Vom tiefen Abgrund zurück ins Licht: Giovanni Pernice über Depressionen, dunkle Gedanken und die rettende Liebe zu Bianca Guaccero T
Vom tiefen Abgrund zurück ins Licht: Giovanni Pernice über Depressionen, dunkle Gedanken und die rettende Liebe zu Bianca Guaccero
Das glitzernde Parkett der Unterhaltungsshows verspricht pure Magie, federleichte Eleganz und ungetrübte Emotionen. Millionen Menschen schalten Woche für Woche ein, um zu sehen, wie Prominente und Profis zu anspruchsvollen Choreografien verschmelzen. Doch hinter den Kulissen dieser perfekten Scheinwelt lauern oft Abgründe, die das Publikum kaum erahnt. Einer, der die extremen Höhen und die vernichtenden Tiefen des Showgeschäfts wie kaum ein anderer durchlebt hat, ist Giovanni Pernice. Der charismatische italienische Profitänzer, der durch Formate wie „Strictly Come Dancing“ in Großbritannien und „Ballando con le stelle“ in Italien zu einem internationalen Liebling avancierte, wagt nun einen beispiellosen Schritt an die Öffentlichkeit. In einem schonungslosen Gespräch mit dem Magazin Vanity Fair sowie in seinem Buch öffnet er sein Herz und spricht über eine Phase, in der nicht nur seine Karriere, sondern sein gesamtes Leben am seidenen Faden hing.

Die Geschichte von Giovanni Pernice beginnt nicht im Rampenlicht glänzender Fernsehstudios, sondern im sonnenverwöhnten, aber von festen Traditionen geprägten Palermo der 1990er Jahre. Als kleiner Junge von gerade einmal sieben Jahren entdeckte er seine Liebe zur Bewegung und zum Rhythmus. Zunächst war das Tanzen ein spielerischer Zeitvertreib, ein unbeschwertes Hobby abseits des Schulalltags. Doch als Giovanni im Alter von zehn Jahren an seinem ersten offiziellen Tanzturnier teilnahm, änderte sich alles mit einem Schlag. Der Triumph auf der Bühne entfachte ein inneres Feuer. Er stand ganz oben auf dem Siegerpodest, sah die Gesichter der anderen Kinder und spürte jenes berauschende Gefühl des Sieges, das ihn fortan nie wieder loslassen sollte. Es war der Startschuss für eine beispiellose Disziplin, aber auch für einen frühen Kampf gegen gesellschaftliche Barrieren.
Im Sizilien jener Zeit war ein tanzender Junge kein alltäglicher Anblick. Pernice sah sich bereits in jungen Jahren harten Vorurteilen und skeptischen Blicken ausgesetzt. Ein Mann auf der Tanzfläche passte nicht in das traditionelle Rollenbild vieler Menschen in seinem Umfeld. Trotz des Gegenwinds ließ er sich nicht beirren. Die Leidenschaft für die Bewegung war stärker als jede abwertende Bemerkung. Schritt für Schritt, durch unzählige Trainingsstunden voller Schweiß und Entbehrungen, erarbeitete er sich den Ruf eines Ausnahmetalents. Nachdem er jahrelang die internationale Turnierszene dominiert hatte, entschied er sich vor über einem Jahrzehnt, den Wettkampfsport hinter sich zu lassen und das Fernsehen zu erobern. Es war der Übergang vom klassischen Turniertanz in das Universum der großen Unterhaltungsmaschinerie, in dem Popularität und öffentliche Wahrnehmung zu einer ganz neuen Währung wurden.
Über Jahre hinweg feierte Giovanni Pernice phänomenale Triumphe. Als Aushängeschild der BBC-Erfolgsshow „Strictly Come Dancing“ tanzte er sich in die Herzen eines Millionenpublikums. Seine Choreografien galten als Meisterwerke, sein Ehrgeiz als unübertroffen. Doch genau dieser unbändige Drang nach Perfektion wurde ihm schließlich zum Verhängnis. Was von außen wie ein märchenhafter Aufstieg wirkte, schlug plötzlich in einen medialen und persönlichen Albtraum um. Die britische Schauspielerin Amanda Abbington, seine prominente Tanzpartnerin in der Sendung, erhob nach ihrem vorzeitigen Ausscheiden schwere Vorwürfe gegen ihn. Es stand der Vorwurf im Raum, er habe sich während des intensiven Trainings verbal und physisch ungebührlich verhalten.
Für Pernice brach damit eine Welt zusammen. Fast zehn Jahre lang war die Produktion sein Zuhause, seine Familie und sein gesamter Lebensinhalt gewesen. Nahezu sein vollständiger sozialer Kreis bestand aus Kollegen, Tänzern und Verantwortlichen der Show. Als die Schlagzeilen explodierten, erlebte der Tänzer die brutale Kälte des Geschäfts am eigenen Leib. Aus Angst um den eigenen Arbeitsplatz und den guten Ruf wandten sich viele Menschen ab, die er jahrelang für enge Freunde gehalten hatte. Kaum jemand wagte es, sich öffentlich an seine Seite zu stellen. Die plötzliche Isolation traf ihn mit voller Wucht.
In seinem Buch beschreibt Pernice diese düstere Periode mit erschreckender Klarheit. Das Gefühl, von heute auf morgen verstoßen, vorverurteilt und völlig alleingelassen worden zu sein, trieb ihn in eine schwere Depression. Die ständige mediale Berichterstattung, der Verlust seines gewohnten Umfelds und die nagende Ungewissheit über die Zukunft raubten ihm den Boden unter den Füßen. Es war eine Phase tiefster Fragilität, in der die Gedanken so erdrückend wurden, dass er sogar mit dem eigenen Überleben rang. Er gestand offen, dass er in jenen Tagen suizidale Gedanken hegte. Zu sehen, wie das über Jahrzehnte mühsam aufgebaute Lebenswerk innerhalb von wenigen Wochen in Trümmern zu liegen schien, war eine Last, die kaum zu ertragen war.
Doch wie so oft im Leben brachte eine ungeplante Wendung die Rettung aus der scheinbar ausweglosen Finsternis. Die Rückkehr in seine italienische Heimat und das Engagement bei „Ballando con le stelle“, der italienischen Version der Tanzshow unter der Leitung von Milly Carlucci auf Rai 1, markierten den Beginn eines neuen Kapitels. Dort traf er im Jahr 2024 auf die beliebte Schauspielerin und Fernsehmoderatorin Bianca Guaccero. Als Tanzpaar verbrachten sie unzählige intensive Stunden in den Trainingssälen. Zwischen schweißtreibenden Schrittfolgen, künstlerischem Austausch und gegenseitigem Zuhören entstand eine außergewöhnliche Verbindung, die weit über das Professionelle hinausging.
Das Publikum und die Jury spürten die knisternde Chemie zwischen den beiden vom ersten Moment an. Die gemeinsame Reise auf dem Parkett gipfelte im grandiosen Sieg der Staffel 2024. Doch während die Kameras längst ausgeschaltet waren und die Spekulationen in der italienischen Boulevardpresse ins Kraut schossen, wuchs im Stillen etwas Dauerhaftes heran. Beide hielten ihre zarte Beziehung zunächst monatelang vor der Öffentlichkeit geheim. Sie wollten dem Zauber des Anfangs Raum geben, fernab von Schlagzeilen und Sensationslust. Heute, rund zwei Jahre nach diesem gemeinsamen Triumphtag, ist aus der anfänglichen Verliebtheit ein unerschütterliches Fundament geworden.
Für Giovanni Pernice war das Auftauchen von Bianca Guaccero in seinem Leben der entscheidende Wendepunkt. Im Gespräch findet der 34-Jährige berührende Worte für seine Partnerin, die ihm die verloren geglaubte Lebensfreude und innere Ruhe zurückgegeben hat. Sie komplettiere ihn in jeder Hinsicht, betont der Künstler mit spürbarer Dankbarkeit. Er bezeichnet Bianca liebevoll als den Ruhepol und das gute Gewissen der Beziehung. Mit einem Schmunzeln verrät er, dass sie ihn oft mit der beliebten Zeichentrickfigur „Stitch“ vergleiche. Wenn der innere Druck steige und sein Temperament überkoche, verwandle er sich mitunter in den roten, ungestümen Stitch. Bianca sei dann diejenige, die ihn sanft erde, auffange und mit ihrer Besonnenheit für Ausgleich sorge.

Diese harmonische Dynamik hat Pernice ein neues Verständnis von zwischenmenschlicher Nähe gelehrt. Jahrelang war sein Alltag von Wettkampf, Härte gegen sich selbst und kompromissloser Leistungsbereitschaft geprägt. Erst durch Bianca habe er erkannt, was wahre Liebe eigentlich bedeute: Es gehe darum, einen Menschen zu finden, der einen mit allen Fehlern, Schwächen und Narben der Vergangenheit bedingungslos annehme. Ein solches Vertrauen schränke nicht ein, sondern schenke eine ungeahnte Freiheit. Die Gewissheit, zu Hause einen sicheren Hafen zu haben, gab ihm die Kraft zurück, sich den Dämonen seiner Vergangenheit zu stellen und beruflich wieder voll anzugreifen.
Das aktuelle Jahr markiert für Giovanni Pernice eine triumphale Rückkehr auf die großen Bühnen. Am 3. Oktober betritt er erneut das Parkett von „Ballando con le stelle“ auf Rai 1, wo er dieses Mal an der Seite von Noemi Bocchi antreten wird. Die Erwartungen des Publikums sind riesig, doch Pernice wirkt gelöster und reifer als je zuvor. Auch im Theater setzt er neue Maßstäbe: Ab dem 23. Oktober präsentiert er im traditionsreichen Teatro Sistina in Rom seine eigene spektakuläre One-Man-Show „Shall We Dance“. Auf der Bühne vereint er sein tänzerisches Können mit seiner ganz persönlichen Lebensgeschichte und beweist eindrucksvoll, dass künstlerische Leidenschaft selbst die schwersten Krisen überdauern kann.
Auch privat blickt das Paar hoffnungsvoll in die Zukunft, ohne sich dabei unnötig unter Druck zu setzen. Gerüchte über eine angebliche Schwangerschaft hatte Bianca Guaccero erst kürzlich mit Humor und Entschiedenheit dementiert. Giovanni selbst macht aus seinem Wunsch nach einer eigenen Familie keinen Hehl. Der Gedanke, eines Tages Vater zu werden, berührt ihn tief und gehört fest zu seinen Lebensträumen. Dennoch betont er, dass solche Meilensteine organisch wachsen müssen. Man wolle die Dinge nicht überstürzen, sondern das gemeinsame Glück Tag für Tag genießen und den Dingen ihren natürlichen Lauf lassen.
Die Geschichte von Giovanni Pernice ist weit mehr als nur eine weitere Episode aus dem bunten Kaleidoskop der Promiwelt. Sie ist ein berührendes Zeugnis menschlicher Verwundbarkeit im Zentrum eines gnadenlosen Mediensystems. Sie zeigt mit aller Schärfe, wie schnell ein gefeierter Liebling zur Zielscheibe werden kann, wenn Gerüchte das Ruder übernehmen und Solidarität der Angst weicht. Gleichzeitig spendet sein Weg unzähligen Menschen Mut. Pernices Offenheit im Umgang mit seinen Depressionen und den dunkelsten Momenten seiner Existenz bricht ein wichtiges Tabu, insbesondere im Leistungssport und im Showbereich. Seine Rückkehr ins Rampenlicht beweist, dass Schmerz und Isolation überwunden werden können, wenn man den Mut aufbringt, Schwäche einzugestehen, und die Kraft einer aufrichtigen Liebe erfährt. Giovanni Pernice tanzt wieder – freier, bewusster und glücklicher als je zuvor.