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Terence Hill Wartete Jahre, Bevor Er Das Über Bud Spencer Sagte – Ty

Jenseits der fliegenden Fäuste: Das stille Drama und die unsterbliche Treue von Bud Spencer und Terence Hill

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Am 27. Juni 2016 hielt die Welt für einen Moment den Atem an. Als die Nachricht aus Rom die Runde machte, dass Bud Spencer im Alter von 86 Jahren verstorben war, durchlief ein kollektiver Schock Millionen von Wohnzimmern in Europa und weit darüber hinaus. Für unzählige Menschen fühlte es sich in diesem Augenblick so an, als würde ein essenzieller, unverrückbarer Teil ihrer eigenen Kindheit plötzlich leise und unwiederbringlich verblassen. Der massige, scheinbar unbesiegbare Mann, der jahrzehntelang mit einem einzigen, beiläufigen Faustschlag ganze Saloons auf den Kopf stellte, der Bratpfannen leer aß und Schurken mit einem mürrischen Augenrollen in die Flucht schlug, lag nun nicht mehr unbesiegbar auf einer Kinoleinwand. Er war hinübergegangen in die ewige, wehmütige Erinnerung einer ganzen Generation.

Doch so tief die Trauer der Fans auch war, für einen Menschen wog dieser Tag unendlich viel schwerer. Für Terence Hill war der 27. Juni kein Tag der filmischen Nostalgie. Er verlor an diesem warmen Sommertag nicht einfach nur den begnadeten Schauspielkollegen, mit dem er Filmgeschichte geschrieben hatte. Er verlor nicht nur die berühmtere Hälfte jenes legendären Duos, das nahezu jedes Kind beim Namen kannte. Mario Girotti – wie Terence Hill mit bürgerlichem Namen heißt – verlor den Mann, der wie ein schützender Fels in der Brandung stand, als das strahlende Lächeln hinter seinen stahlblauen Augen unerträglich schwer wurde. Er verlor den Blutsbruder, der ihn nicht nur in choreografierten Prügelszenen vor der Kamera auffing, sondern vor allem in jenen dunklen, stummen Lebensjahren, über die Terence Hill selbst nie gerne und nie laut sprach.

Die breite Öffentlichkeit glaubte über Jahrzehnte hinweg eine einfache, bequeme Wahrheit: Bud Spencer und Terence Hill seien schlichtweg zwei begabte Schauspieler gewesen, die von cleveren Produzenten zusammengesteckt wurden, weil ihre physischen Kontraste so wunderbar funktionierten. Der eine war groß, schwerfällig, gemütlich und stets mürrisch; der andere war grazil, blitzschnell, gewitzt und gesegnet mit einem Lächeln, das der Welt suggerierte, nichts und niemand könne ihm jemals ernsthaft Schaden zufügen. Doch genau in dieser oberflächlichen Betrachtung lag die größte Täuschung. Hinter den slapstickartigen Filmen, hinter den fliegenden Fäusten, den kultigen Sprüchen und dem unbeschwerten Lachen der Kinobesucher verbarg sich eine Freundschaft, die nicht in PR-Büros erdacht und nicht für Hochglanzposter inszeniert worden war. Es war eine Bindung, die in der Schmelztiegel der existentiellen Müdigkeit, in unvorstellbarem Verlust und in tiefstem Schweigen geschmiedet und geprüft wurde. Um das wahre Ausmaß dieser Verbundenheit zu begreifen, müssen wir die Uhr weit zurückdrehen. Wir müssen an jenen Punkt zurückkehren, an dem Bud noch Carlo und Terence noch Mario hieß.

Die Masken der Jugend: Carlo und Mario

Carlo Pedersoli erblickte das Licht der Welt in Neapel. Er war schon als Heranwachsender ein Junge, der mit einem Körperbau gesegnet – oder gestraft – war, den man schlichtweg nicht übersehen konnte. Er war breit, kräftig, massiv. Schon in jungen Jahren wirkte er wie ein Mensch, der physisch weitaus mehr Raum beanspruchte als seine Mitmenschen. Doch diese gewaltige körperliche Hülle verdeckte oft die faszinierende, vielschichtige Wahrheit über sein Inneres. Carlo war beileibe kein einfältiger Riese, als der er später vom Kino so gerne und so lukrativ vermarktet wurde. Er besaß einen wachen, brillanten Intellekt. Er war ein extrem schneller Denker, er studierte Jura und Chemie, er komponierte komplexe neapolitanische Musik, meldete Patente an und war ein gefeierter, olympischer Leistungsschwimmer. In diesem Mann brannte ein feuriger Geist, der unendlich viel mehr zu bieten hatte als jene stoische Gestalt, die später mit einem einzigen, senkrechten Schlag auf den Kopf einen ganzen Raum zum Schweigen bringen sollte. Und exakt dieser Kontrast sollte sich später als sein größtes psychologisches Problem entpuppen: Wenn die Welt dich einmal auf eine einzige, plumpe Eigenschaft reduziert hat, weigert sie sich standhaft, den Rest deiner Persönlichkeit anzuerkennen.

Mario Girotti hingegen war aus einem völlig anderen Holz geschnitzt. Er trat nicht mit jener erdrückenden, schweren Wucht in einen Raum. Wer Mario ansah, dessen Blick blieb sofort an seinem Gesicht hängen. An diesen unfassbar hellen, durchdringenden Augen, an der beinahe aristokratischen Ruhe und an diesem ganz speziellen, spitzbübischen Lächeln, das später das Herz von Millionen Kinogängern eroberte. Aber auch bei Mario offenbarte der erste, blendende Blick nicht die gesamte Wahrheit. Er wuchs in einer düsteren, furchteinflößenden Zeit auf, in der Europa in Flammen stand. Seine Kindheitsjahre fielen in die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Er erlebte das Bombardement von Dresden hautnah mit. Krieg, Todesangst, Flucht und nackte Unsicherheit prägten seine frühesten Erinnerungen. Das sind tiefgreifende Traumata, die ein kindliches Gemüt nicht einfach abstreift wie ein nasses Kleidungsstück. Man kann später zu einem umschwärmten Weltstar aufsteigen, man kann einen wohlklingenden amerikanischen Künstlernamen annehmen und man kann auf der Kinoleinwand so strahlend lächeln, als bestünde das Leben nur aus Sonnenschein – doch manche grauenvollen Bilder brennen sich unwiderruflich in die Seele ein.

Carlo entwickelte sich zu einem Mann, der nach außen hin stets wie eine unbezwingbare Festung wirkte. Mario wurde zu einem Mann, der nach außen hin stets den Eindruck einer unbeschwerten, federleichten Leichtigkeit erweckte. Und vielleicht liegt genau hier der tiefenpsychologische Grund verborgen, warum die beiden später auf eine so magische Weise miteinander harmonierten. Der eine sah aus, als könne ihn keine Naturgewalt der Welt umwerfen; der andere sah aus, als könne ihn kein emotionaler Schmerz jemals wirklich berühren. Beides war eine lebensrettende Illusion.

Das Schicksal zieht die Fäden: Der Weg zum Duo

Lange bevor sie das erfolgreichste Leinwand-Duo Europas wurden, verliefen ihre Lebenswege bereits parallel, fast in greifbarer Nähe zur glamourösen Filmwelt, ohne sich jedoch wirklich zu kreuzen. Carlo suchte seinen Platz im Wasser, in der unerbittlichen Disziplin des Leistungssports, wo die Stoppuhr die einzige, unbestechliche Wahrheit war. Mario hingegen stand schon sehr früh vor der Kamera, noch als Kind und Jugendlicher, lange bevor er intellektuell überhaupt verarbeiten konnte, was Ruhm und öffentliche ständige Beobachtung mit der Psyche eines Menschen anrichten. Sie waren zu diesem Zeitpunkt noch keine mythischen Legenden, keine in großen Lettern gedruckten Namen auf leuchtenden Kinoplakaten. Sie waren lediglich zwei junge, suchende Männer, die nicht im Geringsten ahnten, dass ihr eigentliches, historisches Leben erst in jenem Moment beginnen würde, in dem sie einander am Set gegenüberstanden.

Und die Geschichte hätte um ein Haar einen völlig anderen, weitaus unbedeutenderen Verlauf genommen. Es ist eine der faszinierendsten Anekdoten der Filmhistorie, dass Carlo und Mario bereits Ende der 1950er Jahre denselben gigantischen Schatten des Kinos teilten. Beide wirkten in dem monumentalen Historien-Epos “Hannibal” mit. Es war ein riesiges Set, überfüllt mit hunderten von Statisten, Bergen von Kostümen und zahllosen Gesichtern, die aus dem Nichts auftauchten und wieder in der Anonymität verschwanden. Carlo war dort. Mario war dort. Und dennoch passierte rein gar nichts. Sie begegneten sich nicht bewusst. Es gab keinen tiefen Blickkontakt, kein wegweisendes Gespräch am Rande der Kulissen, keinen einzigen Funken, bei dem ein aufmerksamer Beobachter hätte rufen können: Seht her, hier entsteht gerade Kinogeschichte! Sie glitten aneinander vorbei wie zwei stumme Züge in einer stockfinsteren Nacht. Sie waren nah genug, um am selben Leben teilzuhaben, aber zu weit entfernt, um das Schicksalhafte dieser Nähe zu begreifen.

Vielleicht musste es exakt so sein. Denn das kongeniale Duo, das später ganze Generationen prägte, entsprang keinem genialen, am Reißbrett entworfenen Masterplan. Da saß kein hochbezahlter Hollywood-Produzent in einem verrauchten Büro, der mit dem Finger schnippte und sagte: “Wir casten jetzt den Dicken und den Dünnen und bauen daraus eine Legende, die hunderte Millionen einspielt.” So einfach und berechenbar ist die Kunst nicht. Es bedurfte des blanken Zufalls, eines plötzlichen Ausfalls, einer schmerzhaften Lücke, die unter enormem Zeitdruck gefüllt werden musste.

Wir schreiben das Jahr 1967. Ein schmutziger, brutaler Italowestern mit dem Titel “Gott vergibt… Django nie!” sollte gedreht werden. Die Szenerie war typisch: flimmernder Staub, sengende Hitze, schwitzende Pferde und harte, unerbittliche Kerle in einer archaischen Welt, in der niemand auch nur den Hauch von Schwäche zeigen durfte. Die männliche Hauptrolle war eigentlich längst für einen anderen, etablierten Schauspieler vorgesehen. Doch unmittelbar vor dem ersten “Action!” des Regisseurs überschlugen sich die Ereignisse. Es gab einen Streit, eine unglückliche Verletzung, einen gebrochenen Fuß – und plötzlich stand die gesamte, sündhaft teure Produktion vor dem Aus. Der Film brauchte über Nacht einen adäquaten Ersatzmann. In Panik zog man den jungen Mario Girotti ans Set im fernen Spanien.

Und dann stand er plötzlich Carlo Pedersoli gegenüber. Man muss sich diese ikonische Szenerie mit der simplen Klarheit eines Gemäldes vorstellen: Auf der einen Seite Carlo. Gewaltig groß, schwer, massiv, ausgestattet mit dieser tief in sich ruhenden Wucht. Er wirkte wie ein Mann, der nicht einmal ansatzweise laut werden musste, um jeden Kubikzentimeter eines Raumes mit seiner bloßen Präsenz zu dominieren. Auf der anderen Seite Mario. Deutlich schmaler, agiler, heller, mit diesem unvergleichlichen, durchdringenden Blick, der stets so wirkte, als würde er schon im Voraus über einen Witz lächeln, den die anderen noch gar nicht verstanden hatten.

Auf dem geduldigen Papier von Casting-Agenturen war dies absolut kein perfektes Paar. Und doch – oder vielleicht gerade deshalb – entfaltete sich eine Magie, die niemand logisch erklären konnte. Carlo wirkte wie der vernichtende, unabwendbare Schlag, der gleich krachend einschlagen würde. Mario wirkte wie der smarte Analytiker, der diesen Schlag schon drei Sekunden im Voraus kommen sieht und ihm geschmeidig ausweicht. Der eine brachte das massive, erdende Gewicht; der andere lieferte die tänzerische, ungreifbare Bewegung. Der eine war die undurchdringliche, steinerne Wand; der andere war der flinke Schatten, der elegant an dieser Wand entlanggleitet.

Als die Kameras schließlich surrten und die beiden nebeneinander agierten, geschah das filmische Wunder. Aus einem gewöhnlichen, austauschbaren B-Movie-Western entstand schlagartig etwas pulsierend Lebendiges. Es war nicht mehr nur archaisch hart und ohrenbetäubend laut. Es wurde urkomisch, zutiefst warmherzig, gefährlich und auf eine bizarre Weise familiär und vertraut zugleich. Unmittelbar nach diesem initialen Erfolg erhielten die beiden jene Namen, die sie unsterblich machen sollten. Um den Film auf dem internationalen Markt besser verkaufen zu können, verlangte die Produktion nach angloamerikanischen Pseudonymen. Aus dem Neapolitaner Carlo Pedersoli wurde Bud Spencer. Aus dem in Venedig geborenen Mario Girotti wurde Terence Hill. Zwei prägnante Namen, die knackiger klangen, perfekt auf Leuchtreklamen passten und dem Publikum eine heile amerikanische Welt vorgaukelten. Doch hinter diesen glänzenden neuen Namen verbargen sich immer noch zwei zutiefst italienische Männer, die gerade erst langsam begriffen, dass das Medium Kino ihnen nicht nur lukrative Arbeit verschafft hatte. Es hatte ihnen ein unwiderrufliches Schicksal in die Hände gelegt – ein Schicksal, das schon sehr bald so gigantisch anwachsen würde, dass sie beide alle Mühe haben würden, es nicht über sich hereinbrechen zu lassen.

Der goldene Käfig des Ruhms: Wenn das Lächeln zur Pflicht wird

Der massive, globale Erfolg kam nicht auf leisen Sohlen. Zu Beginn der glorreichen 1970er Jahre wandelten sich Bud Spencer und Terence Hill von bloßen, gut bezahlten Schauspielern zu einem emotionalen Kulturgut. Sie wurden zu einem greifbaren Lebensgefühl. Für zahllose Kinobesucher weltweit glich ihr gemeinsames Auftreten auf der Leinwand einem in Zelluloid gegossenen Versprechen: Die reale Welt vor den Türen des Kinos konnte noch so schmutzig, laut, ungerecht, krisengeschüttelt und grausam sein – wenn das Licht im Saal erlosch, wusste man: Am Ende wird irgendjemand genüsslich eine Bratpfanne als Waffe schwingen, eine krachende Faust wird präzise landen, das Inventar eines Saloons wird vollständig zu Bruch gehen, und dennoch wird sich die Welt nach 90 Minuten wieder sicher, geordnet und seltsam heil anfühlen.

Genau darin lag das unantastbare Geheimnis ihres immensen Erfolgs. Ihre Filme waren zweifellos wild und chaotisch, aber sie waren niemals sadistisch oder grausam. Die choreografierten Schläge klangen zwar wie Peitschenhiebe und Donnerschläge, aber sie zerstörten niemals die Würde oder die Seele der Getroffenen. In diesen Filmen spritzte kein Blut, niemand starb im Staub der Prärie. Es gab Raufereien, gierige Schurken und überfüllte, verrauchte Kneipen, doch unter dieser rauen Oberfläche lag immer ein tiefes, warmherziges Lachen verborgen. Ein Lachen, das wie eine väterliche Hand auf der Schulter lag und flüsterte: „Hab keine Angst. Am Ende der Geschichte wird immer alles wieder gut.“

Mit filmischen Meisterwerken des humoristischen Westerns wie Die rechte und die linke Hand des Teufels und Vier Fäuste für ein Halleluja revolutionierten sie ein ganzes Genre. Sie fanden einen völlig neuen, unbesetzten Ton. Sie entzogen dem bis dato eiskalten, zynischen Italowestern (wie ihn Sergio Leone prägte) jegliche Trostlosigkeit und Kälte. Sie transformierten brutale Gewalt in einen artistischen Slapstick-Spaß, machten aus tödlicher Gefahr ein amüsantes Katz-und-Maus-Spiel. Sie spielten zwei gesellschaftliche Außenseiter, Vagabunden und Lebenskünstler, denen das Publikum bedingungslos und ohne moralische Bedenken in jedes Abenteuer folgen wollte.

Für die glänzenden Augen der Zuschauer im Parkett war dieses Spektakel pure, ungetrübte Freude. Für Bud und Terence hingegen wurde das Leben abseits der Kamera mit jedem Blockbuster paradoxerweise schwerer und beklemmender. Denn je lauter, frenetischer und hingebungsvoller die Menschen in den Kinosälen lachten, desto enger und unerbittlicher wurde der Rahmen, in den die Industrie sie presste. Bud Spencer durfte fortan nur noch der massige, stets hungrige Mann sein, der unentwegt mürrisch dreinblickt, die Dialoge auf ein Minimum beschränkt und in der Schlussszene mit stoischer Ruhe den Raum von Widersachern säubert. Terence Hill durfte nur noch der leichtfüßige, schlagfertige Sunnyboy sein, der sich mit einem charmanten, frechen Grinsen aus jeder noch so brenzligen Affäre zieht, als sei er völlig immun gegen den Schmerz der Welt.

Das Publikum vergötterte diese stereotypen Masken abgöttisch. Aber jede Maske, egal wie lukrativ sie auch sein mag, wird zu einer lebensbedrohlichen Gefahr, wenn die ganze Welt plötzlich vergisst, dass unter dem bemalten Pappmaché noch ein realer, atmender, fühlender Mensch existiert. Bud Spencer war in der Realität niemals nur der dumpfe Riese, der Mitmenschen durch geschlossene Holztüren warf. Terence Hill war im wahren Leben beileibe nicht nur der unbeschwerte, ewig strahlende Held mit den stechend blauen Augen. Beide Männer hatten ein komplexes, privates Leben außerhalb dieser zweidimensionalen Rollen. Beide kannten zermürbende Müdigkeit. Beide stießen an physische und psychische Grenzen. Beide durchlebten zweifellos Tage, an denen sie nichts sehnlicher wünschten, als ihre Kostüme in die Ecke zu werfen und einfach nur als Carlo und Mario, als Ehemänner und Väter, durch die Straßen zu gehen, ohne erkannt und belagert zu werden.

Doch der gigantische Welterfolg verzeiht keine Schwäche und gestattet selten den Rückzug. Er ruft immer lauter, gieriger. Die Plattenbosse und Produzenten forderten unnachgiebig Nachschub: Noch einen Film, noch eine absurdere Prügel-Choreografie, noch ein strahlenderes Lächeln auf dem roten Teppich. Noch einen weiteren, lukrativen Moment, in dem die Zuschauer ihre eigenen existenziellen Sorgen vergessen durften.

Und genau an diesem Punkt begann der seelische Preis in astronomische Höhen zu schießen. Bud rang verzweifelt nach Luft. Terence suchte inständig nach Stille. Der eine wehrte sich innerlich dagegen, bis ans Ende seiner Tage auf seine schiere Körpermasse reduziert zu werden; der andere drohte unter dem permanenten gesellschaftlichen Zwang, unablässig Fröhlichkeit und Unbeschwertheit zu simulieren, förmlich zu ersticken. Aber das Publikum und die Industrie weigerten sich, sie aus diesem Vertrag zu entlassen. Sie wollten sie exakt so, und nur so, behalten.

Bud Spencer war ein Mensch, den man im wörtlichen Sinne kaum übersehen konnte. Diese monumentale körperliche Präsenz war anfänglich sein größtes Geschenk an das Kino, verwandelte sich aber schleichend in sein persönliches Gefängnis. Wohin er auch kam, die Menschen sahen ausschließlich seinen Körper. Diese imposante Größe, diese prankenhaften Hände, dieses markante Gesicht, das bedrohlich und streng wirken konnte, ohne dass er auch nur eine Silbe sprechen musste. Für das filmische Medium war das pures, unbezahlbares Gold. Ein Regisseur musste bei einem Mann wie Bud niemals durch komplizierte Dialoge etablieren, dass er der Stärkste im Raum war; man glaubte es ihm auf die Sekunde genau.

Aber genau diese optische Reduktion verursachte ihm seelische Qualen. Carlo Pedersoli war so unfassbar viel mehr als dieser Körper. Er war ein feingeistiger Mensch, neugierig auf die Welt, ein Erfinder, der nachdachte und das Leben philosophisch durchdrang. Er wehrte sich innerlich vehement dagegen, sein gesamtes restliches Dasein nur als der “große, dicke Kerl” abzustempeln, der andere Menschen durch Tische und Fenster wirft. Je gewaltiger der Mythos Bud Spencer anschwoll, desto klaustrophobischer wurde der Raum für den Privatmenschen Carlo. Aus diesem tiefen, inneren Leidensdruck heraus suchte er sich einen Zufluchtsort, an dem ihn niemand auf ein Drehbuch festnageln konnte. Er wandte sich dem Himmel zu. Als Bud das Fliegen von Flugzeugen und Hubschraubern erlernte und später sogar eine eigene Fluglinie gründete, war das weit mehr als die exzentrische Freizeitbeschäftigung eines gelangweilten Millionärs. Es war eine pure, existenzielle Flucht. Unten auf der Erde warteten lärmende Filmsets, drängende Erwartungen, stressige Produzenten, hysterische Fans, die immer nur dieselbe rohe Kraft und denselben mürrischen Blick einforderten. Hoch oben über den Wolken hingegen gab es nur die surrende Maschine, dünne Luft und die absolute, befreiende Stille. Dort, im Cockpit, fernab aller Kameras, fühlte er sich vermutlich zum ersten Mal seit Jahrzehnten nicht wie eine Kunstfigur, die alle zu kennen glaubten. Er war frei.

Terence Hill hatte mit völlig anderen, aber nicht minder schweren Dämonen zu kämpfen. Er flüchtete nicht in die Stratosphäre, er flüchtete nach innen. Er wurde leiser, verschlossener. Sein Leben wirkte für externe Beobachter wie der reinste, schwerelose Traum: wunderschöne Filme, astronomische Gagen, Residenzen in Italien und den USA, Applaus auf allen Kontinenten, ein engelsgleiches Gesicht, das auf jedem Titelblatt strahlte. Doch Weltruhm ist kein ungetrübter Segen. Ruhm ist wie ein grell erleuchtetes Fenster in der eigenen Wohnung, das sich niemals ganz schließen lässt. Fremde Menschen starren unentwegt hinein, selbst an jenen Tagen, an denen man zutiefst erschöpft ist, an denen man krank ist, an denen man schlichtweg nur in Ruhe als Vater, Ehemann und ganz normaler Mensch existieren möchte.

Terence wurde in einen erbarmungslosen Rhythmus gepresst. Er musste ständig zwischen Kontinenten, Filmsets und Erwartungshaltungen pendeln. Italien, Hollywood, knallharte Drehpläne, ermüdende Pressekonferenzen, aufdringliche Fans. Und während die Kinobesucher auf der Leinwand einen strahlenden Halbgott sahen, der jedes irdische Problem mit einem verschmitzten Lächeln und einem lockeren Spruch in Luft auflöste, wurde ebendieses Lächeln im wahren, ungeschönten Leben mit jedem Jahr schwerer und maskenhafter. Das Tückische und Gefährliche an einem weltberühmten, als “Markenzeichen” etablierten Lächeln ist, dass die Umwelt naiv davon ausgeht, es sprudele völlig natürlich und mühelos aus der Seele. Doch manchmal kostet genau dieses Lächeln eine fast übermenschliche, schmerzhafte Kraftanstrengung.

In diesen zermürbenden Jahren des Zenits wurde die Freundschaft zwischen Bud und Terence nicht lauter oder demonstrativer. Sie wurde vielmehr stiller, privater und genau deshalb so unerschütterlich echt. Es ging nicht mehr nur um gemeinsam abgedrehte Kinohits. Es ging um intime Besuche abseits der Öffentlichkeit, um tiefgründige Gespräche am Küchentisch, um gemeinsame Mahlzeiten – es waren kleine, überlebenswichtige Fluchten aus einer Industrie, die sie wie Vampire aussaugte. In der Gegenwart von Bud konnte Terence einfach nur schweigend sitzen. Ohne eine Rolle spielen zu müssen. Ohne eine Linse, die auf ihn gerichtet war. Ohne die verdammte Pflicht, das perfekte Lächeln aufzusetzen. Und in der Gegenwart von Terence musste Bud nicht den unbesiegbaren, schweren Hünen mimen, der keine Schwäche kennt. Sie boten einander das seltenste Gut in der Welt der Stars: absolute, wertungsfreie Normalität.

Der schwärzeste Tag: Der Tod von Ross Hill

Doch selbst die tiefste und ehrlichste Freundschaft bietet keinen Schutzschild gegen die Launen eines grausamen Schicksals. Der mit Abstand härteste, niederschmetterndste Schlag im Leben von Terence Hill kam nicht aus der Feder eines zynischen Drehbuchautors. Er stammte aus keinem Actionfilm. Er kam nicht von Bud und er kam nicht von einem filmischen Antagonisten. Er traf ihn an einem eiskalten Wintertag in den Vereinigten Staaten, und als sich der Staub gelegt hatte, war nichts mehr in seinem Leben so, wie es einmal gewesen war.

Ross Hill war für Terence unendlich viel mehr als nur ein Sohn. Er war ein leuchtendes Versprechen an die Zukunft. Terence und seine Ehefrau Lori hatten den Jungen in ihr Leben aufgenommen, adoptiert, zu einem Zeitpunkt, als die Familie bereits die harte Lektion gelernt hatte, dass sich Glück nicht immer nach den eigenen Bauplänen richtet. Ross brachte eine unvergleichliche Energie in die Familie. Er brachte Bewegung in das Haus, er verkörperte die Zukunft. Er gab Terence das tröstende Gefühl, dass alte seelische Wunden vielleicht niemals komplett verschwinden, aber dass ihr Schmerz mit der Zeit leiser und erträglicher werden kann. Die Bindung zwischen Vater und Sohn war außergewöhnlich eng. So eng, dass Ross schließlich sogar als Schauspieler in die Fußstapfen seines Vaters trat und an seiner Seite in Filmen wie Renegade vor der Kamera stand.

Für das unbeteiligte Kinopublikum war es lediglich ein weiterer Unterhaltungsfilm. Man sah einen aufgeweckten jungen Mann an der Seite eines berühmten, alternden Vaters. Ein nettes, familiäres Gimmick auf der Leinwand. Doch für Terence Hill muss die Bedeutung dieser gemeinsamen Momente gewaltig gewesen sein. Wenn ein liebender Vater sein Kind neben sich agieren sieht, dann blickt er nicht nur auf diese eine isolierte Szene. Er blickt voller Stolz auf Jahrzehnte, die noch vor ihnen liegen könnten. Er sieht eine weite, leuchtende Tür, die in die Zukunft offensteht.

Aber das Schicksal hat die grausame Eigenschaft, Türen nicht immer behutsam und langsam zu schließen. Manchmal schlägt es sie mit brutaler, ohrenbetäubender Gewalt einfach zu. Am 30. Januar 1990 war der erst 16-jährige Ross Hill gemeinsam mit seinem Freund Kevin in den USA im Auto unterwegs. Es war ein gewöhnlicher, frostiger Wintertag. Eine vereiste Straße. Ein Fahrzeug, das von einer Sekunde auf die andere außer Kontrolle geriet.

Man benötigt keine blumigen, ausschweifenden Worte oder dramaturgische Übertreibungen, um die Apokalypse dieses Moments zu beschreiben. Man braucht keine großen, kinoreifen Bilder. Ein Wagen gerät ins Schleudern. Ein ohrenbetäubender Aufprall auf hartem Holz. Stille. Und wenig später erhält ein Vater jene telefonische Nachricht, vor der sich jeder Elternteil auf dieser Welt am meisten fürchtet, eine Nachricht, die kein Mensch jemals empfangen sollte. Ross starb noch am Unfallort. Sein Freund Kevin verlor ebenfalls sein junges Leben.

In einer nüchternen, sachlichen Biografie nimmt ein solches Ereignis vielleicht nur den Platz zwischen zwei dürren Absätzen ein. Ein Datum, das Wort “Autounfall”, zwei Namen. Doch in der gefühlten, blutenden Realität eines Vaters ist so etwas kein bloßer Absatz. Es ist ein radikaler, mörderischer Schnitt durch die eigene Lebensader. Alles, was vor diesem 30. Januar geschah, gehört unwiderruflich zu einer vergangenen Welt, die für immer verloren ist. Alles, was danach folgt, gehört zu einer düsteren, kalten und feindseligen neuen Existenz.

Terence Hill, der strahlende Held, den Hunderte Millionen von Menschen instinktiv mit unbesiegbarer Leichtigkeit und Lebensfreude assoziierten, verschwand innerlich. Er zog sich an einen dunklen Ort in seiner Seele zurück, den kein noch so wohlmeinendes Publikum, kein Fan-Brief und kein Journalist jemals erreichen konnte. Die Filmwelt drehte sich weiter. Die Menschen lachten weiterhin Tränen, wenn sie sich alte Streifen ansahen, in denen Trinity (Der müde Joe) die Augen zusammenkniff und mit diesem unverwechselbaren, frechen Blick eine ausweglose Situation in einen Triumph verwandelte. Aber der physische Mensch, der hinter diesem Blick atmete, existierte in dieser Form nicht mehr.

Es gibt Verluste im Leben, die lösen keine lauten, hysterischen Schreie aus. Sie provozieren keine Wutausbrüche. Sie machen den Betroffenen einfach nur totenstill. Terence zog sich komplett aus der Öffentlichkeit zurück. Und dies tat er nicht mit der Attitüde eines exzentrischen Stars, der mal eine kreative Pause vom stressigen Showgeschäft benötigt. Er tat es wie ein gebrochener, traumatisierter Vater, der schlichtweg nicht mehr begreift, wie er jemals wieder in eine Kameralinse lächeln soll, wenn in seinem eigenen Zuhause ein zentrales Puzzleteil fehlt, das nie wieder zurückkehren wird. Das berühmte, leichte Lächeln war gestorben. Von nun an würde jede noch so kleine mimische Regung in Richtung Fröhlichkeit eine unvorstellbare, bleierne Kraftanstrengung erfordern.

Die stille Rettung: Wie Bud Spencer blieb, als alle Worte versagten

Genau an diesem schwärzesten Punkt der Biografie tritt die wahre Größe von Bud Spencer zutage. Nicht als gefeierte, fäusteschwingende Kino-Legende. Nicht als der komödiantische Sidekick. Sondern in seiner reinsten, elementarsten Form: als Freund. Denn wenn ein geliebter Mensch in ein solch tiefes, bodenloses schwarzes Loch aus Trauer stürzt, dann helfen keine gut gemeinten, aber hohlen Phrasen mehr. Man kann Trauer nicht mit logischen Argumenten wegreden. Man kann den Schmerz nicht wie ein unerwünschtes Möbelstück aus dem Zimmer schieben. Das Einzige, was in einer solchen Ausnahmesituation noch eine vage therapeutische Wirkung erzielen kann, ist physische Präsenz. Man kann nur bleiben.

Und Bud Spencer blieb. Er versuchte nicht, so wie es viele überforderte Mitmenschen in der Konfrontation mit dem Tod tun, Terence den Schmerz mit Gewalt auszureden oder ihn mit banalen Floskeln zu trösten. Er begriff instinktiv, dass es Wunden gibt, die kein Arzt der Welt nähen und keine Zeit der Welt vollständig heilen kann. Ein gebrochenes Vaterherz ist keine Requisite, kein Holztisch in einer Western-Kulisse, den man nach dem Dreh einfach mit ein paar Nägeln wieder zusammenzimmert. Man kann eine solche Zerstörung nicht mit einem kräftigen Schlag auf die Schulter gerade rücken. Man kann nicht die Tür eintreten, laut rufen und erwarten, dass am nächsten Morgen alles wieder in den alten, fröhlichen Bahnen verläuft. Nichts, was Bud Spencer in diesen Tagen sagen konnte, besaß die magische Kraft, den jungen Ross wieder lebendig zu machen.

Also tat Bud etwas, das in seiner Einfachheit unfassbar schwer ist: Er blieb in der Nähe. Er saß einfach da. Das klingt auf dem Papier trivial, fast schon unbedeutend, besonders für einen Mann, den die ganze Welt als gigantischen Macher, als den personifizierten Problemlöser kannte. Aber in der menschlichen Psychologie ist genau diese passive, forderungslose Präsenz die allergrößte und edelste Form von Treue. Nicht ausweichen, wenn das Schweigen im Raum erdrückend wird. Nicht ungeduldig auf die Uhr schauen. Nicht die unausgesprochene Erwartung ausstrahlen, dass der Trauernde nun gefälligst mal wieder “funktionieren” und nach vorne blicken müsse. Bud war einfach da, unerschütterlich wie ein Berg, und wartete geduldig ab, bis der gebrochene Mann neben ihm wieder aus eigener Kraft genug Sauerstoff in die Lungen bekam, um den nächsten, winzigen Schritt zu wagen.

Terence versuchte in der Folgezeit mühsam, sich zurück in die Welt der Lebenden zu tasten. Seine Ehefrau Lori war ihm dabei die wichtigste, intimste Stütze. Sie half ihm dabei, den Willen aufzubringen, wieder Arbeit anzunehmen, morgens das Bett zu verlassen und nach einem Sinn zu suchen, der nicht ausschließlich aus schwarzen Gedanken und Erinnerungen bestand. Doch dieser Weg der Heilung verlief weder sauber, noch geradlinig, und schon gar nicht schmerzfrei. Es war ein täglicher Überlebenskampf.

In diese fragile Phase hinein trat Bud Spencer mit einer Geste, die die Filmgeschichte nachhaltig prägte. Er kam nicht mit großen, pathetischen Reden über Mut oder die Pflicht gegenüber dem Publikum. Er kam mit einer Einladung, die im Kern weitaus mehr bedeutete als das bloße Unterzeichnen eines neuen Schauspielvertrags. Seine stumme Botschaft lautete: Komm zurück ans Set. Stell dich noch ein einziges Mal neben mich. Tu es nicht für die gierigen Kritiker. Tu es nicht für das Geld der Produzenten. Tu es nicht einmal für die Millionen Fans, die draußen warten. Tu es nur für dich, um zu überleben.

Als Bud und Terence nach den Jahren der Trauer 1994 für den Film Die Troublemaker (Botte di Natale) wieder gemeinsam vor der Kamera standen, war die Aura am Set eine völlig andere. Es war nicht mehr die unbeschwerte, unschuldige Welt ihrer frühen Erfolge. Die beiden waren nicht mehr die jungen, ungestümen Männer, die mit staubigen Stiefeln und unbändiger Energie durch die wilden 70er Jahre getanzt waren. Die Gesichter auf der Leinwand zeigten tiefe Furchen, das Haar war ergraut, die Bewegungen, die einst so explosiv waren, wirkten nun gemächlicher, bedächtiger. Die unbarmherzige Zeit und das Schicksal hatten Spuren in ihre Körper und Seelen gefräst, die keine Maskenbildnerin der Welt hätte wegschminken können.

Aber genau diese sichtbare Vergänglichkeit verlieh ihrem späten Auftritt ein unendliches emotionales Gewicht. In ihren Glanzzeiten hatten sie zusammengespielt, als wären sie Götter, denen keine irdische Waffe etwas anhaben könnte. Jetzt, als alte Männer, standen sie Schulter an Schulter wie zwei Überlebende einer gewaltigen Schlacht. Sie wussten nun mit absoluter Gewissheit, dass im echten Leben eben nicht jeder Schlag komisch vertont wird. Sie wussten, dass nicht jede blutende Wunde in der nächsten Szene wie durch Zauberhand geheilt ist. Sie wussten, dass nicht jeder furchtbare Verlust am Ende durch ein heroisches Happy End aufgelöst wird.

Und trotzdem – oder gerade deshalb – standen sie wieder da. Gemeinsam. Das war die Quintessenz ihres Comebacks. Bud Spencer hatte Terence Hill nicht vor der Depression gerettet, weil er über magische Heilkräfte verfügte oder den Schmerz wegdiktieren konnte. Er rettete ihn auf eine viel subtilere, nachhaltigere Weise: Er erinnerte seinen tief gefallenen Freund durch seine bloße, wuchtige Präsenz daran, dass er in der Kälte des Universums noch immer nicht völlig allein war. Dass es da draußen noch immer diesen einen Menschen gab, der seine geheime, innere Sprache fließend verstand. Die Sprache der winzigen Blicke, der ausgedehnten Pausen, der alten, vertrauten Insider-Witze. Witze, die aus Mündern von gealterten Männern vielleicht nicht mehr ganz so brüllend komisch klangen wie in der Blüte ihrer Jugend, die aber immer noch die Kraft besaßen, das eisige Herz für eine Sekunde zu wärmen.

Auf der Kinoleinwand war Bud Spencer stets der Mann fürs Grobe, der mit einer gewaltigen Faust die moralische Ordnung des Universums wiederherstellte. Im realen Leben war seine heldenhafteste und stärkste Geste vollkommen geräuschlos. Er zog Terence nicht mit Gewalt aus dem Sumpf der Trauer; er setzte sich schlichtweg mit in den Schlamm, bis Terence von selbst wieder die Kraft fand, sich auf die Beine zu stemmen. Das ist der tiefere Grund, warum diese spezifische Freundschaft sich so eklatant von den unzähligen, oberflächlichen Zweckgemeinschaften in der Unterhaltungsindustrie unterschied. Sie speiste sich nicht aus Eitelkeit, Verkaufszahlen oder der perfekten optischen Chemie. Sie nährte sich aus jenen heiligen Momenten, in denen die Scheinwerfer längst ausgeschaltet waren, die Kameras ruhten und kein einziger Zuschauer mehr lachte.

Das Alter, die Stille und das unausweichliche Ende

Aber die Zeit, dieser unbestechliche Richter über alles Irdische, gewährt selbst den tiefsten und wahrhaftigsten Freundschaften keinen dauerhaften Aufschub. Nach diesem letzten gemeinsamen, filmischen Kraftakt beruhigten sich ihre Lebenswege spürbar. Die lukrativen Filmangebote wurden seltener, die physischen Körper wurden gebrechlicher. Aus den zwei überlebensgroßen Männern, deren bloßes Auftauchen auf der Leinwand einst ganze Kinosäle in ein Tollhaus verwandelt hatte, wurden allmählich zwei lebende Legenden, die die bittere Kunst erlernen mussten, mit der Stille des Alters umzugehen.

Die Welt um Bud Spencer und Terence Hill herum wurde leiser. Das geschieht bei Legenden dieses Formats nie abrupt von einem Tag auf den anderen. Solche Ikonen werden nicht plötzlich gelöscht. Sie leben in einer Art medialen Zwischenwelt weiter – in zahllosen Fernsehwiederholungen, in zerkratzten VHS-Kassetten, in der Nostalgie verregneter Sonntagnachmittage und in jenen prägnanten Synchronstimmen (Wolfgang Hess und Thomas Danneberg), die sich in die Hirnrinde von Millionen eingebrannt haben.

Doch im ungeschönten, realen Leben abseits der Mattscheibe drosselte sich das Tempo erbarmungslos. Terence Hill fand für sich einen völlig neuen, bedächtigen Rhythmus. Er löste sich von dem Zwang, ewig der unbeschwerte, reitende Draufgänger zu sein, der sein flottes Lächeln neben Buds finsterem Blick platziert. Mit seiner immens erfolgreichen Rolle als ermittelnder Pfarrer in der italienischen Serie Don Matteo trat er in einen völlig neuen, reiferen Lebensabschnitt ein. Das Publikum sah nun keinen draufgängerischen Jungen mehr, der sich fröhlich durch den Staub prügelte. Sie sahen einen gereiften Mann, der gelernt hatte, den Wandel der Zeit zu akzeptieren, ohne seine filmische Vergangenheit verleugnen zu müssen. In dieser besonnenen Rolle fand Terence Hill vermutlich seinen späten, privaten Frieden.

Für Bud Spencer hingegen gestaltete sich das Tragen des Alters weitaus beschwerlicher. Jener massige, gewaltige Körper, der das Fundament seines Welterfolgs gebildet hatte, verwandelte sich mit den Jahren zunehmend in ein Gefängnis, in eine physische Last. In seinen Hochzeiten war diese schiere Größe ein visuelles Versprechen gewesen: Wenn Bud den Raum betritt, wusste jeder Zuschauer instinktiv, dass das Chaos nun gebändigt wird. Im hohen Alter jedoch war ebendieser Körper von Krankheiten gezeichnet, müde und von Arthrose geplagt. Die Bewegungen, die einst so furchteinflößend und wuchtig waren, wurden schleppend. Es ist das bittere Los von Menschen, deren äußere Erscheinung immer kräftiger, robuster und unbesiegbarer wirkte, als sich die verletzliche Seele in ihrem Inneren jemals gefühlt haben mag.

Bud blieb bis zum Schluss eigensinnig und weigerte sich, eine weichgespülte Karikatur seiner selbst zu werden. Er ging Wege abseits des Kinos, die bei manchen Hardcore-Fans für Irritationen sorgten – sei es seine späte, kurze Kandidatur für ein politisches Amt oder seine Ausflüge in die Welt der Literatur. Für einen bestimmten Teil des Publikums war das ein Sakrileg. Für sie war er ausschließlich der Mann aus den Western-Komödien, ein Denkmal, das sich gefälligst niemals zu verändern oder zu äußern hatte. Es ist die tragische Falle der parasozialen Liebe: Das Publikum, das eine Figur seit Kindheitstagen vergöttert, erlaubt diesem Menschen nicht, im realen Leben alt, schwach oder fehlerhaft zu werden. Man will ihn exakt so in Formaldehyd einlegen und bewahren, wie er damals auf dem Röhrenbildschirm wirkte.

Aber Bud Spencer war kein Denkmal aus kaltem Granit. Er war ein fehlerhafter, liebender, leidender Mensch. Und niemand auf dieser Welt wusste das besser und intimer als Terence Hill. Er kannte eben nicht nur den polternden, lauten Bud. Er kannte nicht nur den Bud, der mit einer lässigen Backpfeife eine komplette Choreografie dominierte. Terence kannte Carlo. Den sensiblen Philosophen dahinter. Den Freund, vor dem er sich niemals rechtfertigen oder verstellen musste.

Als die beiden Männer viele Jahre später in Rom gemeinsam mit dem begehrten David di Donatello-Preis für ihr epochales Lebenswerk ausgezeichnet wurden, lag in der Luft dieses Saales weit mehr als nur höflicher, branchenüblicher Applaus. Zwei vom Alter gezeichnete Männer standen auf der Bühne, und das anwesende Fachpublikum erhob sich, um Jahrzehnte puren Lachens und unbeschwerter Freude zu beklatschen. Doch wer an diesem Abend genau hinsah, entdeckte unter der glänzenden Oberfläche eine tiefe, ergreifende Melancholie. Da standen keine unbesiegbaren, jugendlichen Helden mehr. Da standen keine unverwundbaren Comic-Figuren. Da standen zwei zutiefst menschliche Weggefährten, die unvorstellbare private Lasten getragen hatten und die es dennoch geschafft hatten, am Ende ihres Weges noch immer Seite an Seite zu stehen. Diese Szene war leiser als all ihre Filme zusammen, aber sie war von einer emotionalen Wucht, die einem die Tränen in die Augen trieb. In ihrer Jugend hatte man sie geliebt, weil sie das Unzerstörbare simulierten. Jetzt, im Herbst ihres Lebens, berührten sie die Herzen der Menschen, weil man endlich erkannte, wie unfassbar zerbrechlich sie in Wahrheit immer gewesen waren.

Und genau darin offenbart sich die absolute, unerbittliche Härte des Alterns. Das Alter stiehlt einem nicht nur die körperliche Kraft, die muskuläre Spannkraft oder das unbeschwerte Tempo. Es stiehlt einem nicht nur das glatte, faltenfreie Gesicht, das einen jahrzehntelang aus dem Spiegel ansah. Das Alter nimmt einem, wenn man nur lange genug lebt, irgendwann zwangsläufig auch jenen Menschen, der bedingungslos neben einem stand und das eigene Leben bezeugte. Für Terence Hill brach dieser schwärzeste aller Tage im Juni 2016 an.

Der 27. Juni 2016: Der Tag, an dem die Kindheit schwieg

Als die offizielle Bestätigung aus Rom über den Ticker lief, dass Carlo Pedersoli im Alter von 86 Jahren friedlich im Kreise seiner Familie eingeschlafen war, breitete sich diese Nachricht über Europa aus wie ein tiefer, dumpfer, nachklingender Gongschlag. Es war keine reißerische, grelle Sensation, die in den sozialen Medien kurz aufkocht und am nächsten Tag von der nächsten Banalität abgelöst wird. Es war vielmehr eine Nachricht, die Millionen von erwachsenen Menschen quer durch alle gesellschaftlichen Schichten dazu zwang, für einen Moment innezuhalten.

Wer in den 70er, 80er oder 90er Jahren mit Filmen wie Zwei außer Rand und Band, Das Krokodil und sein Nilpferd oder Zwei bärenstarke Typen aufgewachsen war, verlor an diesem Nachmittag nicht einfach nur einen fähigen italienischen Schauspieler. Er verlor ein vertrautes Geräusch. Ein wohlbekanntes Gesicht. Ein abstraktes, aber tief verwurzeltes Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit, das sich wie eine warme Decke über die eigene Biografie gelegt hatte. Bud Spencer war in der kollektiven Fantasie der Mann gewesen, der sich selbst aus dem tiefsten Dreck immer wieder erhob. Der Mann, der in der düstersten Ecke der Kneipe stoisch sein Bier trank, absolut ruhig blieb, bis die Provokation unerträglich wurde, und dann mit einer einzigen, reinigenden Bewegung die moralische Gerechtigkeit wiederherstellte. Er war ein Riese – mächtig genug, um wie eine schützende Backsteinmauer zu wirken, aber warmherzig genug, damit selbst das kleinste Kind vor dieser Mauer niemals Angst empfand.

Für Terence Hill jedoch war diese Todesnachricht keine wehmütige, abstrakte Erinnerung an vergangene Kino-Tage. Sie war brutale, schneidende Gegenwart. Als er die Nachricht erhielt, verlor er nicht den Bud Spencer, den das klatschende Publikum vergötterte. Er verlor nicht die groben Hände, den mürrischen Blick und die sonore Stimme, die auf der Leinwand für Ordnung sorgten. Er verlor Carlo.

Er verlor den Mann, der stumm neben ihm auf der Veranda gesessen hatte, wenn weit und breit kein Fotograf in der Nähe war. Er verlor den Seelenverwandten, der blind wusste, in welchen Momenten Terence aus vollem Herzen lachte und in welchen Momenten dieses Lächeln nur ein automatischer Reflex war, um die Welt auf Abstand zu halten. Er verlor den einzigen Menschen auf diesem Planeten, dem er nach all den Schicksalsschlägen nichts mehr erklären musste, weil dieser die erdrückende Stille zwischen zwei gesprochenen Sätzen längst besser deuten konnte als jedes geschriebene Wort.

Wenige Tage später, bei der öffentlichen Trauerfeier in der vollbesetzten “Chiesa degli Artisti” (Kirche der Künstler) an der Piazza del Popolo in Rom, trat Terence Hill vor das Mikrofon. Die Welt blickte auf den damals 77-jährigen Mann, dessen Augen unter Tränen noch immer jenes stechende Blau besaßen. Er hielt keine einstudierte Hollywood-Rede. Er wandte sich nicht an die Presse. Er sprach mit stockender Stimme jenen Satz, der sinngemäß um die Welt ging: Er habe den besten, den treuesten Freund seines gesamten Lebens verloren.

Liest man diesen Satz heute isoliert auf einem Blatt Papier, klingt er rührend, passend, fast schon ein wenig klischeehaft für eine Beerdigung. Aber wenn man das gesamte Blut, den Schweiß, die Tränen und die Tragödien kennt, die diesem Satz vorangingen, dann wiegt er plötzlich tonnenschwer. Denn “Treue” ist ein Wort, das leicht und schnell über die Lippen geht, wenn die Sonne scheint. Wahrhafte Treue beweist sich jedoch niemals an den Tagen des Triumphes. Sie offenbart ihr wahres, unbestechliches Gesicht erst in dem Moment, wenn die Filmklappe zum letzten Mal fällt. Wenn das Scheinwerferlicht erlischt. Wenn das Bankkonto unwichtig wird. Wenn ein Mensch psychisch so stark kollabiert, dass er nicht mehr so reibungslos funktioniert, wie es die gnadenlose Welt von ihm erwartet.

Als Terence nach dem Unfalltod seines Sohnes Ross in jene dunkle, isolierte Höhle der Verzweiflung kroch, war Bud Spencer keine distanzierte Erinnerung an lustige Dreharbeiten in Miami oder Kolumbien. Bud war einer der ganz wenigen Menschen auf der Erde, die den Mut, die Größe und die Ausdauer besaßen, neben Terence in dieser Höhle auszuharren. Ohne ungeduldig zu werden. Ohne den psychologischen Druck aufzubauen, dass das Trauma nun endlich “verarbeitet” werden müsse. Diese unbedingte, aufopferungsvolle Solidarität machte den Abschied in Rom so unfassbar endgültig und schmerzhaft. Die Millionen Fans draußen auf der Piazza trauerten um Bud Spencer, weil er sie ihr Leben lang zum Lachen gebracht hatte. Terence Hill weinte um Carlo Pedersoli, weil dieser Mann bei ihm geblieben war, als das Lachen aus seinem Leben restlos verschwunden war.

Das unsterbliche Vermächtnis: Ein Blick zurück durch Tränen

Vielleicht ist das der eigentliche, tiefere Grund, warum die alten Filmklassiker der beiden, wenn man sie sich heute erneut ansieht, eine völlig andere, melancholische Wirkung entfalten. Als Kind saß man vor dem Fernseher und ergötzte sich ausschließlich an dem grandiosen Slapstick. An den witzigen, absurden Schlägen, den rollenden Augen, dem perfekten, choreografierten Timing. Man lachte über den genialen visuellen und charakterlichen Kontrast zwischen dem brummigen, massiven Bud und dem listigen, leichtfüßigen Terence.

Wenn man dieselben Filme heute als erwachsener, vom Leben gezeichneter Mensch betrachtet, sieht man weit über den Klamauk hinaus. Man sieht zwei Männer, die sich in jedem Moment vollkommen bewusst darüber waren, dass ihr gemeinsames, öffentliches Bild zu einem gigantischen Monster herangewachsen war, das weitaus größer war als sie selbst. Man sieht zwei hochsensible, verletzliche Menschen, die sich hinter dicken, humoristischen Masken versteckten und es dennoch schafften, eine echte, tiefe Verbindung zueinander aufzubauen. Man erkennt heute mit einem schmerzhaften Stich im Herzen, dass diese scheinbare Leichtigkeit, dieses unbeschwerte Lachen niemals billig zu haben war. Es hatte einen brutalen Preis. Einen Preis, den das grölende Kinopublikum niemals zahlen musste, weil Bud und Terence ihn stillschweigend für uns alle beglichen haben.

Nach Buds Tod in Rom blieb Terence Hill zurück. Das ist der mit Abstand grausamste, unvermeidliche Teil einer jeden großen, lebenslangen Freundschaft: Einer muss am Ende als Überlebender zurückbleiben. Einer muss den beschwerlichen Weg in die Dunkelheit allein weitergehen. Einer muss das schwere Gewicht der gemeinsamen Geschichte auf seinen Schultern tragen. Einer muss in der Lage sein, sich im Fernsehen alte Szenen anzusehen, in denen der beste Freund noch atmet, noch wütet, noch schlägt, noch lacht – wohlwissend, dass die physische Wirklichkeit jenseits des Bildschirms längst zu Asche zerfallen und für immer still geworden ist.

Für das Millionenpublikum endete an jenem Tag im Juni 2016 eine glorreiche filmische Ära, die in Endlosschleifen auf Kabel-TV-Sendern weiterleben wird. Für Terence Hill endete ein elementarer Teil seiner eigenen, menschlichen Existenz. Und genau hier, im Angesicht der Vergänglichkeit, kristallisiert sich die absolute, unumstößliche Wahrheit heraus, die man vielleicht erst nach dem Tod von Bud Spencer in ihrer ganzen Gänze begreift:

Das wirklich Faszinierende, das Nachhaltigste an dem Phänomen Bud Spencer und Terence Hill waren niemals die choreografierten Prügeleien. Es waren nicht die schallenden Ohrfeigen, die so herrlich übertrieben vertont waren, dass man sie förmlich bis ins eigene Wohnzimmer klatschen hörte. Es waren nicht die Holztische, die bei jeder Kneipenschlägerei fachgerecht in tausend Splitter zerfielen. Es waren nicht die zahllosen Stuntmen, die in hohem Bogen durch Fensterscheiben und Saloontüren segelten. Es war nicht einmal dieses geniale, komödiantische Timing, bei dem Bud nur im Bruchteil einer Sekunde den Kopf leicht zur Seite neigen musste, und Terence blind wusste, dass exakt jetzt die Hölle losbrechen würde.

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Disclaimer: This story is fictional and created for entertainment purposes only. Any names, characters, places, or events are fictitious or used fictitiously. No real person or organization is intended to be portrayed.

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