Verschollen im Outback | Der Fall von Jennie & Ray Kehlet T
Verschollen im Outback | Der Fall von Jennie & Ray Kehlet

Wir schreiben das Jahr 2015. Ehepaar Ray und Jenny sind erfahrene Camper und auf dem Outback Australiens unterwegs. Dieses Mal soll es zum Goldschörfen ins australische Outbit gehen zusammen mit ihrem Kumpel und Arbeitskollegen. Drei Menschen gehen rein, aber nur einer kommt lebend wieder raus. Welcome oder welcome back zu einer neuen Folge von Reise ohne Wiederkehr.
Ich habe auf die Crime Map geschaut, um zu sehen, wo wir überall waren und dabei ist mir aufgefallen, dass wir fast alle Kontinente besucht haben, außer die Antarktis, da gibt’s aber auch nur einen Fall und Australien. Dann habe ich meine Liste durchstöbert, um zu sehen, welche Fälle ich von Australien da alles drauf stehen habe und mich für den heutigen Fall entschieden.
Und Leute, das ist ein Fall, da weiß ich ehrlich gesagt nicht, in welche Richtung ich meinen Kopf zuerst schütteln soll. Der Fall ist offiziell auch ungelöst, aber wenn ich euch alle Einzelheiten erzählt habe, dann fragt ihr euch vielleicht, eventuell wie viele, viele andere auch, warum eigentlich? Wie immer gilt, wenn ihr den Kanal unterstützen wollt, lasst einen Daumen nach oben da, schreibt mir ein Kommentar, damit ich vielleicht irgendwann viel mehr Videos produzieren kann.
Lass uns anfangen. Das australische Outback. Unendliche unbesiedelte Weiten. Rote Wüstenlandschaften, die etwa 90% des gesamten Landes ausmachen. Es ist das Zuhause von Kängarus, Quakas, Dingos und von Gold. Seitdem im Jahr 1851 in der Nähe von Melburnne das erste Mal Gold gefunden wurde, hat es einen regelrechten Goldrausch in Australien gegeben, der jahrelang anhielt und einen regelrechten Einwanderboom ausgelöst hat.
Dieser war auch maßgeblich für die schnelle Entwicklung der Städte und des ganzen Landes verantwortlich. Gold läß sich in allen sechs Gebieten des Landes finden. Das meiste jedoch im Outback von Western Australia, also Westustralien, dem gleichzeitig größten Gebiet. Dieser Bundesstaat ist der am geringsten besiedelte, nimmt aber ein Drittel des gesamten Landes ein.
Viel Platz also, um nach Gold zu schörfen. Westustralien ist für über 70% der gesamten Goldproduktion des Landes verantwortlich und versammelt dementsprechend die meisten Minengesellschaften. Es ist außerdem ein weit verbreitetes Hobby vieler Einwohner mit Metalldetektoren nach Gold zu suchen und mit ein bisschen Glück den großen Kuh zu landen.
Das erhoffen sich auch Raymond und Jenny Kellet, um die es in der heutigen Folge geht. Raymond, der von allen nur Ray genannt wird und Jenny haben beide ihre erste Ehe hinter sich, als sie sich kennenlernen. Das hindert sie aber nicht daran, der Liebe und der Ehe zweite Chance zu geben, vor allem, weil sie sich dieses Mal sicher sind, ihren Seelenverwandten im anderen gefunden zu haben.
2007 geben sie sich im Alter von 40 und 42 Jahren das Jahrwort. Ray bringt zwei Töchter mit in die Ehe. Jenny, ebenfalls zwei Töchter sowie ein Sohn. Ray wurde im Jahr 2000, also sieben Jahre vor der Hochzeit, die Schilddrüse entfernt aufgrund einer Krebserkrankung und auch Jenny nimmt Tyroxin ein aufgrund einer Schilddrüsenunterfunktion.
Das heißt, beide nehmen täglich Medikamente ein, ohne die sie gar nicht leben können, denn die Schilddrüse regelt den ganzen Hormonhaushalt und jeder, der mit Schilddrüsen über oder Unterfunktion sowie Hashimoto zu kämpfen hat, weiß was das bedeutet, wie lange das unter Umständen dauern kann, bis alles auf den eigenen Körper eingestellt und geregelt ist.
Aber das nur als Nebeninfo. Ray ist mit seinen beiden jüngeren Brüdern auf einer Farm in der Nähe von Perth aufgewachsen. Er kennt es auch nicht anders. Er will es auch nicht anders. Und genau das ist das, was ihn und Jenny verbindet. Beide sind gerne draußen in der Natur, lieben es zu kämpfen und zu fischen und als sich die Möglichkeit bietet, durch einen Bekannten von Jenny eine kleine Farm zu mieten, machen sie das.
Sie holen sich außerdem ein paar Tiere auf ihre kleine Hobbyfarm. Tiere, die keiner mehr will, die sonst getötet werden würden. Und so haben sie ein paar Kühe, Schafe und Alpakas, um die sie sich liebevoll kümmern. Sie gründen außerdem zusammen ein kleines Unternehmen, indem sie Dienstleistungen für Farmen anbieten. Das geht von Hilfe beim Saatstreuen, bis sich um die Tiere des Bauernhofs kümmern, Zäune reparieren, alles was eben an so einer Farm anfallen kann.
Aufträge haben sie auch genug, aber leider kommt nicht so viel Geld dabei rum, dass Sie davon leben können. Und so entschließen sie sich schweren Herzens, das Unternehmen wieder aufzugeben. Da aber dringend Geld her muss, beginnt Ray im Jahr 2009 als Arbeiter im Bergbau. Die Miene, wo er angestellt ist, ist ca.
800 km von Beverly, dem Wohnort der beiden entfernt und Ray arbeitet in einem zwei Wochen einwochen Tonnus. Das heißt, er hat eine zwei Wochen Schicht A2 Stunden und ist danach immer eine Woche zu Hause. Damit Jenny einen Beschützer hat, wenn Ray nicht da ist und in der Mine arbeitet, holen sich die Kellets einen Hund und dadurch kommt Ella in ihr Leben.
Ella ist eine drei Jahre alte Hundedame, genauer gesagt eine deutsche Dockge, die sie aus dem Tierheim adoptieren und ihr ein neues Zuhause geben. Ein paar Jahre später entscheidet sich der Typ, der ihn die Farm vermietet, die Farm zu verkaufen, denn er und seine Frau lassen sich scheiden und die gemeinsamen Grundstücke sollen eben aufgelöst werden.
Jenny und Ray stehen jetzt also vor der Wahl, entweder sie müssen ausziehen oder sie kaufen die kleine Hobbyfarm. Sie entscheiden sich natürlich dafür, denn sie wollen ja ihr Haushof und die Tiere nicht aufgeben. Und dadurch, dass es jetzt auch ihr Eigentum ist, benennen Sie sie auch standesgemäß um in Meridium Ridge.
Da sie nun aber für den Kauf einen hohen Kredit aufgenommen haben, der schnellstmöglich abbezahlt werden soll, beginnt auch Jenny im Jahr 2012 in diesem Bergwerk zu arbeiten. Also dort, wo Ray ist und sie hat auch den gleichen Turnus wie Ray. Das heißt, die beiden sind die ganze Zeit zusammen. Sie sind zwei Wochen in der Mine und eine Woche zu Hause.
Ella ist währenddessen bei Familienangehörigen untergebracht oder in einer Tierpension. Beide arbeiten jetzt also im Bergwerk Cloud Mein, wo Eisenerz abgebaut wird. Das ist ein riesiges Gelände mit 1700 Mitarbeitern, die alle dort in einem Containerdorf untergebracht sind. Ich habe mir ein paar Videos zu diesen Bergberken in Australien angeschaut, einfach um eine Vorstellung davon zu haben, wie das Ganze dort funktioniert und abläuft.
Und die leben da eben in diesen Containerdörfern, haben aber ansonsten alles, was eine Kleinstadt auch zu bieten hat. Also, der Arbeitgeber hat den Swimmingpool eingerichtet, Tennisplätze, Fitnessräume, Musikräume, alles was man sich vorstellen kann und Kost und Logie ist natürlich auch frei in der Zeit, in der Sie dort sind.
Zudem verdienen sie richtig gut. Das ist auch der Grund, warum das viele machen. In den Videos gab es Interviews mit Leuten, die da arbeiten und viele gehen da ganz gezielt für ein paar Jahre hin, um eben so schnell wie möglich Geld anzusparen. Viele auch als Paar zusammen wie Ray und Jenny und ihr verdienen dann im Jahr jeder 120 bis 150 000$.
habe auch Backpacker gefunden, die das machen für drei Monate und dann haben sie nach drei Monaten genug Geld, um den Rest des Jahres Australien zu entdecken. Man kann dort nämlich ohne oder mit nur geringen Vorkenntnissen anfangen. Man wird also auf die jeweilige Stelle antrainiert.
So auch Jenny, denn sie fährt wie viele Frauen dort die Riesen Trucks. Wie die genau heißen, weiß ich nicht. Monster Trucks vielleicht. Die Reifen haben jedenfalls ein Durchmesser jeweils von 2,5 m. Das ist auch gar kein Problem für Jenny, aber mit der Zeit macht ihr ihr Rücken mehr und mehr zu schaffen.
Ganz klar, 12 Stunden sitzen, es geht die ganze Zeit über den Schrotter hoch und runter. Das führt dazu, dass sie regelmäßig zum medizinischen Offizier der Miene, ob der jetzt konkret Arzt ist, steht nirgendwo. Es heißt Medical Officer, deswegen übernehme ich das so. Und der heißt Steve. Und als Jenny und Steve sich kennenlernen, ist er überzig Jahre alt.
Er ist ein zurückgezogener Mann, introvertiert, also das komplette Gegenteil von Jenny. Und die mag es nicht, wenn Stille herrscht und so quatscht sie bei den Arztbesuchen eben einfach drauf los und irgendwie entsteht dadurch eine Freundschaft. Das führt dazu, dass sie mit der Zeit zusammen mit Ray und Steve Mittagessen, die Mittagspausen zusammen verbringen, sich auch abends nach der Arbeit zusammensetzen und essen oder grillen und Steve gewinnt Vertrauen und erzählt den beiden dann von seinem größten Hobby, dem Goldschirfen.
Jenny und Ray finden das Hobby super interessant. Sie waren selbst noch nie Goldschirfen und lassen sich deswegen gerne von Steve erzählen, was es damit auf sich hat und was dahinter steckt, was man dafür können muss. Und Steve freut sich, dass er Leute gefunden hat, die sich für ihn und sein Hobby interessieren.
Sagt ihn natürlich auch, dass er die besten Plätze kennt, wo noch ganz viel Gold vergraben liegt. Um es abzukürzen, über die Monate hinweg entsteht zwischen den Dreien eine engere Freundschaft. Steve hat Ray und Jenny mit dem Goldschirfen absolut angefixt, sodass sie das auch selber probieren wollen. Steve besucht die beiden auf ihrer Hobbyfarm.
Er bringt ihn bei, wie man mit den Metalldetektoren umgeht. Sie lernen auch, wie man sich abseilt, denn laut Steve gibt es die größten Goldvenen nicht an der Oberfläche, sondern unter der Erde. Also in den Schächten, die vor über 100 Jahren gebohrt wurden, ums Jahr 1900 rum. und die es überall ungesichert im Outback gibt. Als sie sich nach mehreren Monaten Training bereit fühlen, planen sie ihren ersten Trip im Januar 2015.
Ray Tochter wird aber schwer krank und fällt ins Kom, selbst redend, dass sie dadurch ihren Trip verschieben, bis es der Tochter besser geht. Ganz kurz zur Situation 2015, damit keine Fragen aufkommen. Ray ist 47 Jahre alt zu dem Zeitpunkt und Jenny 49. Alle Kinder sind außerdem mittlerweile außer Haus.
Die jüngste Tochter ist 2015 19 Jahre alt. Ray und Jenny haben außerdem an ihrem Arbeitsmodell gebastelt und ihre Stunden enorm runtergeschraubt, denn sie finden, sie verdienen beide genug zusammen und wollen einfach viel mehr Zeit auf der Farm haben. Wie genau das Arbeitsmodell aussieht, steht nirgendwo, aber sie haben jetzt eben viel mehr Freizeit als zuvor.
Der zweite Versuch startet Anfang März 2015. Es geht natürlich in die Gegend, die Steve vorgeschlagen hat und das ist die Gegend von Sandstone. Sandstone liegt mehr als 700 km nördlich von Beverly und auch von Perth. Das sind mit dem Auto je nachdem 7 bis 9 Stunden Fahrt. Sie kommen auch in der Gegend an, aber dieses Mal macht ihnen das Wetter ein Strich durch die Rechnung, denn es gibt typonartige Regenfälle.
Alle Straßen sind überschwemmt und werden damit gesperrt. Sie bleiben erstmal, kämpfen dort, wo es möglich ist. Nach zwei Tagen nichts tun, entscheiden sie sich aber nach Beverly zurückzukehren. Von da an ruft Ray jeden Tag beim Sheriff von Sandstone an, um zu fragen, ob die Straßen wieder offen sind. Und dieser gibt am 13.
März endlich grünes Licht. Das heißt, der nächste Trip steht an. Er wird geplant für den 19. März 2015. Am 18. März telefonieren Ray und Jenny jeweils mit ihren Kindern, sagen Bescheid, dass sie ab morgen unterwegs sind, dass sie Ella natürlich mitnehmen und dass sie in der Gegend von Sandstone sind.
Aber wo genau sagen sie nicht, denn das ist ein Geheimnis. Das ist auch nicht unüblich. Das ist Gang und Gebe bei Goldschörfern. Die wollen natürlich nicht verraten, wo genau sie suchen, falls sie den großen Fund machen, dass dort nicht noch andere Leute hinkommen. Sie sagen ihn aber, dass sie 10 Tage wahrscheinlich nicht zu erreichen sind, weil dort kein Handynnetz ist, dass die Kinder sich keine Sorgen machen sollen und dass sie zur Not aber ein Satellitentelefon mithaben.
Es ist jetzt also Donnerstag, der 19. März 2015. Endlich kann es losgehen. Jenny und Ray sind bestens vorbereitet. Die Autos sind voll gepackt. Jenny fährt einen Been Land Cruiser und hat einen Anhänger mit einem roten Quadbike drauf. Und Ray fährt einen schwarzen Land Rover, hat ebenfalls ein Anhänger, aber ohne Quad Bike, dafür aber mit allem Equipment vollgepackt.
Wie gesagt, Jenny und Ray sind erfahrene Camper, die sind oft unterwegs, die wissen genau, was sie brauchen. Zelt, Campingausrüstung, Proviant, sie haben einen 10 len Wassertank für 10 Tage im Outback, dann natürlich die Ausrüstung, die sie zum Goldschirfen brauchen und so weiter und so fort. Abgemacht ist, dass sie sich ungefähr auf der Hälfte der Strecke mit Steve treffen in einem Ort namens Wubin, dort gemeinsam frühstücken, denn dann muss keiner von beiden Parteien einen Umweg fahren, da Steve in Pe startet und Ray und Jenny in Beverly.
1:32 Uhr nachts schreibt Ray eine Nachricht an Steve, in der steht: “Sind auf dem Weg. Wie geplant treffen sie sich gegen Morgengrauen im Örtchen Wubin, um gemeinsam zu frühstücken und fahren ab dort gemeinsam in der Dreierkolonne weiter, denn auch Steve ist mit seinem eigenen Auto natürlich und einem Anhänger, auf dem er sein blaues Squad Bike hat unterwegs.
Sie fahren bis nach Pains Feind, wo sie ein letztes Mal auftanken. Danach fahren sie die unasphaltierte Straße Richtung Sandstone rauf. Das ist die Straße, die letztens durch den ganzen Regen gesperrt war. Und 30 km südlich von Sandstone biegen sie dann ab in die Gegend rund um Bell Chambers, der Ort, den Steve zum Campen vorgeschlagen hat.
Da der Wüstensand aber trocken und heiß ist, suchen Ray und Jenny ein bisschen abseitsen Stellplatz, der besser für Ella ist. Mehr im Schatten, ein paar Bäume, wo sie bisschen grün unter den Pfoten hat. Auf der Karte hier sieht man auch immer wieder so kleine grüne Fläckchen zwischen all dem roten Sand. Voller Vorfreude auf ihr Vorhaben, für das sie monatelang geübt haben und endlich mit diesen Metalldetektoren loszuziehen, um eventuell kleine Goldnugget zu finden, errichten Ray und Jenny ihr Camp.
Als sie das Camp fertig errichtet haben, fallen sie auch fast schon ins Bett. Es war ein langer Tag. Sie sind mitten in der Nacht losgefahren. Es war eine anstrengende Fahrt und jetzt wollen sie sich einfach nur noch ausruhen, damit sie morgen in aller Frische mit dem Gold suchen beginnen können. 9 Tage später, es ist jetzt Samstag, der 28. März 2015.
Eine deutsche Dogge streft über den Wohnmobil Parkplatz in Sandstone. Der Managerin des Parkplatzes fällt der Hund auf, nicht nur weil er riesig ist, sondern weil er abgemagert aussieht und total durstig. Sie gibt ihm also Napp Wasser und der Hund trinkt diesen sofort leer.
Wie ihr anhand des Titelbildes zu diesem Video an dieser Stelle bereits erahnen könnt, ist das natürlich nicht irgendein Hund, sondern Ella. Die Managerin des Parkplatzes hat selbst Hunde und entschließt sich, Ella so lange bei sich aufzunehmen, bis ihre Besitzer gefunden werden können. Ella trägt ein Halsband und ist gechippt. Das heißt, der Chip kann ausgelesen werden, aber es ist Samstag.
Sandstone ist klein, hat keine Tierärzte. Das dauert also und so kann der Chip erst 3 Tage später am 31. März ausgelesen werden. Auf diesem Chip befinden sich drei Telefonnummern. Die ersten beiden Telefonnummern sind nicht zu erreichen. Bei der dritten geht endlich jemand ran und zwar Melanie, die Tochter von Ray, die sich um den Hund kümmert, wenn die beiden in der Mine arbeiten sind.
Der Sheriff erzählt Melanie am Telefon, daß Ella vor drei Tagen auf diesem Parkplatz gefunden wurde und kein Besitzer in Sicht ist und dass er die anderen beiden Nummern auf dem Chip nicht erreichen kann. Melanie erzählt ihm daraufhin, daß der Hund ihrem Vater und dessen Frau gehört und die zusammen eigentlich mit dem Hund und ihrem Arbeitskollegen in der Nähe von Sandstone zum Goldschürfen sind, dass sie 10 Tage keinen Empfang haben.
Keiner weiß genau wo, weil sie das nicht verraten haben. Aber ihr fällt ein, dass ihr Vater ihr die Telefonnummer von dem Satellitentelefon gegeben hat. Sie sagt dem Sheriff, also lassen Sie es mich dort probieren. Ich frag auch in der Familie rum, ob irgendjemand was von den beiden gehört hat.
Melanie ruft also direkt danach das Satellitentelefon an und am anderen Ende meldet sich Steve. Er erzählt Melanie, dass er am 22. März das Camp verlassen hat und seit dem 24. März bereits wieder in der Mine steht und arbeitet. Er hat also auch keine Idee, was passiert sein könnte. Melanie fragt alle ihre Geschwister, Stiefgeschwister, Oma, Opa, Onkel, Tanten, aber niemand hat seit dem 18.
März irgendwas von Jenny oder Ray gehört und allen ist somit sofort klar, dass hier irgendwas passiert sein muss, denn Ella würde niemals von Ray und Jenny wegrennen und Ray und Jenny würden Ella niemals zurücklassen. Die Familie sagt, die drei sind einfach unzertrennlich. Ray und Jenny sowieso, aber auch mit Ella zusammen, daß sie überall dabei haben, wo sie dabei sein darf, außer auf Arbeit natürlich.
Und deswegen melden Sie Ray und Jenny am 31. März bei der Polizei als vermisst. Dem Sheriff in Sandstone kommt indessen eine der drei Nummern auf dem Chip, also die Nummer, die er bekommen hat, sehr bekannt vor. und er stellt die Verbindung her zwischen dem Hundebesitzer, der jetzt vermisst wird, und dem Mann, der Anfang des Monats jeden Tag angerufen hat, um zu fragen, ob die Straßen wieder frei sind.
Er macht sich also auf den Weg Richtung Bell Chambers, um nach den Campern zu suchen. Dort angekommen trifft er auf weitere Camper, die ihm erzählen, dass es ca. Kilometer südlich von hier eine weitere Campingstelle gibt, wo sie mehrfach einen Hund, aber nie Menschen gesehen haben. Als der Sheriff dann an der Campingstelle von Ray und Jenny eintrifft, sieht diese verlassen aus.
Alles ist noch da, also ist nicht zusammengepackt, aber eben verlassen. Er telefoniert über Satellitentelefon natürlich mit der Polizei in Mount Magnet. Wie ich schon gesagt habe, Sandstone ist winzig. Es gibt keine eigene Polizei und immer wenn irgendwas ist, muss Hilfe von anderen Gemeinden dazu gerufen werden.
Und in dem Fall ist es eben die Polizei von Mount Magnet, die auch schon über den vermissten Fall informiert sind. Die sagen jetzt zu dem Sheriff: “Machen Zettel an die Windschutzscheibe mit deinen Kontaktdaten und wenn sich bis morgen niemand gemeldet hat, dann starten wir die Suche.” Ich habe es euch am Anfang ja schon gesagt, mit dem Kopf schütteln.
Ich find’s krass. Es sind schon drei Tage vergangen, seit Ella allein auf dem Parkplatz aufgetaucht ist. Die Polizei hat mittlerweile auch schon mit Steve telefoniert und weiß dadurch, dass er, Jenny und Ray das letzte Mal am 21. März gesehen hat. Es gibt also seit 10 Tagen kein Lebenszeichen und die Überlebenschancen werden auf vier Tage im Outback eingeschätzt.
Zumindest am nächsten Tag, den 1. April 2015, startet dann die Such- und Rettungsaktion, die im Nachhinein als die bis dato größte in die Geschichte Westustraliens eingehen wird. Hundertschaften, die am Boden suchen, Kleinflugzeuge und Hubschrauber mit Infrarotkameras in der Luft. Alles wird abgesucht. Auch wird damit begonnen, die Schächte, die sich in diesem Gebiet befinden, abzusuchen, denn Ray und Jenny könnten in jeden dieser Schächte gefallen sein.
Den allerersten Schacht, den sie überprüfen, ist ein Schacht, auf den sie durch diese anderen Camper hingewiesen werden, denn die sagen aus, dass es bis es vor zwei Tagen geregnet hat sehr nach Verwesung gerochen hat aus dieser Richtung, aber seit es geregnet hat, ist der Geruch eben weg. Sie leuchten diesen Schacht also aus, können aber nichts entdecken und gehen davon aus, daß dieser Gruch von dem toten Kengaro kam, was dort in der Nähe liegt.
Die Polizei schaut sich unterdessen auf dem verlassenen Campingplatz um. Das Zelt ist ausgeklappt. Zwei Kaffeetassen stehen auf dem Campingtisch. Die eine hat noch Farbe von Kaffee in sich, die andere ist nur mit Wasser gefüllt, wahrscheinlich Regenwasser. Eine Pfanne wartet darauf, abgewaschen zu werden.
Wäschestücke hängen auf einer Leine, die vom Auto zu einem Baum gespannt wurde. Der Campingkühlschrank ist mittlerweile warm und sein Inhalt verdorben. Draußen liegt vergammeltes Fleisch, das wahrscheinlich zum Auftauen rausgenommen wurde. Beide Fahrzeuge stehen unabgeschlossen mit den Schlüsseln in den Zündschlössern und die Autofenster sind ein Stück weit nach unten gekurbelt, wollte ich sagen, nach unten gefahren, sodass es reinregnen konnte.
An der Innenseite der hinteren Beifahrertür von Raceauto, also dem schwarzen Auto, hat sich mittlerweile ein Westennest gebildet und das entsteht ja nun auch nicht über Nacht. Es ist nichts kaputt oder zerstört. Es sieht also nicht nach einem Kampf aus. Nur der Rücksitz von Race Auto ist ein bisschen durcheinander, also unaufgeräumt.
Auf dem Beifahrersitz von Ray Auto liegen außerdem zwei Waffen. Eine davon ist geladen und sogar ungesichert. Die Polizei sichert natürlich sofort beide Waffen, denn eine ist geladen ungesichert, wie ich gesagt habe. Und in Australien gibt es seit dem Amoklauf von Port Arthur im Jahr 1996 ähnlich strenge, wenn nicht strengere Waffenregeln wie in Deutschland.
bedeutet, ohne Waffenschein geht gar nichts. Eignungstest machen, Waffen und Munition niemals im gleichen Behälter transportieren und so weiter und so fort. Für Race Familie ist das ein weiteres absolutes Alarmsignal, denn sie wissen, wie sorgsam er mit seinen Waffen umgegangen ist und dass er sie niemals sorglos und dazu noch geladen irgendwo rumliegen lassen hätte.
Nichts auf diesem Campingplatz sieht so aus, als hätten sie abreisen wollen. Es sieht eher so aus, als ob sie nur kurz weg waren und gleich zurückkommen wollten oder in der Nähe waren und dann aufgrund höherer Gewalt die Gegend verlassen mussten. Das rote Quadbike von Jenny wird ca. 500 m nördlich vom Campingplatz gefunden.
Es steht aber nicht auf dem Pfad, wo man fahren kann, sondern zwischen den Büschen, ein bisschen abseits und zeigt in Fahrtrichtung weg vom Camp. Das Quad hat noch genug Benzin. Es ist auch nicht kaputt. Es hat keine Kratzer, gar nichts. Die Schlüssel sind aber nicht am Quad, sondern werden in Jenny Auto gefunden. Mr.
Steve wird unterdessen gebeten, zurückzukommen und bei der Suche zu helfen, denn schließlich ist er der letzte, der Ray und Jenny gesehen hat und der auch die letzten drei Tage, bevor er abgereist ist, mit ihn verbracht hat. und vielleicht kann er ja Hinweise geben, wo die zwei sich aufhalten könnten. Er kommt also am 3.
April wieder in Belchabers an und führt die Suchmannschaften in ein Suchgebiet südlich vom Camp, weil er sagt, dass sie niemals nördlich unterwegs waren. Bei der weiteren Befragung durch die Polizei sagt er folgendes aus und ich fasse hier wirklich nur grob das Wichtigste zusammen, um nicht jede Kaffeepause zu dokumentieren.
Kurz nach Ankunft im Camp am 19. März sei Ella direkt ausgebüch und irgendwelchen Tieren hinterher gejagt. Sie haben anderthalb Stunden gebraucht, um Ella wieder einzufangen und danach sei er mit Ray zusammen mit den Quats losgefahren, um die Gegend zu erkundschaften. Das bedeutet, Steve war schon acht mal in der Gegend, kennt sich da aus, aber für Ray und Jenny ist es ja das erste Mal und Steve hat Ray halt die Gegend gezeigt.
Jenny sei im Camp geblieben, weil wohl untereinander abgemacht wurde, dass immer einer im Camp bleibt, um quasi aufzupassen. Und laut ihm wollte Jenny auch selbst gar nicht weiter weg vom Camp. Sie wollte also immer in Sichtweite vom Camp bleiben. Merkt euch das, denn das ist wichtig. Als Steve und Raidern von dieser Quadtour zurückkommen, bauen sie gemeinsam Camp, also das Zelt auf.
Das ist ja ein Dachzelt oder wie auch immer man das nennt. Ellas Bett befindet sich direkt unterm Zelt auf einer Matratze. Sie essen zu Abend und Steve schläft in seinem Auto. Am nächsten Tag, den 20. März, passiert jetzt für uns nichts, was große Relevanz hat. Steve erzählt, dass er wieder mit Ray mit den Quats unterwegs war, dass sie zum Mittagessen zurückgekommen sind und dass Jenny danach mit dem Metalldetektor und Ella südlich vom Camp nach Gold gesucht hat, aber nach einer Stunde schon wieder zurückkam.
Am späteren Nachmittag sei Ella dann erneut ausgebüch und sie mussten wieder einfangen. Als Ella zurück im Camp ist, fahren Ray und Steve erneut mit den Quad Bikes los. Erlaubt mir an dieser Stelle den Kommentar, bevor ich später wieder vergesse, dass ich es schon merkwürdig finde, dass sie monatelang das Abseilen üben und eigentlich Gold suchen wollen und dann angeblich zwei Tage lang mit den Quadbikes durch die Gegend fahren.
Aber gut, weiter geht’s mit dem Märchen. Gegen 20 und 21 Uhr gehen alle zu Bett, diesmal sehr zeitig. Schlafsituation ist die gleiche wie am Vortag. Ray und Jenny im Zelt oben, Ella darunter auf ihrer Matratze und Steve schläft in seinem Auto. Der nächste Tag, Samstag, der 21. März. Alle stehen bei Sonnenaufgang auf und Steve berichtet, dass Ella direkt nach dem Frühstück wieder ausgebüch ist, wieder irgendwelchen Wildtieren hinterher und er da so richtig schlechte Laune bekommen hat, weil er keine Lust hatte, diesen Hund wieder einzufangen.
Er hat gesagt, ich bin hier zum Gold schörfen und nicht um euren Hund einzufangen, zumal der nie angeleint wird. Er gibt Jenny aber sein blaues Quad Bike und sagt den beiden, sie sollen es danach auf seinen Anhänger wieder rauf machen, wenn sie Ella gefunden haben. Und das ist wohl das letzte Mal, dass er Ray und Jenny sieht.
Denn während die nach Ella suchen, macht sich Steve auf den Weg nach Gold zu schürfen und diesmal geht er zu Fuß. Laut seinen Angaben zieht er gegen 6:30 Uhr morgens los, also Samstag den 21. und kommt erst 3 Uhr nachts am nächsten Morgen, also den 22. wieder ins Camp. Das sind ja fast 24 Stunden, 20,5 Stunden. Er kommt ins Camp, das Quad ist wieder auf seinem Anhänger, er macht sich ein Tee, packt alles zusammen und entschließt sich dann nach Hause zu fahren, ohne sich zu verabschieden.
Das heißt, die Fahrt bis Perth sind weitere 7 bis 8 Stunden. Er ist seit über 20 Stunden wach und hat laut eigenen Angaben auch in der Zeit nicht geschlafen, aber er will eben unbedingt noch nach Hause und fährt dann um 3 Uhr oder um 4 Uhr, so genau weiß das nicht, weil er hat ja keine Uhr um los Richtung Perth.
Sein Grund für die Abreise war, dass er ja in den letzten 20 Stunden genug gesucht hat, dass er am 24. wieder arbeiten muss und er will eben rechtzeitig zu Hause sein. Er hat sich nicht verabschiedet, weil er die beiden nicht wecken wollte. Ella hat auch geschlafen und auf die Frage, warum er das Satellitentelefon dabei hat, wenn er das Camp verlassen hat, antwortet er, dass das sich zufällig in der Seitentür seines Autos befunden hat und dass er das erst viel zu spät mitbekommen hat und es deswegen mitgenommen hat.
Auf die Frage, was er denkt, was mit Ray und Jenny passiert sein könnte, antwortet er, dass bestimmt der Hund wieder ausgerissen ist, sie dem Hund hinterher gerannt sind und dann vielleicht in irgendeinen Schacht gefallen sind. Er darf in der Nähe des Camps übernachten. Ihm wird zwar gesagt, dass er dort nicht hingehen soll, dass er dort nichts anfassen soll, aber überwacht wird er nicht.
Und am nächsten Tag, den 4. April, reiste er dann zurück nach Perth. Jenny’sys jüngste Tochter, diejährige Britney, ist mittlerweile mit ihrem Vater in Sandstone angekommen, um Ella abzuholen. Die beiden werden außerdem von der Polizei gebeten, den Campingplatz zusammenzuräumen und die Sachen mitzunehmen. Da dies als vermissten Fall behandelt wird, gibt es keinen Grund, irgendwelche Sachen zu behalten oder irgendwelche Beweise zu sammeln etc. pp.
Bevor die Polizei die Sachen übergibt, findet sie in Jenny’s Rucksack ihr Tagebuch sowie eine selbstgezeichnete Skizze. Beides nehmen sie an sich in der Hoffnung doch noch irgendwie Hinweise auf ihren Aufenthaltsort zu bekommen. Auf der Skizze ist die nicht asphaltierte Straße nach Sandstown eingezeichnet. Es stehen da verschiedene Koordinaten und es gibt zwei Kreise mit den Worten Camp und erstes Loch.
Die Polizei ist etwas irritiert, denn die Bezeichnung erstes Loch befindet sich nördlich vom Camp. Steve hat die Suchtrup sehr südlich gelenkt und gesagt, sie waren nie nördlich vom Camp, was ja immer noch stimmen kann, aber warum ist es dann extra eingezeichnet zudem noch als erstes Loch? Jenny’s letzter Tagebucheintrag stammt vom 18.
März und darin steht: “Hoffentlich gehen wir zum Loch. Daumen drücken.” Die Suchtruppen widmen sich also wieder der Gegend nördlich vom Camp und stoßen erneut auf den Schacht, aus dem es so schlimm gerochen haben soll. Diesmal leuchten sie aber nicht nur rein, sondern lassen ein Feuerwehrmann hinab.
Aber nicht ganz, sondern nur bis zur Hälfte. Der Schacht ist ca. 12 m tief und sie lassen ihn bis auf 6 m hinab und von dort wirft er einen Leuchtstab hinein. Er kann nichts erkennen oder nichts Verdächtiges sehen und erklärt den Schach danach für clear. Wie sagt man? Gesichert. Nennen wir es gesichert. Insgesamt werden in den ersten vier Tagen vom 1. bis 4.
April 39 Schächte gesichert. sind also nur noch hundert offen. Die Familien der beiden werden unterdessen befragt, wie denn die Beziehung zwischen Jenny und Ray war, ob sie Streit hatten, ob sie Geldprobleme hatten und so weiter und so fort. Und die Familien betonen, dass Jenny und Ray geliebt haben, eininander geklebt haben, dass sie niemals freiwillig abgehauen wären, daß sie Ella auch niemals zurückgelassen hätten und Ella auch niemals weggerannt wäre.
Und sie äußern die Vermutung gegenüber der Polizei, daß sie hier ein Verbrechen vermuten. Vor allem der Bruder von Ray namens Dave sagt: “Entschuldigung, aber drei gehen rein und nur einer kommt lebend raus.” Sie bestätigen außerdem, dass Ray und Jenny, wie man ja schon im Tagebuch lesen kann, unbedingt in die Schächte wollten, dass sie denen zwar nie gesagt haben, wo sie Gold suchen gehen, aber das klar war, dass sie sich abseilen wollen würden, weil sie das von Steve gelernt haben über Monate hinweg.
Am 5. April wird die Suche unterbrochen. Die Rettungskräfte sind erschöpft. Es ist total heiß. Sie überlegen, ob sie die Rettungskräfte austauschen, ob sie überhaupt weitersuchen, denn sie haben in den fünf Tagen rein gar nichts gefunden. Kein einzigen Anhaltspunkt, kein Kleidungsstück, gar nichts. Am 6.
April fällt aber die Entscheidung, dass die Suche weitergeht. Und was ich noch gar nicht erzählt habe, dadurch, daß die Rettungsmaßnahmen so riesig sind, hat sich natürlich von Anfang an die Presse eingeschaltet und an den Fall rangehängt. Es verschwinden oft Leute im Outback und werden gesucht, aber nie ist die Sucheaktion so groß und deswegen sind die von Anfang an vor Ort, können aber nachdem sie über die vermissten Berichten nichts Neues berichten, weil wie ich gerade gesagt habe, wird absolut nichts gefunden.
Und deswegen beginnt eine TV-Station die Polizei zu betteln, ob sie nicht irgendwie dieses Abseilen in den Schacht nachspielen können, um den Leuten vorm Fernseher irgendwas zu zeigen. Nach tagelangem Betteln gibt die Polizei am Morgen des 8. April nach und sagt zu dem TV-Sender: “Okay, der Feuerwehrmann hier nimmt sich 2 Stunden Zeit für euch, vielleicht auch mehr, wenn ihr die braucht.
Sucht euch einen der gesicherten Schächte aus und dann könnt ihr gerne eure Aufnahmen machen.” Gesagt, getan. Der TV-Sender will natürlich auch nicht, dass die Polizei sich es wieder anders überlegt und deswegen beginnen sie ab 10 Uhr mit den Dreharbeiten und wollen zu Demonstrationszwecken den Feuerwehrmann in diesen Schacht abseilen.
Und es ist zufällig, also wirklich irgendjemand hat gesagt, der Schacht, es ist zufällig genau der Schacht, der schon zweimal untersucht wurde, aus dem es so gerochen hat. Der Feuerwehrmann war ja letztes Mal 6 m tief, jetzt soll er tiefer abgelassen werden. Die Kameras laufen also und als er sich zwei Drittel tief im Schacht befindet, also auf ungefähr 9 m Tiefe, weil der ist ja 12 m tief, ruft der Feuerwehrmann vorlaufenden Kameras nach oben, Code 90 und seine Kollegen rufen erstaunt von oben zurück: “Bist du dir sicher?” Und er so: “Ja, holt mich wieder hoch.
Und Code 90 bedeutet, da unten liegt eine Leiche. [Musik] Als der Feuerwehrmann wieder oben ist, sagt er aber direkt, dass es eigentlich keiner der beiden Vermissten sein kann, weil die Leiche unten viel zu verwest ist. Es sind fast nur noch Knochen übrig. Dementsprechend muss diese Person schon mehrere Wochen, wenn ich Monate da unten liegen.
Der Fundort wird untersucht, protokolliert und die Bergung der Leiche wird vorbereitet. Dieser Schacht hat die Form eines Stiefels. Also müsst ihr euch vorstellen, es gibt ein Schacht und nach vorne hin gibt’s eine Höhle und deswegen wurde die Leiche bei den ersten beiden Malen nicht entdeckt, weil sie einfach nicht tief genug waren, um in diese Höhle reinschauen zu können.
Und sie haben auch nicht gesehen, dass dort noch eine Höhle ist. Die Höhle ist allerdings 1,5 x 1 m groß und an der höchsten Stelle 2,50 m hoch. Man kann also bequem stehen. Der Kopf des Skeletts, denn es ist nur noch ein Skelett, liegt in Richtung Schacht mit dem Gesicht nach oben. Die Beine wiederum liegen genau in die andere Richtung, am weitesten vom Schacht entfernt und gehen wie ein V auseinander.
Die Person ist männlich, trägt eine Arbeiterhose, Stiefel mit tiefem Profil, also wie Wanderstiefel wahrscheinlich und hat aber kein T-Shirt an, hat auch keine Ausrüstung dabei, z.B. zum Abseilen oder sonstiges. Und zwischen den Beinen befindet sich eine Wasserflasche. Die ist durchsichtig und leer und die hat außen kaum Staub, also kann sie noch nicht so lange da unten sein.
Alles sieht danach aus, als ob dieser Mensch in den Schacht gefallen ist und dann zur Seite gerollt ist und liegen geblieben ist. Wobei der Feuerwehrmann sagt, dass ihn die Position der Beine an die Situation bei der Feuerwehr erinnert, wenn jemand aus einer Gefahrensituation rausgezogen wird, also wenn man Menschen an den Bein packt und sie eben raussieht.
Am 10. April, zwei Tage nach dem Auffinden werden die Überreste geborgen und kommen in die Gerichtsmedizin. Dort werden zwei Zähne entnommen und die DNA davon mit der DNA von Ray und auch von Jenny abgeglichen. Am 17. April erklärt die Gerichtsmedizinerin die Überreste aus dem Schacht dann für die Überreste von Ray Kellet.
Leider sind die Medien in dem Fall schneller als die Polizei und so muß die Familie oder die beiden Familien, aber vor allem Race Töchter aus dem Fernsehen erfahren, dass sie nachdem ihre Mutter vor vier Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, nun auch ihren Vater verloren haben.
Die weitere Untersuchung ergibt, dass alle Knochen vollständig und nicht gebrochen sind. Die einzigen Verletzungen, die es gibt, sind eine Fraktur der linken Augenhöhle, des linken Wangenknochens und es gibt eine Trümmerfraktur unterhalb des Wangenknochens mit einem Durchmesser von 25 bis 35 mm. Alles auf der linken Seite und dort setzen sich auch die Verletzungen fort, nämlich am Hals und am oberen Rücken.
Der zweite und dritte Brustwirbel ist gebrochen sowie der dritte Halswirbel. Außerdem scheint das Zungenbein gebrochen zu sein. Die zwei Gerichtsmediziner kommen zu dem Ergebnis, dass die Todesursache nicht eindeutig bestimmt werden kann und deswegen unbestimmt lautet. bedeutet, wenn die Todesursache unklar ist, kann auch nicht wegen möglichen Mordes ermittelt werden, denn es ist ja kein Mord erwiesen.
Das ist genau das gleiche, was ich euch im Fall von Elli schon erklärt habe. Ihr Vater versucht ja die ganze Zeit die Todesursache, die unbestimmt lautet, auf Mord um zu ändern, damit endlich in Fall ermittelt wird. Insgesamt startet die Polizei vier Suchphasen. Während Phase 1 und 2 ganz klar Rettungsaktionen waren, dienen Phase 3 und 4 zur Bergung von Jenny.
Und deswegen werden jetzt alle Schächte noch mal komplett abgesucht. Diesmal seilen sie sich bis zum Boden ab. Das hat damit zu tun, dass die Rettungskräfte in den letzten drei Wochen trainiert und gelernt haben, wie man sich richtig abseilt. Und jetzt wird eben alles noch mal genaustens inspiziert.
Und am Ende von Phase 4, also Ende Juli, haben Sie dann insgesamt 160 Schächte als gesichert markiert. Das sind noch mal 21 mehr als ursprünglich gedacht. Am 7. Mai, als die Rettungskräfte erneut den Schacht, in dem Ray gefunden wurde, überprüfen, weil sie ausschließen wollen, dass Jenny nicht doch noch da unten ist oder jemals da unten war, fallen ihn am Schachteingang, also unweit vom Schachteingang, nämlich 3 m entfernt davon, drei Zigarettenstummel auf.
Diese Zigarettenstummel werden eingesammelt und auf DNA überprüft und das Ergebnis lautet, dass zwei Stummel Jenny DNA an sich haben und der dritte Stummel die DNA von Steve. Beide, Jenny und Steve sind bekanntermaßen Raucher und Ray ist oder war nicht Raucher. Die Frage ist jetzt natürlich, warum liegen dort die drei Zigarettenstummel, zumal so nah beieinander und so nah an dem Schacht, in dem Ray gefunden wurde.
Es deutet also alles darauf hin, dass Jenny und Steve dort an irgendeiner zu irgendeiner Zeit zusammengeraucht haben und das, obwohl Steve ja behauptet hat, er war nie mit Jenny unterwegs und hat nie mit ihr zusammen das Camp verlassen und dass Jenny auch sowieso nie außerhalb der Sichtweite des Camps gegangen ist.
Der Schacht ist aber nun mal 1,5 km nördlich vom Camp entfernt. Das Camp ist also nicht mehr in Sichtweite. So kommen Gerüchte auf, dass Jenny eventuell eine Affäre mit Steve gehabt haben könnte, was beide Familien, also die von Ray und Jenny, für absoluten Humbuk halten, denn die beiden waren immer zusammen.
Sie waren zusammen auf Arbeit, sie waren zusammen zu Hause, sie haben ihre Freizeit zusammen verbracht. Es gab überhaupt kein Zeitfenster, wo Jenny eine Affäre hätte haben können. Und selbst wenn es stimmen sollte. Und Jenny und Steve wollten Ray aus dem Weg räumen, anstatt sich scheiden zu lassen. Im übrigen, wo ist denn dann jetzt Jenny? Warum führt sie denn nicht ein Leben mit Steve irgendwo? Jenny ist aber nie wieder aufgetaucht und das kann ich vorwegnehmen, bis zum heutigen Tage gibt es absolut keine Spur von ihr.
Aber der Polizei kommen durch den Fund der Zigarettenstummel jetzt Zweifel an Steves Aussagen, denn er hat gesagt, er war nie nördlich vom Camp. Jetzt wurden dort die Zigarettenstummel gefunden und er hat auch nichts von der Skizze erzählt, wo eindeutig seine Handschrift drauf ist und nördlich vom Camp ein Schacht markiert ist oder ein Loch.
Und zudem kommt, daß die Polizei mittlerweile die GPS-Daten von seinem Auto auswerten konnte und die auch nicht mit seiner Aussage übereinstimmen. Am 3. November 2015, 7 Monate nachdem Ray gefunden wurde, wird Steve auf die Polizeiwache geladen, wo ein zwölfstündiges Interview stattfindet. Er gibt aber nichts von Selbstpreis, sondern beantwortet die Fragen mit Ja.
Nein, ich kann mich nicht erinnern und reagiert nur auf die Fakten, die er nicht abstreiten kann. So sagt er z.B. Ja, es ist wahrscheinlich mein Zigarettenstummel, weil ich bin Raucher und ich habe geraucht, aber nur am Camp. Und seine Erklärung, wie sein Zigarettenstummel an den Schacht kommt, ist, dass während den Suchmaßnahmen die ganzen Leute, die die Gegend abgesucht haben, diese Zigaretten irgendwie bzw.
seine seine Kippe am Schuh Profil kleben geblieben ist und dort abgefallen ist. 30 cm neben den Zigarettenstummeln von Jenny natürlich. Dumm nur, dass er ja am dritten April vor Ort war, um den Suchtruppen zu helfen und dadurch überhaupt erst gesehen hat, wie viel da los war, wie viele Menschen dort unterwegs waren, um zu suchen und er deswegen überhaupt erst diese Erklärung finden konnte, dass es ja durch dieses Gewusel möglich sein könnte, dass sein Stummel von A nach B transportiert wurde.
Er gibt außerdem zu, dass die Kreise auf dieser Skizze seiner Handschrift sind, sagt aber er kann sich überhaupt nicht dran erinnern, wann diese Skizze entstanden ist und er hat ja auch schon komplett vergessen, also, dass es die gibt. Klar, ihr sitzt zusammen am Tisch, plant diesen Trip, wo es hingeht, in welche Gegend, ist alles genau deine Idee.
Alle eure drei Handschriften sind da drauf und wenn man die Skizze über die Landkarte legt, sind das Camp und der Fundort von Ray nur zufällig fast kongruent mit denen auf der Skizze markierten Kreisen, von dir markierten Kreisen. Alles nur Zufall natürlich und vor allem kannst du dich ja an die Existenz dieser Skizze überhaupt nicht erinnern.
Das Interessanteste sind aber wirklich die ausgewerteten GPS-Daten. Steve hat ja im April ausgesagt, dass er gegen 3 oder 4 Uhr nachts das Camp verlassen hat. So genau weiß er das nicht, weil er keine Uhr trägt und hat dann vom Camp aus die Straße Richtung Sandstone genommen. Ist von dort über Mount Magnet nach Pain Feind gefahren und anschließend runter bis nach Perth, wo er gegen 23:30 Uhr angekommen ist.
Allein schon der Fakt, dass er für eine Fahrt, die normalerweise 7 bis 9 Stunden dauert, auf einmal 19 Stunden braucht, ist merkwürdig. Aber das Interessante kommt jetzt, denn die GPS-Daten ergeben, dass er 10:17 Uhr vormittags erst 5 km von Painfind entfernt war, aber nicht auf der asphaltierten Straße, die von Mount Magnet kommt, so wie er angegeben hat, sondern das GPS pinkt auf der nicht asphaltierten Straße, die quer rüber nach Sandstone führt.
10:20 Uhr biegt er dann nach links auf den Great Northern Highway ab und fährt eben weiter nach Hause. Daraus ergibt sich natürlich die Frage, warum erzählst du nicht einfach, dass du auf der unasphaltierten Straße zurückgefahren bist, sondern erzählst was davon, dass du oben lang gefahren bist? Was ist das Problem daran? Und zweitens, was machst du 6 Stunden, nachdem du losgefahren bist, immer noch erst 200 km südlich vom Campingplatz? Warum bist du nicht weiter? Klar, wie gesagt, die Straße ist unasphaltiert.
Man muss langsamer fahren als auf einer asphaltierten Straße. Er hat einen schweren Anhänger dabei, da kann man auch nicht so schnell fahren. Aber 6 Stunden, die Karte zeigt 4er Stunden. Glücklicherweise fällt ihm jetzt ein, als er darauf gestoßen wird, dass er ja doch zwei Stunden geschlafen hat, kurz nachdem man losgefahren ist.
Und praktischerweise ergibt vier Autofahrstunden plus zwei Schlafstunden genau die sechs Stunden, die zur Debatte stehen. Und die Erklärung, warum er auf der unasphaltierten Straße unterwegs war, lautet dann wie folgt. Er sei, wie er ursprünglich ausgesagt hat, über Sandstown und Mountain Magnet nach Pains Feind gefahren und dort hat er sich dann entschieden, ach, fahre ich doch zurück zum Campingplatz.
Eigentlich will ich noch ein bisschen weiter nach Gold suchen. Also ist er in die Straße Richtung Sandstone eingebogen, hat sich nach 5 km aber überlegt, ach nee, ich muss ja doch arbeiten und ist dann wieder umgedreht und da kam dann der erste Ping. Also als er auf dem Weg, nachdem er umgedreht ist, zurück nach Pains Feind war, hat 10:17 Uhr das GPS gepingt.
Vor 10:17 Uhr gibt es übrigens keine Daten vom GPS. Das muss also zufällig und aus Versehen angesprungen sein. Aber selbst bei seiner Version, er sei über Mount Magnet gefahren, gibt’s ein Problem, denn in Mount Magnet gibt’s an einer Kreuzung eine Überwachungskamera, die so eingestellt ist, dass sie wirklich alles erfasst. Und wen hat sie nicht erfasst? Das Auto von Steve.
Er sagt dazu, dass es sein kann, dass er eventuell hinter der Tankstelle, die an der Kreuzung zum damaligen Zeitpunkt war, lang gefahren ist, um die Kreuzung auszulassen. Okay, machen viele so, aber eigentlich nur am Tag, wenn viel Verkehr ist und nicht nachts, wenn überhaupt nichts los ist, zumal du ja mit deinem Anhänger mehr Probleme hast, hinter der Tankstelle lang zu kriechen, nur um nicht von der Kamera erfasst zu werden, die dich ja quasi entlasten könnte, wenn du wirklich da lang gefahren bist.
Zumal, wenn du hinter der Tankstelle lang gefahren bist, dann weißt du das doch. Warum sagst du denn, es könnte sein, dass ich da lang gefahren bin, aber ich kann mich nicht erinnern? Natürlich kann man sich daran erinnern. Nach diesem Interview durchsucht die Polizei sein Auto, sein Grundstück, sein Haus.
Also Steve gibt auch die Einwilligung dazu. Die Polizei kann aber absolut nichts finden. Sie haben keine Beweise gegen ihn. Sie können ihm nichts vorwerfen. Sie haben nichts in der Hand. Und so gibt es an dieser Stelle keine weiteren Entwicklungen. Festzuhalten bleibt nur, dass Steve als guter Freund von Ray weder an seiner Beerdigung teilgenommen hat, noch sich jemals bei seinen Kindern oder bei den Kindern von Jenny gemeldet hat, obwohl er ja die Person ist, die deren Eltern als letztes gesehen hat, der als letztes Zeit mit ihnen verbracht hat. Vielleicht
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