Wahre Verbrechen I Die Leiche im Keller I True Crime Dokumentation T – Part 2
Und wir hören, wie einer der schlimmsten Serienmörder Deutschlands mehr durch Zufall als durch Ermittlungsgeschick gestellt werden konnte. Joachim Georg Kroll wurde am 17. April 1933 als sechstes von neun Kindern in Hindenburg Oberchlesien geboren. Heute Sapsche in Polen. Die Familie war bitterarm.
Der Vater arbeitete als Zimmermann und Bergmann. Doch das Geld reichte kaum für das Nötigste. Neun Kinder auf drei Zimmern. Die Familie Kroll lebte auf engsten Raum zusammen. Der kleine Joachim fiel schon früh als besonderes Kind auf, aber nicht, weil er besonders aufgeweckt war, sondern weil er hinter den anderen zurückblieb.
Er war still und verschlossen. 1939 wurde er eingeschult. Doch schon nach kurzer Zeit musste er auf eine Sonderschule wechseln. Die anderen Kinder verspotteten ihn als Sitzenbleiber und wegen seiner Segelohren. Die Lehrer hatten keine Geduld mit ihm und sein Vater verprügelte ihn oft, meistens grundlos. Kroll wusste nie, wann die nächste Ohrfeige kam.
Sein Vater bestrafte ihn auch für Dinge, die er gar nicht getan hatte. Das führte dazu, daß der Junge nie Vertrauen aufbaute. Zu Hause war er nicht sicher. Im Gegenteil, er war ausgeliefert. Über Jahre staute sich eine stille Wut in ihm auf. 1944 erreichte der Zweite Weltkrieg Oberchlesien. Die sowjetische Armee rückte näher.
Die Familie Kroll floh vor den Russen Richtung Westen. Ein langer, gefährlicher Treck durch ein zerstörtes Land. landete die Familie schließlich im Sauerland in Westdeutschland. Kroll war 14 Jahre alt, als er nach nur 4er Jahren die Volksschule verließ. Er konnte kaum lesen, schreiben oder rechnen. Sein gemessener IQ lag später bei 76, grenzwertig zur geistigen Behinderung.
Doch trotz seiner Einschränkungen fand Kroll Arbeit. Er kam auf Bauernhöfe, wo er für 50 Mark im Monat schuftete. Die Bauern nannten ihn den Schleicher, weil er sich so lautlos durch die Stelle und Scheunen bewegte, als wollte er unsichtbar bleiben. Abgesehen von Arbeitskollegen blieb Groll isoliert.
Er hatte keine Freunde, keine Beziehung. Was niemand wusste, in der Einsamkeit der Stelle entwickelte er eine dunkle Seite. Mit 14 oder 15 Jahren arbeitete Kroll auf einem Hof, wo Schweine und Kühe gehalten wurden. Zum ersten Mal sah er, wie die Tiere begattet wurden. Er schaute genauer hin und merkte, dass es ihn erregte. Anscheinend war seine sexuelle Entwicklung gestört.
Er hatte keinen Kontakt mit gleichaltrigen und keine Möglichkeit, gesunde Beziehung zu entwickeln. Stattdessen wurden Tiere zum Ersatz für alles, was ihm fehlte. Er begann sich an Kühn im Stall zu vergehen. Menschen gegenüber entwickelte er der weil kaum oder sogar gar keine Empathie, weder emotional noch kognitiv. Später kam er zu einem anderen Bauern, bei dem die Tiere auch geschlachtet wurden, und Kroll mußte helfen.
Als er die Tiere sterben sah und zum ersten Mal das warme Blut berührte, fühlte er auch in diesen Momenten sexuelle Erregung. Töten und Sexualität verschmolzen in seinem Kopf zu einer gefährlichen Einheit. Wahrscheinlich entwickelten sich in dieser Zeit sexuell sadistische Züge bei Kroll. Sexueller Sadismus bezeichnet die Kontrolle, Erniedrigung und Verletzung einer anderen Person, um sich sexuell zu erregen und zum Orgasmus zu kommen.
Wenn die andere Person dem nicht zustimmt, handelt es sich um eine Straftat. Eine umfassende Studie von Jonathan James und John Prools aus dem Jahr 2014 untersuchte über 1800 Sexualmörder weltweit. Die Forscher fanden ein klares Muster. Sexuellsadistische Serienmörder sind fast immer sozial isoliert und wurden systematisch abgelehnt und gedemütigt.
Diese Isolation führt zu einem Teufelskreis. Die Täter flüchten sich in zwanghafte Masturbation und extrem sexuelle Fantasien als Ersatz für echte emotionale und sexuelle Beziehungen, die sie nie aufbauen konnten. Bei Kroll sehen wir genau dieses Muster. Besonders erschreckend. 90% der diagnostizierten sexuellen Sadisten berichten über Jahre hinweg von Masturbation mit sadistischen Fantasien, bevor sie zum ersten Mal töteten.
Die Fantasie ging der Tat voraus, manchmal über Jahrzehnte. Eine Studie von 2002, ebenfalls von Pruls zusammen mit Erik Burgar unterscheidet zwei Typen von sexuellen Mördern. Joachim Kreu fällt in die Kategorie der Täter, deren Motiv aus jezorniger Wut entsteht, angetrieben von Einsamkeit, Ablehnung und aufgestauter Kränkung.
Doch zunächst lebte Kroll seine Fantasien nur in Gedanken aus. Er masturbierte ständig, während er sich vorstellte, Frauen zu erwürgen. Die Grenze zwischen Fantasie und Realität verschwamm jedoch immer mehr. Die Forschung zeigt, dass bei sexuellen Sadisten wie bei Kroll ein gefährlicher Prozess der Desensibilisierung stattfindet.
Was zunächst nur in der Fantasie existiert, verliert durch ständige Wiederholung seine abschreckende Wirkung. Die Grenze zwischen Denken und Handeln wird durchlässiger. Besonders gefährlich wird es, wenn der Täter beginnt, seine Fantasien zu verfeinern und zu ritualisieren. Kroll masturbierte nicht einfach nur. Er inszenierte in seinem Kopf wahrscheinlich schon detaillierte Szenarien, wie er die Frauen auswählen würde, wie er sich ihn nähren würde, wie er sie überwältigen würde.
Diese mentalen Probeläufe dienten der Vorbereitung. In der Psychologie spricht man von Fantasy Rehearsal, der geistigen Probe für die spätere Tat. Je öfter Kroll diese Fantasien durchspielte, desto realer wurden sie für ihn. Der Schritt zur tatsächlichen Ausführung wurde also kleiner. Was Kroll zusätzlich gefährlich machte, war seine emotionale Abstumpfung.
Weder seine Familie noch die Gesellschaft hatten ihm Wärme oder Zuneigung gezeigt. In seiner Wahrnehmung waren andere Menschen vielleicht genauso gefühllos wie er selbst. Objekte ohne inneres Leben. Und während sich in ihm die dunklen Fantasien verdichteten, ahnte niemand in seiner Umgebung, was in diesem stillen, unscheinbaren Mann vor sich ging.
Kroll blieb der ewig verspottete. Als junger Mann versuchte er Mädchen anzusprechen, doch jeder Versuch endete in einer Demütigung. Er war schüchtern, ungeschickt und fand nie die richtigen Worte. Die ständigen Zurückweisungen waren für ihn unerträglich. Er sah sich als Opfer. Gleichzeitig wuchs in ihm der Wunsch, anderen das anzutun, was man ihm angetan hatte.
1957 zog Roll ins Ruhegebiet. Er fand einen Job als Toilettenreiniger bei den Mannesmannwerken in Duisburg. Später arbeitete er als Wärter einer Waschkaue bei der Tüssenhütte in Bruckhausen. Es waren einfache Arbeiten. [räuspern] Seine Kollegen beschrieben ihn als unscheinbar und verschroben. Er sprach wenig, hielt Abstand, fiel niemandem auf.
Sein Wesen entwickelte sich zum Vorteil für Kroll. In der Unauffälligkeit konnte er seiner wahren Natur nachgehen, ohne Verdacht zu erregen. Groll lebte zunächst bei seinem Vater in Botropf. Die Beziehung war angespannt. Der Vater verachtete ihn für seine Schwächlichkeit und Kroll hasste den Vater für die jahrelange Gewalt. Die einzige Person, zu der er eine Bindung hatte, war seine Mutter.
Doch auch dieses Verhältnis war nicht gesund. Es war pathologisch. Kroll war emotional vollkommen abhängig von ihr. Seine Mutter war die einzige, die ihn nicht zurückwies und erniedrigte. Im Januar 1955 starb seine Mutter. Für Kroll brach eine Welt zusammen. Ihr Tod löste in ihm eine psychotische Episode aus.
Er verlor seine einzige Bezugsperson, seinen einzigen Halt, den er je hatte. Und nur zwei Wochen später, am 8. Im Februar 1955 tötete er zum ersten Mal. An einem kalten Februartag 1955 ging die 19-jährige Irngard Strehl eine Landstraße entlang. Sie waren Waldstädte bei Drehensteinfort Münsterland unterwegs.
Es war eine ruhige und ländliche Gegend. Joachim Kroll beobachtete sie aus der Ferne. Er folgte ihr, bis sie allein war. Dann griff er an. Mit bloßen Händen wirkte er irmgart, bis sie leblos da lag. Als sie tot war, verging er sich an ihrer Leiche. Es war für ihn die einzige Art, wie er Sexualität erleben konnte. Lebende, selbstbestimmte Frauen, ängstigten ihn.
Erst wenn er sie kontrollieren und töten konnte, fand er sexuelle Befriedigung. Kroll ließ die Leiche zurück und verschwand. Die Polizei fand Irmgard wenig später, doch es gab keine Zeugen, keine Spuren, keine Verdächtigen. Der Fall blieb ungelöst. Für Kroll war damit eine Grenze überschritten. Das Kribbeln, wie er es später nannte, war gestillt, zumindest für den Moment, doch er wusste, es würde wiederkommen.
Am 16. Juni 1959 erwirkte Joachim Kroll die 24-jährige Kellnerin Clara Tesma am Rheinufer in Duisburg Rheinhausen. Die Polizei nahm einen Mann namens Heinrich Ot fest. Od beteuerte seine Unschuld, doch die Ermittler glaubten ihm nicht. Heinrich Ott hielt dem Druck nicht stand.
In der Untersuchungshaft beging er Suizid. Ein unschuldiger starb, weil die Polizei den wahren Täter nicht fand. Es sollte nicht der letzte Ermittlungsfehler bleiben. Nur wenige Wochen später, am 26. Juli 1959 tötete Kroll die 16-jährige Manuela Knott im Essenner Stadtwald am Baleneisee. Dieses Mal entnahm er Fleischstücke von ihrer Hüfte und ihrem Gesäß.
Es war der erste Hinweis auf seine kannibalistischen Tendenzen. Doch die Polizei stand vor einem Rätsel. Warum sollte jemand Fleischstücke von Leichen entfernen? Die Ermittler kamen nicht auf die Idee, dass der Täter diese Stücke mit nach Hause nahm, wahrscheinlich um sie zu essen. Am 24. April 1962 erwirkte Kroll die 13-jährige Petra Gie auf einem einsamen Feldweg in Dinslaken.
Ein 52-jähriger Betonbauer wurde verdächtigt und verurteilt. Wieder saß ein Unschuldiger im Gefängnis, während der wahre Täter frei herumlief. Kreuz nächstes Opfer war die zwölfjährige Monika Tafel. Er tötete sie am 4. Juni 1962 in Duisburg Wehofen. Kroll ging bei seinen Morden meistens nach der gleichen Methode vor.
Er suchte sich wehrlose Opfer, überfiel sie von hinten, erwirkte sie und missbrauchte ihre Leichen. Mal nahm er Fleischstücke mit, mal nicht. Ansonsten gab es keine erkennbare Logik, nur den unstillbaren Drang zu töten. Dieses opportunistische Vorgehen war ein Aspekt, der die Ermittlung zusätzlich erschwerte.
Im Gegensatz zu vielen anderen Serienmördern hatte Kroll kein festes Schema. Seine Opfer waren zwischen 4 und 60 Jahre alt. Mal waren es Kinder, mal Jugendliche, mal erwachsene Frauen. Diese Variabilität passte nicht in die klassischen Täterprofile der damaligen Zeit. Die Ermittler suchten nach Mustern, nach einer Signatur, nach einer Logik.
Doch Kreuz einziges Kriterium war die Gelegenheit. Er tötete, wen er gerade allein und verwundbar antraf. Auch die Tatorte variierten stark. Mal waren es abgelegene Feldwege, mal Stadtwälder, mal Uferbereiche. Es gab keine geographische Konzentration. Kroll bewegte sich durch das gesamte Ruhegebiet und darüber hinaus. Diese Unberechenbarkeit machte ihn für die Polizei besonders schwer fassbar.
Moderne Ermittlungsmethoden wie Geographic Profiling, das Täter anhand ihrer Tatortuswahl lokalisiert, wären bei Kroll vermutlich weniger erfolgreich gewesen. Hinzukam Kolls unscheinbares Auftreten. [räuspern] Er war nicht der klassische Verdächtige. Er fiel niemandem auf. Seine Kollegen beschrieben ihn als komisch, aber harmlos.
Seine Nachbarn kannten ihn als den freundlichen Mann, der Kindern Süßigkeiten schenkte. Diese Tarnung war anscheinend nicht einmal bewusst kalkuliert. Kroll war einfach so unauffällig, dass er automatisch unter dem Radar blieb. Er war sozusagen der perfekte Täter, nicht weil er besonders schlau war, sondern weil er so gewöhnlich wirkte, dass ihn niemand besonders ernst nahm oder ihm besonders viel zutraute.
Am 22. August 1965 brach Joachim Kroll mit seiner typischen Opferpräferenz. An diesem Tag beobachtete er in Duisburg großen Baum ein Mann und eine Frau in einem VW Käfer. Die beiden hatten ein Rendezvu. Kroll, der selbst nie eine Beziehung hatte, empfand wahrscheinlich Neid und Wut.
Er zerstarch einen Reifen des Autos. Als der 25-jährige Hermann Schmitz ausstieg, um nachzusehen, was los war, griff Kroll ihn mit einem Messer an. Schmitz versuchte sich zu wehren, doch Kroll stag immer wieder zu. Schmidz Freundin Rita Wen flüchtete im Auto und alarmierte die Polizei. Doch als die Beamten dann eintrafen, war Koll längst verschwunden.
Hermann Schmidz starb an seinen Verletzung. Schmitz war Kreuz einziges männliches Opfer und der Mord war nicht sexuell motiviert. Aus Kreuzsicht war es wahrscheinlich eine pragmatische Tötung, um keine Zeugen zu hinterlassen. Auch nach diesem Mord kam ihm die Polizei nicht auf die Spur. Am 13.
September 1966 wirkte Kroll die 20-jährige Orse Larolink im Försterbusch bei Mal. Ihr Freund wurde als Hauptverdächtiger festgenommen. Unter dem psychischen Druck der Beschuldigung beging auch er, Suizid. Die Zahl der Justizopfer stieg. 3 Monate später, am 22. Dezember 1966 entführte Kroll die fünfjährige Ilona Hark aus Wuppertal Barmen.
Er missbrauchte sie und erträngte sie anschließend in einem Bach. Später sagte er nur, ich wollte mal sehen, wie jemand ertrinkt. Die Aussage zeigt, dass Kroll seine Opfer vollständig entmenschlicht hatte. Menschen waren für ihn keine Individuen. Sie waren Objekte, mit denen er experimentieren konnte.
Er empfand keine Schuld, keine Reue, nichts. Am 21. Juni 1967 versuchte Kroll die zehnjährige Gabriele Püttmann am Schlötterbach in Botrop Kirchellen zu erwürgen. Kroll glaubte, das Mädchen sei tot und floh, doch Gabriele überlebte und sie konnte sogar den Täter beschreiben. Aber auch dieses Mal kam niemand auf Joachim Kroll.
Am 12. Juli 1969 wollte Kroll eigentlich eine junge Frau am Essener Balden die Seee überfallen. Sie arbeitete dort in einer Trinkhalle. Stattdessen traf er auf die 60-jährige Betreiberin der Trinkhalle auf Maria Hetken. Er erwirkte sie, missbrauchte ihre Leiche und senkte ihre Schamhaare an. Das Alter seiner Opfer spielte für Kroll anscheinend wirklich keine Rolle, ob vier oder 60 Jahre.

Entscheidend war nur die Verfügbarkeit. Er tötete, wen er gerade fand. Am 21. Mai 1970 tötete Kroll die 13-jährige Jutan in Breitscheid bei Ratingen. Er erwirkte sie mit ihrem eigenen BH. Nach diesem Mord legte Joachim Kroll eine lange Pause ein. Über sechs Jahre lang tötete nicht mehr. Der Grund für die Pause war aber nicht etwa eine Wesensänderung bei Koll, sondern seine Gesundheit.
1973 entzündete sich eine Wene in seinem linken Bein. Er musste operiert werden und konnte danach kaum laufen. Das körperliche Handicap machte es ihm unmöglich, Frauen nachzustellen und sie zu überwältigen. Stattdessen begann Kroll aufblasbare Sexpuppen zu sammeln. Auch diese wirkte er, während er masturbierte. Die Puppen [räuspern] waren ein Ersatz.
Sie waren wehrlos, stumm und immer verfügbar. Doch die Puppen reichten nicht aus. Kroll suchte weiterhin nach echten Opfern. Auf Spielplätzen belästigte er kleine Mädchen, jedoch ohne sie zu entführen oder zu töten. Aber es war nur eine Frage der Zeit. Die Frustration staute sich immer stärker in ihm auf. 1976 hatte sich sein Bein so weit wieder erholt, dass er erneut mobiler wurde und das Kribbeln kehrte zurück.
Doch sein nächster grausamer Mord sollte ihm zum Verhängnis werden. Am 3. Juli 1966 spielte die Vierjährige Marion Ketter auf einem Spielplatz in der Friesenstraße 24 in Duisburg Lar. Der Spielplatz lag im Innenhof des Meerfilienhauses direkt vor Joachim Krolls Wohnung. Groll beobachtete Marion durch das Fenster.
Er kannte das Kind und die Kinder aus der Gegend kannten ihn. Sie nannten ihn Onkel Joachim, weil er ihn so oft Süßigkeiten und Spielzeug schenkte. Niemand ahnte, was hinter der freundlichen Fassade lauerte. An diesem Tag konnte Kroll seinem Drang nicht länger widerstehen. Er ging nach unten, lockte Marion in seine Wohnung und erwirkte sie.
Was dann folgte, überstieg alles bisherige. Kreuz zerstückelte Marions Körper. Er legte Teile in die Gefriertruhe, andere in den Kühlschrank. Und dann stellte er einen Topf mit Salzwasser auf den Herd. Dort warf er Karotten und Kartoffeln rein. Dazu die Hände, die Füße und ein Unterarm des Mädchens. Die Gedärme spülte er im Klo herunter, doch die Toilette verstopfte.
Ein Zufall, der Kreuzniedergang einläutete. Marions Mutter meldete ihre Tochter noch am selben Tag als vermisst. Die Polizei suchte im ganzen Viertel. Gleichzeitig beschwerte sich ein Ehepaar über die verstopfte Gemeinschaftstoilette in der Friesenstraße 11. [räuspern] Groll behauptete, es sein Kanincheninne rein, die er im Klo entsorgt habe.
Er versprach sich darum zu kümmern und sie in den Müll zu werfen, aber die Nachbarn trauten ihm nicht und riefen die Polizei. Die Beamten stürmten Kreuzwohnung und was sie fanden, überstieg alles, was sie je gesehen hatten. Der Topf auf dem Herd, die Körperteile im Kühlschrank, die Plastiktüten mit Fleisch in der Gefriertruhe.
Die Ermittler nahmen Kroll fest, doch er schwieg. Vier Tage lang weigerte er sich auch nur ein Wort zu sagen. Der 27-jährige Kriminalobermeister Bernt Jägers übernahm schließlich die Vernehmung und erwählte eine ungewöhnliche Strategie. Statt Druck auszuüben, bot er Kroll das Du an. Jägers sprach mit Kroll über dessen Hobbys, über Mopeds und den MSV Duisburg.
Er zeigte Interesse an Kreuzs Fähigkeiten Elektrogeräte zu reparieren. Er baute Vertrauen auf. Nach vier Tagen begann Kroll zu reden. Was folgte, war eines der umfassendsten Geständnisse in der deutschen Kriminalgeschichte. Kroll gestand zwischen 10 und 30 Morde. Die genaue Zahl konnte selbst er nicht mehr nennen. Die Ermittler fuhren mit Kroll zu den Tatorten.
Anscheinend hatte er ein nahezu fotographisches Gedächtnis für die Orte seiner Verbrechen. An jedem Tatort konnte er Details nennen, die nur der Täter kennen konnte. Am 9. Juli 1966, nach 6 Tagen in Gewahrsam brach Kroll emotional zusammen. Er weinte über eine Stunde lang und dann sagte er, dass es alles nur passiert, weil ich immer alleine war.
Er schob die Schuld auf die Frauen, die ihn abgelehnt hatten, auf die Gesellschaft, die ihn verspottet hatte, auf alle anderen, nur nicht auf sich selbst. Psychologisch spricht man von einer kognitiven Verzerrung, die typisch für Straftäter ist. Nach seiner Festnahme wurde Kre psychiatrisch begutachtet und die Gutachter diagnostizierten eine psychopathische Persönlichkeitsstörung mit sexuellem Sadismus.
Doch sie kam zu dem Schluss, dass er schuldfähig war. Die Psychologin Lydia Benneker analysierte den Fall später. Sie beschreibt Groll als einen gefährlichen sexuellen Sadisten mit schweren Bindungsdefiziten, fehlender Empathie und einer fließenden Grenze zwischen Fantasie und Realität. Kreuzannibalismus unterschied sich dabei von anderen Fällen.
Als er gefragt wurde, warum er Menschenfleisch aß, antwortete er: “Um Geld für Lebensmittel zu sparen, weil Fleisch so teuer war.” Diese pragmatische Erklärung wirkt bizarr, doch psychologisch könnte es hier einen Anknüpfungspunkt geben. Eine Studie von Abby Marono und David Keatley aus dem Jahr 2023 zeigt, dass kannibalistische Serienmörder oft Gehirnabnormalitäten, niedrigen sozioökonomischen Status und Einsamkeit in der Kindheit aufweisen.
Alles trifft auf Kroll zu. Eine andere Theorie besagt, daß Groll durch das Essen seiner Opfer versuchte, eine Art Verbindung zu ihn herzustellen. Eine pervertierte Form der Nähe, die er im Leben, im wahren Leben nie erfahren hatte. Es gibt noch einen weiteren beunruhigenden Aspekt von Krolls Kannibalismus, die völlige Normalisierung des Grauens.
Für Kroll war das Zerstückeln und Zubereiten von Menschenfleisch wahrscheinlich vergleichbar mit jeder anderen Alltagshandlung, banal wie waschen oder Staubsaugen. Als die Polizei festnahm, fanden sie in seiner Wohnung nicht nur die Überreste von Marion Ketter, sie fanden auch ordentlich beschriftete Gefrierbeutel mit Fleischstücken, sortiert wie in einer Speisekammer.
Kroll hatte ein System entwickelt, wie er seine Opfer verwertete. Die Ermittler beschrieben später das verstörende Gefühl, dass sie beim Durchsuchen seiner Wohnung hatten. Alles war sauber und aufgeräumt. Die Wohnung wirkte gewöhnlich, bis auf die grauenhaften Inhalte im Kühlschrank. Diese Diskrepanz zwischen der Normalität seiner Lebensführung und der Abscheulichkeit seiner Taten ist typisch für bestimmte Serienmörder.
Sie leben ein Doppelleben, ohne dabei innere Zerrissenheit zu empfinden. Für Kroll war beides Teil seiner Realität. Psychologisch betrachtet zeigt Kreuzverhalten eine extreme Form der Dissoziation. Er konnte morgens zur Arbeit gehen, freundlich grüßen, seine Pflichten erfüllen und abends zu Hause Leichenteile zubereiten, ohne dass ich diese Welten in seinem Kopf widersprachen.
Der Psychiater Werner Hübner, der Kreu während der Untersuchungshaft begleitete, beschrieb ihn als emotional flach und gefühlskalt. Selbst bei der Vernehmung über seine grausamsten Taten zeigte Kroll keine Regung. Er berichtete von den Morden so sachlich, als würde er eine Einkaufsliste vorlesen. Joachim Kroll blieb über 21 Jahre unentdeckt.
Wie konnte das passieren? Die Antwort offenbart ein systemisches Versagen der deutschen Polizeiarbeit der 1970er Jahre. Das Hauptproblem war die fehlende Koordination zwischen den Behörden. Kreuzmorde ereigneten sich in verschiedenen Städten des Ruhrgebiets, also in Duisburg, Essen, Dienstlagen, Botrop, Marl. Jede Polizeidienstelle ermittelte isoliert.
Es gab keine zentrale Datenbank für Serienmorde, kein Fall Managementsystem. Niemand erkannte, dass die Morde miteinander verbunden waren, obwohl die Ähnlichkeiten auf der Hand lagen. Zudem gingen die Ermittler von falschen Annahmen aus. Sie suchten nach einem hochintelligenten, organisierten Täter. Die Idee, dass ein Mann mit einem IQ von 76 über zwei Jahrzehnte der Polizei entkommen könnte, schien absurd.
Kreuz niedrige Intelligenz wurde zu seinem Vorteil. Sein opportunistisches, unorganisiertes Vorgehen pa kein bekanntes Täterprofil. Es gab keine erkennbare Signatur, keine Logik und kein System. Hinzukam, dass die forensischen Möglichkeiten der damaligen Zeit begrenzt waren. Ohne DNA-Ayse konnten Spermaproben zwar dokumentiert, aber eben nicht zugeordnet werden.
Die charakteristischen Versümmlungsmuster wurden nicht systematisch verglichen. [räuspern] Bitter waren auch die tragischen Justiztümer. Mindestens sechs unschuldige Männer wurden fälschlicherweise verdächtigt. Zwei bis drei von ihnen begingen Suizid. Die Öffentlichkeit wollte einen Täter, also präsentierte die Polizei einen.
Am 4. Oktober 1979 begann der Prozess gegen Joachim Kroll vor dem Landgericht Duisburg. Es wurde einer der längsten Strafprozesse der deutschen Nachkriegsgeschichte. 151 Verhandlungstage. Die Anklage umfasste acht Morde und einen versuchten Mord. Weitere fünf oder sechs Morde, zu den Kroll gestanden hatte, wurden nicht angeklagt.
Entweder weil die Leichen nie gefunden wurden oder die Beweislage zu dünn war. In anderen Fällen war die Beweislage erdrückend. Marions Hände im Kochtopf, die Körperteile im Kühlschrank, die Eingeweide im Abflussrohr. Dazu Kreuz detailliertes Geständnis mit Informationen, die nur der Täter haben konnte. Die zentrale Frage lautete: War Joachim Kroll schuldfähig? Die Gutachter waren sich uneinig.
Ein Gutachter bezeichnete ihnen als vollzurechnungsfähig. Ein anderer sprach von einem schweren Defekt des Persönlichkeitsgefüges. Einigkeit bestand darin, dass Kroll wusste, dass er Unrecht tat. Er hatte seine Taten systematisch verheimlicht, Spuren beseitigt und gelogen. Das sprach für seine Schuldfähigkeit. Der vorsitzende Richter Georg Schimmern urteilte, Kroll sei in überlegter Manier wie ein geschickter Jäger vorgegangen.
Trotz seelischer Abartigkeit sei er kein willenloser Sklave seines Triebs gewesen. Am 8. April 1982 fiel das Urteil. Joachim Kreul wurde zu neun mal lebenslanger Gefängnisstrafe verurteilt. Der Richter fügte hinzu: “Dieser Mann darf nie wieder in Freiheit gelangen.” Joachim Kroll verbüste seine Strafe in der Justizvollzugsanstalt Rheinbach bei Bonn.
Er lebte in einer 8 Quadr großen Einzelzelle und arbeitete in der Gefängniswäscherei. Er hatte kaum Kontakt zu Mithäftlingen und er bekam nie Besuch. Die Außenwelt hatte ihn vergessen oder wollte ihn vergessen. Am 1. Juli 1991 starb Joachim Kroll im Alter von 58 Jahren an einem Herzinfarkt. Der Fall Joachim Kroll führte zu tiefgreifenden Veränderung in der deutschen Polizeiarbeit.
Die fehlende Koordination zwischen den Strafverfolgungsbehörden wurde als Hauptproblem erkannt. Es wurden zentrale Datenbanken für Serienmorde eingerichtet, computergestützte Fallmanagementsysteme entwickelt und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Polizeidienststellen verbessert. Der Fall sensibilisierte auch für das Täterprofil von sexuell motivierten Serienmördern mit kognitiver Einschränkung.
Die Annahme, dass nur hoch intelligente Täter über Jahre unentdeckt bleiben können, wurde widerlegt. Rückblickend ist zu vermuten, Kreuzentwicklung zum Mörder hätte mit heutigen therapeutischen oder pädagogischen Mitteln möglicherweise verhindert werden können. Darüber hinaus erinnert uns der Fall Kroll daran, wie wichtig funktionierende Ermittlungsarbeit, Opferschutz und Prävention sind.
Die Justizirrtümer, die unschuldigen Männern das Leben kosteten, mahnen zur Vorsicht. Und Kreuzentwicklung zeigt, wie aus einem misshandelten, verspotteten Kind ein Monster werden kann, wenn niemand eingreift, wenn niemand hilft, wenn niemand hinsieht. Vielen Dank, dass ihr auch heute wieder bei Serienkiller Mörder und ihre Geschichten dabei wart.
Dieser Fall war einer der dunkelsten in der deutschen Kriminalgeschichte. Das nächste Mal erwartet euch die Geschichte eines der tödlichsten Serienmörder Südamerikas, Pedro Alonso Lopez, auch bekannt als das Monster der Anten. Nach einer von extremer Gewalt und Missbrauch geprägten Kindheit in Kolumbien beginnt der junge Mann in den 1970er Jahren durch Ecuador, Peru und Kolumbien zu ziehen.
Auf seiner Spur bleiben die Leichen junger Mädchen zurück. Lopez gesteht später über 300 Morde. Doch nach seiner Verurteilung und Entlassung verschwindet er plötzlich spurlos und bis heute weiß niemand, wo er sich aufhält. Ist einer der schlimmsten Serienmörder der Geschichte vielleicht immer noch auf freiem Fuß? Den Podcast Serienkiller Mörder und ihre Geschichten gibt’s jeden Donnerstag neu und ihr könnt ihn auf allen Plattformen kostenlos hören und abonnieren.
Wenn euch der Podcast gefällt, lasst uns gerne eine Bewertung da. Euer Feedback bedeutet uns viel und hilft auch anderen uns zu entdecken. Mein Name ist Mark Spall. Bis zum nächsten Mal hier bei Serienkiller und ich bin Diane Helscher. Bis zur nächsten Folge von Serienkiller Mörder und ihre Geschichten.
Dieser Podcast ist werbefinanziert und kann deswegen kostenlos auf allen Plattformen angeboten werden. Wenn ihr in diesem Podcast Werbung schalten wollt, schreibt uns gerne an [email protected]. Serienkiller Mörder und ihre Geschichten ist ein Podcast von Bose Park Productions basierend auf einem Spotify Original.
Diese Folge wurde geschrieben von Klaus Schwartau, deutsche Produktion und Redaktion, Mickey Sitch, Fabio Lautenschläger, Alexander von Bagen, Sebastian Schäfer, Theresa Eichhorn, Suholder und Chris Guse. Achtung, in diesem Podcast werden Themen wie Mord, Folter, Sexualverbrechen und extreme Gewalt auch gegenüber Minderjährigen behandelt.
Der Inhalt kann deswegen vor allem auf Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen retraumatisierend wirken. Es war ein ruhiger Abend im Juli 1987. Rebecca Spencer war beim Fernsehen eingeschlafen. Sie hatte einen langen Tag gehabt. Die 27-jährige Mutter von zwei Kindern packte gerade ihren ganzen Haushalt zusammen. Sie wollten umziehen.
Es war dunkel im Zimmer. Nur der Schein der Fernsehbilder flackerte über Rebecas schlafenden Körper und plötzlich war sie nicht mehr allein. Eine große dunkle Gestalt hatte den Raum betreten. Craig Price war erst 13, aber schon größer als viele erwachsene Männer und sehr viel gefährlicher. Das schwache Licht vom Fernseher ließ die Messerklinge aufblitzen.
Drake ging auf Rebecca zu, ganz leise. Er wollte sie nicht wecken. Und dann holte er aus und stach zu. Hi, ich bin Diane Helscher. Und ich bin Mark Augustat. In jeder Folge dieses Podcasts beschäftigen wir uns mit einem berühmten Serienkiller, mit seinem Leben, seiner Psyche und seinen Taten. Serienkiller, Mörder und ihre Geschichten.
Ein Spotify Original von Podcast. In dieser Einzelfolge sprechen wir über die grausamen Morde von Craig Price, einem der jüngsten Serienkiller in der Geschichte der USA. Wir werden uns anschauen, was den scheinbar schüchternen und sanftmütigen Jungen dazu brachte, mit nur 13 Jahren seinen ersten Mord zu begehen. Danach befassen wir uns mit seiner Mordserie und den Ermittlungen der Polizei, die alles dran setzte, Craig Price alias The Warwick Slasher aufzuhalten.
Seit seiner Kindheit war Craig Price daran gewöhnt, dass die Leute ihn anstarten. 1978, als Craig 5 war, zog seine Familie nach Warwick, Rhode Island, wo schwarze Menschen weniger als 1% der Bevölkerung ausmachten. Craig fiel aber weniger wegen seiner Hautfarbe auf, sondern weil er überdurchschnittlich groß war.
Das machte Craig aber nichts aus. Er mochte es so groß zu sein und war ein talentierter Footballspieler. Er war so stark, dass seine Teamkollegen ihn Iron Man nannten. Trotz seiner einschüchternden Statur war Craig ein sanftmütiger und beliebter Junge. Er hatte viele Freundinnen und Freunde und war ein ziemlicher Spaßvogel.
Er liebte es, seine Familie mit Gags und Sprüchen zum Lachen zu bringen. Er hatte aber auch eine dunkle Seite. Craig war noch keine 13, als er ein neues Hobby fand. Von Kopf bis Fuß in schwarz gekleidet, schlich er nachts durchs Viertel und brach in Häuser ein. Mal war er allein, mal war er mit Freunden unterwegs.
Die nächtlichen Beutezüge blieben aber nicht lange unbemerkt. 1986 wurde der zwölfjährige Craig wegen Einbruchs verhaftet. Er kam vors Jugendgericht, das eine sechs monatige Familienberatung anordnete. Aber die Sitzungen halfen nicht, Craigs kriminelle Energie zu bändigen. Als das halbe Jahr vorbei war, machte er einfach weiter.
Außerdem fing er an zu rauchen und Drogen zu nehmen. Die negativen Einflüsse in Craigs Leben nahmen zu. Seine schulischen Leistungen litten aber nicht darunter. Er war sogar überdurchschnittlich gut, nur dass er nichts daraus machte. Denn anstatt sich weiter ins Zeug zu legen, fing er an die Schule zu schwänzen. Wenn Craig erwischt wurde, schien es ihm nie besonders unangenehm zu sein.
Er änderte auch nichts an seinem Verhalten, egal wie oft man ihm sagte, dass es irgendwann Konsequenzen haben würde. Es ist möglich, dass Craig an einer angeborenen Verhaltensstörung l. Es kann auch sein, dass ein rebellisches Verhalten eine Wutreaktion auf alle oder bestimmte Dinge war, über die er keine Kontrolle hatte.
Aber was auch immer der Grund für das Schulschwänzen war, es sollte sich schon bald rächen. 1986 hatte er so viele Tage gefehlt, dass er die siebte Klasse noch einmal machen musste. Sitzen zu bleiben war aber lange nicht das einzige traumatische Erlebnis in Craigs Leben. Er wurde auch mehrfach Opfer von rassistisch motivierter Gewalt.
Als er 13 war, forderte er eines der Nachbarskinder zu einem Fahrradrennen heraus. Die beiden Jungen standen an der Startlinie, umringt von Nachbarinnen und Nachbarn, die sie anfeuerten. Craig machte sich bereit. Er stellte den Fuß aufs Pedal und kniff die Augen zusammen. In wenigen Sekunden würde er mit aller Kraft davon schießen.
Da hörte er, wie ihn jemand aus der Menge rassistisch beleidigte. Es war nicht das erste Mal, dass er Rassismus erlebte, aber so direkt und vulgär noch nie gewesen. Er hatte sofort einen Klos im Hals und fühlte eine kalte Angst in sich aufsteigen. Er war sich nicht sicher, was passieren würde, wenn er antwortete.
Also ignorierte er die Beleidigung. Craig versuchte sich auf das Rennen zu konzentrieren. Er war sich sicher, dass das alte Huffi Bike seines Gegners keine Chance gegen sein brandneues Road Runner haben würde, aber der Junge, der ihn beleidigt hatte, war noch nicht fertig. Während Craig auf das Startsignal wartete, warf ihm jemand mit voller Wucht einen Golfball gegens Bein.
Dieses Mal drehte sich Craig um. Er wollte sehen, wer der Typ war. Der Junge war schon älter. ein [räuspern] Jugendlicher, 18 oder 19 vielleicht. Er war mit zwei Freunden da. Sie grinzten und ihr Anführer legte nach. Er fragte, ob Craig sein schönes neues Rad irgendwo geklaut habe. Craig war zwar groß für sein Alter, aber die älteren Jungen, praktisch Erwachsene in seinen Augen, jagten ihm furchtbare Angst ein.
In diesem Moment hatte er nur einen Wunsch, dass die Erde sich auftun und diese verdammten Bullliis verschlingen würde. Aber Craigs Wunsch blieb ungehört. Stattdessen flog noch ein Golfball in seine Richtung, gefolgt von weiteren Beleidigungen. Glücklicherweise schienen sich die Jugendlichen nicht für das Rennen zu interessieren.
Wütend und angespannt sah Craig, wie sie in einen alten Mustang stiegen und den Motor aufheollen ließen. Zwei Sekunden später waren sie weg. Craig war erleichtert, als sie wegfuhren. Jetzt konnte das Rennen endlich starten. Die Jungen traten in die Pedalen und im ersten Moment fühlte Crack nichts als pure Euphorie. Doch dann hörte er ein Auto hinter sich.
Es war der Mustang. Die Jugendlichen waren zurück. Sie lehnten sich aus den Fenstern und riefen Craig noch mehr hasserfüllte Beleidigungen zu und sie schienen ihn überfahren zu wollen. Craig fuhr jetzt kein Rennen mehr gegen einen Freund. Er fuhr um sein Leben. Der Mustang war jetzt direkt neben ihm und er kam immer näher.
Craig hatte keine andere Wahl. Er fuhr auf den Bürgersteig, sprang vom Rad und rannte. In ihrem Auto konnten ihm die Jugendlichen nicht folgen und als Greg das Gefühl hatte, dass die Luft rein war, kam er vorsichtig aus seinem Versteck. Der Mustang war weg, aber die Jugendlichen hatten seinen Rad kaputt gemacht.
Der Kettenschutz war verdreht und der Sattel und der Lenker waren gebrochen. Craig war am Boden zerstört und er kochte vor Wut. Als einer der wenigen Schwarzen in seiner Stadt hat Craig diese Art von rassistischer Gewalt wahrscheinlich viele Male erlebt und es scheint schlimme Auswirkungen auf seine Psyche gehabt zu haben. Der Psychologe Allan B.
Feinstein untersuchte Crack später. In seinem Gutachten hieß es: “Jahrlange Erfahrungen mit offenen und verdeckten Formen von Rassismus scheinen einen erheblichen Einfluss auf Craigs psychische Leistungsfähigkeit und letztlich auch auf seine aggressiven Handlungen gehabt zu haben. Nach dem Vorfall mit dem Fahrrad schluckte er seine Wut aber erstmal wieder runter.
Er ging nach Hause und suchte Trost bei seinen Eltern.” Doch anstatt ihn zu beruhigen, schlug sein Vater ihn, weil er rennen gefahren war. Er schimpfte und schimpfte, ohne sich anzuhören, was Craig zu dem Vorfall zu sagen hatte. Craig wusste nicht, was sein Vater von ihm erwartete und wie er sich verhalten sollte. Er saß also einfach nur da und weinte.
Indem seine Eltern sich weigerten ihm zuzuhören, nahmen sie Craig die Möglichkeit, seine Emotionen rauszulassen und den Vorfall zu verarbeiten. Die einzige Alternative war, die Sache zu vergessen und die Wut und den Hass zu unterdrücken. Craig versuchte auf andere Gedanken zu kommen.
Er ging viel raus und unternahm jeden Tag etwas mit seinen Freundinnen und Freunden. Aber wie das Fahrradrennen gezeigt hatte, gab es keine Möglichkeit, dem Alltagsrassismus in der Stadt zu entkommen. Eines Tages im Juli 1987 spielte Craig Football mit den Kindern aus der Nachbarschaft. Während des Spiels hörte Craig, wie ihn wieder jemand rassistisch beleidigte.
Dieses Mal war es ein Mann in einem weißen Auto, der vor dem Haus einer Nachbarin parkte. Craig antwortete nicht, aber innerlich verzerrte ihn die Wut. Später sagte Craig, dass er immer so reagiert habe, jahrelang. Er ließ sich nichts anmerken und hielt seine Emotionen zurück. Es war eine Bewältigungsstrategie, aber keine gute.
Im Juli 1987 war der 13-jährige Craig Price am Ende seiner Kräfte. Trotz seiner einschüchternden 120 Kilo Statur war er nicht immun gegen den Rassismus in seiner Stadt. Als einer der wenigen schwarzen Jungen in einer überwiegend weißen Gegend hatte er das Gefühl, permanent mit einer Zielscheibe auf dem Rücken herumzulaufen.
Und jedes Mal, wenn Craig etwas passierte, unterdrückte er seine Wut und seinen Frust. Er hatte keine Anlaufstelle und kein konstruktives Ventil für seine negativen Gefühle. Also brodelten sie unter der Oberfläche weiter. Er war eine tickende Zeitbombe. Craig versuchte sich auf seine Freundinnen und Freunde und aufs Football spielen zu konzentrieren, auf Dinge, die ihm Spaß machten.
Aber irgendwann gewann sein Zorn, die Oberhand. Als am 27. Juli 1987 die Sonne unterging, nutzten die Jugendlichen im Viertel den warmen Sommerabend für ein Spiel, das sie Manhunt nannten. Es war eine Mischung aus Versteckspiel und Fangen. Das Spielfeld erstreckte sich über die ganze Iness Avenue, inklusive Hinterhöfe, Einfahrten, Hecken und so weiter. Alles durfte benutzt werden.
Craig hatte gerade mit ein paar Freunden einen Joint geraucht und wollte mitmachen. Während er sich versteckte, fiel ihm ein Auto auf, das langsam die Straße hinunterfuhr. Es war dasselbe, das in der Woche zuvor vor dem Haus seiner Nachbarin gestanden hatte. Am Steuer saß der Mann, der ihn rassistisch beleidigt hatte.
Als der Mann Craig sah, kurbelte er die Scheibe runter, hubte und fing wieder an ihn zu beschimpfen. Er scherte sogar aus und fuhr auf Craig zu. Craig war wütend, aber er tat nichts. Er stand nur da und ließ es geschehen, obwohl der Mann praktisch versucht hatte, ihn zu überfahren. Er schämte sich.
Warum [schnauben] hatte er sich nicht gewährt? Als sie fertig waren mit Spielen, blieben Craig und seine Freunde noch ein bisschen draußen. Aber Craig war seltsam still. Seine Freunde hatten keine Ahnung, was in ihm vorging. Er hatte endgültig genug und war fest entschlossen, jemanden für seine Erniedrigung büßen zu lassen. Als alle nach Hause gegangen waren, saß Craig allein in seinem Zimmer.
Er versuchte sich zu beruhigen, aber es ging nicht. 19 Minuten verstrechen, ergab sich der Junge langsam den Dämonen in ihm. Er wollte kein Opfer mehr sein, nie wieder. Craig stand auf und holte einen Black Magic Baseballs Schläger aus Aluminium aus seinem Schrank. Er wollte seine Wut an dem weißen Auto auslassen.
Komplett in schwarz gekleidet, schließ sich der Siebklässler zu dem Haus, vor dem Auto geparkt hatte, aber es war nicht mehr da. Das war zwar ärgerlich, aber Craig war entschlossen, sich zu rächen. Wenn das Auto nicht da war, würde er sich eben das Haus des rassistischen Nachbarn vornehmen. Er ließ den Baseballschläger liegen und versteckte sich im Hintergarten, von woaus er das dunkle Haus beobachten konnte.
Als er ein flackerndes Licht in einem der Fenster sah, ging er näher ran, um zu schauen, ob jemand da war. Das Licht kam aus dem Wohnzimmer. Der Fernseher war an und überall standen Umzugskartons. Das war aber nicht das einzige, was Craig sah. Seine Nachbarin Rebecca Spencer schlief auf dem Wohnzimmerboden. Rebecca war 27 und geschieden.
Sie war zweifache Mutter und hatte vor kurzem ihren Hochschultest nachgeholt, um endlich bessere Arbeit zu finden als ihren$ pro Stunde Job. Danach hatten sie und ihr Bruder beschlossen, zusammen mit den Kindern aus dem Haus auszuziehen, dass sie das letzte Jahr übergemietet hatten. Die meisten ihrer Sachen waren schon in Kartons und auch die Möbel waren schon weg.
Rebecca hatte also kein Bett mehr und schlief im Wohnzimmer auf dem Boden. Ihr Bruder hatte Nachtschicht und die Kinder waren bei ihrem Vater. Sie war ganz allein. Aber Craig wusste von all dem nichts. Er nahm einfach an, dass Rebecca irgendwie mit dem Rassisten im weißen Auto verwandt war. Er schaute weiter durchs Fenster und versuchte sich einen besseren Überblick zu verschaffen.
Plötzlich shepperte es neben ihm. Craig fuhr vor Schreck zusammen. Es war Rebeccas Katze, die irgendetwas umgestoßen hatte. Als Craig sich wieder gefangen hatte, sah er, dass die Katze durch eine halboffene Schiebetür ins Haus ging. Er schaute noch einmal, ob Rebecca noch schlief. Dann folgte er dem Tier. Von der Küche aus konnte er direkt ins Wohnzimmer auf die schlafende Rebecca schauen. Nichts rührte sich.
Sie schien allein in dem kleinen Haus zu sein. Craig war extrem angespannt. Er musste sich noch einmal genau bewusst machen, was er hier eigentlich wollte. Seine Gedanken überschlugen sich. Er wollte das Haus verwüsten und es vielleicht aber nur vielleicht auch in Brand stecken. Aber er fand kein Feuerzeug oder Streichhölzer in der Küche, also verwarf er den Gedanken wieder.
Und je länger er darüber nachdachte, desto mehr kam ihm bloßer Vandalismus als zu wenig vor. Er wollte jemandem weh tun, aber Craig hatte seinen Baseballschläger vor dem Haus liegen lassen. Er brauchte also eine neue Waffe. Er nahm sich eine Bratpfanne und holte Probe halber zum Schlag aus, aber sie war zu schwer. Er entschied sich stattdessen für ein Küchenmesser.
Als er das knapp 30 cm lange Messer in der Hand hielt, wusste Craig, dass sein Racheplan mit jeder Sekunde realer wurde. Er schlich sich ins Wohnzimmer. Einen Augenblick später stand er über der schlafenden Rebecca. Craig musste an den Mann im weißen Auto denken und an das, was er gesagt hatte.
Und plötzlich kamen all der Hass und die Wut hoch, die er die ganze Zeit über unterdrückt, weggeschoben und klein geredet hatte. Danach ging alles sehr schnell. Als Rebecca sich im Schlaf bewegte, holte Craig aus und stach blindwütig auf sie ein. 58 mal. Danach floh er mit dem Messer in der Hand in den Garten. Er warf die Mordwaffe ins Gras, kletterte über einen Zaun und rannte hinter den Häusern entlang, bis er seinen eigenen Hintergarten erreichte.
Er war kaum durch die Tür, als ihm schlagartig klar wurde, dass er die Pfanne vergessen hatte. Sie war voller Fingerabdrücke. Craig machte kehrt und lief zurück zu Rebecas Haus. Er schlüpfte durch die Tür, holte die Pfanne und rannte zurück in den Garten. Er wußte nicht recht, was er mit der Pfanne machen sollte, also warf er sie einfach in die Büsche.
Als er zurück in seinem Zimmer war, zog Craig die blutige Kleidung aus. Seine Eltern durften sie nicht finden. Er stopfte sie also in eine Plastiktüte und versteckte sie auf dem Dachboden. Danach ging er ins Badezimmer, um sich zu waschen. Er versuchte keinen Lärm zu machen. Als er fertig war, rauchte er noch etwas Marihuana und legte sich schlafen.
Er nahm seine Katze mit ins Bett und legte sie sich auf die Brust. Ihr Schnurren beruhigte ihn etwas. Als Rebecas Bruder Carl am nächsten Morgen von der Nachtschicht kam, fand er seine tote Schwester blut überströmt im Wohnzimmer. Es dauerte nicht lange, bis die ganze Stadt über den brutalen Mord Bescheid wusste. Die Polizei sicherte den Tatort, aber konnte nichts finden.
Craig hatte keine physischen Spuren hinterlassen. Sie hatten kaum Anhaltspunkte, sodass die Fahndung nach dem sogenannten Warwick Slasher schnell ins Stocken geriet. Craig schwenzte weiter die Schule und verbrachte seine Tage mit Kiffen und Alkoholtrinken. Wenn es dunkel wurde, zog er sich um und ging stehlen. So ging es auch das nächste Jahr weiter, bis er im Sommer 1988 beim Aussperren von Häusern erwischt wurde.
Dieses Mal wurde Craig vom Jugendgericht zu einer Haftstrafe verurteilt, die jedoch zur Bewährung ausgesetzt wurde. In seinem Bewährungsbericht stand, dass er sich seit seiner letzten Verhaftung gebessert habe. Die Gefahr für die Öffentlichkeit wurde daher als gering eingeschätzt, sodass der 15-jährige Killer schnell wieder freikam.
Und schon kurze Zeit später beging er seine nächsten Morde. Im August 1989 lief er einer Frau namens John Heaton über den Weg. Sie machte einen Fahrradturm Töchtern, der zehnjährigen Jennifer und der achtjährigen Melissa. Als Craig an ihnen vorbeiging, sah er, dass ich die Kette an einem der Fahrräder der Mädchen vom Zahnkranz gelöst hatte.
Er blieb stehen, lächelte und bot an, das Problem zu beheben. Heaton erlaubte es ihm, aber Craig hatte sofort das Gefühl, dass die Frau ein Problem mit ihm hatte, denn sie schaute nicht nur zu, wie er das Rad reparierte, sie starrte ihn an die ganze Zeit über. Craig fragte sich, ob Joe ihn genauso misstrauisch beobachten würde, wenn er ein weißer Teenager wäre.
Und als er fertig war, kicherten die beiden Mädchen miteinander, was Craig noch wütender machte. Er war sicher, dass sie ihn aus demselben Grund auslachten, aus dem ihre Mutter ihn wie ein Falke beeugte. Seine Hautfarbe. Es ist möglich, dass die Feindseligkeit, die Craig bei Jon spürte, er auf ein Missverständnis zurückging und nichts mit Rassismus zu tun hatte.
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