News

Gerwald Claus-Brunner: Vom Abgeordneten zum Mörder T

Gerwald Claus-Brunner: Vom Abgeordneten zum Mörder 

Es ist Montag der 27. Juni 2016, als Jan Mirko L die Polizeiwache 52 in Berlin Kreuzberg betritt. Der 29-jährige, den alle nur MKO nennen, will Anzeige erstatten. Gegen Gerwald Klaus Brunner. Gerard Klaus Brunner ist 44 Jahre alt, Abgeordneter der Berliner Piratenpartei und wohl das bekannteste Gesicht der Piraten.

Möko berichtet dem Diensthabende Beamten, dass er für Klaus Brunner gearbeitet habe und zwischen den beiden Männern mit der Zeit sogar eine Freundschaft entstanden sei. Doch irgendwann habe Klaus Brunner mehr gewollt. Möko aber sei nicht homosexuell und habe diese Gefühle nicht erwidern können.

 Und genau das sei schließlich auch der Grund gewesen, warum das Arbeitsverhältnis Ende 2014 einvernehmlich beendet worden sei. Seitdem so berichtet MCKO, lasse Gerwald Klaus Brunner ihn nicht mehr in Ruhe. Es seinen Anrufe gekommen, SMS, WhatsApp Nachrichten und manchmal habe der Abgeordnete ihm sogar vor seiner Haustür aufgelauert.

 Außerdem soll Klaus Brunner ein falsches Facebookprofil in Mirkus Namen angelegt haben, offenbar um über dessen Freunde an Informationen über ihn zu kommen. Als dann aber einer dieser Bekannten plötzlich eine Freundschaftsanfrage von diesem Profil erhält, wird MKU darauf aufmerksam gemacht. Für ihn ist nun endgültig ein Punkt erreicht, an dem er das Verhalten von seinem ehemaligen Arbeitgeber nicht mehr einfach so hinnehmen will.

Der Polizeibeamte hält in seinem Protokoll fest, daß Mirko sich in seiner Lebensqualität erheblich eingeschränkt fühle und fürchte, dass die Situation eskalieren könne. Vor allem bereite ihm Sorge, dass er Klaus Brunner körperlich deutlich unterlegen sei. Tatsächlich ist MKO mit 59 kg bei einer Größe von 1,74 m deutlich schmächtiger als Gerb Klaus Brunner, der 2,3 m groß ist und 130 kg wiegt.

Und hier war eine kleine Zeitinformation. Ich wohne ja in Berlin und ich wohne auch tatsächlich in dem Bezirk, in dem Gerald Klausbrunner immer unterwegs war, indem er auch gelebt hat. Und ich habe ihn auf jeden Fall sehr, sehr oft auch auf der Straße gesehen, vor allem, wenn er dann Werbung für seine Partei gemacht hat oder eben Parteiplakate aufgehangen hat.

MKU erzählt dem Beamten auch, daß er Klaus Brunner mehrfach gebeten habe, ihn endlich in Ruhe zu lassen. Doch der Pirat soll ihm daraufhin gedroht haben, dass er dann richtig Terror veranstalten würde. Nach dem Gespräch mit Möko leitet der Polizist das Aussageprotokoll an das zuständige Abschnittskommissariat 36 in Berlin Köpenikweiter.

Dort schicken die Beamten dann 3 Wochen später, also am 18. Juli 2016 einen Fragebogen an Mirko und bitten ihn um eine schriftliche sogenannte eigene Sachverhaltsschilderung. Außerdem soll Mirko entscheiden, ob er Strafantrag gegen Klausbrunner stellen möchte, denn der Straftatbestand der Nachstellung ist ein sogenanntes Antragsdelikt und das bedeutet, dass die Staatsanwaltschaft diese Strafe nicht automatisch verfolgt, sondern in der Regel erst dann, wenn das Opfer die Strafverfolgung ausdrücklich beantragt.

Doch MKO schickt den Fragebogen nicht an die Dienststelle zurück. Für die Behörden ist der Stalking Fall damit also erledigt. vorerst. Normalerweise ist es üblich, dass ein Opfer schon beim Erstatten der Anzeige gefragt wird, ob es auch einen Strafantrag stellen möchte. Warum das jetzt aber im Fall von Möko nicht geschehen ist, kann tatsächlich auch nicht mehr festgestellt werden.

 Die Polizei hätte aber noch etwas anderes tun können. Sie hätte nämlich Klaus Brüder direkt ansprechen und ihm klar machen können, dass sein Verhalten beobachtet wird. So ein Gespräch nennt man dann Gefährdeansprache und dabei geht es darum, einer Person deutlich zu sagen, die Polizei weiß Bescheid. Sie nimmt die Situation ernst und sie schaut jetzt genauer hin.

 Nach Angaben der Behörden reicht so ein Gespräch bei vielen Stalkern schon aus, damit sie aufhören. Die zuständigen Beamten sagen später aber, dass es keine Beweise und keine konkreten Hinweise darauf gegeben habe, dass MKO sich in unmittelbarer Gefahr befunden habe. Gerwald Klaus Brunner bleibt derwei nicht untätig.

 Offenbar hat er erfahren, daß Möko, den er seinen Wuschelkopf nennt, beginnt sich gegen ihn zu wehren. Und deshalb zeigt der Abgeordnete MKO bereits drei Wochen zuvor, also am 1. Juni 2016, wegen Verleubnung an. Bei der Polizei erklärt der Politiker, die Anzeige diene seinem Selbstschutz, weil dadurch seine Reputation beschädigt würde.

 Möko habe nämlich mehrfach behauptet, Klaus Brunner sei auch in seine Wohnung eingebrochen und habe dort Spionagekameras installiert. Doch Klaus Brunner ging noch weiter und stellte Mirko als psychisch krank da. Herr Mökuell sollte ob dieser paranoiden Warnvorstellungen einen Facharzt aufsuchen, da hier offensichtlich eine schwere Persönlichkeitszerstörung vorliegt, gab er zu Protokoll.

Doch auch diese Anzeige bleibt ohne Folgen, denn am Ende wird auch hier nur ein Abschlussbericht Kleinkriminalität geschrieben und der Fall damit zu den Akten gelegt. Doch um zu verstehen, wer dieser Mann ist, der erst Nähe sucht und dann Kontrolle ausübt, dafür müssen wir einen Schritt zurückgehen.

 Zurück in Gerald Klaus Brunners Kindheit, die alles andere als gewöhnlich war. Gerwald Klaus Brunner kommt am 19. Mai 1972 in Dissen am Teuteburger Weit zur Welt. Gemeinsam mit seinen vier Geschwistern wächst er auf einem Bauernhof im Ortilich Strang in der Gemeinde Badrotenfelder auf. Seine Eltern gehören beide den Ludendorfanern an, die auch unter dem Namen Bund für Gotterkenntnis bekannt sind und als antisemitisch sowie rechtsextremistisch eingestuft werden.

 Gegründet wurde diese Bewegung von Erich Ludendorf und seiner Frau Matilde. Im Jahr 2012 gibt der eingetragene Verein selbst an rund 12000 Mitglieder zu haben, während die Behörden aber nur von 240 aktiven Anhängern ausging. Und in diesem Umfeld wachsen Gerwald und seine Geschwister auf. Ihre Eltern schicken die Kinder zum Freibund, einem deutschen Jugendverband, der der neuen Rechten zugeordnet wird.

Die Kinder der Familie leiden unter der extremen Erziehung, die von Verschwörungstheorien, Geweiht, Unterdrückung, Rassismus, Antisemitismus und Homophobie geprägt ist. In der Nachbarschaft nennt man die Familie irgendwann nur noch die Nazis. Auch bei den Behörden ist die Familie bekannt, denn mehrfach kommt es wegen Volksverhetung zu Hausdurchsuchungen auf dem Hof.

Gerwald’s jünger Bruder Dietweit spricht später in einem exklusiven Interview mit dem Stern über diese Zeit und beschreibt Gerweit als je zornig und impulsiv, als jemand, der plötzlich die Kontrolle verliert. Schon in der Schule soll er Türen eingetreten und sich geprügelt haben, auch wenn er nach Angaben des Bruders zugleich von anderen Kindern geärgert und provoziert wurde.

 Auf dem Hof der Eltern, so berichtet Diwweit weiter, habe Gerweit Tiere gequärt. Sein bitteres Fazit lautet: Er hätte gestoppt werden können und müssen. In den kommenden Jahren muss die Familie einige Schicksalsschläge verkraften. Einer der Brüder nimmt sich das Leben. Eine Schwester stirbt bei einem Autounfall und Gerweit ist etwa 20 Jahre alt, als er seinen Eltern gesteht, dass er homosexuell ist.

 Er selbst beschreibt sich später als bisexuell und zu 95% schwul. Für seine Eltern ist das Erwartungsgemäß nicht akzeptabel und am Ende dieser Auseinandersetzung kehrt Gerweit dem älterlichen Bauernhof den Rücken. Seine Eltern verlassen später dann gemeinsam mit einem ihrer Söhne Deutschland und leben offenbar bis heute in Kanada.

 Der Kontakt zu Gerweit Klaus Brunner bricht vollständig ab. Bis 1988 besucht Gerweit die Realschule des christlichen Jugenddorfwerks Deutschlands und macht dort seine mittlere Reife. Dann beginnt er eine Ausbildung zum Fernmeldehandwerker bei der Telekom. Von 1992 bis 1995 ist Gerweit Zeitsoldat bei der Bundeswehr und in dieser Zeit verliebt er sich dann in einen Unteroffizier.

Als Brunner ihm seine Gefühle gesteht und der Mann ihn daraufhin verspottet, verliert er die Kontrolle und schlägt auf ihn ein. Nach Paragraph 55 des Soldatengesetzes wird Gerald Klaus Brunner nun fristlos aus der Bundeswehr entlassen. Und es muss das Jahr 1997 gewesen sein, als Klaus Brunner dann nach Berlin zieht.

 Später studiert er an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Maschinenbau, schließt das Studium doch nie so richtig ab. Im Oktober 2009 tritt er dann der Piratenpartei bei, wo ihn bald die meisten nun noch unter seinem Spitznamen Faxe kennen, angelehnt an die Figur aus der Zeichentrickserie Wick und die starken Männer. Innerhalb der Partei wird Faxe dann schnell zu einer auffälligen Figur, fast schon zu einem Gesicht der Piraten.

Klaus Brunner ist 2,3 m groß und das macht ihn ja schon zu jemanden, den man kaum übersehen konnte. Dazu trägt er auch meist bunte Arbeitslosen und ein Palästinenser Tuch um den Kopf gewickelt. Genau. Aber dieses Tuch bringt ihm dann 2011 erheblichen Ärger ein, als nämlich Charlotte Knobloch, die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, ihn in einem offenen Brief kritisiert, weil sie darin ein mögliches Zeichen antisemitische Heitung sieht.

Für Klaus Brun, der sich eigentlich vom Gedankengut seiner Eltern ja distanzieren will, muss dieser Vorwurf auf jeden Fall besonders schwer gewogen haben. Seit diesem Zeitpunkt trägt er dann auch eine Heizkette mit einem goldenen Davidsternanhänger. Während seiner gesamten politischen Laufbahn bemüht sich Klaus Brunner immer wieder darum, sich klar von der politischen rechten Seite abzugrenzen.

Im September 2011 tritt Klaasb Brunner dann bei der Wahl zum Berliner Abgeordneten Haus als Direktkandidat der Piratenpartei im Wahlkreis Steglitzendorf an und über Platz 13 der Landesliste zieht er dann schließlich ins Abgeordneten Haus ein. Ja, und viele andere Politiker nehmen ihn zunächst auch als bodenständigen, bürgernahen und basisorientierten Mann war, der seine Position kompromisslos vertritt.

Im März 2014 eröffnet Klausbrunner dann im Berliner Bezirk Steglitzhendorf ein eigenes Bürgerbüro und dort können Anwohner dann ihre Anliegen vorbringen, über ihre Sorgen sprechen und bekommen dann das Gefühl, dass ihn jemand zuhört. Für seine Wähler hat Gerwald Klaus Brunner immer ein offenes Ohr und innerhalb seiner eigenen Fraktion wird der Piratenpolitiker aber mit der Zeit zunehmend isoliert.

 Brunner gilt als schwierig und umstritten. Immer wieder soll er gegenüber Parteikollegen und Mitarbeitern ausfällig werden. Es geht schließlich soweit, dass einige Parteimitlieder seinen Ausschluss aus der Fraktion beantragen und dieser Antrag wird jedoch abgelehnt, wohl auch deshalb, weil Klaus Brunner wegen des Antrags geweint haben soll wie ein kleines Kind.

Trotzdem verliert er nach und nach an Einfluss und wird aus wichtigen Ausschüssen abgezogen. Er habe Anträge nicht richtig formulieren können, habe aber gleichzeitig jede Angebotenhilfe abgelehnt. All das geschieht allerdings erst gegen Ende seiner politischen Karriere. Als Mürko Gerwald Klaus Brunner dann kennenlernt, ist er Mitte 20 und scheint in seinem Leben noch keinen richtigen Hal gefunden zu haben.

 Er hat die Schule abgebrochen, eine Lehre nicht beendet und bislang kaum gearbeitet. Sein einziges Einkommen ist staatliche Unterstützung. Seine Eltern, der Vaterpsychologe, die Mutter promovierte Lehrerin, machen sich große Sorgen und umso größer ist dann die Erleichterung, als Klaus Brunner dann Mirko schließlich als persönlichen Mitarbeiter in seinem Wahlkreisbüro anstellt.

Möko bewundert den Politiker, vor allem für dessen scheinbare Geradlinigkeit und seine kompromisslose Art. Und Klaus Brunner scheint zunächst jemand zu sein, auf den MKO sich verlassen kann. Er hilft ihm beim Umzug, baut Möbel für ihn zusammen, schenkt ihm Winterstiefel und irgendwann verreisen die beiden Männer sogar gemeinsam.

Beit darauf kommt es jedoch zu einem Bruch in dieser Freundschaft. Klaus Brunner hat sich in Müko verliebt, in seinen Wuschelkopf, wie er ihn n. Mirko kann diese Gefühle nicht erwidern, denn er ist heterosexuell und seine Mutter berichtet später, dass Mirko durchaus homosexuelle Freunde und Verehrer gehabt habe und es offenbar auch genoss von ihnen, um Worben zu werden.

 Gleichzeitig habe er sich die Männer aber immer vom Heiz gehalten. Viele Beziehungen hat Möko noch nicht gehabt. Nur einmal war er mit einer Opernsängerin zusammen gewesen, bis diese dann nach Indien ausgewandert ist. Wahrscheinlich hätte Möko, trotz Klausbrunners Gefühlen, die er ja nicht erwidern konnte, weiter für ihn gearbeitet.

 Doch dann kommt es zu einem Vorfall, über den Mirko später zwar mit seiner Mutter spricht, den er bei der Polizei allerdings nicht erwähnt. Gerwald Klaus Brunner musste stationär in einem Krankenhaus aufgenommen werden und bat MKU einige Dinge aus seiner Wohnung zu holen. Als Mko dort war, bemerkte er, dass der Politiker seinen Rechner angelassen hatte.

Auf dem Bildschirm entdeckte er dann Fotos von Bekannten und Freunden, die offenbarheimlich in dessen Badezimmer beim Toilettengang aufgenommen worden waren. MKO entschied sich jedoch, Klaus Brunner nicht direkt darauf anzusprechen. Er brachte ihm die gewünschten Sachen ins Krankenhaus, doch innerlich schien für ihn eine Grenze überschritten gewesen zu sein.

 Kurz darauf kündigt er dann seinen Job. Doch ganz bricht der 29-Jährige den Kontakt zu dem Politiker jedoch nicht ab. Er will seinen ehemaligen Freund und Arbeitgeber nicht vor den Kopf stoßen, ahnte aber nicht, in welcher Gefahr er sich zu diesem Zeitpunkt bereits befindet. In den kommenden Wochen lebt Mögo wieder von staatlicher Unterstützung.

 Er kümmert sich um seine 90-jährige Großmutter und geht hin und wieder in ein Mediationszentrum. Dort lernt er dann eine afghanische Flüchtlingsfamilie kennen, die er bald im Alltag unterstützt. Er passt z.B. auf die Kinder auf, während die Mutter einen Sprachkurs besucht. Der Piratenpolitiker läuft derwei im negativen Sinne auf Hochturen.

 Er lauert MKO auf, belästigt ihn mit Anrufen, SMS und WhatsAppnachrichten und er erstellt ein falsches Facebookpil in seinem Namen. Außerdem soll er Mirkus Freunde gefragt haben, ob sie diesen für ihn ausspionieren würden gegen Geld. Als Klaus Brun Möko dann eines Tages vermeintlich zufällig an einem Bahnhof begegnet, schreit der 29-Jährige an, um seinen Stocker dann endlich zu vertreiben.

 Doch auch das zeigt keine Wirkung. Mko fleht den Politiker an, ihn einfach in Frieden zu lassen und daraufhin soll Klaus Brunner eben gedroht haben, dass er jetzt erst richtig Terror machen würde. Aufgelöst erzählt Mko seiner Mutter und engen Freunden später, dass er in seinem Duschkopf eine kleine Kamera gefunden habe.

 Für ihn steht fest, dass Bruner heimlich in seine Wohnung eingedrungen ist. Vielleicht sogar mehr als einmal. Beweisen kann er das nicht und wahrscheinlich erwähnt er es deshalb bei seiner Anzeige auch nicht. Die ganze Situation ist für Möku unangenehm und bedrohlich, aber zugleich schwer zu begreifen. Schließlich war Gerwart Klaus Brunner einmal sein Freund gewesen, also jemand zu dem er aufgesehen hatte.

 Und nun steckt MKO in einer Lage, die sich so unwirklich anfühlt, dass er sich vermutlich nicht vorstellen kann, Klausbrunner können ihm wirklich etwas antun. In seiner letzten Plenarrede am 23. Juni 2016 richtet Klaus Brun einen bemerkenswerten Satz an die anderen Abgeordneten. Er sagt nämlich, sie alle würden für ihn in der laufenden Legislatur am Anfang irgendeiner Plenarsitzung mal aufstehen dürfen und eine Minute stillschweigen.

Könnt ihr gerne alles machen. Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Ihr werdet a ab den 18.09. noch bereuen, dass es diese Fraktion, der ich angehöre, nicht mehr geben wird. Das werde ich euch so sagen. Und ihr werdet auch in der laufenden Legislatur für mich am Anfang irgendeiner Plenarsitzung mal aufstehen dürfen und eine Minute stillschwein. Vielen Dank.

Das war’s. Einige Politiker anderer Fraktion kommen nach dieser Rede dann auch auf die Piratenpartei zu und fragen, ob man sich Sorgen um Gerbert Klausbrunner machen müsse. Immerhin klang der letzte Satz ja wie ein angekündigter Suizid. Oder ging es dem Abgeordneten gesundheitlich schlechter? Klassbrunner behauptete nämlich immer wieder, dass er an einer ominösen, unheilbaren Krankheit leide und nicht mehr lange zu leben habe.

 Und Möku entscheidet sich jetzt völlig richtig dazu, Klasbrunner dann wegen Nachstellung anzuzeigen und als der Vorgang eingestellt wird, weil Möku eben den Fragebogen nicht zurückgeschickt hat, befindet er sich gerade in Magdeburg auf dem Elbichtfestival. Für ihn ist es eine willkommene Auszeit. Möko meditiert, er feiert und genießt ein paar unbeschwerte Tage unter freiem Himmel.

Dort lernt er dann auch die Studentin alle kennen und die beiden verstehen sich sofort und verbringen in den folgenden Wochen immer mehr Zeit miteinander. Anne wird dann auch später bei der Polizei aussagen, man kann sagen, dass wir auf dem Weg waren, eine Lebensgemeinschaft aufzubauen. Die Nacht vom 14. auf den 15.

 September 2016 verbringt MKO mit Anne in seiner Wohnung im Berliner Stadtteil Wedding. Am nächsten Morgen macht er sich dann auf den Weg zu der afghanischen Flüchtlingsfamilie, um dort auf die Kinder aufzupassen. Gegen 14 Uhr verlässt Mirko dann erneut das Haus. Er will einen Freund treffen, um mit ihm Tischtennis zu spielen.

 Dieser Freund spricht ihn dann auf das Stalking an, doch Mirko winkt ab und sagt: “So wird das nicht. Das ist eine Einschätzung, die sich schon sehr bald als fatal erweisen wird. Anne bleibt noch eine Weile in Mökus Wohnung. Noch steht nicht fest, wann sie sich wiedersehen und wo sie die Nacht verbringen werden.

 Bei Anne oder bei Mirko, das wollen Sie später spontan über WhatsApp klären. Nur eine Stunde, nachdem Anne sich auf den Weg gemacht hat, wird Gerwald Klaus Brunner von der Überwachungskamera eines kleinen Kiosk in Steglitz erfasst, also rund 15 km von Mirkos Wohnung entfernt. Hinter sich zieht er eine Sackkarre mit einem riesigen schwarzen Koffer her.

 den er vor dem kleinen Kiosk abstellt. Der große Mann trägt ein blaues T-Shirt, eine blaue Arbeitslatzhose und ein olivfarbenes Palästinensertuch um den Kopf. Auf dem Rücken hat er einen Armeerucksack. Darin befindet sich ein 50 cm langer Stahlbolen. Den Stahlbolzen trägt der Politiker immer bei sich.

 Angeblich zum Selbstschutz. In dem Kioskält er dann ein bisschen Small mit dem Besitzer. Und der fragt neugierig, was er denn in diesem XXL Koffer habe. Brunner sagt: “Altkleider.” Dann kauft er einen Groschenroman und löst noch einen Lottoschein ein. Gewonnen hat er nicht und kurz darauf macht sich der Politiker dann mit seiner Sakarre wieder auf den Weg in Richtung S-Bahn, die ihn in den Berliner Stadtteil Wedding bringen soll.

 Und in der S-Bahn wird Klausbrunner von einer Bekannten gesehen. Sofort fällt ihr natürlich dieser gewaltige Koffer auf. mit dem Brunner dann eigentlich überall im Weg steht. Und diese Bekannte fragt sich sogar, was er denn mit diesem Koffer vorhat, spricht ihn aber bewusst nicht an.

 Die Frau hat bereits schlechte Erfahrungen mit ihm gemacht. Einmal hatte sie eine Verabredung zu einem Spieleabend abgesagt. Er habe sie danach mit anmaßendem, pöbelnden und quäenden Mails und Anrufen belästigt, sagt sie. Viel wichtiger aber ist, was sich in den nächsten Stunden genau abspielt, wird nie restlos geklärt werden können. Gegen 21:30 Uhr schreibt Anna eine SMS, doch Mirko antwortet nicht.

Am späten Abend entdeckt eine Mitarbeiterin der Piratenpartei auf Twitter einen Tweet von Gervart Klaus Brunner. Darin schreibt er: “Mein Herzmensch wurde heute in Berlin totgeschlagen.” Nur kurze Zeit später löscht er diesen Tweet aber auch wieder. Am folgenden Wochenende steht in Berlin die Abgeordneten Wahl 2016 an.

 Doch die Vorzeichen stehen schlecht. Klaus Brunner ist von seiner eigenen Partei auf den Platz 27 der Landesliste gewählt worden und damit ist ein erneuter Einzug ins Abgeordneten Haus praktisch ausgeschlossen. Doch mit einer Niederlage will er sich offenbar nicht abfinden. Wochen vor der Wahl lässt er Plakate mit seinem Konterfall drucken und hängt sie in den Straßen seines Wahlbezirks auf.

 Am Freitag vor der Wahl twittert Klausbrunner dann schließlich: “Echter Kacktag heute übertrifft sämtliche schlechte Tage, die ich hier erlebt habe bisher. Hoffe, das Wochenende wird besser.” Aber das Wochenende wird nicht besser. Mit 1,7% fliegt die Piratenpartei aus dem Berliner Abgeordneten Haus. Klaus Brunners politischer Absturz ist damit besiegelt.

Sein letzter Tweet ist ein Foto von Mirko. Dazu schreibt er: “Meine Liebe, mein Leben für dich, lieber Buschelkopf, für immer und ewig.” Vier Tage später, am Montag 19. September 2016 geht zur Mittagszeit ein Brief im Büro der Berliner Piratenpartei ein. Dieser Brief stammt von Gerwald Klaus Brunner und darin schreibt er: “Wenn ihr das hier lest, bin ich tot.

Bitte informiert die Polizei und gibt ihr den Wohnungsschlüssel, den ich beigelegt habe.” Im Büro macht sich Fassungslosigkeit breit. Die Mitarbeiter informieren die Polizei, die sich sofort auf den Weg zu Klosbuners Wohnung macht. In dem mehrstöckigen Familienhaus öffnet die Feuerwehr gewaltsam die Wohnungstür des Politikers.

 Auch die Kripo ist zu diesem Zeitpunkt bereits vor Ort. Die Wohnung wirkt stark verwahrlost und den Beamten schlägt der unverkennbare Geruch von Leichenfeunes entgegen. Direkt im Flur entdecken sie auf dem Boden eine Tropfspur, vermutlich Blut. Dort steht auch die Sackkarre. Daneben liegt ein Müllsack, in dem die Ermittler unbenutzte, aber auch gebrauchte Kabelbinder finden.

Im Wohnzimmer finden die Ermittler auf einer Matratze, die am Boden liegt und mit einem Spannbettlacken bezogen ist, die Leiche eines schlanken jungen Mannes mit schwarzen Haaren. Er ist unbekleidet und liegt auf der linken Körperseite, zusammengezogen in Embryonalstellung. Unter seinen Armen befindet sich ein violettes T-Shirt.

 Seiner linken Hand entdecken die Ermittler ein Madonnenbild. Sein Kopf ruht auf einem blauen Frotti Handtuch. Hinter seinem Rücken liegt eine weiße Decke, die sein Gesäß teilweise bedeckt. Der tote Körper wurde offenbar nach dem Tod noch bewegt und bewusst in Szähne gesetzt. Dem Zustand der Leiche nachzuurteilen, ist der Mann bereits seit einiger Zeit tot.

 Auf den ersten Blick erkennen die Ermittler jedoch keine offensichtlichen Verletzungen, die seinen Tod erklären könnten. Außerdem ist auch seine Identität unklar. Sicher ist nur, dass es sich nicht um Gerwald Klaus Brunner handelt. Später wird feststehen, der tote Mann im Wohnzimmer des Politikers ist Mirko. Im zweiten Zimmer der kleinen Wohnung finden die Ermittler schließlich die unbekleidete Leiche von Klaus Brunner.

Er liegt Beuchlinks auf seinem Bett. Um seine Handgelenke sind blanke Kabellenden geschlungen, deren anderes Ende mit einer eingeschalteten Mehrfachsteckleiste verbunden ist. Die Todesursache steht schnell fest. Der Politiker hat sich durch Strom das Leben genommen. Als gelernter Fernmälderhandwerker wusste Klaus Brunner offenbar genau, was er tappt.

Für ihn war es leicht, den FI Scheiter außer Betrieb zu setzen. Eigentlich soll dieser Scheiter Menschen vor gefährlichen oder gar tödlichen Stromschlägen schützen. Doch Klaus Brunner hatte andere Verwendung für den Starkstrom. Am Zustand der Leiche können die Mittag später erkennen, dass der 44-jährige zeitlich nach MKO gestorben ist.

 Die Obduktion von Gerbert Klausbrunner und Jan Mirko wird von Professor Dr. Michael Zokos am rechtsmedizinischen Institut der Berliner Charité durchgeführt. Bei Mürko zeigen die Befunde, dass er massiver Gewalt ausgesetzt war. Die Verletzungen am Brustkorb unter Brücken sprechen dafür, dass Klaus Brunner über seinem deutlich leichteren Opfer kniete, während er ihm den Heiz durchdrückte.

Für Möko war es ein körperlich völlig ungleicher Kampf. Dennoch zeigen eingerissene Fingernägel und frische Unterblutungen an den Unterarmen, dass er sich in seinen letzten Momenten heftig gewährt hatte. Bei der Abduktion von Klaus Brunner finden sich keine Hinweise auf eine tödliche Erkrankung und Professor Dr.

 Zokos stellt außerdem noch etwas anderes fest. Entgegen späterer Behauptungen gibt es keine Anzeichen dafür, daß Jan Mirkuell vor seinem Tod missbraucht wurde. Über den genauen Tatablauf lässt sich bis heute nur spekulieren. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Klaus Brunner sich Zutritt zu Mirkus Wohnung verschaffte und ihn dort überraschte, als er nach dem Tischtennisspiel nach Hause kam.

 Doch offen bleibt, ob Mirko in einem plötzlichen Affekt getötet wurde oder Gerwald Klausbrunner die Tat kaltblütig geplant hatte. Fest steht aber, dass bei Möko toxikologisch keine Rückstände von Betäubungsmitteln gefunden wurden. Damit musste Klaus Brunner klar gewesen sein, dass er MKO nicht lebend in diesem Koffer auf der Sackkarre transportieren konnte, ohne Aufmerksamkeit zu erregen.

hat er ihn also in dessen Wohnung getötet, den Körper anschließend in den Koffer gezwängt und ihn über 15 km hinweg bis in seine eigene Wohnung im zweiten Stock gebracht. Möglich ist das. Doch dann bleibt noch die Frage, warum Brun sein Opfer mit Kabelbindern fesselte, wenn Mirko zu diesem Zeitpunkt bereits tot gewesen sein soll.

 Und vielleicht dachte er ja, dass er den toten Körper so leicht in den Koffer zwängen könnte. Professor Dr. Zokos dokumentiert Fesselungsspuren an Mgos Hand und Fußgelenken. Wegen der starken Feunesveränderungen des Leichtnams. Lässt sich jedoch nicht mehr feststellen, ob Mürko vor oder erst nach seinem Tod gefesselt wurde.

In Klaus Bruders Wohnung finden die Ermittler außerdem einen Streifen Klebeband an dem Barthaare von Mirko haften. Offenbar wurde er also geknebelt. Doch auch das wirft neue Fragen auf. Warum sollte nämlich jemand einen Toten knebeln? Oder eben hatte Gerbert Kosbrunner Mko bereits geknelt, bevor ihn erwirkte? Gefesselt war MKO während der Tat jedenfalls nicht, denn sonst hätten die Rechtsmediziner kaum Abwehrverletzungen feststellen können.

 Fragen über Fragen, die nie vollständig geklärt werden. Zwei Tage nach dem Fund der beiden Leichen gibt ein Ex-Freund von Klossbrunner ein ungeöffnetes Paket bei der Polizei ab. dass der Politiker ihn kurz vor seinem Tod geschickt hatte. Darin befinden sich mehrere Geldbündel, ein Testament und ein schriftliches Geständnis. Gerbert Klaus Bruder schreibt: “Ich habe am 15. September um ca.

 22 Uhr MKO im Affekt getötet. Ich kann Oni nicht leben und folge ihm.” Gerwald Klaus Brunner ermordete Jan Mcoel und nahm sich danach das Leben. Eine Mittäter können die Behörden sicher ausschließen. Dagegen Tote jedoch kein Verfahren geführt werden kann, stellen die Ermittler den Fall ein. Klasbrun Wohnung durchsuchen sie deshalb nicht umfasst und auch die Daten auf seinem Computer bleiben unausgewertet.

Damit bleibt offen, ob der Politiker Möko tatsächlich heimlich beim Duschen filmte und Bekannte ohne deren Wissen auf der Toilette fotografierte. Mit einer Befürchtung lag Mko aber wahrscheinlich richtig. An Klaus Brunas Schlüsselbund stellen die Beamten nämlich einen nachgemachten Schlüssel zu Mirkus Wohnung sicher.

Und auch sie vermuten, dass der Stalker sich diesen Schlüssel schon lange vor der Tat beschafft hatte und möglicherweise bereits schon früher heimlich in Mirkus Wohnung gewesen war. Dieser Pall, der lässt einen auch nicht so schnell los. Jan Mirguell hat ja nicht einfach geschwiegen. Er hat nicht nichts gesagt.

 Er ist zur Polizei gegangen. Er hat Anzeige erstattet. Er hat gesagt, dass Klaus Brunner ihn nicht in Ruhe lässt, er sein Leben einschränkt und dass er Angst hat, dass die Situation eskaliert. Trotzdem ist er wenige Wochen später tot. Und das ist ein Punkt, über den ich auf jeden Fall in dieser Nachbesprechung sprechen möchte.

 nicht jetzt um im Nachhinein Schulzuweisungen zu verteilen, wäre ja auch irgendwie viel zu einfach. Ich will noch mal genauer hinsehen, was macht Stalking eigentlich so gefährlich und warum wird es auch oft so unterschätzt? Stalking ist in ganz vielen Verbrechen ein großes Thema. Egal wie oft man drüber spricht, egal wie aufgeklärt wir heute sind, stalking wird weiterhin unterschätzt.

 gerade diese scheinbar private, ja, auch irgendwo schwer greifbare Form von Geweiht, die am Ende lebensgefährlich werden kann. Deswegen dürfen wir auch nie aufhören darüber zu sprechen. Stalking beginnt ja selten mit einem großen Knall. Oft beginnt es ja sehr viel leiser, so mit Nachrichten, mit Anrufen, mit scheinbar zufälligen Begegnungen, mit einem Menschen, der Grenz nicht akzeptiert und der aus einem Nein kein Nein macht, sondern sich herausgefordert fühlt.

 Dieser Mensch redet sich ein, dass er um Liebe kämpft, während er in Wahrheit eigentlich nur Kontrolle ausüben möchte. Wir dürfen Gerber Klaus Bronas Verhalten nicht durch seine eigene Sprache verharmlosen. Sein Wuschelkopf, sein Herzmensch, die Liebe seines Lebens. Das klingt ja auf den ersten Blick ja so fast auch tragisch romantisch, aber wenn man da auf jeden Fall drüber weg sieht, wenn man noch mal genauer hinschaut, was tatsächlich eigentlich auch passiert sein soll, dann bleibt eben nichts Romantisches mehr übrig. Stalking ist

doch kein Liebeskomma, der aus dem Ruder läuft. Stalking ist eine klare Form von Gewalt. Hier sehen wir einfach nur noch einen Mann, der einen anderen Mann nachstellt, der ihn bedrängt, der immer wieder den Kontakt sucht, der falsche Profile angelegt hat, nur um sein Umfeld auszuhorchen und mehr über diese Person zu erfahren, die er ja so sehr liebt.

Und der Verdacht, dass Gerwald Klausbruner sich Zugang zu Mirkus Wohnung verschafft haben könnte, dass er jederzeit irgendwie in dieser Wohnung hätte sitzen können und Mirko auflauern konnte. Das hat einfach auch viel mit Mirko gemacht. Klasbrunner hat keineswegs respektiert, dass Mirko ein eigenes Leben geführt hat, ein Leben, dass er nicht mehr mit ihm führen wollte.

 Also als Arbeitgeber, das darf man ja auch nicht vergessen. Also die beiden waren ja nie romantisch irgendwie zusammen. Stocking besteht ja oft aus vielen einzelnen Handlungen, die für sich genommen tatsächlich auch manchmal klein wirken. Vor allem, wenn man so von außen auf die Sache guckt, ohne sich jetzt direkt mit dieser Dynamik beschäftigt zu haben, bzw.

 So ohne diese Dynamik zwischen zwei Menschen zu kennen, aber es ist ein Aufruf und klar natürlich liest man auch nicht so ein zufälliges Auftauchen vor der Tür oder eben auch dieses Fakeeprofil als direkte Drohung, die auch das Leben bedroht. Ich denke, wir kennen das ja aus dem Privaten, dass man vieles einfach schnell auch klein redet.

 Und noch mal, ne? Mirko hat ja gehandelt, er ist ja zur Polizei gegangen, aber ganz ganz viele würden erstmal denken, ach das ist ein Spinner, der wird sich schon wieder einkriegen. Aber richtig so von dem Stalker oder von der Stalkerin spricht man ja auch erst viel später, wenn man dann merkt, ah, okay, jetzt passieren Sachen, die vielleicht mein Arbeitsplatz beeinflussen, die mein meine neue Beziehung beeinflussen.

 Zusammengenommen sind aber diese ganzen Sachen, die während des Stalkings passieren, natürlich ein Muster. In der stalking Forschung gibt es eine bekannte Einteilung von Mullen, Paté, Per und Stuart und sie unterscheiden unter anderem zwischen abgewiesenen Stalkern, sogenannten Intimacy Seekers, also Menschen, die eine erträumte Beziehung herstellen wollen.

 Wichtig ist, dass es jetzt keine Diagnose für Klaus Brunner, weil das können wir jetzt auch nachträglich nicht machen. Ich will einfach nur versuchen irgendwie einzuordnen, wie dieses Verhalten vielleicht auch gesehen werden kann und auch von Psychiatern eingeordnet wurde im Nachhinein. Die Forschung hilft natürlich das Prinzip Stalking zu verstehen.

 Manche Täter erleben Zurückweisung nicht als Grenze, sondern als Kränkung und als Angriff auf ihr Selbstbild, als etwas, das sie rückgängig machen oder bestrafen wollen. In der Studie wurden 145 Stalker untersucht und 63% hatten Drohungen ausgesprochen. 66% der Stalker wurden körperlich übergriffig und bei Kloss Brunner kommt aber noch etwas hinzu, dass ich sehr vorsichtig formulieren möchte, denn es scheint ja so, dass er sich auch irgendwo eine Realität gebaut hat, in der Mirko nicht einfach ein eigenständiger Mensch war, der nein zu

ihm gesagt hat. Das durfte er nämlich nicht. MKO war jemand, der zu ihm gehören sollte und sobald Möko sich entzog, wurde eben aus dieser Nähe, die die beiden ja auch irgendwo hatten, Kontrolle und aus dieser Kontrolle wurde dann bedrohen. Das heißt jetzt nicht, dass jede stalking Situation tödlich endet, aber es heißt, stalking darf nie nur als Beziehungsproblem oder ja als privater Konflikt behandelt werden, gerade weil die Eskalation oft nicht linear ist.

 Es gibt nicht immer eine saubere Treppe von ja harmlos gefährlich. Manchmal sieht Stalking eben lange wie Belästigung aus, bis es dann kippt. Und hier würde ich noch mal auf einen zweiten Punkt eingehen. Das sind natürlich die Behörden. Mirko ist zur Polizei gegangen und laut dem RBB wurde erst rund 3 Wochen später ein Anhörungsbogen verschickt.

 Also als dieser dann vier weitere Wochen unbeantwortet blieb, stellte die Polizei das Ermittlungsverfahren ja ein, bzw. gab den Vorgang dann weiter und auch die Berliner Zeitung berichtete damals, dass die Stalking Anzeige liegen blieb und dass der Fall zusätzlich komplizierter war, weil Klaus Brunner ja abgeordneter war und Immunität genoss.

 Man denkt natürlich auch automatisch, hätte vielleicht noch mal ein Auftauchen der Polizei gereicht, um Klaus Brunner irgendwie zur Vernunft zu bringen. Hätte man den Fall einfach direkt anders einstufen müssen, hätte eine bessere Risikoprüfung stattfinden müssen. Wir wissen natürlich nicht, ob MGO dann noch leben würde, hätten andere Maßnahmen stattgefunden. Niemand kann das sagen.

Aber wir können sagen, dass der Fall zeigt und das ziemlich brutal, warum Stalking Fälle nicht einfach im Papierstapel verschwinden dürfen. Gerade wenn ein Betroffener persönlich erscheint und sagt, dass er Angst vor Eskalation hat. Und man muss dabei auch die Rechtslage von damals natürlich im Hinterkopf behalten.

 Der Bundestag diskutierte 2016 genau dieses Problem. Der damalige Stalking Paragraph galt als schwer handhabbar, weil für eine Strafbarkeit oft eine schwerwiegende Beeinträchtigung der Lebensgestaltung nachgewiesen werden muss. In der Bundestagsdokumentation heißt es sogar, damals hätten nur 1 bis 2% der Anzeigen nach Paragraph 238 Strafgesetzbuch zu einer Verhandlung geführt.

 Und tatsächlich wurde dann auch erst nach 2016 der Schutz vor Nachstellung reformiert und der Tatbestand stärker in Richtung Eignungsdelikt verschoben. Also entscheidend sollte nicht erst sein, ob das Opfer sein Leben tatsächlich radikal verändern musste, sondern ob eben diese Nachstellung, also dieses Stalking, dazu geeignet war, die Lebensgestaltung des Opfers schwerwiegend zu beeinträchtigen.

Das ist wichtig, weil dieser Fall ja nicht nur eine persönliche Tragödie ist. Er erzählt auch etwas über ein System, das lange Schwierigkeiten hatte, psychische Geweiht, Kontrolle und Nachstellung als ernsthafte Gefährdung zu begreifen. Und ja, Gesetze haben sich verändert, Beratungsstrukturen sind sichtbar geworden und heute gibt es mehr Sensibilität für digitale Nachstellung, z.B.

 Es gibt eine stärkere Beweissicherung und einen stärkeren Gewaltschutz. Aber der Kern bleibt, Betroffene müssen sehr oft erst beweisen, dass ihre Angst berechtigt ist. Und manchmal ist genau diese Wartezeit eben die gefährliche. Was mich an Mko besonders berührt, ist, dass er ja kurz vor der Tat zu einem Freund gesagt haben soll, dass die ganze Sache ja nicht so wild ist.

 Viele Betroffene minimieren die Gefahr und es liegt nicht daran, dass sie naiv sind. Es liegt einfach daran, dass es psychologisch schwer ist zu akzeptieren, dass ein Mensch, den man kennt, der mal ein Freund war, ein Arbeitgeber war, ja, eine Vertrauensperson, wirklich gefährlich sein könnte. Und unser Gehirn sucht ja nach Normalität und man sagt sich dann einfach, es wird schon aufhören, irgendwie ist es auch peinlich, ich will kein Drama machen.

Und ja, genau das nutzen kontrollierende Täter auch aus. Sie besetzen den Raum zwischen diesem unangenehmen Gefühl und dem bedrohlichen Gefühl und sie sorgen dafür, dass Betroffene sich fragen, ob sie überhaupt das Recht haben, Angst zu haben. Deshalb ist auch einer der wichtigsten Sätze aus diesem Fall für mich, dass ein Opfer muss nicht perfekt reagieren, damit seine Angst ernst genommen wird.

 Es muss auch nicht jeden Fragebogen sofort zurückschicken. Es muss nicht jedes Detail sofort erzählen. Es muss nicht bei der ersten Anzeige schon die perfekte Beweismappe haben. Und gerade bei Stalking sind Scharm, Unsicherheit und Überforderung eben Teil dieser Dynamik. Gucken wir jetzt noch mal kurz auf Gerwald Kosbona selbst.

 Seine Biografie ist ja auffällig. Seine Kindheit in einem extremistischen geweitgeprägten Umfeld. Berichte über ihn, über sein Jezorn, über seine Impulsivität und frühere Gewalt und dann auch der Bruch mit der Familie. Er hat sich politisch isoliert. Der drohende Bedeutungsverlust war ja dann auch da kurz vor der Wahl, die er ja dann auch verloren hat bzw.

 wo er dann auch aus dem Abgeordneten Haus wieder austreten musste. Laut seinem Bruder sagte er dem Stern ja, dass die Alarmsignale sich wie ein roter Faden durch Klaus Bonas Leben auch gezogen haben. Auch hier müssen wir natürlich auch sauber bleiben. Eine schwere Kindheit erklärt nicht automatisch einen Mord. Sie entschuldigt ihn auch nicht.

Viele Menschen erleben Geweiht, viele Menschen erleben Ablehnung und Demütigung und sie werden nicht zu tätätern. Und wenn wir über Herkunft, über Prägung und psychische Dynamiken sprechen, dann auf jeden Fall nicht um Gerwart Klosbona menschlich freius sprechen. Ich denke, wir müssen einfach verstehen, wie vielleicht aus Kränkung, aus Kontrollbedürfnis eine tödliche Gefahr entstehen kann.

 Und der Psychologe Wolf Orttis Müller von Stop Stalking wurde auch im Tagesspiegel mit einem Satz zitiert, der sehr gut, ja, wie ich finde, auch zu diesem Fall passt. Er sagt nämlich, stalking ist eine Straftat und keine Krankheit. Auf jeden Fall ein wichtiger Gedanke. Wir können ja nicht alles pathologisieren. So, man kann Täter auch nicht immer kleiner machen, als sie sind und ja so tun, als hätten sie keine andere Chance gehabt oder hätten sie keine andere Wahl gehabt, als jetzt diesen Weg zu gehen.

Stalking besteht aus Entscheidungen. Stalking besteht aus Anrufen, auflauern, beschuldigen, nachstellen und das immer und immer wieder. Kas B hat ja einen Brief geschrieben, indem er die Tat gestanden hat und darin schreibt er: “Ich habe am 15. September Mko im Affekt getötet. Finde ich sollten wir aber nicht so übernehmen, denn ein Täter hat immer ein Interesse daran, seine Tat in einem bestimmten Licht erscheinen zu lassen, ne? Das darf man nicht vergessen.

 Und im Effekt klingt eben nach Kontrollverlust, also nach einem Moment, ja, wo etwas plötzlich passiert. Aber die Fakten erzählen definitiv eine andere Sprache. Der Koffer, diese Sackkarre, der Stahlbolen, den er mit geschleppt hat, der Schlüssel, den er nachgemacht hat und was ist mit den Kabelbindern? Warum wurde MKO mit den Kabelbindern gefesselt? Und es ist eigentlich auch zu erkennen, dass zu der Tat Vorbereitungen getroffen wurden.

 All das passt eben nicht sauber zu einem simplen, spontanen Augenblick, in dem die Tat passiert ist. Aber der genaue Ablauf lässt sich nicht mehr vollständig rekonstruieren und darin liegt auch die Wahrheit in diesem Fall. Wir wissen zwar genug, um die Tat eindeutig zu benennen, aber wir wissen nicht alles, um jedes Detail sicher zu erklären.

Die Rechtsmedizin und auch Professor Dr. Zokus zeigen uns etwas sehr Wichtiges. Mirkus Körper erzählt nicht von Passivität, sondern von einem Kampf. Also er hat sich gewährt. Die Spuren zeigen einfach, dass da ein Mensch war, der in den letzten Momenten versucht hat, sein Leben zu retten. Nicht jede Belässigung wird zur tödlichen Gefahr.

 Das möchte ich jetzt abschließend auch noch mal sagen. Jede Stalkinganzeige aber verdient eine echte Risikoprüfung und jede Grenzverletzung im Muster von Stocking verdient Aufmerksamkeit und auch jedes Opfer verdient es nicht alleingelassen zu werden. der Frage, ist das, was mir passiert, eigentlich schon schlimm genug? Mich interessiert natürlich, was du denkst.

 Was sind deine Gedanken zu dem Fall? Wo beginnt für dich Stalking? Ist es erst dann stalking, wenn jemand offen droht oder schon dann, wenn jemand wiederholt Grenzen überschreitet, obwohl man auch klar nein gesagt hat? Das interessiert mich. Schreib gerne in die Kommentare in deinem Podcast Player deiner Wahl, ich weiß ja nicht, wo du ware Verbrechen hörst.

 Schreib auch gerne E-Mails. Schreib bei Instagram, bei YouTube, Spotify, Pymo, Apple Podcast, wo auch immer du kannst. Und ich bin sehr, sehr gespannt, wie du Stocking für dich persönlich einstellst, also auf welcher Skala stellst du den Risikoregler, wenn es um Stocking geht? Ich bedanke mich bei dir fürs Zuhören. Danke, dass du so lange dran geblieben bist, dass du die Nachbesprechung ähm verfolgt hast.

 Danke auch für deine Liebeunterstützung. Danke, dass du schon so viele Jahre an unserer Seite bist, dass wir zusammen die Fälle durchgehen können, dass wir uns zusammen über die Kriminalfälle Gedanken machen können. Vielen, vielen, vielen Dank dafür. Schau auch gerne in die Folgenbeschreibung, dort findest du Kontaktformation zu Hilfe stellen, die du aufsuchen kannst.

Solltest du vielleicht selbst von Stalking betroffen sein oder jemanden kennst und dich ja auch hilflos fühlst. Vielleicht weißt du gar nicht, was du machen sollst. Wie sollst du dieser Person helfen? Dann wende dich unbedingt an einer dieser Stellen, die du kostenlos und auch anonym kontaktieren kannst und hol dir Hilfe bzw.

 sei bei der Person an der Seite, die Hilfe braucht. Bis dahin hören wir uns auf jeden Fall nächste Woche Donnerstag wieder. Dann ist nämlich wahre Verbrechentag und ich sage bleib sicher. Ciao.

You Might Also Enjoy