Wahre Verbrechen I Die dunkle Seite der Liebe I Tr...

Wahre Verbrechen I Die dunkle Seite der Liebe I True Crime Dokumentation T

Wahre Verbrechen I Die dunkle Seite der Liebe I True Crime Dokumentation  

Ein Mordfall ohne Leiche ist immer etwas ganz besonderes. Das nennen wir ein sehr familienbezogener Mensch. Er hat gern mit der Familie Zeit verbracht. Am Morgen des 13.4. 4 ungefähr hat die Ehefrau von Karsten M bemerkt, wie ihr Mann wie üblich aufgestanden ist, um sich fertig zu machen. Das war im Prinzip das letzte Mal, dass wir gesichert sagen können, Carsten M war am Leben und tatsächlich fiel dann dem einen Sohn auf der Terrasse eine große Blutlache auf.

Ein Zeuge hat drei Tage nach dem Verschwinden von Karsten M diesen Wagen dann auf dem Expogelände in Hannover festgestellt. Es wurde allerdings erwähnt, dass es in der Vergangenheit mal eine Affäre gegeben haben sollte zwischen der Frau von Karsten M und einem guten Freund der Familie. Wir haben natürlich die Hoffnung, die Leiche von Carsten M doch noch zu finden, nicht aufgegeben.

Ein Mann verschwindet früh morgens aus seinem Haus. Sein Auto wird knapp 70 km entfernt aufgefunden. Im Wagen massive Blutspuren. Was ist mit Carsten M geschehen? Oberstatsanwalt Hans-Christian Woltas aus Braunschweig war von Anfang an mit dem Fall befasst. Ein Mordfall ohne Leiche ist immer etwas ganz Besonderes.

 Ich persönlich kann mich an keinen anderen Fall in meiner jetzt auch über 20-jährigen Dienstzeit erinnern, indem wir einen Mordfall ohne Leiche hatten. Äh und in einem Mordfall ohne Leiche den Täter dann auch zu überführen, das ist natürlich was ganz Besonderes. Liebenburg in Kreis Gosla. Hier lebt Carsten im Jahr 2021 mit seiner Familie.

Der Mann arbeitet als Hausmeister. Er hat alles für die Familie gemacht, hat zuletzt ein Haus umgebaut, was sozusagen das neue Familiendomizil werden sollte und war wirklich ein Typ, der für den Familie nicht nur nebenbei lief, sondern das war im Prinzip seine große Stärke und wahrscheinlich auch sein großer Halt, denn er hatte große gesundheitliche Probleme, hatte schon zwei Herzinfarkte.

Der letzte Tag im Leben von Carsten M beginnt wie ein normaler Arbeitstag. Der 51-jährige muss sehr früh aufstehen. Am Morgen des 13.4. 4 Uhr ungefähr hat die Ehefrau von Karsten M bemerkt, wie ihr Mann wie üblich aufgestanden ist, um sich fertig zu machen. Das war im Prinzip das letzte Mal, dass wir gesichert sagen können, Carsten M war am Leben.

 Als die anderen Familienmitglieder morgens aufgestanden sind, wurde bemerkt, dass das Handy des Vaters noch in der Wohnung ladet. auch die Geldbörse, auch seine Arbeitstasche war noch dort. Die Ehefrau stellte dann fest, dass sich noch ein Toast im Toaster befand und auch der Thermobecher mit dem Kaffee stand unverschlossen auf dem Küchentisch.

 All das sprach schon irgendwie dafür, dass da jemand entweder ganz plötzlich aufgebrochen ist oder sehr schusselig an dem Tag unterwegs gewesen ist. Da der VW Caddy von Carsten M sich nicht mehr am Wohnhaus befindet, macht sich die Familie keine Sorgen. Sie geht davon aus, dass der Hausmeister auf der Arbeit ist. Das wurde dann abends größer diese Sorgen, denn 17:30 Uhr war Kasten M immer noch nicht wieder zu Hause.

 Das war aber die typische Zeit. hatte sich zwischendurch auch nicht gemeldet und äh da beschloss dann die Familie auch tatsächlich mal im Umfeld nachzuschauen, ob es noch andere Merkwürdigkeiten gibt und tatsächlich fiel dann dem einen Sohn auf der Terrasse eine große Blutlache auf und das war dann im Prinzip das Zeichen, wo die Familie geahnt hat, dass da irgendwas nicht mit rechten Ding zugeht, dass irgendwas schlimmeres passiert sein muss.

 Und da wurde dann auch am Abend des 13.0. die Polizei eingeschaltet. Beim genauen Absuchen der Terrasse und des Grundstücks durch Familie und Polizei werden noch zahlreiche weitere Blutspuren entdeckt. Carsten M nahm blutverdünnende Medikamente, das heißt, man wusste auch, dass er grundsätzlich auf diese Medikamente angewiesen ist und als man dann am nächsten Morgen bei einer genaueren Absuche auch noch die blutverschmierte und beschädigte Brille von Carsten M gefunden hat, ähm da war es tatsächlich so, dass man eigentlich mit dem schlimmsten rechnen musste. Klar

ist auch, ohne seine Brille ist es unwahrscheinlich, dass der stark kurzsichtige Carsten M selbst mit dem Wagen davon gefahren ist. Wo ist das Auto und vor allem, wo ist Carsten M? Nach dem verschwundenen VW Caddy der Familie M ist gefandet worden, insbesondere in sozialen Medien durch die Familie selber und ein Zeuge hat drei Tage nach dem Verschwinden von Kasten M diesen Wagen dann auf dem Expogelände in Hannover festgestellt, hat sofort die Polizei informiert.

 Bei der kriminaltechnischen Untersuchung hat man dann festgestellt, dass dort offensichtlich Blutspuren versucht wurden zu beseitigen. Man hat also mit florisierenden Mitteln dieses Blut wieder sichtbar gemacht und hat dann ganz große Blutanhaftungen im Bereich der Rückbank festgestellt und das war dann für uns auch der Punkt, wo dann wirklich wir auch damit von ausgehen mussten, dass Karsten M nicht mehr am Leben ist.

Aufgrund der Abläufe konzentrieren sich die Ermittler nun darauf, die Leiche zu finden. Es wurden verschiedene Orte abgesucht. Es wurden Waldstücke abgesucht. Wir haben eine Biogasanlage durchsucht, weil im Raum stand das möglicherweise dort der Leichnahmen vielleicht entsorgt worden ist. Die Polizei geht davon aus, dass Carsten M Opfer eines Kapitalverbrechens geworden ist.

Es war relativ schnell klar, dass ein Suizid ausscheidet. Ähm, deshalb ging es sehr schnell in die Richtung, dass das Verschwinden mit anderen Personen zu tun haben müsste. Bei den ersten Befragungen gab es zunächst erstmal niemanden, der als verdächtig erschien. Es wurde allerdings erwähnt, dass es in der Vergangenheit mal eine Affäre gegeben haben sollte zwischen der Frau von Carsten M und einem guten Freund der Familie.

 Ähm, diese Affäre sollte allerdings nur kurze Zeit bestanden haben, sollte sich halt seit Jahren erledigt haben. Kassen M soll davon auch gewusst haben, sodass das für uns zunächst nicht vertief weiterverfolgt wurde. Es gab ähm wenige Monate vor dem Verschwinden von Carsten Merk merkwürdige Anrufe, die auf einen Briefbezug nahmen, der am Fahrzeug von Carsten M befestigt war.

 In diesem Brief wurde angedeutet, dass seine Ehefrau ein Verhältnis mit einem Mann habe. Die Ermittler widmen sich jetzt genauer dem Mann, mit dem die Frau früher eine Affäre hatte und seinem Umfeld. Im Rahmen weiterer Befragung hat sich dann tatsächlich herauskristallisiert, dass dieses äh Verhältnis zwischen der Ehefrau Karsten MS und dem guten Freund der Familie offenbar bis zum Verschwinden von Carsten M bestand hatte.

ähm sodass das aus unserer Sicht eine mögliche Motivlage für einen Täter gewesen ist. Der geschiedene Martin G rückt in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Wahlkarsten M dem 50-jährigen im Weg. Hinzukam, dass Martin G. sich auch gegenüber der Polizei merkwürdig verhalten hat. Er war selber Polizist, arbeitete bei der Bundespolizei, ähm hat aber versucht immer wieder seine Vernehmung aufzuschieben.

 Letztlich musste durch die Staatsanwaltschaft die Vernehmung angeordnet werden, um dann wirklich mit ihm ins Gespräch zu kommen. In diesem Gespräch hat er jegliche Verbindung zum Verschwinden von Karsten M abgestritten. Der Punkt an dem dann tatsächlich ein Anfangsverdacht wegen eines Tötungstilits gegen Martin G.

 von uns bejahrt wurde, war der Umstand, dass Zeugen zur möglichen Tatzeit, zum Zeitpunkt des Verschwindens von Carsten M einen Fiat 500 in Tatortnähe gesehen hatten. Äh, es wurden auch Kennzeichen Fragmente notiert und die Polizei konnte dann durch aufwendige Ermittlung äh auch herausfinden, dass es sich um einen Mietwagen gehandelt hat.

 Dieser Mietwagen war an Martin G vermietet worden und es war auffällig, weil Martin G eigentlich ein eigenes Fahrzeug hatte, was zu diesem Zeitpunkt auch völlig funktionsfähig gewesen ist. Ähm sass man sich schon fragen musste, warum miet sich jemand, der ein Auto zur Verfügung hat, ein zweites Auto an? Martin G bestreitet weiterhin etwas mit dem Verbrechen zu tun zu haben.

 Er sagt außerdem, dass er gar kein Interesse gehabt hätte mit der Ehefrau von Carsten M fest zusammenzuleben. Sein Verhalten ansonsten war aber schon sehr merkwürdig. Nachdem er also die Mitteilung bekommen hatte, dass er vernommen werden sollte durch die Polizei, hat er sein Handy aufs Werkeinstellung zurückgesetzt, hat dann seine Kontakte neu eingepflegt und dabei war auffällig, dass es keinen Kontakt für Karsten M gab.

 Ähm, das heißt, jemand der einen besten Freund hat, mit dem er quasi jeden Tag zusammen ist, dessen Rufnummer wird nicht mehr eingespeichert. Der Rufnummer der Ehefrau, mit der er zu diesem Zeitpunkt ein Verhältnis unterhalten hat, ja, sehr wohl und das wir für uns natürlich auch ein Umstand, dass man gesagt hat, hoppla, wieso speichert der die Nummer nicht mehr ein? Das kann man eigentlich nur machen, wenn man weiß, dass man die Nummer nicht mehr braucht, weil man den anderen eben nie mehr anrufen kann und das konnte aus unserer Sicht eben nur

der Täter wissen. Bei der Überprüfung der technischen Geräte von Martin G. stoßen die Ermittler auf verdächtige Bestellungen. Der Mann hatte eine Pistolenarmbrust und die zugehörigen Pfeile geordert. handelt es sich um die Tatwaffe. Da die Leiche von Carsten M nach wie vor nicht gefunden ist, lässt sich eine genaue Todesursache nicht feststellen.

Es ist dann einige Wochen vor der Tat ein Armbrustpfeil auf dem Grundstück der Familie M gefunden worden. Mit dieser Armbrust ist dann auf dem Grundstück geschossen worden. gezielt auf Carsten M oder ungezielt als Probeschuss. Das konnte letztlich nicht geklärt werden. Weitere Bestellungen von Martin G. Unmittelbar nach dem Verschwinden von Carsten M sind für die Beamten noch auffälliger.

 Der Verdächtige hat Bauzäune und Betonsteine gekauft. Er hatte vorher in einem Baumarkt auch schon Stacheldraht besorgt und bei der Durchsuchung seines Hauses konnten wir keines dieser gekauften, keinen diese gekauften Gegenstände auffinden. Ähm Martin G hat uns auch nicht gesagt, wo er diese Gegenstände gelassen hat, sodass wir davon ausgehen mussten, dass der Kauf dieser Gegenstände mit dem Verschwinden von Kasten M in Zusammenhang steht.

 möglicherweise, dass die Gegenstände dazu benutzt wurden, entweder ein mögliches Grab abzusichern oder vielleicht auch die Leiche zu beschweren, um sie eben besser verstecken zu können. Um mögliche Zeugen zu finden, wendet sich die Polizei an die ZF Verhandlungssungssendung Aktenzeichen XY ungelöst. Und unsere Frage dazu lautet, wo ist in diesem Bereich Ende April mit den genannten Materialien eine Baustelle oder eine Absperrung errichtet worden, an der bis heute nicht gearbeitet wird? Für uns wäre das dann eine mögliche Stelle gewesen, wo wir nach dem

Leichnamen von Karsten M hätten suchen können. Tatsächlich war es so, dass wir im Nachgang dieser Sendung einige Hinweise erhalten haben. Äh da war letztlich aber keiner dabei, der für uns weitere Ermittlungsansätze geboten hätte. Das heißt, wir haben das diese den Verbleib der Baumaterialien bis heute nicht klären können.

Auch ohne Leiche kann sich die Staatsanwaltschaft ein ungefähres Bild des möglichen Tatablaufs machen. Martin G muss am frühen Morgen des 13. April 2021 zwischen 4 Uhr und 4:30 Uhr mit dem geliehenden Fiat 500 in die Nähe des Grundstücks der Familie M gefahren sein. Anschließend hat er Carsten M auf die Terrasse gelockt und attackiert.

Möglicherweise mit der Armbrust. Jedenfalls hat er ihn schon so schwer verletzt, dass dort ein erheblicher Blutverlust stattgefunden hat. Er hat dann den mindestens schwer verletzten Carsten M einmal quer über das Grundstück geschleift. ist dann mit dem Caddy der Familie zum Hinterausgang des Gartens gefahren, hat dort Carsten M in das Fahrzeug eingeladen und den dann zu einem unbekannten Ort verbracht.

Anschließend den Caddy äh gereinigt und den Caddy dann im Expogelände in Hannover geparkt. Wir gehen davon aus, dass er anschließend vom Expogelände mit einem Taxi und möglicherweise auch mit der Bahn sich wieder zurück nach Salzgitter begeben hat. äh letztlich dann auch wieder ähm zum Wohnort der Familie M gefahren ist.

Dort hat er dann den 4500 wieder entfernt. Dazu kommt, weil er ein häufiger Gast war, kannte Martin G. Die Abläufe bei Familie M sehr genau. Er wusste also auch, dass Karsten M sehr früh aufsteht, nach Uhr und der Rest der Familie quasi erst ab um 6 Uhr so pö ab pö dann ebenfalls wach wird. sodass er natürlich auch wusste, dass er eine gewisse Zeitspanne zur Verfügung hat, um Karsten M zu attackieren.

 Ähm natürlich musste er das, weil es ja direkt im Umfeld des Wohnhauses passierte, mehr oder weniger lautlos machen. Das scheint ihm aber auch gelungen zu sein, denn von den anderen Familienmitgliedern ist ja keiner aufgewacht. Martin G wollte die Ehe von Carsten M offenbar mit allen Mitteln auseinanderbringen. Deshalb schrieb er ihm vermutlich den anonymen Brief, indem er die Affäre erwähnte.

 Doch auch daran ging die Beziehung nicht zu Bruch. Das war möglicherweise einer der ausschlaggebenden Punkte für Martin Gedern, den Entschluss zu fassen, Carsten M zu beseitigen, weil nur so konnte er quasi dieses Ehepaar auseinanderbringen und nur so war die Frau frei für ihn und hätte sich ihm zuwenden können. Auch wenn die Leiche von Carsten M nach wie vor nicht gefunden ist, beginnt im November 2021 vor dem Landgericht Braunschweig der Mordprozess gegen Martin G.

In der Tat ist es so gewesen, ähm dass ähm Martin G natürlich bis zum Ende ja jegliche Beteiligung bestritten hat. ähm und auch die Verteidigung deshalb bemüht war, alles was wir an belastenden Momenten ins Feld geführt haben, irgendwie ähm zu Fall zu bringen. Ähm das heißt, man hat versucht, die Arbeit der Polizei schlecht zu machen, ähm hat versucht uns Ermittlungs Versäumnisse vorzuwerfen.

 Wir hätten einseitig ermittelt, hätten uns überhaupt nicht um alternative Täter oder sowas gekümmert. Das hatten wir sehr wohl. Im Prozess spielen auch die Spuren im VW Caddy eine Rolle. Neben Blut von Carsten M können die Kriminaltechniker auch eine DNA Spur von Martin G. An einem Rucksack isolieren, den er am Tatmorgen aus dem Haus der Familie gestohlen haben muss.

Ende Mai 2022 fällt vor dem Landgericht Braunschweig das Urteil in dem Indizierenprozess. Das Gericht hat Martin G letztlich wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen zu einer lebenslangen Freitstrafe verurteilt. Die Verteidigung hat dagegen Revision eingelegt, sodass der Bundesgerichtshof das Urteil überprüft hat.

 Die Bundesgerichtshof konnte aber keine Rechtsfehler finden sass das Urteil dann noch rechtskräftig wurde. Einhaltspunkte dafür, dass die Ehefrau von Karsten Elm in irgendeiner Art und Weise an der Tat beteiligt war, hat es keine gegeben. Auch mehr als dre Jahre nach dem Urteil ist trotz aller Bemühungen und Appelle die Leiche von Carsten M immer noch nicht gefunden.

Warum Martin G den Ablageort des Leichnamens bislang nicht bekannt gegeben hat, ähm ist für uns unklar. Äh zum einen äh könnte es so sein, dass er selber damit beweisen will, wie clever er ist, auch bei der Tatbegehung war, dass er es eben geschafft hat, eine Leiche so verschwinden zu lassen, dass sie nicht mehr auftaucht.

 Möglicherweise will er sich auch selber gegenüber nicht eingestehen, dass er diese Tat begangen hat. Äh auch solche Täter gibt es. Kann immer noch sein, dass vielleicht durch ein Zufallsfund eines Spaziergängers der Leichnam gefunden wird. Möglich, dass Martin G. Die Zeit im Gefängnis nutzt, noch mal über sich und seine Tat nachzudenken und vielleicht dann auch, um mit der Sache abschließen zu können, den Leichenfund verrät.

 Für die Familie wäre es natürlich wichtig, auch einen Ort der Trauer zu haben, also ein Begräbnisort ähm um eben tatsächlich das Ganze auch endgültig verarbeiten zu können. Der Fall war insofern einzigartig, als er uns in ein vollkommen fremdes Milieu geführt hat. Es ist ihm dann ganz gruselig geworden, weil äh er erblickt hat blutige Kleidung und blutige Gegenstände.

Er hat natürlich sofort die Polizei verständigt. Allerdings muss man sagen, wir hatten ja keine Leiche. Wie der Koffer dann von uns aufgebrochen wurde, entdeckten wir darin die Leiche eines Mannes. Die kimnesische Community war in sich abgeschottet. Wien 1985. In einem Altglascontainer werden blutige Kleidung und mögliche Mordwerkzeuge gefunden.

In einem Koffer an der Donau liegt eine Leiche versteckt. Wer hat hier JNL umgebracht und warum? Hofrat Dr. Josef Siska war lange Jahre Leiter der Wiener Mordkommission. Er hat nach dem Täter gesucht, speziell in diesem Fall eine große Herausforderung. Der Fall war insofern einzigartig, als er uns in ein vollkommen fremdes Milieu geführt hat.

 Er war auch für die Öffentlichkeit ähm auffällig und hat ein reges Interesse genommen noch dazu, als äh die Ermittlungen sehr schwierig waren und sich auch eine erhebliche Zeit hingezogen haben. Der Friedrich Engelsplatz im 20. Wiener Gemeindebezirk. Ein Mann will hier am Morgen das 28. August 1985 Flaschen in einem Altglascontainer entsorgen.

Doch der Einwurfschacht ist blockiert mit Plastiksäcken. Er hat diese Plastiksäcke herausgezogen und äh hineingesehen. Und es ist ihm dann ganz gruselig geworden, weil äh er erblickt hat, dass äh blutige Kleidung und blutige Gegenstände. Insbesondere ist im Auge gestochen ein hölzerner Schlägel, ein Küchenmesser mit Blutspuren, weiters auch Flaschenreste, an denen noch die Haare eines Menschen offenbar klebten.

Der schockierte Mann ruft die Polizei. Dr. Siska und seine Kollegen kommen zum Friedrich Engelsplatz. Wie wir also das näher angesehen haben, haben wir bemerkt, dass es sich eigentlich um die Kleidung zweier Personen, eines Mannes und einer Frau handelt und zwar ziemlich komplett, allerdings nicht äh gänzlich.

Mögliche Mordwerkzeuge bei der gefundenen Kleidung. Was ist hier passiert? Sind etwa irgendwo in Wien zwei Menschen umgebracht worden? Die Polizei beschließt mit den Kleidungsstücken über die Medien eine Suchaktion zu starten. Dafür werden die blutigen Fundstücke Schaufensterpuppen angezogen. Tatsächlich meldet sich jemand.

 Aus dem 21. Wienerbezirk kommt der Hinweis eines 17-jährigen Chinesen. Ein Verwandter namens Yigen Jen L habe am 26. August ein Gespräch mit ihm nach einem Anruf in seinem Restaurant abrupt beendet. Er ist überhastet aufgebrochen, sofort zu seinem Auto gestürzt, hat vergessen seine Geldbörse mitzunehmen, seine Ausweise mitzunehmen, was man ja üblicherweise bei sich hat, wenn man mit dem Auto fährt und hat nur noch gesagt, er wird in einer halben Stunde etwa wieder zurück sein und zwar zurück in dem Lokal dessen Besitzer er war. Er ist

aber nie mehr gekommen. Ein wichtiger Hinweis. Allerdings muss man sagen, wir hatten ja keine Leiche. Doch nur wenige Tage später, am 31. August 1985 wird sich das ändern. An diesem Tag findet ein Sportfischer am Ufer Donau einen schweren Koffer. Es kam ihn verdächtig vor und er hat die Polizei verständigt zurecht, denn wie der Koffer dann von uns aufgebrochen wurde, entdeckten wir darin die Leiche eines Mannes, der an den Beinen gefesselt war in einer zusammengekauerten Stellung und der seiner Physianomie nach

asiatisch ausgesehen hat. Damit war also jetzt schon ein Konnex zwischen der Abgängigkeit und zwischen den aufgefundenen Toten gegeben. Familienangehörige können bestätigen, bei dem Toten im Koffer handelt es sich tatsächlich um den vermissten Jenl. Und nun kommt dazu, dass die Gerichtsmedizin äh auch die Bluth Gruppe des Herrn L.

bestimmt hat und äh eindeutig festgestellt werden konnte, dass die Blut äh Spuren, die auf den Küchenmesser, auf den Holzschlägel, auf den Resten einer Flasche, die zerbrochen worden war, gefunden wurden und auch die Haare von den Abgängigen L standen. Der Tote im Koffer hatte Kleidung an. Die Ermittler wollen jetzt wissen, wem gehören dann die blutigen Klamotten aus dem Altglascontainer? Gibt es noch weitere Opfer? Die Polizei sucht das Donaufer weiträumig ab, findet aber keine weiteren Leichen.

Der Tote, wie wir nun feststellen konnten, er war der Besitzer eines Chinokals. Chinlokale waren zu dieser Zeit in Wien große Mode. Es hat als schick gegolten hin und wieder durch zum Chinesen zu gehen. Rund 7000 Menschen aus China leben damals in Wien. Dr. Siska und seine Kollegen ermitteln in ihrem Umfeld und in den insgesamt etwa 250 China Restaurants.

Die chinesische Community war in sich abgeschottet. Das heißt, sie ist äh in der Öffentlichkeit mit Ausnahme vom Chinerlokal kaum in Erscheinung getreten, hat keine Kontakte zu Einheimischen gepflegt. [schreien] Dennoch kann die Polizei in der Community einiges über das Opfer herausfinden. El sei als 17-Jähriger nach Österreich gekommen, habe hier die Schule besucht und relativ gut Deutsch gesprochen.

 Über mögliche Feinde von L erfahren die Beamten zunächst nichts. Es war eine überaus höfliche äh Begegnung äh mit äh den in den Restaurants oder Gastwirtschaften tätigen Chinesen. Allerdings ähm ich hätte sagen können, sie war maskenhaft, also äh freundlich, wobei das, was äh dahinter ist ähm wie es so schön heißt, niemanden was angeht.

Die Polizisten finden heraus, dass das 21-jährige Mordopfer für seine Landsleute regelmäßig als Dollmetscher im Einsatz war. Wie sich allerdings herausstellen sollte mit ganz bestimmten Absichten. Und hier kommt äh ein chinesischer Gastwert, ein gewisser Herr X ins Spiel, äh der äh den Herrn L, also den Toten, äh gebeten hat, ihm zu Dlmetschen in Verkaufsverhandlungen mit einem Österreicher, dessen Lokal er kaufen wollte.

 und wie er dann später festgestellt hat, hat der L äh falsch gedolmetscht oder so gedolmetscht, dass das Geschäft hintertrieben wurde, dass es nicht zustande gekommen ist und zwar aus dem Motiv, weil er das Lokal selbst für sich haben wollte und in der Folge auch hatte. Und das bleibt nicht der einzige Anlass für ein vermutlich angespanntes Verhältnis zwischen Hong X und dem späteren Mordopfer.

Er hat es sich unterstanden, sogar vor dem Lokal äh des X Werbematerial an Passanten auszuteilen, äh indem er sie aufgefordert hat, doch lieber in sein Lokal zu kommen und nicht in dieses, weil hier in diesem Lokal nicht eine authentische chinesische Küche geboten wird. Man kann sich also vorstellen, dass hier bereits eine gewisse Spannung äh zwischen L und X bestanden hat.

Die Polizei vernimmt Hong X und seine Ehefrau. Das Paar vermutet, der Mord ginge auf das Konto der chinesischen Mafia. Warum die beiden zu dieser Einschätzung kommen, erzählen Sie nicht. Hong X wird von der Polizei auch nach seinem Alibi für den frühen Abend des 26. August befragt.

 Es ist der Zeitpunkt, zu dem das Mordopfer Jen L verschwunden war. Und da hat er gesagt, und es wurde von seiner Frau äh bestätigt äh dass sie spazieren waren im Brater. Nun muss man aber dazu sagen, wir haben ja den meteorologischen Bericht uns angesehen, zu dieser Zeit hat es in Strömern in Wien geregnet. Die Polizei ist jetzt misstrauisch und durchsucht daraufhin die Wohnung des Ehepaars X.

 Sie finden Blutspuren, sowohl an der Wand als auch in den Bodenritzen. Die Erklärung für diese Blutspuren hat die Frau X so erbracht, dass sie gesagt hat, sie hat drei Kinder und die wären sehr lebhaft, spielen und laufen auch gegen die Wand, verletzen sich dadurch und es wäre also Blut teilweise zumindest von ihren Kindern und was das andere Blut, die größeren äh blutigen Verunreinigungen am Fußboden anbelangt, äh das wäre von ihr selbst, nämlich äh sie hätte eine sehr starke Regelblutung gehabt und das würde daher stammen. Doch die

Gerichtsmediziner können feststellen, dass die Blutreste aus der Wohnung nicht von Frau X oder ihren Kindern stammen. Es handelt sich um das Blut des getöteten JNL. Wir haben weiter versucht äh zunächst einmal denen eine Falle zu stellen, dass wir nämlich Herrn äh X und Frau X gemeinsam in eine Zelle äh gegeben haben, die wir abgehört haben und äh uns erwartet haben, dass die jetzt alleinelassen [schnauben] äh sich austauschen, äh irgendetwas sprechen.

 Herr Sterber, gänzliche Stille, meditative Stille. Kein Wort wurde zwischen den beiden gesprochen. Die Wiener Polizei befragt weitere Mitglieder der chinesischen Community, um Hinweise auf die Beziehung des Ehepaars X zum ermordeten L zu bekommen. Einmal hat die Dolmetscherin gesagt, ja, die Frau äh X hat ihren Mann einen grünen Hut aufgesetzt.

 Diese ähm Äußerung ist gefallen im Zuge eines langen Gespräches und da ist natürlich drauf geachtet worden, tat relevante Umstände in Erfahrung zu bringen und äh Fragen der Begleitung, ob jetzt grüner Hut oder nicht, äh waren eher irrelevant und wurden daher auch nicht beachtet. Das hat sich dann erst später ergeben durch den Hinweis einer Frau, die äh gesagt hat, na ja, das heißt ja auch oder kann ja auch bedeuten [schnauben] äh ehliche und dreie.

Die bildhafte Redensart wird in China mit unter verwendet, wenn ein Partner den anderen betrügt. Die Polizei konfrontiert Frau X mit den Gerüchten, sie habe einen Geliebten. Und die 28-jährige bricht tatsächlich ihr Schweigen und zwar, dass sie es gewesen ist, die den L in seinem Lokal angerufen hat, um äh ihm zu sagen, er soll doch zu ihr kommen, sie ist allein.

 Und sie hätte ihm eine Stunde Liebe angeboten. stellte sich heraus, dass diese Redewendung, sie hat ihren Mann den grünen Hut, äh aufgesetzt, tatsächlich berechtigt war. Äh L war der Geliebte der Frau X. Frau X sagt aus, dass sie am Tattag unter dem Vorwand einer Übelkeit vorzeitig aus ihrem Restaurant nach Hause gegangen sei.

Irgendwie muss allerdings der Herr X schon etwas geahnt haben, denn auch er hat kurz darauf das Lokal verlassen, ist nach Hause gegangen und hat dort im Ehebett seine Frau mit dem L angetroffen. X muss seinen Widersacher daraufhin mit in der Wohnung liegenden Gegenständen angegriffen haben. Mit dem Fleischklopfer verletzt er ihn durch Schläge auf den Kopf.

 Er ersticht ihn schließlich mit einem Küchenmesser. Ihr Ehegatte hat, obwohl sie versucht hat, ihm abzuhalten, ihren [räuspern] Geliebten umzubringen, äh auf Rache gesonnen und hat sie gezwungen, dass sie ihm hilft den Toten Geliebten in den Koffer zu verpacken. Und zu zweit haben sie ihm zum Auto geschleppt, an die Dona gebracht und dort äh deponiert.

Jetzt müssen die beiden nur noch ihre blutige Kleidung loswerden. Sie haben daher die Kleidung in zwei Plastiksäcke hineingegeben. In der Nähe befindet sich dieser Altglascontainer. Dort haben sie die beiden Säcke hineingestopft. Das Ehepaar X wird noch einmal gemeinsam vorgeladen. Wir haben die blutige Kleidung gegen den Protest des Anwaltes sie anziehen lassen.

Die Kleidung hat genau gepasst. Nachdem Ji Yen L zunächst Hong X geschäftlich geschädigt hatte, war der Ehebruch Auslöser des Verbrechens. Doch der Täter behart auf einem anderen Motiv. Hong X wird im Mai 1986 wegen Totschlags in Wien zu einer Haftstrafe von siebeninhalb Jahren verurteilt. Seine Frau verweigert vor Gericht die Aussage.

Sie kommt mit einer Bewährungsstrafe davon. Josef Walsenbach war zur Tatzeit 20016 61 Jahre alt Monde hier in Freiburg San Gorgen. Nach der ersten in Augenscheiname sah so aus, dass Herr Walsenbach zuerst mit zwei Gürteln versucht wurden zu erdrosseln. Das gelang aber nicht. Und dann hat er insgesamt sieben Schläge mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kinderkopf erhalten, bis er letztendlich tot war.

Es war so, dass die DNA der einer weiblichen Person zuzuordn waren. Im Jahre 2002 wurde bekannt, dass die weibliche DNA zu einem Wortfall passt von 1993 bei dem Wort einer Rentnerin in jeder Oberspannung. Bis Anfang 2009 wurde die weibliche DNA der Täterin an über 40 Tatorten in Deutschland, Österreich und Frankreich aufgefunden.

Darinter sechs Mordfällen insgesamt. Freiburg im Jahr 2001. Im Stadtteil St. Georgen liegt ein 61-jähriger Mann tot in seiner Küche. Zu diesem Zeitpunkt ahnt die Polizei noch nicht, welche Verwicklungen der Fall noch nach sich ziehen wird. Martin Sarau war früher Einsatzleiter bei der Freiburger Polizei.

 Er hat sich für uns noch einmal mit dem Verbrechen beschäftigt. Josef Walzenbach war zur Tatzeit 61 Jahre alt, Monde hier in Freiburg San. Gorgen alleinstehend und auch insgesamt sehr zurückgezogen seinen Lebensunterhalt bestritt er mit an und Verkauf von Flohmarktartikeln. Etliche dieser Flohmarktartikel hatte er auch in einem Schuppen hinter seinem Haus deponiert.

Am 26. März 2001 will eine Nachbarin bei Josef Walzenbach nach dem Recht sehen. Ihr ist aufgefallen, dass die Tür zu seiner Wohnung seit mehr als 24 Stunden nur angelehnt ist. Gemeinsam mit einer Bekannten betritt sie die Wohnung und macht eine Entdeckung. Der 61-jährige Mann liegt tot auf dem Küchenboden. Nach der ersten Augenscheiname des Tatorts sah es so aus, dass er mit zwei Gürteln wohl zuerst versucht wurde zu erdrosseln. Das gelang aber nicht.

 Und dann hat er insgesamt sieben Schläge mit einem stumpfen Gegenstand auf den Hinterkopf. erhalten, bis er letztendlich tot war. Vermutlich hat der 61-Jährige irgendwann zwischen dem 24. und 26. März seine Mörder selbst die Tür geöffnet. Die Kripo Freiburg rätselt über das Motiv. Als erstes hatte man die Vermutung, dass ich der Mordinhalt des homosexuellen Milieus abgespielt haben dürfte.

 Da sie aber dafür keine Anhaltspunkte ergaben, muss man davon ausgehen, dass es ein Raubmord war, obwohl der Herr Walzenbach über keine große Besitztümer verfügte. Allerdings fehlten tatsächlich ein paar hundert Dmark. Die Freiburger Polizei stellt die Soko St. Georgen auf. Bis zu 36 Beamte gleichzeitig befassen sich mit dem Fall.

In den anschließenden 15 Monaten wurden 1200 Spuren gesichtet und über 1000 Personen kontrolliert. führte aber nicht zum Erfolg. Da zum möglichen Tatzeitpunkt eine Kolonne von Zeitschriftenwerbern im Stadtteil St. Georgen unterwegs ist, wird die Sonderkommission auch in diesem Umfeld tätig.

 Der Durchbruch bleibt aber aus. Eine wichtige Spur vom Tatort gibt es jedoch. An einer Küchenschublade haben Kriminaltechniker die DNA einer unbekannten Frau gesichert, der Mörderin von Josef Falzenbach. Der Abgleich mit der bundesweiten DNA Datenbank bleibt zunächst ohne Erfolg, bis durch Fortschritte in der Kriminaltechnik ein Parallelfall auftaucht.

Im Jahre 2002 wurde bekannt, dass die weibliche DNA zu einem Mordfall passt von 1993 bei dem Mord einer Rentnerin in Ider Oberstand. Da dort auch Zeitschriftenwerber gesehen wurden, stellte man den Zusammenhang her zwischen diesen beiden Mordfällen. Bei dem Opfer in Ida Oberstein in Rheinlandfalz handelt es sich um die 63-jährige Lise Lotte Schlänger, die dem oder den Tätern offenbar ebenfalls selbst die Tür geöffnet hatte.

Man hatte es jetzt wohl mit zwei Mordfällen innerhalb von 8 Jahren zu tun. Das Problem war nur 300 km auseinander, das heißt mehr oder weniger überörtlich. Und somit hat man sich entschieden Aktezeiche XY einzuschalten, weil man hier regional nicht mehr weiter kann. Die Kriminalistik erlebt ja zurzeit eine wahre Revolution, ausgelöst durch die fantastischen Möglichkeiten der DNA Analyse.

 Sie kennen das der genetische Fingerabdruck, mit dem man aus winzigsten Spuren heute Täter überführen kann. Und nicht nur das, plötzlich können sich Zusammenhänge ergeben, auf die man früher gar nie gekommen wäre. In der Sendung werden außer den beiden Mordfällen auch noch weitere Taten, bei denen die DNA der unbekannten Frau aufgetaucht ist, vorgestellt.

 Zum einen wurde die DNA an Kekskrümeln nach einem Einbruch in einem Wohnwagen in Mainz Budenheim gefunden. Der genetische Abdruck wird außerdem auch in Gerollstein in der Eifel festgestellt an einer Heroinspritze. Eine Spritze. Was hast du denn da? eine Spritze Mama. Auf die Ausstrahlung bei Aktezeiche XY gab es natürlich mehrere Hinweise.

 Es wurden hierbei auch mehrere Namen genannt, die aber letztendlich nicht zu einem Ziel geführt haben oder zum Täter. Die Beamten in Freiburg halten wegen des Parallelfals weiter engen Kontakt nach Ida Oberstein in Rheinlandfalz. Doch schon bald tauchen zahlreiche weitere Fälle auf, in denen die unbekannte weibliche DNA gefunden wird.

Am meisten Aufsehen erregt dabei wohl im April 2007 die Ermordung der 22-jährigen Polizistin Michelle K. in Heilbrunn. Ihr Kollege wird bei dem Anschlag lebensgefährlich verletzt. Auch hier am Tatort die DNA der Unbekannten, die schon beim Fall Walzenbach gefunden wurde. Die Kriminalisten rätseln.

 Hat es in den Laboren vielleicht Fehler im Umgang mit den DNA Proben gegeben? Im März 2009 kam es dann zur großen Überraschung, ähm, dass alle Polizeidigenstellen äh die DNA Materialien von derselben Firma bezogen haben, insbesondere auch die Wattestäbchen. Nun konnte das Rätsel letztendlich geklärt werden. Es war die Mitarbeiterin einer Firma, die die Wartestäbchen händisch in diese Röhrchen hineinsteckte und somit dann kontaminierte.

 Nach ihr war all die Jahre als angebliches Phantom gesucht worden. Die Anforderungen an die Labore, die eigentlich sterilen Untersuchungsinstrumente besser zu schützen, werden daraufhin angehoben. Dennoch, das jahrelange Überprüfen falscher Spuren trifft die Ermittler aller betroffenen Fälle hart. Man will sich gar nicht vorstellen, wie viel Mühe und vor allem Zeit verloren gegangen ist, weil man einem Phantom hinterher gejagt ist.

Das Verbrechen an Josef Falzenbach bleibt aufgrund der neuen Situation weiterhin ein Codecase. Der Fall Josef Walzenbach muss natürlich jetzt als Einzelfall betrachtet werden, kann aber immer noch zur Aufklärung führen, auch nach so langer Zeit und die wahrscheinlichste Motivlage dürfte ein Raubmart gewesen sein.

 Für den Pensionierten Polizei Hauptkommissar Martin Sarau zeigen die trügerischen Spuren im Fall Walzenbach vor allem eines, dass die kriminaltechnischen Fortschritte beispielsweise rund um die DNA-Analyse nur dann nützlich sind, wenn mit ihnen auch zuverlässig gearbeitet werden kann. Das Bauchgefühl, was man bekommt, wenn man so eine Akte liest, ist, dass da irgendetwas nicht stimmen kann.

Wenn eine Mutter verschwindet, ja, und ihre Kinder zurücklässt, dann sollten alle Alarmglocken klingeln und die klingelten dann auch. Da eskaliert der verbale Streit immer weiter und plötzlich dreht er durch. Das Besondere war nicht so sehr die eigentliche Tathandlung, das eigentliche Delikt, sondern viel mehr die Art und Weise des Versteckens.

Februar 2008, ein kleines Dorf bei Bonn. Nach einem Streit mit ihrem Mann verlässt sie P überstürzt das Haus, ohne sich von ihren Kindern zu verabschieden. So schildert es zumindest ihr Ehemann. Die Familie, das sind Vater, Mutter, die damals 15-jährige Tochter Christina und ihr 18-jähriger Bruder. Sie führt nach außen ein unauffälliges Leben.

 Doch die Eltern haben über Jahre einen Berg Schulden angehäuft. Hat das Verschwinden von Mutter Sigrid damit etwas zu tun? Der Vater versucht die Kinder erst einmal zu beruhigen. Ja, die Kinder sind natürlich erstmal überrascht. Die werden an der Schule abgeholt von ihrem Vater, fahren in ein Schnellrestaurant und in dieser Situation bringt der den Kindern dann bei, dass die Mama jetzt weg ist.

 Sie sind erstaunt. Er sagt aber im gleichen Atemzug auch, die brauchen eine Auszeit, die kommt schon wieder und dann nehmen die das erst einfach mal so hin. Dass Muttersret einfach so verschwindet, ist unüblich. Als sie am Abend immer noch nicht wieder aufgetaucht ist, geht die Familie zur Polizei, aber die Beamten schicken sie wieder nach Hause.

Die Ermittler glauben, dass die Mutter den Druck nicht mehr ausgehalten hat, denken, sie brauche eine Pause. Zwei Wochen später taucht die Mutter angeblich noch einmal auf, als ihre Kinder gerade in der Schule sind. Nur der Vater ist zu Hause. Er berichtet dem ZDF damals von der merkwürdigen Begegnung.

drehte sich in der Tür rum, winkte, dann kamen zwei junge Männer hinter hoch, die gingen alle drei vorbei, halt nach oben, dann haben sie oben rum rumort, die Sachen zusammengepackt. Bisschen später kamen sie alle drei wieder runter und waren weg. Was war das jetzt? Bin hinterher, dann halt geguckt, habe ich da vorne den weißen Bus stehen sehen und dann fuhren sie halt den Berg hoch und waren weg.

Die Familie erhält ab diesem Zeitpunkt kein Lebenszeichen mehr von der Mutter, kein Anruf, kein Brief, keine Karte zum Geburtstag. Warum meldet sie sich nicht? Zunächst sah das für die Kinder so aus, als hätte die Mutter tatsächlich die Familie freiwillig verlassen. Vor allem die Tochter kann sich mit der Situation nur schwer abfinden.

 Ihre Mutter war eine wichtige Stütze für sie. Die beiden hatten ein enges Verhältnis. Christina glaubt fest daran, dass ihre Mutter noch lebt. Sie will sie finden und endlich fragen können, warum hast du uns verlassen? Das junge Mädel wird reifer und nachdenklicher und skeptischer und kommt dann irgendwann noch auf die Idee und sucht seine Mutter.

Christina bewegt ihre Familie 2010 dazu, noch einmal zur Polizei zu gehen für eine erneute vermissten Anzeige. Dabei kommt heraus, vor knapp einem Jahr geriet eine Secret P in Düsseldorf in eine Polizeikontrolle. Endlich ein Lebenszeichen. Doch weitere Daten darf die Polizei nicht herausgeben. Datenschutz. Die neue Spur lässt der Tochter keine Ruhe.

 Sie will unbedingt ihre Mutter finden. Christina wendet sich an die Öffentlichkeit. Ich fand über die ganze Zeit, die sie jetzt versucht hat, ihre Mutter zu finden, ähm schon beeindruckend, wie äh beharlich und konsequent sie da immer wieder nachgehakt hat und sich nicht zufrieden gegeben hat mit der Situation. Auf Druck der Medien ermittelt die Polizei jetzt doch.

 Kommissar Franz Virges wird mit dem Fall betraut und findet heraus, die Kontrolle im Düsseldorf war keine heiße Spur. Für ihn ist sofort klar, das hier ist kein üblicher Vermisstenfall. Wenn denn irgendwann die vermissten Stelle feststellt, äh es gibt kein Lebenszeichen und dann muss man irgendwann zu der Erkenntnis kommen und auch die Staatsanwaltschaft, dass hier ein Kapitaldelikt, sprich ein Tötungsdelikt nicht mehr auszuschließen sitzt.

Das Bauchgefühl, was man bekommt, wenn man so eine Akte liest, ist, dass da irgendetwas nicht stimmen kann. Ein Gefühl, dass auch Kommissarges nicht abschütteln kann. Was ist mit Sigret Psiert? Gemeinsam mit seinem Team vernimmtes die Familienmitglieder. Es gibt nicht nur eine Vernehmung, es gibt mehrere.

 Dann gibt’s Widersprüche zwischen der ersten, der zweiten. Erstmal war es noch nicht so ganz klar. Man hatte so das Gefühl, die die ist eben die Geschichte, die der Vater erzählt hat, stimmt nicht. Der Vater rückt immer mehr in den Fokus der Ermittlungen. Er verstrickt sich in Ungereimtheiten. Aber was fehlt sind Beweise. Ich habe mit der Tochter und meinem Kollegen gesprochen und äh glauben Sie es mir, das war nicht einfach.

 Da kommt ein 17-jähriges Mädel zur Polizei. Endlich findet sie jemand oder eine Behörde, die sich um ihre Mutter kümmert. Die ist voller Hoffnung. Und ich sitze hier gegenüber und sag: “Deine Mutter ist tot. Da gehen wir von aus.” Und dann ist der Kreis der Tatverdächtigen ganz nahe auch bei deinem Vater zu sehen. Für das Mädchen unvorstellbar.

Und weil die Kommissare keine Beweise für die Schuld des Vaters haben, stecken sie in einer Sackgasse. Sie müssen einen neuen Weg suchen. Am 16. Oktober 2013 bittet Franz Virges im ZF bei Aktenzeichen XY ungelöst um Zeugenhinweise. Ein Anhaltspunkt, die Polizeikontrolle der Mutter in Düsseldorf.

 Doch die Daten dazu sind inzwischen gelöscht worden und Kommissar Virges ist ohnehin überzeugt. Die kontrollierte Frau war nicht Christinas Mutter. Es ist auch nicht auszuschließen, dass eine namentliche Verwechslung oder eine Person gleichen Namens kontrolliert worden ist. Für uns ist das auf jeden Fall Fakt, dass das kein Lebenszeichen sein kann.

 Eine weitere wichtige Spur ist die angebliche Rückkehr der Mutter zwei Wochen nach ihrem Verschwinden. Da die Kinder in der Schule waren, ist der Vater der einzige Zeuge. Er kann der Polizei die damaligen Begleiter seiner Frau nur grob beschreiben. Die Beschreibung ist recht dürftig. Er beschreibt sie als jung, schlank, [schnauben] groß, durchaus sympathisch und möglicherweise deutsch.

 Sie sollen einen Transporter, einen weißen Transporter geführt haben mit vermutlich Küllner Kennzeichen, eventuell ein VWBus oder ein Mercedes Sprinter. Während und nach der Sendung gehen ca. 25 Hinweise ein. Die Informationen sind spärlich und trotzdem dieser TVAuftritt wird wesentlich dazu beitragen, den Fall aufzuklären.

Die Tochter quält nach der Ausstrahlung ein Gedanke. Ihr selbst hatte der Vater nach der Begegnung zwei Wochen nach dem Verschwinden der Mutter gesagt, er könne die Männer, die sie begleitet haben, nicht beschreiben. Der Polizei hat er aber dann doch das Aussehen geschildert. Christina kommen Zweifel und dann kamen letztlich auch die ja entscheidenden Hinweise, dass sie dann berichtet hatte, dass der Hund der Familie im Garten äh geschart hatte und dass der Vater den Garten umgestaltet hatte, obwohl das eigentlich gar nicht

sein sein Ding war. Und der Vater wurde so zusehens nervöser, wenn der Hund an dieser Böschung gegraben hat. Und das war dann Anlass für uns bei der Staatsanwaltschaft hier in Bonn einen Durchsuchungsbeschluss anzuregen. Die Beamten sind jetzt überzeugt. Der Vater hat die Mutter getötet und ihre Leiche im Garten vergraben.

 Franz Würgers erinnert sich gut an den Tag der Hausdurchsuchung an diesem Morgen. Wir haben dann hier aufgebaut, die Kollegen waren alle da. Leichenspi drei, vier, ich weiß gar nicht wie viele äh waren hier und äh äh der Vater, den haben wir erstmal zur Arbeit fahren lassen, damit wir dieses, ich sag’s einfach mal, große Orchester hier auffahren konnten in aller Ruhe.

Als sie fertig mit dem Aufbau sind, holen Beamte den Vater von der Arbeit ab. Kommissar Franz Würges konfrontiert ihn direkt mit seinem Verdacht und habe ihn ganz forsch angesprochen, habe gesagt, ich bin der festen Überzeugung, dass sie ihre Frau umgebracht haben und jetzt und hier und hier auf der Stelle sagen sie mir, wo sie ihre Frau versteckt haben.

 Der hat mich nur noch angeguckt, der wurde weiß, der war am zittern. Er hat aber dann gar nichts gesagt. Ist ins Haus reingegangen, [schnauben] äh hat seine Tochter in der Küche umarmt und hat geweint. Die haben noch keinen Ton gesprochen. Die Tochter ist dann raus und ich habe ihn dann in der Küche erneut fch angesprochen und sagte: “Zeigen Sie uns jetzt, wo Ihre Frau ist, ne?” Und dann ist er irgendwann die Kellertreppe runter, sprungartig.

 Ich bin hinterher mit meinem Kollegen und dann sind wir in einem Kellerraum und dann zeigt er links auf einen Weinregal und sag, was ist mit dem Weinregal? Ist da ihre Frau drin? Kein Ton. Ich kann Ihnen eins sagen, ich hatte die bessere Aufgabe an diesem Tag. Ich habe den Vater mit meinem Kollegen vernommen, während die anderen Kollegen äh über Stunden äh den Leichtnamen der Mutter aus dem Beton gemeißelt haben.

Während die Leiche der Mutter geborgen wird, gesteht der Vater die Tat. Er schildert, was an jenem 14. Februar 2008 passiert ist. Man war an dem Morgen im Badezimmer. Äh, die Frau war in der Dusche, er war am Waschbecken, Zähne putzen, irgendwas und sie kommt aus der Dusche raus und so wie er erzählt, äh beginnt das, was in der letzten Zeit immer wieder da war, irgendein Streitgespräch.

 Es geht wieder ums Geld. Äh sie hält ihm vor, dass er nicht genug arbeitet oder nicht genug Geld nach Hause bringt. Er konnte dieses Schreien nicht mehr hören und da hat er sie genommen. Sie sind beide zu Boden gefallen und hat so lange zugedrückt, bis sich nichts mehr, aber auch gar nichts mehr in ihrem Körper regt.

Der Mann sagt aus, dass er anschließend das Bad putzt und seine tote Frau in den Keller bringt. Am nächsten Tag beschließt er, ihre Leiche im Fundament des Weinregals einzubetonieren. Im März 2014 beginnt der Prozess vor dem Landgericht Bonn. Dabei gilt es auch, die Frage nach dem Motiv zu klären. Warum hat der Mann seine Frau getötet? Er selbst beschreibt seine Tat als Blackout.

 Ein Moment, das Kontrollverlusts der zwei Kindern auf grausame Weise ihre Mutter nimmt. Das Gericht wertet die Tat als Totschlag und verurteilt ihn zu einer 8 Jahre langen Freiheitsstrafe. Jahrelang sieht er zu, wie seine Kinder leiden und trotzdem verschweigt der Vater die Wahrheit, dass die Mutter niemals wiederkommen wird.

Die Tochter, die war die war verzweifelt. Ja, alle Illusionen, alle Hoffnungen werden zerschlagen, aber ich kann Ihnen eins sagen, macht uns der Polizei überhaupt keine Vorwürfe, sondern ist eher dankbar, dass wir ihr irgendwann diese Gewissheit begeben haben. Ein Fall, der am Ende nur durch die Beharlichkeit der Tochter und den Spürsinn der Ermittler aufgeklärt werden konnte.

Achtung, in diesem Podcast werden Themen wie Mord, Folter, Tierquellerei, Sexualverbrechen und extreme Gewalt auch gegenüber Minderjährigen behandelt. Der Inhalt kann deswegen vor allem auf Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen retraumatisierend wirken. Im März 1973 wurde der 13-jährige Joey Fanscher von einer unbekannten Stimme geweckt.

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