Es gibt diese bestimmten Tage im Wirtschaftskalender, an denen die nackten Zahlen eine Sprache sprechen, die so laut und unmissverständlich ist, dass selbst der optimistischste Politiker sie nicht mehr mit wohlklingenden Phrasen übertönen kann. Ein solcher Tag hat uns soeben erreicht. Die Veröffentlichung der neuesten Daten des ifo-Geschäftsklimaindex gleicht einem wirtschaftlichen Beben, dessen Nachbeben noch lange in den Geldbeuteln der Bürger und den Auftragsbüchern der Unternehmen zu spüren sein werden. Die Kernaussage ist ebenso simpel wie erschütternd: Der viel beschworene Aufschwung ist tot. Deutschland, einst der unangefochtene und stolze Wirtschaftsmotor Europas, rutscht sehenden Auges und mit besorgniserregender Geschwindigkeit zurück in eine tiefe, lähmende Schockstarre. Für Millionen von hart arbeitenden Angestellten, Fachkräften und Familienvätern ist diese Entwicklung eine absolute Hiobsbotschaft, die existenzielle Sorgen schürt und fundamentale Fragen an die Handlungsfähigkeit der politischen Führung aufwirft.

Um die volle Tragweite dieser Katastrophe zu begreifen, müssen wir uns die nüchternen, aber brutalen Zahlen im Detail ansehen. Der ifo-Geschäftsklimaindex, der als wichtigster und verlässlichster Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland gilt, ist im April dramatisch auf 84,4 Punkte abgestürzt. Das ist nicht einfach nur ein kleiner, temporärer Dämpfer oder eine leichte konjunkturelle Delle. Es ist ein historischer Tiefschlag. Um einen ähnlich niedrigen Wert in den Geschichtsbüchern zu finden, müssen wir bis in den Mai 2020 zurückgehen – exakt in jene dunkle Zeit, als die Weltwirtschaft aufgrund einer globalen Pandemie und massiver Lockdowns in eine beispiellose, künstliche Lähmung versetzt wurde. Heute jedoch gibt es keine pandemische Ausrede mehr, keinen plötzlichen externen Schock, hinter dem sich die Verantwortlichen bequem verstecken könnten. Die aktuelle Krise ist hausgemacht, strukturell tief verwurzelt und das direkte Resultat jahrelanger politischer Fehlentscheidungen und fataler Untätigkeit.

Noch weitaus besorgniserregender als die Bewertung der gegenwärtigen, ohnehin schon miserablen Lage ist jedoch der Blick in die Zukunft. Die sogenannten Geschäftserwartungen der Unternehmen, also der Ausblick auf das kommende Halbjahr, sind regelrecht in den Keller gerauscht und liegen bei katastrophalen 83,3 Punkten. Diese Zahl ist ein klares, vernichtendes Misstrauensvotum der deutschen Wirtschaftselite und des Mittelstandes gegenüber den Rahmenbedingungen in diesem Land. Wenn Unternehmen derart pessimistisch in die Zukunft blicken, hat das unmittelbare, harte Konsequenzen für die reale Wirtschaftswelt. Optimismus ist der Treibstoff für Investitionen, für Innovationen und für die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Fehlt dieser Treibstoff, kommt der gesamte Motor unweigerlich zum Erliegen. Die Chefetagen treten auf die Bremse. Geplante Erweiterungen werden auf Eis gelegt, Budgets für Forschung und Entwicklung rigoros zusammengestrichen und Neueinstellungen schlichtweg gestoppt.

Und genau an diesem Punkt wird aus einer abstrakten wirtschaftlichen Statistik eine sehr reale, bedrohliche Gefahr für den ganz normalen Bürger. Die alte, eiserne Regel der Marktwirtschaft lautet: Wenn es den Unternehmen schlecht geht, geht es mit einer kleinen zeitlichen Verzögerung den Arbeitnehmern noch viel schlechter. Ein pessimistischer Arbeitgeber ist ein Arbeitgeber, der keine Lohnerhöhungen gewähren kann, um die massiv gestiegenen Lebenshaltungskosten seiner Belegschaft abzufedern. Er ist ein Arbeitgeber, der befristete Verträge nicht verlängert, der Kurzarbeit anmelden muss und der letztendlich gezwungen ist, betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen, um das Überleben der Firma zu sichern. Die Arbeitnehmer spüren diese drohende Gefahr instinktiv. Umfragen und Stimmungsbilder zeigen längst, dass die Angst vor dem sozialen Abstieg, vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und vor der völligen Entwertung der eigenen Lebensleistung tief in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen ist. Die Menschen sind nicht selten noch weitaus pessimistischer als ihre Chefs, denn sie haben keine gigantischen Rücklagen, um eine jahrelange wirtschaftliche Durststrecke unbeschadet zu überstehen.

Diese tiefe Resignation kommt nicht von ungefähr. Wir blicken nicht auf eine kurze Schwächephase, sondern auf eine eklatante Fehlentwicklung, die sich bereits seit rund sieben Jahren wie ein roter Faden durch unsere Wirtschaftsgeschichte zieht. Die Diagramme und Kurven der Konjunkturforscher kennen seit langem nur noch eine einzige Richtung: unerbittlich steil bergab. Es gibt keine nennenswerten Erholungsphasen mehr, keine spürbaren Aufwärtsbewegungen, die Hoffnung spenden könnten. Stattdessen haben wir es mit einer fatalen Abwärtsspirale zu tun, die den industriellen Kern unseres Landes sukzessive zersetzt. Es ist ein toxischer Cocktail aus ausufernder, erdrückender Bürokratie, exorbitant hohen Energiekosten im internationalen Vergleich, einer maroden digitalen und physischen Infrastruktur und einer Steuerlast, die Unternehmern jegliche Luft zum Atmen nimmt.

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Angesichts dieser lodernden wirtschaftlichen Brände müsste man eigentlich erwarten, dass in der politischen Herzkammer der Republik, im Berliner Regierungsviertel, alle Alarmglocken ohrenbetäubend schrillen. Man müsste ein entschlossenes Krisenmanagement erwarten, schnelle und beherzte Deregulierungen, massive steuerliche Entlastungen für den Mittelstand und eine pragmatische Energiepolitik, die Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit über ideologische Wunschträume stellt. Doch was ist die Realität? Die politische Führung präsentiert sich dem fassungslosen Bürger als Inbegriff der Tatenlosigkeit. Es macht sich nicht einmal mehr der zarte Anschein breit, dass hier ernsthaft an tiefgreifenden, strukturellen Reformen gearbeitet wird.

Die Entfremdung zwischen den regierenden Eliten und der hart arbeitenden Bevölkerung hat ein besorgniserregendes Ausmaß erreicht. Da stehen Regierungsvertreter vor den Kameras, feiern sich für vermeintliche Erfolge oder flüchten sich in hochtrabende, aber völlig inhaltsleere Visionen über eine ferne, digitale Zukunft, während in der Gegenwart das Fundament des deutschen Wohlstands vor ihren Augen zerbröselt. Wenn Unternehmen in Rekordtempo abwandern, wenn Insolvenzen im Mittelstand zur traurigen Tagesordnung werden und die Kernindustrien um ihr blankes Überleben kämpfen, dann wirken politische Debatten über Quoten, Gendersprache oder abstrakte Digitalisierungsziele auf den normalen Bürger wie ein Schlag ins Gesicht. Es wirkt, als stünde der Kapitän auf der Brücke der Titanic und würde leidenschaftlich über die musikalische Begleitung im Speisesaal referieren, während das eiskalte Wasser bereits in den Maschinenraum strömt.

Dieser Zustand der politischen Ignoranz und des administrativen Stillstands ist für eine ehemals stolze Industrienation absolut unwürdig. Die ifo-Zahlen sind nicht weniger als die offizielle Sterbeurkunde für den Mythos vom unzerstörbaren deutschen Wirtschaftswunder, wenn nicht sofort drastisch gegengesteuert wird. Es bedarf jetzt keines weiteren Arbeitskreises, keines neuen bürokratischen Subventionsprogramms, das nur den Verwaltern nützt, und keiner beschwichtigenden Fernsehansprache. Was dieses Land jetzt dringender denn je benötigt, ist ein radikaler politischer Kurswechsel. Eine Politik, die endlich wieder die Menschen in den Mittelpunkt stellt, die den Wohlstand dieses Landes mit ihren Händen und Köpfen erwirtschaften.

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Das bedeutet in der Praxis: Der Staat muss sich massiv zurückziehen und den Unternehmen wieder die dringend benötigte Freiheit geben, das zu tun, was sie am besten können – wirtschaften. Wir brauchen ein sofortiges Moratorium für neue, belastende Regulierungen aus Brüssel und Berlin. Wir brauchen eine Energiepolitik, die sich schonungslos den Gesetzen der Physik und der Ökonomie beugt und nicht den Dogmen einer bestimmten Weltanschauung. Und wir brauchen eine steuerliche Entlastung, die Investitionen am Standort Deutschland wieder attraktiv macht und verhindert, dass unser wertvolles Know-how und unsere klügsten Köpfe dauerhaft ins Ausland abwandern.

Wenn diese fundamentale Kehrtwende nicht unverzüglich eingeleitet wird, werden die 84,4 Punkte des heutigen ifo-Index im Rückblick vielleicht sogar noch als die sprichwörtlich guten, alten Zeiten erscheinen. Die Geduld der Arbeitnehmer, der Familien und der Unternehmer ist endgültig erschöpft. Sie können und wollen die Zeche für politische Träumereien und administrative Unfähigkeit nicht länger bezahlen. Die Zeit des Zauderns, des Wegsehens und des Schönredens ist abgelaufen. Der Weckruf aus der Wirtschaft war ohrenbetäubend laut. Wer ihn jetzt noch geflissentlich überhört, trägt die volle und alleinige historische Verantwortung für den irreparablen Niedergang unseres Landes. Es ist an der Zeit, dass Deutschland aus seiner wirtschaftlichen und politischen Schockstarre erwacht – bevor das Fundament unserer Gesellschaft endgültig in Trümmern liegt.