Dank gegeben werden kann, wenn beide wissen, worum es geht. Callowway hielt es Georg hin. Georg nahm es. Er sah es einen Moment an. Dann streckte Claway die Hand aus. Georg schüttelte sie. Claways Griff war fest. Wie der Griff eines Mannes, der seit 40 Jahren dieselbe Arbeit macht.
Georg hielt ihn genauso. Dann drehte sich Callowway um, stieg in seinen Truck und fuhr davon, ohne sich noch einmal umzusehen. Georg fuhr mit dem Schiff zurück. Die Überfahrt dauerte Wochen und er verbrachte viel Zeit an Deck in der Kälte des Atlantiks. Das Messer hatte er in der Jackentasche. Manchmal holte er es heraus und betrachtete es.
Er dachte nicht an den Krieg, er dachte an den Obstgarten, an die Nächte mit der Laterne, an zwei Kaffeetassen auf einem Tisch in Mississippi. Zurück in Bayern fand er die Farm seines Vaters, wie er sie verlassen hatte, beschädigt, aber stehend. Er fing an das weiterzumachen, was angefangen worden war. Das Messer benutzte er im Obstgarten seines Vaters für dieselbe Arbeit, die er gelernt hatte zu zeigen, auf einem fremden Hof, auf einem anderen Kontinent, in einer Sprache, die er kaum sprach.
Sechs Monate nach seiner Rückkehr kam ein Brief. Absender: Ruth Cellaway, Greenville, Mississippi. Sie schrieb auf Englisch, was er mühsam mit einem Wörterbuch entzifferte. Sie schrieb, daß der Obstgarten gut getragen hatte im Sommer, daß ihr Vater weniger sprach als früher, aber auch weniger rauchte, daß das Kalb vom Juli jetzt fast ausgewachsen war und dass es komisch war, es anzusehen, ohne daran zu denken, wie es zur Welt gekommen war.
Sie schrieb 8 Jahre lang. Er schrieb zurück auf Deutsch, daß sie sich von jemandem übersetzen ließ über die Bäume in Bayern, über das Wetter, über kleine Dinge, die auf dem Hof passierten. Earl Callaway starb im Winter 1951. Ruth schrieb es ihm in einem Brief, der erst im Frühjahr ankam. Georg legte den Brief auf den Tisch und blieb lange sitzen.
Dann ging er in den Garten und arbeitete. Männer haben Amerika gesehen, als es ihren Feinden gehörte. Die meisten kehrten nach Hause zurück und schwiegen darüber, weil es keine Geschichte war, die man erzählte, weil es zu seltsam war, zu unübersichtlich, zu weit weg von dem, was man in Worten fassen konnte, weil es einfacher war zu sagen: “Ich war im Krieg.” Und dann war ich zu Hause.
Aber das Messer war da und die Briefe und die Bäume trugen Früchte. Manchmal ist das, was zwischen zwei Feinden wächst, kleiner als Frieden und größer als alles, wofür man ein Wort hat.