Wahre Verbrechen I Das Haus des Killers I True Crime Dokumentation T – Part 3
Nach seiner Verurteilung kam Anderamat in die geschlossene Abteilung der Strafanstalt Lensburg im Kanton Argau. 2010 wurde er in den offenen Vollzug nach Wauwamos verlegt. 2016 erhielt er den Status Arbeitsexternat. Er durfte außerhalb der Anstalt im Kanton Zürich im Logistikbereich arbeiten. Sein Arbeitgeber zeigte sich sehr zufrieden mit seiner Leistung.
Andat galt als vorbildlich. Er war freundlich und lieferte immer höchste Arbeitsqualität. Doch im September 2019 kam es zu einem Rückschlag. Nachdem sein Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis kündigte, zeigte Andat laut Behörden launisches Verhalten gegenüber Kollegen. Die Vollzugs- und Bewährungsbehörde versetzte ihn sofort zurück in den geschlossenen Vollzug.
Doch 2020 hob das Luzer Kantonsgericht diese Entscheidung auf. Die Begründung der Behörden sei Waage und haltlos gewesen, urteilten die Richter. Das Gericht ordnete die Rückkehr in den offenen Vollzug an. Zwischen 2016 und wurden Andermat Anträge auf weitere Vollzugslockerung immer wieder abgelehnt.
Laut forensischen Gutachten kann nicht ausgeschlossen werden, dass er noch immer gefährlich ist. Die fünfte psychiatrische Evaluation bestätigte zwar ein niedriges allgemeines Rückfallrisiko, aber ein erhöhtes Risiko, wenn Andermat wieder Verantwortung für schwache oder wehrlose Personen bekäme. Die Fachkommission inner Schweiz stuft Andermat nicht als gemeingefährlich ein.
Doch genau diese Einschränkung, nur gefährlich in bestimmten Kontexten, macht eine Entlassung politisch und rechtlich heikel. 2008 verklagte Charles Ansi die Stadt Luzern und die Polizei. Seine Mutter war Andermat letztes Opfer. Er warf den Behörden vor, zu lange gewartet zu haben.
Jeder Tag Verzögerung hätte weitere Leben gekostet. Doch Anzie verlor den Prozess. Das Gericht argumentierte, es seien keine sicheren, vermeidbaren Todesfälle nachweisbar. Die Heimbewohnerinnen seien alt und krank gewesen. Ein Zusammenhang zwischen einem früheren Eingreifen und dem Tod weiterer Menschen ließ sie sich daher nicht mit hundertprozentiger Sicherheit herstellen.
2010 zahlte die Stadt Luzern dennoch finanzielle Entschädigung an die Familien, ohne damit ein moralisches Schuldeingeständnis abzugeben. 20 Jahre nach Anderamats Verhaftung sagte Anzi: “Die seelische Wunde ist nicht ganz verheilt. Der Schmerz über den Verlust seiner Mutter und die Art, wie sie starb, bleibt.
Charles Ansi war nicht der einzige Angehörige, der um Gerechtigkeit kämpfte. Für über 20 Familien bedeutete der Fall Andermat nicht nur Trauer, sondern auch ein fundamentales Vertrauensproblem. Sie hatten ihre Mütter, Väter, Großmütter in die Obhut von Pflegefachleuten gegeben. Sie hatten darauf vertraut, dass diese Menschen dort sicher waren, gut versorgt wurden und in Würde alt werden durften.
Stattdessen wurden sie systematisch ermordet von einem Mann, der sich eigentlich um sie kümmern sollte, von einem Mann, dem sie vertrauen mussten, weil sie zu schwach waren, sich zu wehren. Viele Angehörige plagten Schuldgefühle. Hätten sie öfter zu Besuch kommen sollen? Hätten Sie die Pflegekräfte kritischer beobachten müssen? Hätten Sie irgendetwas tun können? Die Antwort ist wohl nein.
Sie konnten nichts ahnen. Andermat war ein Meister der Täuschung. Er spielte die Rolle des fürsorglichen Pflegers perfekt. Einige Angehörige erinnerten sich sogar daran, wie freundlich Anderamat gewesen war. Er hatte mit ihnen gesprochen, hatte sich Zeit genommen und immer Interesse gezeigt. Diese Erinnerungen machten den Schmerz nur noch schlimmer.
Der Mann, dem sie gedankt und vertraut hatten, hatte ihre Liebsten getötet. Im Prozess saßen viele Angehörige im Publikum. Sie wollten ander matt in die Augen sehen, wollten verstehen, warum er das getan hatte. Doch eine zufriedenstellende Antwort bekamen sie nie. Andermat Erklärungen, also Mitleid, Überforderung, Wut klang für die Familien wie hohle Ausreden.
Ihre Angehörigen waren keine Last gewesen. Sie waren Menschen, sie hatten Namen und Geschichten und sie hatten Würde. Einige Familien wurden finanziell entschädigt, doch kein Geldbetrag der Welt konnte das zurückbringen, was Anderamat ihnen genommen hatte. Der Vertrauensverlust ist bis heute spürbar.
Jedes Mal, wenn in der Schweiz ein Todesfall in einem Pflegeheim für Schlagzeilen sorgt, fällt der Name Andermat. Roger Andermat verübte die meisten Serienmorde in der Schweizer Geschichte. 22 bestätigte Opfer, mehr als jeder andere Schweizer Serienmörder. Seine Opfer waren die abhängigsten Menschen der Gesellschaft. Wehrlos, dement, bedürftig.
Andermat missbrauchte über sechs Jahre systematisch das Vertrauensverhältnis zwischen Pfleger und Patient. Er nutzte seine Position kaltblütig aus. Der Fall traumatisierte die gesamte Pflegebranche und das Vertrauen in das Gesundheitssystem. Realistisch könnte Andermat frühstens 2030 nach 29 Jahren oder später entlassen werden.
Möglicherweise aber auch niemals. Roger Ander ist heute 56. Er könnte den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen. Die jährlichen Entlassungsprüfungen haben zumindest bisher nicht zu einer Freilassung geführt. Und solange die Behörden künftige Straftaten nicht definitiv ausschließen können, wird er wohl in Haft bleiben. Der Fall Roger Andermat löste sofortige tiefgreifende Reform im Schweizer Pflegeheimwesen aus.
Nach 2001 wurden die Aufsicht über Pflegepersonal, Medikamentenkontrolle und Dokumentationssysteme grundlegend verschärft. Das Personal wurde aufgestockt, um Überforderung zu reduzieren und verdächtige Todesfälle müssen schneller an Behörden gemeldet werden. Christian Arnold von Kurav, dem Schweizer Verband der Alters- und Pflegeheime, betonte 2021, dass Ärztinnen und Ärzte aufmerksamer geworden sein.
“Ein ähnlicher Fall könne heute nicht mehr jahrelang unentdeckt bleiben”, versicherte er. Die Kontrollmechanismen seien deutlich verbessert worden. Joel Früh, damaliger Direktor des Eichhofs, sagte 2021, es seien nicht mehr viele Mitarbeitende im Heim, die jene Zeit erlebt hätten. Das Thema werde intern selten besprochen.
Die Prozesse hätten sich seit 2001 fundamental geändert. Trotzdem bleibt Roger Andermat, der Todespfleger von Luzern, ein Trauma für die Angehörigen der Opfer und für die Zentralschweiz. Ob er wieder freikommen wird, ist ungewiss, aber sicher ist, die Schweiz vergisst diesen Fall nicht. Vielen Dank, dass ihr auch heute wieder bei Serienkiller Mörder und ihre Geschichten dabei wart.
Uns freut es immer sehr, dass ihr zuhört. In der nächsten Folge bleiben wir in Europa. Dann erzählen wir euch vom Unhold der Ardennen. So nannte er sich wenigstens selbst. Michelle Fournire, einer der brutalsten Serienmörder Frankreichs. Über zwei Jahrzehnte hinweg terrorisierte er Frankreich und Belgien und tötete mindestens acht junge Frauen und Mädchen.
Seine Ehefrau Monique Olivier war nicht nur Mitwisserin, sondern aktive Kompliz seiner grausamen Taten. Erst 2003 flog das Mörderpaar auf und zwar als Furnire in Belgien bei einem Entführungsversuch gefasst wurde. Wir werden eintauchen in diese erschütternde Geschichte eines Mörders, der sich wieder einmal hinter der Fassade eines unauffälligen Familienvaters verbarg.
Serienkiller Mörder und ihre Geschichten gibt’s jeden Donnerstag und aktuell auch am Sonntag neu. Ihr könnt uns auf allen Plattformen kostenlos hören und abonnieren. Wenn euch der Podcast gefällt, lasst uns gerne eine Bewertung da. Euer Feedback bedeutet uns viel und hilft auch anderen uns zu entdecken. Mein Name ist Max Spalleck.
Bis zum nächsten Mal hier bei Serienkiller und ich bin Diane Helscher. Dieser Podcast ist werbefinanziert und kann deswegen kostenlos auf allen Plattformen angeboten werden. Wenn ihr in diesem Podcast Werbung schalten wollt, schreibt uns gerne an [email protected]. Serienkiller Mörder und ihre Geschichten ist ein Podcast von Bose Park Productions basierend auf einem Spotify Original.
Diese Folge wurde geschrieben von Klaus Schwartau, Deutsche Produktion und Redaktion, Mickey Sitch, Fabio Lautenschläger, Alexander von Bagen, Sebastian Schäfer, Theresa Eichhorn, Zuholder und Chris Guser. Ja.
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