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Festnahme nach elf Schuss-Attacken: Wer schickt die Teenager? T

Festnahme nach elf Schuss-Attacken: Wer schickt die Teenager? 

Bielefeld -Brackwede, 30. September 2026. Kurz nach drei Uhr in der Nacht fallen an der Hauptstraße Schüsse. Sie treffen das Geschäft eines Juweliers. In derselben Nacht schlagen Kugeln auch in ein Autohaus an der Brackweder Straße ein. Einen Tag später kommen die Täter zurück. Wieder der Juwelier. Wieder das Autohaus.

Verletzt wird niemand. Die Geschäfte sind leer. Aber die Botschaft ist angekommen. Denn vor den Schüssen, so berichten es Lokalmedien, hatte der Juwelier eine Forderung bekommen. Eine hohe Summe Geld. Drei Wochen später, am 22. Oktober, stürmt ein Spezialeinsatzkommando eine Wohnung in Steinhagen bei Gütersloh.

Die Polizei nimmt einen 19 -jährigen fest. Er kommt in Untersuchungshaft. Der Vorwurf: schwere räuberische Erpressung. Nur einen Tag davor, in Köln: Schüsse auf ein Uhrengeschäft in der Innenstadt. Zum dritten Mal auf denselben Laden. Drei Männer fliehen auf E-Scootern. Zwei werden gefasst. Einer von ihnen ist 18 Jahre alt.

Junge Männer, fast noch Jugendliche, die nachts auf Geschäfte schießen. Ermittler und Medien haben für das Phänomen einen Namen: Gen-Z-Mafia. Doch wer schickt die Teenager los? Und wer kassiert am Ende das Geld? Dieser Film folgt den Spuren der Schüsse. Von Bielefeld nach Köln, nach Mannheim und Berlin. Und weiter nach Istanbul, nach Italien und bis nach Russland.

Vorweg: Gegen die Festgenommenen gibt es bislang keine Anklage und kein Urteil. Für sie gilt die Unschuldsvermutung. Ob sie zu einer bestimmten Gruppe gehören, ist offen. Und die Menschen, auf deren Läden geschossen wurde, sind Opfer. Nicht Teil eines Milieus. Zurück nach Bielefeld. Nach den ersten Nächten in Brackwede bleibt es nicht ruhig.

Am 10. Oktober, gegen 23 .25 Uhr fünfundzwanzig, schießen Unbekannte erneut auf das Autohaus an der Brackweder Straße. Es ist der dritte Angriff auf dasselbe Geschäft. Eine Nacht später, kurz nach 23 Uhr, melden Anwohner in der Innenstadt Schüsse. Diesmal mitten in der Altstadt, an der Hagenbruchstraße. Das Ziel: ein Immobilienbüro.

Mehrere Kugeln durchschlagen das Schaufenster. In der Nacht auf den 14. Oktober trifft es das Restaurant Plaza an der Arndtstraße, Bielefeld-Mitte. Die Polizei schickt eine Hundertschaft in die Innenstadt. Uniformierte Streifen, sichtbar, rund um die Uhr. Doch die Serie springt über die Stadtgrenze. Am selben Tag wird in Gütersloh auf eine Shisha-Bar geschossen.

Am 18. Oktober, um 3 Uhr 51 auf eine Autovermietung in Kirchlengern. Und in einer weiteren Nacht, um 1 Uhr 50 auf einen Juwelier in der Gütersloher Moltkestraße. Die Polizei zählt bis Mitte Oktober elf Angriffe auf sieben Geschädigte. Juweliere, Autohäuser, ein Immobilienbüro, Gastronomie. Viele der Betroffenen sind türkischstämmige Geschäftsleute.

Verletzt wurde bis dahin niemand. Das ist kein Zufall. Wer nachts auf ein leeres Geschäft schießt, will vor allem eines: zeigen, dass er kommen kann. Jederzeit. Die Einschusslöcher im Glas sind eine Nachricht an den Inhaber. Und an alle anderen in der Straße. Was hinter den Schüssen steckt, berichten Lokalzeitungen aus Ostwestfalen: Die Inhaber sollen vorher Forderungen bekommen haben.

In einzelnen Fällen, so die Neue Westfälische, ging es um 100 .000 Euro. Das Bild ist immer gleich. Erst kommt die Drohung. Dann, wenn nicht gezahlt wird, die Schüsse. Und dann die nächste Forderung. Die Polizei Bielefeld richtet eine eigene Ermittlungskommission ein. Sie wertet Videoaufnahmen aus, sucht Zeugen, sichert Projektile und Hülsen.

Am frühen Morgen des 22. Oktober schlägt sie zu. Spezialkräfte dringen in eine Wohnung in Steinhagen ein. Dort wohnt ein 19 -Jähriger. Die Beamten nehmen ihn fest und stellen Beweismittel sicher. Welche, sagt die Polizei aus taktischen Gründen nicht. Noch am selben Tag erlässt das Amtsgericht Bielefeld Haftbefehl.

Die Vorwürfe: schwere räuberische Erpressung, Sachbeschädigung, Verstöße gegen das Waffengesetz. Die Ermittler gehen davon aus, dass er an mehreren Taten der Serie beteiligt gewesen sein könnte. Wolfgang Niewald, der stellvertretende Leiter der Bielefelder Polizei, sagt: Der große Personaleinsatz und die akribische Ermittlungsarbeit hätten sich ausgezahlt.

Aber die Ermittlungen sind nicht zu Ende. Die Polizei sucht nach weiteren Beteiligten. Denn ein 19 -Jähriger, der auf Schaufenster schießt, erklärt nicht, wer die Forderungen stellt. Und das ist die entscheidende Frage. Nicht nur in Ostwestfalen. Auch gut 150 Kilometer weiter südwestlich, in Köln. Köln, Breite Straße.

Eine der bekanntesten Einkaufsstraßen der Innenstadt. Anfang August schießen Unbekannte zum ersten Mal auf ein Uhrengeschäft. Acht Tage später, am 12. August, wieder. Gegen vier Uhr morgens hören Anwohner Schüsse. Die Polizei findet Einschusslöcher im Schaufenster und in der Fassade. Gestohlen wird nichts.

Nach Angaben der Polizei gibt es zu diesem Zeitpunkt keine Hinweise auf Rocker oder Clans. Der Inhaber sagt einem Fernsehteam am Telefon, er könne sich nicht erklären, warum es ausgerechnet ihn trifft. Es ist nicht der erste Anschlag in der Stadt. Ende Mai explodiert vor einer Cocktailbar in der Altstadt-Nord ein Sprengsatz.

Im Juni wird zweimal eine Eisdiele in Raderberg angegriffen, beim zweiten Mal brennt es im Inneren. Ende August fallen Schüsse auf ein türkisches Café in der Südstadt. Und im September trifft es eine Pizzeria. Immer wieder schlagen Kugeln ein, auch in die Wohnung darüber. In einem der Zimmer schläft ein zehnjähriger Junge.

Er bleibt unverletzt. Die Polizei ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdelikts. Patronenhülsen findet sie rund 100 Meter entfernt. Seit Ende Mai kam es in Köln und im Umland nach Recherchen von RTL West mehr als 20 Mal zu Schüssen. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln inzwischen zu rund 30 Taten. Schüsse, Explosionen, Brandanschläge.

Auf Häuser, Cafés, Bars und Juweliere. Im Oktober durchsieben Kugeln zwei Geschäfte in der Innenstadt. 13 Einschusslöcher. Gemeldet wird es erst Stunden später, von einem Passanten. Ein Anwohner hatte die Schüsse in der Nacht gehört. Die Polizei rief er nicht. Die Kölner Polizei hält sich mit Erklärungen zurück.

Ob die Taten zusammenhängen, ob dieselben Leute dahinterstehen, dazu sagt sie öffentlich wenig. Dann, am 21. Oktober, um 10 .04 Uhr, fallen wieder Schüsse auf das Uhrengeschäft in der Breite Straße. Zum dritten Mal. Diesmal sind die Täter nicht schnell genug. Zeugen sehen drei Personen auf E-Scootern davonfahren.

Über Videokameras verfolgt die Polizei die drei über die Hohenzollernbrücke Richtung Deutz. Dort stoppen Streifen zwei Männer, 18 und 42 Jahre alt. Beim Älteren finden die Beamten eine Schusswaffe. Der dritte entkommt Richtung Zoobrücke. Ob die beiden zu einer bestimmten Gruppe gehören, ist offen. Die Hintergründe seien noch unklar, schreibt die Polizei.

Bielefeld, Köln. Und es gibt ein drittes Ermittlungsverfahren, das zeigt, wie so eine Serie funktioniert. Es spielt in Mannheim. Seit März zünden Unbekannte dort Lokale an und schießen auf Geschäfte. Eine Shisha-Bar, ein Restaurant, eine Lounge in der Innenstadt. Im Mai gründet die Polizei eine besondere Aufbauorganisation, Name: Carré.

Im September schlagen die Ermittler zu. Neun Durchsuchungen in ganz Deutschland, sechs Festnahmen. Die Männer sind zwischen 18 und 29 Jahre alt. Alle kommen in Untersuchungshaft. Die Taten, die ihnen vorgeworfen werden, reichen weit über Mannheim hinaus. Brandanschläge und Schüsse auch in Worms, Rottweil, Hockenheim, im oberfränkischen Küps.

Und in Köln. Das Muster ist dasselbe wie in Bielefeld. Die Opfer sind türkische und türkischstämmige Geschäftsleute. Die Forderungen sind fünf- bis siebenstellig. Gezahlt hat nach Angaben der Ermittler niemand. Und die Ermittler nennen einen Namen. Die Festgenommenen sollen zu einer international agierenden Gruppe gehören, die aus der Türkei stammt: den Daltons.

Berlin. Eine Sondereinheit der Polizei durchsucht Lokale, Spätis und Autos. Sie heißt Ferrum, lateinisch für Eisen. Die Beamten suchen illegale Waffen. In einem Wagen finden sie eine Maschinenpistole aus dem 3D -Drucker. voll funktionsfähig. Seit Monaten erschüttert eine Serie von Gewalttaten die Hauptstadt.

In Spandau feuert ein Angreifer siebenmal auf die Beine eines 36 -Jährigen. Eine Filiale einer Fahrschulkette wird dreimal angegriffen. In Kreuzberg werfen zwei Vermummte eine Handgranate durch das Fenster eines Lokals. Auch die Staatsanwaltschaft hat eine eigene Ermittlungsgruppe gegründet. Sie heißt Telum, das lateinische Wort für Waffe.

Nach Recherchen von Kontraste sind dort mehr als 200 Verfahren anhängig. Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg sagt dem Magazin, man stelle eine Häufung von Straftaten gegen Ladenbesitzer aus dem türkisch-kurdischen Kulturkreis fest. Sie würden unter Druck gesetzt, eingeschüchtert, zum Teil mit Waffen, damit sie Schutzgeld zahlen.

Die Ermittler beschreiben eine klare Arbeitsteilung. Die Hintermänner sitzen meist im Ausland. Und in Berlin gibt es Leute, die die Taten ausführen. Nach Recherchen der Welt flogen in der Hauptstadt Waffenschmuggler auf, die Dutzende gefälschte Glock-Pistolen verkauft haben sollen. Sie sollen der Gruppe zugerechnet werden, die auch in Mannheim genannt wird.

Diese Gruppe steht im Zentrum der Ermittlungen. Um zu verstehen, wer sie ist, muss man an den Ort, an dem sie entstanden ist. Schutzgelderpressung ist eines der ältesten Geschäfte der organisierten Kriminalität. Das Prinzip: Ein Geschäftsmann zahlt, damit ihm nichts passiert. Er zahlt nicht für Schutz, sondern dafür, dass die Erpresser ihn in Ruhe lassen.

Ein Journalist, der zur türkischen Mafia recherchiert, sagt dem ARD-Magazin Kontraste, Geschäftsleute in Berlin hätten sich bei ihm gemeldet. Gefordert würden 100 .000 bis 200 .000 Euro. Für ein einziges Jahr. Was die Erpresser so gefährlich macht, ist das Schweigen. Wer zahlt, geht selten zur Polizei. Wer nicht zahlt, hat Angst vor dem nächsten Mal.

Ein Restaurantbesitzer in Berlin, auf dessen Laden geschossen wurde, sagt vor laufender Kamera nur: Er wisse nicht, wer ihn angegriffen hat. Und die Täter, die man fasst, sind oft nur die letzte Stufe. Junge Männer, die eine Adresse bekommen, eine Waffe und eine Uhrzeit. Wer ist die erste Stufe? Bevor wir diese Frage beantworten, eine kurze Bitte.

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Den Link findest du unter dem Video. Danke dir. Istanbul. Seit Jahren erschüttert eine Welle von Gewalt die Stadt am Bosporus. Dahinter stehen kriminelle Gruppen mit Namen, die harmlos klingen. Sie sind Comicfiguren entlehnt. Die Caspers. Die Schlümpfe. Und die Daltons, auf Türkisch Daltonlar, benannt nach den Gaunerbrüdern aus Lucky Luke.

Nach Recherchen des ARD-Magazins Kontraste sollen diese Gruppen allein in Istanbul in den vergangenen fünf Jahren mehrere Dutzend Menschen getötet haben. Neu ist nicht die Gewalt. Neu ist, wie offen sie gezeigt wird. Ein türkischer Investigativjournalist beschreibt es so: Früher habe man bei einem Mord der Mafia nur spekulieren können, wer dahintersteckt.

Die neuen Gruppen dagegen kündigen ihre Taten in Videos an. Und wenn sie getötet haben, veröffentlichen sie auch das. Die Täter kommen nach seinen Angaben oft aus ärmeren Vierteln. Angeworben werden sie über soziale Netzwerke. Manche sind 15 Jahre alt, wenn sie zum ersten Mal für eine dieser Gruppen schießen.

Der türkische Staat antwortet mit Härte. Razzien, Waffenfunde, Massenverfahren. In den vergangenen drei Jahren werden Tausende Jugendliche festgenommen. In einem einzigen Prozess stehen mehr als 300 mutmaßliche Mitglieder der Daltons vor Gericht, viele von ihnen minderjährig. Schon 2021 ergehen Haftbefehle gegen die Führung.

Viele setzen sich daraufhin ab. Nach Europa. Berlin, März 2024. Am Checkpoint Charlie, mitten in der Stadt, treffen mehrere Kugeln einen 44 -Jährigen. Er stirbt. Kontraste liegen italienische Ermittlungsakten vor. Darin wird ein Mann als Auftraggeber genannt: Barış B., lange eine Art Übervater der Daltons. Er hatte sich nach Italien abgesetzt.

Laut den Abhörprotokollen erhält er vier Minuten nach den Schüssen in Berlin eine Nachricht: Es ist erledigt. Glückwunsch. Im Mai 2024 nimmt die italienische Polizei Barış B. fest. Das Verfahren läuft noch. An der Spitze der Daltons steht heute nach Recherchen von Kontraste ein anderer: Beratcan Cian Gökdemir, genannt Can Dalton.

Ein Mann, der sich in sozialen Netzwerken inszeniert. Auf Instagram folgen ihm nach diesen Angaben mehr als 300 .000 Menschen. In der Türkei werden ihm Dutzende Morde zur Last gelegt. Nach den Recherchen drohen ihm dort insgesamt 1 .281 Jahre Haft. Ein Urteil gibt es nicht. Zeugen, darunter Teenager, sagen aus, er habe ihnen Mordaufträge gegeben.

Und auch in Deutschland ist das Prinzip zu sehen. In Berlin bekommt ein Supermarktbetreiber einen Anruf. Ein Mann, der sich als Ahmet von den Daltons vorstellt, verlangt 250 .000 Euro. Sonst würden die Läden in die Luft fliegen. Kurz darauf treffen Schüsse zwei Filialen. Der Schütze wird gefasst: ein junger kurdischer Geflüchteter, der als Minderjähriger nach Deutschland kam.

Nach Recherchen von Kontraste soll er in einer Unterkunft für Geflüchtete angesprochen worden sein, mit Drogen und Versprechen. Das Landgericht Berlin verurteilt ihn zu zwei Jahren und neun Monaten Haft. Im Urteil heißt es sinngemäß: Er war nur ein kleines Rädchen. Damit sind wir beim Kern des Phänomens.

Die Daltons sind nicht nur eine Bande. Sie sind, so sehen es Ermittler, ein Marktplatz. Und die Ware heißt Gewalt. Hamburg, Ende Juni 2026. Zwei Polizisten fällt in einer Seitenstraße der Reeperbahn ein Junge auf. Er will weglaufen, sie halten ihn fest. Er trägt Bargeld bei sich, eine scharfe Waffe, Munition.

Auf seinem Handy: die Privatadresse eines Rockers. Der Junge stammt aus den Niederlanden. Er ist 13 Jahre alt. Nach Recherchen von Spiegel TV wurde er über Snapchat angeworben. Eine Frau aus Amsterdam soll ihn über die Grenze nach Deutschland gebracht haben. Gegen sie ermittelt die Staatsanwaltschaft in Amsterdam, unter anderem wegen der Vorbereitung eines Mordes.

Für Fälle wie diesen hat das Bundeskriminalamt einen Begriff: Violence as a Service. Gewalt als Dienstleistung. Wer jemanden einschüchtern oder beseitigen will, bestellt die Tat. Ausgeführt wird sie von jemandem, der den Auftraggeber oft gar nicht kennt. Frankfurt am Main, August 2025. Ein 15 -Jähriger aus den Niederlanden wirft einen Brandsatz in ein Café.

Vier Gäste sind im Raum, einer von ihnen fast 80. Der Wirt tritt den Brandsatz geistesgegenwärtig in eine Ecke. Alle kommen heraus. Der Jugendliche wird gefasst und zu vier Jahren und drei Monaten verurteilt. Für die Tat sollte er nach Recherchen von Spiegel TV 1500 Euro bekommen. 1 .500 Euro. Das ist der Preis, um den es geht.

Früher, sagt ein Kriminalreporter aus den Niederlanden bei Spiegel TV, habe ein Auftragsmord 50 -100 .000 Euro gekostet. Heute würden Teenager für ein paar 1 .000 Euro losziehen. Für die Hintermänner sind sie billig und leicht zu ersetzen. Wird einer gefasst, kommt der nächste. Und der Gefasste weiß oft nicht einmal, für wen er gearbeitet hat.

Gefasste Gefasste Wird der der einmal, für kommt nicht weiß, er gearbeitet hat. wen Angeworben wird dort, wo Jugendliche ohnehin sind. In Gruppen auf Telegram oder Snapchat, die schlicht schnelles Geld heißen. Auf TikTok und Instagram, wo die Gruppen ihre Waffen, Autos und Taten zeigen. Wer einen Auftrag annimmt, muss die Tat oft selbst filmen.

Als Beweis, dass er geliefert hat. Das Video wird zur Quittung. Und zur Werbung für die nächste Anwerbung. Ein Mann, der sich als Mitglied der Daltons ausgibt, sagt dem Reportageformat STRG_F: Man rekrutiere täglich Dutzende Leute. Aus Deutschland, Frankreich, Italien. Überprüfen lässt sich das nicht. Das Muster stammt aus Schweden.

Dort setzen kriminelle Netzwerke seit Jahren Minderjährige für Schüsse – und Sprengstoffanschläge ein. Europol hat im April 2025 eine eigene Taskforce gegründet, Name: Grimm. In den ersten sechs Monaten gab es 193 Festnahmen. In Deutschland hat das Bundeskriminalamt eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Sie heißt Sicario.

Das spanische Wort für Auftragsmörder. Und damit zurück zu Beratcan Gökdemir. Nachdem er sich aus der Türkei abgesetzt hat, wird er 2024 in Russland festgenommen. Die Türkei verlangt seine Auslieferung. Sie schickt Ermittlungsakten nach Moskau. Ausgeliefert wird er nicht. Offiziell, so Kontraste, steht er in Russland unter Hausarrest.

Ein Mann, der sich als Sprecher der Daltons vorstellt, behauptet etwas anderes: Gökdemir sitze in einem Unterschlupf, mit Telefon und Laptop, in Kontakt mit der ganzen Welt. Überprüfen lässt sich das nicht. Seitdem kursiert ein Verdacht: dass der russische Staat den Chef einer Gruppe schützt, die in Europa Gewalt verkauft.

Und dafür vielleicht eine Gegenleistung bekommt. Belegt ist das nicht. Ein Sicherheitsexperte erklärt bei Kontraste, solche Deals seien nicht ungewöhnlich: Kriminelle bieten dem Staat Dienste an. Geldwäsche, Schmuggel, die Anwerbung von Helfern. Oder Taten, die ein Land destabilisieren sollen. Masowien, Polen, 23. September 2026.

Zwei Vermummte klettern über den Zaun einer Bodenstation für Starlink-Satelliten, rund 50 Kilometer südlich von Warschau. Sie verteilen brennbare Flüssigkeit an der Technik. Nach etwa drei Minuten sind sie wieder weg. Am 12. Oktober nehmen das Bundeskriminalamt und die Polizei in Baden-Württemberg zwei türkische Staatsbürger fest.

Am Bahnhof von Nürtingen bei Stuttgart. Sie sind 38 und 34 Jahre alt. Nach Informationen des Spiegel, die sich auf Quellen aus mehreren Ländern stützen, führt die Spur zu den Daltons. Die beiden könnten der Gruppe angehören oder in ihrem Auftrag gehandelt haben. Und die Daltons wiederum sollen einen Auftrag russischer Geheimdienste erhalten haben.

Polens Regierung hat daran keinen Zweifel. Öffentliche Beweise hat sie bisher nicht vorgelegt. Das Bundeskriminalamt schreibt in seinem neuen Lagebild zur organisierten Kriminalität allgemein, es gebe Hinweise, dass Staaten solche Strukturen für hybride Angriffe nutzen. Was heißt das für die Schüsse in Bielefeld und Köln? Zunächst: Eine direkte Verbindung zu Russland ist für diese Taten nicht belegt.

Ob die Festgenommenen überhaupt zu den Daltons gehören, wissen wir nicht. Es kann auch Nachahmer geben. In Mannheim ermitteln die Behörden gegen einen 48 -Jährigen, den sie ausdrücklich als eigenständigen Trittbrettfahrer einstufen. Was sich aber zeigt, ist ein Geschäftsmodell. Es braucht keine Familie, keinen Clan, keine Kutte.

Es braucht ein Handy, eine Waffe und jemanden, der für wenig Geld den Abzug drückt. Die Zahlen des Bundeskriminalamts zeigen, wie sich die Lage verändert. Im Jahr 2025 ermittelten die Behörden in Verfahren der organisierten Kriminalität gegen 7 .988 Tatverdächtige. Knapp 12 % mehr als im Vorjahr. Sichergestellt wurden 688 Schusswaffen.

Ein Anstieg um 61%. Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen rechnet seit Februar rund 20 Taten im Land Gruppen zu, die öffentlich als Gen-Z-Mafia bezeichnet werden. Die Ermittler in Bielefeld werten jetzt aus, was sie in Steinhagen sichergestellt haben. Sie suchen nach Mittätern und nach denen, die die Forderungen gestellt haben.

In Köln sollten die beiden Festgenommenen am Tag danach einem Haftrichter vorgeführt werden. Der dritte Mann vom Uhrengeschäft wird weiter gesucht. Offen ist, ob die Ermittler die Kette bis nach oben verfolgen können. Denn die Spur, die bei einem Schaufenster in Brackwede beginnt, führt über Chatgruppen, Mittelsmänner und Grenzen.

Und wer am Ende die Befehle gibt, sitzt womöglich dort, wo deutsche Haftbefehle nicht hinreichen. Für die Geschäftsleute bleibt die Angst. Für die Anwohner in Köln ein Gefühl, das ein Mann in der Innenstadt so beschreibt: Es sei zur Normalität geworden. Und für die Teenager, die geschossen haben, bleibt die Rechnung.

1500 Euro, vielleicht weniger, vielleicht gar nichts. Dafür Jahre im Gefängnis. Die Hintermänner zahlen diesen Preis nicht. Wir bleiben an diesen Ermittlungen dran. Sobald es Anklagen, neue Festnahmen oder Urteile gibt, erfährst du es hier auf AKTE 211. Wenn du sehen willst, wie eine Rockergruppe in Duisburg ins Visier der Ermittler geriet, schau dir als Nächstes unseren Film über die Hells Angels an.

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Disclaimer: This story is fictional and created for entertainment purposes only. Any names, characters, places, or events are fictitious or used fictitiously. No real person or organization is intended to be portrayed.

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