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Leiche in Müllsack gefunden T

Leiche in Müllsack gefunden  

Wer einen Garten hat, kennt das, wenn man sich darum kümmert, alles gut in Schuss zu halten, braucht man einiges an Zeit. Aufgewühlte Erde, abgeschnittene Zweige, jede Menge Unkraut und all das will auch noch fachgerecht entsorgt werden. Eigentlich. Um diesem lästigen zu tun zu entgehen, greift ein Anwohner im niedersächsischen Vechtel im Oktober 96 auf einen altbewährten Trick von ihm zurück.

 Er karrt seine Gartenabfälle einfach zum nahegelegenen Bahndamm. An jenem Tag ist etwas entlang der Gleise anders als sonst. Irgendjemand scheint dort kürzlich die Erde umgegraben zu haben. Zuerst hakt der Anwohner das für sich einfach ab, doch nachdem er am nächsten Tag noch mal an der Stelle vorbeigeht, scheint ihm dieser umgegrabene Fleck Erde nicht mehr aus dem Kopf zu gehen.

 Denn eine Woche später kommt er mit dem nötigen Werkzeug zurück, um mal zu schauen, wer da vielleicht etwas verbuddelt hat. Und der Anwohner wird fündig. Zum Vorschein kommt eine blaue Mülltüte und darin ein menschlicher Oberkörper. Am 5. Oktober 1996 dürfte Jasmin Schieder bei bester Laune sein. Es sind Herbstferien, noch dazu ist es Samstagabend und die 18-Jährige macht sich gerade fertig, um auszugehen.

 Um kurz vor 19 Uhr macht sie sich von zu Hause aus auf den Weg. Jasmin geht zwar noch zur Schule und besucht das Lessing-Gymnasium in Uelzen, sie wohnt aber schon alleine in einer kleinen Wohnung. Der Kontakt gerade zu ihrer Mutter ist trotzdem noch eng. Eigentlich sehen sie sich sogar jeden Tag. Auf ihrem Weg von ihrer Wohnung zum Bahnhof in Uelzen trifft Jasmin noch auf eine Schulfreundin.

 Die beiden sprechen kurz miteinander und Jasmin berichtet, was sie an diesem Abend noch geplant hat. Sie peilt die Diskothek Atlantis in Braunschweig an. Das Atlantis, kurz “Atti”, ist damals bei jungen Partygängern der ganzen Region beliebt. In der Großraumdisko gibt es Schwarzlicht und eine Lasershow und gelegentlich kommen richtig große Stars für Auftritte.

 Im Laufe der 80er und 90er treten dort Acts wie Die Ärzte auf, Scooter oder Die Prinzen. Im Lager der Disko stehen mehr als 14.000 Platten, aus denen die DJs für die konzertfreien Abende die passende Musik aussuchen können. Und auch Jasmin möchte sich an diesem 5. Oktober 1996 endlich mal ein Bild von dieser legendären Partylocation machen.

Nach einem kurzen Plausch verabschiedet sie sich von ihrer Freundin und geht weiter Richtung Bahnhof. Und schon ab diesem Zeitpunkt beginnt die Ungewissheit, die den Fall Jasmin Stieler wie ein roter Faden durchzieht. Denn diese Schulfreundin ist die letzte Person, die Jasmin nachweislich noch gesehen hat. Man geht davon aus, dass Jasmin an diesem Abend wie geplant in einen Zug steigt.

 Aber es ist nicht einmal sicher, welchen sie nimmt. Wahrscheinlich wählt sie entweder die Verbindung um 19:28 Uhr oder die um 19:55 Uhr und tritt so ihre Fahrt Richtung Braunschweig an. Eine durchgehende Verbindung ab Uelzen gibt es damals nicht. Jasmin müsste also umsteigen. Man vermutet, dass sie das am Hauptbahnhof in Hannover getan haben dürfte.

 Und auch dort ist die Anbindung nicht optimal. Sollte Jasmin wirklich zunächst von ihrer Heimat in Uelzen aus nach Hannover gefahren und auch dort angekommen sein, ist davon auszugehen, dass sie am Hauptbahnhof eine Stunde Aufenthalt gehabt haben dürfte. Wahrscheinlich so gegen 20:00 Uhr und 22:00 Uhr. Und ob Jasmin ab Hannover dann wirklich nach Braunschweig weitergefahren ist, geschweige denn ob sie es bis ins Atlantis geschafft hat, das steht leider bis heute in den Sternen.

Zum Atlantis wären es vom Braunschweiger Bahnhof auch noch mal ein paar Kilometer gewesen. Einige Zeugen wollen Jasmin an diesem Abend tatsächlich noch im Bereich des Hauptbahnhofs Braunschweig gesehen haben. Sie soll Zeugen nach dem Weg zum Atlantis gefragt haben. Allerdings haben andere Zeugen eine ganz andere Erinnerung, nämlich dass Jasmin Stieler schon in Vechtelde aus einem Zug gestiegen sei.

Nicht beide Varianten können stimmen. Und vielleicht ist auch keine davon wahr. Fakt ist, dass Jasmin von ihrem abendlichen Ausflug nie zurückkehren wird. Wie vorhin schon erwähnt haben Jasmin und ihre Mutter engen Kontakt. Rosemarie Schäfer stellt sich schon darauf ein, dass sie am 6.

 Oktober vielleicht erst etwas später von Jasmin hören wird. Immerhin ist Sonntag, wer kann schläft ja gerne aus. Doch es kommt und kommt einfach kein Anruf und Frau Schäfer spürt allmählich, dass etwas nicht stimmt. Vor allem als sich noch der Freund von Jasmin bei ihr meldet. Die beiden waren eigentlich für den Sonntag verabredet, aber auch bei ihm hat sich die 18-Jährige nicht gemeldet.

 Jasmins Mutter telefoniert alle möglichen Freundinnen und Freunde ihrer Tochter ab. Leider ohne Erfolg. Sie schaut sich in der Wohnung ihrer Tochter um und dort verstärkt sich ihr Eindruck nur noch mehr. Denn nichts sieht so aus, als hätte Jasmin geplant irgendwo anders zu übernachten. Wichtige persönliche Gegenstände liegen der Wohnung.

 Offenbar hatte sie für den Sonntag sogar schon Essen für sich und ihren Freund vorgekocht. Und so macht sich Jasmins Mutter am Montag direkt auf den Weg zur Polizei, um ihre Tochter als vermisst zu melden. Zu diesem Zeitpunkt muss Jasmin schon tot sein, wie später klar wird. Denn bereits am 7. Oktober bemerkt der Anwohner, von dem ihr am Anfang dieser Folge gehört habt, die umgegrabene Erde am Bahndamm.

 Und die er eine Woche später am 14. Oktober feststellen wird, verbirgt sich unter dieser umgegrabenen Erde der Torso einer jungen Frau, eingewickelt in einen blauen Müllsack. Die Ermittler können ohne Zweifel feststellen, dass es sich um den Oberkörper von Jasmin Stieler handelt. Die Polizei geht davon aus, dass Jasmin direkt nach ihrem Tod zerteilt wurde, wahrscheinlich mit einer elektrischen Säge.

Abwehrverletzungen oder Hinweise auf ein Intimverbrechen finden die Ermittler nicht. Es lässt sich nur noch feststellen, dass sie erdrosselt oder erwürgt wurde. Und der Fundort des Torsos am Fächer der Bahndamm ist nicht der Tatort. Das wird vor allem klar, als Ende Oktober, gut zwei Wochen nach dem Fund des Torsos, eine weitere Entdeckung gemacht wird.

Und zwar an einem FKK-Strand an den Ricklinger Teichen am Rande der Landeshauptstadt Hannover. Dort finden Spaziergänger ein Bein von Jasmin. Als daraufhin das Wasser intensiv abgesucht wird, findet man auch ihr zweites Bein. Trotz der beiden Funde taten die Ermittler jedoch im Dunkeln. Einige Monate später im März 1997 wird der Fall bei Aktenzeichen XY vorgestellt.

 Der Ermittler im Studio räumt selbst ein, dass er und seine Kollegen punkto Täterfrage völlig ratlos sein. Zwei Monate nach der Ausstrahlung der Sendung gibt es den nächsten Fund. Ein Junge findet den Schädel von Jasmin in einem Waldstück bei der Ortschaft Hemelerwald. “Er lag einfach so auf der Erde”, wird der junge Finder später zitiert.

In einem Bericht der AZ heißt es weiter, man würde vermuten, dass Beine und Arme mit einem anderen Schneidewerkzeug abgetrennt wurden als der Kopf. Bei letzterem vermute man ein elektrisches Messer als Werkzeug. In der Zeit zwischen den drei Funden von Jasmins Körperteilen waren die Ermittler natürlich nicht untätig und sie sind es auch danach nicht.

 Im Gegenteil, es werden für die damalige Zeit ziemlich ungewöhnliche Ermittlungsmaßnahmen ergriffen. So setzt sich etwa ein Profiler an den Fall, der Anhaltspunkte zum Charakter des Täters liefern soll. Der Experte vermutet hinter dem Täter einen ganz gewöhnlichen Mann, jemanden, der sozial integriert und unauffällig sein dürfte.

Auf der Suche nach potenziellen Zeugen hat sich die Polizei auch in die Braunschweiger Discoszene begeben. Man hat Jasmins Outfit vom Abend ihres Verschwindens nachgekauft und eine junge Polizeibeamtin damit ausgestattet. Damit ist sie dann ins Atlantis, um hoffentlich der Erinnerung einiger Partygänger auf die Sprünge helfen zu können und herauszufinden, ob jemand Jasmin in diesem Outfit am 5.

 Oktober gesehen hat. Denn wie ihr gehört habt, ist unklar, ob Jasmin überhaupt dort angekommen ist. Heute scheint man laut den meisten Medienberichten eher nicht davon auszugehen. Aber eine Person glaubt, Jasmin im Atlantis gesehen zu haben, und zwar ein DJ, der regelmäßig dort aufgelegt hat. Auf diese Info bin ich nur zufällig gestoßen, als ich ein paar Hintergründe zum Atlantis recherchieren wollte.

 In einem großen Artikel zur Disco gibt der DJ nämlich ein Interview, in dem er berichtet, Jasmin Stieler an dem Abend dort gesehen zu haben. Daran hätte er sich genau erinnert, weil Jasmin dieses auffällige Oberteil mit Kuhfleckenmuster getragen hat. Zu dieser Beobachtung ist DJ passt auch ein Satz aus einem Artikel der HAZ.

 Dort heißt es, die Polizei habe zwischenzeitlich nach einem Mann gefahndet, mit dem Jasmin in der Disco gesprochen haben soll. Das sind allerdings auch die einzigen beiden Artikeln, in denen die Rede davon ist, dass Jasmin möglicherweise wirklich im Atlantis angekommen ist. Wie bereits gesagt, ist es auch möglich, dass sie schon vorher in Vechelde ausgestiegen ist.

 Auch das haben Zeugen berichtet. Oder es kann sein, dass Jasmin auf dem Weg vom Braunschweiger Bahnhof zum Atlantis was zugestoßen ist oder beim Umstieg in Hannover. Es gibt eben einfach unglaublich viele Möglichkeiten. Neben der Zeugensuche im Atlantis und auf der Bahnstrecke hat es im Dezember 96 eine groß angelegte Speichelprobenaktion in Vechelde gegeben.

Mehr als 1000 Männer gaben eine Probe ab, so dass sie mit zwei Haaren abgeglichen werden konnten, die an Jasmins Torso gefunden wurden. Allerdings hat sich später herausgestellt, dass das gefundene Haar von Jasmin selbst stammte. Trotzdem hätte der Speicheltest eine Erfolg bringende Aktion sein können. Wenn der Täter in der Region lebt, hätte er sicher von dem Aufruf mitbekommen und das hätte durchaus Druck auf den Täter aufbauen können.

 Verraten hatte sich in diesem Zuge aber nicht. Leider wird es für einige Zeit still werden um den Fall von Jasmin Stieler. Bis zu einer überraschenden Wende. Anfang September 2008 gibt es auf einmal eine Neuigkeit im Fall Jasmin Stieler, die für die breite Öffentlichkeit wie aus dem Nichts kommt. Eine Festnahme. Es geht um einen zweifachen Familienvater aus der Region.

Der Mann ist in zweiter Ehe verheiratet, gelernter Isolierer und soll zum Tatzeitpunkt als LKW-Fahrer für einen Vechelder Handwerksbetrieb tätig gewesen sein. Damals war er 31 Jahre alt. Der Mann soll wohl schon 2001 mehrfach verhört worden sein und dabei widersprüchliche Angaben gemacht haben. Beim Arbeitgeber des Mannes wurden wohl genau solche Müllsäcke verwendet, wie sie zur Beseitigung von Jasmins Torso benutzt wurden.

 Und der LKW-Fahrer soll seinen Fahrtenschreiber manipuliert oder laut einem Medienbericht sogar zerstört haben. Genau deshalb wurde er wohl auch einige Jahre später von seinem Arbeitgeber bei der Polizei gemeldet, wobei es in einem Stern-Artikel heißt, im Zusammenhang mit einem anderen Mord hat ein Zeuge Auffälligkeiten im Verhalten des Mannes beobachtet.

 Welcher andere Mord das gewesen sein soll, ist nicht bekannt gegeben worden. Allerdings haben die Ermittler bei neuerlichen Überprüfungen Mitte der 2000er wohl vor allem Ungereimtheiten in Bezug auf Jasmin Stieler feststellen können. Es heißt, der Mann sei am Morgen des 6. Oktober 96 nach Duisburg gefahren. Das wäre der Morgen nach Jasmins Verschwinden gewesen und sein Weg Richtung Duisburg hätte den LKW-Fahrer wohl grob entlang der Fundstellen aller aufgetauchten Leichenteile geführt.

 Die Orte liegen nämlich alle auf insgesamt etwa 60 km entlang der B65 zwischen Hannover und Braunschweig. Zumal der LKW-Fahrer an jedem Tag mit 3 Stunden Verspätung und einem überzogenen Kilometerstand in Duisburg angekommen ist, in verschmutzter Kleidung. Weder für seine Verspätung noch für seinen Aufzug hatte er damals eine Erklärung abgegeben.

 In einem Bericht heißt es außerdem, für diese Fahrt sei ihm überhaupt gar kein Auftrag erteilt worden. Zu guter Letzt soll er in einem Verhör gesagt haben, er würde die Tat zugeben, wenn man sie ihm denn beweisen könnte. Und das ist für eine durch und durch unschuldige Person eine ziemlich kuriose Aussage. Der vermeintliche Durchbruch erfolgte im Frühjahr 2008.

 Man findet auf dem Gelände seines damaligen Arbeitgebers einen grünen Spaten. Das ist deshalb wichtig, weil dieses Gelände in der Nähe des Bahndamms in Fäschelde liegt. Und dort wurde ja Jasmins Torso gefunden. Wahrscheinlich der schwerste Teil des zerstückelten Leichnams. Dementsprechend ist irgendwo naheliegend, dass der Täter zu Fäschelde vielleicht den nächsten Bezug gehabt haben könnte.

 Und ein Arbeitsplatz in der Nähe zählte auf jeden Fall. Zumal an diesem Spaten Erdresten Lackspuren haften. Beides passt zu der Umgebung am Fäschelder Bahndamm. Und wir erinnern uns, der blaue Müllsack mit dem Torso war ja eingegraben worden. Womöglich hat die Polizei hier also genau den Spaten gefunden, den er Zeter benutzt hat.

 Zu Spiegel Online sagt ein LKA-Sprecher damals nämlich: “Bodenproben sind so individuell wie Fingerabdrücke. Den Kriminaltechnikern sind noch nie zwei identische untergekommen. Und selbiges gelte auch für Farben oder Lacke, die von unseren Spezialisten genau zugeordnet werden können”, wie der Sprecher weiter ausführt. Aus all diesen Gründen sieht die Staatsanwaltschaft den Mann als dringend verdächtig an.

 Gegen ihn wird im November 2008 Anklage wegen des Totschlags gegen Jasmin Stieler erhoben. Ihm wird vorgeworfen, Jasmin in der Tatnacht gegen Mitternacht im Bodenstedter Holz umgebracht zu haben. Bodenstedt ist ein Teil von Fäschelde. Wie man ausgerechnet auf dieses Waldgebiet als Tatort kommt, kann ich euch nicht sagen.

 Das wurde nicht weiter ausgeführt. Laut der AZ soll aber wohl ein Pärchen in der Nacht zum 6. Oktober, also der Nacht von Jasmins Verschwinden, Todesschreie in einem Wald bei Peine gehört haben. Wenn damit der Landkreis Peine gemeint gewesen wäre, würde das passen, denn dort liegt Fäschelde Bodenstedt. Aber wie ihr schon merkt, komme ich bei dieser Ausführung etwas ins Schwimmen.

Und das führt uns zu einem wesentlichen Problem in diesem Fall. Denn das Landgericht Braunschweig eröffnet das Hauptverfahren gegen den Angeklagten gar nicht erst. Es lassen sich, wie es in den Begründungen unter anderem heißt, keine eindeutigen Indizien ableiten, die den Verdächtigen ausreichend belasten würden.

Zudem konnte man keine persönlichen Verbindung zwischen dem Verdächtigen und Jasmin finden. Und trotz einer umfangreichen Spurensuche wurden wohl auch keine Hinweise darauf gefunden, dass der Beschuldigte für die Zerstückelung von Jasmin verantwortlich sein könnte. Nach einem halben Jahr U-Haft wird er damit im Frühjahr 2009 wieder freigelassen.

Die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage legen sofort eine Beschwerde beim Oberlandesgericht ein. Das OLG kommt aber zu demselben Schluss. Der Tatverdacht gegen den Mann reicht nicht aus, um ihm den Prozess zu machen. Jasmins Mutter Rosemarie Schäfer muss von dieser Entscheidung aus der Zeitung erfahren.

 Sie sagte in einem Interview damals: “Ich hätte mir gewünscht, dass es einen totalen Abschluss geben kann. Aber so ist es. Man steht im Stau und kommt nicht vorwärts zurück. So ist es seit 12 Jahren.” Das OLG bestätigt die Entscheidung, weil nach Aktenlage eine Verurteilung nicht wahrscheinlicher erscheint als ein Freispruch, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Folgende Gründe sprechen laut OLG gegen eine Verurteilung des Beschuldigten. Dem Täter kann nicht nachgewiesen werden, zu irgendeinem Zeitpunkt mit Jasmin Kontakt gestanden zu haben. Es bleibt unklar, was zur Tat geführt haben und wie sie abgelaufen sein soll. Genauso wie die Frage, wann und wo und von wem die Zerstückelung des Leichnams vorgenommen worden sein soll.

Es lässt sich voraussichtlich auch nicht mit der erforderlichen Sicherheit ausschließen, dass ein anderer als Täter in Betracht kommt, weil der Beschuldigte ja selbst nur wegen Indizien beschuldigt wird, nicht wegen Beweisen. Der Beschuldigte hat zu keinem Zeitpunkt ein Voll- oder Teilgeständnis abgelegt. Es lässt sich nicht sagen, wer wann den Spaten an der Fundstelle des Torsos benutzt haben soll und es sei auch nicht auszuschließen, dass der Spaten nicht nach 1996 benutzt wurde.

Kurzum, es hat Indizien gegeben gegen den Beschuldigten, die aber in den Augen des Landgerichts und des Oberlandesgerichts einfach nicht ausreichen würden, um ihn zu verurteilen. Und wenn der Beschuldigte im Zuge eines Prozesses freigesprochen worden wäre, wegen dieses Mangels an Beweisen, dann hätte er auch nicht noch einmal wegen desselben Verbrechens an Jasmin angeklagt werden dürfen.

 Auch dann nicht, wenn danach noch neue Beweise gegen ihn aufgekommen wären. Rein hypothetisch, sollte sich der Verdacht gegen diesen Mann heute doch noch konkretisieren, wäre eine Anklage theoretisch also noch immer möglich. Seit 2016 gibt es auch hier allerdings ein dickes Problem. Vielleicht habt ihr bemerkt, dass ich das Wort Mord in diesem Video noch nicht benutzt habe.

Und auch der Verdächtige war wegen Totschlags verdächtigt, nicht wegen Mords. Im Fall Jasmin Stieler gibt es nämlich das Problem, dass es nicht genügend Erkenntnisse zu der Tat selbst gibt, um sie als Mord einzuordnen. Wir wissen zwar, dass Jasmin erwürgt oder erdrosselt wurde, das kann allerdings auch im Zuge eines Totschlags getan worden sein.

 Oder, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Braunschweig es zusammengefasst hat, im Fall Jasmin Stieler kann nach Aktenlage nur von Totschlag und nicht von Mord ausgegangen werden, weil nach Aktenlage keine 211 Strafgesetzbuch abschließend erhaltenen Mordmerkmale erfüllt ist. Und wie ihr bestimmt wisst, ist Mord das einzige Verbrechen, das nicht verjährt.

Ein Totschlag, wie er nach Aktenlage im Fall Jasmin Stieler vorliegt, aber schon, und zwar nach 20 Jahren. Da Jasmin 1996 umgebracht wurde, ist ein Totschlag an ihr bereits 2016 verjährt. Selbst wenn man einen Täter heute ausfindig machen könnte, könnte man ihn also nicht mehr strafrechtlich verfolgen. Das könnte nur noch passieren, wenn auch noch neue Beweise aufkämen, die im juristischen Sinne einen Mord nahelegen würden.

 Dazu müsste man etwa eines der berühmten Mordmerkmale überzeugend nachweisen können. Mordlust, Habgier, niedrige Beweggründe, Heimtücke und so weiter. Das mag ernüchternd klingen, aber es ist nicht ohne Hoffnung. Es ist möglich, dass es Mitwisser gibt, denen der Täter sich anvertraut hat. Es ist auch möglich, dass der Täter es selbst vielleicht eines Tages nicht mehr aushalten wird, zu wissen, dass er Jasmin auf dem Gewissen hat und Schuld an so viel Trauer und Leid ist.

Vielleicht packt er noch aus. 2022 wurde auf dem YouTube-Kanal von RTL Nord ein kurzer, aber sehr informativer Beitrag zum Fall Jasmin Stieler hochgeladen. Darin kommt auch Jasmins Mutter Rosemarie Schäfer zu Wort. Gern würde ich dieses Video mit den Worten abschließen, mit denen sie sich in dem Beitrag an den Täter wendet.

Und du, mein lieber Täter, ich gebe keine Ruhe. Ich mache weiter. Rosemarie Schäfer hat ihre Tochter dreimal beerdigen müssen, jedes Mal, wenn ein neuer Leichenteil gefunden wurde. Und bis heute kann sie Jasmin nicht vollständig in ihrer letzten Ruhestätte wissen, denn was heute fehlt, sind die Hände von Jasmin Stieler. 

 Für Frau Schäfer ist es unbedingt wichtig, ihre Tochter komplett zurückzubekommen. Darum wurde zuletzt eine Belohnung in Höhe von ganzen 75.000 Euro ausgelobt für sachdienliche Hinweise, die zur Überführung des Täters führen können. Auch Jasmins Kleidung ist nie aufgetaucht. Dazu gehört auch ein schwarzer Lederrucksack mit einem auffälligen, reflektierenden Aufkleber mit der Aufschrift “Licht und Liebe”.

Eventuell befanden sich in dem Rucksack noch ein kurzärmeliges weißes Häkeloberteil und eine dunkle Jeans. Auch das auffällige Oberteil mit den Kuhflecken, ein paar Stiefel und ein Rock sind bis heute nicht aufgetaucht. Noch immer wäre es wertvoll zu wissen, wer Jasmin Stieler vielleicht wann und wo nach 19:00 Uhr am 5.

 Oktober 1996 gesehen hat. Genauso, ob jemand vielleicht nach diesem Zeitpunkt Wesensveränderungen bei jemand anderem aufgefallen sind. Dass jemand auf einmal sehr bedrückt oder abwesend wirkte, auf einmal Gewohnheiten geändert hat oder abgetaucht ist. Das alles könnte auch heute noch dazu führen, dass Jasmins Angehörige zumindest Antworten auf Fragen bekommen können, die sie seit 30 Jahren quälen.

 Ich hoffe, mit diesem Video einen informativen Überblick gegeben zu haben und wünsche den Hinterbliebenen von Jasmin an dieser Stelle viel Kraft und alles Gute. Wenn auch ihr etwas loswerden wollt, hinterlasst gerne einen Kommentar. Und wenn ihr aus Uelzen, Braunschweig, Hannover, Fäschelde und Umgebung kommt oder Leute kennt, die Mitte der 90er dort gelebt haben, würde ich mich freuen, wenn ihr das Video mit ihnen teilen würdet.

 Vielleicht landet es ja bei den richtigen Leuten. Wenn ihr den Algorithmus zusätzlich etwas anfeuern wollt, könnt ihr das Video gerne einfach liken. Je mehr Aktivität bei dem Video verbucht wird, desto eher schlägt YouTube es neuen Zuschauern vor. Vielen Dank schon einmal im Voraus. Und wenn ihr den Kanal noch weiter unterstützen wollt, abonniert mich gerne bei Patreon.

Den Link dazu findet ihr in der Infobox. Ansonsten gibt es nicht mehr viel zu sagen. Ich wünsche euch einen guten Morgen, Mittag oder Abend oder je nachdem, wann ihr das Video seht und hoffe, dass wir uns im nächsten Video wiedersehen. Bis dahin. Ciao, Leute.

 

Disclaimer: This story is fictional and created for entertainment purposes only. Any names, characters, places, or events are fictitious or used fictitiously. No real person or organization is intended to be portrayed.

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