König Harald ist tot: Jetzt ändert sich ALLES –
Der König ist tot, lang lebe der König: Die historische Zäsur in Norwegen, Haakons schwere Krone und die Tränen einer Nation im Wandel
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Prolog: Das leise Erlöschen eines Leuchtturms und der ewige Kreislauf der Macht
Es gibt Momente in der Geschichte einer Nation, in denen die kollektive Zeit für einen Wimpernschlag stillzustehen scheint. Momente, in denen das geschäftige Treiben der Großstädte, das Rauschen der Medien und die banalen Sorgen des Alltags plötzlich von einer alles überlagernden, tiefen Stille verschluckt werden. Ein solcher Moment, der sich unauslöschlich in das historische Gedächtnis Skandinaviens einbrennen wird, hat sich nun ereignet. König Harald V. von Norwegen, der gütige Patriarch, der weise Staatsmann und der unerschütterliche moralische Kompass seines Landes, hat im Alter von 89 Jahren für immer die Augen geschlossen.
Mit dem Ableben dieses außergewöhnlichen Monarchen endet nicht einfach nur eine Regentschaft; es endet eine ganze Ära. Harald war mehr als nur ein verfassungsrechtliches Staatsoberhaupt. Er war das personifizierte Norwegen. Er stand für die tief verwurzelten demokratischen Werte, für eine beispiellose Volksnähe und für jene feine, oft von trockenem Humor durchzogene Menschlichkeit, die die norwegische Monarchie im 21. Jahrhundert so einzigartig und unangreifbar machte. Doch die unerbittliche, kalte Logik einer tausendjährigen Institution duldet weder ein Vakuum noch einen emotionalen Stillstand. „Der König ist tot, lang lebe der König“ – dieser archaische Spruch entfaltet in den Stunden nach dem Ableben seine brutale, funktionale Wucht.
Während Königin Sonja, die Frau, die an seiner Seite ein halbes Jahrhundert lang jeden Sturm trotzte, und die engste Familie um einen geliebten Ehemann, Vater und Großvater weinen, setzt sich im Hintergrund eine gewaltige, minutiös choreografierte Maschinerie in Bewegung. Ein streng geregelter Ablauf, ein verfassungsrechtliches Protokoll, das keinen Raum für lähmende Trauer lässt. Für den bisherigen Kronprinzen Haakon, für seine Frau Mette-Marit und für die junge Generation um Prinzessin Ingrid Alexandra ändert sich in Bruchteilen von Sekunden die gesamte Statik ihres Lebens.
Diese außergewöhnlich umfassende, tiefenpsychologische und historische Reportage seziert diesen denkwürdigen, schmerzhaften Übergang. Wir blicken hinter die dicken Mauern des Osloer Schlosses in die ersten Stunden der neuen Regentschaft. Wir analysieren die schwere Bürde des neuen Königs Haakon, die emotionale Zerreißprobe der Königin Sonja, das besondere Ritual der königlichen Segnung im Nidarosdom und den atemberaubenden Aufstieg von Prinzessin Ingrid Alexandra. Es ist die Chronik eines Landes im Ausnahmezustand, gefangen zwischen tiefer Melancholie und der unvermeidlichen Pflicht des Neuanfangs.
Kapitel 1: Die ersten Stunden der Ewigkeit – Wenn aus dem Sohn ein König wird
Die Nachricht vom Tod des Monarchen durchbricht die Palastmauern nicht als chaotisches Gerücht, sondern als eine streng orchestrierte staatliche Mitteilung. In dem Moment, in dem die Ärzte den Tod von König Harald feststellen, vollzieht sich der verfassungsrechtliche Machtwechsel unsichtbar, lautlos, aber mit absoluter, rechtlicher Bindungskraft. Haakon, der sein ganzes Leben lang – insgesamt 53 Jahre – auf diese eine, erdrückende Sekunde vorbereitet wurde, ist nun König von Norwegen.
Für den neuen Monarchen beginnt eine emotionale Folterkammer. Die Natur des Menschen verlangt nach dem Tod eines geliebten Vaters nach Rückzug, nach Stille, nach Tränen im Kreis der Familie. Doch das Schicksal eines Königs kennt diese bürgerlichen Privilegien nicht. Bevor für Haakon überhaupt an ein normales, menschliches Trauern zu denken ist, warten bereits die schwersten offiziellen Verpflichtungen seines bisherigen Lebens auf ihn.
Noch am selben Tag, am 28. August, wird eine außerordentliche Kabinettssitzung im Palast angesetzt. Der neue König muss sich mit der Regierung treffen, um die Kontinuität des Staates zu garantieren. Es ist ein Akt von immenser symbolischer und juristischer Tragweite. Er muss Dokumente unterzeichnen, Erklärungen abgeben und vor den Augen des Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre jene unerschütterliche, eiserne Autorität ausstrahlen, die das Land in dieser Krisensituation von ihm verlangt.
Nach der Kabinettssitzung folgt die erste offizielle Audienz mit dem Ministerpräsidenten. Man kann sich die Schwere dieses Gesprächs kaum ausmalen. Zwei Männer, die den Staat lenken, treffen sich in einem Raum, in dem die Präsenz des verstorbenen Haralds noch in jeder Faser der Tapeten zu spüren ist. Haakon muss funktionieren. Er muss die Regierungsgeschäfte fortführen, während sein eigenes Herz in tausend Scherben liegt. Dieser brutale Spagat zwischen der Rolle des trauernden Sohnes und des amtierenden Souveräns ist der ultimative Stresstest für den Charakter des neuen Königs. Es ist der Beweis, dass die Krone nicht nur aus Gold und Edelsteinen besteht, sondern vor allem aus Pflichterfüllung und persönlichem Verzicht.
Kapitel 2: Der norwegische Weg – Die Segnung im Nidarosdom statt Krönungspomp
Wenn wir an royale Machtwechsel denken, dominieren oft die Bilder aus Großbritannien unser kollektives Gedächtnis: Prunkvolle Krönungen in der Westminster Abbey, die Salbung mit heiligem Öl, das Aufsetzen der schweren St.-Edwards-Krone und ein globaler Fernseh-Pomp, der Milliarden kostet und die Welt in Atem hält. Doch Norwegen geht hier einen völlig anderen, weitaus bescheideneren und spirituell tieferen Weg. Ein Detail, das diesen historischen Machtwechsel in Skandinavien deutlich von jenem der britischen Verwandten unterscheidet.
Norwegen krönt seine Monarchen nicht mehr. Bereits im Jahr 1908 verabschiedete das norwegische Parlament (Storting) eine Verfassungsänderung, die den formellen Akt der Krönung abschaffte. Die letzte traditionelle Krönung erlebten König Haakon VII. und Königin Maud im Jahr 1906. Man empfand diesen archaischen Akt der Selbstherrlichkeit als unpassend für eine moderne, egalitäre und durch und durch demokratische Gesellschaft.
Stattdessen steht für den neuen König Haakon eine andere, zutiefst berührende Zeremonie bevor: Die königliche Segnung (Signingsseremoni). Dieser feierliche Gottesdienst findet traditionell im altehrwürdigen Nidarosdom in Trondheim statt, der wichtigsten Kirche des Landes und dem nationalen Heiligtum über dem Grab des Heiligen Olav. Genau an diesem mystischen Ort kniete bereits sein Vater Harald nach dessen Amtsantritt 1991 nieder, um den Segen der Kirche für seine Regentschaft zu empfangen.
Für Haakon dürfte dieser Moment im Nidarosdom weit mehr sein als nur eine protokollarische Zeremonie. Wenn er dort vor dem Altar steht, ohne Pomp, ohne Hermelinmantel, sondern in schlichter Galauniform oder einem Cutaway, wird die spirituelle und moralische Last des Amtes auf ihn übergehen. Es ist der Moment, in dem er nicht nur staatsrechtlich, sondern auch emotional und vor Gott endgültig in die gewaltigen Fußstapfen seines Vaters tritt. Die Segnung ist ein Versprechen an das norwegische Volk: „Ich bin hier, um zu dienen, nicht um zu herrschen.“ Es ist ein Akt der Demut, der perfekt zur DNA des Hauses Glücksburg passt und der die Herzen der Norweger weitaus tiefer berührt als jedes goldene Zepter.
Kapitel 3: Mette-Marit – Von der umstrittenen Bürgerlichen zur Königin von Norwegen
Während sich die verfassungsrechtlichen Augen primär auf den neuen König richten, verändert der Tod von Harald gleichzeitig das Leben einer Frau grundlegend und auf fast schon filmreife Weise: Mette-Marit. Die Frau, die einst als bürgerliche, alleinerziehende Mutter mit einer wilden Vergangenheit in die königliche Familie einheiratete und damit eine massive, nationale Krise auslöste, hat nun den absoluten Zenit der aristokratischen Hierarchie erreicht. Mette-Marit wird an Haakons Seite Königin von Norwegen.
Es ist eine Metamorphose, die an Dramatik und triumphaler Vollendung kaum zu überbieten ist. Als sie im Jahr 2001 vor den Traualtar trat, waren die Widerstände im Volk und in der Presse gigantisch. Doch König Harald war es, der sich damals schützend, väterlich und bedingungslos vor seine Schwiegertochter stellte. Er kannte den Schmerz der gesellschaftlichen Ächtung aus seiner eigenen, jahrelangen Kampfzeit um Königin Sonja. Haralds Akzeptanz war der Türöffner für Mette-Marits Weg in die Herzen der Norweger.
Dass sie nun den Titel einer Königin (Dronning) trägt, ist ein gewaltiger, furchteinflößender Schritt. Sie ist nicht mehr die Kronprinzessin, deren Fehler man vielleicht noch milde belächeln konnte. Sie ist nun die weibliche Spitze des Staates. In einer Zeit, in der sie selbst gesundheitlich schwer gezeichnet ist (ihr offener Umgang mit der unheilbaren Lungenfibrose bewegte die Welt), erfordert diese neue Rolle ein Übermaß an Kraft und Resilienz.
Sie muss nun die repräsentativen Fußstapfen der übermächtigen, hochverehrten Königin Sonja ausfüllen. Jeder ihrer Auftritte, jede ihrer Reden und jede ihrer wohltätigen Initiativen wird künftig mit noch schärferen Augen bewertet werden. Doch Mette-Marit hat in den vergangenen 25 Jahren bewiesen, dass sie eine Kämpfernatur ist. Ihre Wandlung zur Königin ist der ultimative Beweis für die Kraft der Liebe, die selbst die dicksten Palastmauern durchbrechen und die starrsten Traditionen erneuern kann. An der Seite von Haakon wird sie eine Königin der Empathie, der Verletzlichkeit und der tiefen Menschlichkeit sein.
Kapitel 4: Der harte Sprung in die Gegenwart – Ingrid Alexandras neue Welt
Das Beben dieses Thronwechsels zieht sich gnadenlos durch alle Generationen des Hauses. Für eine junge Frau, die bis vor wenigen Tagen noch das unbeschwerte Privileg genoss, die „Thronfolgerin in Wartestellung“ zu sein, beginnt nun die vielleicht radikalste und irreversibelste Veränderung ihres bisherigen Lebens: Prinzessin Ingrid Alexandra.
Die 22-jährige Tochter von Haakon und Mette-Marit rückt durch den Tod ihres Großvaters auf Platz eins der Thronfolge vor. Sie wird zur neuen Kronprinzessin von Norwegen. Damit rückt sie unmittelbar hinter ihren Vater in die absolute, ungeschützte Schusslinie der monarchischen Verantwortung.
Ihre Rolle bekommt plötzlich ein völlig anderes, erdrückendes Gewicht. Während sie sich bisher auf ihre militärische Ausbildung und ihr Studium konzentrieren durfte und das Rampenlicht nur dosiert suchte, ist diese Schonzeit nun schlagartig beendet. Aus der Zukunft wurde innerhalb eines einzigen Tages brutale Gegenwart. Ingrid Alexandra ist nun die direkte Stellvertreterin des Königs. Unter bestimmten, verfassungsrechtlichen Voraussetzungen muss sie ihren Vater vertreten (als Regentin agieren), wenn dieser im Ausland weilt oder erkrankt.
Sie wird künftig deutlich stärker in hochoffizielle Aufgaben eingebunden werden. Sie muss das Königshaus bei Staatsbanketten repräsentieren, Auslandsreisen anführen und sich als die moderne, künftige Königin des 21. Jahrhunderts etablieren. Für eine junge Frau in ihren frühen Zwanzigern ist diese Last der Erwartungen gigantisch. Sie darf sich keine jugendlichen Fehltritte mehr erlauben. Die unbeschwerten Partys, das anonyme Studentenleben – all das gehört nun unwiderruflich der Vergangenheit an. Ingrid Alexandra steht ab sofort unter der Lupe der Weltöffentlichkeit. Doch sie hat von ihrem Großvater Harald und ihrem Vater Haakon das beste Rüstzeug mitbekommen: Ein tiefes Verständnis für die demokratische Seele Norwegens und ein Pflichtbewusstsein, das stärker ist als jedes private Begehren.
Kapitel 5: Der Prinz in der neuen Reserve – Sverre Magnus rückt auf
Auch für den jüngeren Bruder, Prinz Sverre Magnus, verschieben sich die Koordinaten. Er rückt in der Thronfolge ebenfalls auf und steht nun an zweiter Stelle hinter seiner Schwester Ingrid Alexandra.
Sverre Magnus, der in der Vergangenheit oft als der etwas rebellischere, entspanntere und humorvollere Gegenpol zur pflichtbewussten Schwester wahrgenommen wurde, steht nun ebenfalls näher am Zentrum der Macht. Obwohl er, im Gegensatz zu seiner Schwester, voraussichtlich nicht die Verpflichtung haben wird, ein “Full-Time-Royal” zu werden und ihm der Weg in eine bürgerliche Karriere offensteht, wächst die mediale und protokollarische Bedeutung seiner Person.
Sollte seiner Schwester etwas zustoßen oder sollte sie in naher Zukunft noch keine eigenen Erben haben, ist Sverre Magnus der verfassungsrechtliche Garant für das Überleben der Dynastie. Er wird seine Schwester in den kommenden Jahren bei offiziellen Terminen unterstützen müssen, er wird ein unverzichtbares Rädchen im familiären Repräsentationsgetriebe. Auch für ihn endet mit dem Tod des Großvaters ein Stück der jugendlichen Unschuld.
Kapitel 6: Die Tränen einer Nation – Ein Land ohne Staatstrauer, aber voller Liebe
Bevor die Monarchie jedoch endgültig, mit all ihren administrativen und repräsentativen Pflichten, in dieses neue Kapitel eintreten kann, muss die Nation innehalten. Norwegen muss Abschied von Harald nehmen.
Die norwegische Kultur des Trauerns ist, wie so vieles in diesem Land, von einer stillen, unaufgeregten, aber zutiefst authentischen Würde geprägt. Anders als manche andere europäische Länder kennt Norwegen keine verfassungsrechtlich automatisch ausgerufene, gesetzlich verordnete „allgemeine Staatstrauer“ mit vorgeschriebenen Trauertagen oder geschlossenen Geschäften. Der Staat zwingt seine Bürger nicht zur Trauer.
Doch genau dieses Fehlen eines Zwanges macht die Reaktionen des Volkes umso echter, gewaltiger und ergreifender. Es dürfte sich im ganzen Land, von den eisigen Inseln Spitzbergens bis in die Gassen von Kristiansand, in den kommenden Tagen zeigen, wie tief und unverbrüchlich die emotionale Verbindung der Norweger zu ihrem verstorbenen König wirklich war.
Man erinnert sich in diesen Tagen unweigerlich an den Januar 1991, als Haralds Vater, König Olav V., verstarb. Damals geschah etwas Magisches, etwas, das kein Protokollchef der Welt hätte inszenieren können. Tausende Menschen strömten aus eigener, spontaner Initiative zum königlichen Schloss (Slottet) in Oslo. Sie brachten Blumen, zündeten Kerzen an und legten Briefe nieder. Der gesamte, riesige Schlossplatz verwandelte sich in ein leuchtendes, flackerndes Lichtermeer in der klirrend kalten norwegischen Winternacht. Die Menschen standen schweigend beieinander, weinten und teilten ihre Trauer.
Dieses Bild der tiefen, stummen Solidarität wird sich nun, beim Tode Haralds, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wiederholen. Das norwegische Volk wird seinem Monarchen den Respekt erweisen, den er sich durch ein Leben im Dienste der Nation verdient hat. Es ist ein kollektiver Akt der Liebe, der dem neuen König Haakon und seiner trauernden Mutter Sonja den größten Trost spenden wird, den eine Nation zu vergeben hat.
Kapitel 7: Königin Sonja – Der unendliche Schmerz der Witwe
Inmitten all der staatspolitischen Analysen, der Thronfolge-Debatten und der protokollarischen Zwänge steht jedoch das Schicksal einer einzelnen Frau, das einem buchstäblich das Herz zerreißt: Königin Sonja.
Hinter all den Zeremonien, Gesetzen und jahrhundertealten Traditionen steht am Ende immer eine Familie, die einen Menschen verloren hat. Für Königin Sonja bricht eine Welt zusammen. Sie verliert nicht nur das Staatsoberhaupt, sie verliert den Mann, mit dem sie einen großen, den prägendsten Teil ihres Lebens verbracht hat.
Ihre Liebesgeschichte ist eine Legende des Widerstands. Harald und Sonja mussten neun lange, qualvolle Jahre warten und gegen den erbitterten Widerstand von Haralds Vater (König Olav V.) und der Regierung kämpfen, bevor sie 1968 endlich heiraten durften. Sie haben sich ihre Liebe erkämpft, und diese Liebe hat sie über ein halbes Jahrhundert lang durch alle Höhen und Tiefen der Regentschaft getragen. Sie waren ein untrennbares, symbiotisches Team. Sonja war das ästhetische, kulturelle und strukturierende Rückgrat des Hofes, Harald das besonnene, diplomatische Gesicht.
Nun steht sie allein. Die Bilder einer weinenden Königin Sonja, verborgen hinter einem schwarzen Trauerschleier, werden sich unauslöschlich in das Gedächtnis der Norweger einbrennen. Der Verlust des Partners nach über 50 Jahren Ehe ist eine Amputation der Seele. Sie muss nun lernen, in einem Palast zu leben, in dem das Lachen, die Schritte und die Anwesenheit ihres Haralds für immer fehlen werden. Sie tritt in die Rolle der Königinmutter zurück, eine verehrte, aber unendlich einsame Matriarchin, deren wichtigste Aufgabe es nun sein wird, ihrem Sohn Haakon mit Rat, Erfahrung und mütterlicher Liebe in seiner neuen Rolle zur Seite zu stehen.
Kapitel 8: Der letzte Weg – Das Staatsbegräbnis als nationales Trauma
Der wohl schwerste, dunkelste und symbolträchtigste Moment wartet jedoch noch auf die Familie und die Nation: Das Staatsbegräbnis. Die Beisetzung eines norwegischen Monarchen ist ein logistischer und emotionaler Kraftakt, der die gesamte Hauptstadt Oslo für Tage in einen Ausnahmezustand versetzen wird.
Als Haralds Vater, König Olav V., 1991 starb, fand dessen feierliche Beisetzung knapp zwei Wochen nach seinem Tod statt. Es ist davon auszugehen, dass für König Harald ein sehr ähnlicher zeitlicher Rahmen gewählt wird, um den internationalen Staatsgästen – gekrönten Häuptern aus ganz Europa, Präsidenten und Diplomaten – die Anreise zu ermöglichen und die gigantischen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.
Die Tage vor der Beisetzung werden geprägt sein von der Aufbahrung des Sarges. Das norwegische Volk wird die Möglichkeit erhalten, im Rahmen eines „Castrum Doloris“ (Schmerzenslager) am Sarg ihres Königs vorbeizuziehen, um sich persönlich zu verabschieden. Es werden endlose, stumm wartende Schlangen von in Schwarz gekleideten Menschen durch die Straßen Oslos erwartet.
Am Tag des Begräbnisses selbst gilt ein Trauerzug durch die Straßen der Hauptstadt als hochwahrscheinlich. Der Sarg, flankiert von den Gardesoldaten, wird vom Palast oder vom Dom durch ein Spalier von Hunderttausenden weinenden Norwegern gefahren werden. Es ist der letzte Ritt des Königs durch sein Reich. Die Bilder der königlichen Familie, die hinter dem Sarg hergeht – König Haakon in Uniform, Königin Mette-Marit und Prinzessin Ingrid Alexandra in tiefem Schwarz –, werden die herzzerreißende visuelle Dokumentation dieses Machtwechsels sein.
Kapitel 9: Die Festung Akershus – Die Ewigkeit im gemeinsamen Sarkophag
Das Ziel dieses letzten, traurigen Weges ist ein Ort, der von jahrhundertelanger Geschichte, militärischer Strenge und königlicher Würde durchdrungen ist: Die Festung Akershus in Oslo. Innerhalb dieser massiven Verteidigungsanlage befindet sich das königliche Mausoleum. Es ist die heilige Gruft der norwegischen Krone.
Dort ruhen bereits frühere norwegische Monarchen, darunter König Haakon VII. und Königin Maud, sowie Haralds Eltern, König Olav V. und Kronprinzessin Märtha. Harald kehrt somit in den Schoß seiner Ahnen zurück.
Doch ein spezielles, fast schon makaberes, aber zutiefst berührendes Detail verleiht dieser Beisetzung eine noch weitaus emotionalere Dimension. Für König Harald und Königin Sonja wurde bereits vor längerer Zeit ein gemeinsamer, monumentaler Sarkophag in Auftrag gegeben und von Künstlern gestaltet. In der Vergangenheit, als Harald noch lebte, wirkte die Existenz dieses Steingrabes abstrakt, wie eine kühle, administrative Vorbereitung auf das Unvermeidliche.
Jetzt, da der Tod eingetreten ist, bekommt dieses Detail plötzlich eine völlig andere, schmerzhaft reale Bedeutung. Wenn der Sarg von König Harald in diesen Sarkophag hinabgelassen wird, ist es nur die Hälfte der Ewigkeit. Die leere Seite des Steins wird eine ständige, stumme Erinnerung an die Sterblichkeit von Königin Sonja sein. Es ist der ultimative Liebesbeweis der Könige: Selbst im Tode, in der kalten Gruft von Akershus, werden sie nicht getrennt sein. Sie haben zu Lebzeiten gemeinsam geherrscht, und sie werden die Ewigkeit nebeneinander verbringen.
Kapitel 10: Die Soziologie der Trauer – Was Harald der Welt hinterlässt
Warum berührt uns der Tod eines Monarchen in einem Land mit gerade einmal fünfeinhalb Millionen Einwohnern so tief? Warum senden Staatschefs aus aller Welt Kondolenztelegramme, und warum berichten die globalen Nachrichtenagenturen in Eilmeldungen über diesen Verlust?
Die Antwort liegt in der außergewöhnlichen Qualität von Haralds Regentschaft. In einer Welt, die zunehmend von Autokraten, Populisten, lauten Schreihälsen und kurzfristigen politischen Egotrips dominiert wird, war König Harald das genaue, wohltuende Gegenteil. Er bewies, dass Macht nicht durch Lautstärke, sondern durch Integrität, Empathie und Besonnenheit legitimiert wird.
Haralds berühmteste Rede, gehalten im Jahr 2016 im Schlosspark von Oslo, in der er die Vielfalt seines Landes feierte („Norweger sind auch Einwanderer aus Afghanistan, Pakistan und Polen… Norweger glauben an Gott, an Allah, an das Universum und an gar nichts“), machte ihn weltweit zu einer Ikone des toleranten, modernen Europas. Er war ein Brückenbauer, ein König, der Tränen in den Augen hatte, als er nach den Terroranschlägen von Utøya 2011 zu seinem Volk sprach. Er teilte den Schmerz der Nation, er weinte mit ihr, und genau dadurch heilte er sie.
Sein Vermächtnis ist nicht in Stein gehauen oder in Gesetzbüchern festgeschrieben. Sein Vermächtnis ist eine Geisteshaltung. Er hat bewiesen, dass eine Monarchie im 21. Jahrhundert nicht nur eine touristische Attraktion oder ein anachronistischer Fremdkörper sein muss. Wenn sie von einem Menschen mit Herz, Verstand und unbestechlichem moralischem Kompass geführt wird, ist sie der Kitt, der eine Gesellschaft in Zeiten der maximalen Polarisierung zusammenhält.
Epilog: Der Blick nach vorn – Eine Ära beginnt im Schatten der Tränen
Wenn die letzten Töne der Nationalhymne verklungen sind, wenn die Staatsgäste abgereist sind und die Blumen vor dem Palast in Oslo langsam verwelken, wird Norwegen unweigerlich in den Alltag zurückkehren müssen. Doch für die norwegische Königsfamilie wird danach absolut nichts mehr so sein wie zuvor.
Die Ära Harald V. ist abgeschlossen. Sie wird in die Geschichtsbücher eingehen als eine Zeit des Friedens, des Wohlstands und der tiefen gesellschaftlichen Modernisierung. Nun beginnt die Ära von König Haakon.
Haakon tritt ein gewaltiges Erbe an. Er muss die enormen, fast übermenschlichen Fußstapfen seines Vaters ausfüllen, und das in einer Welt, die komplexer, krisenhafter und schnelllebiger ist denn je. Er muss die Monarchie verteidigen, er muss seine Frau Königin Mette-Marit vor den Stürmen der öffentlichen Meinung beschützen, und er muss seine Tochter Kronprinzessin Ingrid Alexandra auf den Thron vorbereiten.
Die Belastung, die auf diesem 53-jährigen Mann lastet, ist erdrückend. Doch Haakon hat in den vergangenen Jahrzehnten bewiesen, dass er den Intellekt, die stoische Ruhe und die tiefe Menschenliebe besitzt, die es braucht, um ein guter König zu sein. Er hat von dem Besten gelernt.
Während Norwegen in den kommenden Tagen und Wochen Abschied nimmt, weint das Land um einen Vater, aber es vertraut auch auf einen Sohn. Die Tränen, die in diesen Tagen vergossen werden, sind der Dünger für den Respekt, den Haakon in seiner neuen Rolle ernten wird. Die Lichter im Palast brennen, die Wachen salutieren. Ein König ist gegangen. Ein neuer König erhebt sich aus dem Schatten der Trauer. Möge seine Regentschaft von derselben Weisheit, Gnade und Liebe getragen sein wie die seines unvergesslichen Vaters. Ruhe in Frieden, König Harald. Lang lebe König Haakon!