Zwischen Megahits, Millionenpleite und Ehedramen: Matthias Reim packt über seine dunkelsten Jahre aus T
Zwischen Megahits, Millionenpleite und Ehedramen: Matthias Reim packt über seine dunkelsten Jahre aus
Kaum ein Name ist in der deutschsprachigen Musiklandschaft so fest verankert wie der von Matthias Reim. Wenn die unverkennbaren ersten Akkorde seines Megahits „Verdammt, ich lieb’ dich“ ertönen, verwandeln sich Konzerthallen und Open-Air-Arenen binnen Sekunden in ein einziges Chor-Meer. Mit seiner markanten, rauen Stimme, seiner bodenständigen Lederjacken-Attitüde und einer unverfälschten Leidenschaft sang sich der Musiker in das kollektive Gedächtnis von Generationen. Doch hinter dem strahlenden Lächeln im Scheinwerferlicht und den millionenfach verkauften Tonträgern verbirgt sich eine der dramatischsten Lebensgeschichten der deutschen Unterhaltungsbranche. Matthias Reims Biografie ist kein geradliniger Pfad des Erfolgs, sondern eine Achterbahnfahrt der Extreme: Geprägt von Reichtum und tiefster Armut, überbordendem Ruhm und existenziellem Ruin, vier Ehen, sieben Kindern von sechs verschiedenen Frauen und einer ganz bestimmten Lebensphase, die der Künstler rückblickend als seine persönliche Hölle bezeichnet.

Der dornige Weg zur Musik und der Bruch mit der Familie
Die Wurzeln dieses bewegten Lebens reichen in das hessische Korbach, wo Matthias Reim am 26. November 1957 das Licht der Welt erblickte. Nach außen hin schien die Familie ein Musterbeispiel bürgerlicher Harmonie zu sein, doch im Hause Reim herrschte ein strenges, unerbittliches Regiment. Sein Vater, ein hochangesehener Gymnasialdirektor, duldete keinerlei Abweichungen vom vorgezeichneten Bildungsweg. Für den heranwachsenden Matthias gab es nach den Vorstellungen des Familienoberhaupts nur eine akzeptable Zukunft: akademische Höchstleistungen, bildungsbürgerlicher Anstand und eine respektable Laufbahn im Schuldienst oder der Wissenschaft. Die Musik galt im Elternhaus bestenfalls als belanglose Spielerei und Zeitverschwendung.
Nachdem Reim 1976 unter spürbarem elterlichen Leistungsdruck sein Abitur abgelegt hatte, schrieb er sich an der Georg-August-Universität Göttingen für Germanistik und Anglistik ein, um den Schein der elterlichen Erwartungen zu wahren. Doch die Hörsäle bekamen den jungen Studenten kaum zu Gesicht. Während sein Vater ihn auf dem Weg zur Professur wähnte, schlug Reims Herz längst für Rockmusik, Harmonien und Songwriting. Seine wahre Ausbildungsstätte wurden die verrauchten, stickigen Tonstudios Göttingens. Er schwänzte Vorlesungen, verpasste Prüfungen und lebte jahrelang am Rande des absoluten Existenzminimums.
In diesen frühen Jahren durchlebte Reim das schonungslose Schicksal eines brotlosen Künstlers in voller Härte. Das Geld reichte oft nicht einmal für die Miete oder eine warme Mahlzeit. Um nicht zu verhungern, jobbte er nächtelang als Kellner in Kneipen, spülte bergeweise Geschirr in Restaurantküchen und schlief mangels eigener Bleibe auf den kabelverlegten Böden von Aufnahmestudios. Der endgültige Bruch mit dem Vater folgte, als Reim in seiner Verzweiflung eine folgenschwere Entscheidung traf: Um sich seine allererste professionelle E-Gitarre leisten zu können, entwendete er die über Generationen gehütete, wertvolle Buchsammlung seines Vaters und verkaufte sie an Antiquariate. Als der Vorfall aufflog, brach ein eisiges Schweigen zwischen Vater und Sohn an, das über viele Jahre hinweg wie ein Schatten über der Familie lag.
Insgesamt 18 Semester lang zog sich Reims formelles Scheinstudium in Göttingen hin, während er mit eigenen Bands wie „Fallen“ und „Aqua“ vergeblich auf den großen Durchbruch hoffte. Um finanziell über Wasser zu bleiben, verdingte er sich schließlich als Lohnkomponist und schrieb Songs für andere Interpreten, die auf den großen Bühnen den Applaus einheimsten, der ihm selbst verwehrt blieb.
Die erste Ehe und der Schicksalsschlag um Sohn Bastian
Mitten in dieser Phase der zermürbenden Existenzkämpfe lernte Matthias Reim 1985 seine erste Frau Miriam kennen. Miriam war der sprichwörtliche Fels in der Brandung: Sie verlangte keinen Luxus, forderte keine Statussymbole und teilte klaglos die Entbehrungen an der Seite eines noch erfolglosen Musikers. Doch das gemeinsame Glück wurde im Jahr 1987 auf eine unbarmherzige Probe gestellt, als der gemeinsame Sohn Bastian geboren wurde.
Bastian kam mit schwersten körperlichen und geistigen Behinderungen zur Welt. Die rund um die Uhr erforderliche, kräftezehrende Pflege des Kindes stürzte das junge Paar in eine emotionale und physische Ausnahmesituation. Während Miriam im Kinderzimmer bis zur Erschöpfung kämpfte, stapelten sich die unbezahlten Rechnungen. Große Plattenfirmen schickten Reims Demos reihenweise mit standardisierten Absagen zurück. Der Druck entlud sich in täglichen Vorwürfen und lautstarken Streitigkeiten. Reim flüchtete sich in Depressionen und den Alkohol, verbrachte endlose Nächte isoliert am Klavier und sah mit an, wie das familiäre Fundament Stück für Stück zerbrach.
Der kometenhafte Aufstieg und der bittere Rosenkrieg
Dann, im Jahr 1990, geschah das musikalische Wunder: Reims Eigenkomposition „Verdammt, ich lieb’ dich“ schlug ein wie eine Naturgewalt. Die Single schoss an die Spitze der deutschen Charts, hielt sich dort unfassbare 16 Wochen in Folge auf Platz eins und verkaufte sich europaweit rund 2,5 Millionen Mal. Über Nacht wurde der verschuldete, unbekannte Songschreiber zum reichsten und meistgefeierten Popstar des Landes.
Doch der plötzliche Ruhm und die schlagartig einsetzende Flut aus Geld und Verehrung retteten die Ehe nicht, sondern brachten ihr den endgültigen Todesstoß. Noch im Erfolgsjahr 1990 trennte sich Reim von Miriam und wandte sich der Visagistin und Tänzerin Margot Scheuermeier zu. Es folgte eine der schmutzigsten Scheidungsschlachten der damaligen Boulevardmedien. Miriam erhob in der Öffentlichkeit schwere Vorwürfe: Reim habe die Frau, die in den dunkelsten Zeiten zu ihm gestanden hatte, sowie seinen pflegebedürftigen Sohn im Moment des großen Erfolgs eiskalt ausgetauscht. Als die Ehe 1992 rechtskräftig geschieden wurde, haftete an Reims Image das Stigma des unnahbaren Familienflüchtlings, obgleich er zeitlebens den finanziellen Unterhalt für seinen Sohn Bastian in vollem Umfang leistete.
Eifersuchtsdramen, Rockstar-Lifestyle und die toxische Liebe zu Michelle
Nach der Heirat mit Margot Scheuermeier schien Reim im Luxus zu schwelgen. 1996 kam Sohn Julian auf die Welt, der später selbst eine Karriere als Musiker einschlagen sollte. Doch auch hinter den Toren dieses neuen Lebens brodelte es gewaltig. Der frischgebackene Millionär gab das Geld mit vollen Händen aus, genoss einen exzessiven Lifestyle und stürzte sich in teure Anschaffungen. Margot wiederum litt unter quälender Eifersucht angesichts der zahllosen weiblichen Fans, die ihren Ehemann belagerten. Streitigkeiten, Beschimpfungen und Tränenausbrüche im Backstage-Bereich großer Fernsehshows wurden zum Alltag. 1998 reichte das Paar nach acht Jahren turbulenter Ehe die Scheidung ein.
Reim blieb jedoch nicht lange allein. 1999 begann die wohl leidenschaftlichste und zugleich explosivste Beziehung seines Lebens: Er verliebte sich in die Schlager-Sängerin Michelle. Die Liaison zweier charismatischer Ausnahmekünstler faszinierte die Medien, doch das Zusammentreffen zweier starker Egos barg von Beginn an enorme Sprengkraft. Die Liebe war geprägt von bedingungsloser Zuneigung, aber auch von unerbittlicher Konkurrenz und medialer Belagerung. Im Jahr 2000 krönte die Geburt der gemeinsamen Tochter Marie Reim das Liebesglück, doch bereits 2001 folgte der unausweichliche Kollaps. Nach zahllosen Eifersuchtsszenen und gegenseitigen Schuldzuweisungen eskalierte die Beziehung in einem Berliner Luxushotel: Nach einem heftigen Wortgefecht warf Michelle kurzerhand Reims gesamte Garderobe aus dem Hotelfenster auf die Straße und beendete die Romanze unwiderruflich.
Der finanzielle Absturz: 13 Millionen Euro Schulden
Ausgebrannt und von den turbulenten Jahren gezeichnet, suchte Reim nach Beständigkeit und fand sie 2004 in der 20 Jahre jüngeren Sarah Stanek. Noch im selben Jahr wurde Sohn Romeo geboren, 2008 folgte Tochter Romy. Doch während sich privat eine scheinbare Ruhe einstellte, braute sich im Hintergrund die größte finanzielle Katastrophe seines Lebens zusammen.
Reim hatte über Jahre hinweg seinem damaligen Manager blind vertraut und ihm weitreichende Generalvollmachten erteilt. Dieser versenkte Reims Vermögen in hochriskanten und maroden Geschäftsmodellen, von unrentablen Immobilien bis hin zu scheiternden Einzelhandelsunternehmen. Im Jahr 2006 folgte der unausweichliche Paukenschlag: Matthias Reim musste Privatinsolvenz anmelden. Der Schuldenberg belief sich auf astronomische 13 Millionen Euro.
Für seine Ehefrau Sarah wurde der Alltag über Nacht zum Albtraum. Statt eines unbeschwerten Lebens im Luxus sahen sich die beiden mit Gerichtsvollziehern, Gläubigern und ständigen Pfändungsandrohungen konfrontiert. Der Druck zermürbte die Beziehung vollends. Reim stürzte in schwere Depressionen, ehe er sich ab 2010 mit eisernem Willen zurückkämpfte. Er tourte unermüdlich durch kleinste Hallen, verbrachte Tage und Nächte im Studio und schaffte es schließlich, den gewaltigen Schuldenberg schrittweise abzutragen.
Das Ende der dritten Ehe und das Geständnis über die „wahre Hölle“
Während sich Reims Finanzen stabilisierten, war die Liebe zu Sarah längst erloschen. Die Ehe glich einer reinen Zweckgemeinschaft. 2012 verliebte sich Reim schließlich in die 32 Jahre jüngere Schlagersängerin Christin Stark. Anfang 2013 gelang ihm mit dem Album „Unendlich“ nach 23 Jahren erstmals wieder der Sprung auf Platz eins der Albumcharts. Doch der private Paukenschlag folgte im Herbst desselben Jahres, als die „Bild“-Zeitung Paparazzi-Fotos veröffentlichte, die Reim und Christin Stark innig küssend zeigten. Sarah packte daraufhin noch am selben Tag ihre Koffer und verließ die Villa am Bodensee.
Obwohl die Trennung im Herbst 2013 vollzogen war, blieb die Ehe auf dem Papier noch bis 2017 bestehen. Genau diese bürokratische Verzögerung holte den Sänger Jahre später ein: Da der Wechsel der Steuerklassen nach der räumlichen Trennung nicht fristgerecht an die Behörden gemeldet worden war, forderte das Finanzamt eine Steuernachzahlung in Höhe von rund 35.000 Euro.
Es war nicht die Summe, die Reim traf, sondern die seelische Altlast, die dadurch wieder aufbrach. In einem bewegenden Statement räumte Reim später ein, dass für ihn weder die Insolvenz noch die lautesten Scheidungskriege die dunkelste Zeit darstellten. Die wahre „Hölle einer Ehe“ war für ihn jene vierjährige Phase des juristischen Hängenlassens: das Ausharren in einem längst toten Konstrukt, das Versteckspiel vor der Öffentlichkeit und die bürokratischen Fesseln einer vergangenen Liebe.
Angekommen im sicheren Hafen
Am 14. April 2020 gaben sich Matthias Reim und Christin Stark im engsten Kreis das Ja-Wort. Im Frühjahr 2022 machte die Geburt der gemeinsamen Tochter Zoe das Familienglück perfekt – für den Musiker das siebte Kind.
Heute lebt Matthias Reim mit seiner Familie in Überlingen am Bodensee. Die bewegte Vergangenheit mit all ihren Höhenflügen, bitteren Niederlagen und existenziellen Krisen hat ihn geprägt, doch die Bitterkeit ist gewichen. Nach vier Ehen und jahrzehntelangen Stürmen hat der Ausnahmekünstler in Christin Stark jenen friedvollen Hafen gefunden, nach dem er ein Leben lang gesucht hat.
