Mit 87 Jahren: Die traurige Wahrheit über Terence Hills heutiges Leben – Ty
Endlich Klartext: Die Tränen hinter dem ewigen Lächeln – Terence Hills schweres Schicksal und die Wahrheit über seine dunkelsten Jahre
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Es gibt Gesichter in der Geschichte des Kinos, die so untrennbar mit Freude, Unbeschwertheit und schallendem Gelächter verbunden sind, dass man sich schlichtweg weigert, Trauer oder tiefen Schmerz in ihnen zu lesen. Terence Hill besitzt zweifellos ein solches Gesicht. Mit seinen strahlend hellblauen Augen, dem schelmischen, fast schon jungenhaften Grinsen und seiner unvergleichlichen, katzenhaften Agilität prägte er an der Seite von Bud Spencer eine gesamte Ära. Für Millionen von Zuschauern weltweit, und ganz besonders in Deutschland, wurden ihre Filme zu einem festen, wohlig-warmen Ritual. Man saß am Sonntagnachmittag gemeinsam als Familie vor dem flimmernden Fernseher. Schläge flogen krachend durch die Luft, massige Holztische zerbrachen in Tausende von Splittern, Bud grummelte genervt in seinen Bart, Terence grinste frech – und am Ende des Films war die Welt stets wieder in Ordnung. Niemand wurde jemals wirklich böse verletzt, das Gute siegte immer mit einem Augenzwinkern.
Doch wenn man den Vorhang der Fiktion beiseiteschiebt und das reale Leben des Mannes betrachtet, der heute stolze 87 Jahre alt ist, offenbart sich eine Geschichte von einer fast schon unerträglichen Schwere. Der Tag, der Terence Hills Dasein am tiefsten, brutalsten und unwiderruflichsten veränderte, hatte absolut nichts mit einem auswendig gelernten Drehbuch, einem raffinierten Stunt oder einer lustigen Filmszene zu tun. Es war der Tag, an dem das Schicksal ihm das Wertvollste nahm, was ein Mensch besitzen kann. Und diese Tragödie lehrt uns eine bittere Wahrheit über den Preis des Ruhms: Keine Millionengage, keine weltweite Berühmtheit und keine Fanliebe kann einen Vater davor beschützen, den ultimativen Albtraum durchleben zu müssen.
Um zu verstehen, warum Familie, Halt und menschliche Nähe für diesen Weltstar immer einen derart überlebenswichtigen Platz einnahmen, muss man die Uhr weit zurückdrehen. Weit vor die ersten Kinoplakate, weit vor den Namen Terence Hill. Man muss dorthin blicken, wo alles im dunklen Schatten des Krieges begann: Zu einem kleinen Jungen namens Mario Girotti.
Die Trümmer von Dresden: Eine Kindheit ohne Sicherheit
Lange bevor die Welt ihn als charmanten Prügel-Cowboy feierte, erblickte Mario Girotti in Venedig das Licht der Welt. Als Sohn einer deutschen Mutter und eines italienischen Vaters war sein Leben von Beginn an ein interkultureller Spagat. Als Mario noch ein kleines, unschuldiges Kind war, traf die Familie eine fatale Entscheidung: Sie zogen in die Heimat der Mutter, nach Lommatzsch, einer kleinen Stadt im sächsischen Landkreis Meißen nahe Dresden. Es waren die dunkelsten, grausamsten Jahre des Zweiten Weltkriegs.
Diese entscheidende, prägende Lebensphase hatte absolut nichts mit dem glamourösen Leben zu tun, das Jahrzehnte später in Hollywood auf ihn warten sollte. Es gab keine luxuriösen Filmsets, keine jubelnden Bewunderer und schon gar keinen Bud Spencer, der ihn beschützte. Stattdessen prägten Sirenengeheul, nackte Unsicherheit, pure Existenzangst und die Schrecken des Krieges seinen Alltag. Als kleiner Junge musste Mario Girotti die verheerenden, traumatischen Bombenangriffe auf das nahegelegene Dresden im Februar 1945 hautnah miterleben. Er sah den Himmel brennen, roch die Zerstörung und verstand tief in seiner Seele sehr früh eine fundamentale Lektion, die ihn nie wieder loslassen sollte: Sicherheit ist auf dieser Welt niemals selbstverständlich. Alles, was man liebt, kann innerhalb von Sekunden in Schutt und Asche gelegt werden.
Nach dem Ende des Krieges kehrte die traumatisierte Familie in die alte Heimat nach Italien zurück. Mario wuchs weiter heran, ging zur Schule und suchte nach einem Ventil für seine Energie. Er entdeckte den Sport für sich, insbesondere das Schwimmen spielte eine extrem wichtige, disziplinierende Rolle in seinem jungen Leben. Und genau über diesen unscheinbaren Umweg im Schwimmbad kam ein Stein ins Rollen, den damals nicht einmal die kühnsten Visionäre hätten vorausplanen können.
Mit zarten 12 Jahren stand Mario Girotti durch eine unglaubliche Fügung des Schicksals zum allerersten Mal vor einer professionellen Filmkamera. Eine befreundete Familie hatte von einem anstehenden Casting gehört, und über sein hartes Schwimmtraining kannte Mario zufällig einen Assistenten des Regisseurs Dino Risi. Er ging ohne große Erwartungen zum Vorsprechen für den Film “Vacanze col gangster” (Ferien mit dem Gangster) – und bekam die Rolle. So unspektakulär begann eine Jahrhundertkarriere. Nicht mit einem ehrgeizigen, starren Masterplan, sondern durch puren Zufall. Danach folgten weitere, oft kleine Rollen und mühsame Auftritte in Sandalenfilmen. Mario war noch lange kein Star. Er war einfach ein gutaussehender, hart arbeitender junger Schauspieler, der verzweifelt versuchte, seinen Platz in einer unbarmherzigen Industrie zu finden.
Die Geburt einer Legende: 24 Stunden, um Terence Hill zu werden
Der endgültige Wendepunkt, der sein Leben in völlig neue Bahnen lenken sollte, kam im Jahr 1967. Es war das Jahr, in dem der Name Mario Girotti zwar nicht als Mensch verschwand, aber von den internationalen Kinoplakaten radiert wurde. Für den harten Italo-Western “Gott vergibt – wir beide nie!” bestanden die Produzenten zwingend darauf, dass er sich einen englisch klingenden, international vermarktbaren Künstlernamen zulegen müsse. Der Legende nach legte man ihm eine Liste mit 20 Vorschlägen vor. Man gab ihm lächerliche 24 Stunden Zeit für eine Entscheidung, die sein restliches Leben definieren sollte. Am Ende dieser kurzen Frist tippte er auf einen Namen, der bald in die Filmgeschichte eingehen würde: Terence Hill.
Doch dieser Film veränderte sein Schicksal noch durch eine andere, weitaus magischere Komponente. In demselben staubigen Western stand ein großer, bärtiger Mann neben ihm, den die Welt danach kaum noch von ihm trennen konnte: Carlo Pedersoli, besser bekannt als Bud Spencer.
Das fast schon mystische Detail an dieser historischen Begegnung ist, dass sich die Wege der beiden Männer im echten Leben längst viel früher gekreuzt hatten. Beide waren ehrgeizige Schwimmer gewesen, beide traten im selben Verein in Rom an, und sie hatten sogar Jahre zuvor in demselben Monumentalfilm (“Hannibal”) mitgewirkt, ohne jedoch eine einzige gemeinsame Szene zu teilen. Aber erst jetzt, unter der brennenden Sonne Spaniens, standen sie wirklich gemeinsam vor der Kamera. Und es passierte etwas Einzigartiges. Die Magie funktionierte sofort.
Terence war sehnig, pfeilschnell, extrem beweglich und besaß dieses fast freche, provokante Lächeln. Bud war das genaue, perfekte Gegenteil: Breit wie ein Schrank, unglaublich schwer, stoisch ruhig und von brummiger Gemütlichkeit. Manchmal musste der massige Neapolitaner nur genervt schnaufen oder die Augenbrauen hochziehen, und schon wurde eine eigentlich brutale Szene unfassbar komisch. Sie wirkten in keiner Sekunde wie zwei wildfremde Schauspieler, die am Set mühsam eine künstliche Chemie herstellen mussten. Die Verbundenheit war einfach da, organisch und echt. Terence Hill erinnerte sich später oft voller Dankbarkeit daran, dass es zwischen ihnen beim Drehen vom ersten Moment an blind „klick“ machte.
Auch die Regisseure am Set merkten rasend schnell, dass diese beiden grundverschiedenen Männer in der Kombination eine unglaubliche, sympathische Energie erzeugten, die keiner von ihnen allein jemals genauso herstellen konnte. Weitere, epochale Filme folgten Schlag auf Schlag. Mit Meisterwerken der Prügelkomödie wie “Die rechte und die linke Hand des Teufels” und der kongenialen Fortsetzung “Vier Fäuste für ein Halleluja” wurde aus einer anfänglich zufälligen Besetzung ein globales Popkultur-Phänomen. Terence grinste sich durch Schlägereien, wich geschmeidig aus, während Bud die Gegner wie lästige Fliegen mit einem einzigen, vernichtenden Schlag auf den Kopf zu Boden streckte. Irgendwie fühlte sich in dieser Kinowelt alles so unerträglich leicht an.
Das private Glück: Die Familie als sicherer Hafen
Während sein Künstlername Terence Hill draußen in der Welt, auf gigantischen Plakatwänden in Amerika, Asien und Europa immer größer wurde, baute er sich parallel dazu privat das Fundament auf, das ihm zeitlebens am wichtigsten war: Eine eigene Familie. Seine Ehefrau Lori, die er am Set kennengelernt hatte, schenkte ihm den ersten Sohn Jess. Wenig später adoptierten sie einen kleinen Jungen aus München, Ross. Damit schien die Familienidylle perfekt zu sein.
Für Terence schienen sich nun endlich zwei sonst oft völlig unvereinbare Welten perfekt zusammenzufügen. Der gefeierte, reiche Mann auf der Leinwand hatte seinen Platz gefunden, und der liebende, besorgte Vater hinter der Leinwand auch. Der Adoptivsohn Ross wuchs völlig natürlich genau zwischen diesen beiden Welten auf. Er inhalierte die Filmatmosphäre am Set, und irgendwann stand der heranwachsende Junge nicht mehr nur brav daneben und sah zu. Er begann selbst, erste Schritte vor der Kamera zu machen.
Ross war nicht einfach nur das verwöhnte Kind eines weltberühmten Schauspielers. Er zeigte echtes Talent und begann intensiv herauszufinden, ob die Welt vor der Kamera auch seine eigene berufliche Welt werden könnte. Schon als kleines Kind stand er in “Keiner haut wie Don Camillo” vor der Linse. Einige Jahre später, als charismatischer Teenager, spielte er im Film “Renegade” direkt an der Seite seines berühmten Vaters.
Für Terence Hill muss das ein Gefühl von unfassbarem, unbeschreiblichem Stolz gewesen sein. Ein Moment der vollkommenen Erfüllung. Er selbst hatte damals als orientierungsloser 12-jähriger Junge in Italien angefangen. Nun durfte er mit ansehen, wie sein eigener Sohn denselben Raum betrat. Nicht als Statist, nicht als reiner Zuschauer, sondern als jemand, der selbst arbeitete, lernte und anfing, seinen ganz eigenen, erfolgreichen Weg in der Branche zu suchen.
Es sollte noch viel weiter und höher hinausgehen. Für das große Prestigeprojekt “Lucky Luke” war Ross bereits fest für die wichtige Rolle des Billy the Kid eingeplant. Terence Hill selbst sollte die Hauptrolle des legendären Comic-Helden Lucky Luke spielen und zudem Regie führen. Wieder hätten Vater und Sohn über Monate hinweg gemeinsam am Set gestanden, diesmal bei einem persönlichen Herzensprojekt, das Terence unendlich viel bedeutete.
Das ist der Punkt in der Biografie, der einem als Beobachter heute fast physisch wehtut. Denn wir kennen heute das brutale, unausweichliche Ende dieser Geschichte. Terence Hill, in jenen Tagen des Jahres 1989, kannte es noch nicht. Er blickte in die Augen seines Sohnes und sah keinen Jungen, dessen Leben in wenigen Wochen abrupt enden würde. Er sah einen 16-jährigen, kräftigen jungen Mann, der sein ganzes, pralles Leben noch vor sich hatte. Mit einer riesigen Rolle vor sich, mit unendlichen Möglichkeiten und mit einer strahlenden Zukunft, die gerade erst richtig begann.
Der absolute Albtraum: Der Tag, an dem das Lachen erstarb
Dann kam der 15. Januar 1990. Ein Datum, das sich wie ein glühendes Eisen in die Seele von Terence Hill brannte.
Der 16-jährige Ross befand sich in Stockbridge, im US-Bundesstaat Massachusetts. Er war mit einem guten Freund im Auto unterwegs. Es herrschten winterliche, eisige Bedingungen. Was dann geschah, war ein furchtbarer, unerbittlicher Bruchteil einer Sekunde: Das Auto rutschte auf einer gefährlichen Eisfläche aus, prallte mit voller, ungebremster Wucht gegen einen massiven Baum. Ross Hill war sofort tot. Er wurde nur 16 Jahre alt. Mehr Zeit auf dieser Erde bekam er nicht.
Es gibt traumatische, vernichtende Momente in der menschlichen Existenz, nach denen eine Familie nicht einfach am nächsten Morgen aufsteht und dort weitermacht, wo sie am Abend zuvor aufgehört hat. Dieser verfluchte 15. Januar war für die Familie Hill exakt ein solcher Tag. Für Terence ging in den verbogenen Blechtrümmern von Massachusetts nicht nur sein geliebtes Kind physisch verloren. Es verschwand auch eine gesamte, leuchtende Zukunft, die gerade erst greifbar geworden war. All das gemeinsame, kreative Arbeiten am Set, das gemeinsame Lachen über Drehbuchzeilen, die nächsten Rollen, das stolze Beobachten, wie der Sohn erwachsen, vielleicht selbst Ehemann und Vater wird. All diese unzähligen, wunderschönen Jahre, von denen man als Eltern felsenfest glaubt, sie lägen noch als ein weites, sicheres Feld vor einem, wurden mit einem einzigen Schlag ausradiert.
Wenig später musste die bereits laufende Produktion von “Lucky Luke” ohne Ross gedreht werden. Terence Hill stand nach einer Zeit der absoluten, schwarzen Trauer wieder vor der Filmkamera. Aber der strahlende, junge Mann, der in genau diesen Szenen direkt neben ihm hätte stehen, atmen und lachen sollen, fehlte auf quälende, unfassbare Weise.
Und genau hier, im Umgang mit dieser unfassbaren Leere, wurde die wahre Lebensgeschichte unendlich viel schwerer und grausamer als jeder fiktive Film, den Terence Hill jemals in seinem Leben gedreht hatte. Im Kino war die Welt so einfach. Einen bösen Gegner auf der Leinwand konnte er mit einem eleganten Faustschlag besiegen. Eine misslungene Szene konnte man einfach abbrechen und beliebig oft neu drehen. Einen schlechten Film konnte man vergessen und einen neuen machen.
Aber diesen einen, verdammten Tag im Januar 1990 konnte er nicht ungeschehen machen. Er konnte ihn nicht umschreiben oder neu drehen. Von nun an ging es in seinem Dasein tief im Inneren nicht mehr primär darum, ob Terence Hill noch ein großer, umschwärmter Kinostar war. Es ging für ihn als Vater schlicht und ergreifend nur noch um das nackte Überleben. Es ging darum, ob er überhaupt jemals wieder einen Weg zurück in die Normalität, zurück in eine Welt finden würde, in der man ohne nagende Schuldgefühle lachen kann.
Die stille Flucht in die Rolle des Priesters
Nach dem Tod von Ross verschwand Terence Hill natürlich nicht für immer und ewig von der Kinoleinwand. Er zog sich nicht in ein dunkles Kloster zurück. Aber etwas Existenzielles, Tiefes in seinen Augen hatte sich für immer verändert. Er funktionierte, er arbeitete diszipliniert weiter, drehte Filme und versuchte verzweifelt, das zu tun, was er seit seiner frühesten Jugend perfekt beherrschte: vor einer Kamera stehen.
Doch Arbeit, Ruhm und Geld konnten absolut nicht ersetzen, was abends am Küchentisch zu Hause fehlte. Ross war kein beliebiges Kapitel seiner Karriere gewesen, das man abschließen konnte. Er war sein Sohn. Die gnadenlosen Jahre gingen weiter. Der junge, unbesiegbare Mann mit dem schnellen Grinsen wurde physisch älter, die tiefen Falten der Trauer gruben sich in sein Gesicht. Auch die Filmindustrie, das Kino selbst, veränderte sich rasant. Die große, legendäre Zeit der gemeinsamen, unbeschwerten Prügelfilme mit Bud Spencer lag inzwischen wie eine nostalgische Erinnerung hinter ihm. Terence musste also nicht nur mit einem vernichtenden persönlichen Verlust leben lernen. Auch die gewohnte, sichere Welt, in der er so berühmt geworden war, begann sich langsam vor seinen Augen aufzulösen.
Und dann kam im Jahr 2000 eine Rolle in sein Leben, die auf den ersten flüchtigen Blick überhaupt nicht zum alten Image von Terence Hill passen wollte: “Don Matteo”. Er spielte keinen rauchenden Cowboy, keinen lässigen Revolverhelden, keinen windigen Zocker und keinen Mann, der seine massiven Probleme mit fliegenden Fäusten löste. Diesmal schlüpfte Hill in die dunkle Soutane eines katholischen Priesters. Einen ruhigen, besonnenen, friedfertigen Mann auf einem klapprigen Fahrrad, der anderen Menschen in Not tief zuhört, bevor er urteilt. Einen Geistlichen, der voller Empathie versucht zu verstehen, warum ein schwacher Mensch gefallen ist.
Für die Millionen treuen Zuschauer, die Terence Hill seit Jahrzehnten nur als austeilenden Draufgänger kannten, war das zunächst ein völliger Schock, ein völlig anderes Bild. Und vielleicht, psychologisch gesehen, funktionierte diese Serie genau deshalb so unglaublich gut und heilend für ihn. Hill musste vor der Kamera nicht länger so tun, als wäre er noch der unbeschwerte, ewig junge Mann aus den wilden siebziger Jahren. Er durfte endlich älter sein. Er durfte ruhiger, tiefgründiger und langsamer werden.
Die Rolle des Priesters verlangte deutlich weniger physische Bewegung, weniger Stunts, dafür aber umso mehr emotionale Präsenz und seelische Tiefe. Das Publikum nahm diesen Wandel dankbar an. “Don Matteo” wurde zu einem gigantischen, nicht enden wollenden Erfolg im italienischen Fernsehen und begleitete Terence Hill tröstend über mehr als zwei Jahrzehnte. Eine völlig neue, jüngere Generation von Fernsehzuschauern lernte ihn nun als den gütigen Pfarrer kennen, ohne dabei zuerst an staubige Western oder lustige Bohnen-Essen mit Bud Spencer zu denken.
Diese späte, ruhige Erfüllung bedeutete natürlich nicht, dass der verstorbene Sohn Ross plötzlich vergessen war. So funktioniert Trauer, so funktioniert der Verlust eines Kindes nicht. Die Wunde schließt sich nie. Man atmet weiter, man arbeitet, man lacht irgendwann sogar wieder über einen guten Witz, und trotzdem bleibt für den Rest des Lebens am Esstisch ein Stuhl schmerzhaft leer. Terence Hill hatte über die Schauspielerei einen Weg zurück ins Leben, zurück vor die Kamera gefunden.
Der zweite, unersetzliche Verlust: Der Abschied von Bud Spencer
Doch während er auf seinem Fahrrad in “Don Matteo” langsam wieder so etwas wie festen emotionalen Boden unter den Füßen bekam, rückte unaufhaltsam ein anderer, elementarer Mann in seinem Leben in die Vergangenheit. Carlo Pedersoli. Bud Spencer. Der bärbeißige Partner, mit dem alles im Leben so unglaublich leicht und unbesiegbar ausgesehen hatte.
Am 27. Juni 2016 stand die Welt für Millionen von Filmfans für einen Moment still. Bud Spencer starb friedlich in Rom. Er wurde 86 Jahre alt. Für die breite Öffentlichkeit, für die Nachrichtenagenturen und das Feuilleton war es das traurige Ableben eines großen, sympathischen Schauspielers. Für Terence Hill jedoch war dieser Tod etwas ungleich Persönlicheres, Zerreißenderes.
Fast fünf Jahrzehnte lang, ein halbes Jahrhundert, hatten die Menschen auf dem gesamten Planeten ihre Namen automatisch miteinander verbunden. Sagte man Terence Hill, dachte man Bud Spencer. Oft musste nur einer der beiden Namen fallen, und der andere stand visuell sofort wie ein Schatten mit im Raum. Dabei waren die beiden privat nie exakt gleich, sie klebten nicht Tag und Nacht aneinander. Aber genau deshalb, wegen dieses Respekts vor der Andersartigkeit, funktionierten sie vor der Kamera und im wahren Leben so unglaublich perfekt zusammen. Bud war ruhig, schwer, von immenser physischer und intellektueller Kraft (er war Jurist, Erfinder, Musiker). Terence war schnell, wendig, sportlich und oft schon mit einem kleinen, schelmischen Grinsen im Gesicht der Situation einen gedanklichen Schritt voraus.
Hinter all dieser weltberühmten Leinwand-Komik, hinter den fliegenden Stühlen und den deftigen Sprüchen lag jedoch etwas Fundamentales, das sich selbst die besten Hollywood-Schauspieler nicht künstlich anspielen können: Echtes, tiefes, brüderliches Vertrauen. Nach so vielen gemeinsamen Jahren am Set, im Staub der Wüste oder in schmutzigen Kneipenkulissen, kannten sie den Rhythmus und die Seele des anderen in- und auswendig. Sie wussten instinktiv, wann eine improvisierte Szene funktionierte. Sie wussten, wann man sich einfach wortlos ansehen konnte und nichts mehr erklären musste. Diese magische Verbindung war längst unendlich viel größer und heiliger geworden als nur eine lukrative Reihe erfolgreicher Komödien.
Deshalb traf Bud Spencers Tod nicht nur Terence Hill in seinem tiefsten Inneren. Er traf auch Millionen von Menschen weltweit, die mit diesen beiden Männern erwachsen und älter geworden waren. Gerade in Deutschland liefen und laufen ihre Filme an Feiertagen und Wochenenden in unendlicher Dauerschleife im Fernsehen. Für unzählige Menschen gehörten diese Filme zu verregneten Sonntagnachmittagen auf der Couch, zu unbeschwerten Abenden mit den Eltern. Später zeigten viele diese exakt selben Filme nostalgisch ihren eigenen Kindern. Und plötzlich, mit einer einfachen Nachricht aus Rom, war der gigantische, brummige Teil dieses Duos nicht mehr da.
Genau darin lag für Terence Hill der erneute, grausame Schmerz. Der Tod von Ross hatte ihn als Vater in den Grundfesten seiner Existenz getroffen und traumatisiert. Der Tod von Bud Spencer berührte nun einen völlig anderen, aber nicht minder wichtigen Teil seines Lebenswerks. Mit Bud verschwand für immer jener Mann, der wie ein Fels neben ihm stand, als aus dem unsicheren Mario Girotti endgültig der Weltstar Terence Hill wurde.
Terence konnte natürlich physisch weiterarbeiten. Er konnte ohne Probleme neue Rollen annehmen, Drehbücher lesen und andere Geschichten erzählen. Aber dieses legendäre, einmalige Duo konnte niemand auf der ganzen Welt jemals wieder neu besetzen. Es gab keinen zweiten Bud Spencer. Zwei Jahre nach dessen Tod stand Terence Hill noch einmal für ein sehr persönliches Projekt hinter und vor der Kamera. Der leise, melancholische Film hieß “Mein Name ist Somebody”. Es war ein Projekt, das eng mit seiner eigenen Filmgeschichte verwoben war und das er voll und ganz Bud Spencer widmete.
Es war absolut kein peinlicher Versuch, die alte, glorreiche Zeit der Prügelkomödien noch einmal künstlich zurückzuholen. Hill wusste besser als jeder andere: Das war unmöglich. Es war etwas viel Einfacheres, Pureres: Ein alternder Mann machte noch einmal einen Film, und der Freund, der jahrzehntelang wie ein Berg neben ihm gestanden hatte, ritt nur noch als unsichtbare Erinnerung neben ihm her.
Das Alter und die bittere Wahrheit über das Kino
Damit begann für Terence Hill der letzte, unweigerliche Abschnitt. Es ist nicht mehr die laute Zeit des unaufhaltsamen Aufstiegs. Es ist nicht mehr die ausgelassene Zeit der großen Prügeleien in Western-Saloons. Sondern es ist jene ruhige, oft schmerzhafte Zeit im Leben eines jeden Menschen, in der immer mehr von dem, was das eigene Leben einst bunt und reich gemacht hatte, nur noch in alten Fotoalben und in wehmütigen Bildern weiterlebt.
Auch die Rolle des “Don Matteo” konnte logischerweise nicht für alle Ewigkeit weitergehen. Mehr als zwei Jahrzehntelang hatte Terence Hill diesem Priester Gesicht und Seele geliehen. Für viele jüngere, italienische Fernsehzuschauer war der weise Geistliche auf dem Fahrrad längst genauso vertraut und ikonisch geworden wie früher der Cowboy mit den strahlend blauen Augen für die Kinogänger. Doch irgendwann, die biologische Uhr tickt unerbittlich, kam der Moment, an dem der fast 83-jährige Hill auch diese liebgewonnene Rolle physisch loslassen musste. In der 13. Staffel der Serie nahm er seinen Abschied. Der Schauspieler Raoul Bova übernahm mit einer neuen Figur den Platz, der über so viele Jahre eng mit Hill verbunden gewesen war.
Es war ein weitaus stillerer, friedlicherer Abschied als früher in seinen Kinofilmen. Es gab keinen großen, finalen Boss-Kampf am Ende, keinen spektakulären letzten Schlag, mit dem der Bösewicht durch ein Fenster flog. Und vor allem gab es keinen Bud Spencer mehr, der ihm dabei lachend den Rücken freihielt. Terence fuhr einfach leise davon.
Und vielleicht passte genau dieser lautlose Abgang perfekt zu diesem späten Abschnitt seines Lebens. Als ehrgeiziger, junger Mann im Filmgeschäft hatte er das Mantra verinnerlicht, immer weiterzumachen. Ein Film nach dem anderen, neue Drehorte, neue Rollen, neue Kontinente, neue Erfolge. Jetzt, am Lebensabend, musste er auf die harte Tour etwas völlig anderes lernen, das vielen Menschen schwerfällt: Dinge können und müssen irgendwann enden, auch wenn man sie noch so sehr liebt. Zuerst war sein Sohn Ross brutal aus dem Leben gerissen worden. Dann starb sein engster Freund Bud. Nun verschwand auch sein alter Ego Don Matteo langsam aus seinem täglichen Rhythmus.
Das bedeutete natürlich nicht, dass Terence Hill als Mensch plötzlich absolut nichts mehr hatte. Seine unzähligen Filme liefen weiterhin im Fernsehen. Wildfremde Menschen erkannten ihn noch immer auf der Straße, baten ihn um Autogramme. Ganze Generationen von Fans kannten sein Gesicht, seine warme Stimme und dieses kleine, unvergleichliche Lächeln, das oft schon vor dem ersten gesprochenen Wort verriet, dass gleich etwas extrem Lustiges passieren würde.
Aber der globale Ruhm hat eine eisige, unüberwindbare Grenze. Der Ruhm kann Zelluloidrollen und digitale Pixel bewahren. Er kann ein Gesicht auf dem heimischen Bildschirm durch ständige Wiederholungen für immer jung und makellos halten, obwohl in der echten Welt längst Jahrzehnte vergangen sind. Er kann einen Menschen in alten Lieblingsszenen immer und immer wieder auf Knopfdruck zurück in unser Wohnzimmer bringen.
Im wirklichen, echten Leben kann der Ruhm all das jedoch nicht. Und vielleicht unterscheidet sich das private Leben von Terence Hill genau in dieser schmerzhaften Erkenntnis am stärksten, grausamsten und offensichtlichsten von seinen eigenen Filmen.
Im Kino, wenn das Drehbuch es verlangte, konnte er nach jedem noch so tiefen Sturz, nach jedem Kinnhaken einfach den Staub abklopfen, wieder aufstehen, sich die Lippe abwischen und weiterlächeln. Nach einer wilden, zehnminütigen Prügelei kam einfach der rettende Cut des Regisseurs, und die nächste, ruhige Szene begann. Am Ende des Films, wenn der Abspann lief, blieb bei den Helden fast immer noch ein befreiendes, fröhliches Lachen übrig.
Im echten Leben, als Vater und als Freund, gab es diesen tröstlichen zweiten Versuch, dieses “Cut”, schlichtweg nicht. Sein Sohn Ross kam nach jenem Autounfall niemals wieder zurück. Bud Spencer stand nach seinem Tod niemals wieder grinsend neben ihm. Und auch all die verlorenen, unbeschwerten Jahre, in denen beide noch voller Leben neben ihm standen, ließen sich mit keinem Geld der Welt für einen zweiten Take noch einmal drehen. Terence Hill blieb am Ende als Überlebender zurück. Aber mit jedem endgültigen Abschied, den er ertragen musste, wurde ein gigantischer, unersetzlicher Teil seiner eigenen Seele, seines eigenen Lebens zur reinen, schmerzenden Erinnerung.
Fazit: Was bleibt, wenn der Abspann läuft?
Deshalb geht es heute, am späten Lebensabend seiner Geschichte, absolut nicht mehr darum, wie extrem berühmt sein Name in Hollywood noch ist, wie viele Millionen Dollar seine Filme einst eingespielt haben oder wie viele Fan-Clubs es weltweit für ihn gibt. Es geht um eine viel einfachere, tieftraurige, aber auch menschliche Frage: Was bleibt einem gefeierten Mann eigentlich am Ende übrig, wenn die Menschen fehlen, mit denen er seine allerwichtigsten Erinnerungen geteilt hat?
Heute ist Terence Hill 87 Jahre alt. Wenn die Menschen auf der Straße seinen Namen hören, denken fast alle reflexartig immer noch an exakt dieselben, ikonischen Bilder aus ihrer eigenen Jugend. Sie denken an die stechend blauen Augen unter dem staubigen Cowboyhut. An das freche Grinsen, wenn er Bohnen aus der Pfanne isst. An Bud Spencer, wie er mit der Faust auf den Tisch haut. Und an Filme, die man als Kind schon zehnmal gesehen hat und als Erwachsener trotzdem mit einem warmen Gefühl im Bauch sofort wieder einschaltet.
Das ist zweifellos eine ganz besondere, fast schon magische Form von Unsterblichkeit und Erfolg, die nur wenigen Künstlern auf diesem Planeten vergönnt ist. Ein Schauspieler wird physisch älter, die Welt um ihn herum verändert sich radikal, das Kino erfindet sich neu – doch bestimmte, zeitlose Bilder bleiben in den Köpfen eingefroren. Auf den Fernsehbildschirmen der Nation bleibt Terence Hill für immer der jugendliche Held. Er steigt federleicht, als gäbe es keine Schwerkraft, rückwärts auf sein Pferd, provoziert lässig den nächsten fiesen Gegenspieler im Saloon und lächelt, als hätte er längst einen brillanten Plan in der Tasche, von dem noch niemand etwas ahnt. Bud Spencer steht irgendwo wuchtig im Hintergrund daneben und wartet nur darauf, dass ihm endgültig der Geduldsfaden reißt und er aufräumen darf.
Doch im wirklichen, rauen Leben sind seit diesen glorreichen Dreharbeiten gnadenlos Jahrzehnte vergangen. Sein geliebter Adoptivsohn Ross wäre heute, im Jahr 2026, längst kein 16-jähriger Teenager mehr, sondern ein gestandener Mann mitten im Leben, vielleicht selbst Familienvater. Sein Blutsbruder Bud Spencer wäre ein hochbetagter, greiser Mann. Und Terence Hill selbst, der heute auf die 90 zugeht, hätte sich als orientierungsloser, junger Schauspieler im Italien der Nachkriegszeit wahrscheinlich in seinen kühnsten Träumen kaum vorstellen können, einmal auf ein derart gigantisches Lebenswerk zurückzublicken, das mehrere Generationen von Menschen weltweit geprägt, begleitet und getröstet hat.
Vielleicht liegt exakt in dieser Diskrepanz die schwerste, bitterste Wahrheit seiner gesamten Lebensgeschichte. Terence Hill, der ewige Held, verlor am Ende nicht alles. Er behielt seinen makellosen, guten Namen. Er behielt die Rechte und den Stolz an seinen Filmen. Und er behielt ein gigantisches, dankbares Publikum, das ihn bis heute und darüber hinaus nicht vergessen wird.
Aber der Ruhm ist ein schlechter Trostpflaster für die Seele. Er kann wie ein Konservierungsmittel nur Bilder und Tonspuren bewahren, keine atmenden Menschen. Man kann an einem dunklen, traurigen Abend einen alten Film in den DVD-Player legen, und plötzlich steht Bud Spencer wieder lebendig neben ihm im Bild. Man kann sich den Film “Renegade” ansehen und den jungen, hoffnungsvollen Ross wieder lebendig vor der Kamera agieren erleben. Für ein paar magische Minuten des Films scheint die grausame Zeit stillzustehen, und der Tod scheint besiegt. Dann läuft der Abspann, der Bildschirm wird schwarz, und genau an dieser Stelle endet auch die gesamte Illusion und die Macht des Kinos. Danach ist man wieder allein im Raum.
Terence Hill hat Millionen von Menschen auf diesem Planeten wunderbare Erinnerungen hinterlassen. Erinnerungen, in denen das oft so schwere Leben plötzlich federleicht und unkompliziert aussieht. Zwei charmante Männer geraten versehentlich in große Schwierigkeiten, ein paar Holzstühle gehen krachend zu Bruch, die Bösen bekommen ihre gerechte Strafe, und am Ende wird gemeinsam laut gelacht. Es ist die perfekte Flucht vor der Realität.
Sein eigenes, echtes Leben hinter dieser fröhlichen Maske war jedoch unendlich viel komplizierter, dunkler und schmerzhafter. Er kannte den echten Krieg in Europa, er kannte den wahren, tiefen Verlust und den bitteren Abschied von allem, was ihm heilig war. Er verlor einen Sohn viel, viel zu früh, auf eine Art, die kein Elternteil jemals verwinden kann. Jahrzehnte später verlor er den Mann, mit dem ihn die Filmwelt und die Fans fast untrennbar wie siamesische Zwillinge verbunden hatten.
Und trotzdem blieb er nach diesen Tiefschlägen nicht einfach liegen. Er ging weiter. Nicht wie der unverwundbare Held in seinen Filmen – nicht mit einem einzigen, befreienden Faustschlag gegen das Schicksal und einem coolen Lächeln auf den Lippen. Er ging seinen Weg wie ein normaler, trauernder Mensch: Einfach mühsam, still und tapfer Schritt für Schritt, Tag für Tag.
Vielleicht ist exakt das am Ende des Tages das Ehrlichste, Tiefgründigste und Bewundernswerteste, was man über den Menschen Mario Girotti, über die Legende Terence Hill, sagen kann. Die Welt erinnert sich voller Nostalgie und Freude an einen unbesiegbaren, lustigen Mann auf der Leinwand, der nach jedem noch so harten Schlagwort wörtlich immer wieder sofort aufstand.
Doch im wirklichen Leben wusste kaum jemand auf dieser Welt besser, schmerzhafter und intimer als er, dass manche geliebten Menschen und Dinge nach einem Sturz in die Dunkelheit niemals wieder zurückkommen – egal, wie sehr man sich auch wünscht, dass es nur ein Filmriss wäre.