Es sind Nachrichten, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen und die schmerzhaft vor Augen führen, wie fragil das Gefühl von Sicherheit in unserem alltäglichen Leben geworden ist. Ein ganz normaler Tag in Hessen, ein Routineeinsatz in einem Regionalexpress, Hunderte Pendler auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause. Doch plötzlich zerreißt eine unfassbare, sinnlose Gewalttat die scheinbare Normalität. Was sich vor wenigen Tagen im RE60 abspielte, ist nicht nur eine persönliche Tragödie für das Opfer, sondern ein alarmierendes Symptom für eine weitaus tiefere, gesellschaftliche Krise. Es wirft ein grelles Schlaglicht auf den dramatischen Respektverlust gegenüber jenen Menschen, die täglich im öffentlichen Dienst für uns alle den Kopf hinhalten, und offenbart zugleich ein eklatantes Versagen unserer Sicherheitsarchitektur.

Die Tat selbst ist an Brutalität und Sinnlosigkeit kaum zu überbieten. Ein 34-jähriger syrischer Staatsbürger zündet sich seelenruhig eine Zigarette im Zugabteil an. Ein klarer, provokanter Verstoß gegen das strikte Rauchverbot, das nicht nur der Sicherheit, sondern auch dem Wohlbefinden aller Fahrgäste dient. Eine tapfere Zugbegleiterin, die schlichtweg ihre Pflicht erfüllt, nähert sich dem Mann und weist ihn bestimmt, aber professionell auf sein Fehlverhalten hin. In einer zivilisierten Gesellschaft würde man auf eine solche Zurechtweisung mit einer Entschuldigung und dem Ausdrücken der Zigarette rechnen. Doch die Antwort, die diese hart arbeitende Frau erhielt, war ein roher, unkontrollierter Faustschlag direkt ins Gesicht. Die Wucht des Angriffs hinterließ eine stark blutende Platzwunde am Auge und tiefe seelische Narben, die wohl weitaus langsamer heilen werden als die physischen Verletzungen.

Es ist eine Schockstarre, die nicht nur die anwesenden Fahrgäste, sondern uns alle ergreifen muss. Wie kann es sein, dass ein harmloser Hinweis auf die geltenden Regeln unserer Gesellschaft mit derartiger Gewalt quittiert wird? Die Eskalationsspirale, die sich in diesem Vorfall manifestiert, ist beängstigend. Sie zeigt eine völlige Hemmungslosigkeit und eine erschreckende Verachtung für die Autorität des Zugpersonals und die Regeln unseres Zusammenlebens. Die Frau, die morgens ihre Uniform anzieht, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen und uns sicher an unser Ziel zu bringen, wurde Opfer einer Gewalttat, die so absolut unverständlich ist, dass sie uns sprachlos zurücklässt. Doch die Sprachlosigkeit darf nicht das letzte Wort sein.

Der wahre Skandal, der diesen Vorfall von einer ohnehin schon schrecklichen Tat zu einem politischen Offenbarungseid macht, offenbarte sich erst, als die alarmierte Polizei den Täter kurz nach seiner feigen Attacke am Bahnhof festnahm. Die routinemäßige Überprüfung seiner Personalien brachte eine Tatsache ans Licht, die den Puls jedes rechtstreuen Bürgers in die Höhe schnellen lässt: Der Mann stand bereits auf der Fahndungsliste! Er wurde von den Behörden gesucht und hätte sich längst nicht mehr frei in der Öffentlichkeit bewegen dürfen. Hier liegt der eigentliche, zutiefst beunruhigende Kern der Angelegenheit. Wie kann eine Person, gegen die bereits Ermittlungen oder gar ein Haftbefehl laufen, völlig unbehelligt in einen Regionalexpress einsteigen und zur unberechenbaren Gefahr für unschuldige Bürger werden?

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Dieser Umstand wirft drängende, unbequeme Fragen an unseren Rechtsstaat auf. Haben wir die Kontrolle darüber verloren, wer sich in unserem Land aufhält und wer frei herumlaufen darf? Die Mühlen der Justiz und der Exekutive scheinen oftmals so quälend langsam und bürokratisch zu mahlen, dass gewaltbereite Individuen durch die weiten Maschen des Systems schlüpfen können – bis es schließlich zur Eskalation kommt und unschuldige Menschen den bitteren Preis für dieses Staatsversagen zahlen müssen. Es ist ein unerträglicher Gedanke, dass diese brutale Tat an der Zugbegleiterin hätte verhindert werden können, wenn die behördlichen Mechanismen gegriffen und der Täter bereits zuvor aus dem Verkehr gezogen worden wäre. Solche Vorfälle zerstören das ohnehin bröckelnde Vertrauen der Bevölkerung in die Schutzfunktion des Staates nachhaltig.

Doch wir müssen den Blick auch weiten. Dieser Angriff im hessischen Regionalexpress ist leider kein isolierter Einzelfall, sondern reiht sich ein in eine traurige, alarmierende Chronik der zunehmenden Gewalt gegen sogenannte „Alltagshelden“. Zugbegleiter, Busfahrer, Polizisten, Rettungssanitäter und Feuerwehrleute berichten seit Jahren unisono von einer massiven Verrohung der Sitten. Beleidigungen, Bespuckungen und körperliche Angriffe gehören für viele von ihnen mittlerweile fast zum Berufsalltag. Menschen, die sich in den Dienst der Gesellschaft stellen, werden zunehmend als menschliche Blitzableiter für den Frust, die Aggression und die Respektlosigkeit einzelner Individuen missbraucht.

Die Uniform, die einst Respekt und Autorität ausstrahlte, scheint heute für einige Täter wie ein rotes Tuch zu wirken. Dieser kulturelle und gesellschaftliche Verfall ist brandgefährlich. Wenn diejenigen, die die Regeln durchsetzen und unsere Infrastruktur am Laufen halten, um ihre Gesundheit oder gar ihr Leben fürchten müssen, dann erodiert das Fundament unseres friedlichen Zusammenlebens. Eine Gesellschaft, die ihre öffentlichen Bediensteten nicht mehr wirksam vor solcher rohen Gewalt schützen kann, kapituliert vor der Anarchie auf den Straßen und Schienen.

Die politische Reaktion auf solche Vorfälle ist oftmals erschreckend vorhersehbar und enttäuschend. Nach anfänglicher, pflichtschuldiger Empörung werden runde Tische einberufen, man verspricht mehr Videoüberwachung und eine höhere Polizeipräsenz an Bahnhöfen. Doch die dringend benötigten, harten Konsequenzen für die Täter bleiben allzu oft auf der Strecke. Der Ruf nach einer wehrhaften Demokratie, die ihre Werte und ihre Bürger mit aller Entschlossenheit verteidigt, verhallt häufig in endlosen Debatten über Resozialisierung und Täterschutz. Natürlich ist der Rechtsstaat an Prinzipien gebunden, doch wenn der Opferschutz systematisch dem Täterschutz untergeordnet wird, entsteht ein fatales Ungleichgewicht.

Besonders im Kontext von straffällig gewordenen Personen ohne deutschen Pass, wie in diesem konkreten Fall, muss die Frage nach konsequenten Abschiebungen ohne falsche Tabus geführt werden. Wer das Gastrecht in einer Weise mit Füßen tritt, dass er die grundlegendsten Regeln des Respekts ignoriert und brutale Gewalt gegen hart arbeitende Bürger anwendet, hat sein Recht auf gesellschaftliche Teilhabe in diesem Land verwirkt. Ein Rechtsstaat, der bei solchen Exzessen keine sichtbaren, spürbaren und endgültigen Konsequenzen zieht, macht sich unglaubwürdig und ermutigt indirekt weitere potenzielle Täter.

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Die tapfere Zugbegleiterin im RE60 wird diese Fahrt vermutlich niemals vergessen können. Die physische Platzwunde wird heilen, doch das Trauma, während der Ausübung ihres Dienstes völlig grundlos und brutal attackiert worden zu sein, wird sie noch lange begleiten. Wir als Gesellschaft schulden ihr und all ihren Kolleginnen und Kollegen nicht nur unser tiefstes Mitgefühl und unsere volle Solidarität. Wir schulden ihnen vor allem den unermüdlichen Einsatz für Arbeitsbedingungen, in denen sie sicher und ohne Angst ihren Dienst verrichten können.

Es reicht nicht mehr aus, nach solchen Vorfällen lediglich betroffen den Kopf zu schütteln. Die Bürger dieses Landes haben ein absolutes Recht auf Sicherheit im öffentlichen Raum. Es ist die ureigenste Aufgabe der politischen Verantwortlichen, diese Sicherheit bedingungslos zu gewährleisten. Das bedeutet, dass die Justiz schneller, härter und konsequenter urteilen muss. Es bedeutet, dass Täter, die bereits polizeilich in Erscheinung getreten sind, nicht länger das Privileg genießen dürfen, unbehelligt durch unsere Städte und Züge zu wandern. Wir müssen eine klare, rote Linie ziehen: Null Toleranz gegenüber jeder Form von Gewalt gegen unsere Alltagshelden. Nur wenn der Staat wieder unmissverständlich Härte zeigt und das Recht durchsetzt, können wir verhindern, dass der Wahnsinn, der sich in diesem hessischen Zug abspielte, zur schrecklichen Normalität in unserem Land wird.