Menschenfleisch zu Döner verarbeitet? | Der Fall Charlene Downes T
Menschenfleisch zu Döner verarbeitet? | Der Fall Charlene Downes

Hier bei Insolito haben wir uns schon hunderte Kriminalfälle angeschaut und klar, das macht etwas mit allen. Jeder Fall bewegt einen, denn immer gibt es hinter den Geschädigten Familie, Freunde und oft Fragen, die nie beantwortet werden können. Und ab und an gibt es dann noch Fälle, die besonders herausragen, weil sie so unglaublich sind, dass man einfach nur noch fassungslos ist.
Fälle wie der um das Verschwinden von Sherline Downs. Es geht um ein dunkles Geheimnis in einem Urlaubsort unter dem Dutzende Kinderlein. Es geht um den Verdacht, eine Leiche könnte als Dönerfleisch geendet sein. Es geht um einen True Crime Fan, der so verrückt nach diesem Fall wird, dass er die Mutter der Verschwundenen angreift.
Und vor allem geht es um ein Mädchen, das bis heute nicht gefunden werden konnte. Was fällt euch als erstes ein, wenn ihr an England oder das vereinigte Königreich denkt? Vielen kommt da vielleicht als erstes die inzwischen verstorbene Queen King Charles und der Buckingham Palacein oder vielleicht auch volle Fußballstadien mit engagierten Fans riesige Musikfestivals, die Skyline von London.
Aber es gibt in England auch ganz andere Ecken, denn obwohl das Land bei weitem nicht arm ist, sind die Unterschiede zwischen den Gesellschaftsschichten enorm. Und um eine der ärmsten Städte geht es auch im heutigen Fall, um Blackpool. Einerseits ist die Stadt mit über 100.000 Einwohnern ein beliebter Badeort.
Wenn man das Land für einen Urlaub oder ein Wochenendript nicht verlassen will, eignet sich Blackpool gut. Die Stadt liegt direkt am Meer. Es gibt ein Pier mit Achterbahn und Arkade Spielen, eben das volle Touristenprogramm direkt vor der englischen Haustür. Aber trotz des Tourismus ist Blackpool bei den Rankings der ärmsten Teile des Landes oft ganz vorn mit dabei.
Es liegt an den vielen nur saisonalen Jobs vorort, steigenden Mieten bei weniger Wohnraum und einer wackeligen Infrastruktur. Dieser Hintergrund wird für das, was später passieren wird, noch wichtig. Erst einmal schauen wir uns aber Shaline Downs an. 1999 ist das Mädchen 10 Jahre alt und zieht mit seiner Familie nach Blackpool.
Schalin hat noch einen Bruder und zwei Schwestern. Mit insgesamt sechs Leuten ist es gar nicht so einfach etwas passendes zu finden, aber in der 109 Bchen Street finden die Downs schließlich ein Zuhause. Ein Bonuspunkt, die Adresse ist nur ein paar Gminuten vom Strand entfählt. Vor allem für Kinder ist das natürlich richtig cool.
In den folgenden Jahren lebt sich die Familie ganz gut in Blackpool ein. Am 1. November 2003 hat Charlins Mutter Karen Downs einen Gelegenheitsjob. Sie ist in der Church Street und verteilt dort Flyer für ein Restaurant. Nur durch Zufall läuft sie dabei am frühen Abend zwei ihrer Töchter über den Weg.
Die inzwischen 14 Jahre alte Sherline ist mit ihrer älteren Schwester Rebecca unterwegs. Sie haben den Nachmittag an der Strandpromenade verbracht und bei McDonald’s gegessen. Die beiden Mädchen plaudern kurz mit ihrer Mutter. Rebecca will sich auf den Weg nach Hause machen. Schalin hingegen ist noch mit zwei Freundinnen verabredet.
In der Chir Street befindet sich damals eine Telefonzelle. Rebecca geht schon mal nach Hause. Shalin ruft aus der Telefonzelle ihre Freundinnen an, um einen genauen Treffpunkt auszumachen. Zu dem Zeitpunkt ist es etwa 18:45 Uhr. Sie vereinbaren, dass die Freundinnen Schalin gleich einfach in der Churchstreet abholen. Die 14-jährige wartet so lange mit ihrer Mutter.
Als die anderen Mädchen dazu kommen, verabschieden sie sich. Chalin verspricht ihrer Mutter noch nicht allzu lange draußen zu bleiben und spätestens um 21 Uhr wieder zu Hause zu sein. Schalin wird dieses Versprechen nicht einhalten. Karen Downs arbeitet weiter, während ihre Tochter mit ihren Freundinnen Richtung Wintergardens spaziert.
Winter Gardens ist einer der vielen Entertainment Komplexe am Pier von Blackpool. Dort verbringen die Mädchen ein bisschen Zeit zusammen. Jaline trennt sich aber im Laufe des Abends von der Gruppe. Sie geht alleine in Richtung Corn Street. Was sie dort für die nächsten Stunden tut, konnte bis heute nicht geklärt werden.
Ab hier wird der Zeitstrahl immer wässriger, denn das sind vermutlich die letzten Stunden, denen Schalin am Leben ist. Um 21 Uhr zeichnet eine Überwachungskamera in Blackpool ein Mädchen auf, das Schalin sein könnte. Die Aufnahme wurde an der Kreuzung zwischen der Dixon Roads und der Talbert Road gemacht, die von der Innenstadt aus in Richtung Nordpier führt.
Das Mädchen, das Schalin sein könnte, ist auf der Aufnahme nicht allein. Sie ist in Begleitung einer Frau, die um die 30 zu sein scheint. Vielleicht etwas jünger, vielleicht etwas älter. Sie hat blonde Haare und trägt einen langen Mantel. Bis heute weiß man nicht, wer diese Frau gewesen ist und worüber sie mit Chalin gesprochen hat.
Um etwa 21:30 Uhr trifft Shalin eine weitere Freundin namens Tin und geht mit ihr in die Carous Bar auf dem Nordpier. Der Nordpier ist der Strandabschnitt, der auch am nächsten an Charlins zu Hause ist. Die Down Skinner verbringen dort viel Zeit und vor allem die Carousel Bar gehört zu Charlins liebsten Orten.
Sie und Tin sind bis etwa 23 Uhr dort. Dann verlieren sie sich aus den Augen. Um etwa diese Zeit will jemand Schalin in einer Seitenstraße nahe der Abenton Street gesehen haben. In dieser Straße gibt es keinen normalen Auto und Fußgängerverkehr. Dort reihen sich vor allem Hinterhöfe von verschiedenen kleinen Shops und Fastfood Restaurants.
Und in dieser Nebenstraße verliert sich die Spur von Schalin Downs. Sie wird nie wieder auftauchen. Als Charline Downs als Vermiss gemeldet wird, entscheidet sich die Polizei dazu, bei der Suche schnell die Öffentlichkeit einzuschalten. TVSender und Tageszeitung werden mit einem Foto des Mädchens versorgt.
Schalin sieht für ihr Alter noch etwas jung aus, eher wie 12 als 14. Die Kleidung, die sie zuletzt getragen hat, kann ihre Mutter noch genau beschreiben. Eine schwarze Jeans mit einem aufgestickten goldenen Adler, schwarze Stiefel und ein schwarzer Pulli mit Glitzerapplikation. Eventuell hat sie noch einen Hoodie oder ihren weißen Kardigan dabei.
Ihre Eltern machen kein Geheimnis daraus, dass sie der Meinung sind, dass Schalin zuletzt keinen guten Umgang hatte. Einige von Schalins Freundinnen und Freunden durften die Downs deshalb nicht mal zu Hause besuchen. Und klar, ihre Eltern haben ja auch gesagt, dass sie sich nicht mehr mit ihnen treffen soll.
Aber zum einen ist Schalin einfach eine Teenagerin, die sich ausprobieren will und zum anderen ist das in Blackpool auch leichter gesagt als getan. Ein wesentlicher Teil des Soziallebens der Kinder spielt sich draußen ab, nicht in den Häusern der Familien. Das gilt für Blackpool noch mehr als für andere Städte, denn Blackpool hat eben diesen riesigen touristischen Strandabschnitt mit Spielhallen, Arkade Games, Achterbahnen und allem, was Kinder und Jugendliche einfach anzieht.
Und mit wem das eigene Kinder im Laufe eines Tages so abhängt, kann man eigentlich unmöglich kontrollieren, zumal Schalin regelmäßig die Schule geschwänzt und 2002 sogar ein Verweis kassiert hat. Zuletzt war sie von der Schule freigestellt. Dadurch hat sie natürlich noch mehr Zeit draußen verbracht als zuvor. Ihre Eltern Karen und Robert sagen, mit 13 sei Schalin einfach auf die schiefe Bahn geraten.
Warum können sie sich nicht erklären, aber sie halten es für möglich, dass ihre Tochter aufgrund ihrer fragwürdigen Bekanntschaften verschwunden ist. Das Eltern von vermissten Kindern so etwas ehrlich zugeben, ist nicht nur transparent, sondern auch sehr wichtig für die Ermittlung. Das ist zwar besorgniserregend, bedeutet aber auch, dass man Ansätze für die Ermittlung und vor allem Hoffnung hat.
Vielleicht ist der Schalin einfach ganz freiwillig bei irgendwem zu Hause und ihr geht es gut. Die Polizei fängt also direkt damit an den Shalins Freundeskreis herumzufragen. Allerdings gestaltet sich das schwieriger als gedacht, denn irgendwie sind die Aussagen ein großes Durcheinander. Jeder erzählt etwas anderes. Niemand wird richtig konkret.
Und vielleicht ahnt die Polizei an diesem Punkt schon, dass es hier um mehr geht als um ein vermisstes Mädchen. Denn in Blackpool gibt es ein gut gehütetes und gleichzeitig offenes Geheimnis, dem die Ermittler unwissend auf die Schliche gekommen sind. Im Laufe der Ermittlung werden mehr als 3000 Personen befragt.
Das ist auch für einen prominenten vermissten Fall eine sehr hohe Anzahl an Interviews. Und das liegt vor allem daran, dass Schalin schon vor ihrem Verschwinden Geschädigte eines riesigen Systems geworden ist. Denn Schalin falscher Umgang, den sich ihre Eltern so Sorgen gemacht haben, ging tiefer als gedacht. Und da war Charlin nicht die einzige.
Lass uns an dieser Stelle ein wenig ausholen. Wenn man Jugendliche oder Jugendlicher ist, ist man in einer Zwischenphase. Einerseits sehnt man sich vielleicht nach dem Erwachsen sein oder danach, was man sich darunter vorstellt. Andererseits ist man eben noch ein Kind. Das Taschengeld ist begrenzt und selbst mit einem Schülerjob kommt man nur bedingt weit.
Man möchte was mit Freunden unternehmen, sich ab und an mal einen Burger holen oder neue Klamotten kaufen. Und klar, vielleicht will man auch mal Zigaretten oder Alkohol ausprobieren. Ein paar Jugendliche gedulden sich vielleicht einfach und andere finden eben Wege, das zu bekommen, was sie wollen. Was für eine Teenagerin wie ein harmloser Austausch aussieht, kann System haben und vor allem richtig schnell gefährlich werden.
Wie im Zuge der Ermittlung zu Charlines Verschwinden bekannt wird, gibt es in Blackpool Anfang der 2000 ein riesiges System. Lokale Unternehmer versorgen die Teenager mit dem, was sie haben wollen. Ein bisschen Geld, Alkohol, eine Portion Pommes. Die Kinder werden dann zu Gegenleistung gedrängt.
Wie ihr vielleicht gerade schon befürchtet, zuen Gegenleistung. Die Polizei spricht sogar von einer Kindes aus dem Mine in Blackpool. Mehrere Mitarbeiter von insgesamt 11 Takeaway Shops in Blackpool sollen sich systematisch mit 13 bis 15-jährigen Mädchen aus der Stadt angefreundet haben. Diese Männer haben die Mädchen systematisch in Gespräche verwickelt und ihre Bedürfnisse erkannt.
Wenn die Mädchen was haben wollten, haben die Männer es ihnen gekauft, sofern sie dafür mit den Männern intim geworden sind. So sind die Mädchen dann unter den Mitarbeitern der Takeaway Shops bekannt geworden und umgekehrt. Und Chalin war eben eines dieser Mädchen. Drei Monate vor ihrem Verschwinden im August 2003 ist Chalin mit einem anderen Mädchen und mehreren Männern von Blackpool zu einem Rastplatz in Blackburn gefahren.
Die Männer haben die Mädchen in einem der Takeaway Shops in Blackpool kennengelernt. Von dem Rastplatz aus ging Schalin mit einem der Männer in eine Gasse und kehrte eine Stunde später zurück. Zurück in Blackpool wurde ihr dann einen Umschlag gegeben. Als ihre Freundin gefragt hat, was in dem Umschlag sei, hat Schalin gesagt, das habe ich für das bekommen, was ich in Blackburn gemacht habe.
In der Woche vor ihrem Verschwinden ist Chalin mit einem anderen erwachsenen Mann aus diesem Umfeld nach Manchester gefahren. In derselben Woche hat ein Zeuge gesehen, wie Schalin von einem Mann 40 Pfund zugesteckt wurden. Dieser Mann wurde als zwanghafter, perverser beschrieben, der in einer schäbigen Wohnung lebt und pornografisches Material aller Art besitzt, einschließlich Materials, das Kinder zeigt.
Chaline und ihre Freundin waren nicht die einzigen Mädchen, bei denen diese Masche durchgezogen wurde. Die Polizei schätzt, dass insgesamt 60 minderjährige Mädchen in Blackpool systematisch von Takeaway Shopbesitzern und Mitarbeiternell ausgenutzt wurden und zwar über Jahre hinweg. Die Dunkelziffer könnte dementsprechend noch höher sein.
Das bedeutet auch, dass es im falscher Leans Downs nun auf einmal zahlreiche mögliche Verdächtige gibt. Das Problem nachweisen kann man niemanden etwas. Viele der Jugendliche haben mutmaßlich Angst, Aussagen bei der Polizei zu machen. Handfeste Beweise, dass einer der Männer Schalin womöglich ermordet hat, gibt es nicht. Der Fall ist zwar immer mal wieder in den britischen Medien, nach den Initiativen Schlagzeilen geht das öffentliche Interesse aber zurück.
Es gibt zunächst keine konkreten Spuren, keine öffentlich bekannten Verdächtigung. Und wie bei so vielen Stories dieser Art, gerät auch diese Geschichte leider in Vergessenheit. bis drei Jahre später auf einmal doch Bewegung in den Fall kommt mit ungeahnten Folgen. 2006 meldet sich ein neuer Zeuge bei der Polizei.
Er heißt David Kassedy und ist in Blackpool dafür zuständig, dass die vielen Spielautomaten und Flipper laufen und gegebenenfalls gewartet werden. So kommt er natürlich ordentlich in der Stadt herum. Nicht nur am Blackpool Pier, sondern eben auch in den zahlreichen Takeaway Shops der Stadt. David behauptet, nun, er habe Gerüchte gehört, wonach zwei Betreiber einer Dönerbude etwas mit Schalin Verschwinden zu tun hätten.
Mohamed Rewiishi und Iad Albatiki. Die Männer arbeiten im Dönerladen Funny Boys auf der Dixon Road. Also dort, wo gegen 21 Uhr ein Mädchen mit großer Ähnlichkeit zu Shain gefilmt wurde. David behauptet von ihr als Bruder gehört zu haben, dass er Mohamed mit Schalin gesehen haben will und zwar in Mohameds eigenem Haus bzw.
Bett mit noch zwei weiteren namentlich nicht bekannten Mädchen. Sowohl Mohamed als auch Iad hätten Schalin mehrmals sexuell missbucht. Sie habe aber zur Polizei gehen und davon erzählen wollen. Aus Angst davor hätten die beiden Männer die damals 14-jährige dann ermord. Das passt ja zumindest schematisch zu den Geschehnissen rund um die ausem Blackpool.
Tatsächlich hatte die Polizei schon zuvor ganz speziell Mohammed und IR im Verdacht, Drahtzieher des Ganzen zu sein. Rechtliche Konsequenzen hatte das für die beiden 2003 aber erstmal nicht. Mit Davids Aussage ist der Verdacht nun drei Jahre später konkreter. Die Polizei lädt sowohl Mohammeds als auch ihr zu Befragung vor.
Beide streiten natürlich alles ab, aber sie wissen nicht, dass die Polizei die beiden danach noch rund um die Uhr abhört. Vier Wochen lang werden die Autos und Häuser der beiden verwandt. Eine Polizistin wird damit beauftragt, das gesamte Material durchzuhören und ein Transkript zu erstellen. Und als sie ihren Kollegen ihren Bericht vorlegt, sind alle Ermittzelnden fassungslos.
Mohamed und I sollen auf den Aufnahmen über Schalin gesprochen haben. Sie sollen Dinge gesagt haben wie “Ich habe sie gezüet oder sie ist hier gestorben. Warum hast du sie hier gezet?” Ein anderes Mal soll einer der beiden Männer gesagt haben, ein Leichnam sei zerschnitten und in die Kebabs gegeben worden sein.
Die beiden sprechen auch von einem Burial Place, also einem Ort, an dem etwas oder jemand vergraben wurde. Als die Polizistin das Transkript an ihre Kollegen gibt, gibt es damit keinen Zweifel mehr. in der Mohamed und ihren müssen Schalin ermordet haben. So die Überzeugung der Polizei.
Dann haben sie ihren Leichnam zerteilt und verschwinden lassen, indem sie die Überreste im Funny Boys zu Dönerfleisch verarbeitet und verkauft haben. Die Knochen von Shain haben sie an dem noch nicht identifizierten Burial Place vergraben. Die Polizei glaubt 3 Jahre nach Sherin Verschwinden, nun endlich ihre Mörder gefunden zu haben. Etwa zurelben Zeit meldet sich eine Frau bei der Polizei.
Sie sagt, sie habe nach einer Partycht im Funny Boys Dönerladen einen Kaffee getrunken. Während des Trinkens sei ihr schwindelig geworden. Als sie wieder zu sich kam, sei sie in der Wohnung über dem Dönerladen aufgewacht. Ihre Kleidung sei verschwunden gewesen. Sie konnte sich an nichts mehr erinnern, was in der Zwischenzeit passiert ist.
Die Wohnung gehörte damals I und die Polizei geht davon aus, dass er den Kaffee der Frau mit Drogen versetzt und sie dann dort missucht hat. Allerdings entscheidet sich die Frau dagegen eine formelle Anzeige zu erstatten, sodass die Ermittlungen fallen gelassen werden. Gegen Mohamed gibt es ebenfalls anderweitige Vorwürfe.
Er hat über Jahre immer mal wieder Pflegekinder bei sich aufgenommen. Eines der Mädchen, das zeitweise bei Mohamed gelebt hat, wirft ihm späterellen Miss vor. Eine andere ehemalige Pflegezochter, die von der Polizei befragt wurde, gibt an, keine solchen Erfahrung mit Mohammed gemacht zu haben. Trotzdem trägt die Polizei insgesamt zehn verschiedene Vorfälle zusammen, bei denen Mohamed sich gegenüber Mädchen im Alter von 13 bis 15 Jahren unpassend verhalten haben soll.
Er habe diese Mädchen berührt und ihnen Geschenke gekauft, um zu sehen, wie weit er bei ihnen kommen kann. Und mindestens ein Zeuge sagte, er habe Shain als Aushilfe hinter der Theke von Funny Boys gesehen, also in dem Laden, der Mohamed und Iad gehört hat. Und das, obwohl beide behauptet haben, Schalin nicht zu kennen.
Die Vorwürfe sind im Zusammenspiel mit den Abhörtranskripten genug, um beide Männer festzunehmen. Ihnen werden nun mehrfacher Miss auch so wie die Ermordung von Shalin Downs vorgeworfen. Die Polizei durchsucht im Zuge dessen auch die Wohnung von Mohamed und IAT, aber es sind seit Schalins Verschwinden eben auch schon drei Jahre vergangen.
Also ist es kaum verwunderlich, dass man keine Spuren eines Verbrechens findet. Beide Häuser sind sehr sauber und gut in Schuss. Bei Mohammed wurden alle Fußböden und Fußleisten erst vor kurzer Zeit neu verlegt. Die Polizei reiß deshalb alles heraus, um nach mikroskopisch kleinen Spuren zu suchen, allerdings ohne Erfolg.
Weder bei Mohammed noch bei IAD finden sich forensische Spuren auf Schal. Dennoch entscheidet man sich für eine Anklage. Der Zartvorwurf ist auf Basis der Audiotranskripte sehr konkret. So konkret, dass in der Anklageschrift eben sogar steht, dass Schalins Körper zu Dönerfleisch verarbeitet und unter die Leute gebracht worden sei.
Allerdings stellt sich schon zu Beginn des Prozesses ein ganz konkretes Problem mit den Audioaufnahmen heraus. Die Qualität der Abhöraktion war miserabel. So miserabel, dass die Verteidigung einen validen Punkt macht. Was auf den Aufzeichnungen gesagt wird, kann man kaum verstehen. Die Tonqualität ist schlecht.
Noch dazu sprechen Mohamed und Iad mit starkem Akzent und verwenden ungewöhnliche Sprachmuster. Englisch ist nicht ihre Muttersprache und so eindeutig wie die Transkripte anfangs dargestellt wurden, sind sie tatsächlich nichts. Eigentlich ist es bei solchen Fällen wichtig, dass die Person, die die Tonaufnahmen auswertet, keine Kenntnisse zu dem entsprechenden Fall hat.
Sonst läuft man eben Gefahr, das zu hören, was man hören möchte. In diesem Fall hat die zuständige Polizistin aber gewusst, was Mohammed und Iad vorgeworfen wurde und das macht ihre Interpretation leider noch weniger standfest. Als die Aufnahmen noch einmal untersucht werden, stellt eine Audiorensikerin große Mängel im Transkript fest, z.B.
an der entscheidenden Stelle, als die Männer angeblich von einem Burial Place sprechen. Das Wort Burial hat drei Silben. Die Audioexpertin ist sich aber sicher, dass das, was da gesagt wird, keine drei Silben hat. Viel mehr klinge es, als würde Mohamed sagen, er würde später zu Pauls Place fahren, also zur Wohnung von einem Paul.

Und genau das hat er auch an dem Tag gemacht, als dieses Gespräch aufgezeichnet wurde. Er ist zu einem Kumpel namens Paul gefahren. An einer anderen Stelle, an der einer der beiden angeblich sagen soll, er habe Schalin ermordet, hört die Audiorensikerin das genaue Gegenteil heraus, dass er eben sagt, er habe Schalin nicht getötet.
Die Polizistin, die die abgehörten Gespräche transkribiert hat, war selbst keine Audiorensekar. Noch dazu war sie mit dem Fall betraut und wusste sozusagen, wonach die Polizei ausschau halten muss, um Mohamed und Iad vor Gericht bringen zu können. Und all das macht die Aufnahmen weniger belastend. Vor Gericht bleiben sowohl Mohamed als auch ihr dabei Schalin nicht gekannt zu haben.
Weiterhin weisen sie auch alle anderen erhobenen Vorwürfe zurück. Mohamed behauptet, er sei nur wegen einem der zuständigen Ermittler in den Fokus der Polizei geraten, denn einer der ermittelnden Polizisten lebt nur zwei Häuser von Mohamed entfernt. Mohamed behauptet, die Frau des Polizisten habe versucht, eine Affäre mit Mohamed zu starten, weil ihr Mann zu schlecht im Bett gewesen sei.
Mohamed vermutet, der Polizist sei so sauer und eifersüchtig gewesen, dass er sich auf ihn als Verdächtigen im Mordfall Sherine Downs eingeschossen haben. David Kessedy, der als erster gegen Mohamed und Iad ausgesagt hatte, sei ebenfalls auf Rache ausgewesen. David habe mal für einen von Mohameds Läden gearbeitet.
Mohamed habe ihn aber gefeuert, woraufhin David ihn immer wieder bedrängt und einmal auch körperlich angegriffen habe. Erst danach soll David zur Polizei gegangen sein, um Mohamed und ihr zu beschuldigen. Ob da etwas dran ist, sei mir dahingestellt. Fakt ist, dass die Indizienlage wackelig bis kaum vorhanden ist. Der große Joker der Staatsanwaltschaft waren die Audioaufnahmen.
Die sind aber, wie sich nun herausstellt, qualitativ unzureichend. Shalin war zwar Geschädigte des Takeaway Rings und wurde auch am Tag vor ihrem Verschwinden in der Gasse hinter den Takeaway Shops gesehen, aber es hat sie am 3. November 2003 eben kein einziger Zeuge gemeinsam mit Iad oder Mohammed gesehen.
Dementsprechend gibt es keine handfesten Beweise dafür, dass die beiden Schalen etwas angetan haben. Die Jury kann zu keinem einheitlichen Urteil kommen. Im April 2008 wird daher ein neuer Prozess angeordnet, aber die Beweislage wird nun als unzureichend eingestuft. Ohne die inakkuraten Transkripte der Audioaufnahmen gibt es nicht genügend Beweise, um Mohamed und Iad noch mal anzuklagen.
Die Vorwürfe gegen beide Männer werden zurückgezogen. Beide erhalten Entschädigungszahlungen in Höhe von 250.000 1000 Punds. Der Fall Charlin Downs hat es durch den Prozess zwar noch mal in die Medien geschafft, aber in den Zeitungen und Online Artikeln ist Chalin nun auf ewig das Mädchen, das zu Dönerfleisch verarbeitet wurde und das, obwohl es dafür letztendlich gar keine Beweise gegeben hat.
Durch den Prozess gegen Mohamed und ihr ist man auf der Suche nach Shain kein Schritt weitergekommen. 2017 wird ein weiterer Mann im Zusammenhang mit dem Verschwinden von Shaline Downs verhaftet. Sein Name ist Nigel Leut. Die Polizei vermutet, er könnte Shaline ermordet haben. Zwischen 2001 und 2003 hat Nigel in Blackpool zwei Teenagerinnen angegriffen.
Also in dem Zeitraum, in dem Schalin auf den Straßen unterwegs war. Damals lebte Nigel in genau der Seitenstraße, in der Schalin zuletzt gesehen wurde. Er soll dort immer wieder vorbeilaufenden Kindern und Jugendlichen Tee angeboten haben. Mehr kann man ihm allerdings nicht nachweisen. Nach drei Tagen wird er wieder auf freien Fuß gesetzt.
Er wurde auch nie offiziell wegen eines Verbrechens an Schalen Downs angeklagt. Und seitdem hat es keinen neuen Verdächtigen gegeben, dafür aber Enthüllung. Einige von ihnen sind kurios, andere schlichtweg schrecklich. Darüber, inwiefern sie überhaupt mit Schadins Verschwinden zusammenhängen, scheiden sich die Geister.
Aber manchmal kann es sich lohnen, das große Ganze zu betrachten. Vor allem, wenn viele Leute lieber wegschauen. Bis heute weiß man nicht, was vor über 20 Jahren mit Shalin Downs geschehen ist, aber es gibt immer wieder neue bruchstückhafte Informationen zu dem Fall und zu Schalin und ihrer Familie selbst. In diesem Kapitel fasse ich diese neuen Erkenntnisse chronologisch zusammen.
Einige von ihnen werden mit Shalins Verschwinden selbst aller Wahrscheinlichkeit nach nicht direkt etwas zu tun haben. Aber sie sind wichtig, um einzuordnen, weshalb ein Kind wie Schalin überhaupt an den Blackpool Ring geraten konnte. Was gesagt wird, soll niemanden irgendwie framen oder defieren, aber ich will euch eben auch keine Informationen vorenthalten.
Eine Woche nach dem geplanten Prozess gegen Mohamed und Id kommt es bei Shalins Familie zu einem weiteren heftigen Ereignis. Mutter Karen fügt Vater Robert mit einem Küchenmesser oberflächliche Stichverletzungen zu. Die beiden haben sich gestritten. Währenddessen ist Kar mit einem Messer auf ihren Ehemann losgegangen.
Er entscheidet sich dagegen, rechtliche Schritte einzuleiten. Robert sagt, er sehe ein, dass er seine Frau provoziert habe. Im Streit soll er gesagt haben, es sei besser, dass Schalin nun wahrscheinlich tot sei. Daraufhin sei Karen so sauer gewesen, dass sie zu einem Messer griff. Trotzdem sind beide bis heute verheiratet, auch wenn Karen mehrfach öffentlich gesagt hat, dass sie nur aus Rücksicht auf Robert bei ihm bleiben würde.
Ein paar Jahre später wird Karen dann selbstopfer eines Messerangriffs. Der damals 27 Jahre alte Neuseeländer Mark Bailey hat sich mit dem Fall Schalin Downs beschäftigt. Online hat er sich eingelesen und eine große Faszination für den Fall entwickelt. Mark ist dann nach Blackpool gereist, um sich mit Charlins Mutter Karen zu treffen.
Zunächst soll Mark Karen in Blackpool gestalkt haben. Er wurde auch zweimal verurteilt, weil er sie auf offener Straße angegriffen hat. 2013 wird er angeklagt, weil er mit einem Messer auf Karen losgegangen sein soll. Er habe wohl gesagt, er würde sie zerstückeln. Als Mark damit aber zum dritten Mal wegen eines Angriffs auf Karen vor Gericht landet, steht sie auf einmal für ihn ein.
Sie verfaßt einen Brief an den Richter, indem sie ihn bitem Schuldspruch abzusehen. Sie und Mark hätten schon länger eine Affäre und Mark sei eigentlich ein sehr liebenswürdiger, ruhiger Mann. Die Sache mit dem Messer habe er nicht so gemeint. Sie würde ihn lieben und ihm verzeihen. Mit anderen Worten, bei Karen Downs und ihrem Ehemann Robert geht es in jedem Falle sehr turbulent zu.
2013 wird noch mehr über Shain Downs selbst bekannt und leider machen die neuen Erkenntnisse den Fall noch trauriger als ohne Hinschauen. Es wird wohl davon ausgegangen, dass Schalin von so vielen Männern missucht wurde, dass die Liste der Verdächtigen zeitweise um die 100 Leute umfasst hat. Schalins Mutter Karen hat mehrfach gegen Muslime geschossen.
Bei den Personen, die Shain missucht haben sollen, waren einige dabei. Für Karen hat das ausgereicht, um zu äußern. Man soll alle Menschen diesen Glaubens mit Benzin und Sprengstoff verbrennen. Was man noch im entferntesten auf ein großes Trauma und Wut schieben könnte, wird vor dem Hintergrund weiterer Enthüllung besonders absurd.
Schalin soll nämlich schon seit frühster Kindheit Kontakt zu entsprechenden übrigens weißen Straftätern gehabt haben. Aus vertraulichen Zeugenaussagen, Akten der Sozialbehörden und internen Polizeiberichten geht hervor, dass die Kinderschutzbehörden erstmals 1989 gegen die Familie Downs ermittelt hatten.
Das war das Jahr, an dem Schalin geboren wurde. Ihre Geschwister waren zu diesem Zeitpunkt Kleinkinder. Damals lebten die Downs noch in einer anderen Region in England. Die Ermittlungen wurden unter anderem eingeleitet, weil ein Mann, der dreifach wegen Übergriffen auf junge Mädchen verurteilt war, regelmäßig bei den Downs zu Hause war.
Er soll auch unbeaufsichtigten Kontakt zu einem der Kinder gehabt haben. Die Behörden haben Robert Downs daraufhin dringend geraten, diesen Mann nicht ins Haus zu lassen, aber die Besuche wurden fortgesetzt. Insgesamt war die Familie 10 Jahre lang im Fokus der Sozialämter. Die Behörden haben 1999 sogar angedroht, die vier Kinder aus der Familie zu nehmen.
Noch imselben Jahr sind die Downs dann mit den vier Kindern nach Blackpool gezogen. Einige vermuten, dass sie mit dem Umzug eben vermeiden wollten, dass ihnen die Kinder weggenommen werden, denn in Blackpool sind andere Behörden zuständig als im alten Wohnort. Aber auch in Blackpool fiel die Familie den Kinderschutzbehörden auf.
Wieder, weil die Eltern Männer zu sich nach Hause eingeladen haben, die sich zuvor nachweislich an Kindern vergangen haben und das, obwohl mit Chaline und ihren drei Geschwistern vier Kinder im Haushalt lebten. Ein 40-jähriger Freund von Schalins Eltern soll laut Unterlagen der Behörden sogar zugegeben haben, sich an Schalin vergen.
Ein weiterer über 50 Jahre alter Mann soll Schain als sein Girlfriend, also seine feste Freundin bezeichnet haben. Ein wieder anderer Freund der Downs, der schon in seinen 60ern war, soll einmal mit der damals 12 Jahre alten Schalin auf einem Bett in der Wohnung der Familie gelegen haben. Schains Nachthemd war zerrissen und sie hat Fundmünzen aus dem Bett aufgesammelt, während der Mann seinen Reißverschluss hochzog und seinen Gürtel schloss.
Das wurde von einem Mitarbeiter des Gesundheitsamtes gesehen, der die Wohnverhältnisse der Downs untersuchen sollte. Schalin habe dem Mann vom Gesundheitsamt dann gesagt: “Alles sei gut, der Mann sei ihr Onkel.” Robert hingegen hat gesagt, er sei ein Freund der Familie. Der Vorfall wurde umgehen den Sozialbehörden gemeldet, aber es wurde beschlossen, die Angelegenheit nicht weiter zu verfolgen, da keine Beweise vorlagen, die Familie nicht kooperierte und Chalin sich nicht beschwerte.
Dann war da noch ein damals 34-jährige, der zeitweise bei den Downs gelebt hatte. Er war damals auf Kaution frei und wurde eine Woche nach Schalins Verschwinden wegen unsittlicher Übergriffe auf drei Mädchen unter 10 Jahren verurteilt. Selbst am Tag von Schalins Verschwinden soll ein verurteilter Straftäter bei den Downs zu Hause gewesen sein.
Sein Name ist Ray Munro. Er ist wegen einschlägiger Verbrechen vorbestraft. Laut Unterlagen der Kinderschutzbehörden soll es am 3. November einen Zwischenfall mit Ray und Schalin gegeben haben. Details dazu sind leider nicht bekannt. Das Ganze wird nur einmal am Rande einer Dokumentation erwähnt. In derselben Doku heißt es auch, dass die Behörden Mitte November 2003 beschlossen, dass Schalin in staatliche Obhut kommen soll, sollte sie wieder auftauchen.
Allerdings stellt sich unweigerlich die Frage, weshalb das nicht schon viel früher passiert ist. Jaline selbst hatte einige Bekannte ihres Vaters wegen unangemessenen Verhaltens bei den Sozialbehörden angezeigt. Im Jahr 1998, als Schalin 9 Jahre alt war, haben sie und eine Freundin gesagt, ein Mann habe die beiden sexuell missbraucht.
Dieser Mann habe Schalin damals auf Anweisung von Robert und Karen regelmäßig zur Schule gebracht. Dieser Mann wurde sogar wegen Verung angeklagt. Der Fall wurde aber eingestellt, als das andere Mädchen nicht aussagen wollte. Man muss sich hier noch mal vor Augen führen, dass es hier um 9 Jahre alte Mädchen geht.
Im Juni 2000 erstellt ein Krankenhausarzt einen Arztbericht, nachdem er die damals 11 Jahre alte Schalin behandelt hatte. In diesem Bericht schrieb er, es gäbe Anzeichen, dass das Mädchen wurde. Imselben Jahr hat Chalin regelmäßig auf eigene Faust die Suppenküche der Hearmee aufgesucht und dort zum Mittag gegessen, anstatt zu Hause.
Zwischen 2002 und 2003 war Schalin insgesamt 12 mal in einer Anlaufpraxis. Bei einem dieser Besuche sind tiefe Hemome an den Innenseiten ihrer Oberschenkel aufgefallen. Obwohl es so viele Warnzeichen gegeben hat, haben die Behörden nicht durchgegriffen. Der Kern des Problems könnte abermals die prekäre wirtschaftliche und strukturelle Lage vor Ort in Blackpool sein.
Laut eines Berichts des Guardianes die Zahl der Kinder, die im Kinderschutzregister von Blackpool eingetragen sind und von bedroht oder betroffen sind bei 16%. Damit ist der Wert in Blackpool doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt. Genauso verhält es sich mit der Anzahl der Kinder, die in Heim oder Pflegefamilien leben. Es ist auch einer der wenigen Orte im Land, an dem Mädchen in der Schule schlechter abschneiden als Jungen.
Selbst die Freitotrate in der Altersgruppe der 15 bis 19-jährigen ist in Blackpool acht mal höher als im britischen Durchschnitt. Jedes zwölfte Mädchen in Blackpool wird vor seinem 18. Lebensjahr schwanger und vor allem leben in Blackpool Anfang der 2000er mehr als 800 verurteiltealstraftäter. Mit anderen Worten, für die sozialen und Kinderschutzbehörden ist die Stadt in jedem Fall ein Brennpunkt.
Das entschuldigt nicht, dass Shalin nicht besser geschützt werden sollte, aber es erklärt ein Stück weit, weshalb sie und ihre Geschwister nicht umgehend aus ihrem Elternhaus herausgeholt wurden. Insgesamt sollen bis zu Schalins verschwinden mindestens 16 in einschlägigen Bereichen verurteilte Straftäter mit der Familie in Kontakt gewesen sein.
Vor allem Robert soll diese Männer in lokalen Paps kennengelernt und dann in das Haus der Downs eingeladen haben. Die Downs sagen, sie hätten bei keinem einzigen der Männer davon gewusst. Aber diese Fälle sind ja durch die Behörden dokumentiert. Irgendwer muss das alles so gesehen und berichtet haben. Der Fall, den Schalin als Neunjährige angezeigt hat, ging er sogar bis zu einer Anklage.
Und selbst danach hing noch Straftäter zu Hause bei den Downs herum. Shalines Schwester Rebecca selbst erzählt, dass sie mit 14 Jahren einen Freund hatte, der schon über 50 war. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass Freund hier eindeutig das falsche Wort ist. Zwischen einem 14 Jahre alten Kind und einem 50-jährigen kann es unmöglich echten Konsens geben.
Aber Rebecca berichtet, sie habe lieber bei diesem älteren Mann geschlafen als bei sich zu Hause. Leider geht sie nicht weiter ins Detail, aber auch das ist verständlich. Wir wissen nicht viel über das, was bei den Downs zu Hause los war, aber die paar Infos, die es eben gibt, lassen nichts Gutes vermuten. Zu all diesen Berichten bezieht Karen Downs in ihrem eigenen Buch Stellung.
Sie sagt, das alles würde nicht stimmen. Karen schreibt: “Ich hatte keine Ahnung, woher seine Informationen stammten, aber sie waren falsch. Einiges davon war völlig erfunden, einiges verdreht. Sicherlich hatte Bob Freunde um sich. Er hatte oft einen Kumpel aus der Kneipe zu Besuch und gelegentlich übernachteten sie auf der Couch, wenn sie zu viel getrunken hatten.
Wir haben ihre Hintergründe nicht überprüft. Ich hatte es nie für nötig gehalten. Es waren Leute aus der Gegend. Jedenfalls hatten sie nichts mit Chalin oder einem meiner Kinder zu tun. Obwohl Karen also die Vorwürfe der Vernachlässigung demziert, hat der Ruf von ihr und Robert definitiv Schaden genommen.
Der Vorwurf, dass die beiden über Jahre wissentlich Allstraftäter zu sich nach Hause eingeladen haben, obwohl vier Kinder im Haus waren, hält sich. Zudem kommt in einer Doku 2019 heraus, dass Karen Downs über den Zeitpunkt gelogen hat, zu dem sie die Polizei gerufen hat. Bis dahin ging man davon aus, dass Karen die Polizei direkt nach Sharlins Verschwinden kontaktiert hat.
So erzählt sie es auch in einem Interview für die Doku. Sie betont, sie habe direkt am Sonntag, also dem Tag nach Schalins Verschwinden, die Polizei gerufen. Man habe ihr dann aber gesagt, sie solle noch 24 Stunden warten. In der Doku wird aber auch eine Aufnahme des Anrufes abgespielt. Dieser Anruf wurde am Montag gemacht.
Die Mitarbeiterin, die den Anruf entgegennimmt, fragt Karen sogar, weshalb sie sich erst jetzt melden würde. Karen winkt daraufhin ab und sagt, sie hätte eben gedacht, Schalin würde schon noch wiederkommen. Sie selbst wüsste, dass sie früher hätte anrufen sollen. Von einem Anruf am Vortag, bei dem ihr aufgetragen wurde zu warten, ist keine Rede mehr.
Das alles muss nicht bedeuten, dass Karen und Robert selbst etwas mit dem Verschwinden ihrer Tochter zu tun haben. Ich möchte das auch gar nicht implizieren. Aber wenn man sich die Informationslage anschaut, stellt sich zumindest die Frage, weshalb Charlin nicht besser geschützt wurde. Spätestens nach ihrem Schulverweis scheint sie gar kein sicheres Umfeld mehr gehabt zu haben.
Draußen war sie mit den falschen Leuten unterwegs. Zu Hause waren andere falsche Leute, mutmaßlich Gäste ihrer Eltern. Man weiß bis heute nicht mit Sicherheit, wer für Schalins Verschwinden verantwortlich ist, aber es ist relativ eindeutig, wer hier versagt zu haben scheint. Niemand scheint Schalin geschützt zu haben. Sie war ein junges, vulnerables Mädchen, das zu Hause offenbar Umständen ausgesetzt war, die für kein Kind der Welt adäquat sind.
Es gab zahlreiche Warnzeichen fürum Kindesalter und auch das kann ein Muster sein, dass er lernt wird, wenn Betroffenen nicht betreut werden und ihre Traumat aufarbeiten. Wenn Charline schon im Kindesalter gewöhnt war, übergriffigen Verhalten ausgesetzt zu sein, wie hätte sie dann die Gefahr des Takeaway Rings richtig einordnen können? Betroffene Kinder verlieren oft die Fähigkeit, ihre eigenen Grenzen zu erkennen und zu schützen.
Sie haben ein großes Bedürfnis nach Neonzärtlichkeit, was Täter ausnutzen können, oder haben eben gelernt, dass sie für diese Dinge einfach belohnt werden, wie z.B. mit Geld, Alkohol oder materiellen Dingen. Aufgrund von traumatischen Erfahrungen sind sie eher vulnerabel, sich selbst übersisiert zu verhalten oder das Ganze als Verhaltensmuster zu adaptieren.
Diese Vorwürfe und Punkte sind online in zwei Artikeln der britischen Zeitung The Times zu finden. The Times gibt an Einsicht in die entsprechenden Dokumente gehabt zu haben. Alles, was ich euch eben zu diesem Punkt erzählt habe, soll aus diesen Dokumenten stammen. The Times gilt grundsätzlich als eine seriöse britische Nachrichtenquelle und ist keine Boulevardzeitung.
Die Zeitung ist alt eingesessen und gilt als leicht konservativ, aber auch solche Zeitungen können unsere Umstände natürlich Fehler machen. Ich erinnere euch noch mal daran, dass Karen Downs diese Vorwürfe der Zeitung abgestritten hat. Relativ wenige andere Medien haben diese Vorwürfe aufgegriffen, aber die Artikel der Times sind auch jetzt Jahre später noch online, wenn auch hinter einer Bezahlschranke.
Es ist bei diesem Thema wirklich schwierig, einen neutralen Weg zu finden, aber ich wollte euch trotzdem von diesen Berichten erzählen, eben weil es so aussieht, als seien sie wichtig, um Shalins Hintergrund zu verstehen. In der eben schon angesprochenen Dokumentation erzählt auch Schalins Freundin Tin ihre Geschichte.
Sie war ja noch am Abend des 3. November mit Chalin unterwegs und damit eine der letzten Personen, die die damals 14-jährige lebend gesehen hat. Auch wurde Opfer des Takeaway Rings. In der Dokumentation erzählt sie, ihre eigene Mutter sei dafür verantwortlich. Sie habe begonnen, Tin an erwachsene Männer zu vermitteln und dafür Geld zu kassieren.
Das ist dann regelmäßig passiert und Tin hat ihre Tricks und Erfahrung mit Chalin geteilt. Tin selbst konnte nicht wissen, wie falsch das war. Sie ist so aufgewachsen. Ihre Mutter hat ihr damals wohl gesagt, dass das alles okay sei und eben zum Leben dazug gehören würde. Und hat ihre Mutter trotz allem geliebt und ihr vertraut.
Sie sagt, sie wissen nicht, wer Schalin ermordet habe, vermutet aber, dass es jemand aus dem einschlägigen Milieu gewesen ist. Leider ist Tin 2023 im Alter von nur 32 Jahren an einer Überdosis verstorben. Genauso übrigens auch Chalines Bruder Robert Junior, der das Verschwinden seiner Schwester nie verkraftet hat und nur 30 Jahre alt wurde.
2019 war Robert Junior für eine Weile im Gefängnis, weil er seine Mutter Karen angegriffen hat. 2021 starb er in einer Überdosis. Seine Leiche wurde von Vater Robert gefunden. Er soll noch versucht haben, seinen Sohn wiederzubeleben. Als das nicht gelang sein, er und Karen eine Art Schockzustand geraten.
Das habe dazu geführt, dass die beiden erst zweieinhalb Stunden nach dem Auffinden von Robert die Polizei angerufen haben. Eine Fremdeinwirkung hat die Polizei ausgeschlossen. Schalin ist seit nun mehr als 20 Jahren verschwunden. Ihr Bruder und ihre Freundin sind tot. Schalins Eltern leben auch heute noch in Blackpool.
Sie werden dort regelmäßig auf offener Straße angefeindet und sogar angegriffen, vor allem aufgrund der Times Artikel. Dennoch wollen die beiden in Blackpool wohnen bleiben. Vor allem auch, weil sie sich Schalin dort nah fühlen. Die beiden geben nach wie vor ab und an Interviews und sind in den Medien. Es bleibt zu hoffen, dass das irgendwie dabei hilft, an die Person zu erinnern, die eigentlich im Zentrum dieses unglaublichen Falles steht.
ein damals 14 Jahre altes Mädchen namens Charlin Downs. Der Fall Charlin Downs ist wahrscheinlich einer mit den krassesten Wendungen und Hintergründen, die wir bei Insolito bislang besprochen haben. Aber ich halte den Fall auch für einen der lösbarsten, obwohl inzwischen mehr als 20 Jahre vergangen sind. Klar ist ja, dass es jemanden gibt, der weiß, was mit Schalin geschehen ist.
Und wenn ihre inzwischen verstorbene Freundin sein Recht behält und es jemand aus dem Takeaway Ring war, ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass es auch Mitwisser gibt. Es braucht nur eine Person, die endlich auspackt. Was glaubt ihr mit Schalin geschehen? Ich bin sehr gespannt auf eure Kommentare.
Gleichzeitig unterstützt auch so den Kanal, denn jegliche Interaktion erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Video Leuten vorgeschlagen wird, die in Sulite noch nicht abonniert haben. Solltet ihr die Videos ohne Zensur und Werbung sehen wollen, abonniert mich gerne bei Patrick. Den Link dazu findet ihr in der Infobox.
Ansonsten gibt’s nicht mehr viel zu sagen. Ich wünsche euch einen guten Morgen, Mittag oder Abend oder je nachdem, wann ihr das Video seht und hoffe, dass wir uns im nächsten Video wiedersehen. Bis dahin, ciao Leute.