Es gibt diese Prophezeiungen, von denen man bis zur allerletzten Sekunde inständig hofft, dass sie sich niemals bewahrheiten mögen. Man warnt, man mahnt, man appelliert an den gesunden Menschenverstand der politischen und wirtschaftlichen Verantwortlichen – doch am Ende schlägt die Realität mit voller Wucht zu. Genau das erleben wir in diesen Tagen am ohnehin schon chronisch krisengebeutelten Hauptstadtflughafen BER. Das Undenkbare ist offiziell eingetreten, und es gleicht einem wirtschaftlichen Erdbeben für die gesamte Region Berlin-Brandenburg: Der europäische Luftfahrt-Gigant Ryanair hat unmissverständlich die Reißleine gezogen. In einer beispiellosen und drastischen Maßnahme halbiert der Billigflieger sein gesamtes Flugangebot ab Berlin. Sieben fest stationierte Flugzeuge werden eiskalt abgezogen. Die bittere Konsequenz? Ein infrastruktureller und finanzieller Kahlschlag, der uns alle – jeden einzelnen Passagier, jede Familie und jedes hiesige Unternehmen – massiv treffen wird.

Um die volle Tragweite dieses Desasters zu erfassen, muss man sich die nackten, erschütternden Zahlen auf der Zunge zergehen lassen. Wir sprechen hier nicht von einer kleinen saisonalen Anpassung oder dem harmlosen Streichen einer unrentablen Nebenstrecke. Dies ist der berüchtigte “Ryanair-Hammer”. Das Passagieraufkommen der irischen Fluggesellschaft, die über Jahre hinweg Millionen von Menschen in und aus der Hauptstadt transportiert hat, wird in Berlin bis zum Jahr 2027 von stolzen 4,5 Millionen auf mickrige 2,2 Millionen Menschen zusammenschmelzen. Mehr als die Hälfte der Fluggäste bricht weg. Mehr als zwei Millionen Reisende, die nun buchstäblich in die Röhre schauen oder auf völlig überteuerte Alternativen ausweichen müssen. Für eine Stadt, die sich auf der internationalen Bühne so gerne als pulsierende, weltoffene Weltmetropole feiert, ist das ein infrastrukturpolitischer Offenbarungseid.
Doch was treibt ein Milliardenunternehmen, das eigentlich wachsen und expandieren will, zu einem derart radikalen Rückzug aus der Hauptstadt der größten Volkswirtschaft Europas? Die Antwort ist so simpel wie frustrierend: Es ist die hemmungslose, kaum noch zu rechtfertigende Kostenexplosion, die am Flughafen BER mittlerweile zum traurigen Alltag gehört. Die Geschäftsführung von Ryanair hat den Auslöser für diese Flucht schonungslos benannt: Die Gebühren sind schlichtweg untragbar geworden. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie, einer Zeit, in der die Luftfahrt ohnehin am Rande des Abgrunds balancierte, sind die Entgelte am BER um unfassbare 50 Prozent in die Höhe geschnellt. Eine Steigerung, die für jedes normal kalkulierende Unternehmen den Ruin der Gewinnmarge bedeutet.
Doch anstatt nun aufzuwachen, in sich zu gehen und zu erkennen, dass man den Bogen dramatisch überspannt hat, setzt die Betreibergesellschaft des Flughafens noch einen drauf. Die Planungen für die kommenden Jahre stehen bereits fest: Für den Zeitraum von 2027 bis 2029 sollen die Gebühren ein weiteres Mal drastisch angehoben werden. Es ist das Prinzip einer endlosen Spirale der Gier. Man versucht offenbar, die eigenen massiven Managementfehler, die historisch gigantischen Baukosten und die strukturelle Ineffizienz des Pannenflughafens stumpf auf dem Rücken der Fluggesellschaften und damit letztendlich auf dem Rücken der Passagiere abzuladen. Eine solche Preispolitik grenzt an wirtschaftlichen Selbstmord, und Ryanair weigert sich nun schlichtweg, dieses ruinöse Spiel weiter mitzuspielen.
Wer glaubt, dass dieser Konflikt nur ein abgehobener Streit zwischen Flughafenmanagern und Airline-Bossen ist, verschließt die Augen vor den harten Konsequenzen für den ganz normalen Bürger. Wer ist denn am Ende der wahre Leidtragende dieser absurden Gebührenpolitik? Es ist der Familienvater, der mit seinen Kindern einmal im Jahr bezahlbar in den Süden fliegen möchte. Es ist die Studentin, die ein Wochenende in London verbringen will. Es ist der hart arbeitende Angestellte, für den der Jahresurlaub ohnehin schon zu einer massiven finanziellen Belastung geworden ist. Wenn eine große Fluggesellschaft ihr Angebot derart drastisch zusammenstreicht, bedeutet das in der Praxis vor allem eines: massiv schwindende Konkurrenz auf dem Markt. Und jeder, der das Einmaleins der Marktwirtschaft kennt, weiß, was passiert, wenn das Angebot sinkt und die Monopole anderer Airlines wachsen: Die Ticketpreise explodieren. Der Traum vom günstigen Kurztrip oder dem bezahlbaren Sommerurlaub wird für viele Menschen in Berlin und dem weiten Umland in Zukunft wie eine Seifenblase platzen. Wir werden auf zwei Wegen zur Kasse gebeten – entweder durch die schiere Nichtverfügbarkeit von Flügen oder durch astronomische Preissteigerungen bei den wenigen Verbindungen, die überhaupt noch übrig bleiben.
Doch die Folgen dieses Ryanair-Hammers gehen weit über die Frustration am Schalter und den teuren Urlaub hinaus. Dieser Paukenschlag löst unweigerlich eine gigantische wirtschaftliche Kettenreaktion aus, die sich tief in die Struktur Berlins fressen wird. Überlegen wir einmal rational, was es bedeutet, wenn jährlich 2,3 Millionen Passagiere plötzlich fehlen. Das sind 2,3 Millionen Menschen, die keine Taxis zum Flughafen mehr nehmen. Menschen, die nicht mehr am BER einkaufen, die keinen Kaffee trinken und keine überteuerten Sandwiches in der Abflughalle kaufen. Es sind hunderttausende Touristen, die nicht mehr nach Berlin kommen, keine Hotelbetten buchen, keine Eintrittskarten für Museen erwerben und nicht in der lokalen Gastronomie ihr Geld lassen. Das ist ein massiver, unersetzlicher Verlust an Wirtschaftskraft. Es droht der Abbau von Arbeitsplätzen, angefangen beim Gepäckabfertiger auf dem Rollfeld bis hin zum Zimmermädchen im Stadtzentrum. Ein Flughafen ist die wirtschaftliche Lebensader einer Metropole. Wenn man diese Ader systematisch abschnürt, fügt man der gesamten Region irreparablen Schaden zu.
Dieser Eklat wirft ein grelles, wenig schmeichelhaftes Licht auf ein generelles, systemisches Problem in unserer politischen Landschaft. Das Vorgehen am Flughafen BER ist nur ein mikroskopischer Blick auf das, was derzeit im ganzen Land und besonders im Zuständigkeitsbereich des Berliner Senats schiefläuft. Es herrscht eine Mentalität des ständigen “Abkassierens”. Egal, ob Steuern, Mautgebühren, kommunale Abgaben oder eben Flughafenentgelte – die Belastungsschraube wird unaufhörlich weiter angedreht. Die Verantwortlichen in den Gremien und Ministerien scheinen völlig den Bezug zur realen Wirtschaft verloren zu haben. Sie begreifen nicht, dass man die Unternehmen, die den Wohlstand dieses Landes überhaupt erst erwirtschaften und das System am Laufen halten, nicht grenzenlos wie eine Milchkuh ausquetschen kann.

Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem sich harte Arbeit und Investitionen am Standort Deutschland schlichtweg nicht mehr lohnen. Ryanair zieht heute die Reißleine. Welches große Unternehmen wird es morgen tun? Wenn die Politik glaubt, sie könne die Wirtschaft mit unzähligen Auflagen, steigenden Kosten und einer arroganten “Friss oder stirb”-Mentalität gängeln, ohne dass es Konsequenzen gibt, erliegt sie einem tödlichen Irrtum. Unternehmen haben in einer globalisierten Welt die Freiheit zu gehen. Sie stimmen mit den Füßen ab. Wenn Berlin zu teuer wird, fliegen die Maschinen eben ab Warschau, Prag oder Budapest, wo man noch weiß, wie man wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen schafft.
Es ist höchste Zeit für einen drastischen, kompromisslosen Weckruf. Der Flughafen BER darf nicht zum traurigen Symbol für den wirtschaftlichen und infrastrukturellen Niedergang einer ganzen Nation werden. Wir müssen aufhören, uns die Dinge schönzureden. Die Warnungen, die vor Monaten und Jahren ausgesprochen wurden, sind heute knallharte, schmerzhafte Realität. Die Politik muss aufwachen und ihre desaströse Abgaben- und Gebührenpolitik umgehend revidieren. Wenn es nicht gelingt, die Kostenstruktur radikal zu senken, die Effizienz zu steigern und den Standort Berlin wieder attraktiv für internationale Fluggesellschaften und Unternehmen zu machen, dann werden wir in wenigen Jahren vor den Trümmern unserer eigenen Arroganz stehen. Die Streichung der sieben Ryanair-Flugzeuge ist der letzte laute Warnschuss vor dem Bug. Wenn wir diesen nicht hören, verkommt die selbsternannte Weltmetropole Berlin bald endgültig zu einer schlecht angebundenen, überteuerten Provinzstadt, aus der es nicht einmal mehr einen bezahlbaren Fluchtweg in den Urlaub gibt. Die Bürger haben es satt, ewig die Leidtragenden dieses sturen Missmanagements zu sein. Es ist an der Zeit, dass Verantwortlichkeit nicht mehr nur eine hohle Floskel ist, sondern endlich Taten folgen, bevor hier endgültig für immer die Lichter ausgehen.
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